Sechstes Kapitel

„Verzweiflung"

Nuinrûn rieb sich das immer noch leicht blutige Kinn, wo die Klinge des Königs ihm eine blutige Schramme zugeführt hatte. Er sah zu der schmalen Mondsichel herüber, die zwischen den zerklüfteten Bergen kaum sichtbar war und so nicht sonderlich viel Licht abgab. Sie befanden sich ständig in Gefahr, über lose Steine und Spalten zu stolpern oder die Wegweiser in der Landschaft zu übersehen, die sie zurück zu der Hütte führen würde. Der Zeitpunkt war völlig falsch gewählt gewesen, aber eine bessere Gelegenheit, ihren Auftrag durchzuführen, wäre wohl so rasch nicht wieder gekommen.
Nuinrûn fluchte, als sein Pferd auf den Steinen rutschte und sich das Pferd des Königs gleichzeitig sträubte, wobei es seinen Arm im schmerzhaften Winkel nach hinten zog. Dafür müsste die Fürstentochter noch tiefer in den väterlichen Geldbeutel greifen!
Er sah über seine Schulter auf den König herunter, der wie ein Getreidesack auf dem Sattel festgezurrt war. Die Seile, mit denen seine Handgelenke und Knöchel gefesselt waren, verliefen fest unter dem Bauch des Hengstes hindurch.
Neben ihm lag einer von Nuinrûns toten Männern, fest eingewickelt in ein Tuch, um keine verräterischen Blutspuren auf dem Weg zu hinterlassen. Das königliche Schwert, das für diesen, und einen weiteren Toten verantwortlich war, lag auf den Schenkeln vor Nuinrûn und befand sich nun in dessen Besitz, zusammen mit den Stiefelmessern des Königs.
Die Hufe seines Pferdes rutschten wieder und Nuinrûn rief seinen Männern einen geknurrten Befehl zur Warnung zu. Zwei von ihnen waren verletzt, zwei tot und ein weiterer taumelte halb bewusstlos im Sattel seines Tieres hin und her. Es hatte viel Zeit gekostet, die Verletzten zu versorgen und sie kamen nur langsam voran, weil sie drei Pferde führen mussten.
Doch er konnte zufrieden mit seiner Arbeit sein. Die Leute des Königs würden glauben, dass die Variags hinter dem neuen Angriff steckten, denn sie hatten den blutigen Dolch so liegen lassen, dass sie ihn einfach finden mussten!

Er lachte, als er sich vorstellte, wie Ithiliens und Rohans Armeen denen von Gondor zur Seite stand, wenn diese gegen Khand zogen, um ihren König zu befreien und somit in einen Krieg geraten würden, dessen Ursache auf einer falscher Tatsache beruhten.
Dabei würde sich ihr geliebter Elessar nicht unweit von Ithilien befinden – in den Händen von Tanfalas, während ihr Vater das schutzlose Gondor einnehmen würde.
Er blickte wieder auf den König herab, als sich sein dunkler Haarschopf bewegte und ein ersticktes Stöhnen über seine Lippen kam. Nuinrûn zog den Fuß aus dem Steigbügel und versetzte ihm einen Tritt, direkt über dem Ohr. Weiteren Schaden konnte er aus Angst vor Tanfalas nicht wagen. Der König versank wieder in Bewusstlosigkeit und schwaches Mondlicht glänzte auf den Blutflecken seiner Tunika was Nuinrûn ein Lächeln auf das Gesicht trieb. Er wusste nicht was Tanfalas mit ihm vorhatte, doch es interessierte ihn auch nicht sonderlich. Er wollte nur seinen Preis für diese Mühen – die Herrschaft über einen netten kleinen Besitz am Rande von Gondor und in Frieden leben.
Er würde Elessar abliefern, wie er versprochen hatte und im Winter würde er schon in seinem Haus am Feuer sitzen, vielleicht sogar mit einem netten Weib, dass ihm heiße Suppe kochte und seine alten Knochen massierte.

Diese Zukunftsvisionen hielt ihn während des langen Rittes in der Nacht etwas bei Laune und als die Sonne aufging, hatten sie es nicht mehr weit bis zu ihrem Ziel. Nuinrûn beschleunigte leicht ihr Tempo, sein ziel immer klar vor Augen und er ignorierte verbissen die brennende Sonne und das murren seiner Männer. Schließlich führte Nuinrûn die Gruppe einen schmalen Weg entlang und schreckte eine kleinen Trupp Wachen auf, die ihn anriefen stehen zu bleiben, doch nach einer kurzen Erklärung und einen Blick auf den Gefangenen wurden sie ungehindert durchgelassen.
Die Hütte, die schon eher einem stattlichen Haus gleich kam, schmiegte sich an die steinigen, rauen Felsen des Aschengebirges und wenn es auch in der Dunkelheit nicht sonderlich groß gewirkt hatte, so musste Nuinrûn feststellen, dass es sich drei Stockwerke hoch in den Berg erstreckte. Aus diesem Grund war ihm die Größe in der Nacht auch nicht aufgefallen, denn es war aus dem gleichen dunklen Stein gemauert und war in der Finsternis beinahe unsichtbar.

