Fünftes Kapitel
„Trügerische Sicherheit"
Tanfalas schlich sich während des Festes
unbeobachtet aus dem Zelt und eilte den Hügel hinab, wobei sie
sich immer wieder umschaute, um auch ganz sicher zu gehen, dass
niemand ihr folgte. Sie schlug nicht den Weg zum Lager ein, sondern
strebte auf den Turm von Isengard zu, der nun finster und fast
bedrohlich im Schatten der Fackeln in den Himmel ragte. Sie umrundete
den Turm soweit, dass sie die Felswand zugewandter Seite erreichte
und suchte die Umgebung nach der Person ab, die sie zu diesem
Treffpunkt gerufen hatte. Sie musste auch nicht lange suchen, gab das
vereinbarte Zeichen und der Schatten löste sich aus dem Schutz
der Felsen und kam auf sie zu. Tanfalas konnte nur das bleiche
Gesicht im Mondschein erkennen, dass unter der dunklen Kapuze
hervorsah, alles andere verbarg sich in einem langen, weiten
Umhang.
Eine Weile starrten sich die beiden Frauen schweigend aber
abschätzend an, bevor Tanfalas die Neugier nicht mehr länger
zurück halten konnte.
"Ihr seid Balêlain – die
Berghexe? Ich hoffe, meine Zofe hat euch darüber in Kenntnis
gesetzt, was ich von euch benötige."
Die Frau nickte und
einen Augenblick später hielt ihr eine alte, magere Hand ein
Päckchen entgegen, dass Tanfalas ein Lächeln entlockte.
"Erzähl mir etwas über Alkiach! Wie wirkt es?"
Die
Stimme der Berghexe klang schrill und krächzend und jagte
Tanfalas einen Schauer über das Rückrat, aber sie hörte
der alten Frau interessiert zu.
"Es wächst nur oben in
den Bergen und es gibt kein Gegenmittel, wenn es das ist, was ihr
wissen wollt, Herrin. Er wird leiden und nicht mehr in der Lage sein,
zwischen Vision und Realität zu unterscheiden, bis es aus seinem
Blut gewichen ist. Verabreicht ihm nicht eine zu große Dosis
und nicht zu rasch hintereinander, denn es macht süchtig! Wird
man erst einmal abhängig, bedeutet das Absetzen der Droge den
Tod!"
"Ich will ihn nicht umbringen – ich will ihn nur
brechen!" Die fein geschwungenen Linien ihrer Lippen verzogen
sich zu einem entschlossenen Lächeln. "Und ich werde ihn
brechen!"
ooOOoo
Binnen zwei Tage war das Lager
rund um Isengard völlig geräumt und zurück blieben nur
zertretenes Gras und die dunklen Flecken der Feuerstellen, an denen
sich die Wachen in der Nacht gewärmt hatten.
Die letzte
Kolonne, die abreisebereit noch am Rand von Isengard stand, gehörte
Aragorn und seinem Gefolge. Die Gefährten des alten Bundes
standen zusammen bei den Pferden und beobachteten lächelnd die
rührende Abschiedsszene, die sich zwischen Êomer, seiner
Schwester und seinem Schwager abspielte. Eowyn wollte Êomer gar
nicht mehr loslassen und selbst dem Krieger standen Tränen in
den Augen. Schließlich fasste Faramir sich ein Herz und löste
Eowyn sanft aber entschieden aus der innigen Umarmung mit ihrem
Bruder und klopfte diesem auf die Schulter.
"Wir werden uns
sicher bald wieder sehen! Aber nun müssen wir endlich los, sonst
brechen die Anderen noch ohne uns auf!"
Die Hobbits rutschten
auf den Rücken ihrer Ponys schon unruhig hin und her, denn sie
konnten die Abreise nicht länger erwarten. Sie wollten noch für
einige Zeit mit nach Minas Tirith reiten, von dort aus auch Eowyn und
Faramir hin und wieder besuchen, aber vor allem ihre Neugier
befriedigen, wie die weiße Stadt sich wohl inzwischen gewandelt
hatte. Nach dem Ringkrieg waren viele Gebäude und Strassen
zerstört gewesen und laut Gandalfs Bericht, hatten die
Handwerker inzwischen ganze Arbeit geleistet.
