Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dieses Kapitel schon lange habe, aber ich musste das Ende ein wenig umschreiben, weil ich einen neuen Einfall hatte. So, jetzt ist es aber soweit. Viel Spass beim Lesen...aber bitte nur abgehärtete Seelen...es ist Kreig, und es geht doch grausam zu..
Vielen Dank meinen (einzigen) Reviewern Julia und zorro.
Leichenschänder
Sango schwebte auf Kirara durch die Lüfte und warf ihren gigantischen Bumerang immer wieder gegen die unter ihr tobende Monster, Miroku hinter ihr schleuderte seine Bannzettel gegen die Köpfe der mächtigen Bestien, die daraufhin aufschrieen und zu Staub zerfielen. Unter ihnen und gewissermaßen in ihrem Schutz warf Kohaku, Sangos Bruder seine Sichel mit geübter Treffsicherheit gegen seine Angreifer, trennte Beine ab und rettete so manchen Mitstreiter das Leben. Doch die Flut an Dämonen war gewaltig. Auf der ganzen Lichtung tobte die Schlacht, selbst hoch in den Lüften kämpften die Taiyoukais gegen die fliegenden Ungeheuer. Hundedämonen verbissen sich in wütend beißende Käfer, blau schimmernde Drachen, die Nachfahren des von Inu Yasha besiegten Ryuukotsei, leisteten ihren Hilfsdienst und zerfetzten mit ihrem weit ausholenden Schwanz ganze Schwärme der giftigen Rieseninsekten, deren Stachel in ihre stahlharte Haut nicht einzudringen vermochten. Ein Katzendämon zerfetzte mit seinen Krallen einen gigantischen Spanner, einen Nachtschmetterling in düsteren Farben mit einem Totenkopf auf dem Rücken, der gerade versuchte ihn einzuspinnen.
Doch unten auf der Erde waren die vereinten Truppen weniger erfolgreich. Kagome hatte zuerst ihre Pfeile gepackt und gegen die Angreifer verschossen, doch als sie hinter sich blickte und die vielen Menschen sah, die bereits gefallen waren oder gerade verbittert mit ihren Gegnern kämpften, sprang sie auf und eilte ihnen zu Hilfe. Sie schickte ihren Schutzschild hinaus und umhüllte die Verwundeten, versuchte zu heilen, wo immer sie konnte, und sobald sie an einer Stelle Unterstützung herbei rufen konnte, eilte sie weiter zu den nächsten Hilfsbedürftigen. Sie stieß auf Kaede, die um einige Verwundete einen Schutzschirm aufgebaut hatte, ihr Gefährte Rai verband unter größter Gefahr blutspritzende Wunden, zu viele Verletzungen hatten die Scheren und Klauen der Insektendämonen schon verursacht.
Die Waffen der Ritter und Soldaten vermochten kaum die dicken Panzer zu durchstoßen und viele zerteilte Körper bedeckten die Lichtung. Der Schild der alten Priesterin vermochte die schlimmste Gefahr abzuhalten, so dass sich die Verletzten dort versammeln konnten. Kagome legte ihre Hände in die bluttriefenden Wunden, lies abgetrennte Gliedmaßen wieder nachwachsen und eilte dann schnell weiter zu dem nächsten Schlachtgetümmel.
Sie sah Kouga mit seinen Wölfen eine große Gruppe Spinnen jagen. Er hatte seine Taiyoukai-Form bereits aufgegeben und führte eine wilde Meute aus Wölfen und Menschen an, die die achtbeinigen Monster einkreisten und dann überfielen. Außer einem großen Wirbel Staub war zuerst nichts zu sehen gewesen, doch als er sich lichtete, sah Kagome erleichtert den grinsenden Wolfsführer hervorspringen, der ihr kurz zunickte und sich mit seiner Gruppe bereits aufmachte zum nächsten Kampfeinsatz.
