Kapitel 6 Wiedersehen

Der Morgen des 1. Septembers war wie immer sehr hektisch, oder um es genauer zu sagen, ein totales Chaos. Die drei Jugendlichen wuselten durch den Grimmauld Platz, um noch fehlende Sachen einzupacken und Mrs Weasley schrie das ganze Haus zusammen, sie hatte wie immer am Schuljahresanfang den Überblick verloren, warum sie eigentlich wen hatte anschreien wollen.

Es war mittlerweile kurz vor 10 Uhr, als Hermine endlich Krummbein, Ron seine Quidditsch-Handschuhe und Ginny ihr Verwandlungsbuch gefunden hatten. Über Arthur hatten sie wieder einen Ministeriumswagen ergattern können, hauptsächlich für Harry, doch Arthur hatte vorsichtshalber verschwiegen, dass Harry auf irgendeinem anderem Weg zum Bahnhof kommen würde und so wurden nur seine Sachen, die er im Grimmauld Platz hatte, mit dem Wagen transportiert.

Auch war Arthur froh darüber, dass er seine Frau überzeugen konnte, dass es besser wäre, wenn sie am Grimmauld Platz bleibt, denn es könnte ja immerhin sein, dass Harry seine Sachen abholen möchte und dann müsse schließlich jemand da sein. Tatsächlich wollte er Harry damit vor einer weasleytypischen Standpauke mitten am Bahnhof bewahren, eine würde sicherlich ausreichen, nämlich die von Ginny. Und Harry war nicht zu beneiden, wenn Ginny auch nur die Hälfte von dem tun würde, was sie sich geschworen hat zu tun und vierteilen war noch das humanste.

Die jüngste des Weasly-Clan hatte einen Fensterplatz ergattert und starrte nun auf die vorbeiziehenden Häuser Muggellondons. In Gedanken war sie allerdings ganz woanders. Oh wehe dem Kerl, wenn sie ihn in die Finger bekommt. Was fällt ihm eigentlich ein, ohne auch nur ein einziges Wort, ohne einen letzten Kuss, ohne sie noch mal zu sehen zu verschwinden.

Als Griphook nach mehreren Stunden aus seinem Büro kam, war Ginny eh schon leicht genervt gewesen, weil das alles so lange dauerte. Aber als der Kobold ihnen dann offenbarte, dass der werte Mr Potter einige wichtige Dinge bezüglich seines Erbes erledigen musste und somit erst wieder am 1. September zu ihnen stoßen würde, war sie nicht mehr zu halten. Später tat ihr Griphook leid, aber in dem Moment, in dem sie erfahren hatte, dass sie ihren Harry erst in einem Monat wiedersehen würde, baute sie sich vor dem kleinen Kobold auf und fing in bester Weasleymanier an zu schreien und zu toben, woraufhin Griphook noch kleiner wurde, als er ohnehin schon war.

Als sie sich endlich beruhigt hatte, was vor allem daran lag, dass Hermine sie tröstend in den Arm nahm und ihr somit genug Wind aus den Segeln nahm, dass Ron und Remus sie zusammen mit Hermine nach draußen bugsieren konnten, hoffte Griphook inständig, dass der junge Mr Potter seine Zukünftige nicht mit den Bankgeschäften beauftragte. Schon sein Vater, James Potter, hatte ihm, wenn auch nicht ganz ernstgemeint, immer damit gedroht seine Frau Lily mitzubringen, wenn der Kobold bei Verhandlungen nicht von seinem Standpunkt weichen wollte. Ja, die Potters und ihre Frauen, es schien in ihrem Blut zu liegen, dass die Pottermänner temperamentvolle, rothaarige Frauen bevorzugten. Bei diesem Gedanken musste Griphook leicht grinsen und ging zurück in sein Büro, heute hatte er früher Feierabend, diesen Umstand genossen selbst Kobolde.

Draußen in der Eingangshalle war Ginny schon wieder in ihrem Element, nachdem sie realisiert hatte, dass sie nun, da die anderen sie von Griphook weggezogen hatten, kein Ziel mehr für ihre Wutausbrüche hatte, also fluchte sie nun einfach laut vor sich hin und bedachte ihren entschwundenen Freund mit allerlei netten Komplimenten, wovon „Hornochse" noch das netteste war.

