So, Leute, weil Weihnachten ist: Hier das endgültige Ende, ein Feuerwerk an Happy Ends (gnnn, wie konnte ich nur), es trieft nur so vor Glück und kleiner Kinderbeinchen. Ja, Zeit der Liebe und des Glücks.
Feiert schön, enstpannt euch und lest recht viel. Und vielleicht würdet ihr ja, so zum krönenden Abschluss, ein kleines Rev da lassen wie euch die ganze Geschichte gefallen hat. Da würd ich mir zu Weihnachten wünschen...und euch, dass ihr viel Freude habt mit diesem Schluss.
Ein dickes Bussi an euch alle, hab euch ganz doll lieb
Eure Hi-chan
Der Wunsch
Gerade hatte die Erde Kikyo verschlungen. Und Naraku hatte sie mitgenommen. Kagome konnte es noch gar nicht fassen. Es war vorbei!
Kagome betrachtete den Juwel in ihrer Hand. Jetzt war sie beinahe zwei Jahre unterwegs gewesen, um den Schaden, denn sie damals mit ihrem Pfeil angerichtet hatte, wieder gut zu machen. Der Juwel war geborsten, dabei hatte sie nur verhindern wollen, dass ein heimtückischer Krähendämon ihn sich schnappen konnte. Sie war sich damals in keiner Weise ihrer Fähigkeiten bewusst gewesen, und unbedarft wie sie war, hatte sie mit ihrem magischen Pfeil den Juwel zerstört anstatt ihn zu retten. Die Splitter hatten sich über das ganze Land verteilt und waren in vielen bösen Händen gelandet. Ausführlich hatte sie beobachten können, wie die immense Macht der Splitter missbraucht worden war, wie heimtückische Wesen angezogen und sogar wiederbelebt wurden, wie Terror das Land regierte und Machtgier die Oberhand erhielten. Und der gerade im Boden verschwundene Naraku war der Obertyrann gewesen. Ob seine intensiven, aber nicht erwiderten Gefühle der Auslöser gewesen waren, dass gerade er so abgrundtief böse geworden war? Am Schluss war er ja nur noch ein Häufchen Elend gewesen, nach Liebe bettelnd, und irgendwie hat er ihr sogar Leid getan. Als sie sah, wie sanft er Kikyo in den Armen hielt, als er von ihr in die Erde gezogen wurde und welch seliges Lächeln auf seinem Gesicht stand, obwohl er dem Tod entgegen fuhr, da war sie irgendwie versöhnt worden mit dem, was gewesen war. Selbst Kikyo, die sie zu hassen, aber auch zu respektieren gelernt hatte, sah zufrieden aus. Sie hatte ihr Ziel erreicht, wenn sie auch nicht mit Inu Yasha in die Hölle fuhr. Ihr Leben hatte ein Ende, und sie hatte den mit hinab gezogen, der es ihr vorher schon zur Hölle gemacht hatte.
Seufzend lehnte sich das junge Mädchen zurück in Inu Yashas Arme.
Ihr wurde schwindelig, der Juwel übertrug irgendwelche Schwingungen auf sie. Einerseits fühlte sie sich klarer, ihre Erschöpfung verschwand zusehends, aber da passiert noch etwas anderes. Sie wusste nur nicht was. Der junge Halbdämon bemerkte ihre Schwäche und fasste sie fester. „Geht es? Geht es dir gut?" Seine amberfarbenen Augen blickten sie besorgt an. „Ja, danke, es geht schon." Kagome nickte abwinkend, merkte, wie alle sie beobachteten. Viele Blicken hingen magisch an der hell leuchtenden Kugel in ihrer Hand. Was sie wohl alle dachten? Auch sie selbst blickte wieder den runden Kristall fasziniert an. So viel Ärger, so viel Schmerz und Kampf, so viel Gier und nur wegen diesem kleinen Ding in ihrer Hand. Jetzt war es vorbei. Er war wieder hergestellt. Und voller Macht. Sie spürte, wie sie von ihr durchdrungen wurde. Ein wilde, ungestüme Macht, drängend und geheimnisvoll. Was stellte sie in ihr an? Sie fühlte sich energiegeladen wie noch nie in ihrem Leben, und das nach einem solch ermüdenden Kampf, nach so anstrengenden zwei Jahren ihres Lebens. Manchmal hatte sie gedacht, sie könne nicht mehr weiter. Das Doppelleben in den zwei Welten, der Versuch, einigermaßen durch die Schulprüfungen zu kommen und trotzdem alles Übel von den Menschen in der mittelalterlichen Welt fern zu halten, machten sie todmüde. Und wenn Inu Yashas Liebe nicht gewesen wäre, sein Mut, die Selbstverständlichkeit, mit der er sein Leben und all seine Kraft einsetzte, um die Feinde zu zerstören, die Freunde zu retten oder einfach ein paar Menschen aus einem Dorf zu schützen, die sie um Hilfe gebeten hatten, hätte sie längst aufgegeben. Aber sie konnte doch ihre Freunde nicht enttäuschen, die Verantwortung einfach abwälzen, musste gerade stehen für das, was sie angerichtet hatte. Und nun, wo sie dachte, sie würde zwei Woche nur schlafen müssen, um sich von dem ganzen Stress zu erholen, saß sie da und fühlte sich, als ob sie sofort aufbrechen könnte, um den Heiligen Fuji zu besteigen. Was ging da in ihr vor?
