Dismal habe ich lange überlegt, mit wem es weiter gehen soll, aber die Sache zwischen Rin und Sesshoumaru verdichtet sich so...das wollte ich euch nicht vorenthalten. Nur müsst ihr leider ein wenig warten, wie das aus geht (ja, gemein, was?)

Danke für eure Reviews, gelesen haben ja wieder viel mehr. Ich hoffe, ich kann noch ein paar Leser fesseln und dazu verführen, mir eine Beurteilung zu schreiben.

Und gleich eine Vorwarnung: die nächsten Chapis werden ein bisschen auf sich warten lassen, da ich sehr beschäftigt bin die nächsten Wochen, nicht nur von der Arbeit her...es warten auch ein paar tolle Termine auf mich wie die Animagic in Koblenz, eine Geburtstagsfeier sowie mein Umzug.

Navara-Baby: Jetzt wird es noch viel trauriger...halt mal die Taschentücher bereit. Ist ja klar dass Rin das nicht so lustig finden wird. Ich hoffe, du hältst durch! Drück dich - Hi

Miro-Fan: Schön dass du wieder mal da bist. Ich liebe auch so komplizierte Gefühlswelten. Soll ja nicht so einfach werden. So ein edler Lord erwählt doch nicht so einfach ein Mädchen niedriger Abstammung...tja, was da wohl noch draus wird? Mit unergründlichem Blick: Hi

Tally: Was, du warst KEIN Sesshy-Fan? Wo er doch so schön und toll und megacool ist? Freut mich aber umso mehr wenn ich das jetzt geschafft habe. Und lieb dass du wieder mal ein Rev geschrieben hast. Danke - Hi

Azhura: Danke, danke, für dein Rev! Viel Spaß bei deinen Ausflügen...und vergiss nicht an deiner Story weiter zu schreiben. Freu mich schon drauf! Das gilt auch für Julia! Also Mädels, haut in die Tasten: freu mich dauf - Hi

Abgründe

Sesshoumaru eilte zu Rins Zimmer, durchschritt die Türe und ging langsam auf ihr Bett zu. Er setzte sich vorsichtig auf die Bettkante und betrachtete sie lange. Ihr Gesicht war vom Mondschein erhellt, das durch das Fenster schien. Völlig ruhig und entspannt lag sie da und schlief. Es war für ihn immer noch ungewohnt sie mit diesem erwachsenen Körper zu sehen. Sie war relativ groß für eine Frau, ihre Gestalt athletisch und schlank. Ihr schönes Gesicht lag friedlich auf dem schmalen Kissen, gerahmt von den wilden Locken ihres schwarzen Haares. Die Decke gab ihren Oberkörper frei, ihre von ihrem weißen Schlaf-Yukata bedeckte Brust hob und senkte sich langsam bei jedem Atemzug. Er betrachtete ihr fremdes und doch vertrautes Gesicht. Wie war eine wirkliche Schönheit geworden. Aber was er noch mehr liebte als ihr Äußeres war ihr Wesen. Das hatte sich durch den Fluch nicht verändert.

Sie erwachte, als er ihr sanft eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht strich. Sie blinzelte und öffnete verschlafen die Augen. „Oh, Sesshoumaru-sama. Was ist los?" Er lächelte, sie benutzte immer noch die Anrede, die sie auch als Kind verwendet hatte.

„Ich muss mit dir sprechen, Rin." Sie setzte sich im Bett auf und schlang die Arme um ihre Knie wie sie es immer tat, wenn sie aufmerksam zuhörte. Ihr Blick hing neugierig an seinen Lippen, gespannt zu hören, was er ihr mitten in den Nacht mitteilen wollte.

„Rin, ich möchte, das du weg gehst, weg von mir und diesem Schloss. Du bist hier nicht mehr sicher und ich kann dich nicht mehr beschützen." Seine Stimme klang völlig ruhig und gelassen, kühl wie immer. Er sah sie eindringlich an.

