Hallo liebe Freunde, danke dass ihr so lange ausgeharrt habt. ich weiss, ich hab mich schrecklich lange nicht mehr hören lassen. Aber jetzt hab ich Urlaub und komme endlich dazu, die Story weiter zu schreiben. Wer micht kennt, weiss, dass ich inzwischen wieder umgezogen bin. Ich hab jetzt eine super-große Wohnung und hoffe, hier mal für längere Zeit bleiben zu können. Dann hätte ich auch endlich wieder mehr Zeit zum Schreiben. Also drückt mir die Daumen für einen ruhigen Sommer mit viel Schreiblust

Danke Tini, Pooh-chan, Silvina und ShadowAngel4Ever für die netten Reviews, danke Julia für deine vielen Mails und dass ich immer noch an deiner Story teilhaben darf, danke Azhura für die lange Treue, genauso Sango-chan und Miro-fan. Ohne euch hätte ich oft gar keine Reviews mehr bekommen. Ich würde mich sehr freuen wenn es wieder mehr werden würden.

Ein Ziel vor Augen

Seine langen Beine trugen ihn immer schneller voran. Endlich hatte Bankotsu ein Ziel vor Augen. Lange hatte er sich in den Bergen aufgehalten, wollte den Platz nicht verlassen, an dem Naraku mit Kagura verschwunden war. Er hatte gewartet, Stunden, Tage, beinahe eine Woche. Er hatte gehofft, dass die glühende Wolke noch einmal über dem Gipfel auftauchen und der teuflische Dämon ihn herausfordern würde. Aber er hatte vergeblich gewartet. Er hatte getobt, geschrieen vor Wut, mit seiner funkelden Waffe die Felsen zersprengt und die Erde durchpflügt, aber doch hatte er sich eingestehen müssen, dass er geschlagen war. Der Zorn zerfraß ihn, wenn er nur an dieses unwürdige Zusammentreffen mit dem schwarzhaarigen Mistkerl dachte.

Blitzschnell hatte Naraku ihn mit einem plötlich auftauchenden Fangarm gepackt. Er hatte keine Gelegenheit gehabt, sich zu wehren oder beiseite zu springen. Er musste auch zugeben, dass er zu sehr um Kaguras Wohlfbefinden besorgt gewesen war. Welche Schwäche für einen Krieger, welche Blamage. Und gerade ihm war das passiert, einem Söldner, der seinen Lebensunterhalt schon so lange Zeit mit Krieg und Mord verdiente, dessen Gedanken immer eiskalt und gefühllos gewesen waren. Auch wenn er Kagura achtete, ja wirklich mochte, er hatte ihr keinen guten Dienst mit seiner Gefühlsduselei geleistet. Schwach und wehrlos war er gewesen, musste sich von diesen widerlichen Fangarmen betatschen lassen, die sofort nach seiner Kehle griffen, nach dem Splitter, dieser verdammte Schwachstelle, seinem Lebensspender, ohne den er das werden würde, was er schon lange war: eine Leiche, kalt und zerfressen. Naraku hatte sofort erkannt, was ihm am Leben hielt und wollte ihm den Splitter rauben, hätte ihm ein schnelles und ruhmloses Ende bereitet. Aber sie hatte geschrieen, Kagura, die kühle Dämonin, die noch nie Furcht gezeigt hatte. Ihr Schrei hatte nicht nur Naraku erstaunt. Wieso machte es ihr etwas aus, wenn er sein Leben verlieren sollte? Er war sich immer bewusst gewesen, das er nur ein Spielball in ihrer Hand war. Auch wenn er noch so dick aufgetragen hatte, ihm war klar gewesen, dass sie ihm das Leben geschenkt hatte und zwar aus einem bestimmten Grund: sie brauchte Unterstützung bei ihrem Freiheitskampf gegen ihren Herrn. Sie hatte ihn vorbereiten wollen, mit ihm trainieren, ihm von den Schwachstellen Narakus berichten wollen, aber er hatte sie aufgehalten mit seinem Starrsinn, hatte mit seiner Störrigkeit ihre Vorhaben verzögert, sie geärgert wo er nur konnte. Auch wenn es Spaß gemacht hatte, nun bereute er nicht kooperativer gewesen zu sein. Sie hatte seine Dienste gebraucht, hatte ihn besser bezahlt wie mancher Kriegsherr zuvor, sie hatte ihm das Leben wieder gegeben, das er zum zweiten Mal verloren hatte. Und was noch viel mehr zählte: sie hatte auch noch ihre Freiheit für ihn geopfert. Als Naraku ihren Schrei gehört hatte, hatte er angefangen zu lachen, hämisch, böse und gemein. Er schaute belustigt von der Windbraut, die am Boden lag zu ihm und wieder zurück. Er hatte das kurze Aufflackern der Besorgnis in Kaguras Blick erkannt, und er schien sich einen Spaß machen zu wollen. Sein roter Fangarm stoppte und er wandte sich der gebückten Gestalt der Dämonin zu, die immer noch schmerzgekrümmt am Boden kauerte. „Na, da macht sich wohl jemand Sorgen. Um diesen schwachen Menschen? Kagura, ich bin enttäuscht, was findest nur nur an diesem blasierten, kleinen Söldner? Meine Aufgabe konnte er nicht lösen, war er doch dem kleinen Hundejungen noch unterlegen. Und du holst ihn dir, nachdem ich ihn habe fallen lassen? Meinen Abfall? Also wirklich, Kagura, wie tief bist du gesunken! Und was wolltest du von ihm? Welchen Dienst sollte er dir leisten? Und nun, wo du seine jämmerliche Schwäche erkennen musst, jetzt bist du sogar um ihn besorgt?" Kagura hatte nur den Blick gesenkt, ob beschämt oder verärgert hatte Bankotsu nicht erkennen können. Dass Naraku sie übel beschimpfen würde, war ihm klar gewesen. Vor allem würde ihr eine üble Strafe drohen wenn Naraku erfahren würde, dass sie sich von ihm befreien wollte. Aber irgendwie hatte der Krieger das Gefühl, dass Naraku das längst wusste und nur mit Kagura spielte, ein qualvolles Spiel wie das der Katze mit der Maus…bis sie zuschlägt und ihrem Opfer das Genick bricht.

