Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld.
Vampire – Bite in the Hell of Feelings – Skrupel
Unschlüssig kaute Ron auf seiner Unterlippe und betrachtete
Hermione mit zweifelnden Blick. Sie hingegen starrte ihn mit großen
Hundeaugen an und wusste, dass Ron in solch einer Situation nie
„Nein" sagen konnte.
Hermione saß zusammen mit ihm und
Harry beim Abendessen und versucht ihren größten Zweifler
zu überzeugen, ihr bei der Rettung Luciens zu helfen. Harry
musste sich in solche Augenblicken nicht lange bitten lassen. Sicher,
er war nicht begeistert davon, doch Hermione wusste, dass wenn Ron
Mitmachen würde auch Harry dabei wäre.
Ron seufzte und schließlich nickte er ergeben. Ihr war es,
als würde ihr ein riesiger Stein vom Herzen fallen. Erleichtert
fiel sie ihm um den Hals und wandte sich dann Harry zu, den sie
ebenfalls umarmte. „Danke, Jungs!", rief sie dabei.
„Aber
sag mir, wie stellst du dir das eigentlich vor?", wollte Harry
schließlich wissen. „Lucien ist ein Vampir. Der wird es doch
gegen eine Gleichgesinnte aufnehmen können. Wir sind nur
Menschen. Wie sollten wir es denn schaffen?"
Hermione hasste diese Frage. Nicht nur, weil Malfoy gestern Abend
genau das gleiche Lucien gefragte hatte, sondern auch, weil sie es
nicht wirklich wusste.
Sie atmete tief aus und starrte dann
betrübt auf ihnen Teller. „Na ja... so richtig..."
„Nein,
Hermione!", seufzte Ron schwermütig. „Sag jetzt nicht, dass
du noch nicht weißt, wie du ihm helfen willst. Hey, du bist
doch Hermione!"
Schnell erntete er darauf einen tadelnden Blick von ihr. „Es
gibt auch Situation in denen ich nicht immer eine Antwort
besitze."
Schließlich errötete sie leicht, bei dem
Gedanken daran, wie sie es schaffen konnte Lucien zu helfen. Ihre
Liebe war der Schlüssel um den Fluch zu brechen, doch in welche
Richtung sie den Schlüssel drehen sollte, wusste sie nicht
wirklich. Genauso wenig wie sie das richtige Schloss dazu kannte.
Aber konnte sie wirklich den beiden von ihrer Liebe zu Lucien
erzählen? Bis jetzt hatte sie nur behauptet, dass er sie in
ihren Träumen um Hilfe gebeten hatte...
Auf einmal spürte sie wie Rons Finger sie leicht in die Seite
pieksten. Erschrocken schrak sie aus ihren Gedanken und sah ihn
verärgert an. „Ich überlege!", zischte sie.
„Dann
überleg mal schneller und träum nicht vor dich hin,
Hermione. Wenn wir dir wirklich helfen sollen, dann musst du uns
irgendeinen Plan bringen. Vampire sind eine ernste Sache und im
Grunde halte ich immer noch nichts davon. Mal ehrlich, was ist, wenn
dieser Lucien diese Eliza loshaben will, und es dir aufbürgt,
weil er es selbst nicht schafft und dann wenn wir die Drecksarbeit
gemacht haben, schlürft er uns schließlich genüsslich
zum Nachtisch?"
„Ron, so ist Lucien nicht.", entgegnete Hermione. „Das weiß
ich. Ich würde spüren, wenn er mir nur was vormachen
würde."
„Was trinkt der eigentlich?", fragte auf einmal
Harry nachdenklich. „Nun ja... Vampire brauchen doch Nahrung. Jede
Nacht und so viel ich weiß, sind die nie wirklich satt. Die
werde nicht einfach nur so kurz mal beißen und dann wieder
verschwinden, oder? Dein Vampir... der hat doch sicher schon
gemordet, oder?"
Bei Harrys Worten musste Hermione schlucken. Ein leichtes
Entsetzen überkam sie bei diesem Gedanken. Wenn sie ehrlich war,
hatte sie darüber noch nicht einmal nachgedacht. Für sie
war klar, Lucien ist gut.
Doch was ist eigentlich die Definition
‚gut' in der Vampirwelt? Ist man denn gleich böse, wenn man
nur nach Nahrung sucht? Menschen zu töten ist aber in ihrer
Welt...
„Alles okay?", fragte Ron vorsichtig und legte ihr die Hand
auf die Schulter.
