Vielen Dank für die lieben Reviews an Yoshina, Eilantha und Rabasta:-) Tjaa, jetzt geht's noch schnell mit dem Updaten, aber sobald die Schule wieder angefangen hat…

Yoshina: Ob die Charas von JKR zu der Zeit in Hogwarts waren, ist nur meine eigene Spekulation g und von meinen OCs, die Severus im Flashback vorgestellt hat, werden ein paar Leute wichtig, die anderen sind nur Lückenfüller fies zu den charas ist

Eilantha: Liegt schon näher als Bella/Snape :) In diesem Kapitel ist es allerdings noch ein bisschen zu früh, sie sind ja alle erst 12, 13 Jahre alt ;) Bella/Snape-Streit-Zusammenhocken ist aber gut ;)

Rabasta: Den Kapitelnamen hätte ich um ein Haar vergessen, und dann ist es eben auf Wolken herausgelaufen, weil im letzten Kapitel ja ziemlich viel gestritten wurde, und diese „Wolken" über bestimmten Beziehungen hängen bleiben. Zur Länge der Geschichte: Bin noch unsicher, es werden wohl so um die 10 Kapitel plus Epilog werden, für die Schuljahre und das Leben danach, aber wie ich Bellatrix, Sirius und auch Snape kenne, werden sie mir allesamt einen Strich durch die Rechnung machen und dann wird es doch mehr als geplant gg

Kapitel 3: Licht auf Scherben

"I didn't know thatyou were so cold
And you needed someone to show you the way
So I took your hand and we figured out that when the tide comes
I'd take you away

If you want to I can save you
I can take you away from here
So lonely inside, so busy out there
And all you wanted was somebody who cares"

Michelle Branch, All you wanted

Bellatrix weicht meinem Blick aus. Sie hat nicht erwartet, dass sie doch nicht so undurchschaubar ist, wie sie gern wäre. Dabei ist es doch so offensichtlich, dass sie um Sirius so viel mehr getrauert hat als um Regulus – auch wenn sie den Tod des Ersten selbst verschuldet hat.

Aber ich beschließe, nicht weiter nachzuhaken. Wahrscheinlich ist es noch zu früh, doch ich habe das Gefühl, dass ich noch in dieser Nacht herausfinden werde, was eigentlich zwischen den beiden passiert ist – und ob ich mit meinen Vermutungen richtig liege.

Fürs erste beschließe ich allerdings, das Thema nicht weiter zu vertiefen. Bellatrix ist offenbar zum selben Entschluss gekommen, denn sie blättert wieder im Memoiren-Album. Auf einmal stutzt sie.

„Was ist das denn? Was hatte Evan denn so früh mit denen zu tun?"

Ich folge ihrem Blick und finde ein Erinnerungs-Abbild, das Sirius (oh Wunder…), Mimi Marcez und Gwendoline Rockhome zeigt. Im Hintergrund scheint noch jemand zu sein, aber das Abbild ist zu dunkel, um diesen Jemand zu erkennen.

Die Mädchen und Sirius spielen Gitarre, wobei Gwendoline Sirius des Öfteren einen besorgten Blick zuwarf.

„Die ersten Anfänge von der… ähm… Band." Ich kann mir den spöttischen Unterton nicht verkneifen.

„Haben die wirklich so früh angefangen? Ich dachte, das wär erst ein, zwei Jahre später gewesen…", wundert sich Bellatrix und leert ihr Weinglas.

Askaban scheint einen Teil ihrer Erinnerung getrübt zu haben, oder es liegt wirklich daran, dass es sich um Evans Erinnerung handelt. Fakt ist auf jeden Fall, dass sich Gwendoline und Evan von Anfang an aufgrund ihres großen Musikinteresses verstanden haben. Soweit ich mich erinnere, brachte diese Liebe zur Musik und ihre Distanziertheit zu ihren Klassenkameraden aus Hufflepuff Gwendoline dazu, im zweiten Schuljahr ihre Gitarre mit nach Hogwarts zu bringen – und zwar zeitgleich mit Mimi, die kaum noch Orte fand, an denen sie ungestört tanzen konnte. Sirius hatte die beiden nur ein paar mal spielen hören müssen, um sich von der Begeisterung der beiden anstecken zu lassen, und so war diese Erinnerung anscheinend dadurch entstanden, dass Evan in eine der Gitarrenstunden hereingeplatzt war.