Als sie in den Hof einritten, schwang er sich von seinem Pferd, wobei ihn jeder Muskel schmerzte, entriss einem der Diener den Wasserschlauch und trank gierig.
Tanfalas Stimme rief ihn von der Treppe her zornig an, sodass er sich beinahe verschluckte.
"Warum seid ihr so schnell wieder zurück?"
"Seid froh, dass wir überhaupt wieder gekommen sind!", entgegnete er mürrisch und deutete mit dem Kopf auf die Verwundeten und Toten.
Tanfalas raffte ihre Röcke und kam weiter die Stufen herab und an dem Leuchten, das ihre Augen erfasst hatte, schloss Nuinrûn, dass sie Elessar entdeckt hatte.
Bei den Valar, war diese Frau schön, schoss es Nuinrûn durch den Kopf, als sie seine Höhe erreicht hatte. Sein Blick wanderte über ihren perfekten Körper, ihr Haar war wirr, ihre Füße nackt, doch selbst so stellte sie das dar, was sie war – die Tochter eines Fürsten!
"Er ist doch nicht schwer verletzt, oder?", erkundigte sie sich so besorgt wie eine Mutter, doch in ihren Augen lag keine Zärtlichkeit, sondern Begierde und Berechnung.
"Nicht sehr! Nur an Schulter, Bein und einen schmerzenden Schädel. Er gehört ganz euch, macht mit ihm, was ihr wollt."
"Genau das ist meine Absicht!", flüsterte Tanfalas und winkte ihre Diener herbei, die Aragorn zu Boden gleiten ließen und ihn dann auf eine Bahre luden und ihn ins Haus trugen.

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Als er zum ersten Mal erwachte, glaubte er, von einer schweren Krankheit befallen zu sein. Der bohrende Schmerz in seinem Kopf, das Fieber, die geschwollenen Augen und ein bitterer Geschmack auf seiner Zunge – alles Anzeichen, für eine Erkrankung. Aber als er sich aus dem Nebel der Bewusstlosigkeit kämpfte, spürte er den brennenden Schmerz in seiner Schulter und roch die Kräuter der Verbände, was die Erinnerung jäh wieder in sein Gedächtnis fahren ließ. Aragorn tastete nach seiner Schulter, um über das Ausmaß seiner Verletzungen bescheid zu wissen, doch ein fester Griff umschloss sein Handgelenk und eine Stimme, die er zu kennen glaubte, hieß ihn an, ruhig liegen zu bleiben.
Panik zuckte durch seinen geschwächten Körper, sein Verstand war benommen und seine Muskeln reagierten nicht im Mindesten auf seine Befehle.
"Arwen...", versuchte er zu sagen, doch es war nicht mehr als ein Hauch, den er selbst nicht einmal hörte.
"Scht! Schlaf jetzt, damit es dir bald besser geht." Die Stimme quälte sein Gedächtnis und er wehrte sich gegen die Hände, die seine umfangen hielten, doch ihm fehlte einfach die Kraft.
Er fühlte, wie etwas Kaltes an seine Lippen gehalten wurden und schwerer, bitter schmeckender Wein wurde ihm eingeflößt und er würgte. Die Stimme neben ihm fluchte und noch ein paar Hände umfassten sein Gesicht und noch mehr Wein rann seine Kehle entlang. Ein Hustenanfall brachte fast seinen Kopf zum Zerspringen und alles in ihm zog sich qualvoll zusammen.
"Leg dich hin!", befahl die Stimme und im nächsten Moment tat der Wein seine Wirkung und er hatte keine andere Wahl, sondern sank entkräftet und wie betäubt in die Kissen zurück.
"Ich werde dich pflegen und bald wird das Fieber gesunken sein!"
Aragorn hatte es fast – er wusste fast, woher er die Stimme kannte, doch während er noch nach der Erinnerung suchte, setzte die volle Wirkung des Weins ein und er fiel in tiefen Schlaf.

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Die Hobbits hatten noch vor Einbruch der Nacht die Burg von Ithilien erreicht, wo sie mit Bestürzung Faramir und Eowyn den Vorfall schilderten. Faramir trug Frodo, der immer noch nicht das Bewusstsein erlangt hatte, in die kühle Festung, wo sich Eowyn seiner annahm und ihn mit Hilfe von reichlich kaltem Wasser wieder zur Besinnung brachte. Sein Schädel brummte, als folge einer Gehirnerschütterung und eine tiefe Schramme zog sich über seinen Oberarm und machte ihn bewegungsunfähig. Er wurde in einer Schlaufe ruhig gestellt und erst dann durften die anderen Hobbits und Faramir in sein Krankenzimmer, wo auch Frodo noch einmal alle Ereignisse und Einzelheiten wiedergeben musste, an die er sich erinnerte.
Noch in der Nacht sandte Faramir Boten nach Minas Tirith, Düsterwald und Rohan aus und wartete angespannt den Einbruch des Tages ab.

