Disclaimer: Weiterhin nicht meins.

A/N: Ihr wolltet mehr. Gut, Lina schreibt mehr, bin ja nicht so ;) Einen schönen Weihnachtsfeiertag. Hoffentlich ist das hier etwas nach eurem Geschmack.


Seine Lippen auf meinen. Kaum spürbar, ein Hauch fast, aber dennoch von unglaublicher Präsens. Mein Herz, das gegen meine Rippen schlägt in stolperndem Rhythmus. Hitze in meinen Wangen. Und immer noch seine Lippen als kühler Gegensatz -

Merlins heilige -

Ich sitze kerzengerade im Bett, mein Herz im wilden Glopp gegen meine Rippen donnernd. Nein. Nein, ich hab jetzt nicht auch noch davon geträumt. Reicht es denn bitteschön nicht, dass es tatsächlich passiert ist, muss mich dieser Zwischenfall auch noch im Schlaf verfolgen?

Reicht doch, wenn ich Lilys Grinsen sehe, sobald ich wach bin, das mich ständigst dran erinnert. Sollte mir dringend neue Freunde zulegen.

Und wenn wir schon bei sogenannten Freunden sind: die Jungs bring ich um. Ohne Magie. Mit bloßen Händen.

Lily hatte Recht mit ihrer Mistelzweig-Kritik. Idiotisches Grünzeug.

Ich taste auf meinem Nachttisch nach meiner Uhr und riskiere einen Blick. Halb vier Uhr morgens. Oder nachts, wie man es sehen will. Ich vergrabe das Gesicht in meinem Kissen. Das darf nicht wahr sein.

Also gut. Möglichkeit Nummer eins: Ich bleibe liegen, versuche noch einmal einzuschlafen und gehe das Risko eines weiteren Traums ein.

Möglichkeit Nummer zwei: Ich stehle mich in die Küche und hole mir etwas zu trinken. Kürbissaft, Tee, egal. Hauptsache etwas mit dem ich meine Gedanken wegspülen kann und das keine Kopfschmerzen verursacht morgen.

Möglichkeit Nummer drei: Ich stürme den Jungenschlafsaal und ersticke die Jungs im Schlaf mit ihrer Unterwäsche.

Aus Nummer eins wird wohl eher nichts, ich bin hellwach. Nummer drei wäre doch sehr verlockend, aber ich bevorzuge es Menschen umzubringen, wenn sie wach sind.

Bleibt also nur noch Nummer zwei.

Ich seufze ins Kissen und rapple mich hoch. Leise, um die anderen Mädls nicht zu wecken, schlüpfe ich in meine Halbstiefel und schleiche aus dem Schlafsaal. Draußen an der Treppe bemühe ich schließlich mein Stablicht.

Der Gemeinschaftsraum ist dunkel, das Feuer im Kamin schon heruntergebrannt. Ich durchquere ihn zügigen Schrittes und frage mich gerade welcher Weg wohl der Beste wäre, um unentdeckt zur Küche zu gelangen, als hinter mir irgendetwas dumpf am Boden aufschlägt. Ich wirble herum. Mein Stablicht tanzt suchend über den Boden und trifft auf ein aufgeschlagenend Buch, das wohl soeben von der Couch gerutscht sein muss, die vor dem Kamin steht. Und es scheint zu der Hand zu gehören, die wenige Zentimeter über dem Buch von der Couch baumelt.

Ich halte den Stab etwas höher und das Licht fällt auf sandbraunes Haar. Ein paar Schritte näher an der Couch wird mein Verdacht zur Gewissheit. Remus.

Zusammengerollt wie ein Welpe liegt er da und schläft. Ich frage mich was er hier unten macht, anstatt oben in seinem Bettchen zu liegen. Ist sicher bequemer dort. Ein Lächeln legt sich auf meine Lippen. Irgendwie sieht er niedlich aus. Man könnte fast vergessen, dass ich ihn umbringen sollte.

Ich beuge mich nach unten, um das Buch zu meinen Füßen aufzuheben, aber als meine Finger die Seiten berühren hat der Frieden des Augenblicks sein Ende. Remus schreckt aus dem Schlaf hoch und sitzt mit einem Mal so kerzengerade auf der Couch, wie ich Minuten zuvor in meinem Bett.

War eigentlich klar. Du könntest die halbe Schule in die Luft jagen und er würde weiter schlafen. Aber das kleinste Papierrascheln und schon ist er wach.

Naja, wach ist relativ. Remus blinzelt verschlafen in mein Stablicht. Ich senke es ein wenig.

"Wie spät ist es?", fragt er und reibt sich über die Augen.

"Bisschen nach halb vier."

"Oh.", sagt er und nimmt mir das Buch aus der Hand. "Ich konnte nicht einschlafen, vorhin. Also dachte ich, ich lese noch was."

