So, meine lieben Leserchens...weiter geht's. Wieder ein Teil des Kampfes, und Azhura möge mir verzeihen...ich komme immer nur um ein (kleines) Kapitel weiter...und der Kampf ist noch nicht beendet. Aber ich kann euch versichern, dass ich den sehr gründlich geplant habe, weil es ganz schön kompliziert ist auszupassen, dass keiner was tut, was nicht zur restlichen Handlung passt. Ich geb mir echt Mühe..ich hoffe, es gefällt euch.

Wiedergeburten

Sesshoumaru spürte, wie die Kräfte der jungen Priesterin versagten. Er hatte sie die ganze Zeit beobachtet, wie sie zu seinen Füßen über dem Körper ihres Feindes kniete und ihre ganze, gegesammelte Energie nutze, um das verunreinigte Juwel in dessen Körper zu besiegen. Wie üblich bei den Menschen hatte sie alles gegeben, und er musste zugeben, dass das eine Menge gewesen war. Er hätte nie gedacht, dass das junge Mädchen in so kurzer Zeit so viele ihrer Fähigkeiten entwickelt hatte. Und die Zeit war kurz gewesen, sehr kurz. Er vermutete, dass dies die Absicht von Naraku gewesen war. Denn wäre mehr Zeit vergangen, dann hätte sie sich noch weiter entwickeln können und der Hanyou hätte keine Chance mehr gegen sie gehabt. Auch wenn er selbst nicht zu sehen gewesen war, so hatte er doch üblicherweise überall seine Späher, die ihm berichteten. Und er war gerissen. Er wusste, dass er keine Zeit mehr zu verlieren hatte, sonst würde er gegen die Mächte der Miko nicht mehr antreten können. Also hatte er die Schlacht heraufbeschworen. War diese nun zu Ende? Hatte Naraku sie wieder für sich entscheiden können?

Sesshoumaru überlegte, ob er dem geschwächten Gegner mit Tokijin ein schnelles Ende bereiten konnte. Dies würde aber nur Erfolg haben, wenn ihm keinerlei Mächte mehr zur Verfügung standen, die seine Vernichtung wieder rückgängig machen konnten. Und da war immer noch dieses dunkle Glimmen in seiner Brust. Er war noch nicht besiegt. Mit steinernem Gesicht blieb der mächtige Lord bewegungslos stehen. Eine solche Handlung würde nutzlos sein. Wäre er allein gewesen, hätte er den Ort nun verlassen. Was sollte er verweilen, wo seine Anwesenheit unnütz war? Aber er betrachtete die vielen Menschen und Dämonen, die auf diesem Platz versammelt waren, die alle zusammen gekommen waren, um ein Ziel zu verfolgen: den vor ihnen liegenden Feind endgültig zu vernichten. Sie würden es nicht können, keiner von ihnen war dazu in der Lage.

Da, die Priesterin brach zusammen. Ein Aufschrei ging durch die Menge und sein kleiner Bruder sprang sofort auf, um ihren halb über dem Feind liegenden Körper aufzunehmen und zu stützen. Verzweifelt schob er ihre die Haare aus dem Gesicht. Leichenblass lag sie in seinen Armen und rührte sich nicht.

„Kagome, was ist los mitr dir?" Der junge Hundedämon schüttelte ihren Körper ein wenig, aber er rollte nur leblos hin und her. „Kagome, nicht sterben", presste der hervor. Der Mönch und dessen kleine, kämpferische Freundin kamen herbeigestürzt, ebenfalls der junge Wolf. „Sie ist nicht tot, nur sehr schwach." Der Mönch sprach diese Worte, die genau das formulierten, was Sesshoumaru spürte.

Sango betrachtete besorgt das Gesicht ihrer Freundin, dann blickte sie hinunter zu Naraku, der immer noch bewegungslos am Boden lag. „Hat sie es geschafft? Haben wir gesiegt?" Sie wusste nicht, wem sie diese Frage stellen sollte. Sie selbst konnte die Mächte nicht zu spüren, ob gute oder dunkle. Ihr Freund, der Priester vermochte es. Doch bevor dieser antworten konnte, kam der große Hundelord ihm zuvor. „Nein, das Juwel beherbergt immer noch die dunkel Macht."

Wieder ging ein Aufschrei durch die Menge. Viele hatten den mächtigen Lord gehört. Was sollte dann nur geschehen? War denn alles umsonst gewesen? Naraku lag doch wie tot am Boden. Was sollte der jetzt noch tun können? Aber schon bewegten sich die lange Krakenarme wieder, die weit über den Fels verstreut lagen. Die Spitzen zuckten leicht, und jede Bewegung jagte den Zuschauern Angst ein.