Hermione nickte langsam. „Ich... ich
glaub...", begann sie zögerlich. „Tut mir Leid, aber mir ist
nicht gut."
Mit diesen Worten sprang sie vom Tisch auf und
hastete unter den bedrückten Blicken Rons und Harrys aus der
Großen Halle. Zum ersten Mal wurde ihr bewusst, dass Lucien
wahrscheinlich mit einer ständig größer werdenden
Schuld durch die Welt ging. Ein Wesen zu töten ist das
Schlimmste was man je machen konnte und noch viel schlimmer ist, wenn
man es als Durst tat – wenn man ständig mehr wollte...
Es dauerte bis Hermione sich wieder langsam beruhigt hatte. Von klaren Gedanken konnte jedoch keine Rede sein, denn noch immer wusste sie nicht, was sie tun sollte. So langsam überkam sie sogar das komische Gefühl, dass es richtig wäre wenn Lucien sterben würde. Sie liebte ihn, wenn er aber am Leben war, würde er vielleicht weitermorden! Einen Augenblick war ihr sogar der komische Gedanken gekommen, wie ein Mensch nach dem anderen von einem Vampir ausgesaugt wurde und schließlich selbst zu einem wurde. Irgendwann würde dann...
Schnell versuchte sie diese Vorstellung wieder los zu werden. Es war zu gruselig und zu grausam. Vielleicht aber war es real... und das bereitete ihr die größte Angst. Lucien zu helfen würde sicher nicht gleich den Weltuntergang bedeuten, aber er würde weiterleben, weitermorden und somit noch mehr Opfer schaffen, die man hätte verhindern können. Dann wäre alles... ihre Schuld. Würde sie denn damit Leben können?
Hermione war unschlüssig durch das Schloss gelaufen, so dass sie nun plötzlich vor dem Tür zum Krankenflügel stand. Sie wusste nicht, wie sie ihre Beine hierher tragen konnten, doch sie wusste, dass sie vielleicht Antworten erhalten würde. Antworten von jemanden, der vollkommen neutral diese Sache betrachten konnte. Er machte sich weder Sorgen um sie, noch würde es ihm fiel ausmachen, wenn Lucien noch weitertöten würde.
Vorsichtig und mit klopfendem Herzen öffnete sie die Tür zum Krankenflügel, kam herein und schloss sie so geräuschlos wie möglich. Hermione wollte weder große Aufmerksamkeit auf sich ziehen, noch wollte sie Madame Pomfrey in die Arme laufen. Es war sowieso schon seltsam genug, wenn eine Gryffindor einen Slytherin besuchte. Gerüchte die durch Hogwarts wanderten konnte man da wirklich nicht gebrauchen.
Ihre Sorge war jedoch unbegründet. Keine Spur von der Krankenschwester war zu sehen und auch gab es nur ein Zimmer, dessen Vorhänge verschlossen waren. Obwohl es schon etwas dunkel im Krankenflügel war, hatte Malfoy nicht das Licht an. Hermione vermutete, dass er vielleicht schon schliefe und irgendwie kam sie sich jetzt ziemlich blöd vor. Eigentlich wollte sie ihn nicht wecken. Einerseits, weil sie sich in Gedanken schon ausmalte wie wütend er sein würde und andererseits, weil der gestrige Abend wieder Gestalt in ihren Erinnerungen nahm. Die Situation, in der sie dicht am Baum gedrängt stand und Malfoy küsste.
Schließlich aber fasste Hermione sich ein Herz. Jetzt da sie
schon hier war, würde sie sicher nicht wieder einen Rückzieher
machen. Immerhin war sie eine Gryffindor.
Langsam und leise ging
sie hinüber zu seinem Zimmer und schob sanft die Vorhänge
beiseite. Malfoy schlief nicht. Er lag in seinem Bett, hatte die Arme
hinter dem Kopf verschränkt und starrte gegen die Decke. Als er
sie erblickte, wurde sein Blick etwas schärfer, jedoch entkam
ihm keine bissige Bemerkung und auch keine Beleidigung.
Hermione, die sein Schweigen als ‚Erlaubnis das Zimmer zu
betreten' sah, trat langsam herein, schob die Vorhänge wieder
zurück und setzte sich auf den freien Stuhl neben seinem
Bett.
Einige Sekunden lag schwiegen beide. Schließlich kam
sie sich aber zu blöd dabei vor.
„Wie... wie geht's
dir?", wollte sie zögerlich wissen.
Es war eine komische
Frage und vor allem seltsam war, dass sie es Draco Malfoy gefragt
hatte. So als würden die beiden schon jahrelang eine gute
Freundschaft pflegen.
