Muss noch ein Stück Disclaimer anfügen: Moulin Rouge gehört Baz Luhrman und dem Rest der Leute, die am Film beteiligt waren. Ich ziehe das ganze jetzt einfach mal von 2001 nach 1975.

Ich weiß nicht, ob es zu undurchschaubar wird mit den OCs, wenn etwas unklar ist, schickt mir einfach 'ne Mail.

Außerdem: Danke an Eilantha und Nyarna für die Reviews

Eilantha: Danke für die Kekse ;) Bellas letzter Satz bezog sich darauf, dass die anderen Slytherins sich wahrscheinlich gewundert haben, wo Rodolphus abgeblieben ist, während er dieses ‚Gespräch' mit Snape hatte. Das mit Narcissa und den Hauselfen war eine kleine Anspielung auf B.ELFE.R. – Hermine ist nicht die Einzige, die sich um Elfenrechte gekümmert hat, allerdings ist sie viel konsequenter als Narcissa ;)

Nyarna: Hmm, das letzte Kapitel war glaub ich sogar länger.. sieben Seiten… ist mir beim Schreiben aber auch kürzer vorgekommen :) Ja, der Kapitelname kommt davon, dass sie jetzt alle mit den Dunklen Künsten anfangen, und wegen Dumbledores Rede, die Evan erwähnt, also, dass Voldemort „draußen" anfängt, die Macht zu übernehmen. Wegen Lilys Essstörungen: Da geh ich wahrscheinlich in einer anderen Geschichte näher drauf ein, aber ich sag mal so: Ich stell sie mir vor wie Petunia, also sehr dünn, und hab da einfach mal weitergesponnen, dass ganz gemeine Leute hinter ihrem Rücken das Gerücht verbreiten, sie hätte Essstörungen. Hat sie aber nicht ;) Es sei denn, JKR hätte es so geplant. Wegen den Differenzierungskursen: Da hab ich, wie gesagt, ein bisschen bei der Realität geklaut. An unserer Schule gibt's zwar nicht 2 künstlerische Fächer und Französisch, aber so ähnlich. Hast recht, Franz ist echt viel Arbeit, besonders, wenn man unfähige Lehrer hat zu Elke schiel, ich sollte eigentlich auch lernen, aber ich kann mich da irgendwie nicht zu aufraffen g) Die Franzosen sollen in Hogwarts auf jeden Fall leiden ;) Ja, ich weiß, ich bin gemein…

Soo, die Ferien sind vorbei, jetzt kommen wahrscheinlich immer größere Abstände zwischen den Kapiteln… Bin auf jeden Fall mal froh, dass ich die ersten vier in den Weihnachtsferien geschafft hab ;) Aber Ende der Woche sind ja noch Zeugnisferien, und wenn ich meinen Geburtstagsstress morgen hinter mir hab, mach ich mit dem nächsten Chap weiter :)

Kapitel 5: Wölfe im Schafspelz

"Love is a rose but you better not pick it
It only grows when it's on the vine.
A handful of thorns and you'll know you've missed it
You lose your love when you say the word mine."

Neil Young – Love is a rose

Rodolphus wirft mir einen leicht hilflosen Blick zu, als Bellatrix aufsteht und mit einer gemurmelten Entschuldigung das Zimmer verlässt – der Wein macht sich bemerkbar.

„Warum wolltest du ihr das zeigen?", frage ich ihn, kaum dass sie die Tür geschlossen hat. „Du kennst sie doch, es war doch absehbar, dass sie sich darüber lustig macht."

„Ich dachte, sie würde es endlich ernster nehmen." Rodolphus Stimme ist eine Spur zu verzweifelt und straft seinen kühlen Gesichtsausdruck Lügen. „Ich habe sie nicht nur geheiratet, weil unsere Eltern es so wollten. Meine Gefühle für sie haben Askaban überdauert. Nur, dass sie es meistens so spöttisch aufnimmt, wenn ich ihr das sage. Sie scheint es zu lieben, mir das Herz Stück für Stück herauszureißen." Er seufzt resigniert.

Es sind solche Gespräche, die mich wieder davon überzeugen, dass er tatsächlich ein Herz besitzt. Aber er hat Recht. Bellatrix wird nicht umsonst von so ziemlich jedem als Sadistin bezeichnet – darum gehört sie schließlich zu den Lieblingen des Dunklen Lords. Sie genießt die Schmerzen Anderer, egal, ob es sich dabei um physische oder psychische Schmerzen handelt – und wenn es bei ihrem eigenen Mann ist.