Der Juwel der Vier Seelen, hier auf ihrer Handfläche lag er nun. In ihm lag unbeschreibliche Macht. Was hatte Kikyo gesagt? Er könne sogar einen Dämon in einen Menschen verwandeln. Er könne einen Wunsch erfüllen. Einen Wunsch…Kikyo hatte ihn aufbewahrt, hatte ihn ihr Leben lang verteidigen müssen gegen unerlaubte Zugriffe, gegen die Gier der Dämonen, die ihre Macht damit vergrößern wollten. Auch ein gewisser, rot gekleideter Hundejunge hatte dazu gehört. Er hatte mit ihm stärker werden wollen, sich in einen vollen Dämon verwandeln wollen, damit er nicht mehr als Hanyou, als Halbdämon, verspottet würde.
Sie wandte ihren Blick ihrem jungen Freund zu. Bei ihm war sie sich ziemlich sicher, dass dies nicht mehr sein Ziel war. Doch sein Blick hing an dem Kristall auf ihrer Handfläche. Gebannt starrte er ihn an. Etwas erschrocken blickte Kagome zu ihm auf. Ob er sich nun doch wünschte, ihn zu besitzen? Was er jetzt wohl dachte? Wieder wurde ihr schwindelig, sie schloss die Augen, um dagegen anzukämpfen, und auf einmal hörte sie eine Stimme. Ganz leise, wie ein Flüstern, hörte sie Inu Yashas Stimme in ihrem Kopf.
„Dieses verfluchte Mistding. Da liegt es so unschuldig und leuchtet wie so ein Leuchtstab aus Kagomes Welt. Dabei hatte es so viel angestellt. Ihr Leben ruiniert, sie gehetzt und fertig gemacht…und Kikyos Leben hat es auch zerstört. Dieses verdammte Drecksding. Und ich bin dem blöden Teil auch mal hinterher gerannt. Ich wäre froh, wenn es verschwinden würde und wir endlich Ruhe hätten. Damit ich Zeit für sie habe, endlich Zeit…"
Kagome öffnete erstaunt die Augen. Er blickte sie liebevoll an, zärtlich, und fasste sie enger in seine Arme. Er hatte das gerade gedacht!!! Sie hatte seine Gedanken gelesen. Das musste der Kristall sein, der ihr diese Fähigkeit verlieh. Und ihr Inu wollte, dass er verschwand. Und was wollte sie? Welche Möglichkeiten gab es denn? Wie würde ihr Leben denn nun aussehen? Wie würde es weiter gehen? Der Juwel musste behütet werden von einer Priesterin, damit keine Dämonen ihn missbrauchen konnten…und auch keine machtgierigen Menschen.