Kein Wunder, dass Bellatrix sich darüber wunderte, dass die Anfänge so früh lagen – allerdings, hätte Sirius erst später angefangen zu spielen, hätte er wahrscheinlich später gar nicht mehr mitmachen dürfen. Es bereitet mir jetzt noch eine gewisse Genugtuung, daran zu denken, wie schlecht dieser arrogante Schnösel laut Aussagen von Leuten, die ihn in diesem Jahr gehört hatten, gewesen war.

Da wir uns aber tatsächlich beide wundern, dass Evan schon so früh etwas von der aufkeimenden Gruppe mitbekommen hat, da er erst zwei Jahre später dazukam, beschließen wir ohne große Diskussionen, uns die Erinnerung anzusehen. Wieder lasse ich Bellatrix den Vortritt und beuge mich dann nach ihr über die Erinnerung, bis ich hineinfalle…

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Evans Erinnerung

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Nein, bitte nicht schon wieder!

Ich versuchte Adrienne durch viel sagende Blicke dazu zu bringen, zu bemerken, dass ich ihre Meinung über Rods und Averys Verhalten gegenüber Mädchen beinahe so gut darstellen konnte, als sei es meine eigene, aber für solche subtilen Wege, sie zum Schweigen zu bringen, schien sie schlicht und ergreifend immun zu sein.

„… diese frauenfeindliche Haltung ist sowas von unangebracht! Ohne uns Frauen gäbe es die beiden doch gar nicht!…"

Augenrollen meinerseits. Warum sagst du ihnen das nicht einfach mal ins Gesicht, dachte ich, blieb aber selbst ebenfalls still.

„… wenn ich jedes mal solche Bemerkungen machen würde, die hätten mich schon x-mal zusammengeflucht!"

Mir reichte es.

Adrienne – halt – die – Klappe!"

Sie schaute mich verwirrt an – und die Stille tat soo gut!

Aber da war gar keine Stille. Ich hörte relativ laute Stimmen aus irgendeinem Klassenraum hier in der Nähe. Aber… das war kein lautes Gerede, das war… ja, das war lauter Gesang. Hörte sie es nicht?

Nein, natürlich nicht, sie schaute mich nur wütend an

Hör mal", sagte ich, „warum sagst du das den beiden nicht persönlich? Wenn du mir was vorjammerst bringt dir das überhaupt nichts, was soll sich dann ändern?"

Sie überlegte kurz, dann hellte sich ihr Gesicht auf und sie machte sich mit einem „Ja, ich glaub, das sollte ich wirklich tun!" auf die Suche nach unseren Schlafsaalkameraden.

Ich atmete tief durch. Das ging schneller als ich gedacht hatte, und glücklicherweise war sie viel zu sehr in Rage gewesen, um die Musik zu bemerken.

Ich dagegen begann sie zu suchen. Der Gesang musste aus einem der leeren Klassenräume kommen…

Ich näherte mich dem Verwandlungsraum. Die Stimmen wurden lauter und ich erkannte nun auch das Geräusch von angeschlagenen Gitarrensaiten. Welch Wohlklang… Obwohl, da spielte doch irgendjemand entsetzlich schlecht… ich verkniff mir ein Grinsen. Da schien wohl jemand Probleme mit Barree-Akkorden zu haben…

Ja, doch, definitiv, die Musik kommt aus dem Verwandlungsraum. Ich linste durch die angelehnte Tür – und hätte nicht überraschter sein können. Okay, gut, von Gwen bin ich es gewohnt, sie redet fast nur von Musik – wenn sie überhaupt redet. Ich hätte mir denken können, dass sie irgendwann anfangen würde, selbst Musik zu machen – und dann auch noch gute. Aber Mimi? Ich hatte bisher nur erlebt, dass sie sich oft zum Tanzen irgendwohin verzog, dort gefunden und mit seltsamen Blicken bedacht wurde, aber sie spielte gar nicht schlecht

Dann blieb als Übeltäter für die schlechten Barree-Akkorde nur Sirius Black übrig, der neben Gwen saß und sich sichtlich abmühte. Dass er zu diesem Saitengequäle den Gesang nun gar nicht mehr hinbekam, muss wohl nicht erwähnt werden.