Malfoy erhob sich nicht. Weiter starrte er gegen die Decke. „Bist
du wirklich hier um das zu wissen, Granger?", fragte er
kühl.
„Nein...", gab Hermione zu. „Na ja, das heißt...
ich hab mir..."
Sie versummte. So langsam beschlich sie das
Gefühl, als würde sie in diesem Gespräch zu einer
einzigen Lachnummer werden. In Gedanken malte sie sich schon aus, wie
Malfoy lachend seinen Slytherin-Freunden von allem berichten würde
und dabei rannte ihr ein Schauer den Rücken hinab.
Der Slytherin vor ihr, richtete sich schließlich langsam
auf, lehnte sich zurück und sah sie aufmerksam an.
„Ja?"
Hermione schluckte. Ihr wäre es lieber, wenn er
wieder gegen die Decke starren würde, sie wusste aber, diesen
Gefallen würde er ihr sicher nicht tun. „Na ja... ein bisschen
vielleicht.", murmelte sie schließlich.
„Sind denn alle
Gryffindors so dumm wie du, Granger?", wollte Malfoy verächtlich
wissen.
Schnell wollte Hermione etwas erwidern, doch dann
verstummte sie und betrachtete sein Bild genauer. Malfoy sah wirklich
nicht gut aus. Die Blässe aus seinem Gesicht war noch nicht
gewichen und unter den Augen hatten sich leichte Augenringe gebildet.
Sein blondes Haar war zerzaust und noch immer trug er sein Schulhemd.
Ziemlich unordentlich aber. Einige Knöpfe waren gerissen und
entblößten seine nackte Brust.
Bei dem Anblick rannte Hermione abermals ein Schauer über den
Rücken. Beschämt senkte sie den Blick und starrte auf ihre
Hände, die sie auf ihre Beine gelegt hatte, und nervös
zuckten.
„Also... was willst du wirklich, Granger?", seufzte
er schließlich erschöpft.
„Ich... ich weiß
nicht was ich tun soll.", gab sie zögerlich zu und hob wieder
ihren Blick.
Seine Reaktion war genau die, die sie erwartet hatte.
Er hob die Braune und lächelte sie süffisant an. „Ach?
Und dazu brauchst du meinen Rat?", spöttelte er.
Hermione
nickte. „Du bist der Einzige, der sich keine Sorgen um mich macht
und vielleicht auch der Einzige, dem es egal ist, wenn Tausende von
Menschen sterben könnten."
Die Antwort war ehrlich und vielleicht war sie auch verletzend
gegenüber Malfoy, doch Hermione wahr nicht hier um Rücksicht
zu nehmen. Er hatte er auch selten genug getan und nun wollte sie nur
seinen Rat.
„Denkst du wirklich mir wäre es egal, wenn
andere Menschen sterben?", wollte er scharf wissen.
Wieder
musste Hermione schlucken. Die Entschlossenheit von eben geriet etwas
ins Schwanken. Das Gewissen schien anscheinend doch stärker zu
sein. „Na ja... ich denke..."
„... du denkst, dass ich mich
nur für mich selbst interessiere.", ergänzte Malfoy.
Sie antwortete ihm nicht, dass aber war schon Bestätigung
genug.
„Bild dir keine Meinung über andere, wenn du sie
nicht kennst.", entgegnete er kalt. In diesem Augenblick wirkte er
ablehnender als je zuvor. Sie beschlich das leise Gefühl ihn
eben verletzt zu haben.
„Na ja... bis jetzt hast du noch nie den
Versuch gemacht, mich vom Gegenteil zu überzeugen.", erwiderte
sie ihm unsicher.
„Granger", entgegnete er, „ich muss dir
nicht das Gegenteil beweisen. Du bist ein Schlammblut."
Hermione sah ihn finster an. „Mach mir keine Vorwürfe, wenn
du dieses Wort in den Mund nimmst."
Malfoy aber wirkte
keinesfalls beeindruckt. Er zuckte mit den Achseln und grinste wieder
selbstsicher. „Wie du meinst, aber jetzt endlich raus mit der
Sprache."
Einen Moment biss sich Hermione auf die Unterlippe und
überlegte ob sie Malfoy wirklich erzählen sollte, vor was
sie Angst hatte, schließlich aber entschied sie sich doch
dafür. Groß falsch konnte es ja nicht sein.
„Lucien
ist ein Vampir."
