Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld.


Vampire – Bite in the Hell of Feelings – Im Verbotenen Wald

Hermione war darüber genauso wenig glücklich wie er. Doch vielleicht würde er ihr ja eine Hilfe sein. Sie warf den Tarnumhang wieder über ihn, sodass auch er für das menschliche Auge nicht mehr zu sehen war.
„Wieso brauchen wir dieses Ding eigentlich?", fragte Malfoy ärgerlich. „Ich habe keine Lust dir so nah zu sein."
„Denkst du ich?", fauchte Hermione. „Aber sicher ist eben sicher."


Hermione wusste nicht genau wie lange sie schon zusammen mit Malfoy durch die Dunkelheit des Verbotenen Waldes wanderte. Das einzige was sie wusste, war, dass es schon sehr spät sein musste. Die Müdigkeit schien sie nun doch noch übermannen zu wollen und es fiel ihr schwer die Augen offen zu halten.
Auch war Hermione nicht unbedingt klar, was sie überhaupt suchte. Lucien, doch wo sie ihn finden sollte, war ihr Schleierhaft. Ihre einzige Hoffnung war die Lichtung im Wald, an der sie sich immer getroffen hatte. Doch noch nie zuvor war ihr der Wald so groß vorgekommen. Die Lichtung schien einfach nicht auftauchen zu wollen. Auch weigerte sie sich in Erwägung zu ziehen, dass die Lichtung vielleicht in der ganz anderen Richtung liegen mochte.

„Sag mal, könntest du mir mal sagen, dass du weißt wohin du gehst?", murrte Malfoy nach ein paar Minuten.
Hermione seufzte genervt. „Ich weiß wohin ich gehe."
Lüge. Aber Malfoy hatte, seitdem sie sich im Wald befanden, ständig irgendetwas zu meckern gehabt, während er hin und wieder vor sich hinfluchte. Er hatte es geschafft ihre Nerven ganz empfindlich anzukratzen und sie wusste, bald würde sie explodieren. „Granger, verarschen kann ich mich auch selbst."
„Was willst du denn?", rief Hermione aufgebracht. „Ich kann nicht zaubern."
„Das ist wohl einer dieser typischen Muggelssprüche, was?", meinte er sarkastisch. „Darf ich dich vielleicht daran erinnern, dass du das sehr wohl kannst. Apparieren ist auch eine Möglichkeit."

„Man kann aber auf-"
„dem Hogwarts-Gelände nicht apparieren oder disapparieren, ich weiß.", beendet er ihren Satz. „Dieser Wald jedoch gehört auch mit einem Teil zu Hogsmeade und wenn ich mich nicht irre, haben wir die Grenze schon längst überschritten. In Hogsmeade kann man apparieren."
Hermione war beeindruckt. Jedoch würde sie Malfoy ihre Beeindruckung nicht zeigen. „Okay.", ergab sie sich. „Aber wenn du so schlau bist, warum tust du es dann nicht?" „Weil ich nicht gerne die Drecksarbeit mache.", erwiderte er gelassen.

Hermione sah ihn finster an, griff aber dann – wenn auch etwas widerwillig – nach seiner Hand und schloss die Augen. Angespannt versuchte sie den Gedanken an Lucien zu verstärken und den Wunsch in ihr größer werden zu lassen, ihn endlich zu treffen. Auf einmal fuhr auch schon dieses mitreisende Gefühl des Fliegens durch ihren Körper und einen Augenblick später wagte sie es, ihre Augen vorsichtig zu öffnen. Das erste was sie erblicken konnte, war nicht mehr die große Weite finster aussehender Bäume, sondern eine harte Mauer.

Malfoy neben ihr leuchtete unterdessen mit seinem Zauberstab an dem Ort umher und betrachtete jeden Winkel mit kritischer Miene. Hermione war enttäuscht. Sie befanden sich in einer kalten dreckigen kleinen Höhle; von Lucien aber keine Spur. Sie spürte wie sich langsam ein Kloß in ihrem Hals bildete und schaffte es nur mit Mühe die Tränen zu unterdrücken.
„Keiner da", stellte Malfoy schließlich nüchtern fest.
Er streifte sich den Tarnumhang ab und trat langsam aus der Höhle. Sie war eine Einbuchtung in mitten einer kleinen felsigen Erhebung.

„Sag mal, Granger. Bist du dir denn sicher, dass das der Ort ist, an dem dieser Vampir war? Ich habe immer etwas anderes gesehen. Eine Lichtung."
Langsam trat Hermione ebenfalls aus der Dunkelheit. Sie sah ihn nicht an. Die Tränen hatten sich inzwischen in ihren Augen gebildet und bahnten sich bedächtig den Weg über ihre Wangen hinab. „Ich hab mich auf ihn konzentriert.", erklärte sie ihm.
„Dann warten wir also.", seufzte Draco genervt.
Er ließ sich auf einen großen Stein sinken. Hermione merkte, wie er sie aufmerksam musterte, versuchte aber seinen Blick nicht zu erwidern.

