Vielen Dank für die Reviews, Rabasta und Eilantha!
Rabasta: Vielen Dank, eben bei der Auswahl von den Szenen war ich mir nämlich unsicher…
Eilantha: Tippst du auf Bella/Snape? ;)
Author's Note: Tja, in diesem Kapitel tauchen also zum ersten Mal meine Figuren auf. Ich hoffe, sie verwirren auch nicht zu sehr, nicht alle von ihnen werden wichtig werden :)
Ich habe mir außerdem mal die Freiheit genommen, den Hogwartsschülern noch ein Fach mehr aufzubürden, das man aus der Muggelwelt kennt, es wird hier allerdings nur angedeutet.
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Kapitel 2: Wolken
„Always when we fight
I try to make you laugh
Until everything's forgotten
I know you hate that"
The Wannadies – You and Me Song
Bellatrix und ich senken gleichzeitig den Blick auf das zweite Abbild der Erinnerungen an unser erstes Jahr in Hogwarts. Es zeigt Hagrid, einen Schuppen, in dem eine größere Ansammlung von Käfigen gestapelt ist, in jedem sind fellige und flauschige kleine Wesen eingesperrt. Neben Hagrid stehen die elfjährige Adrienne, ein sehr schuldbewusste schauender Avery und Bellatrix und ich, die uns keiner Schuld bewusst zu sein scheinen; wir alle hören Hagrid zu, der uns unsere Strafarbeit erklärt.
Ich muss lächeln, als ich an die Ursache für diese Strafarbeit denke: Wir waren zu viert eines Nachts in Professor Slughorns Büro eingebrochen, hatten sein Sortiment an Zaubertrankzutaten um einiges erleichtert – und waren dumm genug gewesen, uns dabei erwischen zu lassen.
Ich möchte betonen, dass das zumindest mir danach nie wieder passiert ist!
„Ein Jahr lang Pflege für stinknormale Kaninchen", murmle ich.
Bellatrix schaut mich so erbost an, als hätte ich den Dunklen Lord persönlich beleidigt. „Das waren keine normalen Kaninchen! Das waren Magische!"
„Sag bloß, dass du immer noch an denen hängst?", frage ich halb ungläubig, halb spöttisch.
„Man gewöhnt es sich so schwer ab…", ist ihre schlichte Antwort.
Nun gut, Bellatrix hatte die Kaninchen zwar so lieb gewonnen, dass sie, als die Strafarbeit am Ende des Schuljahres als erledigt angesehen wurde, darauf bestand, sich weiterhin um sie kümmern zu dürfen, aber dass sie nach fast zwanzig Jahren immer noch kein falsches Wort auf ihre „Schatzemäuse" kommen lässt, wundert mich jetzt doch. Ich meine, hey, wir reden hier von einer Frau, die gemordet, gefoltert und andere schreckliche Dinge getan hat!
Besagte Frau scheint nun einen Teil ihrer Melancholie abgelegt zu haben, sie schwingt kurz ihren Zauberstab und auf ihrem Nachttisch erscheint eine Flasche, die von selbst Rotwein in zwei Gläser einschenkt.
„Schau mal…" Sie zeigt auf ein anderes Erinnerungsabbild. Es zeigt Adrienne und Avery, die beiden stehen gut zwei Meter auseinander und schreien sich mit roten Köpfen an.
„Ach ja, das Übliche… warum haben sich die beiden damals immer gestritten?" Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an den Grund erinnern.
„Weil der Kerl damals schon ein frauenfeindlicher Idiot war", erwidert Bellatrix düster. „Er hat immer mit kleinen verbalen Spitzen um sich gestochen, weißt du noch? Und die Kleine konnte damit eben nie umgehen."