Der Zauberer wollte
die Reisenden ebenfalls noch ein Stück auf ihrer Strecke
begleiten, sich aber dann mit Gimli und Legolas nach Düsterwald
wenden, um Thranduil einen Besuch abzustatten. So brachen sie
schließlich gemeinsam auf.
Auch wenn Aragorn es sich
niemals offen eingestanden hätte, so war er doch froh, als sie
Minas Tirith endlich am fünften Tag ihrer Reise erreichten.
Während des langen Ritts hatte er ständig die Umgebung im
Auge behalten und es vorgezogen, offene, gut überschaubare
Lagerplätze zu wählen. Er sah auch sehr wohl, dass Arwen
die Zahl der Wachleute bei jeder Nachtwache verdoppelt hatte, nahm es
aber schweigend zur Kenntnis, denn es bedeutete auch einen höheren
Schutz für sie, der ihm nur Recht war.
Am zweiten Tag ihrer
Reise verabschiedeten sie sich von Gandalf, Gimli und Legolas –
nicht weniger berührt wie noch vor wenigen Tagen von Êomer
– und Legolas klopfte ihm zum Abschied noch einmal freundschaftlich
auf die Schulter. "Gib auf dich und Arwen acht, mellon nin! Auch
wenn ihr in Minas Tirith wohl sicher sein werdet, so beschleicht mich
immer noch ein seltsames Gefühl. Le tiriel (sei wachsam)!"
Die
Worte des Elben klangen immer noch in Aragorns Ohren, als er sich am
Morgen nach seiner Ankunft wieder in sein Arbeitszimmer begab und
sich in den Lehnstuhl hinter seinem Schreibtisch fallen ließ.
Die Papiere und Berichte hatten sich in seiner Abwesenheit eher
verdoppelt, als verringert, doch er konnte noch keinen klaren
Gedanken fassen und schob den Stapel unwillig zur Seite.
Lachen
drang aus dem Garten zu ihm herauf und er trat ans Fenster. Die
Hobbits saßen im Schatten der Bäume und erzählten
gerade anschaulich einige lustige Erlebnisse und Weisen, was ihre
beiden Zuhörer, Arwen und Bergil, ihnen mit viel Gelächter
entlohnten.
Aragorn lächelte als er die Unbeschwertheit
seiner Freunde beobachtete. Ja, dachte er, sie haben Recht! Wir
sollten uns nicht länger von den schlechten Ereignissen des
Helkaannon beeinflussen lassen und wieder ein normales Leben führen!
Wir sind hier sicher.
Er kehrte an den Schreibtisch zurück,
von neuem Tatendrang erfasst und merkte nicht einmal, wie die Sonne
am Himmel unablässig ihren Weg beschrieb und sich schließlich
auf das Land hinab senkte. Der Berg der Schriftstücke war
beachtlich geschrumpft und zufrieden lehnte sich Aragorn gerade in
seinem Stuhl zurück, als Bergil den Kopf zur Türe herein
steckte.
"Herr! Ihr..."
"Ja, ich werde sofort
mitkommen, um das Abendessen nicht zu versäumen, damit meine
liebe Frau auch nicht wieder mit mir schimpfen muss!",
unterbrach er den Knappen, bevor er ihn wieder belehren
konnte.
"Nein, Herr! Ich soll euch ausrichten, dass ihr schon
einmal ohne eure Gemahlin speisen sollt. Sie hat einen Tisch in eurem
Zimmer richten lassen. Sie hat auch etwas erwähnt wie
Schleichen im Dunkeln !"
Bei dieser Bemerkung zuckte
ein Lächeln um Aragorns Mundwinkel. "Ach ja, hat sie das
gesagt?"
"Ja, Herr! Ich weiß zwar nicht, was sie
damit gemeint hat, aber ich sollte es euch ausrichten!"
"Danke
Bergil, du kannst dich jetzt zurückziehen. Für heute
brauchen wir dich nicht mehr!"
Aragorn nahm erst ein
ausgedehntes Bad, ließ sich von der Luft trocknen und begab
sich, in eine dünne, seidene Robe gekleidet, in sein
Schlafgemach. Er ließ sich an den Tisch nieder, der mit Seide
und Silber gedeckt war und auch zwei Kristallkelche standen darauf
bereit. Er aß mit einem solchen Appetit, dass Bergil ihn gelobt
hätte, denn gemeinsam mit Arwen kämpfte er immer noch gegen
seine Neigung, zu viel zu arbeiten und zu wenig zu essen. Als Aragorn
mit dem Essen fertig war, lehnte er sich mit einem Lächeln auf
den Lippen in seinem Sessel zurück und schwenkte den
Weinkelch.