Ginny musste leicht grinsen bei dem Gedanken an diesen Tag, immerhin hatte sie die Aufmerksamkeit der kompletten Eingangshalle von Gringotts und hätte Hermine vor etwas mehr als 2 Jahren nicht den Deal mit Rita Kimmkorn „ausgehandelt", so hätte sicherlich was über sie und Harry am nächsten Tag in der Zeitug gestanden, da war Ginny sich sicher.

Gegen 10.30 kamen sie am Bahnhof an, was für ihre Verhältnisse verdammt früh war und schritten jeder einzeln durch die Absperrung zwischen Gleis 9 und 10. Arthur kam noch kurz mit aufs Gleis 9 ¾, um sich kurz zu verabschieden, dann musste er auch schon wieder los, als Abteilungsleiter hatte er sich ein paar Stunden freinehmen können, doch in Zeiten wie diesen konnte er nicht länger als nötig fehlen. Er umarmte die drei Jugendlichen zum Abschied und apparierte dann ins Ministerium.

Hermine, Ron und Ginny, gingen mitsamt ihrem und Harrys Gepäck in Richtung Zug und verstauten ihre Sachen im ersten freien Abteil, welches anschließend von Hermine magisch versiegelt wurde. Sie traten zurück auf den Bahnsteig und beschlossen sich auf eine der freien Bänke zu setzen und ein wenig die Sonne zu genießen. Als sie sich setzen, waren Hermine und Ron in eine Diskussion über die neuen Lehrer vertieft, während Ginny sehnsüchtig Richtung Eingang schaute, auf der einen Seite wollte sie Harry zwar richtig stutzen, aber sie wusste auch, dass sie ihn wahnsinnig vermisste und unendlich froh sein würde, wenn sie ihn wieder in die Arme schließen konnte.

Während sie ihren Gedanken nachging, beobachtete sie wie ein Junge mit langen, glatten, schwarzen Haaren, der vermutlich ein wenig älter war als sie durch das Tor auf Gleis 9 ¾ schritt. Er war vollständig in schwarz gekleidet, trug eine enge Lederhose, ein enges Shirt, welches seine wohldefinierten Muskeln erkennen ließ und darüber einen etwas weiter geschnittenen Ledermantel, welchen er offen trug. Seine Augen konnte sie nicht erkennen, denn er trug eine verspiegelte, Sonnenbrille. Sie fragte sich, wer dies wohl sein könnte, denn sie kannte alle Leute aus ihrem Jahrgang und aus dem Jahrgang über ihr und diesen Typen kannte sie einfach nicht. Er musste definitiv älter sein, sie schätze ihn auf etwa 20 Jahre, also was machte er hier. Er begleitete niemanden, aber anscheinend suchte er jemanden, denn er blickte jetzt umher, bis schließlich sein Blick auf ihr hängen blieb und ein Lächeln seine Lippen umspielte. Oh nein Freundchen, du wirst gleich nicht den Fehler begehen und mich anbaggern, dachte Ginny sich.

Er kam langsam auf sie zu und währenddessen nahm er die Sonnenbrille von seinen Augen und Ginny blickte in ein intensives Grün, in das Grün, welches sie einen Monat lang vermisst hatte. Nein, dass konnte nicht sein, das konnte doch unmöglich ihr Harry sein? Doch jetzt, wo er näher kam, erkannte sie auch die blitzförmige Narbe auf seiner Stirn, die wohl bekannteste Narbe der Welt! Wie konnte er es nur wagen, erst einen Monat zu verschwinden und dann ganz lässig schlendernd in diesen Klamotten auftauchen...und mit diesen langen Haaren, einer Kombination, die sie unglaublich attraktiv fand, doch den Gedanken schob sie erstmal zur Seite, denn nun hatte das Weasleytemperament die Kontrolle übernommen. Ginny stand von der Bank auf und schritt zornig auf Harry zu. Dies erregte auch die Aufmerksamkeit von Hermine und Ron, die nun sahen, wie Ginny auf den Fremden zuging und ihm eine saftige Ohrfeige verpasste. Ron wollte schon aufspringen und seine Schwester fragen, ob sie noch bei Sinnen wäre, einen vollkommenen Fremden zu schlagen, als sein Blick auf der Narbe hängen blieb und Ginny auch schon zu schreien begann.