Gut, da kann ich ihr nicht widersprechen, Adrienne hatte tatsächlich immer Probleme damit, in irgendeiner Weise blöd angemacht zu werden, aber man kann nun wirklich nicht behaupten, dass Bellatrix besser damit klargekommen war – eigentlich war eher das Gegenteil der Fall, wenn man bedenkt, dass sie schon damals sehr schnell handgreiflich geworden ist…
Es ist schon seltsam, nach dem ersten schönen Abend, den wir in Hogwarts verbracht hatten sollte man denken, dass wir alle wunderbar miteinander klargekommen sind, aber es kam genau umgekehrt: Unser erstes Schuljahr verbrachten wir im Prinzip nur damit, Feindschaften zu knüpfen. Wir hatten uns alle in Zweiergrüppchen gespalten: Die Mädchen, Avery und Rodolphus und Evan und ich. In diesen Zweiergruppen brachen wir entweder Streit vom Zaun – oder versuchten, ihn zu schlichten.
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Flashback
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Evan und ich hörten schon von weitem die lauten Stimmen, die aus unserem Zimmer kamen. Als wir es betraten, stellte sich unsere Befürchtung als wahr heraus: Avery hatte sich wieder mit einem der Mädchen angelegt, diesmal mit Bellatrix. Die beiden hatten eine seltsame Art zu streiten: Im Gegensatz zu Adrienne, die jedes mal aussah, als sei sie kurz davor, ihrem Gegenüber gleich die Augen auszukratzen, wirkte Bellatrix meistens recht gleichgültig, als hielte sie einen Streit für unter ihrer Würde.
So auch jetzt. Während Avery sie ungläubig anstarrte, fuhr sie konzentriert mit einem Taschentuch über ihren Zauberstab, um ihn von Fingerabdrücken zu reinigen, als sie sagte – nein, eigentlich eher beiläufig feststellte: „Ich weiß gar nicht, warum du dich darüber wunderst, dass Parkinson so viel besser in Verteidigung ist als du. Ich meine, okay, wir haben ja noch nicht viel gelernt, aber du versuchst ja nicht mal, dich zu verteidigen. Also-" Sie prüfte mit kritischem Blick, ob alle Fingerabdrücke verschwunden waren, bevor sie Avery direkt in die Augen blickte, „- also hör gefälligst auf, mir vorzuwerfen, dass ich dich nicht verteidigt habe."
Averys Mund klappte auf, er wollte etwas Wütendes erwidern, aber Bellatrix ließ ihn nicht.
„Außerdem…" Ein höhnisches Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Man sollte denken, dass du gar keine Verteidigung von einem Mädchen brauchst." Sie betonte das Wort Mädchen absichtlich auf spöttische Weise abfällig. Rodolphus, der auf seinem Bett saß und das Ganze beobachtete, unterdrückte ein Grinsen.
Avery schnaubte. „Mir ging es nicht um deine Verteidigung, sondern um deine Unterstützung. Slytherins sollten immer zusammenhalten – vor allen Dingen vor den anderen Häusern", sagte er laut und schien sich mit Mühe davon abzuhalten, zu seinem Zauberstab zu greifen.
„Willst du mir etwa vorwerfen, ich hätte keinen Häuserstolz?" Bellatrix hatte sich inzwischen über ihre Schultasche gebeugt und schien immer noch ganz gelassen, aber auch ihre Stimme klang nun gereizt.
„Wenn du's so ausdrücken willst – ja, genau das meine ich." Avery grinste. „In diesem Sinne möchte ich dich bitten, nicht dauernd deine Herkunft aus dem… ähm… Alten und gar Fürnehmen Haus der Blacks zu betonen, denn deine Familie hat es nicht verdient, dass ihr Name von einer Nichtwürdigen missbraucht wird."
Schon während er sprach, wurde klar, dass er zu weit gegangen war. Bellatrix hatte sich abrupt aufgerichtet. Evan war schon im Begriff, auf sie zuzugehen, um sie von einer möglichen Dummheit abzuhalten, aber bevor er auch nur einen Schritt tun konnte, hatte Bellatrix Avery mit einem sauberen „Petrificus Totalus" rücklings auf den Boden befördert.
Rodolphus und ich warfen uns einen kurzen Blick zu – kaum jemand aus unserem Jahrgang bekam die Ganzkörperklammer hin, und erst recht hatte noch niemand sie auf einen Mitschüler angewandt. Auch, wenn ich schon des Öfteren kurz davor gewesen war, sie an Potter auszuprobieren…
Bellatrix beugte sich inzwischen unter dem Vorwurfsvollen Blick von Evan zu Avery hinunter.