Oh je! Sie seufzte auf. Das hieß, dass sie ständig aufpassen musste, eigentlich ständig in dieser Welt bleiben oder doch dauernd vorbei schauen musste, ob alles beim Rechten war. Gut, sie wollte ihre Freunde immer wieder treffen, natürlich mit Inu Yasha zusammen sein. Aber der konnte durch den Brunnen kommen und sie in ihrer Welt besuchen. Und da sie ihn in einen Menschen verwandeln konnte, war es ihm doch möglich, in ihrer Welt unauffällig und unerkannt zu bleiben, solange er wollte. Sie lehnte sich in seine Arme zurück, verfiel dem verlockenden Tagtraum, dass sie sich in einem Restaurant befand mit ihm, er in Jeans und ein T-Shirt, ganz normal aussehend, keine Hundeohren, ausgehend wie andere Paare auch. Nur sah sie ihn dann vor sich, wie er das Essen in sich hinein schaufelte, so dass alle Menschen entsetzt zu ihrem Tisch starrten. Nein, das war vielleicht doch keine so gute Idee. Plötzlich drängte sich ihr ein anderes Bild auf. Ihre Mutter, ihr kleiner Bruder und Inu Yasha am Strand, der Opa saß im Sand, Inu Yasha spielte mit Souta Ball. Oder sie war an der Uni, unterrichtete japanische Geschichte im Spezialgebiet Mittelalter. Sie war zur Dozentin berufen worden, obwohl sie so jung war, weil sie ein ungewöhnliches Detailwissen über diese Zeit vorweisen konnte. Sie kicherte in sich hinein. Keiner wusste, dass sie ihr Wissen direkt vor Ort, oder besser ‚vor Zeit' vertiefen konnte. Sie machte gerade ihren Doktor, wurde gewürdigt für ihre hervorragenden Kenntnisse auf der ganzen Welt. Sie sah ein Haus, ihr Haus, ein schöner Bungalow in der Nähe des Tempelberges ihrer Familie. Sie wohnte da mit Inu Yasha zusammen…seltsam, so etwas hatte sie sich noch nie vorgestellt. Woher kamen diese Gedanken? Es sah so real aus. Und sie wollten Kinder haben, wenn sie mit der Doktorarbeit fertig war. Was war das? Die…Zukunft??? Verblüfft schaute sie Inu Yasha an. Sie hatte ihn gerade gesehen, wie er in der Küche stand, wie er wie ein Wilder mit Töpfen und Pfannen hantierte, weil er Hunger hatte und inzwischen selbst Essen zubereiten konnte…und für sie kochte...und auf einmal für mehrere kleine Kinder, süßen Fratzen, die immer vor Freude glucksten, weil sie sich über Papas wilde Späße so amüsierten. War das ihre Zukunft? Sie hielt sich an Inu Yashas Ärmel fest. Ein so schönes Leben stand ihr bevor? Mit ihm? Das war ja wunderbar….ihr Herz klopfte heftig vor Freude. Der junge Hundedämon spürte ihre Verwirrung. Sie hatte gerötete Wangen und blickte ihn so seltsam an. Er senkte den Kopf, flüsterte ihr zu. „Was ist? Geht es dir wirklich gut?!" Sie nickte heftig, fing zu strahlen an. Ja, es ging ihr gut, und wie. Wenn das die Zukunft war, dann ging es ihr phantastisch. Aber, konnte sie wirklich die Zukunft sehen? Oder war das nur ihre Fantasie, die mit ihr durchging? Sie schüttelte den Kopf. Was sollte sie von diesen seltsamen Gedanken halten? Sie sollte sich besser überlegen, was sie mit dem Juwel anfangen sollte. Konnte sie jemandem damit helfen? Sie selbst benötigte seine Macht nicht, und Inu Yasha auch nicht. Sie blickte in die Runde.
Kouga stand vor ihr und schaute sie besorgt an. Wie immer lag ihm ihr Wohlergehen sehr am Herzen. Er hatte für den Sieg über Naraku seine beiden Kristallsplitter hergeben müssen. Ob er sauer deswegen war? Immerhin hatten sie ihn schnell gemacht wie keinen anderen Wolf. Sie fixierte ihn, sah ihn gedankenverloren an. Und plötzlich, auch bei ihm erklang auf einmal seine Stimme in ihrem Kopf.