Sie wollte nicht, dass er sich über ihre Tränen lustig machte und erst recht nicht wollte sie nun an Lucien erinnert werden. Also wischte sie sich unmerklich schnell die Tropfen aus ihrem Gesicht, lehnte sich gegen die kalte Mauer und starrte Löcher in die Luft. Eine unheimliche Stille trat ein und mit jeder Sekunde schaffte es der Wald, Hermione noch mehr Angst, aber auch Erfurcht einzuflössen. Sie musste daran denken, wie Harry und Ron von ihrem Ausflug in den Verbotenen Wald erzählt hatten, als sie in der zweiten Klasse waren. Bilder von den fleischfressenden Riesenspinnen nahmen langsam in ihrer Vorstellung Gestalt an und ein unangenehmer Schauer überrannte sie.

„Sag mal", meinte dann aber plötzlich Malfoy nachdenklich, „bist du vielleicht Lebensmüde oder so etwas?"
Wiederwillig musste Hermione ihn ansehen. Sie wusste nicht was diese Anspielung bedeuten sollte. Bei seinem Anblick aber zog es ihr abermals schmerzlich das Herz zusammen. Tatsächlich ähnelte Malfoy Lucien durch die Dunkelheit noch mehr als bei Tageslicht. Das einzige was ihr immer bestätigt hatte, dass er nicht Lucien war, war seine Augenfarbe. Luciens Augen waren grün und nicht grau. Doch nun konnte sie seine Augen nicht sehen.

„Wie bitte?", schaffte Hermione es dann verwundert hervorzubringen. „Von was redest du?"
„Du treibst es mit einem Vampir, Granger." Malfoy schüttelte den Kopf, während er sie süffisant anlächelte. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, worüber ich mich mehr wundern soll. Die Tatsache, dass du anscheinend nicht so prüde bist, wie du immer tust oder vielleicht deswegen, weil dieser Vampir so dämlich ist und dich nimmt. Noch dazu ist dieses Ding ein Blutsauger und könnte dich innerhalb einer halben Minute töten. Hat der Verstand vielleicht auch bei dir ausgesetzt?"

Hermione starrte ihn entsetzt an. Während Malfoy nicht wusste, was er denken sollte, wusste Hermione nicht, ob sie über seine Worte beschämt oder wütend sein sollte. Sie merkte, wie sich ihr Gesicht erhitzte und funkelte ihn gefährlich an. „Ich tu mal so, als hätte ich das eben nicht gehört, Malfoy."
„Nein", entgegnete er aber. „Das kannst du ruhig gehört haben. Während wir auf dieses Ding warten, habe ich sonst nämlich keine andere Beschäftigung, als mich über dich lustig zu machen."

In diesem Augenblick wunderte sich Hermione über sich selbst. Hätte ihr jemand heute Morgen gesagt, dass sie die Nacht zusammen mit Draco Malfoy im Verbotenen Wald verbringen würde, dann hätte sie ihn glatt für verrückt erklärt. Überhaupt folgte ein verrücktes Tun auf das andere. Erst begegneten sie sich auf den Gängen, dann erzählte er ihr, dass er die gleichen Träume hatte und kommt schließlich mit den Wald, von dem sie wusste, dass er ihn wirklich mehr als fürchtete. Sie war schon erstaunt gewesen, als er sich überhaupt in seine Nähe getraut hatte. Alles in allem, lebten sie jedoch noch und waren sogar unbeschadet. Jedoch konnte Hermione für nichts mehr garantieren, wenn Malfoy nicht sofort den Mund halten würde.

Hermione seufzte und wandte ihren Blick von ihm ab, gen den Sternenhimmel.
„Oh, versuchst du mich etwa zu ignorieren?", fragte er gehässig.
Sie sah aus dem Augenwinkel wie er sich langsam von seinem Stein herhob und auf sie zukam.
Nein, komm nicht näher, schoss es Hermione durch de Kopf. Bitte, bleib stehen!
Die Angst in ihr wuchs und wuchs. Vielleicht würde sie ihm jeden Augenblick um den Hals fallen? Vielleicht würde sie ihn küssen? Vielleicht würden sie gemeinsam auf dem Boden, zwischen den Ästen und Steinen...?

Schon spürte sie auch Malfoys Griff auf ihren Schultern, genauso wie ein paar Stunden zuvor. Er drückte sie fester gegen die Wand der Höhle und versuchte ihr in die Augen zu sehen. Hermione aber zwang sich auf den Boden zu starren. Sie schaffte es nicht, sich von ihrem loszumachen. Etwas tief in ihr war gespannt darauf, was kommen würde. Ihr Herz aber dachte die ganze Zeit an Lucien und fühlte sich schuldig. Trotzdem siegte das unbekannte Gefühl jedoch. Wieso sich denn schuldig fühlen?, versuchte sie sich einzureden. Nur weil er dich an den Schultern anfasst?

