Kapitel 4 Kodóku
Nachdem Harry sich aus der Umarmung gelöst hatte, folgte er Griphook und schloß die Tür hinter sich. Der Kobold saß an einem Schreibtisch und hatte einige Akten vor sich liegen, die alle die gleiche große Überschrift trugen, „Potter, James und Lily", die kleine Schrift darunter konnte Harry allerdings nicht erkennen. Seine Gedanken waren vollkommen durcheinander. Was würde Griphook, ihm nun sagen? Besaßen seine Eltern wirklich so viel Geld? Warum wusste er bis jetzt nichts davon?
„Setzen Sie sich, Mr Potter." wies der Kobold ihn an, worauf Harry ihm gegenüber Platz nahm.
„Nun, als erstes möchte ich Ihnen zu ihrem 17. Geburtstag gratulieren und Ihnen alles Gute wünschen." Harry nickte nur. „Wie Ihnen Mr Lupin sicherlich mitgeteilt hat, sind Sie heute hier, um das Erbe Ihrer verstorbenen Eltern anzutreten, da Sie heute die Volljährigkeit erreicht haben. Das Gold in dem Verließ, welches Sie zu Beginn Ihrer Schulzeit bekamen, ist nur ein sehr kleiner Teil von dem gewesen, was Ihre Eltern, bzw. die Familie Potter besitzt. Lassen Sie es mich so sagen, Mr Potter, ab heute gehören Sie zu den reichsten Personen der Zaubererwelt." Harry klappte die Kinnlade runter. Das konnte nicht sein! „Mr Griphook, da muss...ein Irrtum vorliegen!" brachte er hervor, vollkommen davon überzeugt, dass er damit Recht hatte! „Ganz bestimmt nicht, Mr Potter. Irrtum ausgeschlossen, wir von Gringotts machen keine Fehler" fügte er ein wenig grinsend hinzu.
„Ich fahre nun am besten fort, fangen wir mit den Immobilien an. In Ihrem Besitz befindet sich ja schon das Gebäude am Grimmauld Platz Nr. 12, welches Sie von Ihrem Patenonkel Sirius Black bekamen. Hinzu kommen jetzt noch jede Menge weitere Gebäude, auch Firmen, an denen Ihre Familie beteiligt ist, oder welche Ihnen komplett gehören. Ich habe Ihnen eine Liste angefertigt, damit Sie einen Überblick bekommen." Mit diesen Worten händigte er Harry eine lange Liste aus. Als Harry sie überflog, musste er kräftig schlucken. „Das gehört alle mir?!" Er konnte es immer noch nicht wirklich glauben, aber da es nun schwarz auf weiß vor ihm stand, dass die aufgeführten Gebäude ihm gehörten, schlich sich langsam, aber sicher, die Gewißheit ein, dass es wohl stimmen musste.
„Mir gehört Grunnings?" schrie Harry fast. „Ja, Ihre Familie ist auch in der Muggelwelt nicht untätig geblieben." Auf Harrys Gesicht schlich sich ein Grinsen, ihm gehörte die Firma, in der Onkel Vernon arbeitete.
„Wir sollten dann fortfahren, Mr Potter" riss der Kobold Harry aus seinen Gedanke, „ich werde Ihnen heute nur alles aushändigen, damit Sie sich in Ruhe damit befassen können. Ich habe mir erlaubt, kurz bevor Ihr Schuljahr beginnt, einen weiteren Termin anzusetzen, wo wir dann die weitere Vorgehensweise besprechen können, sofern Sie dies wünschen." Harry nickte nur. „Wie Sie gesehen haben, ist Ihr Immobilienbesitz nicht unerheblich, kommen wir nun zu Ihrem Barvermögen. Da Ihre Familie sowohl in der Muggel-, als auch in der Zaubererwelt tätig war, haben wir vor vielen Jahren beschloßen, zwei Konten, eins für das Muggelgeld, das andere für das Zauberergold einzurichten. Der momentane Kontostand Ihres Muggelkontos beträgt 47.254.344,53 £, der Kontostand Ihres Zaubererkontos 62.086.654 Galleonen, 17.003 Sickel und 555 Knuts."
ROMMS.
Das war zuviel für Harry, er fiel einfach in Ohnmacht. Griphook stand sofort auf und erweckte ihn mit seiner eigenen Koboldmagie. Als Harry die Augen aufschlug und in das Gesicht des Kobolds blickte, schreckte er auf und krabbelte ein paar Meter nach hinten.