Rin erstarrte als sie die Worte aufnahm. Ihre Augen weiteten sich, ihr Mund öffnete sich vor Entsetzen. „Aber Sesshoumaru-sama. Was habe ich denn getan? Ich will hier bleiben, ich will für immer bei Sesshoumaru-sama bleiben!" Sie bat ihn flehend mit bebender Stimme. „Das geht nicht, Rin. Ich kann dich nicht hier lassen. Es ist zu gefährlich für dich. Morgen früh brechen wir auf. Wir gehen zu Kagome-sama. Sie wird sich um dich kümmern. Du kannst noch viel von ihr lernen. Du warst doch gerne bei ihr?" Er versuchte sie aufmunternd anzusehen, aber sie blickte nur weiterhin erschrocken in sein Gesicht. „Nein, bitte nicht, Sesshoumaru-sama. Ich will hier bleiben, bei Euch. Bitte schickt mich nicht weg!"

Ihre Stimme brach. Langsam wurde ihr klar, was er von ihr wollte. Sie sollte ihn verlassen, für immer weg gehen, bei Kagome leben, vielleicht sogar in der anderen Welt, jenseits des Brunnens und ihn nie mehr sehen.

Sie fing an zu weinen, die ersten Tränen standen in ihren entsetzten Augen. Ihr Blick wurde glasig und verklärt als sie langsam das Ausmaß seiner Worte in sich aufnahm. „Bitte nicht! Ist es wegen dem Fluch? Weil ich jetzt groß bin? Habe ich Euch gestört? Ich will auch artig sein, ich werde Euch nicht im Weg sein. Ich möchte nur hier bleiben." Sie weinte weiter, schluchzte auf und große, dicke Tränen liefen ihre Wangen hinab. Sesshoumaru blickte äußerlich ungerührt auf ihr weinendes Gesicht hinab, aber in seinem Inneren zerriss es ihn beinahe. Dieses Gesicht, das er über so lange Zeit immer nur lachend gesehen hatte, nun von Schmerz und Trauer beherrscht zu sehen, war eine schreckliche Last. Er hatte sich nie sonderlich bemüht, sie glücklich zu machen. Sie war es einfach immer gewesen, wenn er nur in ihrer Nähe war. Und nun musste er ihr das antun. Er musste alle Beherrschung aufbringen, um sich seinen inneren Kampf nicht ansehen zu lassen. Aber es musste sein!

Sein Schweigen zermürbte sie. Sie konnte nicht mehr anders und gab ihre Distanz auf, die sie bisher mühsam gewahrt hatte. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und klammerte sich fest, den Kopf tief in den Gewändern an seiner Brust vergraben. Er spürte sie zittern, fühlte die Nässe ihrer Tränen, die schon den Stoff durchtränkten. Sie presste sich an ihn, er konnte die Wärme ihres Körpers fühlen, ihre Brüste, ihre Schultern.

Er schloss die Augen, spürte, roch, fühlte ihren Schmerz und saß bewegungslos und wie erstarrt auf ihrer Bettkante, das schluchzende Mädchen an seiner Brust.

Er fügte ihr diesen Schmerz zu! Zum ersten Mal tat er ihr weh. Er wollte das nicht, hatte nicht mit dieser heftigen Reaktion gerechnet. Er war überrascht, aber auch hilflos. Er fühlte sich verantwortlich für ihr Leid. Langsam hob er seine Arme und legte sie beschützend um sie. Sie weinte ohne Pause, wimmerte, flehte ihn immer wieder an. Er wog sie sanft in seinen Armen, die Augen immer noch geschlossen. In seinem Gesicht stand die innere Qual, die er nun nicht mehr vor ihr verbergen musste. Er hielt sie so eine ganze Weile, nahm Abschied von ihr, von der gemeinsamen Zeit.