Es war gerade erst die Sonne aufgegangen, da saß er auch schon mit einer Gruppe seiner besten Männer, darunter ein erfahrener Spurensucher, im Sattel und brach zu der Stelle auf, die ihnen die Hobbits beschrieben hatten.
Als sie den Ort erreichten, sprang Faramir aus dem Sattel, um den Boden zu untersuchen.
"Was glaubst du, was passiert ist?", fragte er den Mann, der neben ihm kniete.
Ascalaith hatte sich ein Stück von ihnen entfernt und wandte sich jetzt um. Er hatte Erfolg gehabt.
"Da ist überall Blut! Der Herr Aragorn hat gut gekämpft. Seht ihr die Spuren im Sand? Drei Männer konnten nicht mehr gehen, als es vorbei war, sie sind hinter her geschleift worden."
"Oder zwei von ihnen und Aragorn!", bemerkte Faramir mit besorgter Mine.
"Hat er jemals Sporen getragen? Diese drei hier ja!"
Faramir wurde unsicher. "Ich weiß nicht."
"Von Elben erzogen und ein Umgang mit Pferden, die nur seiner Stimme bedarf, um sie zu bändigen? Brego hat niemals auch nur eine Peitsche zu spüren bekommen – nur den freundlichen Schlag der flachen Hand seines Herrn!"
Das überzeugte Faramir, doch das viele Blut konnte unmöglich von nur drei Personen stammen und seine Unruhe wuchs weiter an.
Ascalaith suchte weiter den Grund ab und näherte sich dann dem felsigen Untergrund. Er stellte fest, dass sechs Pferde in der Nähe gegrast hatten – den Kahlgefressenen Stellen nach zu urteilen. Dann bückte er sich erneut, und hob einen glänzenden Gegenstand auf. Als er sich umdrehte, hielt er Faramir einen Dolch entgegen.
"Sie haben den felsigen Weg genommen – nicht einmal ich könnte ihnen jetzt noch folgen!"
Faramir nahm den Dolch entgegen und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar.
"Variags! Zum Teufel mit ihnen!"
Er kehrte zu seinem Pferd zurück und saß auf. "Wir reiten zurück! Jetzt müssen wir abwarten, ob sie Bedingungen stellen oder warten, bis unsere Freunde und Königin Arwen eintreffen!"

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ARAGORN! Der Schmerz, der durch ihr Herz schnitt, löschte beinahe jede andere Empfindung und ließ sie taumeln! Sie sank schwer auf einen der Lehnstühle, die in ihren Privatgemächern standen und ließ ungeachtet die Nachricht von Faramir zu Boden gleiten.
Das durfte doch nicht wahr sein! Wie waren die Variags nur ungesehen nach Ithilien gelangt? Und wie viele waren von Nöten gewesen, um ihn zu überwältigen?
Die Vorstellung raubte ihr beinahe den Atem und Tränen begannen in ihren Augen zu brennen.
Was sollte sie nur tun? Was hätte Aragorn getan?

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Um ihn herum herrschte Dunkelheit, abwechselnd heiß und kalt, so wie der Schweiß, der seinen Körper bedeckte. Mit aufgerissenen Augen schreckte er hoch, schüttelte den Kopf und versuchte, den Schlag seines Herzen zu beruhigen und in sich selber Halt zu finden. Doch der Versuch war vergebens – wieder spürte er den heißen Luftstrom, sah die Orks, die sich in der Dunkelheit näherten und mit ihren Klauen besetzten Händen nach ihm schlugen um ihm die Haut von den Knochen zu reißen.
Er kauerte sich an die Höhlenwand, spürte den harten, scharfkantigen Fels in seinem Rücken und hoffte, sie würden ihn vielleicht nicht entdecken. Er schrie auf, als sie dennoch auf ihn zustürmten und der Schmerz durch seinen Körper fuhr, ihn zu bezwingen drohte und all seiner Kraft zu berauben schien. Die Fratzen der Orks starrten auf ihn herunter und grinsten gehässig, während sie immer weiter ihre Krallen in sein Fleisch bohrten und der Geruch von Blut – seinem Blut – stieg Aragorn in die Nase.
Ein riesiger Höhlentroll ragte vor ihm auf, herbeigebracht durch einen Windstoß und er schrie und verschluckte sich an einem Schwall von Flüssigkeit, die bitter schmeckte.
"Aragorn...!"
Blindlings griff er nach ihr und klammerte sich zitternd an ihrem Körper fest. "Arwen..."
"Ruhig, Liebster. Jetzt ist alles gut. Ich bin da!" Die Stimme klang so scharf in seinen Ohren, als ob ein Schwert aus der Scheide gezogen wurde und er kniff die Augen zusammen. Er konnte die Orks nicht mehr sehen, ebenso wie deren Gestank und der Geruch nach Blut vergangen war. Der leise Hauch eines Luftzugs kühlte seine heiße Haut und er schauderte, während er sein Gesicht an ihrer Schulter barg.
Es hatte keine Höhle gegeben, keine Orks, keine Klauen – nur das Fieber... und Alkiach! Er wusste nicht, was die Droge dem Verstand antun konnte. Er lehnte sich bereitwillig gegen sie und schämte sich seiner Panik.
Tanfalas zog ihn noch fester in ihre Arme und begann, ihn wie ein kleines Kind in den Schlaf zu wiegen, während sie ihm zärtliche Worte ins Ohr flüsterte.

