An diesem Kapitel habe ich ewig hingearbeitet. Ich wusste einfach nicht, was auf einem mittelalterlichen Dorffest so abgeht. Danke an Eskaria, Julia unhd Matorif, die ich alle damit genervt habe. Ich hoffe, es ist gelungen.

Die Geschichten um die Taiko stimmen übrigens. Ichhab selbst eine, trommle ab und zu ein wenig und hab viel drüber gelesen und in Workshops gehört. Schade dass es in Süddeutschland so wenig Kurse gibt, wer um Düsseldorf herum wohnt, hat da schon mehr Glück.

Früher durften die Frauen übrigens nicht spielen, ich hab mir da schriftstellerischen Freiheiten erlaubt. Und Mädels: probiert es mal! Taiko spielen ist die Wucht!Heutzutage sind die meisten Trommler übrigens weiblich. Und schaut mal bei Gocoo rein, lauter wilde Mädels mit nem irren Bumms (die haben bei Matrix Filmmusik gemacht), die wieder auf Tournee sind! Oder Kodo, die das mehr klassich und verpielt machen. Das Trommeln ist einfach, wenn ihr Kontakte wollt, meldet euch bei mir.

Rins Feier

Ein Kräuterbauer war ins Dorf gekommen. Zerlumpt und zerrissen stand er eines Tages da mit einem Bündel unterm Arm. Rai war sein Name, er war füllig und schon älter, ein paar graue Haare blitzen bereits aus seinem Haarknoten, und er fragte nach Kaede. Er hatte von ihr gehört und wollte ihr seine Dienste anbieten. Sein Dorf war in einer Schlacht völlig zerstört worden und da er keinerlei Angehörige hatte, war er mit dem kümmerlichen Rest seiner Setzlinge losgezogen um sich eine neue Heimat zu suchen.

Er hatte von dem Dorf mit den 2 Mikos gehört und sich entschlossen, dort sein Glück zu versuchen, hatte sein kümmerliche Habe in ein Bündel gepackt und war losgezogen. Die Dorfbewohner und vor alle Kaede hatten ihn freundlich aufgenommen. Er hatte sich eine alte, verlassene Hütte am Dorfrand wieder hergerichtet und dahinter einen üppigen Kräutergarten angelegt. Sein Bündel enthielt einige seltene Heilpflanzen, die er schnell vermehrte und bald genoss er einen guten Ruf als Heiler und Medizinhersteller. Er arbeitete viel mit Kaede zusammen. Die mochte ihn, weil er ein ruhiger, freundlicher Mann war, der aber auch immer zu Späßen aufgelegt war. Er brachte sie oft zum Lachen, etwas, was sie über die vielen Jahre so vermisst hatte. Sie war immer die einsame Miko gewesen, die nicht einmal eine besondere Begabung hatte, da eigentlich ihre verstorbene Schwester die Priesterin gewesen war und sie nur versucht hatte, die Lücke zu füllen, die ihr Tod hinterlassen hatte. Doch wie die große Schwester teilte sie nun das gleiche Los. Als Priesterin stand sie allein im Leben, musste beschützen und heilen, ihre Dienste den Dorfbewohnern und anderen Hilfesuchenden zur Verfügung stellen ohne dass jemand sie beschützte oder mit ihr gar zusammen lebte. Alle ihre Freundinnen ware längst verheiratet und hatten Kinder, sogar schon Enkelkinder, nur sie war immer alleine gewesen. Die größte Freude für sie war, dass die junge Kagome plötzlich Leben in ihre einsame Hütte gebracht hatte. Die vielen, jungen Leute, die sich seither bei ihr aufhielten, hatten ihren Alltag sehr belebt. Und selbst wenn die Menschen unterwegs waren, Kagome in ihrer Welt jenseits des Brunnens und Sango mit dem Mönch auf irgendeiner Erkundung, dann leistete ihr immer noch der kleine Fuchsdämon Gesellschaft. Er war ihr wie das Enkelkind, dass sie nie haben durfte. Und da war noch der mürrische Halbdämon Inu Yasha, der gerne bei ihr herumlungerte, wenn Kagome in ihrer Welt Ruhe brauchte, um diese seltsamen Tests zu schreiben, wobei sie nie wusste ob ihn ihr Essen anlockte, dass sie ihm kochte, oder es seine Verundenheit zu ihrer Schwester Kikyo war. Doch nie hatte sich ein Mann für sie interessiert.

