Huhu,

entschuldigt bitte, dass ich letzten Samstag vergessen habe, das Kapitel hoch zu laden. Ich bin vollkommen im Schreiben einer längeren Geschichte versunken, die ich am Wochenende beendet habe und habe alles andere vollkommen vergessen. Ich versuche das nicht wieder vorkommen zu lassen ;) Aber ganz versprechen kann ich es nicht. Manchmal packt mich eine Idee und dann tue ich tagelang nichts anderes, als sie nieder zu schreiben und alles andere existiert dann in der der Zeit einfach nicht … ^^"

Das Kapitel hier spielt nach der ersten Episode „Wie alles begann", die so abgelaufen ist, wie wir alle es kennen. Viel Spaß damit.

Lg

Bythia


5. September 2007

„So, du hast sie also eingestellt."

Jack Harkness drehte sich nicht um; aber er hatte wohl auch erwarten müssen, dass Ianto ihn fand. Der Wind ließ seinen Mantel um seine Beine herum flattern und Ianto dachte, dass Jack auf Dächern mehr zu Hause wirkte, als irgendwo anders.

Ianto selbst konnte diese Liebe zu hochgelegen Plätzen gut verstehen. Das Dach des Millenium Centers war einer seiner liebsten Orte um nachzudenken. Er lief über die leicht ansteigende Oberfläche, als wäre es der Plass selbst, weder die Höhe noch den Wind beachtend. Als Drache war er deutlich höhere Orte gewohnt.

„Das habe ich", antwortete Jack, ohne den Blick von der Skyline Cardiffs abzuwenden.

„Owen und Tosh sind nicht sehr glücklich darüber", sagte Ianto. Er blieb neben dem Unsterblichen stehen. „Ganz besonders Owen. Er denkt, es ist ein Schlag in Suzies Gesicht, sie so schnell zu ersetzen."

Jack schnaubte. „Er wird darüber hinweg kommen. Es ist nicht so, als wären er und Suzie sich besonders nahe gewesen."

„Dann hast du also nicht mitbekommen, dass die beiden seit Monaten miteinander vögeln?" Das überrascht Ianto. Er hatte gedacht, Jack wäre der erste, der es bemerkt hätte.

„Bist du sicher?" Jacks Stimme klang leicht würgend.

„Nachdem ich sie in der Autopsie erwischt habe … ja, sehr sicher."

Ianto hörte ein leises Fluchen, sagte aber nichts dazu, sich sicher, dass es nicht für seine Ohren bestimmt gewesen war. „Und warum ist Tosh nicht damit einverstanden, dass ich Gwen eingestellt habe?"

Der Drache folgte Jacks Blick über die Stadt. „Weil sie denkt, es ist ein Schlag in mein Gesicht." Das erste, was Tosh getan hatte, war ihn in eine ruhige Ecke zu ziehen und sich zu vergewissern, dass es ihm gut ging. Er konnte sie nicht belügen und er hatte zugegeben, dass es ihm auch nicht gefiel, ohne dabei ins Detail zu gehen.

Der Captain schweig für eine Weile. „Warum denkt sie das?", fragte er schließlich.

Nun war es an Ianto zu schweigen. Er wollte Toshikos Gründe nicht erklären, einfach weil er wusste, dass sie mehr in dem sah, was zwischen Jack und Ianto war, als tatsächlich da war.

Er wechselte das Thema, weil er nicht die Büchse der Pandora öffnen wollte, die danach nicht wieder geschlossen werden konnte. Außerdem wusste er schon lange, dass seine Gefühle zu Jack nicht erwidert wurden, also war es auch nicht notwendig zur Sprache zu bringen, wie sehr es ihn schmerzte, Jack mit Gwen Cooper zu sehen. „Was glaubst du, kann PC Cooper zu Torchwood beitragen? Sie weiß nichts über Suzies Arbeit und nachdem ich ihre Akte gelesen habe, habe ich keine Fähigkeiten gefunden, die sie hat und die das Team ergänzen könnten."

„Ich … habe etwas in ihr gesehen", gab Jack zu. „Ich denke, sie kann etwas in das Team bringen, dass uns fehlt."

Ianto sah ihn verwirrt an. Es gab nichts, was er in dieser Frau sehen könnte, das sich in ihre Dynamik einfügen könnte. Sie hatte keine speziellen Fähigkeiten, die die anderen ergänzen könnte; sie war nicht einmal eine ausgebildete Ermittlerin oder Profilerin. „Und was könnte das sein?"

„Menschlichkeit."

Ianto schnaubte. Er fühlte sich unglaublich beleidigt, gesagt zu bekommen er müsste 'menschlicher' sein. „Und hast du vergessen, dass ein Mitglied dieses Teams genau genommen nicht menschlich ist?"