„HARRY JAMES POTTER, WAS IN MERLINS NAMEN HAST DU DIR DABEI GEDACHT, EINFACH SO ZU VERSCHWINDEN UND DICH EINEN MONAT LANG NICHT ZU MELDEN? WEISST DU EIGENTLICH, WAS WIR UNS FÜR SORGEN GEMACHT HABEN? WAS ICH MIR FÜR SORGEN GEMACHT HABE? SCHICKST UNS DIESEN KOBOLD, DER UNS SAGT, DASS WIR DICH ERST AM SCHULJAHRESANFANG SEHEN WERDEN. WEISST DU EIGENTLICH WIE SEHR ICH DICH VERMISST HABE? WO WARST DU? DU HAST BESSER EINE GUTE ERKLÄRUNG, SONST..."

Doch weiter kam sie nicht, denn Harry hatte ihre Lippen mit seinen eigenen verschlossen und küsste sie nun leidenschaftlich, was von den umherstehenden Schülern, die alle erst ein wenig verwundert waren, dass der Typ Harry Potter sein sollte, nun mit tobendem Applaus quittiert wurde. Die meisten bewunderten diese elegante Lösung.

Allerdings wusste keiner von ihnen, auch Harry und Ginny nicht, dass schon James Potter seine Lily auf die gleiche Weise ruhig gestellt hat.

Als Harry den Kuss löste, war all der Zorn aus Ginnys Augen verschwunden und sie lächelte ihren Freund leicht abwesend an. Endlich hatte sie ihren Harry wieder, nach einem langen Monat, der ihr wie eine ganze Ewigkeit vorkam. Sie wollte ihm eigentlich noch so viel an den Kopf werfen, sie hatte sich vorgenommen ihn stundenlang zu ohrfeigen, nur um ihn dann nachher vierzuteilen. Doch ihr Zorn, ihre Wut und ihre Enttäuschung waren wie weggeflogen, oder eher weggeküsst.

Sie blickte in diese grünen Smaragde und wusste, dass sie ihm vermutlich alles verzeihen würde, auch wenn sie es nie zugeben würde.

„Ich glaube ich muss euch einiges erklären, aber nicht hier, lasst uns bitte in den Zug gehen." sagte Harry nun. Seine Stimme war reifer, als noch vor einem Monat und klang ein wenig rauer. Diese Tonlage, die Harrys Stimme jetzt hatte, ließ Ginnys Knie weich und zittrig werden. Noch immer hatte sie dieses leicht dümliche Grinsen im Gesicht.

Hermine und Ron gingen nun Richtung Zug, Harry und Ginny, beide eng umschlungen, folgten ihnen. In dem Abteil, in dem sie ihre Sachen abgelegt haben angekommen, schloss Harry die Tür hinter ihnen und murmelte dabei einige unverständliche Worte, woraufhin die Tür kurz aufleuchtete.

„Was war das?" fragte Hermine mit ihrem typisch wissbegierigem Blick.

„Nur ein kleiner Zauber, damit uns hier niemand stört. Die Tür ist magisch verschlossen und öffnet sich nur, wenn ich es will, wir können raus sehen, aber die Leute draußen sehen nur zugezogene Vorhänge. Sollte jemand dennoch versuchen hier herein zu kommen, wird er außerdem vergessen, dass er rein wollte, denn ihm wird plötzlich einfallen, wie dringend er doch die Toilette aufsuchen muss."

„Wow, das ist Magie weit über dem UTZ-Niveau und du hast noch nichtmal deinen Zauberstab benutzt, woher hast du das?" wollte Hermine nun wissen.