Nein, es war nicht vorbei. Sesshoumaru blickte auf den langsam zu sich kommenden Körper unter sich. Sein Bruder hatte Kagome schützend in die Arme genommen. Bei seinem Anblick fiel ihm unweigerlich Rin ein, deren langen Haare wie die der Priesterin weit über seine Arme hingen, wenn er sie trug. Zum Glück war sie in Sicherheit, weit weg, jenseits des Brunnens und nicht direkt hier auf dem Schlachtfeld, wie die junge Gefährtin seines Bruders. Sie hatten ihre Kräfte gebraucht, konnten sie nicht schonen. Und nun lag sie hier so hilflos und verletzlich neben dem wieder erwachenden Feind. Sie war weit gekommen, beinahe hatte sie gesiegt. Dabei wusste sie doch gar nicht, wer sie war, wusste nicht, wie stark sie wirklich sein konnte. Er hatte sie nicht nur ausgesucht, weil sie die Freundin seines Bruders war. Er spürte mehr in ihr, und er wusste auch, dass nur eine Priesterin diesen üblen Schurken besiegen konnte, ein mächtige Priesterin. Sie war mächtig, aber sie wusste es nicht.

Die Neuzeit hatte ihr die Empfindsamkeit geraubt, ihre Fähigkeiten zu spüren, und ihr fehlte das Wissen über ihre Ahnen, um auch nur ansatzweise vermuten zu können, wessen Wiedergeburt sie wirklich war. Sie und die Priesterin Kikyou waren die Wiedergeburt der gleichen Seele, die wegen dem Brunnen, der die Zeiten verbindet, zur gleichen Zeit auf der Erde weilten. Kikyou wusste um die Macht, die sie besaß und auch beherrschte. Aber das junge Mädchen war völlig ahnungslos. Er hatte auch Kikyou beobachtet, hatte geprüft, ob er sie lenken konnte oder sie bereit war, seinem Ziel zu folgen. Aber der Hass, den Naraku ihr eingepflanzt hatte, blendete sie und sie verfolgte nur noch ihre eigenen Pläne. Mit einem toten Körper, kalt und verbittert, durchquerte sie die Welt. Erst hatte sie seinen Bruder verflucht, da sie meinte, dass er sie betrogen, ihr Liebe vorgetäuscht hätte, nur um an das Juwel der Vier Seelen zu gelangen. Aber Kagomes Erklärungen waren inzwischen auch in ihren vernebelten Verstand eingedrungen und sie hatte erkannt, dass es ein Blendwerk des Halbdämonen Narakus gewesen war. Seither war auch ihr Ziel der Untergang des Wesens, der ihr das angetan hatte.

Tja, sie war einem Hundedämon verfallen, war unsterblich verliebt in ihn gewesen, seinen kleinen Bruder. Ob Kikyou sich bewusst war, welche Zeitlinie sie fortsetzte, welches Schicksal sie wiederholte? Auch die Seele der Person, dessen Wiedergeburt sie war, hatte sich unsterblich in einen Hundedämonen verliebt, auch sie war eine mächtige Priesterin gewesen: Midoriko, seine Mutter. Und auch Kagome folgte diesem Muster. Ob sie wussten, warum gerade Hundedämonen so anziehend auf sie wirkten? Sesshoumaru schmunzelte trotz des Ernstes der Lage.

Die Menschen um ihn herum fingen wieder seine Aufmerksamkeit ein. Die Krakenarme des Halbdämonen fingen immer mehr zu zucken an und die ersten ergriffen erschreckt ihre Schwerter, um sie abzuschneiden. „Nein, nicht, lasst das.", wies seine dunkle Stimme sie zurecht. Sofort hielten die Kämpfer inne, hatte das Wort des Herrn des Westens doch große Bedeutung bei ihnen. „Sie enthalten ätzende Säure, und es würden alle damit verletzt werden.", ergänzte Inu Yasha, der bereits einen Kampf mit den Krakenarmen hinter sich hatte.

Nun, nicht alle, dachte sich Sesshoumaru. Ihm konnte die Säure nichts anhaben, war sie doch ein Mittel, das auch er in seinen Kämpfen anwenden konnte. Diesem Monster, das Naraku diese Arme verleiht, würde er sich noch extra widmen müssen. Aber erst stand noch etwas anderes bevor. Die Menge wurde unruhig, denn immer deutlicher wurde, dass Naraku wieder das Bewusstsein erlangte. Was würde nun geschehen? Die Schlachtgefährten hatten Angst. Sesshoumaru konnte sie riechen, diese Angst, sie überflutete den Platz. Und er konnte die Gestalt spüren, wartete ab wie lange sie sich Zeit nehmen würde, um in das Geschehene einzugreifen. All zu viel Zeit hatte sie nicht mehr, aber sie wusste ihre Auftritte zu inszenieren und sie genoss das. Er wartete ab, ignorierte die zunehmende Erregung um sich herum und blieb nur still und bewegungslos neben dem Opfer stehen.