„Ich denke nur, dass wir jemanden brauchen, der uns daran erinnert, wofür wir kämpfen." Jacks Stimme klang harsch.

„Ich brauche niemanden, der mich daran erinnert, Jack", schnappte Ianto. „Ich weiß sehr genau, wofür – und für wen – ich kämpfe." Seine Loyalität hatte immer bei Jack gelegen, selbst wenn der Unsterbliche handelt, als wäre der Drache mehr ein Hindernis als eine Hilfe. Ianto kannte Jack Harkness seit beinahe sieben Jahren und trotzdem tat ihm dessen Gleichgültigkeit noch immer weh. Wie oft hatte er sich schon gewünscht, Ddraig Llyn niemals verlassen zu haben? Aber es war ihm wie ein Abenteuer erschienen und dass er Jack hätte, der es mit ihm teilte. Dazu kam, dass Ianto immer an das Schicksal geglaubt hatte, und er war überzeugt davon, dass es eben dieses Schicksal war, das Jack vor all diesen Jahren zu ihm geführt hatte.

Aber seine Hoffnung war zerstört worden, als er dieses Tarot gelegt bekommen hatte

Er hatte es Jack gegenüber niemals erwähnt. Es schien einfach nicht nötig zu sein. Sie hatten Torchwood zu etwas gemacht, auf das man stolz sein konnte und Ianto hatte es genossen. Dennoch hatten die Kurzlebigen, mit denen er zu tun hatte, ihn verbittert über den Rest der Menschheit werden lassen. Natürlich gab es einige, die er mochte; er hatte Estelle Cole eines Tages zusammen mit Jack getroffen, und er hatte sie sofort geliebt. Er konnte verstehen, was Jack zu ihr gezogen hatte, als sie jung gewesen war und das pure Leben in ihr geglüht hatte. Er war oft ohne Jack bei ihrem Haus gewesen oder war auf ihren Seminaren erschienen. Sie war die erste seit Jack gewesen, der er sein Geheimnis anvertraut hatte. Jack selbst war dazu nicht in der Lage. Nicht, dass es etwas änderte … Estelle war sich durchaus bewusst, dass der Mann, der sich der Sohn ihres ehemaligen Geliebten nannte, tatsächlich dieser Geliebte war, den sie als junge Frau verloren hatte. Jack war nicht annähernd so gut darin, dies zu verbergen, wie er dachte.

Und dann war Canary Wharf gekommen … und Ianto hatte aus erster Hand erlebt, wozu die menschliche Überheblichkeit fast geführt hätte.

Sein Begleiter zuckte über Iantos Kommentar tatsächlich zusammen und ein perverser Teil des Verstands des Drachen freute sich darüber. Es war kein Geheimnis, wie Ianto über die Menschheit dachte und er hatte wenige Gründe ihr zu trauen.

„Es gibt keinen Grund dafür, dass sie weiß, was ich bin", entschied der Drache. „Ich vertraue ihr nicht."

„Du hast noch nicht wirklich viel mit ihr gesprochen", protestierte Jack. „Wie kannst du nach nur einem Treffen über sie urteilen?"

Ianto konnte nur schwer dem Drang widerstehen ihn einen Heuchler zu schimpfen, schließlich hatte er niemandem der anderen anvertraut, dass er nicht in der Lage war zu sterben. Stattdessen sagte er: „Ich habe in dieser Hinsicht immer auf meine Gefühle vertraut; das weißt du. Da ist diese … Energie um sie herum. Sie oder ihre Familie ist von etwas behaftet, etwas Abweisendes gegenüber dem Leben."

Jack sagte nichts, starrte einfach nach Cardiff. Ein Teil von Ianto war froh, dass Jack nicht zu ihm sah; er konnte nicht sagen, was er in seinem Gesicht würde lesen können. Er war eigentlich geübt darin seine Masken zu tragen, aber dieses Thema brachte ihn aus dem Konzept.

Er war sich bewusst, dass Jack Iantos Sinnen nicht sehr weit traute. Ja, der Drache konnte sagen, wenn der Riss aktiv wurde und wusste es oft Minuten, bevor der Alarm erklang. Er konnte ebenfalls sagen, wo immer in der Basis Jack sich befand und hatte Owen tatsächlich Geld dafür abnehmen können, darum zu wetten. Aber sie waren sich nicht einig darüber, was genau diese Sinne waren und weil Jack es nicht erklären konnte, traute er diesen Sinnen nicht.

Deshalb war es wirklich überraschend, als Jack fragte: „Kannst mir sagen, was genau das ist?"