„Oh ja!", stichelte Malfoy. „Die spitzen
Zähne, die unnatürlichen Augen-"
„Hör auf!",
unterbrach Hermione in verärgert. „Ich war noch nicht fertig."
Sie verstummte und atmete noch mal tief durch. „Wenn ich ehrlich
bin, dann habe ich zuvor überhaupt nicht dran gedacht, aber...
ist es denn nicht besser, wenn Lucien stirbt? Er bringt Menschen um,
um Nahrung zu bekommen. Wenn ich ihm helfen würde, dann würde
ich doch Schuld an dem Tod anderer Menschen sein, oder?"
Bei ihren Worten merkte Hermione nicht, wie ihr langsam die Tränen
gekommen waren. Das was sie gestern noch vor Malfoy verbergen wollte
und auch konnte, gelang heute nicht mehr. Langsam flossen sie über
ihre Wangen hinab.
„Ist das denn deine einzige Sorge?", fragte
Malfoy jedoch nur unbeeindruckt.
Verwundert sah sie ihn an. „Das
sind Menschen. Es wäre doch meine Schuld, dass ist kein-"
„Das
meinte ich nicht.", unterbrach sie dieses Mal er. „Aber dir
scheint es mehr aus zu machen, dass du Schuld sein könntest, als
das es dir wirklich um seine Opfer geht."
Für ein paar Sekunden sah sie ihn einfach nur ungläubig
an. Sie wusste nicht was sie sagen sollte und noch viel weniger
wusste sie, ob er vielleicht Recht hatte.
„Vielleicht willst du
mich auch nur Fragen, was ich in deiner Situation tun würde.
Aber ist es denn nicht klar, was man in solch einer Situation
tut?"
„Aber..." Hermione stockte und sah wieder zu ihren
Händen hinab. „ich... liebe ihn."
Sie spürte, wie seine Hände sich langsam auf ihre
Schultern legten. Kurz zuckte sie erschrocken zusammen und hob dann
langsam den Blick. Malfoy hatte sich zu ihr nach vorne gebeugt und
sah sie eindringlich an. Es war nicht der Blick von gestern und auch
nicht der von eben. Dieses Mal sah es fast so aus, als würde er
sie... bitten?
„Hör mir zu, dieser Lucien ist ein Vampir
und du bist ein Mensch. Überleg doch... welche Chance hätte
deine Liebe da eigentlich? Es mag sein das er dich liebt, doch
Zukunft hat das ganze sowieso nicht. Außerdem... Lucien ist
bereits tot. Er ist ein Wesen, das zwischen dem Pfad der Lebenden und
Toten wandelt. Seine Existenz ist mit einem ewigen Fluch des Teufels
belegt, egal welchen Fluch er sonst noch tragen kann. Man könnte
es fast schon eine Todsünde nennen, dass es ihn gibt."
Noch immer trübten Tränen ihren Blick. „Denkst du
wirklich?", fragte sie vorsichtig. „Gibt es denn keine andere
Möglichkeit?"
„Gibt und gab es für die ausgesaugten
Menschen denn eine andere Möglichkeit?"
Geknickt senkte
Hermione den Kopf. „Und was soll ich jetzt machen? Sicher gehen,
dass Eliza Lucien auch wirklich tötet oder es einfach selbst
machen, wenn sie versagt?", wollte Hermione bitter wissen. „Ach
ja, und falls Eliza dann noch lebt, bringe ich sie auch gleich
um?"
„Das wäre das Beste."
Wieder musste Hermione
schlucken. „Was ist, wenn ich es jetzt schon tun würde und
nicht erst auf nächste Woche warte?"
Malfoy nahm seine Hände wieder von ihren Schultern und setzte
sich wieder zurück. „Na ja... wenn du Glück hast musst du
ihn nicht selbst erledigen.", meinte er. „Wenn ich du wäre...
dann würde ich so lange warten, bis wirklich keine Wahl mehr
bleibt."
Langsam nickte sie. Ein Schweigen trat ein. Hermione,
deren Tränen zwar nicht mehr rannten, doch immer noch an den
Wangen klebte, wischte sie benommen weg. „Okay...", murmelte sie
schließlich. „Dann gehe ich jetzt."
Sie stand auf und
schob die Vorhänge beiseite. Bevor sie hinausgehen wollte, hielt
sie noch mal kurz inne, machte den Mund auf, doch das „Danke"
wollte einfach nicht über ihre Lippen kommen. Stattdessen nickte
sie ihm nur zu und verschwand. Malfoy hatte ihr Nicken nicht
erwidert.
TBC
Review me :)?
