Die Auswahl
Nach einiger Zeit öffnete sich das Tor und vor ihnen stand eine ältere Hexe mit einer langen spitzen Nase und dunklen Augen. Sie trug einen schwarzen Spitzhut und dazu einen ebenfalls schwarzen Umhang. Ihre Figur war schlank und sie wirkte sehr groß. Sehr freundlich aber schien sie nicht, sondern eher streng, denn ihre Mundwinkel hatten einen leichten Hang nach unten und Lily fragte sich, ob sie jemals lächelte.
„Die Erstklässler, Professor", verkündete Hagrid, nachdem sie die Torflügel so weit, wie es ging, aufgezogen hatte.
„Danke, Hagrid", erwiderte die Professorin und gab den Weg frei, damit die Erstklässler die Eingangshalle betreten konnten.
Lily sah sich genau um und konnte nur staunen. Das war der Moment, den sie sich seit Jahren erträumt hatte.
Die Eingangshalle war so gewaltig, dass zwei Mehrfamilienhäuser darin Platz gehabt hätten, allein die Decke war so hoch, dass man sie nicht mehr richtig erkennen konnte und Lily fühlte sich dadurch unheimlich winzig. Die Steinwände wurden hell durch Fackeln erleuchtet und vor ihnen führte eine riesige schwarze Marmortreppe hinauf in die oberen Stockwerke. Dahin würde sie nachher auch müssen, zumindest wenn sie nach Gryffindor kam, und natürlich kam sie das.
Wenn Lily allerdings an die vielen Treppen dachte, drohten ihre Knie schon von allein wegzusacken.
Rechts von Lily war eine Tür, durch die sie Stimmen vernahm, doch sie konnte nicht verstehen, was diese sagten und die Professorin führte sie weiter durch die Eingangshalle zu einer kleinen leer stehenden Kammer, in die sich alle Erstklässler zwängten.
„Willkommen in Hogwarts", sagte die Professorin mit spitzer Stimme, „ich bin Professor Crouch, die Hauslehrerin von Ravenclaw, eines der vier Häuser von Hogwarts. Die anderen drei sind Gryffindor, Hufflepuff und Slytherin. Wir werden nun gleich zusammen in die Große Halle gehen und dort wird jeder von euch einem der vier Häuser zugeteilt. Dieses Haus ist hier in Hogwarts eure Familie. Mit guten Leistungen verdient ihr euch Punkte, bei Vergehen, werden diese wieder abgezogen. Am Ende des Jahres gibt es für das Haus mit den meisten Punkten den Hauspokal zu gewinnen, daher hoffe ich, dass ihr euch besonders darum bemüht, ein Gewinn für eure Häuser zu sein. Die Auswahlzeremonie, bei der euch die anderen Schüler kennenlernen werden, beginnt in wenigen Minuten. Ich schlage vor, dass ihr die Zeit nutzt und euch beim Warten so gut wie möglich zurechtmacht. Ich werde zurückkommen, sobald alles für euch vorbereitet ist."
Sie verließ die Kammer und jetzt spürte Lily die Aufregung deutlicher als je zuvor. Was wenn sie nicht nach Gryffindor kam? Ihr Dad hatte ihr mal gesagt, jedes Haus sei etwas Besonderes und dass es ihm egal wäre, welchem Lily zugeteilt werde, doch was würden ihre Freunde sagen?
Colin und die anderen hassten Slytherin. Was wenn sie am Ende nach Slytherin musste und ganz allein da stand? Die anderen würden sicher nicht mehr mit ihr befreundet sein wollen. Lily schüttelte den Kopf. So etwas würde nicht passieren. Sie durfte jetzt nicht daran denken. Natürlich würde sie nach Gryffindor kommen. Sie käme genauso nach Gryffindor wie ihre Eltern, wie ihre Brüder, wie ihre Onkel und wie ihre Großeltern. Nach Slytherin passte sie doch gar nicht, oder?
Lily sah kurz zu Colin. Er war leichenblass. Wahrscheinlich ging es ihm genauso wie ihr. Sogar Eric und Fannie war die Aufregung ins Gesicht geschrieben. Je mehr Lily die anderen ansah, desto mehr begann sie selbst zu zittern.
„Du gehörst aber nach Slytherin!", sagte eine eisige Stimme in ihrem Kopf.
„Ich geh auf keinen Fall dorthin!", dachte Lily, „wenn der Hut denkt, mich dorthin einzuteilen, werde ich ihn überzeugen."
Ihr Dad sagte immer, es käme nicht darauf an, was wir sind, sondern für was wir uns entscheiden.
„Na wart's ab, du wirst schon sehen!", lachte die Stimme kalt und Lily lief ein Schauer über den Rücken.
Plötzlich ging die Tür zur Kammer wieder auf. Professor Crouch war zurückgekommen.
„Stellt euch bitte in einer Reihe auf und folgt mir!", sagte sie.
Lily stellte sich hinter ihre Cousine Lucy. Gemeinsam verließen sie die Kammer und liefen zu der Tür, aus der Lily vorhin die Stimmen gehört hatte.