"Hat offenbar geholfen.", grinse ich und fache mit einem Incendio das Feuer im Kamin wieder an.

"Ja.", sagt er und erwidert mein Grinsen. "Und was führt dich um diese späte Stunde in den Gemeinschaftsraum?"

"Alpträume, die ich dank euren dämlichen Mistelzweigen habe."

Ich lasse mich neben ihn auf die Couch fallen und sehe in die Flammen. Er sieht mich von der Seite her an. "Wer?"

"Wenn ichs dir sage muss ich dich umbringen."

"So schlimm?"

Ich nicke.

"Schlimm, weil du ihn nicht küssen wolltest, oder schlimm, weil es erstaunlich gut war?"

Ich wirble herum und sehe ihn an. Mit verräterisch großen Augen, wie ich befürchte.

"Letzteres also."

Ich blinzle.

"Kein Gryffidor, nehme ich an."

"Du hast Todessehnsucht, was?"

"Slytherin?"

Ich schlage ihn mit dem nächsten Kissen, dass ich erwischen.

"Also wieder Treffer.", lacht er.

"Ich hasse dich.", grummle ich und will aufstehen. Betonung auf will. Denn irgendetwas lässt mich nicht. Die selbe unsichtbare Wand, mit der ich heute bereits schon einmal das Vergnügen hatte. Vorhin war aber noch nichts da.

Ich schließe die Augen. "Sag mir bitte, dass ihr keine wandernden Mistelzweige dabei hattet."

Stille.

"Sag es."

"Müssen es genau diese Worte sein?", kommt die zögerliche Antwort und allein seine Stimme sagt mir, dass ich Recht habe. Trotzdem riskiere ich einen Blick.

Und da schwebt er über uns, unschuldig glitzernd, das verdammte Mistding. Ich lasse mich an die Sofalehne zurückfallen und vergrabe das Gesicht in meinen Händen. "Warum immer ich?"

"Versuche es positiv zu sehen. Ich bin wenigstens nicht Snape."

Meine Hände verlassen mein Gesicht und meine Augen verengen sich zu schlitzen. "Woher weißt du das?"

"Ich wusste es nicht.", sagt er und lacht. "Bis eben zumindest."

Ich lasse meinen Kopf auf die Rückenlehne sinken und starre an die Decke, vorbei am blöden Mistelzweig. "Hab ich heute schon erwähnt, dass ich dich hasse?"

Er sagt nichts, aber ich weiß, dass er grinst.

"Hör auf zu grinsen.", sage ich und setze mich auf. "Bringen wirs hinter uns. Ich hab keine Lust bis nach Weihnachten hier rumzusitzen. Es sei denn natürlich du hast vor noch auf ein paar Zuschauer zu warten."

"Nein.", sagt er, ein wenig zu schnell, und nun ist es an mir zu grinsen.

"Na dann.", sage ich und rutsche näher. Und ja, ich genieße es, dass sich ein klein wenig Röte auf seine Wangen legt.

"Na dann.", sagt er, beugt sich hinunter zu mir und ich schließe die Augen.

Seine Lippen treffen meine vorsichtig, fast scheu. Aber dennoch ist da etwas, irgendwo dunkel unter der Oberfläche, das mich erschaudern lässt, obwohl er seinen Arm um meine Hüften gelegt hat und seine Nähe mir zeigt, dass mir die ganze Zeit etwas kühl war in meinen Shorts und dem T-Shirt.

Doch noch bevor ich ergründen kann was genau es ist, entzieht er mir seine Lippen wieder und sieht mich an. Ein Blick, der mir einen Schauer über den Rücken jagt. Er hat mich noch nie so angesehen. Ein Feuer hinter diesen blauen Augen.

Er schließt die Augen und lässt mich los. Als er sie Sekunden später wieder öffnet ist das Feuer verschwunden, als wäre es nie da gewesen. Vielleicht war es das ja auch nicht.

Ich sehe ihm zu, wie er das Buch aufsammelt, das erneut seine Begegnung mit dem Boden hatte, und aufsteht. "Ich - ich werd dann mal schlafen gehen."

Ich nicke. "Gute Nacht."

"Dir auch.", sagt er, dann ist er auch schon die Treppen zum Jungenschlafsaal hoch und ich allein mit meiner Verwirrung und einem seltsamen Gefühl im Bauch. Kribbelig irgendwie. Warum eigentlich? Was hier war schließlich nicht der erste Kuss und ich bin kein kleines Mädchen mehr.

"Merlin.", seufze ich und stehe auf. Jetzt brauch ich wirklich einen Tee. Oder besser eine heiße Schokolade. Mal sehen was die Hauselfen rausrücken.