„Tu-tut mir l-leid, ich muss eingeschlafen sein, ich habe geträumt, Sie hätten mir eben gesagt, ich würde mehrere Millionen Galleonen besitzen." murmelte Harry vor sich hin.
„Sie haben nicht geträumt, Mr Potter, Sie sind nur in Ohnmacht gefallen, eine durchaus verständliche Reaktion, wenn man erfährt, dass man steinreich ist." Ein Grinsen lag dem Kobold bei diesen Worten auf dem Gesicht.
Harry konnte es einfach nicht fassen. Er war reich, steinreich, um Griphooks Worte zu benutzen. Langsam kam alles in seinem Kopf an, obwohl ein Teil von ihm damit rechnete, dass Molly ihn gleich aufwecken würde, weil er verschlafen hat.
Während Harry noch in Gedanken war, begann der Kobold wieder zu sprechen. „Nun, Mr Potter, kommen wir zum letzten Teil." Nicht noch mehr, dachte Harry, das wäre zu viel für ihn. „Ihre Eltern haben uns einige Sachen aus Ihrem Besitz zur Aufbewahrung gegeben, die ich Ihnen heute aushändigen soll. Die Sachen befinden sich in einem extra Verließ, wenn Sie mir bitte folgen würden.
Griphook murmelte einige unverständliche Worte, anscheinend in seiner Muttersprache, und kurz darauf, erschien eine Tür aus dem Nichts. „Kommen Sie, Mr Potter, kommen Sie." sagte der Kobold, öffnete die Tür und bat Harry hindurch zu gehen. Alles was Harry im Türrahmen erkennen konnte, war weißes Licht, doch als er die Türschwelle überschritt, stand er vor einem Verließ. Ein paar Sekunden später stand Griphook neben ihm. „Nur durch diese Tür kommt man zu dem Verließ und ich bin der einzige der sie öffnen kann, jedenfalls solange ich lebe. Die Verließtür können allerdings nur Sie, als Potter öffnen. Legen Sie dazu einfach die Hand, auf diesen roten Rubin. Dann müssen Sie ein Losungswort sagen, welches Ihr Vater allerdings verschlüsselt hat. Er hat den Code, oder vielmehr die Frage hier notiert."
Griphook reichte ihm ein Pergamente, welches Harry auseinander faltete. Ein leicht unordentliche Handschrift, die seiner sehr ähnlich war, war darauf zu erkennen und er konnte folgende Worte lesen:
Lieber Harry,
Eintritt wird dir nur gewährt, wenn du folgende Frage beanworten kannst:
Wer ist Sirius Black?
Alles Gute zu deiner Volljährigkeit!
In Liebe
Dad
Harry liefen ein paar Tränen die Wange hinab, doch ein Lächeln war auf seinem Gesicht. Diese Frage war für Ihn sehr einfach zu beantworten, für die meisten anderen jedoch fast unmöglich.
Er legte die Hand auf den Rubin und sprach laut und deutlich „Tatze".
Augenblicklich hörte man ein Rattern und Knacken von Schlössern und das Tor zu dem Verließ öffnete sich.
„Nun, Mr Potter, treten Sie ein, ich werde hier draußen auf Sie warten, lassen Sie sich ruhig Zeit."
Harry trat durch das Tor zu dem Verließ, welches sich sofort wieder schloß, als er hindurch war.
Er begann sich umzusehen und während er dies tat, liefen ihm weitere Tränen übers Gesicht. Hier drinnen waren lauter persönliche Erinnerung seiner Eltern und anscheinend auch die seiner Großeltern und anderen Vorfahren. Nichts hielt seine Emotionen nun zurück, er begann hemmungslos zu weinen. Auf der einen Seite wegen der Trauer, über den Tod seiner Eltern und darüber, dass er nie eine Familie gehabt hat, auf der anderen Seite aus Freude und Dankbarkeit darüber, dass seine Eltern ihm so viele schöne Erinnerungen hinterlassen haben.
Nachdem er sich gut eine Stunde lang alles mögliche in diesem Verließ angeschaut hatte, fiel sein Blick auf etwas ganz hinten in einer Ecke, etwas, was hier ganz und gar nicht reinpasste. Es war ein Sarg. Langsam ging er auf diesen zu und fragte sich, was ein Sarg hier zu suchen hat. Da wird doch keine Leiche drin sein, fragte er sich, doch es gab nur einen Weg, dies herauszufinden. Am Sarg angekommen öffnete er diesen, jedoch erst, als er seinen Zauberstab gezogen hatte.