Das Grinsen ließ sich nun nicht mehr zurückhalten. Der ach so talentierte Sirius Black, Unruhestifter des Jahrgangs und Alptraum von Hausmeister Filch, versagte an Instrumenten. Irgendwie kommt mir der Gedanke, dass Sev sich über diesen Anblick wohl tierisch freuen würde.

Ich wollte gerade wieder verschwinden, als mich eine vierte Person im Raum bemerkt.

Die Tür öffnete sich und ich stand Frank Longbottom gegenüber. Was tat der denn hier?

Im Moment drehte er sich jedenfalls zu den Mädchen und Sirius um. „Sieh mal einer an, ihr habt sogar seriöses Publikum." Dabei grinste er dermaßen spöttisch, dass ich mich von diesem Kommentar direkt angegriffen fühlte. Ich ließ mir jedoch nichts anmerken.

Und? Hat's dir gefallen?", fragte Mimi mit einem schiefen Lächeln.

Ihr seid richtig gut", gab ich zu und schaute dabei absichtlich nur die Mädchen sehr intensiv an.

Trotzdem registrierte ich die Röte, die sich auf Blacks Wangen ausbreitete, mit einem gewissen Überlegenheitsgefühl.

Naja, das klingt alles noch etwas angeschlagen", meldete sich jetzt auch Gwen zu Wort. „Ich meine, zwei Akustische und eine E, alles ohne Bass und Drums…" Black und Mimi tauschten ein mildes Lächeln aus. „…Das ist halt nicht so das Wahre…. Aber mit ein bisschen Zeit und Übung wird das noch richtig gut!"

Der Enthusiasmus auf ihrem Gesicht hätte wohl jeden überzeugt, und ich war mir sicher, dass aus diesen Bruchstücken tatsächlich noch etwas werden könnte… aber nie im Leben, solange diese Black'sche unmusikalische Katastrophe dabei war!

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Als wir wieder auf Bellatrix' Bett landen, lacht sie. „Wusste gar nicht, dass er so wenig Begeisterung für irgendwas, was mit Musik zu tun hat, zeigen kann. Oder besser gesagt, konnte", fügt sie mit düsterem Blick hinzu.

Ihre letzten Worte versetzen mir einen schmerzhaften Stich und ich versuche angestrengt, nicht an die Art und Weise zu denken, wie Evan gestorben ist… wie ein Stück Fleisch inmitten von Raubtieren, ein einsamer Romeo…

Ich schüttle den Gedanken ab. Versucht, mich auf Bellatrix letzten Satz zu konzentrieren, und mir vor allem nichts anmerken zu lassen.

„Ja, es ist schon seltsam, wenn man bedenkt, dass die beiden später recht gut zusammen gespielt haben…" Ich versuche – anscheinend recht überzeugend – zu lächeln.

Bellatrix nickt und schenkt sich Wein nach. „Obwohl, das ist ja eigentlich untertrieben. Evan und Gwendoline waren Koryphäen."

„Dank den Differenzierungskursen", erwidere ich und möchte im nächsten Moment am liebsten den Kopf gegen die Wand schlagen.

Diffkurse – ein Thema, dass man nie vor Bellatrix, Rodolphus und den anderen, die das richtige Fach gewählt haben, erwähnen sollte.

„Jaaa, in diesen Kursen hat man so viel Nützliches gelernt", säuselt sie auch jetzt, ihre Stimme trieft vor Hohn und Spott und ich fühle mich wieder wie der Drittklässler, der aus seiner ersten Diffstunde kommt und komplett entsetzt ist.

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Flashback

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Es gab drei Fächer zur Auswahl: Musik, Kunst oder Französisch. Ich hatte damit gerechnet, dass meine Freunde alle drei Fächer als „Muggelkram" abtun würden, aber genau das Gegenteil geschah: Sie waren allesamt begeistert, als man uns am Ende des zweiten Schuljahres darauf aufmerksam machte, dass wir für das nächste Jahr nicht nur Fächer wie Wahrsagen, Pflege Magischer Geschöpfe oder Alte Runen, sondern eben auch die Differenzierungsfächer wählen mussten.