Ianto schüttelte seinen Kopf. „Nein. Nur, dass es seit Generationen da sein muss. Es ist so tief in ihre Seele geschrieben, dass ich daran zweifel, dass man es ändern kann." Er dachte, dass es vielleicht mit dem Riss zusammenhängen könnte, aber wenn es so war, war es nur eine sehr dünne Verbindung.

„Dann ist es vielleicht das beste sie ins Team zu holen. So können wir sie im Augen behalten." Jack klang fast triumphierend.

Das ließ Iantos Laune wirklich sinken. „Jeden anderen würdest du in eine Zelle sperren und Owen jeden Test durchführen lassen, der ihm einfällt."

Der Ärger rollte praktisch in Wellen über Jack hinweg. „Ich denke trotzdem, dass sie etwas zum Team beitragen kann."

„Und was ist das, Jack? Was kann Gwen Cooper bieten, dass nichts mit dieser so hoch gepriesenen Menschlichkeit zu tun hat, von der du so begeistert bist?"

„Ich dachte, sie könnte ein fantastischer Verbindungsmann zwischen uns und der Polizei von Cardiff sein."

„Ich verstehe. Du denkst, ich mache den Job nicht richtig." Es war keine Frage.

„Ich habe nicht gesagt -"

„Und trotzdem hast du mich nicht als deinen Stellvertreter vorgestellt, als du ihr die Basis gezeigt hast."

Jack öffnete den Mund um es abzustreiten, aber Ianto wusste, dass er es nicht konnte. Er hatte jeden vorgestellt zusammen mit seiner Spezialisierung für Torchwood, aber Ianto hatte er zu einem Hausmeister und Sexobjekt herabgesetzt. Ja, Ianto war es gewohnt, dass Jack mit ihm flirtete, aber das war nicht der richtige Zeitpunkt gewesen. Ianto hatte es zurückgewiesen, in dem er mit einem Kommentar über Belästigung geantwortet hatte, aber diese Abweisung hatte eher dem ungebetenen Eindringlich gegolten.

„Also ersetzt du nicht nur Suzie … du ersetzt auch mich, auf eine andere Art und Weise." Ianto hatte gewusst, es war nur eine Frage der Zeit, aber das linderte den Schmerz nicht.

Er wird dein Herz vier mal brechen.

Die Prophezeiung kam ihm wieder in den Sinn. Die Karte hatte eine Frau mit dunklem Haar und einem breitkrempigen Hut gezeigt. Gwen Cooper

Jack klappte der Kiefer herunter. „Das glaubst du nicht wirklich!", sagte er ungläubig.

Ianto lachte hart. „Ich bezweifle stark, dass du weißt, was ich denke." Er wusste nichts über die Vorhersage. Er wusste nichts von den Gefühlen des Drachen.

„Du befürchtet, Gwen könnte deinen Platz einnehmen."

„Ich zweifel, dass ich es verhindern könnte, selbst wenn ich es versuchen würde." Es war Schicksal. Sie war da und ihre Anwesenheit würde sein Herz brechen.

Ianto wollte dagegen kämpfen. Denn wenn er dagegen ankämpfen könnte … so viele Gedanken rauschten durch seinen Kopf und er konnte sie nicht ordnen.

„Ich werde sicherstellen, dass sie weiß, dass du mein Stellvertreter bist, wenn sie sich am Montag zur Arbeit meldet."

Natürlich ging Jack davon aus, dass er über seine Postion in Torchwood besorgt war. Nein, wenn der Captain Gwen als seine Stellvertreterin wollte, dann würde Ianto für sie zur Seite treten. Ianto wäre beleidigt, aber letztendlich war es Jacks Entscheidung.

Allerdings hatte er wohl niemals wirklich einen Platz in Jacks Herzen gehabt, also konnte er dort auch nicht ersetzt werden. Ersetzt im Bett des Unsterblichen vielleicht … aber nicht in dessen Herz.

„Sie weiß nichts von mir, Jack", erinnerte er.

„Sie weiß, dass ich nicht sterben kann", sagte Jack, fast stolz.

Ianto fuhr zu ihm herum. „Also traust du ihr damit, aber nicht den beiden Menschen, die seit Jahren für dich arbeiten? Gott, Jack … weißt du eigentlich, wie heuchlerisch das klingt?" Er erwähnte nicht, dass er das CCTV von Suzies Attacke gesehen hatte und wusste, dass Jack es Gwen nicht aus freien Stücken erzählt hatte. Es war so typisch für ihn, dass er die Dinge so auslegte und wiedergab, wie es ihm passte, nur um seinen Standpunkt zu festigen.