„Mir vorwerfen, ich sei es nicht wert, nach Slytherin gekommen zu sein und mich zu beleidigen ist eine Sache. Trotzdem nicht zu versuchen, sich gegen Angriffe zu verteidigen ist eine Andere."
Ohne ein weiteres Wort verließ sie den Schlafsaal und wir konnten nichts anderes tun, als Blicke auszutauschen.
Es war Averys Glück, dass ich, im Gegensatz zur Ganzkörperklammer selbst, zumindest ihren Gegenzauber ausführen konnte. Adrienne, die wenig später hineinkam, hätte mit Freuden seine hilflose Lage ausgenutzt.
Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass wir uns schon untereinander nicht verstanden, entstanden auch zwischen den einzelnen Häusern Feindschaften.
Ich sollte es noch bereuen, mich schon im Hogwarts Express mit James Potter angelegt zu haben.
Nachdem dieser in den ersten zwei Monaten mit seinem Schlafsaalkameraden Sirius Black – Bellatrix' Cousin und nach seinem Einzug in Gryffindor Schandfleck der Familie – im Clinch gelegen hatte, waren die beiden irgendwie dicke Freunde geworden. Dass wir uns gegenseitig nicht leiden konnten und alle drei über recht gut ausgeprägte magische Fähigkeiten verfügten, ich mich allerdings sehr für die Dunklen Künste interessierte, die zumindest Potter hasste, machte uns fast automatisch zu Erzfeinden.
Lily Evans- Gryffindor, rothaarig, Jadeaugen, besserwisserisch und in meinen Augen hochnäsig - war in meinem Katalog von Leuten, die ich nicht abkonnte, ein Kapitel für sich. Sie war ein Schlammblut erster Güte und brauchte genau fünfzehn Minuten, um in unserer ersten Zaubertränkestunde zu entscheiden, dass dieses Fach ihr Lieblingsfach war – genau wie ich. Da wir beide, wie sich herausstellte, erstaunlich talentiert waren, wurden wir schnell zu Professor Slughorns Lieblingsschülern, und genau da konkurrierten wir: Um die Gunst des Lehrers, um die guten Noten…
Der Unterschied zwischen uns war, dass Lily es wirklich verstand, Slughorn einzuwickeln – für mich war es schlichtweg Einschleimen, was sie tat. Aber gut, Konkurrenz belebt das Geschäft.
Bellatrix legte sich besonders gerne mit Melissa Parkinson aus Hufflepuff an – und da war sie nicht alleine: Auch Evan, Avery, Lily, Sirius, und eine Menge andere Leute in unserem Jahrgang hegten eine große Antipathie gegen das blonde Mädchen, was absolut keine Berechtigung für ihre Arroganz hatte, wie Rodolphus sich ausdrückte.
Adrienne hatte sich ebenfalls schon des Öfteren mit einer Hufflepuff angelegt: Gwendoline Rockhome, eine Halbblüterin mit dicken dunkelbraunen Haaren und seltsamen Ansichten, mit der ausgerechnet Evan recht gut auskam. Adrienne hielt sie jedoch nur für eine „verblödete Kuh, die keine Ahnung hat, wovon sie redet".
Seltsam gut zurecht kamen die meisten mit Mimi Marcez, einer hübschen und recht stillen Gryffindor. Das lag allerdings wahrscheinlich daran, dass sie – zumindest anfangs – nur dann sprach, wenn sie wirklich etwas zu sagen hatte und, wenn sie nicht gerade lernte oder mit Lily durch das Schloss wanderte, tanzte. Der Einzige, mit dem sie anscheinend Probleme hatte, war Ping Chang aus Ravenclaw, der sich zwar mit ihr anfreunden wollte, für den sie aber einfach zu wenig Sympathie übrig hatte.
Ansonsten versuchten die Ravenclaws wahrscheinlich noch am verzweifelsten, Streits zu vermeiden: Ping, Frank Longbottom, Dorcas Meadowes, Deborah Arabesque, und Rita Colins waren allesamt Pazifisten und setzten sich für alles und jeden ein.