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Ein harter Ritt brachte Arwen an einem einzigen Tag nach Ithilien, getrieben, von der unsagbar großen Angst, die ihr Herz zuschnürte.
Sie wäre beinahe zusammengebrochen, hielt sich aber aufrecht, als sie den Haupthof überquerte, wo die Hitze aus den Steinen aufstieg und ihr zusätzlich die Kraft raubte. Faramir und Eowyn erwarteten sie bereits, umringt von den drei Hobbits und ihr war, als ob sie ihre Begrüßung durch einen dichten Nebel her hörte und nickte nur stumm mit dem Kopf.
Sie blickte sich im Hof um, der von Kriegern nur so wimmelte und das Gewirr von Menschen, Lärm und Licht war plötzlich zuviel für sie.
"Faramir, bring mich herein, bevor ich umfalle...", hauchte sie. Er stützte sacht ihren Ellenbogen ab, was auch nur die Höflichkeit hätte sein können, einer Dame behilflich zu sein, doch alleine seine Anwesenheit, strahlte bereits etwas Ruhe und Zuversicht auf sie aus. Hier waren Aragorns Freunde, die sich nicht minder um ihn sorgten wie sie und sicher alles tun würden, ihn wieder zu ihr zurück zu bringen.
Die Treppen schienen endlos, aber endlich gelangten sie in die große Halle, wo sie in einem bequemen Sessel am Fenster niedersank und dankbar den Kelch mit kaltem Wein entgegennahm. Während sie trank, durchfuhr sie jedoch die Erinnerung, als sie das letzte Mal mit Aragorn bei einem Glas Wein zusammengesessen hatte und sie stellte den Kelch auf den kleinen Tisch. War das wirklich erst zwei Tage her?
Faramir räusperte sich verlegen neben ihr, als wolle er sie nicht erschrecken, doch sie fuhr trotzdem zusammen und blickte in die abwartenden Gesichter ihrer Freunde.
"Wurden auch die anderen informiert?", fragte sie mit leiser Stimme.
"Ja. Ich habe Boten gleich nach dem Eintreffen der Hobbits nach Edoras und Düsterwald geschickt. Ich denke, sie werden in einigen Tagen dort sein und dann müssen wir nur noch warten, bis Êomer, Legolas, Gimli und Gandalf hier eintreffen."
Arwen stöhnte. "Das bedeutet, es dauert noch mindestens neun Tage, bis sie frühestens hier sein werden! Das ist zu lange...! Bis dahin könnte er..."
"Das darfst du nicht einmal denken!", entfuhr es Eowyn und sie ließ sich vor Arwen auf die Knie fallen. Die beiden Frauen wechselten lange stumme Blicke, bis Arwen müde die Lider senkte.
"Wo ist Frodo? Ich möchte sehen, wie es ihm geht."

Sam führte Arwen bis an die Türe des Krankenzimmers, doch als er hinter ihr eintreten wollte, hielt sie ihn sanft, aber bestimmt zurück und schloss die Türe vor seiner Nase.
Das Zimmer lag in nur dämmrigem Licht, doch sie erkannte deutlich die Liege und die kleine, blasse Gestalt, die darauf ruhte. Lautlos durchquerte sie den Raum und ließ sich an Frodos Seite nieder und augenblicklich öffnete der Hobbit die Augen.
"Arwen!" Er wollte sich zu ihr aufrichten, doch sogleich begann der pochende Schmerz in seinem Kopf zu toben und er sank mit einem Stöhnen wieder auf das Lager.
"Es tut mir leid, Arwen! Wir haben nicht genug auf ihn acht gegeben! Ich hätte ihm schneller zur Hilfe eilen sollen – wo er doch verletzt war! Wie sollte er sich auch alleine gegen sechs Männer zur Wehr setzten."
Arwen überkam bei Frodos Worten eine Welle des Entsetzens. Sechs Männer! Und er wurde verletzt! Sie konnte ein kurzes Aufstöhnen nicht unterdrücken.
"Verzeih, Arwen!", stieß Frodo hervor, als er merkte, dass sie völlig ahnungslos gewesen war. "Ich dachte, du hättest es bereits gewusst! Hat Faramir denn nicht...!"
Sie schüttelte den Kopf und kämpfte gegen die Tränen an, die jedoch schon längst ihre Wangen entlang liefen.
"Schlafe jetzt, Frodo! Und sei dir gewiss, dass es nicht deine Schuld war! Du warst sehr tapfer!"
Sie drückte ihm noch einen Kuss auf die Stirn und verließ das Zimmer.