„Ich habe nur gesagt, dass ich ihr damit vertraut habe und dass du ihr anvertrauen kannst, dass du ein Drache -"

„Nein, Jack. Ich habe dir meine Gründe genannt ihr nicht zu trauen. Owen und Tosh kennen meinen Wunsch in dieser Hinsicht bereits und sind damit einverstanden. Du wirst meine Entscheidung respektieren!"

Er sah aus, als wollte er etwas dagegen sagen, da war ein angriffslustiger Ausdruck in seinen Augen, der Ianto nicht behagte. Aber wenn Jack ihm gegenüber respektlos sein würde, dann würde Ianto sich nicht zurückhalten lassen, das auch zu tun.

Ianto ließ seine Augen seine wahre Natur des Drachen annehmen. „Du wirst meine Entscheidung respektieren, Captain Harkness", grollte er. „So wie du deine Geheimnisse hast, habe ich meine." Der Drache wollte darüber nicht diskutieren, denn dann würde er genauso heuchlerisch enden wie Jack. Ein Teil von ihm trauerte um die Nähe, die sie in der Vergangenheit geteilt hatten, denn damit war es wohl vorbei. „Wenn ich feststellte, dass man ihr trauen kann, dann denke ich vielleicht noch einmal darüber nach. Aber bis dahin wird sie weiterhin denken, ich sei nur ein anderer Kurzlebiger, wie sie." Er brachte jedes bisschen Verachtung in das Wort Kurzlebige, zu dem er fähig war.

Dann trat er von seinem Teilzeit-Geliebten fort. „Ich gehe. Ich werde morgen wieder da sein. Ich habe auch Tosh und Owen für heute frei gegeben. Wage es nicht nach mir sehen zu kommen, weil ich im Moment wirklich nicht mit dir umgehen kann."

Obwohl es heller Tag war, tastete Ianto tief in sich nach der Quelle seiner Magie. Er konnte die Verwandlung durch sich fahren fühlen wie eine Flut, die durch ihn und um ihn herum spülte, seine menschliche Gestalt zerriss, um seine natürliche frei zu geben. Knochen verschoben sich, ordneten sich neu an und seine Flügel wuchsen aus seinem Rücken, entfalteten sich und fingen das Sonnenlicht ein. Es war ein herrlicher Schmerz, der ihn an die vollkommen Rechtmäßigkeit seiner Existenz erinnerte.

Der Drache streckte seine Muskeln, die zu lange in seiner Gestalt der Kurzlebigen gefangen gewesen waren. Seine Augen suchten Jack; er starrte ihn an, als hätte er die Verwandlung niemals zuvor beobachtet, obwohl eer es tatsächlich schon oft getan hatte. „Und du sorgst dich darüber, dass Gwen es wissen könnte?", fragte er scharf.

„Es gibt einen Unterschied darin, mich in dieser Gestalt zu sehen und zu wissen, wer ich tatsächlich bin. Auf wiedersehen, Jack." Ianto breitete seine mächtigen Flügel aus, stieß sich selbst von dem Dach ab und ließ Jack zurück.

Ianto brauchte nicht lange, um sein Heim zu erreichen. Er landete in dem von Blicken verborgenen Garten hinter dem Haus und verwandelte sich zurück, bevor er eintrat.

Das Haus sah von außen wie ein weitläufiges, viktorianisches Anwesen aus, aber innen unterschied es sich davon sehr. Ianto hatte es gleich nach seiner Ankunft in Cardiff gekauft und hatte das Innere vollkommen verändert. Das Erdgeschoss war eingerichtet, wie eine menschliche Wohnung, mit all dem Komfort, den die Kurzlebigen brauchten: Möbel; eine Unterhaltungsecke mit Fernseher und so gut wie allem, was man sich an Elektronik vorstellen konnte; große Sammlungen an DVDs, CDs und Bücher in großen Regalen. Es gab sogar ein Gästezimmer und ein Bad.

Es war das Obergeschoss, in dem die meisten Änderungen statt gefunden hatten.

Ianto schloss die Hintertür auf und schaltete die Alarmanlage aus, die er vor Monaten installiert hatte. Innen war es dunkel, das Sonnenlicht wurde von Vorhängen zurückgehalten.

Der Drache ging in die Küche und setzte Wasser auf. Dann lief er zur Treppe, die in das loftartige Obergeschoss führten. „Ich bin's nur", rief er nach oben, um seinen Gast nicht zu erschrecken.

Es sanftes Flüstern, das wie sein Name klang, kam als Antwort. Zuversichtlich dass alles in Ordnung war, beschäftigte Ianto sich in der Küche und nahm sich vor, die Geschehnisse wenigstens für einige Zeit aus seinem Kopf zu verbannen.