Sie war das einzig Schöne in seinem Leben gewesen seit Mutter und Vater gestorben waren. Die andere Frau, Inu Yashas Mutter war auch zu ihm freundlich gewesen, aber sie war nun mal nicht seine Mutter. Der Schmerz über den Verlust der Eltern hatte lange Zeit an seiner Seele genagt. Dem kleinen Bruder gegenüber hatte er sich verschlossen und launisch verhalten, obwohl dieser völlig unschuldig gewesen war. Als Inu Yasha nach dem Tod seiner Mutter aus dem Schloss weggelaufen war, lebte er für viele Jahrzehnte völlig alleine dort. Erst als sich Jacken ihm als Diener angeboten hatte, hatte er wieder Gesellschaft, wenn auch keine besonders angenehme. Aber um nicht ganz einsam zu sein, ließ er den nörgelnden kleinen Gnom gewähren. Erst Rin hatte sein Leben erhellt, ihm Freude bereitet die er nie mehr zu finden glaubte. Ihre Fröhlichkeit, ihre Unbefangenheit zeigte ihm Seiten des Lebens, die er schon lange nicht mehr kannte. Und nun musste er sie wegschicken. Er stöhnte leise auf.

Rin vernahm sein Seufzen und lockerte ihren Griff, löste ihren Kopf von seiner Brust und schaute zu ihm auf. Er öffnete die Augen, blickte auf ihre schmerzverzerrten Züge und konnte fast das Leid nicht ertragen, das in ihnen lag.

Sie setzte sich erst auf ihre Knie, dann richtete sich langsam vor ihm auf und legte ihre Hände bedächtig auf seine Schultern. Ihr Gesicht war nun auf gleicher Höhe mit dem seinen. Sie sah ihn mit ihren dunklen Augen eindringlich an. „Bitte nicht!"

Ihr heißer Atem streifte sein Gesicht. Sie bewegte sich weiter auf ihn zu, war ihm schon so nahe dass ihre Tränen beinahe seine Haut netzten. Sie sah ihm bittend in seine goldenen Augen, die sich bei ihrem Blick noch etwas weiteten da er den Schmerz, ihr so wehtun zu müssen, nicht mehr länger unterdrücken konnte. Er versuchte weiterhin seine Züge ruhig zu halten.

„Bitte nicht!" Sie hauchte die Worte nur noch ohne Ton. Ihre Lippen näherten sich suchend den seinen. Er spürte wie Hitze in ihm aufstieg, fühlte seine letzte Beherrschung versiegen. Seine Lider zuckten kurz, er umarmte sie nochmals kurz und stand dann auf, sich vorsichtig aus ihren Armen lösend. „Es muss sein, Rin" Dann stand er schnell auf und verlies ihr Zimmer.

Rin starrte ihm nach. Ewig saß sie so da, ihr Inneres wie ausgelöscht, nur seine Worte hallten in ihr nach. Das Mondlicht wanderte gemächlich über ihre Gestalt. Sie spürte keine Kälte, keine Müdigkeit, nur noch Leere.

Nach langer Zeit der Erstarrung kam sie wieder zu sich. Sie fühlte sich völlig erschlagen. Ihr Geist kehrte langsam zurück, die ersten Gedanken bohrten sich in ihr Bewusstsein. Sie konnte noch nicht fassen, was er von ihr verlangte. Sie sollte gehen?

Nach dem Verlust ihrer Familie, die vor ihren Augen abgeschlachtet worden war, war er das erste Wesen gewesen, das freundlich zu ihr gewesen war. Ihm war es egal gewesen, dass sie lange stumm war. Sie hatte mit den Dorfbewohnern, die sie nur duldeten und bei jeder möglichen Gelegenheit für alles verantwortlich gemacht hatten, was ihm Dorf vorfiel, nie ein Wort gesprochen. Wahrscheinlich war sie auch deswegen so von ihnen verprügelt worden. Sie konnte die Gräuel nicht vergessen, die sie bei Nacht in ihren Alpträumen und tagsüber in ihren Gedanken plagten. Ihre letzte Erinnerung war von den Wölfen zerfleischt worden zu sein, ein schrecklicher Tod. Danach war sie in seinem Arm aufgewacht und er duldete es, dass sie ihm folgte. Er war ihr Zuhause gewesen, ihr Schutz, ihre Geborgenheit. Wo er war, war auch sie. Er beschütze sie egal wo sie auch waren. Und nun sollte sie gehen?