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Ein Zucken durchlief seinen Körper, wie ein warnendes Prickeln, dass Gefahr sich in unmittelbarer Nähe befand. Er versuchte, die Augen zu öffnen, doch seine Lider schienen einfach zu schwer zu sein und er gab die Versuche schließlich auf.
"Arwen...", murmelte er und im nächsten Moment fühlte er ihren weichen, vertrauten Körper in seinen Armen und ihre süßen Lippen auf seiner Stirn. Ihre Berührungen waren zärtlich und liebevoll und entlockten ihm einen beruhigten Seufzer mit der Gewissheit, nicht alleine zu sein – dass sie da war und sich seiner annahm.
Eine Welle von Fieber durchfuhr ihn und der Seufzer ging in ein Stöhnen über, doch im gleichen Augenblick fühlte er auch ein kühles Tuch, dass ihm gegen die Stirn gepresst wurde. Wieder versuchte er, die Augen zu öffnen und schaffte es, einen nur winzigen Spalt. Er konnte sie kaum sehen, weil sie das Mondlicht im Rücken hatte, aber die Erleichterung durchlief ihn erneut und er schloss die Augen wieder.
"FRODO!" Er schrie auf und fuhr in die Höhe, die Augen nun weit aufgerissen, doch von einer tiefen Leere erfüllt, die Tanfalas erschrecken ließ. Einen Moment zuvor war er noch bei klarem Verstand gewesen, aber jetzt nicht mehr. Er zitterte wieder an allen Gliedern, sein Atem ging rasch, so, als ob ihn irgendetwas große Anstrengung kostete, sodass Tanfalas sich unwillkürlich fragte, was für eine Vision ihn gerade in seiner Gewalt haben mochte.
"LAUF!", stöhnte er und begann, heftig um sich zu schlagen, als ob er sein Schwert in der Hand hielt und es kostete sie alle Mühe, ihn auf das Lager zu drücken, wo sie ihre Hand auf seiner Brust ruhen ließ und sein Gesicht musterte. Wangenknochen und Kinn zeichneten sich scharf im Mondlicht ab und er hatte die Brauen und den Mund angespannt verzogen, während sein Haar ihm schweißnass in Strähnen um und in das Gesicht fiel. Er warf sich unruhig auf die Seite, rollte sich aber wieder mit einem Keuchen zurück, als sein Gewicht auf der verletzten Schulter ruhte.

Aragorns Blick fiel auf Frodos Klinge, die blau in der Scheide schimmerte und als der Hobbit sie ein kleines Stückchen herauszog, fand er seinen Verdacht bestätigt. Er zog noch im gleichen Moment sein eigenes Schwert und schrie Frodo zu, er solle laufen – dann trat er aus der Deckung und sah sich einer Armee von Uruk-hai gegenüber...

Das klappern von Hufen im Hof rief sie zum Fenster und dann vernahm sie die Rufe, die zu ihr empor drangen. Die schweren Torflügel schwangen mit schrecklichem Stöhnen in ihren Steinangeln auf und sie konnte den Grund für die überraschten Rufe erkennen.
Legolas! Aber wie...! Dicht gefolgt von Gandalf und Gimli ritt er durch das Tor und als er absaß, war Arwen schon aus ihrem Gemach gestürmt und eilte die unzähligen Stufen zum Hof herunter.
Auf der Treppe wäre sie fast mit Faramir zusammengestoßen, der ihr verwundert hinterher sah.
"Was ist? Arwen! Warte!", und schon drehte er sich um und lief ihr nach.

Im Hof beschleunigte Arwen noch einmal ihr Tempo und Legolas konnte gerade noch die Arme ausbreiten, ehe sie sich so heftig an seine Brust warf, dass sie ihn fast umriss. Sie konnte die Tränen der Erleichterung über seine Anwesenheit und der Sorgen nicht mehr zurückhalten und schluchzte heftig in seiner Umarmung auf.
Legolas umfing ihre Schultern mit seinen Armen und begann, ihr sacht über das Haar zu streichen und murmelte ihr in Elbisch zu.
"Alles wird wieder gut! Wir werden ihn finden!"
Arwen hob den Kopf, als ihr plötzlich wieder bewusst wurde, dass die kleine Gruppe viel zu früh hier erschienen war, als sie mit ihrer Ankunft gerechnet hatten.
"Warum...! Wie kommt es, dass...!"
Legolas umfing ihr Gesicht mit seinen sanften Händen und sah sie mit einem beruhigenden Lächeln an. Die Erklärung erhielt Arwen allerdings von Gimli, der mit mürrischem Gesicht neben den Elben trat.
"Vor fünf Tagen kam er wie ein durchgedrehter, aufgebrachter Ork zu Gandalf und mir gestürmt und faselte etwas von einen unguten Gefühl! Er würde spüren, dass Aragorn in Gefahr sei! Er ließ uns gerade noch genug Zeit, unsere Sachen zu schnappen, eher er auch schon auf seinem Pferd saß! Vor zwei Tagen trafen wir dann euren Boten, der sein Gefühl bestätigte."
"Er hat uns nur das nötigste an Rast gewährt!", brummte Gandalf und Arwen sah erst jetzt, wie schmutzig und müde die drei tatsächlich waren.