Vor geraumer Zeit hatten er und Arwen damit begonnen,
sich häufig spätabends im Garten zu treffen, da Aragorn oft
viel zu wenig Zeit für sie hatte. Die Bediensteten grinsten im
Stillen über diese Angewohnheit ihrer Herren, taten jedoch so,
als bemerkten sie nichts, sorgten aber dafür, dass sie durch
nichts und niemanden gestört wurden.
Diese Spielerei zwischen
ihnen Beiden war genau das, was Aragorn heute brauchte und als es
dunkel war, nahm er die beiden Kristallkelche und einen vollen Krug
Wein und verließ das Zimmer.
Barfuss, nur in seine Robe
gehüllt, schritt er die Stufen in den Garten hinab, durchquerte
ihn und wartete am Wasserfall auf sie. Er spürte ihre Gegenwart
schon, bevor sich ihre Arme um seine Taille legten und sie ihren
Körper an seinen Rücken schmiegte und er genoss es, als
ihre Lippen seinen Nacken streiften.
Ihre ersten Worte brachen
jedoch den Zauber und brachten seine Zufriedenheit zum
Schmelzen.
"Wer, meinst du, wollte mit aller Gewalt das
Helkaannon stören? Sag mir nicht, du würdest dir diese
Frage nicht auch schon die ganze Zeit über stellen."
Sie
ließ ihn los und er wandte sich zu ihr um. Enttäuscht
hielt er den Krug und die Gläser hoch.
"Ich dachte, wir
würden..."
"Oh, das werden wir doch auch!",
versicherte sie ihm und besiegelte ihr Versprechen mit einem Kuss.
"Aber ich habe dich den ganzen Tag über nicht gesehen, weil
du dich wieder hinter deinen Berichten versteckt hast. Rede mit mir,
Aragorn. Irgendwann müssen wir uns darüber
Unterhalten!"
Sie setzten sich nebeneinander ins Moos und ihr
Kopf ruhte an seiner Schulter. Er erzählte ihr noch einmal
ausführlich vom Verlauf der beiden Überfälle und da er
sie in seinen Armen hielt, konnte er die Reaktion ihres Körpers
fühlen, die ihre wahren Gefühle nicht verbergen konnten,
während sie versuchte, eine gefasste Haltung zu bewahren.
Nach
einer Zeit des Schweigens überlegten sie gemeinsam, was das Ziel
dieser Anschläge gewesen sein mochte und fanden doch keine
rechte Erklärung.
Schließlich öffnete Aragorn den
Krug und sie tranken aus den Kelchen den kühlen Wein, saßen
beieinander und genossen ihre Zweisamkeit.
ooOOoo
Am
nächsten Morgen fühlte Aragorn sich ausgeruht und glücklich
und betrat pfeifend die große Halle, wo die Hobbits bereits bei
einem ausgedehnten Frühstück beisammen saßen. Als
Aragorn sie schon von weitem begrüßte, fuhren ihre
überraschten Köpfe zu ihm herum, denn sie hatten nicht
damit gerechnet, dass er heute Zeit für sie haben würde,
nachdem er sich am Vortag die ganze Zeit in seinem Arbeitszimmer
aufgehalten hatte.
"Was ist? Habt ihr Lust auf einen Ausritt?
Was ich gestern noch nicht erledigt habe, kann auch bis Morgen
warten. Wir könnten Eowyn und Faramir einen Besuch abstatten!",
schlug Aragorn vor und grinste, angesichts der verblüfften
Gesichter der Hobbits.
Kurze Zeit später saßen die
Fünf auf ihren Tieren und ritten aus der Stadt hinaus, bepackt
mit einem reichhaltigen Picknick, dass Arwen für sie hatte
bereiten lassen.
Sie erreichten schon eine Stunde später den
schmalen Pfad, der zur Brücke über den Anduin führte
und waren gezwungen hintereinander zu reiten. Aragorn musste Brego
immer wieder davon abhalten, nicht loszustürmen, denn er wollte
unbedingt in Galopp fallen und die Strecke so schnell wie möglich
hinter sich bringen. Das Tier wusste nur zu gut, dass Eowyn immer
einige Leckerbissen für es bereithielt.