Sie liebte ihn, alles was sie wollte, war für immer bei ihm zu bleiben. Und nun schickte er sie weg?

Sie konnte sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen, sie wollte es auch nicht. Nein, sie wollte ihn nicht verlassen müssen. Warum sollte er sie nicht mehr beschützen können? Er war der mächtigste Dämon im ganzen Land. Er konnte alle besiegen. Vielleicht wollte er sie einfach nicht mehr bei sich haben? Weil sie ihn störte in ihre neuen Gestalt? Er wollte sie so nicht mehr haben! Er wollte sie loswerden. Er mochte sie nicht als erwachsene Frau. Es hatte ihn gestört dass sie sich so zu ihm hingezogen fühlte. Sie wusste ja auch nicht genau, warum sie dies auf einmal tun musste, sie nicht anders konnte. Bestimmt weil sie ihn so lieb hatte, wie Kagome es ihr erzählt hatte. Sie konnte einfach nicht anders! Aber Sesshounmaru-sama hat das bestimmt fruchtbar gestört. Und deshalb wollte er, dass sie lieber ging.

Er hatte sie damals gerettet, ihr das Leben wieder gegeben. Ihr Leben lag in seiner Hand. Und wenn er sie nicht mehr wollte, ihr Leben nicht mehr wollte, dann war es an ihr zu entscheiden ihm dies Leben wieder zurückzugeben.

Ihr war klar was sie tun musste. Es war so einfach! Sie wollte dieses Leben ohne ihn eh nicht haben.

Sie schlug die Decke zurück und stand vorsichtig auf. Ihre nackten Füße huschten über den blanken Boden. Sie ging leise zur Türe, schlüpfte hinaus und ging langsam und lautlos die Veranda entlang, hinaus in den Garten. Das blasse Mondlicht zeigte ihr den Weg. Sie durchquerte den Garten, gelangte auf den kleinen Pfad der zur Klippe hin führte, die nicht weit entfernt hinter dem Schloss lag. Sie schritt durch das feuchte Gras, ihre Füße streiften kaum die Halme, die sich ihr entgegen reckten. Weiter, dem Weg folgend, weg von Schloss, hinaus auf die Wiese und immer weiter lief sie wie eine Schlafwandlerin auf den Abgrund zu. Ihre Augen waren tränenleer, ihr Kopf zermürbt von den trostlosen Gedanken und in ihrem Herzen war nur der Schmerz bei dem Gedanken, ohne ihn sein zu müssen. Weiter lief sie und immer weiter, ihrem Ziel entgegen. Bald hatte sie die Klippe erreicht, stand am Rande des Abgrunds und starrte mit leeren Augen hinunter. Sie konnte den Boden nicht erkennen, sie wusste, er war steinig und hart. Es würde nicht so grausam sein wie damals mit den Wölfen.

Sie trat nah an die Kante heran, ließ ihren Blick noch einmal über die Gegend schweifen, die mondbeschienen vor ihr lag. Sie war kein Zuhause mehr für sie. Sie gehörte nicht mehr hierher.

Entschlossen trat sie einen Schritt nach vorne – und stürzte sich hinab. Sie wollte keinen Laut von sich geben, aber der Sturz in die Leere erschreckte sie. Unbewusst schrie sie auf, sah die Landschaft an sich vorbei rauschen, sah wie der Boden sich näherte, aber sie hatte keine Angst. Sie war vollkommen leer. Der Wind riss am Stoff ihres weiten Schlafgewandes und zerrte an ihr. Sie breitete die Arme aus, gab sich dem Fall hin. Sie bemerkte nicht, dass sie immer noch schrie. Sie schloss die Augen, schloss mit ihrem Leben ab und überließ sich dem endlosen Fall...