Faramir war beim Anblick der Freunde verdutzt am Anfang der Treppe stehen geblieben, jetzt kam auch er langsam auf sie zu und hörte gerade noch Gimlis Erklärung für ihr rasches Erscheinen.
Sofort gab er die nötigen Anweisungen und die Knechte nahmen die erschöpften Pferde entgegen, während die Freunde sich in die Halle begaben, wo in Minuten Getränke und Speisen aufgetischt wurden.
"Was gedenkt ihr zu unternehmen!", fragte Legolas, noch bevor er sich gesetzt hatte.
Faramir zuckte hilflos mit den Schultern. "Ich fürchte, wir müssen uns zu einem Krieg gegen die Variags rüsten! Sie haben sich noch nicht mit Forderungen an uns gewandt und wenn wir noch länger warten, werden wir uns sicher bald einer großen Armee von feindlichen Kriegern gegenüber sehen! Wir müssen meiner Meinung nach, alle uns zur Verfügung stehender Streitmächte zusammenrufen und die Grenzen zu Khand sichern."
Gandalf nickte und Gimli zeigte seine Freude, seine Axt endlich wieder hervorholen zu können, mit einem zufriedenen Brummen. Sofort begannen die Freunde, die Landkarten hervor zu holen und spielten jede Möglichkeit für einen Angriff durch, den die Variags ausüben konnten. Dabei merkten sie nicht einmal, dass Arwen und Legolas sich nicht an ihren Überlegungen beteiligten und sich hin und wieder einen stummen Blick zuwarfen.
"Gut.", schloss Faramir schließlich. "Dann werden wir also alle Krieger sofort zusammenrufen! Wir werden nach Minas Tirith ziehen, wo ich dort alle Truppen antreten lasse, damit wir so schnell wie möglich Stellung beziehen können. Êomer wird dann mit seinen Armeen nachrücken und uns zur Verstärkung zu Hilfe eilen."

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Faramir stand neben dem Bett und sah auf seine noch schlafende Frau herunter, deren Atem ruhig und friedlich ging. Sie wurde von Tag zu Tag schöner und er dankte den Valar, dass sie ihm diese Frau an die Seite gestellt hatten, die ihm mit ihrem Temperament und ihrer Klugheit beistand. Sie war etwas ruhiger geworden, doch das löste nicht gerade Zuversicht in ihm aus, wenn er daran dachte, was ihm noch bevorstehen würde, sobald sie erwacht war und er es ihr gesagt hatte. Mit einem Seufzen strich er ihr das goldene Haar von der Schulter und küsste sie auf die Stirn.
Als sie erwachte saß Faramir gewaschen und angekleidet an einem kleinen Tisch beim Essen.
"Komm und iss.", lud er sie ein.
Eowyn reckte sich, gähnte und gesellte sich zu ihm, nur in ihr dünnes Schlafgewand gehüllt.
"Wer außer dir kann mich schon sehen?", entgegnete sie, als er die Augenbraue hochzog. "Und du bist daran gewöhnt. Es ist zu heiß, um sich anzukleiden, Faramir!"
"Mein Schatz, wenn ich einmal an deinen reizvollen Anblick gewöhnt sein sollte, dann nur, falls ich blind geworden bin! Hier, iss ein Stück Käse."
Sie nahm das Stück Käse, dass er ihr auf seinem Messer aufgespießt hin hielt. "Sind die Truppen schon abmarschbereit?", wollte sie wissen.
"Der Wein ist auch nicht schlecht, probiere doch einen Schluck." Unaufgefordert füllte er ihren Kelch.
"Sind noch weitere Truppen im Anmarsch? Wie viele haben wir bereits versammeln können?"
"Schone deine Zunge lieber und leck damit den Löffel ab."
Sie schnitt ihm eine Grimasse, aber der Hunger war jetzt stärker als ihre Neugier. Nachdem sie sich gründlich gestärkt hatte, teilte er ihr alle Neuigkeiten und Beobachtungen mit und wollte ihre Meinung dazu hören.
Er würde sie vermissen, überlegte er, aber ihre Sicherheit war wichtiger. Sie würde nicht mit nach Khand reiten, sondern mit Arwen und den Hobbits nach Minas Tirith gehen – auch wenn Eowyn das noch nicht wusste. Er sah den Moment gekommen und erwähnte diesen Umstand wie beiläufig, aber ihre Reaktion erinnerte ihn daran, warum er Messer in ihrem Schlafgemach verboten hatte.
"Ich werde nicht gehen! Ich kann kämpfen und das besser, als mancher Krieger in deiner Truppe!" Ihre Augen funkelten ihn zornig an.
"Ich brauche die Gewissheit, dass du in Sicherheit bist."
"Verdammt, Faramir – ich werde nicht gehen!"
Faramir wurde jetzt seinerseits etwas unwirsch. "Du wirst gehen und wenn ich dich fesseln und bewusstlos schlagen lassen muss!"
"Das würdest du nicht wagen!"
Es war erstaunlich, wie sehr sie Êomer ähnelte, wenn sie wütend war. "Hör zu! Ich will meine Zeit nicht damit vergeuden, mir Sorgen um deine Sicherheit machen zu müssen, wenn es zu einer Schlacht kommt! Wir machen uns alle schon genug Sorgen um Aragorn! Außerdem kannst du in Minas Tirith Arwen helfen. Muss ich etwa all die Gründe aufführen, die du doch bereits kennst, Eowyn?"
"Du bist schrecklich, wenn du vernünftig bist!", war das Einzige, was sie ihm entgegen brachte und Faramir lächelte über das Temperament seiner Frau. Er streckte die Hand nach ihr aus, doch als sie jetzt ihre Finger zurückzog, verbreiterte sich sein Lächeln. Ihr Stolz verbot ihr, jetzt nett zu sein, also lehnte Faramir sich in seinem Stuhl zurück und musterte sie wohlwollend, wie sie ihm gegenüber saß, ein Bein untergeschlagen und nur von ihrem Schlafgewand verhüllt.

