Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld.
Vampire – Bite in the Hell of Feelings – Wanderungen bei Nacht
Müde starrte Hermione auf ihr unberührtes Mittagessen,
während sie mit der Gabel darin lustlos rumstocherte. Hin und
wieder führte sie diese dann mit einem kleinen Bissen zum Mund,
ließ sie aber dann im letzen Moment wieder sinken. Es wollte
einfach nichts hinunter.
Ginny saß währenddessen neben
ihr und betrachtete das Treiben ihrer älteren Freundin mit einem
scharfen Blick.
„Also, wenn ich es nicht besser wüsste,",
meinte sie dann. „würde ich sagen, du hast
Liebeskummer."
Hermione hob den Kopf und sah sie lustlos an.
Schließlich zuckte sie mit den Achseln. „Vielleicht."
Nun war Ginny sichtlich überrascht. Normalerweise hätte
sie erwartet, dass Hermione es laut protestierend abstreiten würde,
aber sie machte sich nicht einmal die Mühe dies zu tun!
„Na,
dann muss es aber sehr schlimm sein.", stellte sie fest. „Wer ist
denn der Dumme?"
Hermione erwiderte nichts. Sie sah wieder auf
ihr Essen und Ginny wusste, dass sie kein Wort sagen würde, doch
so schnell gab sie nicht auf. „Mein Bruder?"
Sie schüttelte
den Kopf.
„Seamus Finnigan?"
Wieder kopfschütteln.
„Dean
Thomas?"
Kopfschütteln.
Ginny stutzte und sah Hermione
dann misstrauisch an. „Harry Potter?"
Sofort gewann sie damit die Aufmerksamkeit Hermiones. Entsetzt
blickte sie Ginny an und schüttelte dabei heftig den Kopf.
„Nein! Ginny ich würde dir doch niemals Harry wegnehmen!"
„Das
weiß ich.", grinste Ginny und nahm einen Schluck Kürbissaft.
„Aber wer ist es denn nun?"
Ihre Freundin seufzte, lehnte sich
zurück und schob ihren Teller weg. „Du würdest es mir nie
glauben. Vergiss es einfach, okay Ginny?"
Dann sprang sie auf
und hastete unter dem verwunderten und etwas beleidigten Blick ihrer
Freundin aus der Großen Halle.
Wirklich gerne hätte sie Ginny von Lucien erzählt, doch
sie bezweifelte, dass sie ihr glauben würde. Wenn Hermione
ehrlich war, dann glaubte sie sich selbst nicht wirklich. Konnte es
Lucien geben? Einzusehen, dass es ihn gab, war nach ihrem Streit
eben, besonders schwer. Dies würde dann bedeuten: wirklicher
Abschied. Ein Abschied wäre aber dann nicht so schmerzhaft, wenn
er sowieso nie existiert hätte...
Was aber diese ganze
Situation verschlimmerte war jemand, mit dem sie überhaupt nicht
gerechnet hatte. Draco Malfoy.
Hermione wusste nicht, wie sie ausgerechnet auf ihn kam. Als sie
aber heute das Klassenzimmer verlassen und ihn angesehen hatte, war
da aber etwas tief in ihr, dass bei seinem Anblick „Lucien!",
geschrien hatte.
Am liebsten würde Hermione ihre innere
Stimme abermals schelten. Es war nicht nur lästig, sondern auch
schlicht weg einfach unmöglich. Sie weigerte sich, sich selbst
als verrückt zu bezeichnen, denn der Gedanke daran, dass
zwischen den beiden eine Verbindung bestand, war nur las
verrückt zu bezeichnen...
Die nächste Nacht war die reinste Qual. Nicht nur, weil Hermione es anfangs überhaupt nicht gelang einzuschlafen, sondern auch, weil sie Lucien nicht begegnete. Sie sehnte sich mehr nach ihm, als sie es zugeben wollte.
Im nachhinein wusste sie auch nicht, wieso sie so heftig reagierte hatte, als er sagte, dass sie sich nicht mehr sehen konnten. Vielleicht gab es dafür ja einen ganz einfachen Grund? Der Gedanke daran, es würde ihn nicht geben, machte Hermione jedoch fast wahnsinnig.