Mein Pech war, dass ich als Einziger in unserem Schlafsaal kein Französisch sprach und deshalb auch als Einziger gewisse Dinge nicht verstand, die sich beispielsweise Rodolphus und Adrienne an den Kopf warfen – oder die mir selbst gesagt wurden.

Und da ich eben so gut wie möglich in unsere kleine Gruppe hineinpassen wollte, nahm ich genau das als Anlass, als Einziger Französisch zu wählen, während Rodolphus, Adrienne und Evan am Anfang des dritten Schuljahres mit Instrumenten und Bellatrix und Avery mit einer Tasche voll Pinsel und anderen seltsamen Gerätschaften, die der Kunstprofessor verlangte, zurück nach Hogwarts zurückkehrten.

Der Französischkurs war nicht groß. Acht Leute, und ich als einziger Slytherin. Außer mir hatten bloß Potter, Lupin, Longbottom, Lily, Mimi, Alice und Debo Arabesque dieses Fach gewählt.

Alle anderen hatten einfach unheimlich Glück.

Wir saßen gespannt im entsprechenden Klassenraum und warteten, wenig begeistert über unsere Kurskameraden, aber zumindest nichts Böses ahnend, auf unsere Professorin.

Und dann kam sie. Elke Affamée. Geborene Deutsche, in Frankreich aufgewachsen. Erstaunlich groß, erstaunlich alt, erstaunlich blond-grau – erstaunlich viele und große Zähne.

Und erstaunlich unsensibel.

Sie plapperte sofort los, und zwar auf französisch, mit uns, die wir kaum ein Wort aus dieser Sprache kannten – mal abgesehen von Lupin, dessen Mutter einen Frankreichfimmel hatten, Mimi, die durch ihr Balletttraining zumindest mit französischen Begriffen in Berührung gekommen war, und mir, der ich aber, wie gesagt, nichts von dem, was in meinem Schlafsaal in dieser Sprache geredet wurde, begriff.

Kurz: Nachdem sie uns 30 Minuten lang eine Einführung in ihren Unterricht gegeben hatte, waren wir genauso schlau wie vorher.

Ich will ja gar nichts gegen diese Sprache sagen, und hätte ich mir einfach von Rodolphus oder Bellatrix ein paar Dinge in dieser Sprache erklären lassen, anstatt diesen Kurs zu besuchen, würde ich die Sprache vielleicht mögen – aber diese Frau hatte nicht nur mich dazu gebracht, die ach so schöne Sprache mit äußerster Respektlosigkeit zu behandeln.

Nach zwei Stunden, in denen wir kaum etwas verstanden hatten, was Elke – wie gesagt, äußerste Respektlosigkeit – uns erzählte, hatten wir einen ganzen Berg von Hausaufgaben und waren alle in einheitlich düsterer Stimmung.

Das ganze verschlimmerte sich noch, als wir auf unsere Freunde trafen, die mehr oder weniger begeistert aus den anderen Kursen kamen.

Rod, Adrienne und Evan waren etwas enttäuscht. Professor Slughorn leitete den Musik-Kurs, und bevor sie mit den Leuten aus den anderen Jahrgängen im Orchester spielen durften, lag erst einmal ein langes Jahr voller Musiktheorie vor ihnen, in dem sie höchstens im Chor singen durften, fanden den Kurs aber ansonsten erste Klasse.

Bellatrix und Avery waren entzückt vom Kunst-Kurs. „Ein relativ abgedrehter Choleriker", so beschrieben sie Professor Brandy, der anscheinend eine recht eigenwillige Weise hatte, den Unterricht zu führen.

Wie ich in der nächsten Diffstunde erfuhr, hatte nicht nur ich mitleidige Blicke und jede Menge Spötteleien erleiden müssen, nachdem ich aufgefordert wurde, von meinem Kurs zu erzählen.

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Flashback Ende

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„Tu nicht so, als wär der Kunst so viel besser gewesen", brumme ich zurück. „Euer Professor hieß nicht nur Brandy, er hat das Zeug auch gerne getrunken. Und ich muss dich nicht an seine Handgreiflichkeiten erinnern", füge ich zynisch hinzu genehmige mir einen Schluck Wein.