Das war damals so, und hat sich bis heute nicht geändert. Nur, dass sie früher zumindest die Leute, die ihr offensichtlich nahe standen, aus dem Spiel gelassen hat.

Anders war es bei denen, von denen sie sich scheinbar distanziert hatte – oder sollte ich besser sagen, von dem?

°°°°°

Flashback

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Leute, seid doch mal vernünftig!"

Evan war es leid, dem Gestreite zuzuschauen und bemühte sich mal wieder, die Gemüter zu besänftigen.

Wie immer erfolglos, wenn es um ein Gefecht zwischen Gryffindor und Slytherin ging.

Allerdings war es diesmal eher eine Familienangelegenheit, in die sich jede Menge Leute einmischten, die ihre Nase besser raus gehalten hätten.

Die Frau hätte fast einen Herzinfarkt gehabt", fauchte Bellatrix so wütend, dass Avery, der sie an der Schulter gepackt und sie damit davon abgehalten hatte, sich auf ihren Cousin zu stürzen, sie abrupt losließ.

Schade, dass es nur eine Panikattacke war", giftete Sirius zurück und glühte Bellatrix geradezu an. „So, wie meine liebe Mum sich aufgeführt hat, war das weniger, als sie verdient hätte!"

Lupin, der versuchte, seinen Freund zu beruhigen, riss entsetzt die Augen auf, Bella dagegen verzog nur das Gesicht.

Du wunderst dich darüber, dass sie so ausgerastet ist, als sie dich mit dieser Halbblüterin zusammen gesehen hat? Sie taucht ein einziges mal in Hogwarts auf und findet dich mit… dieser Halbblüterin!", rief sie aufgebracht.

Pettigrew schaute sich unbehaglich um, als hoffte er darauf, dass ein Lehrer auf den Lärm aufmerksam wurde, Potter gab ein verächtliches „Pff" von sich.

Sirius schnaubte. „Als würde das Rolle spielen! Ihr lasst doch allesamt keine Gelegenheit aus, um Leute, die-" er verzog angewidert das Gesicht, „die nicht eurem Standart entsprechen, zu demütigen. Wobei ihr euch allerdings, wie so oft, selbst widersprecht."

Die arrogante Miene, mit der er einen kaum merklichen Blick in meine Richtung warf, brachte mich zur Weißglut.

Bellatrix schien plötzlich ganz ruhig zu werden. Sie ging auf ihn zu, bis sie nur noch einen halben Meter von ihm entfernt war. Potter musterte sie misstrauisch. Bildete ich mir das nur ein, oder sah Sirius mit der plötzlichen Nähe seiner Cousine um einiges nervöser aus?

Wenn du damit Severus meinst", zischte sie, allerdings war es so ruhig geworden, dass jeder Anwesende sie mehr als deutlich verstand. „Der beherrscht einiges mehr als nur das, was von ihm verlangt wird. Rockhome dagegen kann nicht mal einen Raben zum Schweigen bringen. Also lass unsere persönlichen Kontakte aus dem Spiel und hör auf, deine eigene Familie in den Dreck zu ziehen."

Sie trat ein paar Schritte zurück und musterte das Gesicht ihres Gegenübers – mit Genugtuung und einem Hauch von Herausforderung. Sirius sah nun aus, als würde er ihr am liebsten auf der Stelle einen Fluch auf den Hals hetzen. Lieber würde er sich die Zunge abbeißen als jetzt Lily zu erwähnen, deren Freundschaft zu Bellatrix seine Mutter wahrscheinlich auf der Stelle unter die Erde befördert hätte – aber damit hätte er auch gegen seine eigenen Ideale verstoßen, und dafür hatte er die Klappe schon zu weit aufgerissen. Mit nicht gerade geringem Amüsement konnte ich es fast schon hinter seiner Stirn arbeiten hören und war mir sicher, dass er wohl oder übel einen Rückzieher machen müsste.

Doch dann zog er sein Ass aus dem Ärmel – und ließ damit den letzten Strick reißen, der sein Cousinchen, Rodolphus, mich und Adrienne bis jetzt von Handfestigkeiten und Griffen zu unseren Zauberstäben abgehalten hatte: Er setzte – leider vollkommen zu Recht – auf unseren Stolz.