Wieder hatte er versucht sich aus der Umklammerung zu lösen, aber die Tentakel hielten ihn eisern fest. Erneut näherte sich die Spitze eines Fangarms seiner Kehle und drang schon in die Haut ein. Blut quoll hervor, doch Bankotsu spürte, wie der fleischige Fortsatz seine Bewegung verlangsamte, als warte er auf etwas.

„Halt!" Erstaunt erkannte er Kaguras Stimme, gepresst und kaum hörbar. „Lass ihn!" Kagura setzte sich mühsam auf und hob langsam den Kopf. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt, aber auch Wut und noch ein anderer, seltsamer Ausdruck lagen auf ihren Zügen. „Lass ihn gehen!", forderte sie Naraku erneut auf. „Warum sollte ich?", fragte Naraku spöttisch, stoppte aber die Bewegung im Hals seines Opfers. „Warum sollte ich ihn nicht töten, wenn mir danach ist?" Der schwarzhaarige Dämon lächtelte belustigt und wippte mit der Fangarmspitze, die er schon aus dem Hals des Opfers gezogen hatte, langsam auf und ab. Kaguras Blick hing gebannt an dieser Bewegung, und Bankotsu konnte tatsächlich Angst in ihrem Gesicht erkennen, Angst um ihn und sein Leben. Bedeutete er ihr wirklich so viel? Er war völlig irritiert gewesen von diesem Gedanken und auch jetzt konnte er kaum wahrhaben, was die junge Dämonin für ihn getan hatte.