Bellatrix verzieht das Gesicht und fasst sich an die Schläfe, wo ihr lieber Professor sie und ihren Cousin eins mit den Köpfen aneinander gestoßen hatte. Wie lange hatten die beiden diesen Bluterguss… „Kann ja mal passieren… Aber sag was du willst, der beste Kurs war immer noch der Musik-Kurs, die hatten da so viel Freiheit…"

Sie blättert ein paar Seiten weiter, zu den Erinnerungen des fünften Schuljahrs und zeigt auf ein Abbild, das das Orchester zeigt, allerdings in einer Pause, was die Musiker nicht davon abhält, weiterzuspielen. Wir hatten oft bei den Proben zugeschaut, und es war einfach nur erstaunlich, was dieser Kurs auch ohne ihren Professor auf die Beine stellen konnte. Wenn ich da an Elke und unsere schwache Truppe denke, könnte ich vor Scham im Boden versinken.

Mein Blick wandert nun jedoch zu dem Bild unter dem des Orchesters. Es zeigt Bellatrix, Mimi und Lily zusammen bei einem Ausflug ins verschneite Hogsmeade. Ich kann immer noch nicht anders, als über einen solchen Anblick die Stirn zu runzeln. Nach drei Jahren hatten wir in Slytherin uns endlich zu einer kleinen Clique zusammengerauft, und dann das…

Bellatrix fängt meinen Blick auf und blättert wortlos zu den Erinnerungen aus dem dritten Jahr zurück.

„Jetzt sag nicht, du hast dir das noch nie angesehen", flüstert sie beinahe. „Ihr habt es nie gesagt, aber glaub ja nicht, ich hätte nicht gemerkt, wie ihr hinter meinem Rücken darüber geredet habt. Und verdammt noch mal, ihr hättet genug Zeit gehabt, mich einfach nach dem Grund zu fragen."

„Für uns war das einfach unvorstellbar… ich meine, ausgerechnet du…"

„Ja, ausgerechnet ich", entgegnet Bellatrix aufgebracht. „Aber als Evan sich mit Gryffindors zusammengetan hat, und als du dich immer Öfters mit Lily zum Lernen verzogen hat, da ist keiner von euch jemals wie ein… wie ein Hausverräter oder sowas angeschaut worden."

„Okay, es war nicht in Ordnung, aber für uns war es nun mal verdammt ungewohnt. Und ich meine, es ist ja auch jetzt noch ein Widerspruch in sich", sage ich mit ruhiger Stimme.

Bellatrix verdreht die Augen, öffnet den Mund, als will sie etwas erwidern, überlegt es sich jedoch anders und tippt mit ihrem dürren knochigen Zeigefinger auf eine Erinnerung. „Schau es dir an, vielleicht verstehst du dann, was ich meine."

Ich werfe einen Blick auf das Abbild. Lily und Bellatrix, damals Drittklässlerinnen, hocken in einem Korridor und sammeln auf dem Boden liegende Bücher ein. Ich werfe der erwachsenen Bellatrix neben mir noch einen fragenden Blick zu, auf den hin sie energisch nickt, bevor ich in die Erinnerung eintauche…

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Bellatrix' Erinnerung

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Ich lief allein durch den Zauberkunstkorridor. Wenn ich mich beeilte, konnte ich meine Bücher noch vor dem Abendessen zur Bibliothek zurückbringen…

Außerdem gab mir das eine Gelegenheit, für ein paar Minuten meine Ruhe zu haben.

Schön und gut, Adrienne und ich wurden jetzt endlich von den Jungs akzeptiert und Averys Sprüche waren nicht mehr ganz so derbe; wir verstanden uns inzwischen alle recht gut, halfen uns gegenseitig und hielten gegen die anderen Häuser mehr als gut zusammen, ja, waren sogar richtige Freunde geworden… aber ich merkte immer wieder, dass mir irgendetwas fehlte.

Es war einfach komisch, als fast einziges Mädchen die ganze Zeit fast ausschließlich mit Jungen zusammen zu sein, noch dazu mit welchen, die dermaßen unsensibel waren…

Adrienne schien das nicht mal zu stören. So sehr sie sich über Rod und Avery aufregen konnte, so gut verstand sie sich mit Severus und Evan – bei den beiden regte sie sich nicht mal darüber auf, dass sie sie mit ihrem Vornamen ansprachen, und nicht mit „Wilkes", wie sie es sich eigentlich wünschte.