Doch nicht alle waren so erfolgreich. Ein toter Katzendämon lag zwischen ein paar Bäumen, auch tote Wölfe waren zu sehen. Nur wenige Meter neben ihr brach eine schreiende Gruppe Dorfbewohner aus dem Gebüsch, die verzweifelt versuchten, mit ihren Holzgabeln und Knüppeln sich gegen einen Skorpion zu verteidigen, dessen vor Gift triefender Stachel wie wild auf sie einhieb. Sie hatten darauf bestanden ihre Priesterin in diese Schlacht zu begleiten und Kagome fühlte sich zutiefst für sie verantwortlich. Einige Soldaten aus dem Heer eines Fürsten waren ihnen zu Hilfe gekommen und hatten versucht, den wütenden, meterhohen Skorpion abzulenken, aber zu viele von ihnen waren schon auf den Giftstachel aufgespießt worden und gelähmt zu Boden gefallen, wo sie dann in zuckenden Verrenkungen mit Schaum vor dem Mund gestorben waren. Kagome konnte sie nicht mehr retten, aber sie musste versuchen, die gerade Gejagten vor dem gleichen Schicksal zu bewahren. Ihr Schutzschild, den sie blitzschnell aufbaute, hielt das wild stechende Vieh ab, und als der Fürst selbst auf seinem Streitross durch dir Büsche preschte, konnte ein gezielter Schlag seines Schwertes den hoch aufgerichteten Hinterleib samt Stachel und Giftdrüse abtrennen, worauf der Skorpion kraftlos zu Boden sank und starb. Die Dorfbewohner jubelten, doch der Fürst war schon wieder verschwunden. Neue Angreifer näherten sich, und Kagome gab schnell die Anweisung, die Verwundeten zu Kaede zu schaffen. Sie selbst machte sich wieder auf, der nächsten Gruppe zu helfen. Doch so konnte sie ihrem ursprünglichen Ziel, Naraku zu lähmen und zu reinigen nie nachkommen. Sie musste sich etwas überlegen. Ihre ursprüngliche Gruppe hatte sie längst aus den Augen verloren, sie waren versprengt worden, jeder beschäftigt mit den angreifenden Dämonen.
Vom Höhleneingang her hörte sie lautes Kampfgeschrei. Sie konnte das Leuchten von Tokichin erkennen, das Breschen in die Angreifer schlug und Tessaigas Wirbel, die entstanden, wenn die Wunde des Windes losgeschickt wurde, um die Feinde zu zerstören. Doch hinter ihr war es verdächtig ruhig. Sie wandte ihren Blick und sah mit Entsetzen die vielen Leichen, die sich auf der Lichtung bis hinauf zum Pass auftürmten. Die Erde war durchtränkt von Blut, abgerissene Gliedmaßen lagen überall herum, und es häuften sich Leichenberge mit den zerfetzten Körpern der Kampfgenossen. Hier konnte sie nicht mehr helfen, ihr Schild kam zu spät. Sie hatte versagt. Die ganze Kampfstrategie hatte versagt gegen Narakus Flut von Dämonen.
Die niedrigen Dämonen waren zurückgekehrt und machten sich an den Ermordeten zu schaffen, saugten sie aus, fraßen ihr Fleisch. Krähen mit drei funkelnden, roten Augen, hackten den Toten wie auch denen, die sich nicht wehren konnten, die Augen aus. Einäugige Ratten rannten zu Tausenden auf flinken Füßen zwischen Toten und Verletzten hin und her und hielten ihr blutiges Mahl. Riesige Würmer versuchten die Körper in den Boden zu ziehen, dicke Käfer zogen die geschändeten Leichen weg, und sogar so eine so harmlos aussehende Kreatur wie eine rosa Plüschschnecke mit samtenem Haus konnte auf ihrer schleimigen Spur über die Toten hinweg kriechen, wobei der Schleim sich durch die Glieder der Soldaten fraß und die blanken Knochen zurück lies. Das durfte nicht so weitergehen. Die vielen Leichen, der Schmerz in den Familien, der herbe Verlust, nein, die Menschen durften nicht einfach Opfer dieses Gewürms werden. Mit einem letzten, hell leuchtenden Pfeil vertrieb sie die gierige Flut von den Körpern, dann breitete sie einen leuchtenden Schild über die ganze Lichtung, um weitere Leichenfledderer abzuhalten.