„Dass ich solch einen Zauber beherrsche hängt mit meiner Abwesenheit zusammen. Am besten ich fange am Tag meines Erbantrittes an, denn an dem Tag hat alles begonnen. Ich würde vorschlagen ihr setzt euch, denn was ich euch jetzt erzählen werde, wird euch vermutlich erstmal umhauen."

Die drei taten wie geheißen und Harry begann die Geschichte zu erzählen, wie Griphook ihn in sein Verließ geführt hat und wie er dort den Ring und die dazugehörige Prophezeiung gefunden hat.

„Schon wieder eine Prophezeiung?" unterbrach ihn Ginny, doch Harry machte ihr klar, dass er seine Geschichte gerne fortsetzen würde, ohne unterbrochen zu werden und dass er eine Pause machen würde, wenn er bereit war Fragen zu beantworten. Er erzählte von der Begegnung mit Kodóku und dass er von ihm eine besondere Kraft bekam, ließ aber den Teil mit dem Vampir erst einmal aus, denn wenn er ihnen jetzt davon erzählte, würde er nie dazu kommen weiterzusprechen, weil seine Freunde ihn dann mit Fragen regelrecht bombardieren würden.

Er fuhr fort und kam zu der Stelle, als er auf Amb traf und dieser ihm anbot ihn auszubilden. Er erzählte seinen Freunden, dass er eine Ausbildung erhalten hat, die dringend notwendig war und er sich deshalb nicht melden konnte, weil Amb und nun auch er einer Geheimorganisation angehörten, die keiner kennt.

„Was für eine Organisation?" fragte Ron.

„Eine GEHEIM-Organisation heißt deswegen so, weil sie GEHEIM ist, Ron. Sorry, Freunde, selbst euch kann, darf und will ich auch nichts erzählen und ich werde euch auch keine Fragen zu der Organisation beantworten."

„Aber wie konntest du dich innerhalb eines Monats so verändern?" Diese Frage kam von Ginny. „Außerdem was ist das für eine Ausbildung, die nur einen Monat geht? Was haben Sie dir denn da beigebracht?"

„Nun, mein Engel" Ginny schmolz bei diesen Worten fast dahin „die Ausbildung ging nicht nur einen Monat, sondern 2 Jahre." Sofort klappten 3 Kinnladen nach unten und bevor eine Zwischenfrage kam, fuhr Harry fort. „Durch ein wenig Zeitzauberei war es möglich aus einem Monat 2 Jahre zu machen. Und, nein," dabei blickte er besonders Hermine an, „ich werde euch zu dem Zeitzauber keine Fragen beantworten. Nun, die 2 Jahre erklären dann auch meine Veränderung, ich habe meine Haare wachsen lassen, habe an Muskelmasse zugelegt und eine umfangreiche Ausbildung in offensiver, defensiver, sowie ein wenig Heilmagie erhalten. Desweiteren beherrsche ich nun stablose und stumme Magie problemlos und vor allem meine neuen Fähigkeiten und Kräfte wurden geschult. Zusammenfassend würde ich sagen, es war eine Tortur, manchmal war ich kurz davor aufzugeben, doch ich habe durchgehalten und das verdanke ich nicht zuletzt euch, denn ihr drei seid meine wichtigsten Freunde und einer der Hauptgründe, warum ich überhaupt kämpfe und das ganze getan habe! Und das Ergebnis hat sich gelohnt, dank der Ausbildung bin ich in Topform und fühle mich, als könnte ich Voldemorts Armee im Alleingang besiegen." schloss Harry.

Hermine, Ron und Ginny hatten Tränen in den Augen, als sie hörten, dass Harry diese Qualen der Ausbildung nur für sie durchgestanden hatte. Sie alle kamen auf Harry zu und schlossen ihn in eine Gemeinschaftsumarmung. Nach ein paar Minuten, in denen die 4 Freunde nur dastanden und sich umarmten, lösten sich Hermine und Ron und setzen sich wieder auf ihre Plätze, nur Ginny blieb weiter bei ihrem Freund und umarmte ihn weiterhin, um ganz nah bei ihm zu sein. Dann fiel ihr plötzlich etwas ein, was sie ein wenig stutzig machte und fragte deshalb ihren Freund.