Zu ihrer Rechten
ragten schon die Schattengebirge auf, dessen dunkle Klippen und
Felsvorsprünge nie ganz ihre Wirkung verlieren würden. Die
Fantasie spiegelte den Hobbits eine Vielzahl von unmöglichen
Monstern vor, die in den Schatten lauerten, doch sobald die Sonne
weiter ihre Strahlen aussandte, verloren sich diese Schreckgespenster
wie von selbst.
"Da oben, Aragorn!", rief Frodo
plötzlich begeistert und wies in den Himmel hinauf, wo drei
große, wunderschöne Falken ihre Kreise zogen und ihre
Schreie zu den Reitern hinab schickten. Ihre Schwingen waren weit
ausgebreitet und sie segelten auf der frischen Brise, die den
Freunden ein wenig Kühlung brachte.
Aragorn lachte laut auf,
angesichts der Freude, mit der diese Tiere ihm die Freiheit
verdeutlichten und im nächsten Moment gab er seinem Glücksgefühl
nach und trieb Brego zum Galopp. Frodo rief ihm eine Warnung
hinterher, doch diese verlor sich in dem Geräusch der Hufe, die
über den steinigen Boden donnerten. Er trieb Brego zu immer mehr
Schnelligkeit an und sein Umhang blähte sich hinter ihm, fast
wie ebenso große Flügel der Falken. Die Vögel flogen
über ihm und er wusste, sie würden ihn bald abhängen –
doch so lange wollte er ihnen folgen.
Der Wind wirbelte um ihn
her, blies Bregos Mähne in seine Augen, peitschte sein Gesicht
und entblößte seine Brust; er setzte über einen
Felsbrocken und kam sich einen Augenblick selber so vor, als würde
er fliegen.
Ein heftiger Schmerz durchzuckte seine rechte
Schulter und zuerst glaubte er, sein Pferd hätte mit den Hufen
einen Stein aufgewirbelt, aber irgend etwas zerrte an der Wunde und
er griff mit der linken Hand nach hinten, zügelte mit der
rechten, die langsam gefühllos wurde, Brego und seine Finger
umklammerten ein Messer.
Vor ihm befanden sich einige dürre
Sträucher und kleinere Felsbrocken und dahinter stürzten
sich plötzlich sechs Männer hervor, schwarz gekleidet,
einige mit Bogen, andere mit Schwertern.
Brego rutschte auf den
losen Steinen, wieherte seine Aufforderung zum Kampf heraus, wie es
sein Blut und seine Ausbildung verlangte und bäumte sich auf.
Aragorn klammerte sich an ihn fest, zückte mit der linken Hand
sein Schwert und mit der rechten eines seiner Stiefelmesser. Die
Männer stürzten sich auf ihn, einer packte die Zügel
des Hengstes, doch der warf so abrupt den Kopf in den Nacken, dass er
dem Mann fast die Hand abriss.
Das Gleichgewicht jedoch war dahin
und noch während Aragorn versuchte, auf die Arme und Schwerter
einzuschlagen, die nach ihm griffen und zerrten, taumelte Brego und
Aragorn stürzte zu Boden.
Schwarze Regenbogen explodierten
vor seinen Augen, als eine Hand nach dem Messer in seiner Schulter
griff und es erbarmungslos hin und her zerrte. Er spürte, wie
Muskeln und Sehnen rissen, sein Schwert wurde ihm aus der Hand
getreten und er versuchte sich fortzurollen, doch der Mann hielt das
Messer immer noch fest und drehte es erneut in seiner Schulter. Aus
einem Instinkt heraus, hieb er dem Mann seinen Ellenbogen in den
Magen, gewann vorübergehend seine Freiheit und zerrte unter
heftigen Schmerzen das Messer aus seinem Fleisch. Ihm wurde dabei
übel, so stark tobte der Schmerz in seinem gesamten
Arm.
Plötzlich hörte er Frodo seinen Namen rufen und
fuhr erschrocken zu den Hobbits herum, die inzwischen zu ihm
aufgeschlossen hatten. Aragorn rief ihnen zu, dass sie sich in
Sicherheit bringen sollten und sich nicht weiter um ihn kümmern
sollten, doch schon sah er aus den Augenwinkeln, wie einer der Männer
seinen Bogen spannte. Er konnte alles nur verschwommen sehen, nichts
hören, nur den unglaublichen Schmerz fühlen, doch er
stürzte sich in einem verzweifelten Versuch auf den Mann.