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All seine Schmerzen waren wie betäubt, doch Aragorn schaffte es immer noch nicht, seine Augen zu öffnen. Er fühlte sich benommen und kraftlos, fast so, als würde er nicht Herr über seinen eigenen Körper sein.
Der Gedanke an Arwen, war das einzige, was ihm klar und real vorkam und so überraschte es ihn auch nicht, dass er sich plötzlich ihrer gewahr wurde, wie sie in seinen Armen lag, ihre sanften Lippen seinen Hals streiften und ihre schlanken Finger über seine Wange strichen.
Er lächelte und streckte die Hände nach ihren Schultern aus, um sie noch tiefer zu sich heran zu ziehen und ihre Liebkosungen zu erwidern, seine Finger über ihre seidenweiche Haut gleiten zu lassen und alle Ängste und Schmerzen zu vergessen.
"Arwen...", flüsterte er, doch ein Finger legte sich auf seine Lippen. Aragorn ließ seine Hände immer wieder an ihren Armen entlang wandern, umfasste schließlich ihre Handgelenke und zog sie näher an sich heran – und erstarrte.
Schlank ja, aber nicht so fest, wie er es in seiner schwachen Erinnerung hatte. Geschmeidig, mit einer dünnen Schicht Seide zwischen sich, aber er wusste, dass Arwen muskulös war, nicht so weich und wohlgerundet wie dieser Körper hier. Ein Duft von starkem Parfüm ging von ihr aus, nicht der saubere Geruch nach Wind und wilden Blüten, die er mit Arwen in Verbindung brachte.
Das hier war nicht Arwen!
Die plötzliche Erkenntnis ließ ihn zusammenfahren und im nächsten Moment spürte er seinen eigenen Körper wieder, mit all seinen Schmerzen und Qualen, die ihn erfüllten. Dennoch kämpfte er sich aus der letzten Benommenheit, zwang sich die Augen zu öffnen und stieß Tanfalas so heftig von sich, dass sie auf dem weichen Teppich landete.
"Tanfalas.", flüsterte er im selben Augenblick und mühte sich auf die Beine, die jedoch nicht fähig waren, ihn auch nur ein Stück weit zu tragen und er fiel auf Hände und Knie. Ihm war übel und alles um ihn herum begann sich zu drehen. Mit einem Stöhnen lehnte er sich gegen die Mauer, die seinem heißen Körper etwas Linderung verschaffte.
Tanfalas hatte sich inzwischen aufgerappelt und kam nun mit langsamen Schritten auf ihn zu.
"Wehre dich nicht dagegen, Aragorn! Komm zu mir und vergiss diese Elbe in meinen Armen!"
"Law!", murmelte er, sich nicht einmal bewusst, dass er nicht in der gemeinsamen Sprache antwortete. "Was hast du mir gegeben? Was war in dem Wein?"
Aragorn versuchte erneut, wieder auf die Füße zu kommen, während Tanfalas in einigem Abstand stehen bleib, um abzuwarten, zu was seine Kräfte wieder Imstande waren. Aragorn taumelte, klammerte sich an einem Bettpfosten fest und bemühte sich, seinen Blick fest auf sie zu richten, damit der Schwindel verging.
Er hörte sie Lachen und das Geräusch war unnatürlich laut in seinen Ohren und bereitete ihm augenblicklich Kopfschmerzen.
"Es wird Alkiach genannt, Elessar! Es beherrscht deinen Geist und dein Fleisch und wird dich nicht mehr loslassen! Du bist mein, Aragorn, und nichts auf dieser Welt kann daran mehr etwas ändern!"
Aragorn durchlief eine Welle der Panik, die ihm all seine mühsam aufgebrachte Kraft raubte. Seine Knie gaben unter ihm nach und er schlug hart auf dem Steinboden auf, wo der Schmerz ihn lähmte und er nicht einmal mehr die Hand abwehren konnte, als Tanfalas über seine Wange strich.
Er hörte, wie sie sich schließlich entfernte, die Türe ins Schloss fiel und sich ihre Schritte entfernten.