„Aber wie ist es möglich, dass deine Haare sich verändert haben? Ich meine, deine Haare haben sich nie verändert, egal was du versucht hast, sie wuchsen nicht und wenn du sie geschnitten hast, dann waren sie am nächsten Tag wieder genau so strubbelig wie vorher. Das jedenfalls hast du mir mal erzählt."

Harry musste schlucken, nun würde er es ihnen erzählen. Dass er ein Vampir war. Wie würden sie reagieren? Würden sie ihn meiden? Würden sie ihn fürchten? Seine Gedanken schweiften ein wenig ab, so dass Ginny ihn wieder zurück in die Realität holen musste.

„Harry?!"

„Oh, sorry, ich war kurz woanders mit den Gedanken. Wie soll ich euch das mit den Haaren erklären. Nun...es hängt mit meiner Veränderung zusammen, die Veränderung die durch die Begegnung mit Kodóku hervorgerufen wurde. Die Kraft, die ich erhalten habe ist nämlich die...ich bin...die Kraft ist die...Ich bin ein Vampir!" Nun war es raus, nun wussten sie was er war.

Die Reaktionen seiner drei Freunde konnten nicht unterschiedlicher sein. Ron taumelte ein paar Schritte rückwärts, sein Gesichtsausdruck war leicht angewidert und vor allem verängstigt. Er konnte einfach nicht anders reagieren, das wusste Harry, er hatte mit so einer Reaktion gerechnet. Ginny hingegen klammerte sich eng an ihn und begann zu schluchzen, auch diese Reaktion war vorhersehbar.

Aber wie würde Hermine reagieren? Darüber hatte sich Harry schon seit Monaten Gedanken gemacht. Würde sie geschockt sein, würde sie ihm nicht glauben, würde sie Angst haben?

Sie glaubte ihm nicht, oder vielmehr ihr Verstand wollte ihm nicht glauben, denn Hermine wäre nicht Hermine, wenn sie nicht sofort alles gesagte logisch analysieren würde. „Vampire können sich nicht im Sonnenlicht aufhalten, aber du hast es eben getan, du kannst kein Vampir sein." Hermine blickte ihm direkt in die Augen. Während seiner Ausbildung hatte er gelernt in Gesichtern von Menschen zu lesen und er las in ihrem Gesicht, dass sie in ihrem Innern wusste, dass er die Wahrheit sagte, denn bei so etwas würde er sie niemals anlügen. Aber er wusste, dass sie ihm erst vollends glauben würde, wenn ihr Verstand ihm glauben würde.

„Ich bin ein sogenannter Daywalker, Hermine, Tageslicht macht mir nichts aus." Hermine wollte ihn sicherlich mit einer Frage unterbrechen, doch Harry fuhr unbeirrt fort. „Als allererstes: Ich wurde nicht gebissen, ich hoffe euch damit schon mal einige Sorgen von euch nehmen zu können. Alles begann, als ich in Gringotts mein Erbe antreten sollte. Griphook zeigte mir das Verlies meiner Eltern, meiner Vorfahren, das Potterverließ. In diesem Verließ befanden sich nicht nur Hinterlassenschaften meiner Eltern, sondern von allen Potters, die es jemals gab. Unter Ihnen befand sich auch dieser Ring, den ich am Finger trage. In diesem Ring befand sich die Seele und die Macht eines Vampirs, der vor vielen, vielen Jahrhunderten gelebt hat, ich rede von der Macht, die ich von Kodóku bekommen habe, er ist dieser Vampir. Als ich den Ring anlegte, verschmolzen diese Seele und diese Macht mit mir und das Produkt dieser Verschmelzung steht nun vor euch. Ich bin immer noch Harry James Potter, der Harry, den ihr kanntet, allerdings mit einigen Extras. Ihr werdet sicherlich noch einiges von mir hören und sicherlich wirst du, Hermine, auch einiges rausfinden, immerhin habe ich den Namen des Vampirs erwähnt und wie ich dich kenne, wirst du nicht eher ruhen, bis du Informationen über ihn gefunden hast. Doch im Moment werde ich euch nicht mehr erzählen, dazu bin ich einerseits noch nicht bereits, andererseits darf ich euch so einiges noch nicht erzählen. Aber eines will ich euch noch sagen, etwas was mir sehr am Herzen liegt.