Ich wusste nicht mal, was es war, das ich vermisste. Es war eine gewisse Art von Einsamkeit, die ich empfand, aber was für eine? Ich war doch im Prinzip die ganze Zeit unter Menschen… sogar unter Menschen, die ich mochte… Doch das änderte nichts daran, dass ich oft das Gefühl hatte, alleine in einem Raum zu stehen, auch wenn fünf Andere um mich herum waren…

Ich war so tief in Gedanken, dass ich die rothaarige Gestalt nicht bemerkte, die in meine Richtung eilte. Es kam, wie es kommen musste, wir knallten gegeneinander, prallten aneinander ab und stürzten rücklings auf den Boden.

Da auch sie einen Stapel Bücher in den Armen getragen hatte, waren wir praktisch umringt von alten Bibliotheksbänden.

Mit einem leisen „Autsch!" setzte Lily sich auf.

Tut mir leid", murmelte ich und rieb meinen Ellebogen, mit dem ich versucht hatte, meinen Sturz abzufangen.

Sie schaute mich verwundert an. „Was denn, kein bissiger Kommentar heute?"

Ich konnte nicht anders als zu grinsen, beim Gedanken an diese Situationskomik: Wir beide, zwei eigentlich verfeindete Mädchen aus noch schlimmer verfeindeten Häusern, in einem Haufen von Büchern, und hätten sonst wie gefährlich stürzen können, und ich brachte es auch jetzt nicht über mich, eine spitze Bemerkung zu machen.

Nee, den spar ich mir für Madame Pince auf, wenn sie wissen will, warum die Bücher so schlimm aussehen."

Lily kicherte und rappelte sich hoch, ich ebenfalls, und wir beide versuchten, zu unterscheiden, welche Bücher wem heruntergefallen waren.

Es war seltsam, wie so ein kleiner Moment zwei Menschen verbinden kann. Wir gingen geradezu einträchtig in Richtung Bibliothek, und schafften es tatsächlich, ganz normal miteinander zu reden, als wäre da keine Häuserfeindschaft, die diese Konversation eigentlich verbot.

Du siehst in letzter Zeit sehr blass aus", sagte sie so vorsichtig, als würde sie nicht genau wissen, wie weit sie sich zu mir herantasten könnte.

Du auch", lenke ich ab und musterte ihre fast schon zu schlanke Gestalt. „Die Leute zerfetzen sich das Maul über deine… ähm... Essgewohnheiten."

Ach, gehörst du auch zu den Leuten, die jedes kleine Gerücht glauben, das ihnen zu Ohren kommt?"

Es erstaunte mich, wie ruhig sie blieb, auch wenn ihre Stimme bei diesen Worten sehr kühl klang. Ich habe sie schon ausrasten sehen, wenn man sie in dieser Angelegenheit angesprochen hat.

Nein, ich gebe nicht viel auf Gerüchte. Deshalb glaube ich auch nicht, dass du eine Essstörung hast", antwortete ich.

Hätte ich auch nicht von dir erwartet", lächelte sie. „Und was ist dir über die Leber gelaufen? Du siehst nicht gut aus in letzter Zeit. Hast du Zoff mit einen Freunden?" Die besorgte Art, mit der sie nun ihrerseits mein blasses Gesicht mit den dunklen Augenringen musterte, berührte mich irgendwie.

Nur dass ich ihr keine Antwort auf ihre Frage geben konnte. Ich wusste sie ja selbst nicht.

Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung, was mit mir los ist. Ich weiß ja nicht mal, warum ich mit dir rede, ich glaub, wir haben in den letzten Jahren kein einziges freundliches Wort gewechselt."

Wie war, und ich konnte mir schon vorstellen, was meine lieben Hauskameraden sagen würden, wenn sie hiervon wüssten.

Schade eigentlich." Mir war klar, dass dieser Kommentar Lily nur herausgerutscht war, das sagte allein schon ihr Gesichtsausdruck.

Ich schwieg. Insgeheim gab ich ihr recht. Es tat einfach unheimlich gut, mal mit jemandem zu reden, der sich wirklich darum kümmerte, was man überhaupt sagte, ohne es gleich in den Dreck zu ziehen – so wie ich es meistens von meinen Freunden gewohnt war.

