Ich quatsch nicht lang, hab uch nicht viel Zeit: weiter geht's. Und wie schon erwartet mit einem hungrigen Kerl...
Hunger
Kagome sah von ihrem Schreibtisch auf. Sie hatte etwas gehört, ein vertrautes Geräusch: das Tappen von Füßen auf dem Dach. Schon schob sich ihr Fenster auf und die weißen Strähnen seines Haares waren zu sehen, als er herein sah. Mit einem Sprung landete Inu Yasha lautlos in ihrem Zimmer. Schnell war sie aufgesprungen, schritt ihm entgegen und er zog sie auch schon in seine Arme. „Ach, du bist wieder da. Wie ist es euch ergangen? Bist du verletzt?" Aber er gab ihr keine Antwort, zog sie nur eng an sich und genoss ihre Nähe, ihre Wärme und ihren Geruch, den er so sehr vermisst hatte. Auch das Mädchen drückte ihn fest an sich. Sie seufzte, so sehr hatte sie ihn doch vermisst, sich so nach ihm gesehnt die letzten Wochen. Eine ganze Weile standen sie so eng umschlungen, die Augen geschlossen und alle Sinne nur auf den Körper des anderen konzentriert. Kagome streichelte ihn leicht den muskulösen Rücken und blieb dabei in den Fetzen des roten Mantels hängen. Das Kleidungsstück war zerrissen und schmutzig, auch seine Haare waren nicht seidig und glatt wie sonst, sondern wirr und voller Knoten. Kagome trat einen Schritt zurück und musterte ihn von oben bis unten als sie sich aus seiner heftigen Umarmung wieder gelöst hatte und sah ihn fragend an. „Was ist passiert? Habt ihr ihn?".
„Ah, wir haben ewig gesucht, aber dieser Mistkerl hat sich wie in Luft aufgelöst. Wir haben ihn gemeinsam bis in die Wüste Chinas gejagt und dort hat er sich in irgendeinem Loch verkrochen." „Und Sesshoumaru?" „Der hockt noch dort und wartet. Und ich wollte dich wieder sehen…" Er zog sie wieder an sich, vergrub sein Gesicht in ihrem Nacken, zog seine Wange an ihrem Hals entlang, über ihr Kinn und suchte endlich ihren Mund, um sie zu küssen. Sie schlang ihre Hände um seinen Hals und küsste ihn verlangend wieder. Doch er löste sich überraschen, gab ihr noch einen kurzen Schmatz auf die Nase und meinte dann nur: "Ich komme um vor Hunger! Wenn ich nicht schnell was zu essen bekommen, fresse ich dich auf."
Kagome lachte nur und zog ihn an den Händen aus ihrem Zimmer die Treppe hinunter. Ihre Mutter werkelte eh gerade in der Küche herum und bereitete Abendessen zu. Sie sah erstaunt auf als Inu Yasha hinter Kagome in die Küche kam und lächelte ihn an. „Ah, du bist da? Hast du Appetit? Magst du mit essen?" Inu Yasha nickte nur. „Mach lieber mehr, ich glaube, er hat ordentlich Hunger. Und du weißt, was das bei einem Dämonen bedeutet." Kagome grinste nur und ihre Mutter begann ebenfalls wissend zu lächeln. Ach, sie waren schon eine seltsame Familie. Kein Familienmitglied störte sich daran, dass sie einen Halbdämonen als Freund mit nach Hause gebracht hatte. Na, besser gesagt hatte er sich ja von Anfang an selbst eingeladen. Er ging hier ein und aus, war immer herzlich eingeladen und keiner regte sich über sein seltsames Aussehen oder Verhalten auf. Ob es daran lag, dass Opa Priester war und schon immer von Geistern und Dämonen erzählt hatte? Ihr kleiner Bruder, der gerade in die Küche herein gestürmt kam, himmelte ihn an und nannte ihn immer Onii-inu, Hunderbruder. Der Opa lebte eh mit seinen Geistern und Wassermolchen auf Du und Du und sah in Inu Yasha wohl eher einen Beweis dafür, dass er doch nicht verrückt war. Und ihre Mutter bekochte ihn als wäre er der nette Junge von neben an.
Nach der Mahlzeit saß Inu Yasha im Wohnzimmer und spielte mit dem Kater Boujo. Er war so voll dass er sich kaum noch rühren konnte. Nach Wochen ohne Essen hatte er Unmengen an Nahrung vertilgt. Frau Higurashi war noch zweimal in die Küche gegangen, um ihm etwas nachzukochen bis er endlich satt war. Sie wollte nicht, dass der arme Junge wieder hungrig aufstehen musste. Zufrieden wusch sie mit Kagome das Geschirr in der Küche. „Bleibt er hier heute Nacht?" Sie sah ihre Tochter fragend an. „Darf er?" Sie nickte lächelnd. „Ihr seid alt genug! Außerdem tut er es doch schon die ganze Zeit.", meinte sie nur lächelnd. Kagome lief rot an. Sie hatte es sich gedacht, dass ihre Mutter Bescheid wusste, auch wenn Inu Yasha immer nur über das Fenster ein- und ausging. Vor Müttern konnte man nichts verbergen. „Geh nur nach oben und lass ihm ein Bad ein, er hat es verdient."
„Ach Mama…" Kagome schaute ihre Mutter dankbar an.
Kagome saß noch an ihrem Schreibtisch um zu lernen. Sie hatte gut aufgeholt die letzten Wochen und so hatte sie Hoffnung, die großen Tests einigermaßen bestehen zu können. Sie horchte auf. Es war verdächtig ruhig geworden im Bad. Was nur mit Inu Yasha los war? Ob er wohl eingeschlafen war? Sie stand auf und ging zum Badezimmer. Vorsichtig öffnete sie die Türe. Tatsächlich, der Junge hatte den Kopf an den Wannenrand gelegt und schlief tief und fest. Sie ging hinein, schloss leise die Türe und kniete sich vor der Wanne nieder. So hatte sie ihn gefunden damals vor vielen Monaten, wie schlafend an den Baum geheftet. Was sie seither alles gemeinsam durch gestanden hatten. Wie frech er zu ihr gewesen war. Sie lächelte und erhob die Hand, um ihm sanft über die Wangen zu streicheln. Seine Ohren zuckten, aber er schlief weiter. Dieser Junge mit so viel Kraft, so unbändig, so scheu…
Sie hatte ihn geweckt, aus der Wanne gezogen und in ein Handtuch gehüllt. Jetzt saß er verschlafen vor ihr und ließ sich seine langen Haare trocknen. Sie rubbelte sie mit einem riesigen Handtuch ab, bürstete sie durch und fönte sie. Er liebte das, saß ruhig da und genoss die Berührung an Kopf und Rücken. Fast bedauerte er dass die Haare so erstaunlich schnell trockneten.
Dann zog Kagome den müden Jungen hinüber in ihr Zimmer und legte ihn in ihr Bett. Da hatten sie inzwischen schon oft gemeinsam geschlafen. Sie zog sich selbst aus und legte sch zu ihm zwischen die weichen Laken. Er schlief schon fast wieder als er mit seinen kräftigen Armen nach ihr fasste und sie zu sich her zog. Eng umschlungen schliefen sie ein.