Missmutig presste sie ihre Augen zusammen und versuchte krampfhaft
in den seligen Schlaf zu gleiten. Nach ein paar Minuten öffnete
sie wieder verärgert ihre Augen und ging hinüber zum
Fenster, das weit geöffnet stand und das Mondlicht in all seiner
Pracht hineinließ.
Aber der Blick auf den Verbotenen Wald
ließ Hermione nur noch wehmütiger werden. Still lag er da
und vollkommen friedlich. Man mochte überhaupt nicht glauben,
dass darin grausame Kreaturen existierten und ein Betreten keine
Garantie auf ein wieder Entkommen war.
Auf einmal aber ergriff Hermione eine Hoffnung, die ihr so unreal und doch vollkommen einleuchtend schien. Nicht einmal eine Sekunde schenkte sie ihrem Hirn das Für und Wieder abzuwiegen, so schnell sie konnte hastete sie hinüber zu ihrem Schrank, kramte nach einer Jeans und einem T-Shirt und zog sich an. Es würde schwer werden aus dem Schloss zu kommen, dass wusste sie, deswegen brauchte sie auch die Hilfe Harrys.
Keine zwei Minuten später fand sie sich auch in seinem Schlafsaal wieder, dessen Stille von dem sägendem Schnarchen Rons und Nevilles unterbrochen wurde. Bei deren Anblick verzog Hermione gequält das Gesicht. Nicht nur, weil es ihnen überhaupt gelungen war einzuschlafen, sondern auch weil sie einfach nicht verstehen konnte, wie Menschen solch grausame Töne von sich geben konnten.
Das aber sollte sie nicht länger aufhalten. Schnell huschte
sie zu Harrys Himmelbett hinüber, legte ihre Hand sanft auf
seine Schulter und rüttelte ihn etwas leicht. „Harry?"
Ihr
bester Freund murrte fast unmerklich, drehte sich dann auf die andere
Seite.
Hermione verstärkte das Rütteln. „Harry! Wach
auf!"
Harry drehte sich wieder und blinzelte verschlafen mit
ärgerlicher Miene auf. „Was'n?", fauchte er und staunte
dann nicht schlecht, als nach ein paar Sekunden das Gesicht Hermiones
vor sich erkennen konnte.
„Hermione? Was machst du denn hier?
Weißt du wie spät es ist?"
„Natürlich.", erwiderte sie ihm schnell. „Denkst du
denn ich komme zum Kaffeekränzchen vorbei? Ich brauch deine
Hilfe."
„Wieso denn?", hackte Harry nach. Sein Interesse
schien geweckt, gleichzeitig wirkte er nun auch etwas besorgt. „Du
hast dir doch nicht irgendwo Ärger eingehandelt?"
„Nein,
natürlich nicht. Genauer gesagt brauche ich nicht wirklich deine
Hilfe, sondern eher die deines Tarnumhangs."
Misstrauisch hob er
die Braune. „Was hast du damit vor?", wollte er wissen. „Sag
nicht, dass du in Snapes Büro einbrechen willst, um deine Note
von einem ‚Erwartungen übertroffen' auf ‚Ohnegleichen'
hochzustufen."
„Harry! Was denkst du denn von mir?", rief sie empört
aus. An ihrer Miene konnte Harry aber sehen, dass sie der Gedanke
daran, dass Snape ihre Arbeit nie wirklich zu würdigen wusste,
mehr als wurmte.
„War nur so ein Gedanke.", grinste Harry.
„Aber was hast du dann wirklich damit vor?" Hermione biss sich
auf die Unterlippe. Auf diese Frage war sie natürlich
vorbereitet und sie würde die Wahrheit erzählen, doch
trotzdem fiel es ihr doch schwer.
„Ich will in den Verbotenen
Wald."
Harrys Reaktion war genau die, die Hermione von ihrem erwartet
hatte. Sein Mund klappte auf und er starrte sie mit geschocktem
Ausdruck an. „Was? In den Verbotenen Wald?"
„Eigentlich
heißt es ja ‚wie bitte', doch ich ignoriere das mal.",
entgegnete sie ihm spöttisch und meinte dann bittend: „Harry
ich kann es dir wirklich nicht lange erklären, du musst mir
einfach nur deinen Tarnumhang geben. Bitte."