Doch der Sarg war leer, fast leer, die einzigen beiden Dingen, die sich innen drin befanden, waren eine alte, vergilbte Pergamentrolle und ein genauso alt aussehender Ring. Er trat wieder näher zum Sarg und öffnete die Pergamentrolle vorsichtig und strich sie sorgsam glatt. Etwas stand auf dieser Rolle, etwas in sehr alt aussehenden Lettern, die Harry noch nie gesehen hatte, doch seltsamerweise konnte er sie problemlos lesen, also begann er.
„Dies ist der Ring der Nacht, eines der mächtigsten Reliquien der Welt. Seine Fähigkeiten sind mir nicht bekannt, doch fand ich auf meinen Reisen nicht nur diesen Ring, sondern auch eine Prophezeihung über eben diesen, die wie folgte lautet:
Der Ring der Nacht gibt seine Kraft nicht frei, bis der Auserwählte erscheint. Der Ring wird seine Macht akzeptieren, denn er ist der einzige, der den grünen Schrecken überlebte. Der Ring der Nacht gibt seine Kraft nicht frei, bis der Auserwählte erscheint, um sich seiner Kraft zu bemächtigen.
Ich war nicht in der Lage, dies zu deuten und war auch nicht in der Lage, den Ring anzulegen. Deshalb hinterlasse ich meinen Nachfahren diesen Ring, vielleicht sind sie in der Lage dies Rätsel zu lösen.
England im Jahre 1946
Ignatius William Potter"
Harrys Gedanken rasten, er musste sich setzen, um zur Ruhe zu kommen. Nicht noch eine Prophezeihung, die ihn betraf, denn das er gemeint war, war ohne Zweifel. Mit grüner Schrecken konnte der nur Avada Kedavra gemeint sein und er hat ihn überlebt.
Er saß gut 2 Stunden neben dem Sarg und grübelte vor sich hin. Dann fasste er einen Entschluß. Er würde den Ring einfach anlegen. Während er seine Hand in Richtung des Ringes bewegte, hörte er in seinen Gedanken Hermines Stimme, die ihm davon abriet, einfach einen magischen Ring mit unbekannter Macht anzustecken, er hörte Ron, der ihm immer wieder zurief „Los, Kumpel, leg ihn schon an, du bekommst bestimmt Superkräfte oder sowas, damit du Du-weißt-schon- wen erledigen kannst." Und er sah Ginnys Gesicht vor sich, die mit verweinten Augen sagte, dass sie immer bei ihm bleiben würden, egal was geschieht, egal was er tat.
Ja, er hatte beschloßen, diesen Ring anzulegen. Was konnte schon gesehen, immerhin gab es eine Prophezeihung über den Ring, die über 400 Jahre alt war und die besagte, dass der Ring ihm bestimmt war. Es konnte keine Falle sein, schließlich befand er sich im Verließ seiner Eltern.
Er griff nach dem Ring und betrachtete diesen auf seiner Handfläche. Er war mit einigen seltsamen Runen verziert, die Harry nicht entziffern konnte. Nachdem er den Ring noch ein paar Minuten gespannt betrachtete, steckte er ihn schließlich an den linken Ringfinger.
Augenblicklich durchfuhr ihn ein unbeschreiblicher Schmerz. Es war, als würde sein Blut kochen. Er schrie vor Schmerzen, schrie so laut er konnte, schrie in der Hoffnung, dass Griphook in hören würde, dann wurde er ohnmächtig.
Ihn umgab eine unendliche Dunkelheit, als er die Augen aufschlug. Der Schmerz war verschwunden, sein Körper fühlte sich sogar so an, als sei dieser Schmerz nie dagewesen, obwohl er so heftig war, dass er die Nachwirkungen hätte spüren müssen. Er sah sich um, versuchte irgendwas zu erkennen, doch alles um ihn herum war tiefschwarz, selbst unter ihm. Er fühlte sich, als würde er schweben, schweben in unendlicher Dunkelheit. Wo war er? Was war das eben? Und vor allem, wie kommt er wieder zurück? Oder war das nur ein Traum?
„Ah, endlich kommt mich jemand besuchen."
Die Stimme hinter ihm ließ Harry zusammenzucken und er fuhr erschrocken herum. In der Dunkelheit konnte er ein Augenpaar ausmachen, zwei rote Augen, die ihn anstarrten. „Wer ist da?" fragte er das Augenpaar.