Zu dieser friedliebenden Art von Menschen gehörten auch die eigentlich ganz nette Alice McKinnon, der etwas feige wirkende Peter Pettigrew und der ruhige, blasse Remus Lupin aus Gryffindor, die quirlige Hestia Jones, die – wenigstens damals recht introvertierten- Elisabeth Habsbourg und der fast schon Dalai-Lama-Mäßige Jonas Stebbins aus Hufflepuff.
Ich persönlich verstand mich trotz allen Spannungen immer noch mit meinen Hauskameraden am besten – und aufgrund meiner Situation als einziger Halbblüter unter einem Haufen Reinblüter versuchte ich auch nicht wirklich, Kontakte zu Leuten aus den anderen Häusern zu knüpfen, um nicht ebenfalls vorgeworfen zu bekommen, ich sei es nicht wert, ein Slytherin zu sein.
Dabei faszinierte mich Slytherin im Allgemeinen: Die Geschichte des Hauses und des Gründers, der Hang vieler Slytherins zu den Dunklen Künsten, der Wandel der Menschen, die nach Slytherin gekommen waren und der Ruhm, den sie erlangt hatte… mit all dem beschäftigte ich mich immer intensiver, denn ich wollte ein fester Bestandteil von dieser Sache sein, die so einen großer Teil von mir selbst war.
Während ich dafür von meinen Freunden Anerkennung bekam, geriet ich genau dadurch immer Öfter mit James Potter und Sirius Black aneinander. Allerdings dachte ich damals nicht daran, dass aus dieser Abneigung einige Jahre später purer Hass werden sollte.
So verbrachten wir also unser erstes Schuljahr, wir machten alle mehr oder weniger große Fortschritte in unserer Ausbildung, pflegten in meinem, Adriennes, Bellatrix' und Averys Fall Hagrids ‚magische' Kaninchen, lauschten am Ende des Jahres dem kleinen Konzert, dass die Differenzierungskurs für Musik aus der Abschlussklasse – unter ihnen auch Andromeda Black – für die ganze Schule spielte – und bekamen recht wenig von dem dunklen Schatten mit, der sich langsam über dem magischen Britannien ausbreitete und der später unser aller Schicksal verändern sollte.
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Flashback Ende
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„Dafür, dass du ihn nicht mal jetzt leiden kannst, arbeitest du aber gut mit ihm zusammen", entgegne ich, anstatt eine Bemerkung zu ihrem Verhalten gegenüber Avery zu machen.
„Für den Dunklen Lord bringe ich eben große Opfer." In Bellatrix Stimme schwingt unverkennbar diese fanatische Überzeugung mit, ohne die sie wahrscheinlich nicht mal Askaban auf sich genommen hätte.
„Wollen wir uns das wirklich antun?", wechselt sie mit einem Blick auf das Erinnerungs-Abbild jedoch blitzschnell das Thema, als hätte sie meine Gedanken gelesen.
Wieder spare ich mir eine Antwort und blättere wortlos die ein paar Seiten weiter. Ich habe mir in den letzten vierzehn Jahren genug Gedanken darüber gemacht, warum die Frau neben mir Alice Longbottom und ihren Mann in den Wahnsinn gefoltert hat, und mir steht ehrlich gesagt nicht der Sinn danach, ausgerechnet jetzt ihre Beweggründe zu erörtern. Vielleicht später, wenn sie selbst dazu bereit ist darüber zu sprechen – und ich bereit bin, es zu hören.
Endlich finde ich, wonach ich suche: Unter Evans Überschrift „Zweites Schuljahr" ist eine kurze Erinnerung von Bellatrix, in deren Abbild sie selbst, Narcissa, ihre Cousins Regulus und Sirius, Rodolphus und dessen jüngerer Bruder Rabastan zu sehen sind. Der Stolz der mächtigen Reinblutfamilien.
Bellatrix grinst. „Sicher, dass du dir das antun willst?"
„Natürlich, das Black'sche Mienenspiel an diesem Abend war doch sehr interessant."