„Was würde dein Vampir jetzt wohl sagen?", flüsterte Draco gehässig in ihr Ohr und stich ihr eine braune Strähne ihres Haares aus dem Gesicht. „Mhm?"
Hermione schaffte es nicht länger auf den Boden zu starren. Vorsichtig sah sie auf und in sein Gesicht. Lucien!, schrie ihr Inneres, sah sie jedoch in seine Augen, dann hieß es: Draco!.
„Zu was?", wisperte Hermione mit ruhiger Stimme herausfordernd.
Das Lächeln auf seinem Gesicht wurde breiter. „Willst du wirklich, dass ich es dir zeige? Granger... ich weiß, dass ich so aussehe, wie er. Ich weiß es..."
Langsam bröckelte ihre selbstsichere Fassade. Zurück blieb die Unsicherheit und Hermione wusste das er es spürte, wenn nicht sogar riechen konnte.

Noch niemals war sie Draco Malfoy jemals so nahe gewesen. Haut an Haut, von Auge zu Auge gegenüber. Sie spürte, wie sein Atem sanft ihren Hals streifte und konnte deutlich die Wärme seines Körpers ausmachen. Ihr Herzklopfen schmerzte schon fast in ihren Ohren und auch merkte sie, dass sie zitterte. Plötzlich rief eine Stimme in ihr: Küss mich!
Am liebsten hätte sie sich selbst verflucht, doch trotzdem war sie gegen ihren Willen machtlos. Reagierte sie etwa nur so auf Malfoy, weil er so aussah, wie Lucien oder vielleicht einfach nur, weil er Draco Malfoy war?

Auf einmal berührten seine Lippen ihre. Hermione wusste nicht wie ihr geschah, so schnell war es geschehen. Leidenschaftlicher als sie es vorgehabt hatte, erwiderte sie seinen Kuss und schlang schließlich ihre Arme um seinen Hals. Was tu ich da?, fragte sie sich versteckt in ihrem Hinterkopf. Die Stimme war aber viel zu leise, um sie wirklich zu erreichen. Hermione spürte, wie Malfoys Hände langsam an ihrem Hintern hinunterglitten und schließlich fest, besitzergreifend, packten.

„Hermione?", meinte auf einmal eine Stimme, die ganz anders klang als die Malfoys. Lucien!
Erschrocken stieß sie Malfoy so hart von sich, dass er auf dem Boden landete und sie erst irritiert, dann finster ansah. Hermione allerdings ignorierte ihn. Ihr Blick war auf Lucien gerichtet. Er stand einen Meter vor ihr, im Schatten eines Baumes und starrte sie unentwegt an. Er konnte sich unmerklich Menschen näher, ohne das diese etwas davon mitbekamen und bei dem Gedanken daran verfluchte sie Malfoy und sich selbst. Gleichzeitig aber auch stieg eine Panik in ihr auf. Sie wollte Lucien nicht verlieren! Sie wollte nicht, dass er auf falsche Gedanken kam und sauer auf sie war!

„Lucien!", presste sie fast atemlos hervor.
Malfoy stand auf und musterte den Vampir vor ihm aufmerksam. Schließlich stieß er einen Pfiff aus und setzte ein selbstgefälliges Grinsen auf. „So, das ist also der gute Böse."
„Was machst du hier?", wollte Lucien wissen.
Langsam trat er aus dem Schatten der Bäume auf sie zu. Seine Stimme klang neutral, auch in seinen Gesichtszügen konnte Hermione nicht erkennen, was er dachte. Für eine Sekunde glaubte sie sogar, er hätte es nicht mitbekommen, doch diese Hoffnung verwarf sie schnell wieder.

„Ich...", entgegnete Hermione ihm mit zitternder Stimme. „Ich... wollte dich suchen..."
Dabei sah sie zu Boden. Lucien länger anzusehen ertrug sie nicht länger.
„Und wer ist das?", fragte er schließlich scharf und betrachtete Malfoy finster.
In diesem Augenblick wusste Hermione, dass er wirklich sauer auf sie war. Die harten Gesichtszüge mit denen er Malfoy betrachtete, sprachen Bände. Keinesfalls spürte sie jedoch eine gewisse Art Freunde in sich, weil er eifersüchtig war, sondern eher die Gewissheit: Er will dich nicht mehr.
Malfoy antwortete für sich selbst, Hermione hätte es auch nicht geschafft ein Wort über die Lippen zu bekommen.
Genauso selbstsicher wie Lucien stand er ihm gegenüber und betrachtete ihn mit einem kühlen Blick. „Ich bin Draco Malfoy.


TBC