„Gib ihn frei, und ich komme mit dir!" Diese Worte waren ihr nicht leicht über die Lippen gekommen. Bankotsu war klar gewesen, dass sie lieber gestorben wäre als Naraku nochmals Dienerin sein zu müssen. Sie hätte ihr Herz zerquetschen lassen, denn er hatte es ja nicht geschafft, Naraku mit seiner Hellebarde zu bekampfen. Er war machtlos gewesen und so lag Kaguras Leben wie das seine in der Hand dieses verhassten Dämons. Er hätte nicht damit gerechnet, aus diesem Zusammentreffen lebend heraus zu kommen. Und doch durchquerte er jetzt die Berge, folgte dem Bachlauf ins Tal um dort nach einer Möglichkeit Ausschau zuhalten, Kagura für ihr Opfer zu entschädigen, ihr zu ihrer Freiheit zu verhelfen, die sie für ihn geopfert hatte. Für ihn! Sie hatte es wirklich für ihn getan. Ob sie ihn liebte? Anders konnte es doch kaum sein, denn warum hätte sie sonst so gehandelt? Und er? Liebte er sie? Er musste gestehen, dass er diesen Gedanken kaum zuließ. Krieg und Tod um ihn herum hatten ihn sich diese Frage nie stellen lassen. Frauen waren in seinem Leben meist nur eine kurze Randerscheinung gewesen, eine kurze Eroberung, meist dienten sie nur zur Befriedigung seiner Lust. Und nun verdankte er einer Frau sein Leben, sogar zum zweiten Mal. Auch wenn er sich über seine Gefühle nicht im Klaren war, die Ehre befahl es ihm, sich zu revanchieren und ihr zu helfen.

Naraku war hämisch lachend auf Kaguras Vorschlag eingegangen, hatte Bankotsu einfach fallen lassen und Kagura, die willenlos auf der Wiese stand, in seine Wolke hineingezogen und war mit ihr verschwunden. Sein Triumpf über sie schien so groß zu sein, dass ihm sein Tod plötzlich völlig unbedeutend gewesen war.

Seine daraufhin folgende Handlungsunfähigkeit hatte den schlanken Krieger beinahe verrückt gemacht. Er wusste einfach nicht, was er tun sollte, da er gegen Naraku so wenige Chancen hatte. Dieser verdammte Splitter in seinem Hals war eine große Schwachstelle. Wer von ihm wusste, konnte ihn sekundenschnell ausser Gefecht setzten. Aber wie sollte er den loswerden? Ohne ihn würde er sofort sterben. Und dann seine bescheidene Kraft. War er doch immer so stolz auf seine Waffe gewesen, sein glänzendes Banryuu, eine Hellebarde so schwer dass sie kein Mensch schultern konnte. Nur er konnte sie schwingen, nur er schlug mit höllischer Kraft auf seine Genger ein und zerteilte sie…die meisten jedenfalls. Keiner war ihm überlegen gewesen, und so mussten seine Kriegsfürsten, für die er gekämpft hatte, ihr ganzes Heer zusammen ziehen um ihn und seine gewalttätigen Kampfbrüder wieder loszuwerden.

Blindlings war er durch die Bergwälder getobt, hatte mit seiner Waffe nach Bäumen und Ästen geschlagen, zerhieb riesige Stämme und wusste doch, dass all seine Kraft hier vergebens war. Ein Einzelner hatte bisher nie gegen ihn ankommen können…bis auf einen. Er schluckte als er an den schwarzhaarigen Hundejungen dachte, den er schon beinahe erschlagen hatte. Naraku hatte ihm seine schmähliche Niederlage nur zu deutlich unter die Nase gerieben. Den menschgewordenen Hanyou hatte er schon so gut wie besiegt, als dieser seine dämonischen Kräfte wieder erhalten. Er hatte sich verwandelt, aber er war immer noch ein blutjunger Kerl gewesen. Dieser junge Hundedämon hatte es geschafft, ihn zu besiegen, ihn, der Kriege überstanden hatte. Dieser Junge, der Naraku genauso hasste wie er, dieser Junge, dessen Stärke und dessen Schwert so beeindruckend gewesen waren, den könnte er als Waffenbruder gebrauchen. Wo er wohl war? Er könnte nach ihm suchen. Er wäre eine Chance im Kampf gegen Naraku, für die Freiheit Kaguras. Früher hätte er sich niemals erniedrigt und einen Gegner um Hilfe gebeten, aber für Kagura wollte er es tun. Was war das im Vergleich zu dem, was sie für ihn getan hatte? Also war er aufgebrochen, weg vom Ort seiner Niederlage, hinunter ins Tal, menschlichen Behausungen entgegen, in Dörfer, zu Ratsch und Tratsch, zu Gesprächen und Gerüchten, um herauszufinden, wo sich der junge Hundedämon aufhielt. Oben in den Bergen würde er es nicht erfahren. Und er brauchte Nahrung, er hatte Hunger, die Vorräte waren aufgebraucht und er benötigte seine Kräfte. So hatte er die Hellebarde geschultert und wanderte mit immer größer werdenden Schritten hinunter ins Tal, seinem Ziel entgegen.