Ach Bella, du solltest doch wissen, dass ich mich nicht nach dem Blut der Leute richte. Ich dachte nur, du würdest deine Wertigkeiten auch auf die Basis der Intelligenz legen – und die scheint ja bei einigen deiner Freunde Mangelware zu sein."

Er nickte nun überdeutlich in unsere Richtung. Bellatrix drehte sich, um seinem Blick zu folgen, und stellte fest, dass ihr Cousin Avery und Rodolphus ansah. Sie schloss kurz die Augen, dann wirbelte sie herum und richtete ihren Zauberstab auf… Potter.

Sirius, Lupin und Pettigrew hatten allesamt etwas anderes erwartet, und allein schon dadurch, dass Bellatrix ihn mit einem ungesagten Fluch überraschte, schrieen alle, vier Rumtreiber erschrocken auf, als Potter plötzlich kopfüber in der Luft baumelte.

Mir zuckte ein Grinsen übers Gesicht, denn ich erkannte meinen eigenen Zauber. Doch sie musste noch irgendetwas anderes dazugeflucht haben – der ‚Levicorpus' verursachte keine Schmerzen, die sich mehr als deutlich auf Potters Zügen wieder spiegelten.

Sirius blickte für einen Moment zwischen seiner triumphierenden Cousine und seinem inzwischen schimpfenden und fluchenden besten Freund hin und her, bevor er handelte.

Er verwendete keinen schlechten Zauber gegen Bella. Sein Fehler war nur, dass er erstens unsere halbe Clique beleidigt, zweitens eine von uns angegriffen, und sich drittens im Anschluss daran mit seinen Freunden zu Potter heruntergebeugt hatte, als dieser auf unsanfte Weise wieder zu Boden fiel, und uns damit den Rücken zudrehte.

So wurden Lupin und Pettigrew – die beiden, die uns am Wenigsten störten, aber das kümmerte uns in dem Moment herzlich wenig – als erste ausgeknockt, rissen jedoch Evan und Avery gleich mit auf den Boden.

Auch Potter und ich brachten uns bei unserem kleinen Duell ebenfalls zu Fall, was uns jedoch nicht davon abhielt, weiterhin Flüche aufeinander abzufeuern.

Bellatrix und Sirius hatten einfach Glück, dass sie vom magischen Talent her auf gleicher Ebene waren, sonst hätte Bella ihren Cousin in ihrer Rage wohl ziemlich schnell krankenflügelreif geflucht, dieser wehrte sich jedoch mithilfe von Schildzaubern und kleinen, wenig bekannten Hexereien, die sie wohl nicht erwartet hatte.

Die schlechte Nachricht war, dass Professor McGonagall rechtzeitig auftauchte, bevor sowohl die Blacks als auch Potter und ich uns gegenseitig bewusstlos fluchen konnten.

Die gute Nachricht war, dass zumindest Rodolphus und Adrienne noch auf den Beinen waren, als sie uns entdeckte, während die Rumtreiber allesamt geschlagen auf dem Boden lagen.

Lupin und Pettigrew wurden halbwegs wieder auf die Beine gebracht, wir bekamen allesamt eine Strafarbeit aufgebrummt, die sich gewaschen hatte, und wurden hoch zu Madame Pomfrey geschickt, um prüfen zu lassen, ob wir uns ernsthafte Verletzungen zugefügt hatten.

Die Gryffindor- Hauslehrerin begleitete uns sogar höchstpersönlich, damit sie den unfreiwilligen kurzen Frieden zwischen uns gewährleisten konnte.

Meinte ich das nur, oder musterte sie Rodolphus und Potter etwas besorgter als den Rest von uns?

Na ja, wundern würde es mich nicht. Sie war mit beiden um einige Ecken verwandt, natürlich machte sie sich da mehr Gedanken – obwohl sie selbstverständlich versuchte, sich das nicht anmerkten zu lassen, denn das würde ja ihre berühmte Fairness in Frage stellen. Typisch Gryffindor eben.

Wir waren alle heil davongekommen. Ein paar Schürfungen hier, ein paar Prellungen und Verbrennungen da, aber nichts wirklich Ernstes - wobei ich erwähnen sollte, dass Bellatrix' Gesichtsausdruck beim Anblick der einzigen blutenden Wunde des Nachmittags – die, die sie selbst am rechten Arm ihres Cousins verursacht hatte und deren Blutung Madame Pomfrey nur mit Mühe und Not stoppen konnte – mich mehr als verwirrte.