Inzwischen waren wir bei der Bibliothek angekommen. Wir redeten nicht weiter, während wir unsere Bücher zurückgaben und wunderten und schweigend darüber, dass Madame Pince uns nicht wegen der Staubflecken zur Schnecke machte, die der Boden auf ihnen hinterlassen hatte.

Schließlich standen wir etwas verloren vor der Bücherei herum.

Ich hörte, wie Lily tief durchatmete, bevor sie wieder sprach.

Ich weiß, dass das jetzt sehr gewagt ist, dass die anderen Gryffindors mich dafür hassen werden, dass du mich entweder zusammenfluchst, oder es deinen Freunden erzählst und ich morgen das Gespött der ganzen Schule bin, und dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass du ja sagst, aber… im Gegensatz tu Wilkes scheinst du irgendwie genervt von euren Jungs zu sein, und… naja, wenn du Lust hast, mal was mit Mädchen zu unternehmen, dann…" Sie zuckte etwas unbeholfen mit den Schultern.

Ich schaute sie verwundert an. Versuchte sie gerade wirklich, die Grenzen zwischen unseren Häusern zu überbrücken? Hatte sie wirklich – ohne, dass wir groß darüber geredet hatten – bemerkt, was in mir vorging? Und war das wirklich ich, die sie daraufhin anlächelte und „Danke, das wär toll" sagte? Was zum Donnerwetter war denn los mit mir!

Das fragte ich mich auch noch, als ich am darauf folgenden Samstag in der Eingangshalle wartete, während meine Schlafsaalkameraden sich schon auf den Weg ins Dorf machten.

Sie hatten mir jede Menge seltsame Blicke zugeworfen und noch mehr Fragen gestellt, aber was hätte ich ihnen sagen sollen? ‚Sorry, Leute, ich gehe mit dem Schlammblut nach Hogsmeade, das ihr alle so sehr hasst'?

Ich war schon drauf und dran, ihnen nachzulaufen, als Lily und Mimi die Marmortreppe herunterkamen und mir zuwinkten. Mir war mulmig zumute, als ich zurücklächelte.

Hi", begrüßte mich Lily. „Mimi kennst du ja…"

Hallo", kam es sowohl von mir als auch von Mimi.

Wir standen ein paar Augenblicke etwas betreten herum, bevor wir uns auf den Weg machten.

Wir machten die üblichen Hogsmeade – Besorgungen – Zonko's, Schreiberlings, Honigtopf – und redeten dabei über dies und das. Ich war verwundert, festzustellen, wie einfach es war, mit ihnen zu sprechen – und zwar über alles Mögliche. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich.

Uns begegneten seltsamerweise kaum Slytherins, das beruhigte mich irgendwie.

Alles in allem war es ein sehr schöner Tag, den ich mit den beiden Gryffindormädchen im Dorf verbrachte, schöner als ich erwartet hatte. Ich musste nicht dauernd aufpassen, dass ich um jeden Preis mein Gesicht wahrte, und vor allem stellte ich fest, dass ich mich nicht mehr so einsam fühlte.

Als wir irgendwann bei einer Tasse heißer Schokolade in Madame Puddifoot's Café saßen, hatte ich wirklich das Gefühl, mit zwei Menschen da zu sein, und nicht alleine dort zu sitzen, so wie es letztes mal mit Adrienne gewesen war. Ich bemerkte, dass Lily gar nicht die zickige Streberin war, für die ich sie immer gehalten hatte, und dass Mimi das genaue Gegenteil von schweigsam war, wenn sie erst einmal zu sprechen angefangen hatte.

Es waren recht interessante Gespräche, die wir führten, jeder von uns wurde auf diese Art ein paar Probleme los, weil es einfach gut tat, nur darüber zu reden.

Als wir am frühen Abend wieder nach Hogwarts zurückkehrten und ich mich auf den Weg zu den Kerkern machen wollte, nahmen mich die beiden kurz zur Seite.

Und, war es so schlimm, mit Gryffindors rumzuhängen?" Lily kannte die Antwort schon, bevor sie die Frage gestellt hatte.