Nun war da Rai, der ihren Rat suchte, der ihr half und mit dem sie immer öfter gemeinsam arbeitete. Sogar zu kleinen Dämonenaustreibungen, die sie ohne die Unterstützung der mächtigen, jungen Dämonenjäger durchführen konnte, hatte er sie begleitet. Und er bewunderte sie, ihre bescheidenen Kräfte, die er nicht hatte, ihr immenses Wissen über Heilkräuter und ihre Geduld und Leidenschaft, anderen zu helfen und zu unterstützten. Das, was alle anderen Dorfbewohner schon lange als selbstverständlich betrachteten, sah er noch als etwas Besonders an. Er brachte ihr kleiner Geschenke mit, kochte ihr immer wieder einen besondern Leckerbissen und teilte mit ihr den Platz am Feuer in langen Nächten, wenn die Hütte mal wieder verwaist war. Er brachte Sake mit und sie unterhielten sich lange und immer angeregter über ihre Erlebnisse. Schallendes Lachen durchzog so manche Nacht das Dorf und ließ die schon schlafenden Bewohner erstaunt aufhorchen, wenn Kaede mal wieder Besuch von ihrem lustigen, neuen Freund erhielt. So fröhlich hatten sie die alte Frau noch nie gesehen und jeder wünschte ihr von ganzem Herzen das Glück, dass sie mit dem neuen Dorfmitglied zu haben schien.

Rin arbeitete viel in Rais Garten, versetzte die kleinen Pflanzen in ein großes Feld und hackte und goss die kleinen Setzlinge. Er erklärte ihr viel über die Heilkräfte der verschiedenen Pflanzen und wie man sie zubereiten musste, um ihre volle Wirkung zu erschließen.

Seine Idee war es gewesen, eine Feier für Rin abzuhalten. Sie war nun eine erwachsene Frau. Sie konnte Kinder empfangen und gebären, heiraten und eine eigene Familie haben. Interessenten gab es genügend für die außergewöhnlich hübsche und liebenswerte Frau, aber sie hatte für keinen Augen, dachte nur an ihren geliebten Sesshoumaru-sama. Vielleicht wollte er sie auch auf andere Gedanken bringen, auf jeden Fall bereitete er mit den Dorfbewohnern ein großes Fest vor.

An einem lauen Sommerabend wurden alle Hütten mit bunten Papierlampions behangen und Fackeln erhellten mit ihrem flackernden Licht die dunklen Gassen. Überall saßen aufgeregte Menschen an offenen Feuern beisammen und warteten auf die große Eröffnungszeremonie des Festes.

Ein paar Männer hatten ein Podest aufgebaut, auf das die große Taiko des Dorfes geschleppt wurde, die große, mit Ochsenhaut bespannte Fasstrommel. Es war Kaede Aufgabe als Priesterin sie zu schlagen. Sie schritt gemessenen Schritte die Stufen hinaus und baute sich vor der großen Schlagfläche der in einem Gestell liegenden Trommel auf. Die Dorfbewohner waren verstummt und schauten ehrfürchtig zu ihrer Miko hinauf. Kaede hob die beiden dicken Knüppel, die zum Schlagen der Taiko benutzt wurden, weit über ihren Kopf, lies sie dort schweben bis sie sie mit gezielter Wucht auf die Ledermembran niedersausen lies. Der tiefe, dröhnende Ton erfüllte den Platz, drang bis zu seinem Rand vor und hallte weiter über Felder und Wiesen. Jedes Dorf durfte so weit besiedelt werden, wie der Klang der Taiko zu hören war, sie bestimmte seine Größe durch ihren Umfang und dem daraus resultierenden Schall.