Das Leuchten Tokishins erhellte den Höhleneingang. Sesshoumaru stand dort, gelassen und ruhig wie immer. Selbst das Chaos der Schlacht schien ihn nicht zu beeindrucken. Fest stand er am Boden und senkte gerade die Klinge, die mit ihrem unheimlichen Glühen für viele Opfer unter den Feinden gesorgt hatte. Naraku beobachtete seinen Kampf belustigt in seiner Hülle. Er schien gerade darauf zu warten vom großen Hundelord persönlich angegriffen zu werden und ihn selbst vernichten zu können. Doch anstatt sich dem Anführer zu widmen, schenkte der elegante Mann diesem keinen Blick, sondern steckte die Tod bringende Waffe wieder in seinen Gürtel und verschwand. Sesshoumaru folgte einem anderen Ziel. Tenseiga, die Waffe seines Vaters, hatte begonnen in seinem Gürtel zu pulsieren, so drängend, wie er es noch nie erlebt hatte. Er ließ sich leiten von dem Zauberschwert, dessen Macht, Leben zu retten ihm bisher immer als sinnlos erschienen war. Doch das Schwert forderte, und er gab dem Drängen nach und folgte seinem Ruf. Er erkannte den Schutzschild der Priesterin schon von weitem, und seine scharfen Augen konnte die Zahl der Gefallenen erkennen, die dem Ansturm von Narakus Armee erlegen waren. Es mussten Tausende sein. Unbewusst griff er nach Tenseiga, zog es aus seinem Gürtel und landete in der Nähe von Kagome auf dem blutgetränkten Grass. Das Mädchen schaute überrascht zu ihm auf, mit seinem Kommen hatte sie nicht gerechnet. Und noch etwas irritierte sie: er hielt Tenseiga in den Händen, nicht das böße schimmernde Tokishin. Das Zauberschwert in der Hand des Hundelords verwandelte sich. Die Klinge, sonst schmal und schartig, wuchs, wurde breit und glänzend, und die Länge war nun so gewaltig wie die Tessaigas. Ein Fell umhüllte den Griff, und trotz seiner gewaltigen Größe schien es federleicht zu sein. Ein Schwert für jeden Sohn, eines, das hundert Leben zerstören, eines, das hundert Leben retten konnte. Aber noch nie hatte Tenseiga seine volle Macht entfaltet. Ob es diesmal gelingen würde? Sie senkte ihren Schild über den Opfern und ließ den großen Lord gewähren.
Zielsicher schwenkte Sesshoumaru die große Klinge. Das Schwert pulsierte und ein Glühen umhüllte Waffe und Besitzer. Ein Zischen war zu hören als die Waffe durch seinen gewaltigen Schlag hernieder sauste, und ein ungewöhnlicher Sturm brach los. Wirbel bauten sich auf und überzogen die Lichtung. Sie fegten über die Leichenberge, hüllten sie ein und brachten dort seltsame Vorgänge ans glimmende Licht. Unter den Schwaden waren die grünlichern Totengeister zu erkennen, die sich an den Leichen zu schaffen machten und versuchten, ihnen die Seelen zu stehlen. Die Geister wurden von den Toten weggerissen, zerschmettert und lösten sich auf wie Luftblasen. Überall zerfielen und zerplatzen die grünen Gnome, hunderte, ja tausende wurden durch den einen Streich zerstört. Hatte der zweite Sohn Inu Taishos es nun geschafft, die Macht seines Schwertes voll zu entfalten? Dann müssten all die Menschen wieder auferstehen, ihr Leben zurück erhalten, wieder Teil werden der großen Armee. Wenn dies tatsächlich so war, dann hätten sie wieder eine Chance.