„Wird Zeit das der Kampf endlich zu Ende ist. Dieser Mistkerl Naraku ist endlich von der Erde verschwunden. Und wir haben wieder Ruhe. Dann hab ich endlich Zeit für Ayame. Ich freu mich so auf sie. Mit ihr durch das Revier ziehen, die Sonne genießen. Und nicht immer durch die Gegend rennen. Ginta und Hakkaku werden so froh sein, mir endlich folgen zu können. Was habe ich die Beiden geplagt mit meiner Rennerei. Jetzt ist es vorbei, kein Rasen mehr nötig. Endlich Ruhe.."
Kagome lächelte. Da war also noch einer froh, dass Naraku besiegt war. Und von Trauer wegen der fehlenden Splitter keine Spur. Sie erhaschte ein Bild von Kougas sonnenbeschienener Höhle in den Bergen mit einigen kleinen Jungwölfen davor, die friedlich spielten. Dann tauchten Kinder auf mit roten Haaren und grünen Augen, auch ein Junge mit einem Stirnband und blauschwarzen Haaren. Die Kinder tobten vor der Höhle, sprangen lachend in den See, badeten gemeinsam mit den jungen Wölfen, die sie an den Ohren und an den Schwänzen zogen. Also auch hier Glück und Freude, kein Bedarf, einzugreifen. Sie musste wirklich seine Zukunft sehen, denn sie hatte sich bisher noch nie Gedanken über Kougas Zukunft gemacht.
Neben ihm stand Bankotsu auf sein riesiges Schwert gelehnt. Blut klebte auf seinem Gewand, und er atmete noch immer schwer. Er hatte wohl bis zuletzt gegen die Dämonen gefochten. ‚So, vorbei! Endlich! Vorbei das Blutvergießen, vorbei das Abschlachten, das Töten für Geld. Nie wieder! Sobald ich kann, hau ich hier ab. Dort in der Höhle liegt sie, und ich hol sie da raus. Hoffentlich wird sie wieder ganz gesund. Sonst bitte ich Kagome noch einmal…' Auch seine Gedanken drangen in ihren Kopf. Es ging immer leichter, sie zu lesen. Und Kagomes Gedanken blickten weiter, sahen eine komfortable Hütte, abgelegen, weit weg von jeder menschlichen Siedlung. Kagome erkannte Bankotsu, wie er einen Wasserbüffel über ein Reisfeld lotste, um es zu pflügen. Er schien vollkommen friedlich dabei, genoss sie Sonne, die auf seinem Nacken brannte. Das hätte sie nicht gedacht, dass der ewige Krieger sein Dasein so ändern würde und zu einem Bauern würde, der die Erde bestellte anstatt sie mit Blut zu tränken. Sie sah auch seine Rangeleien mit der wieder völlig gesundeten Kagura, und wie sie in der Hütte saßen und redeten, stundenlang, nächtelang, wie sie in seinen Armen lag und sie beide einfach nur glücklich waren. Das diese Beiden echt ein Paar geben würden?
Weiter wanderte ihr Blick. Sango und Miroku, und der kleine Kohaku. Kohakus Kopf war erschreckend leer. Hier sah sie nur die Gräueltaten, die er auf Geheiß Narakus ausführen hatte müssen. Bodenloser Schmerz erfüllte ihn, völlige Mutlosigkeit, aber auch die Befriedigung, dass Naraku nie mehr sein Leben bestimmen würde. Die warme Hand seiner Schwester auf seiner Schulter machte ihm ein wenig Mut. Mit ihr zusammen würde er bestimmt wieder Freude am Leben finden. Sango war erfüllt von Sorge um ihren Bruder. Doch ihn endlich bei sich zu haben, war ihr die Erfüllung ihres größten Wunsches... So oft war ihr diese Freude wieder genommen worden, weil der verhasste Naraku immer wieder den Bruder erpresst hatte und entführen hatte lassen. Aber Naraku war nun ein für alle mal aus dieser Welt gegangen, und jetzt konnte sie wieder mit ihrem Bruder zusammen sein, eine Familie haben und musste nicht mehr heimatlos durch die Welt ziehen. Und er, Miroku, dessen Hand auf ihrer Schuler lag, ob er sein Versprechen halten und sie zur Frau nehmen würde? Warum rüttelte er denn so an ihrer