Geborene Black neben mir verzieht das Gesicht. „Wenn du meinst… willst du zuerst?"
Ich mache eine spöttisch-höfliche Handbewegung. „Ladies first."
Nach ihr beuge ich meinen Kopf so nah über das Bild, bis ich das Gefühl habe, hineinzufallen…
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Bellatrix' Erinnerung
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Was für ein wunderbarer Tag, dieser erste Tag im zweiten Schuljahr doch war… Er hatte schon mit einem Streit zwischen Sirius und seiner Mum angefangen, war mit unglaublichen Regenfällen, Narcissas üblichen Ermahnungen und Severus' sarkastischen Sprüchen weitergegangen und jetzt hoffte ich einfach, dass Regulus es besser machte als sein Bruder – es war doch nicht so schwer für einen Black, nach Slytherin zu kommen!
Da stand er, mein jüngerer Cousin, in der Nähe von Rabastan Lestrange, Angela Potter, Edgar Bones und den anderen, die in wenigen den Sprechenden Hut aufziehen müssen würden, war kreidebleich und sah furchtbar nervös aus. Tante Flora würde einen Tobsuchtsanfall bekommen, wenn Regulus auch ins falsche Haus gesteckt würde – womöglich noch ebenfalls nach Gryffindor…
Mein Blick schweifte zu Sirius hinüber, er erwidert den Blick mit einem rätselhaften und besorgten Ausdruck in den Augen – er ist also auch nervös wegen der Auswahl seines Bruders. Er war ja schon immer seltsam – in seinen Ansichten, in seinem Benehmen… aber seit er in Gryffindor ist, scheint er wir ausgewechselt. Das habe ich besonders in den Ferien bemerkt. Wie viel empfindlicher er inzwischen ist, zum Beispiel, wenn der Ausdruck Schlammblut fällt… Gemocht hat er das Wort noch nie, aber dass er nun schon dabei zusammenzuckte…
Ich schreckte aus meinen Gedanken, als ich bemerkte, dass Severus interessiert mein Gesicht musterte.
„Bist du nervös?", flüsterte er.
„Ich hab keine Lust, mir dieselben Sprüche wie letztes Jahr anhören zu müssen", antwortete ich und spielte damit nicht nur für ihn meine Befürchtungen herunter.
Die Auswahl begann. Ein braunhaariges Mädchen namens Jo Benson wurde nach Gryffindor geschickt, dicht gefolgt von der ersten Slytherin in diesem Jahrgang.
Es dauerte nicht lange, bis Reggie an der Reihe war. Der Hut rutschte ihm über die Augen und nach wenigen Momenten sah ich, wie mein Cousin den Mund verzog; offenbar war er mit einer Feststellung des Hutes ganz und gar nicht einverstanden. Er murmelte etwas vor sich hin. Warum dauert das denn so lange, fragte ich mich besorgt. Endlich gab der Hut Entwarnung: „SLYTHERIN!"
Ich lächelte erleichtert und nahm Regulus in die Arme, als er nicht weniger glücklich zu unserem Tisch gelaufen kam. Ich war nicht die Einzige, die froh aussah: Narcissa schaute sehr befriedigt drein, Rodolphus zwinkerte, bevor er seine Konzentration wieder den Erstklässlern zuwandte, und Professor Slughorn oben am Lehrertisch lächelte zufrieden zu unserem Tisch hinüber: Alle Blacks bis auf einen in seinem Haus.
Professor McGonagall schien kurz etwas besorgt zu sein, bisher hatte sie ja nur meine Schwestern und mich aus unsere Familie unterrichtet, und jetzt gleich zwei Jungs, wo doch Sirius schon so viel Unsinn machte…
Sirius selbst wirkte enttäuscht, ich sah, wie James Potter ihm mitfühlend auf die Schulter klopfte. Der Anblick zauberte einen triumphierenden Ausdruck auf mein Gesicht.