Einerseits schien sie den Schmerz ihres Cousins zu genießen, andererseits schwamm ihr Blick beinahe schon in einer Art Schuldgefühl und Sorge.

Das war alles andere als typisch für sie, dass sie ein solches Ergebnis eines Duells bereute… Und dass sie sich plötzlich um den Schandfleck der Familie schlechthin sorgte, passte nun gar nicht zu ihr.

Aber… der Gedanke kam ganz plötzlich, ich konnte ihn kaum festhalten, als Madame Pomfrey mich zur Seite schob, um Adrienne zu versorgen.

Vielleicht ging es ihr ja gar nicht um den Schandfleck – vielleicht ging es ihr einfach nur um Sirius. Sowohl in ihrem Sadismus als auch in ihrer Fürsorge.

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Flashback Ende

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„Lass es dir nicht anmerken", versuche ich Rodolphus halbherzig aufzumuntern, „Das macht es nur noch schlimmer."

„Ich weiß", faucht er nun gereizt. Gleichzeitig fuhr er sich frustriert mit einer Hand durch das dichte schwarze Haar.

Merlin, das Ganze scheint ihm wirklich zuzusetzen. Er hat ja früher schon darunter gelitten, dass Bella seine Gefühle für sie nie wirklich ernst genommen hat – während sie ihn als Person allerdings irgendwann mehr als nur respektierte. Askaban musste diesen Zustand noch verschlimmert haben, und zwar von beiden Seiten. Wieder einmal bin ich einfach froh, niemals an diesen Ort verbannt worden zu sein.

Mein Gegenüber beruhigt sich langsam. Er greift wieder zum Memoiren-Album und blättert darin. Nur ein paar Seiten, bevor er mit seinem süffisanten Grinsen auf eine Erinnerung zeigt.

Das Abbild lässt mich lächeln. Die Große Halle, weihnachtlich dekoriert, statt Lehrertisch eine Bühne, wie wir sie in den folgenden zwei Jahren noch öfters zu sehen bekommen sollten, überall Schüler und Lehrer aus Hogwarts, Beauxbatons und Durmstang, einige Leute aus dem Ministerium, allesamt in Festumhängen, ein einziges buntes Gewusel – der Weihnachtsball in unserem fünften Schuljahr.

„Ich spür die Kopfschmerzen vom Morgen danach immer noch", schmunzelt Rodolphus.

„Da hat es sich wenigstens gelohnt", erwidere ich. Der Abend hatte es zwar nicht verdient, schön getrunken werden zu müssen – zumindest für die meisten von uns – aber seitdem hatten wir uns nie wieder Klagen von Barty Crouch Junior über die Nachfolgen von Feuerwhiskey und Co anhören müssen.

Und schon ist das Schmunzeln auf Rodolphus Gesicht verschwunden. Er seufzt.

„Ich weiß noch, meine Schwester Velia war an dem Abend in Hogwarts… Das war das letzte mal, dass ich sie gesehen habe."

Ich erinnere mich. Velia Lestrange, sie hatte denselben Status in ihrer Familie wie Andromeda Black: Sie teilte die rassistischen Ansichten ihrer Familie nicht und verschwand irgendwann. Zog nach Frankreich, heiratete einen Reinblüter namens Thierry Noir (was an sich nichts Schlimmes war; die Noirs sind auch heute noch eine angesehene respektable Familie – die übrigens nichts mit den Blacks zu tun hat - aber ausgerechnet Velias Mann dachte genau wie sie gut über Muggelgeborene und zog damit natürlich die Abneigung der Lestanges auf sich) und kehrte ihren Verwandten den Rücken zu.

An jenem Abend war sie jedoch nach Hogwarts gekommen, genau wie Lucius Malfoy und Emmeline Vance als Auszubildende in der Bildungsabteilung des Ministeriums, um sich für einen Praktikumsplatz zu bewerben. Sie geriet in einen heftigen Streit mit Rodolphus und nicht mal Minerva McGonagall, beider Tante zweiten Grades, konnte die Gemüter besänftigen. Das Ende vom Lied war, das Rodolphus Schwester wutentbrannt aus der Großen Halle stürmte. Damit war der Praktikumsplatz natürlich für sie im Eimer.