„Aber... der Wald
ist gefährlich, Hermione."
Der Gesichtsausdruck in ihrem
Gesicht verwandelte sich zum einer ärgerlichen Miene. „Das hat
dich aber auch nie aufgehalten dort hinein zu gehen."
„Es war
aber notwenig gewesen."
Sie nickte. „Genau, und heute ist es notwenig für mich. Ich
lass dich in Ruhe weiterschlafen, aber zuvor musste du mir einfach
den Umhang geben."
Ein etwas ärgerlicher Harry murrte ein
paar Worte, die Hermione nicht recht verstand, aber es war ihr auch
egal. Er schob seine Decke beiseite, kroch aus dem Bett und beugte
hinab auf den Boden um seinen schweren Koffer unter dem Bett
hervorzuschieben. Nach ein paar Sekunden holte er auch schon ein
langes, silbernes Stück Stoff daraus hervor, dass wie
Flüssigkeit zu wirken schien.
Mit einem ernsten Gesichtsaudruck drückte er ihn der
erleichtern Hermione in die Hand. „Aber pass ja darauf auf...",
meinte er.
Hermione nickte hastig.
„... und pass vor allem
auf dich auf.", fügte er dann hinzu.
„Natürlich."
„Morgen
erwarte ich dann, dass du mir erzählst, was du da drin gemacht
hast."
Sie fiel ihrem besten Freund um den Hals und sah ihn
dankend an. „Ich erzähl dir alles, versprochen."
Bevor
sie wieder aus dem Schlafsaal der Jungs verschwand, zwinkerte sie
Harry noch danken zu und schloss dann vorsichtig die Tür hinter
sich.
All ihre Träume hatten sich immer im Verbotenen Wald abgespielt und das musste doch eigentlich bedeuten, dass Lucien sich im Verbotenen Wald befand. Es war ein relativ kleiner Funken Hoffnung. Hermione versuchte aber alles um ihn nicht erlischen zu lassen.
Im Schloss herrschte eine Totenstille. Hin und wieder traf
Hermione auf Geister, wie zum Beispiel den Blutenden Baron oder den
Fast Kopflosen Nick. Sie konnte sie glücklich schätzen,
dass dieses Stück Stoff sie vor ihren Blicken schütze,
sonst würde sie sich schneller im Büro von Dumbledore
befinden, als ihr lieb war.
Als sie jedoch auf einmal Schritte
vernahm, zog sich ihre Brust zusammen und ihr Herz schlug schneller.
Sie musste schlucken und blieb sogar stehen, um ja keine
Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Die Schritte kamen immer näher und näher. Langsam
schlichen sie auf der anderen Seite des Flures und Hermione wusste,
dass es nicht mehr lange dauern würde, bis der Besitzer dieser
Schritte um die Ecke bog.
In Gedanken malte sie sich schon die
verschiedensten Lehrer aus und auch, was sie mit ihr machen würden,
falls sie sie entdeckten.
Auf einmal kam auch schon die unbekannte
Person um die Ecke. Hermione konnte sie aber nicht ausmachen, denn
sie hatte sich nicht getraut ihren Zauberstab auch nur zu benutzen um
sich Licht zu machen. Die andere Person schien auch keinen Zauberstab
zu benutzen.
Schnell zwang sich Hermione dazu die Luft anzuhalten, damit sie ja keine Aufmerksamkeit erregte. Die Person kam immer näher auf sie zu und drohte direkt mit ihr zusammen zu stoßen. Hermione machte vorsichtig einen Schritt zur Seite, um dies zu verhindern. Das war aber zu viel des Guten. Ein lautes knirschendes Geräusch ertönte und sie hatte das Gefühl, als würde ihr das Herz in die Hose sinken. Gerade eben war sie mir ihrem Ausweichmanöver gegen eine der alten schweren Ritterrüstungen, die sie übersehen hatte, getreten.
Die Schritte verstummten. Hermione konnte erkennen, die sich die
schwarze Gestalt umwandte und nach der Ursache des Geräusches
suchte. Sie stand nun nur noch einen Meter vor Hermione
entfernt.