Dennoch vernahm er einen Schmerzensschrei, als er gegen den
Schützen schlug und ihn zu Boden riss. Er kämpfte sich
wieder auf die Knie und sah bei den Hobbits eine Gestalt am Boden
liegen, als ein neuer, stechender Schmerz durch seinen Schenkel fuhr.
Er tastete danach und als er den Pfeil entfernte, klärte der
Schmerz seinen Blick.
Frodo lag neben seinem Pony auf dem
felsigen Grund, während Sam sich bereits über ihn beugte.
Merry und Pippin waren ebenfalls abgesprungen, ihre Schwerter in der
Hand und stürmten in seine Richtung.
Eine Bewegung, die er
mehr spürte als sah, ließ ihn herumfahren und mit dem
Messer zustechen, an dem immer noch sein Blut klebte. Er traf den
Bogenschützen, noch bevor dieser den Pfeil in die Richtung der
Hobbits feuern konnte, doch Aragorns Augen spielten ihm einen
Streich. Er erwartete, den Schmuck der Männer, die ihre Umhänge
schlossen, in den Farben der Variags vorzufinden, doch dem war nicht
so. Sein Verdacht wurde nicht bestätigt, doch die Verwunderung
machte ihn offen für den Schlag mit dem Schwertknauf, der ihn
schließlich zu Fall brachte. Als er in den Staub sank, trieb
ihn die letzte Erkenntnis in die Bewusstlosigkeit – es waren die
Farben der Haradrim!
ooOOoo
Merry und Pippin
versuchten, die Männer aufzuhalten, während Sam sich um den
verletzten Frodo bemühte, doch sie waren einfach noch zu weit
entfernt, als das sie rechtzeitig bei ihnen eintreffen konnten.
Außerdem mussten sie immer wieder hinter einigen Felsen Deckung
suchen, um nicht auch von einem Pfeil getroffen zu werden und so
sahen sie nicht einmal, wie Aragorn auf einem der Pferde festgebunden
wurde und sich die Truppe unter schnellem Galopp entfernte.
Als
sie sahen, dass die Verfolgung sinnlos war, kehrten sie zu Sam
zurück, der sich immer noch darum bemühte, Frodo aus seiner
Bewusstlosigkeit zu holen.
"Herr Frodo! Herr Frodo! Komm zu
dir! Ich bin es – Sam!"
Merry und Pippin ließen sich
neben ihm auf die Knie fallen.
"Was ist? Wurde er schwer
verletzt?", fragte Pippin besorgt.
"Der Pfeil hat nicht
viel Schaden angerichtet! Er hat die Schulter nur gestreift, aber er
ist hart mit dem Kopf aufgeschlagen – seht ihr!"
Eine dicke
Beule färbte sich an der Stirn des Hobbits bereits blau und
schwarz. Regungslos hing er in Sams Armen und zeigte nicht die
geringste Reaktion auf die Versuche, ihn wieder zur Besinnung zu
bringen.
"Was sollen wir denn jetzt tun?", fragte Sam
verzweifelt und sah zu Merry, der ebenfalls sichtlich besorgt den
Blick erwiderte.
"Wir müssen Frodo nach Ithilien bringen
und Faramir von dem Vorfall erzählen. Er wird nicht gerade
begeistert davon sein, dass Aragorn verschwunden ist, aber ohne seine
Hilfe werden wir wohl kaum eine Chance haben!"
Pippin sprang
auf. "Wir sollten so wenig Zeit wie möglich verschwenden
und umgehend die Verfolgung aufnehmen!", protestierte
er.
"Sicher Pippin! Und wenn wir sie finden? Drei von uns
gegen wie viele von ihnen? Und noch dazu mit einen Messer an Aragorns
Kehle? Nein! Wir müssen Hilfe holen und hoffen, dass der Wind
ihre Spuren nicht verwischt, damit Faramir ihnen folgen
kann."
Entschlossen kehrte er zu Sam zurück, hievte
Frodo mit dessen Hilfe auf das Pony und saß ebenfalls auf. Sam
führte Frodos Tier neben sich her und so brach die kleine
Kolonne in Richtung Ithilien auf – erfüllt von der Sorge um
Frodo und Aragorn.