Lucius und Emmeline jedoch konnten beide das Praktikum machen: Sie würden im nächsten – also unserem sechsten – Schuljahr nach Hogwarts zurückkehren, den Unterricht und die Schüler beobachten, die Möglichkeit haben, selbst für ein paar Stunden zu unterrichten und den Lehrern zuschauen. Damit wurden sie Kandidaten, in der Lehrerschaft nachzurücken, wenn einer nach dem anderen in den Ruhestand ging oder kündigte (wobei es vor allem um die Stelle für Verteidigung gegen die Dunklen Künste ging – allerdings entschied sich letzten Endes keiner der beiden für den Lehrerberuf). Vor allem aber taten sie eins, als sie zurückkehrten – sie gewannen McGonagalls Begeisterung und stellten damit unser ‚normales' Leben auf den Kopf!

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Flashback

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McGonagall und Lucius schauten sich etwas enttäuscht um, während sich Emmeline schon an den Gedanken gewöhnt zu haben schien, dass wir wohl die einzigen waren, die Interesse an diesem kleinen Projekt zeigten, für das sie Plakate aufgehängt hatten.

Erstaunlich, wie viele Leute sich von diesem unscheinbaren Plakat angesprochen gefühlt haben, dachte sich noch sarkastisch und schaute mich im Verwandlungsklassenraum um. Außer mir waren nur die anderen aus unserer Slytherin-Clique und ein paar Hufflepuffs aufgetaucht. Wen wunderte es: Ein schwarzes Plakat fiel an einem schwarzen Brett nun mal kaum auf.

In diesem Moment betrat jedoch ganz Gryffindor den Raum, die ganze Bagage aus unserem Jahrgang: Evans, Alice McKinnon, Mimi Marcez, Lupin, Pettigrew, Potter und Black.

Beim Anblick der letzten beiden fing das Blut in meinen Adern wieder an zu kochen. Ich war ja einiges von ihnen gewohnt, aber die Sache am See, die sie sich im Juni geleistet hatten, hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich hatte jedoch noch nichts unternommen, um Rache zu üben. Mir Gedanken gemacht, ja, aber die beiden sollten sich erst mal in Sicherheit wiegen. Umso schmerzhafter würde es hinterher für sie werden.

Ich verkniff mir ein diabolisches Grinsen, bevor schließlich auch ein paar Ravenclaws hereintröpfelten.

Kommen noch mehr?", fragte McGonagall schließlich. Schulterzucken und Kopfschütteln unsererseits. Die Verwandlungslehrerin seufzte. „Gut, dann erteile ich jetzt Lucius das Wort."

Und Lucius ergriff das Wort. So begeistert hatte ich ihn selten gesehen – und es ging nicht mal um Idealismus. Es ging schlicht und ergreifend um… ein Theaterstück. Besser gesagt, um ein Musical, das er mit uns aufführen wollte. Moulin Rouge. Er erklärte relativ ausschweifend die Handlung – armer Schriftsteller kommt nach Paris, verliebt sich in Nachtclub-Star, Nachtclub-Star ist nicht zu haben und noch dazu todkrank, die beiden lieben sich trotzdem, und Nachtclub-Star stirbt am Ende des Stücks - und die Pläne, die er mit den Damen neben ihm schon gemacht hatte, über Tänze, Kostüme, Lieder… das alles klang nun wirklich nicht schlecht – ich würde auf jeden Fall mitmachen, beschloss ich, während Lucius diverse Rollen beschrieb - nur klang es auch danach, als würden wir dieses Jahr nicht überleben, wenn wir wirklich mitmachen wollten – das alles innerhalb eines Jahres zu schaffen war schlichtweg unmöglich!

Lucius redete bestimmt eine halbe Stunde lang, nur gelegentlich unterbrochen von Fragen unsererseits oder Kommentaren von Emmeline oder McGonagall.

Lucius Malfoy ist, war und wird immer ein überzeugender Redner sein, dementsprechend muss wohl nicht erwähnt werden, dass wir am Ende seiner Ansprache allesamt hellauf begeistert waren. Eben

bis auf diese Kleinigkeit…

Emmeline sprach genau das aus, was wir alle dachten: „Okay, das klingt jetzt nach einem Selbstmordprojekt hoch drei-"

Aber nach einem verdammt guten", unterbrach Mimi sie. Ich drehte mich zu ihr um, sie glühte förmlich vor Enthusiasmus. „Aus dem Stoff kann man wirklich was machen!"