Ginny, ich liebe dich und es tut mir Leid, dass ich dich wieder alleine lassen musste, aber du wirst hoffentlich verstehen, dass ich aufgrund der Umstände nicht anders agieren konnte.

Ron, ich weiß, dass dir das ganze nicht geheuer ist und ich weiß auch, dass du erstmal eine gewisse Abneigung gegen alles „Andersartige" hast, aber ich bin ich noch dein bester Freund und ich hoffe, du bist immer noch mein bester Freund.

Hermine, du wirst deine Antworten bekommen, aber nicht hier, nicht heute, nicht jetzt, aber du wirst sie bekommen.

Ihr drei seid mir das wichtigste im Leben, ihr drei wart eigentlich der Grund, warum ich diese Tortur, die die Ausbildung und die Verwandlung in einen Vampir mit sich brachte, überstanden habe! Ich bin immer noch Harry, ich bin vielleicht jetzt noch besonderer, als ich ohnehin schon war, aber nur mit euch fühle ich mich als komplett! Ihr seid so etwas wie meine Familie!"

Ginny verstärkte die Umarmung und auch Hermine kam auf ihn zu und umarmte ihn. Einzig Ron stand etwas abseits und sah verwirrter aus, als Harry ihn jemals gesehen hat. Doch er blickte ihm direkt in die Augen und Harry sah die Freundschaft in ihnen, allerdings wurde sie überlagert von vielen anderen Gefühlen, die sich momentan in den Augen des Rothaarigen spiegelten.

„Harry," sagte er, „das alles ist im Moment einfach zu viel für mich, bitte lass mir Zeit, ok Kumpel?" Harry erkannte die Aufrichtigkeit in Rons Stimme und lächelte. „Ok, Kumpel!"

Der Pfiff des Hogwarts-Express ertönte und der Zug setzt sich langsam in Bewegung. Erst jetzt realisierten die Vier wieder, dass sie ja im Zug und auf dem Weg ins neue Schuljahr waren. Hermine und Ron setzten sich auf die eine Seite, Ginny auf die andere, doch Harry blieb stehen, auch als Ginny ihn fragend ansah. „Warum setzt du dich nicht?" fragte sie.

„Weil ich noch was erledigen muss, was leider keinen Aufschub duldet. Tut mir leid, Gin, wir sehen uns dann erst in Hogwarts, aber dann werde ich mir viel Zeit für dich nehmen, das verspreche ich dir." Und er lächelte sie mit einem Lächeln an, bei dem viele Mädchen in Ohnmacht gefallen wären, doch für Ginny war es nur ein schwacher Trost, man sah ihr ihre Enttäuschung deutlich an.

„Bevor ich gehe, will ich euch noch folgendes sagen. Erstens: Die Art und Weise auf die ich mich gleich fortbewegen werde, wird euch unheimlich erscheinen, allerdings ist sie für mich, als Vampir, normal, keine Sorge also. Zweitens: Wenn ihr mich kämpfen sehen solltet, werdet ihr mich sicherlich für ein Monster halten. Doch bitte denkt immer daran, dass ich es bin. Ich werde Flüche und Kräfte benutzen, vor denen selbst Schwarzmagier Angst haben, Flüche vor denen sogar die meisten bösen Magier Angst haben. Aber ich bin immer euer Harry James Potter, vergesst das nie!"

Als er diese Worte beendet hatte, wurde Harry plötzlich von einer Art Wolke aus Dunkelheit umgeben und er begann sich in ihr aufzulösen, einen Augenblick später war er verschwunden.

Es war Ron der als erstes seine Worte wiederfand. „Geheuer ist mir das ganze ja nicht, aber den Coolnessfaktor hat Harry eindeutig auf seiner Seite."