Nun saß Rabastan auf dem Stuhl. Der Hut hatte kaum seinen Kopf berührt, als er auch schon verkündete, dass er nach „SLYTHERIN!" gehörte. Rodolphus zog seinen Bruder erleichtert an sich. Ich wusste, dass er sehr an ihm hing – wenn er in ein anderes Haus gesteckt worden wäre, wäre für meinen Schlafsaalkameraden eine Welt zusammengebrochen.
Ich sah nur noch, wie Angela Potter – wie sollte es auch anders sein – nach Gryffindor geschickt wurde und von ihrem Cousin James begrüßt wurde, bevor Lucius Malfoy meine Aufmerksamkeit auf sich zog.
„Na, alles zu deiner Zufriedenheit, Bellatrix?"
„Bestens", grinste ich. „Alles da, wo es hingehört."
„Dann hoffen wir mal, dass die beiden unser Haus gut repräsentieren." Er nickte zu Regulus und Rabastan herüber, die den Schluss der Auswahl beobachteten.
„Ach, das wird schon. Ich hoffe eher mal, dass du dich als Schulsprecher gut anstellst – Glückwunsch übrigens." Erneutes Lächeln von beiden Seiten.
Das Festessen verlief recht ereignislos, abgesehen davon, dass sich sowohl Narcissa nicht gerade subtil dabei anstellte, Rabastan auszuhorchen. Der Arme warf seinem Bruder einen Hilfe suchenden Blick zu, doch Rodolphus zuckte nur mit den Schultern – typisch!
Nach Dumbledores üblicher Rede voller Ermahnungen, an die sich sowieso die wenigsten halten würden, erhoben wir uns und wollten uns auf den Weg zu den Kerkern machen, als wir von Rita Colins zurückgehalten wurden, einer Ravenclaw, die ein geradezu unheimliches Faible fürs Fotografieren – und Sirius im Schlepptau hatte.
„Hey, wartet mal, kann ich ein kleines Familienfoto von euch machen?"
Sirius verzog gequält das Gesicht und ich konnte mich nur anschließen – nicht nur, dass wir und alle zusammen ablichten lassen sollten, nein, wir sollten uns von Rita ablichten lassen. Das hatten wir letztes Jahr des Öfteren erlitten, und es war furchtbar, denn die Frau war eine Perfektionistin der Extraklasse.
Allerdings war es Narcissa, die für uns einwilligte, während Sirius, Rod und ich die spöttischen Bemerkungen unserer Freunde über uns ergehen lassen konnten, während Reggie und Rabastan gar nicht wussten wie ihnen geschah.
Das Foto war es nicht wert, geknipst zu werden: Narcissas Lächeln war falsch, Sirius verzieht sich sooft er kann an den Äußersten Bildrand und unsere „Kleinen" wirken noch blasser, als sie ohnehin waren. Rita sollte wirklich darüber nachdenken, ob sie die Leute nicht lieber freiwillig fotografieren will…
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Bellatrix und ich landen wieder auf ihrem Bett.
„Wie gesagt, eure Mienen waren sehr… interessant", kann ich mir nicht verkneifen zu bemerken.
Damals konnte Bella ihre Gefühle noch nicht so gut verbergen, und das ärgert sie heute noch, das sehe ich ihr jetzt an. Aber niemand ist von Anfang an perfekt, auch sie musste lernen, ihre Gefühle nicht sofort nach außen wiederzuspiegeln.
Sie schnaubt. „Pah, du wolltest doch bloß nochmal miterleben, wie Rita uns zu diesem Bild genötigt hat."
„Nein, ich wollte noch mal sehen, wie sie deinen lieben Cousin dazu nötigt, sich mit Rodolphus fotografieren zu lassen."
Bellatrix runzelt die Stirn. „Welchen meinst du?"
Sie wirkt noch verunsicherter, als ich ein schiefes Grinsen aufsetze. „Welcher war dir denn lieber?"
Nun liegt etwas Schmerzhaftes in ihrem Blick und sie greift zu einem der Weingläser, um mir nicht antworten zu müssen.
Ach Bella, denke ich, ausgerechnet du unterschätzt die Okklumentik… dabei ist es doch schon lange kein Geheimnis mehr, welcher deiner Cousins dir so sehr am Herzen lag.