Schulter? Kagome sah wie Sango den Kopf hob, um nach Miroku zu sehen. Der hatte seine Hand von ihrer Schulter genommen, um sich die Gebetsperlenschnur von der rechten Hand zu nehmen. Sollte etwa??? Kagome schaute genau hin. Ja, das Kazaana war verschwunden. Die Handfläche sah aus wie die jedes normalen Menschen, kein schwarzes Loch mehr. Seine Gedanken schrieen ihr regelrecht entgegen. ‚Ich bin frei, das verdammte Loch ist weg. Der Fluch, er ist vorbei!' Er riss Sango in seine Arme, Kohaku schaute verdutzt zu dem sich umarmenden Paar hinauf. Kagome erhaschte weitere Einblicke: Sie sah das wieder aufgebaute Dorf von Sangos Familie, jedes Haus war wieder bewohnt. Sango und der fast erwachsene Kohaku trainierten eine stattliche Gruppe von Dämonenjägern. Kohaku war verheiratet mit einer schlanken Kämpferin, Miroku war der Priester des Dorfes, erfüllte seine Aufgabe jedoch nicht sonderlich diszipliniert, jedoch mit viel Witz und Erfolg bei den Bewohnern. Viele kleine Kinder sprangen ständig um ihn herum, die er meisterlich unterrichtete, auch darin, wie man das weibliche Geschlecht am besten betören konnte. Drei der Kinder schienen seine zu sein, und sie petzten seine ungewöhnlichen Unterrichtsmethoden bei der Mama, die ihn dann ausgiebig schimpfte…und ihm doch nicht böse sein konnte. Kagome war erleichtert. Kohaku war zwar ein sehr ruhiger, junger Mann geworden, aber die Schäden seiner Seele waren geheilt. Und Miroku hatte sein Wort gehalten und ihre beste Freundin geheiratet.
Und nun blieb ihr Blick auf Sesshoumaru hängen. Unbeweglich wie immer stand er etwas abseits und beobachtete den Trichter, in dem die Priesterin mit ihrem Opfer verschwunden war. Lange zögerte sie. Sollte sie wirklich ihre neue Fähigkeit nutzen um in seine Gedanken einzudringen? Würde er es merken? Sie hatte immer den Eindruck gehabt, dass er selbst Gedanken lesen konnte. Und wie zur Bestätigung hörte sie schon seine Stimme. ‚Was willst du?' Erschrocken sah sie zu ihm hinüber. Seine Augen ließen erkennen, dass er ihr Eindringen gespürt hatte. ‚Verzeih, ich, ich kann wohl jetzt Gedanken lesen. Und ich versuche heraus zu finden, wem ich mit der Macht des Juwels helfen und einen Wunsch erfüllen kann.' Er lächelte kaum merklich. In seine Gedanken konnte sie nicht eindringen, aber sie konnte sich mit ihm unterhalten. ‚Mir brauchst du nicht zu helfen. Ich habe alles, was ich brauche. Seit wann kannst du Gedanken lesen?' Kagome lächelte zurück. ‚Seit gerade eben, seit ich den Kristall in Händen halte. Und ich kann auch die Zukunft sehen. Möchtest du sie sehen?' Vorsichtig fixierte sie sein Gesicht. Da wagte sie sich weit vor. Er blockte sonst alle Einmischungen in sein Leben ab. Nie hatte er sie um etwas gebeten, nie etwas gewollt. Und wie erwartet, war auch jetzt keinerlei Zeichen einer Zustimmung auf seinem Gesicht zu erkennen. Ruhig und unbewegt stand er da, die stille Brise lies seine mitgenommenen Gewänder hin und her wehen, die silbernen Strähnen wischten sanft über den Halbmond auf seiner glatten Stirn. Völlig teilnahmslos wirkte sein schmales Gesicht und kein Mensch würde erraten, dass er sich gerade mit der jungen Priesterin unterhielt. Dennoch ließ sich Kagome in die Gedanken an zukünftige Ereignisse sinken. Gleichzeitig tastete sie nach einer Abwehr des Dämonenlords, einer Barriere, fand jedoch keine. Sollte er tatsächlich doch neugierig auf seine Zukunft sein und sie sehen wollen? Sie fing seinen Blick ein, hob fragend die Braue. ‚Kannst du nicht einmal ein Zeichen geben?' Verärgert