Ich hab euch Unrecht getan", antwortete ich. „Schade, dass es wahrscheinlich 'ne einmalige Sache war – meine Freunde werden mich in der Luft zerreißen, wenn ihnen das zu Ohren ko -"

Wenn's dir irgendwie zu viel wird und du reden willst", unterbrach mich Mimi, „dann komm zu uns. Natürlich nur, wenn du willst, es ist immer noch deine Entscheidung, was du mit wem unternimmst." Sie lächelte.

Ich konnte nicht anders, als zurückzugrinsen.

°°°°°

Ich komme wieder auf Bellatrix' Bett an. Das, was ich gerade gesehen habe, ist schwer zu verdauen.

Natürlich hatten wir sie in der Luft zerrissen, als Narcissa uns erzählte, mit wem Bellatrix den Nachmittag verbracht hatte, aber keiner von uns war damals auf den Gedanken gekommen, dass es vielleicht unsere eigene Ignoranz gewesen war, die unsere Koryphäe dazu gebracht hatte, ein echtes Tabu für Slytherins zu brechen. Mimi Marcez wäre ja noch zu verkraften gewesen – reinblütig und relativ neutral mit ihrer Meinung über die Dunklen Künste - aber Lily Evans? Muggelgeborene, absolut feindselig den meisten unserer Einstellungen gegenüber, war sie eigentlich eher das genaue Gegenteil von Bellatrix.

Es war der Anfang einer tiefen Freundschaft gewesen, dieser Nachmittag in Hogsmeade. Und der einzige Grund, den wir hatten, nur ein einziges mal zu versuchen, Bellatrix dafür zusammen zu stauchen – denn derjenige, der es schaffte, ein Mitglied der Familie Black mit solchen Reden zu beeindrucken, muss erst noch geboren werden - , war, dass sie es irgendwie geschafft hatte, ihre Freundschaft zu Lily und Mimi, ihre Freundschaft zu uns und ihre Pflichten gegenüber unserem Haus unter einen Hut zu bekommen: Sie holte auch weiterhin im Unterricht massenhaft Punkte, als sie als Hüterin im Quidditch-Team spielte, machte sie es den Gegnern so schwer wie möglich, auch nur ein Spiel zu gewinnen, und sie änderte nichts an ihrer Einstellung gegenüber Muggeln und Muggelgeborenen. Eigentlich hatte sich nichts geändert, außer dass sie viel entspannter war, ihr die Meinungen ihrer Mitschüler gleichgültiger wurden und dass sie eben mit einer Muggelstämmigen befreundet war.

Und da liegt für mich immer noch das Unglaubliche: Es ist auch jetzt noch, als würde man mit einer Frau mit zwei Gesichtern sprechen. Es ist, als würde Bellatrix für Lily eine Ausnahme machen, sie als Ebenbürtige ansehen. Lily war tatsächlich die einzige Muggelstämmige, die Bellatrix nie als Schlammblut bezeichnet hatte. Ansonsten war ihre Abneigung gegen eben solche ungebrochen.

Ich hebe meinen Blick. Bellatrix starrt mich wieder so gleichermaßen durchdringend und gleichgültig an. Sie ist und bleibt seltsam.

Ich kenne sie jetzt seit fast dreißig Jahren und habe es nicht geschafft, sie zu begreifen; sie birgt einfach so viele Widersprüche in sich: Treueste Dienerin des dunkelsten Zauberers aller Zeiten und beste Freundin der Frau, die zu dessen ersten Fall zu verantworten hatte, eine Slytherin durch und durch, und trotzdem mit so vielen Gryffindor- Eigenschaften ausgestattet, Erbin des Alten und gar Fürnehmen Haus der Blacks, nach außen so sehr gegen die Blutsverräter gewandt und innen doch so sehr mit ihnen verbunden…

Ich bin mal wieder nahe dran, aufzugeben, sie irgendwann zu verstehen, denke ich, und greife wieder zu meinem Weinglas.

Author's Note: Oh, das ist viel länger geworden als beabsichtigt… Ich hoffe, es ist an manchen Stellen nicht zu langatmig geworden. Ach ja, und wer jetzt denkt, dass Bellatrix, nur weil sie mit Lily befreundet ist, zum Gut-Mensch wird, liegt seeehr weit daneben ;)