„Du kannst mich nicht sehen, richtig? Stimmt ja Ihr Menschen habt so fürchterlich schlechte Augen. Warte kurz..." Augenblicklich wurde es heller, um das Augenpaar und Harry konnte den dazugehörigen Körper erkennen. Gut 3 Meter vor ihm stand ein großer, schlanker Mann, mit langen , dunklen Haaren, die zu einem Zopf zusammengebunden waren. Er trug eine scharlachrote Rüstung, an der eine Schwertscheide hing, das Schwert allerdings fehlte. Die ganze Erscheinung des Mannes wirkte sehr nobel, die Rüstung glänzte in dem schwachen Licht, dessen Ursprung Harry nicht ausmachen konnte. Einzig die roten Augen wirkten irgendwie bedrohlich.
„Wer sind sie?" fragte Harry nachdem er den Mann eine Weile angestarrt hatte. Obwohl Harry nicht wusste warum, aber der Mann wirkte vertraut auf ihn, obwohl er ihn noch nie zuvor gesehen hat.
„Mein Name ist Kodóku, jedenfalls ist dies, der Name, den ich mir gab. Er ist aus dem japanischen, ich mag dieses Land. Meinen richtigen Namen habe ich vergessen."
„Wieso haben Sie ihn vergessen?" fragte Harry.
„Weil ich fast alles aus meiner Zeit als Mensch vergessen habe..." Eine gewisse Traurigkeit spiegelte sich in seinen Augen wieder.
„Sie...ähm...Sie sind kein Mensch?"
„Nein, ich bin ein Vampir."
Normalerweise hätte Harry sofort seinen Zauberstab gezogen, um sich zu verteidigen, aber irgendetwas in ihm hielt ihn davon ab. Es war, als hätte er eigentlich schon gewusst, was sein gegenüber ist.
„Wo sind wir hier?" Die Frage kam wie von selbst aus seinem Mund.
„Wir sind im Inneren des Rings. In meinem Raum, oder eher meinem Gefängnis. Ich wurde vor langer Zeit hier eingesperrt, allerdings weiß ich nicht von wem. Ich weiß eigentlich so gut wie nichts mehr aus meinem Leben, sowohl aus dem Leben als Mensch, als auch als Vampir. Aber ich weiß, dass ich auf den heutigen Tag gewartet habe. Seit einer Ewigkeit. Auf diesen Tag, auf diesen Moment, an dem wir uns vereinen!"
„Vereinen?" Harrys stimme sollte eigentlich entsetzt klingen, doch ein großer Teil in ihm fand das alles hier vollkommen logisch und normal. Eigentlich schon selbstverständlich.
„Du hast den Ring angelegt, dass heißt du hast das Siegel gebrochen und somit werden unsere Seelen verschmelzen." Auf Harrys doch leicht skeptischen Blick fuhr er fort. „Du wirst du selbst bleiben, außer dass du ein paar zusätzliche vampirische Eigenschaften bekommst. Und nun genug gefragt, ich bin nicht gut darin, Dinge zu erklären, außerdem weiß ich selbst so gut wie gar nichts mehr. Ob wir wollen, oder nicht, Auserwählter, wir müssen da durch. Unsere Verschmelzung ist besiegelt, seitdem du den Ring angelegt hast. Ich wünschte ich könnte es ändern." Das erste Mal zeigte sich ein Anflug eines Lächelns bei dem Vampir.
Harry wusste nicht, was er sagen und auch nicht was er denken sollte. Eigentlich war das alles vollkommen abwegig. Vor ihm in der Dunkelheit stand ein in einer roten Rüstung gekleideter Vampir und erzählte ihm, dass sich ihre Seelen verbinden würden, nur weil er einen Ring angelegt hatte. Einen Ring, den nur er anlegen konnte, weil die Prophezeihung es so wollte. Langsam begann er die Dinger wirklich zu hassen.
Und wieso sprach der Vampir eigentlich mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit über das Thema, als wenn es ums Wetter ging. Hatte er wirklich seine Erinnerung an alles verloren?
Normalerweise hätte Harry nichts von allem geglaubt, doch er spürte, dass alles, was der Vampir, was Kodóku, sagte die reine Wahrheit war. Auch, dass die Verschmelzung selbstverständlich und notwendig war, nein, schon fast von Harry selbst herbeigesehnt wurde.
Er blickte dem Vampir fest in die Augen und nickte leicht mit dem Kopf.
„Nun denn, dann wache nun auf...Daywalker!"