über seine Ignoranz überflutete sie ihn einfach mit den Gedanken, die sie in sich hochsteigen ließ. Und er nahm sie tatsächlich auf, jedoch ohne eine Regung zu zeigen. Sie sah Rin an seiner Seite sitzen, mit dem gewölbten Bauch einer weit fortgeschrittenen Schwangerschaft. Sie war zur Frau gereift, einer bildschönen sogar, edel gekleidet und umgeben von vielen Dienerinnen. Das Schloss war wieder bewohnt, viele Menschen dienten mit Freude und Respekt dem Herrscherpaar, das schon viele Jahrzehnte über die Gegend regierte, in treuer Allianz mit anderen Herrschern, sowohl Menschen als auch Dämonen. Dankbarkeit erfüllte das Volk, der große Lord war gerecht und zurückhaltend. Die Herrin erfüllte das Schloss mit ihrer Heiterkeit, ebenso ihre Kinder. Alle Kinder auf dem Schloss wurden von der Herrin selbst unterrichtet, auch die der niedrigsten Magd. Sie bestand darauf, es würde in der Zukunft so Brauch werden, berichtete sie immer voll Überzeugung. Wieder war ein Nachkomme zu erwarten, denn die Herrin schien kaum zu altern, obwohl sie menschlich war. Eine Priesterin hatte ihr diese Fähigkeit einst verschafft, die einen Alterungsfluch aufgehoben hatte.
Plötzlich waren alle Gedanken abgebrochen, nur Schwärze umfing Kagome. Ein Blick zu Sesshoumaru versicherte ihr, dass er wohl genug gesehen hatte und die Verbindung wie auch ihre Fähigkeit, seine Zukunft zu sehen, abgebrochen hatte. Er nickte ihr kaum merklich zu, wohlwollend zum Glück. Sie hatte schon Angst, ihn verärgert zu haben.
Wieder ein glückliches Schicksal. Sie jubelte innerlich, drückte Inu Yashas Hand, die sie aufgeregt ergriffen hatte. Er wusste nicht, was sie hatte, was sie so aufwühlte, aber das war er schon langsam gewohnt. So hielt er sie einfach nur fest.
Ihr Blick glitt weiter. Kaede stand da mit Rai. Er hatte seine Kräuter ausgepackt und kümmerte sich gerade um ein paar leichte Verletzungen eines Soldaten neben ihm. Dank Sesshoumarus Einsatz von Tenseiga waren keine Toten zu beklagen gewesen. Welch glücklicher Ausgang der Schlacht. Kagome konnte seine große Freude spüren. Kaede kauerte an seiner Seite. Bewunderung für sie selbst schlug Kagome entgegen, und tiefe Dankbarkeit, dass Kikyo, ihre Schwester, endlich ihr Schicksal annehmen hat können. Die alte Frau freute sich, und Kagome sah sich schon mit Rai im Dorf ankommen und ein ruhiges Leben führen, endlich mit einem Mann an ihrer Seite. Aber auch dunkle Gedanken gingen der alten Priesterin durch den Kopf. Das Juwel war zwar gerettet, aber es könnte auch wieder Ärger bringen…
Ja, Kagome runzelte die Stirn. Es zog mit seiner Macht bestimmt auch weiterhin die Schwachen und Arglistigen an und musste verteidigt werden. Keiner der Menschen hier hatte einen Wunsch, außer dem einen: endlich Ruhe zu haben und in Frieden leben zu können. Und da wusste Kagome, was sie tun musste. Ihr Blick kehrte zurück zu dem intensiv leuchtenden Juwel auf ihrer Hand. Sie schloss die Augen und wünschte sich, was der Wunsch aller Wesen war, die hier versammelt waren.
Ein lautes Zischen war zu hören, der Kristall glomm blendend weiß auf. Die Umstehenden mussten die Augen verschließen oder die Hand erheben, um sich vor der grellen Strahlung zu schützen. Die gleißende Helligkeit erstarb und übrig blieb das goldene Leuchten der langsam untergehenden Sonne. Der Juwel war verschwunden, der Wunsch der Priesterin war erfüllt. Nur der Lord des Westens kannte ihren Wunsch genau, die anderen vermuteten ihn nur. Sie hatte sich gewünscht, dass der Kristall für immer verschwinden möge.