„Hallo?", rief die Person plötzlich.
Hermione
zuckte erschrocken zusammen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Nachdem
sie aber den Schreck überwunden hatte, merkte sie, dass sie die
Stimme keinem der Lehrer zuordnen konnte. Auch klang sie weder
selbstbewusst, noch unbedingt wissend. Das bedeutete mit anderen
Worten, ein Schüler schlich - genauso wie sie - in den Gängen
umher.
Trotzdem war das aber für Hermione kein Grund, sich erkennen
zu geben. Still verharrte sie an ihrem Platz und wünschte sich,
er würde so schnell wie möglich wieder verschwinden.
Die
Person vor ihr, schien aber Selbstvertrauen gewonnen zu haben. „Ist
hier irgendjemand?", fragte er erneut.
Hermione schluckte.
Männlich, stellte sie fest und es dauerte auch nicht
lange, bis sie wusste, wem diese Stimme gehörte. Draco Malfoy...
Ihr Brustkorb fühlte sich jetzt nicht nur so an, als würde jemand darauf herumtrampeln, sondern auch ihr ganzer Körper schien nun wie gelähmt. Jede einzelne ihrer Fasern war alarmiert und wartete schon panisch darauf, dass er sie entdeckte. Malfoy bei einer verbotenen Tat zu begegnen, war genauso wie Snape direkt in die Arme zu laufen – daran sah Hermione letztendlich keinen Unterschied mehr.
„Ich weiß, dass hier wer ist.", meinte Malfoy nun mit
scharfer, wissender Stimme.
„Potter?"
Das Grinsen in seinem
Gesicht war nicht zu überhören und Hermione konnte er sich
auch schon bildlich vorstellen. Gleichzeitig überraschte es sie
nicht, dass er auf Harry kam. Er wusste von dem Tarnumhang und auch,
dass Harry, zusammen mit Ron und ihr, schon viele ‚Schandtaten'
damit begangen hatten. Es würde sie nicht überraschen, wenn
er jeden Tag mit dem Vorsatz aufstehen würde, sie heute zu
überführen. In dieser Hinsicht war er genauso wie Snape.
Plötzlich flüsterte Malfoy etwas und ein helles Licht
erleuchtete. Hermione musste kurz geqäult ihre Augen
zusammenpressen und öffnete sie dann wieder. Er hatte mit Hilfe
seines Zauberstabes Licht heraufbeschworen und das weckte in ihr kein
gutes Gefühl. Anscheinend würde es noch etwas dauern, bis
sie ihren Weg fortsetzten konnten, denn er schien wild
entschlossen.
Langsam trat er voran. „Potter, ich weiß
ganz genau das du hier bist. Ich kann dich ja fast schon riechen."
Falsch gerochen, kam es Hermione spöttisch in den
Sinn. Trotzdem aber keineswegs beruhigend. Während er näher
kam, trat Hermione zurück. Den Mut, einfach an ihm, so leise wie
möglich, vorbei zu huschen, konnte sie nicht aufbringen.
Auf
einmal führte Malfoy etwas auf, was Hermione im ersten
Augenblick vermuten ließ, er wäre nun vollkommen verrückt
geworden. Wie wild geworden fuchtelte er mit dem Zauberstab in seiner
Hand vor sich rum und kam immer näher. Sie konnte diesen Versuch
sie zu finden eigentlich nur müde belächeln, denn es war
ihr ein leichtes auszuweichen, auf einmal allerdings fiel ihr wieder
die Rüstung ein. Schnell sah sie nach ihr, um sicher zu gehen,
dass sie sich nicht in ihrer Nähe befand, und wurde plötzlich
auch schon von Malfoys Armen getroffen.
Malfoy, der sein Treffen gespürt hatte, legte nach. Mit aller Kraft die er besaß, stürzte er auf Hermione und warf sie zu Boden. Hermione stieß einen kleinen Schrei aus. Aus Überraschung, als auch, weil die Landung auf den Boden keineswegs sanft erfolgte. Schon wurde auch der Tarnumhang von ihr gerissen und mit entsetztem Blick sah sie direkt in Draco Malfoys Augen. Kein Stückchen Stoff konnte sie nun noch schützen.
TBC