Gebannt starrte Kagome auf die große Lichtung, gespannt, ob die toten Krieger sich wieder rühren würden, die Wunden heilen, die Verletzungen verschwinden würden. Sesshoumaru hatte die Waffe schon wieder eingesteckt und war verschwunden, als die junge Priesterin immer noch auf die toten Körper starrte. Da, sie spürte wie die Lebensgeister wieder Besitz von ihnen ergriffen, sie erkannte Bewegungen, wie sich ein Kopf hob, vernahm Stöhnen. Völlig ergriffen sah sie zu, wie die Soldaten langsam aufstanden, wie sie die Wunden suchten, die ihren Tod bedeutet hatten und nun verschwunden waren, die Bisse, die Giftspuren, Kratzer und Schnitte. Verwundert und erstaunt erhoben sie sich einer nach dem anderen, unversehrt, und ohne Wunden. Kagome, die Priesterin, die vor ihnen stand, Erfurcht einflößend in ihrer traditionellen Kleidung, Bogen und Köcher über dem schmalen Rücken, klärte sie auf über ihr Glück, die Macht des heilenden Schwertes erfahren zu haben.
Inu Yasha kam atemlos auf die Lichtung gerannt. Er hatte Kagome gesucht, sie aber in seiner Verzweiflung nicht finden können. Immer wieder hatte ihm eines von Narakus Monstern den Weg versperrt und ihm seinen selbst aufgelegten Auftrag, das Mädchen zu beschützen, zunichte gemacht. Endlich war der letzte Dämon erschlagen und er konnte sich aufmachen, seine Gefährtin zu suchen. Die anderen Kampfgefährten waren weiter in Zweikämpfe verwickelt, Kouga hatte er gesehen, und auch die Feuerkatze Kirara mit ihren Kampfgefährten, aber von Kagome fehlte jede Spur. Er konnte ihrer Fährte kaum folgen bei dem intensiven Geruch nach Blut, menschlichem Blut. Die Sorge hatte ihn übermannt und er war gerannt, so schnell er nur konnte, grob in die Richtung aus der ihr Duft etwas stärker kam. Verzweifelt suchte er die Umgebung ab, das dichte Gebüsch, die Bäume. Da sah er einen Felsen vor sich und sprang mit einem Riesensatz hinauf, um bessere Sicht zu haben. Vielleicht würden seine Augen ihm diesmal weiterhelfen, wenn seine Nase schon so irriert war. Er drehte sich in alle Richtungen, seine goldenen Augen fixierten jeden Busch, jeden Fels, jeden Weg, den er erblicken konnte. Da glaubte er sie endlich zu sehen, ihre rote Hose leuchtete hinter einem Strauch hervor, ihre Arme, gekleidet in die weiße Bluse, versuchten die Äste auseinander zu biegen um sich Durchlass zu schaffen. Ja, sie war es, jetzt trug der laue Wind ihren unvergleichlichen Duft zu ihm herüber, diese Süße, die ihr entströmte. Der Glanz ihres Haares ließ sich durch die Äste hindurch erkennen, obwohl sie mit den langen Strähnen in den Zweigen hängen blieb. Gleich war sie bei ihm, gleich waren sie wieder vereint.
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So, und wer sich jetzt bei all dem grässlichen Würmerzeug über die rosa Plüschschnecke gewundert hat: die war das Tribut an Umi-chan, mit der ich im Urlaub war und die darauf besanden hat, dass sie in diesem Kapitel vorkommt, sonst wäre sie furchtbar böse auf mich - das konnte ich dann doch nicht verantworten. Also kam sie daher gekrochen, wenigstens auf einer giftigen Schleimspur..kawai!