Da, endlich trat sie heraus aus dem Schatten der Bäume, in dem sie sich unbemerkt verborgen gehalten hatte. Er wusste, dass sie sie schon die ganze Zeit verfolgt hatte, jede ihrer Bewegungen beobachtet hatte, aber sie hatte sich nie öffentlich gezeigt. Er hatte sie gespürt und manchmal auch gesehen. So viel Mühe konnte sie sich gar nicht machen, dass er sie nicht entdecken konnte. Aber er hatte den Einruck, dass es ihr auch egal war, ob er sie erkannte.

Nun trat sie hervor, und ihre Wirkung war beeindruckend. Die Meute hielt den Atem, und sie trat mit gemessenem Schritt langsam auf die offene Lichtung und den Fels zu, auf dem Naraku weit ausgebreitet lag. Ihren Bogen trug sie über der Schulter, ihre langen, blauschwarzen Haare wehten sanft im Wind. Ihre Haut war leicheblass wie immer, was war von einer Toten auch anderes zu erwarten. Langsam und erhaben schritt sie voran, die klassischen Gewänder der Priesterin, die weite, rote Hose und die schlichte, weiße Bluse hüllten ihren schlanken Körper ein.

"Kikyou?" Inu Yasha schaute ihr überrascht entgegen. Natürlich, sein Bruder hatte sie wieder einmal nicht bemerkt. Seine Sinne waren zu sehr mit dem Wohlergehen Kagomes beschäftigt. Alle Anwesenden machten ehrfurchtsvoll Platz um die Miko an ihren Feind heran treten zu lassen. Ob sie das Werk, das Kagome begonnen hatte, beenden konnte, bevor der verhasste Gegner wieder zu Kräften kam?

Unbeirrt nahm Kikyou Kagomes Platz ein, kniete über den Halbdämonen und legte ihre Hand auf dessen Brust. Sofort erhellte ein Licht die Umgebung, der ganze Platz war in ein violettes Leuchten getaucht. Zusätzlich begannen Wirbel zu kreisen, umringten die Priesterin und deren Opfer, zerrten ihre Haare nach oben und gaben ihr ein unheimliches, magisches Aussehen. Sie saß da, bleich inmitten des Lichts, umringt von den Windböen, wie ein Wesen, das nicht aus dieser Welt war. Sie schloss die Lider über ihren schwarzen Augen, und die umstehenden Kämpfer hielten den Atem an als sie sahen, dass ihre Hand in der Brust des Hanyous versank. Sie griff tief hinein, spürte den dunklen, verseuchten Kristall an der Stelle, wo andere Wesen ihr Herz beherbergten. Er war schon fast verglüht, die reinigende Macht, mit der Kagome ihn genährt hatte, war beinahe aufgesogen. Sie verlor keine Zeit mehr, ergriff das Juwel fest mit ihrer Faust und zog es aus dem Körper heraus.

Sesshoumaru blickte auf die Priesterin neben ihm und es schien ihm, als ob er seine Mutter wieder sehen würde. Zwar glich sie ihr nicht ganz von ihrem Aussehen, den Midoriko trug in ihren Schlachten eine eiserne Rüstung über ihren Priestergewändern, aber ihr Haare waren ebenso lang gewesen und vor allem beherrschte sie die Mächte wie die vor ihm kniende Kikyou. Umgeben von ihrem eigenen, funkelnden Schein erhob sie sich und hielt nun das Juwel der Vier Seelen in ihrer Hand. Es war wieder vollständig, aber ein dunkles, unheilvolles Glühen ging von ihm aus. Das Böse hatte die Übermacht in seinem Inneren. Kikyou betrachtete das runde Juwel auf ihrer Handfläche und plötzlich, völlig unvermittelt, ging ein so grelles Leuchten von ihr aus, das heller war als ein Blitz. Alle Anwesenden hielten erschreckt die Hände vor die Augen oder wandten sich ab. Keiner konnte mehr etwas erkennen. Nur Sesshoumaru betrachtete sie weiter, seine Augen waren gegen das intensive Licht gefeit. Die Priesterin schien durchsichtig zu sein, und nur aus Licht zu bestehen. Sie war die reine Energie, und mit dieser umfing sie den Kristall. Der fing an zu pulsieren, blähte sich in auf ihrer Handfläche auf und schrumpfte wieder, doch sie hüllte ihn weiter in das gleißende Licht. Blitze drangen in den runden Körper ein und erloschen wieder. Doch die mächtige Frau sandte weitere Strahlen aus, wieder und immer wieder, und mit jedem Eindringen fing das Juwel an langsam zu glimmen, diesmal nicht finster und dunkel, sondern in hellem Violett. Weiter umhüllte und durchdrang sie den Stein, und immer heller leuchtet er auf, bis er endlich so grell strahlte wie die Lichter der Priesterin. Da schloss sie abrupt die Hand und verbarg ihn in ihrer Faust. Augenblicklich verloschen die Strahlen, die sie umhüllt hatten, und die Menge konnte wieder einen Blick auf ihre Retterin werfen, die unnahbar und bleich vor ihnen auf dem Felsen stand.