Der immense Bass vibrierte ebenfalls in den Körpern der Zuhörer, drückte auf die Ohren wie auch die Bäuche und durchdrang sie mit ihrem tiefen Dröhnen. Beeindruckt beobachteten die Männer und Frauen ihre Priesterin. Wieder hob Kaede ihre Arme, verharrte in stiller Konzentration vor der großen Taiko und ließ erneut die Schlaghölzer auf die Membran fallen. Immer schneller wurde ihr Rhythmus, packte die Anwesenden und riss sie mit. Die Knüppel sausten in immer schnelleren Wellen auf die Trommel nieder, die tiefen Töne wurden ergänzt durch das helle Klacken der Stäbe, wenn Kaede diese aufeinander schlug. Sie lies das Spiel drängender werden, begleitete es mit Rufen und Drehungen, streckte ihren Körper in die Höhe, schwang die hölzernen Schlagstöcke über ihren Kopf um sie dann wieder mit erneuter Wucht auf die dicke Lederhaut sausen zulassen. Das Spielen am Rand der Trommel erzeugte einen höheren Ton wie wenn sie in der Mitte getroffen wurde, und auch der Rand wurde in das Spiel mit einbezogen. So entstand ein abwechslungsreiches Gefüge aus Tönen, alle erzeugt auf dem riesigen, aus einem Stück Holz gefertigten Korpus der Trommel. Kaede wirbelte mit ihren Stöcken oben auf der Plattform, ihre Arme waren teilweise nicht mehr zu sehen, so schnell bearbeitete sie die Taiko mit voller Wucht. Mit einem letzten, kräftigen Schlag und einem Schrei beendete sie ihr Spiel, stand schweigend da bis der letzte Ton über den Platz verhallt war.

Die angestaute Spannung löste sich, die Dorfbewohner jubelten ihrer kraftvollen Miko zu die mit einem Lächeln von dem Podest herunterkam. Kaede hielt noch eine Begrüßungsrede für Rin, die sie nun als Erwachsene im Dorf willkommen hieß, als vollwertiges Mitglied der Gemeinde. Dann ging die Feier in den fröhlichen Teil über. Alle wünschten Rin viel Glück für ihr neues Leben, brachten ihr kleine Geschenke und betonten, wie sehr sie sich freuten sie in ihrer Mitte aufnehmen zu dürfen. Rin war sehr beliebt, hatte sie doch schon so vielen Leuten mit ihren neuen Kenntnissen und ihre freundlichen Unterstützung geholfen. Dann verteilte sich alle, aßen die Leckereien, die sie am Tage gemeinsam bereitet hatten.

Zu vorgerückter Stunde versammelten sich alle wieder auf dem Dorfplatz, um dem Theaterstück zuzusehen, das Rai für sie vorbereitet hatte. Er hatte eine große Strohpuppe als Frau verkleidet und spielte den betrunkenen Verehrer, der nicht bemerkte, dass er nur einer Vogelscheuche den Hof machte. Die Dorfleute hielten sich die Bäuche vor Lachen, vor allem die Kinder konnten nicht mehr aufhören zu prusten als sie sahen, wie die widerspenstige Puppe, die der angeblich Betrunkenen angestoßen hatte, mit ihren Drehungen den armen Verehrer verprügelte und ihn am Schluss von der Bühne fegte. Auch Rin lachte herzhaft über Rais gelungenes Schauspiel, doch als die Dorfbewohner später wieder um die offenen Lagerfeuer geschart saßen, war sie verschwunden. Sie hatte sich an den leise murmelnden Bach vor Kaedes Hütte zurückgezogen und beobachtete den sternenklaren Nachthimmel. Dort lauschte sie dem sanften Flötenspiel, das ein junger Dorfbewohner vortrug, wohl auch mit der Hoffnung, von Rin erhört zu werden. Sie beachtete ihn aber gar nicht sondern saß nur verträumt vor der Hütte, knabberte an ein paar Leckereien herum und schaute sehnsüchtig hinauf zu den glitzernden Sternen, wo sie noch nach einem anderen Schimmer Ausschau hielt als nur dem der Gestirne.