Aragorn blieb regungslos liegen wo er war und wartete darauf, dass die Schmerzen langsam abklangen und schaffte es, sich wieder auf das Lager zu ziehen. Ihre Worte hatten seinen Verstand geklärt und er konnte sich wieder klar und deutlich an die Ereignisse auf dem Weg nach Ithilien erinnern und auch an das erste Mal, als er wieder zu Bewusstsein gekommen war. Erschöpft ließ er sich nach hinten sinken und versuchte, seine Lage zu überdenken, doch die Erschöpfung wollte ihn immer wieder in den erlösenden Schlaf locken. Mit einem Mal fuhr er erschrocken hoch und er sah sich gehetzt im Zimmer um.
Ich darf nicht einschlafen, schoss es ihm durch den Kopf. Sonst konnte Tanfalas ihm wieder den drogenversetzten Wein einflößen und er würde ihr hilflos ausgeliefert sein. Beweg dich, befahl er sich selbst und versuchte, wieder auf die Füße zu kommen. Mit der linken Hand stützte er sich an der Wand ab, als er merkte, dass seine Knie zitterten, doch diesmal gaben sie nicht wieder unter ihm nach. Langsam, immer einen Fuß vor den anderen setzend, tastete er sich voran und ignorierte die Schmerzen in seinem Bein und in seiner Schulter. Den rechten Arm konnte er nicht einmal bewegen – er fühlte sich noch immer taub und gefühllos an und hing schlaff an seiner Seite.
In der Zimmerecke ließ er sich schließlich zu Boden gleiten und streckte die Beine aus.
"Arwen." Für sie musste er kämpfen...

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Enarâto sah auf, als seine Tochter das Zimmer betrat und ihr Anblick ließ ihn überrascht die Augenbrauen hochziehen. Das dünne, seidene Gewand verhüllte gerade genug von ihrer schlanken Gestalt, dass sie nicht nackt war, das Haar fiel ihr zerzaust und wirr auf die Schulter und in ihren Augen funkelte der Zorn, der ihn dazu veranlasste, den Mund wieder zu schließen, bevor er den zynischen Kommentar über die Lippen brachte.
Sie goss sich einen Kelch Wein ein, der auf einem Tisch vor ihrem Vater stand und strich sich das Haar glatt, während sie an sich hinab sah und leise über die Blutflecken fluchte, die wohl von der verletzten Schulter ihres Gefangenen stammten. Sie begann daran zu reiben, doch als sich diese Bemühungen als Erfolglos erwiesen, stürzte sie sich den Wein in einem Schluck in die Kehle und ließ sich auf einen Sessel fallen.
"Es scheint so, als habe er wieder seinen Verstand beisammen.", begann Tanfalas ohne Aufforderung. "Ich werde ihm nachher wieder etwas von der Droge einflößen müssen, wenn er wieder eingeschlafen ist."
Enarâto entgegnete nichts auf ihre Worte – sie wusste, was er von ihrem Vorhaben hielt, aber er hatte ihr nun einmal versprochen, dass sie den König für sich haben konnte, auch wenn er ihm liebend gerne ein Messer in die Brust gestoßen hätte, damit er seine Wege nicht wieder kreuzen konnte.
"Lies das!", brummte er dennoch zufrieden und reichte ihr das Schriftstück, dass sein Späher ihm eben überbracht hatte.

Herr, die Truppen von Minas Tirith sammeln sich in Ithilien und formieren sich gemeinsam vor den Stadttoren. In den nächsten Tagen werden sie abmarschbereit sein und gegen Khand ziehen.
Rohans Truppen sind ebenfalls auf dem Vormarsch. In acht Tagen werden sie bei diesem Tempo aufschließen und Gondor wird völlig Schutzlos zurück bleiben, nur mit dem nötigsten an Wachposten.
Königin Arwen befindet sich in Begleitung des Elben und der Fürstin Ithiliens auf dem Weg zurück in die weiße Stadt und die Halblinge sind ebenfalls bei ihnen.
Erwarten eure Anweisungen für die nächsten Schritte,

Nuinrûn

Tanfalas konnte nicht umhin, laut aufzulachen! "Sieh mal einer an – sie haben unseren Köder doch tatsächlich geschluckt! Minas Tirith ist uns so gut wie sicher!"