Dankbares Lächeln von den drei Herrschaften vorne.

Also, seid ihr dabei?", fragte Lucius.

Blöde Frage, als hätte er nicht gewusst, dass er uns alle mit seinen Worten überzeugt hatte, uns in dieses „Selbstmordprojekt" zu stürzen.

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Flashback

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Seltsam, dass mir ausgerechnet dieses erste Treffen noch so gut in Erinnerung geblieben ist. Wir waren tatsächlich noch recht wenig Leute gewesen, eigentlich nur ganz Slytherin und Gryffindor, was unseren Jahrgang anging, und eine handvoll Hufflepuffs und Ravenclaws. Viele andere, wie Narcissa Black, Frank Longbottom oder Rabastan Lestrange stießen erst viel später zu uns.

Lucius beobachtete uns in der Zwischenzeit alle sehr genau, und das nicht ohne Grund. Damals konnten wir noch gar nicht wissen, dass er schon im Dienst des Dunklen Lords stand…

Bellatrix ist wieder da. Sie redet leise auf ihren Mann ein. Vielleicht entschuldigt sie sich, vielleicht stochert sie noch weiter in seinen Wunden herum. Was auch immer sie tut, ich registriere es kaum.

Ich greife nun selbst nach dem Memoiren-Album und suche das Bild, das von jenem Treffen gemacht wurde, finde jedoch nur das Abschlussfoto von unserer letzten Vorstellung. Die Anzahl der Beteiligten hat sich fast verdoppelt. Mein Blick streift die meisten der verschwitzten, glücklichen Gesichter – aber als er das von Gwendoline Rockhome trifft, macht mein Herz einen Aussetzer.

Auf dem Foto muss sie sechzehn oder siebzehn sein, aber sie hat sie seitdem kaum noch verändert. Als ich mich endgültig von der 22-jährigen Gwen verabschiedete, sah sie noch genauso aus wie auf diesem Bild: Die dunkelbraunen Haare zu einem Knoten gebunden, das Lächeln erreicht die müden ozeanblauen Augen nur mit Mühe, aber es erreicht sie, die dunklen Schatten unter diesen Augen sind mehr oder weniger erfolgreich retouchiert.

Auf dem Bild steht sie zwischen Alice und Frank und strahlt - das genaue Gegenteil zu ihrem erschöpften, melancholischen Gesicht bei unserer letzten Begegnung im November 1981.

Bist du sicher?"

Ich war mir schon vor zwei Jahren sicher. Und jetzt gibt es nichts mehr, was mich hier hält."

Nein, Gwen, bitte lass mich jetzt nicht allein… nicht jetzt… auch, wenn nicht mal ich dich jetzt noch halten kann…

Ich kann nicht mal sagen, was mein Herz bei diesem Anblick so zum Klopfen bringt. Die Tatsache, dass die beiden Personen neben ihr von den Menschen ins St. Mungo-Hospital geflucht wurden, die jetzt ganz ruhig neben mir sitzen? Die Tatsache, dass ich seit 17 Jahren nichts mehr von ihr gehört habe und nicht einmal weiß, ob sie überhaupt noch am Leben ist?

Oder die Tatsache, dass ich in diesen 17 Jahren verzweifelt versucht habe, nicht von ihr zu träumen, ja, sie zu vergessen, die Erinnerung an sie zu verdrängen – und das nur mit mäßigem Erfolg, wie man daran sieht, dass mich ihr Anblick so aus der Fassung bringt.

Rodolphus und Bellatrix bemerkten meine plötzliche Schweigsamkeit, sie werfen mir einen seltsamen Blick zu. Sollten sie den Grund dafür deuten können, dann sind sie – und wieder ist es erstaunlich, wie nahe Spott und Einfühlsamvermögen bei den beiden aneinander liegen - wenigstens taktvoll genug, mich nicht darauf anzusprechen.

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A/N: Tut mir leid, ich denk mal, ich bin nicht die Einzige, die beim Lesen das Gefühl hat, dass das Kapitel etwas in der Luft hängt – es ist auch eigentlich nur ein Lückenfüller und Anspielungsträger, aber genau dadurch wird es für spätere Kapitel/Storys auch wieder wichtig.

Hoffe, es hat euch trotzdem gefallen :-)