Als sie die Große Halle betraten, wurde alles still und Lily bekam ein unangenehmes Gefühl, da sie sich stark beobachtet fühlte. Hier und da war ein Tuscheln zu vernehmen und alle Blicke waren auf die Neuankömmlinge gerichtet. Links und rechts von Lily waren jeweils zwei lange mit hunderten von Goldtellern und -kelchen gedeckte Holztische aufgestellt, an denen bereits die älteren Schüler saßen. Die Erstklässler wanderten in dem schmalen Gang in der Mitte hindurch. Vom Gryffindortisch her ertönte ein Pfiff und Lily erkannte ihren Cousin Fred Weasley in der Menge. Er saß bei ihrem Bruder James und durch sein ulkiges Aussehen mit den roten Haaren und der dunklen Hautfarbe stach er deutlich heraus. Lily warf ihm einen bösen Blick zu, sah jedoch dann zur Decke. Ihre Tante Hermione hatte ihr einmal erzählt, dass diese so verzaubert war, dass sie sich an das Wetter draußen anpasste. Nun bedeckte sie ein dunkler Sternenhimmel.
Die Erstklässler versammelten sich ganz vorn vor einer kleinen Steintreppe, die Professor Crouch bereits hinaufgestiegen war. Neben ihr stand ein kleiner Stuhl, auf dem ein Hut lag und Lily wusste, was nun passierte. Immerhin hatten es ihre Eltern und Brüder oft genug beschrieben.
Weiter hinten war noch ein fünfter Tisch für die Lehrer aufgestellt. Lily erkannte Hagrid und Neville und sie konnte sich denken, wer Professor Wennell war, denn er saß in der Mitte des Tisches. Professor Wennell hatte einen langen Bart, der schon silbrig weiß war. Generell wirkte er sehr alt, doch er trug keine Brille oder ähnliches. Das was am meisten an ihm auffiel, war der sonnengelbe Spitzhut auf seinem Kopf.
Lily fand, es sah ein wenig seltsam aus, doch Professor Wennell lächelte freundlich beim Anblick seiner wohlgesinnten Schülerschaft und plötzlich öffnete sich der schäbige, zerfetzte, alte Hut an seiner Krempe und begann zu singen:
„Ihr seht hier einen alten Hut,
gehörte einst Gryffindor von edlem Mut,
einer der Gründer von vier
machte, das was ich bin, aus mir.
Hufflepuff half ihm natürlich dabei,
keine zweite war so fleißig und treu.
Und Ravenclaw, die dritte im Bunde,
trug bei mit ihrer weisen Kunde.
Der vierte Gründer hieß Slytherin.
Er hatte einen ganz eigenen Sinn.
Trotzdem arbeiteten alle zusammen,
auf ließen sie ihre Gedanken in mir flammen.
Alles, was ich kann, lehrten sie mich,
sodass ich keinem anderen glich.
Ich wähle jeden Schüler aus
und suche für euch das richtige Haus.
Deshalb setzt mich auf eure Köpfe.
Ich bin gespannt, welche Talente ich heute schöpfe.
Vertraut meinem Rat, er ist immer gut,
vertraut auf mich, den Sprechenden Hut!"
Als der Hut geendet hatte, schloss er seine Krempe wieder und in der ganzen Halle begannen die Schüler an den Tischen wie wild zu applaudieren, während der Hut sich vor ihnen verneigte.
Dann trat Professor Crouch vor. In ihren Händen hielt sie ein langes Pergament.
„Ich werde euch nun aufrufen. Ihr geht dann bitte nach vorn und setzt den Sprechenden Hut auf", sagte sie zu den Erstklässlern und rief gleich darauf Olivia Abbott auf.
Olivia ging nach vorn und setzte den Hut auf den Kopf. Einige Minuten war es mucksmäuschenstill in der Großen Halle.
„GRYFFINDOR!", verkündete der Hut dann.
Die Gryffindors am Tisch ganz links jubelten und Olivia ging freudestrahlend zu ihnen.
Als nächstes kam Eric. Bei ihm dauerte es fast genauso lang wie bei Olivia, bis der Hut schließlich „Gryffindor" rief.
Amanda Bolt wurde eine Slytherin und danach waren Macie und Moyra Bones an der Reihe. Beide kamen nach Hufflepuff. Ruby Chambers wurde die erste Ravenclaw und auch Marcus Corner kam in dieses Haus.
Der nächste Gryffindor war Max Fry, ein Junge mit schwarzen Haaren. Er sah ziemlich gut aus und Lily überlegte, ob sie ihn schon einmal gesehen hatte. Bei ihm musste der Hut nicht lange überlegen und schon lief er hinüber zum Gryffindor-Haustisch.
Dorea Gamp und Gregory Goyle wurden schließlich Slytherins.
„Grey, Polly", rief Professor Crouch. Auch bei Polly war schnell klar: Sie wurde eine Ravenclaw.
Danach kam Valerie Harper. Sie hatte ein langgezogenes dünnes Pferdegesicht mit einer spitzen Nase und mausgrauem Haar und wurde eine Slytherin.
Lily blickte zum Tisch der Slytherins hinüber. Alle schauten grimmig, überheblich und arrogant drein. Auf keinen Fall wollte sie zu ihnen gehören. Ihre Kälte war im ganzen Raum zu spüren. Es sah aus, als ob dort nie gelacht wurde oder jegliche Gefühlsregungen gezeigt. Kein Wunder, warum ihr Bruder James immer so abfällig über sie redete.
John Jones, ein stämmiger und großer Junge, wurde kurz darauf ein Hufflepuff.
Nach langen Überlegungen des Hutes kam Susanna Lewis nach Gryffindor. Nicolas Martin folgte ihr. Sandra McKain wurde eine Ravenclaw und schließlich war Colin an der Reihe.
Lily drückte ihm fest beide Daumen, während er sich hastig auf nach vorn machte. Kaum hatte er den Hut auf dem Kopf, rief dieser auch schon: „Gryffindor!"
Erleichtert ging er hinüber zu den Gryffindors, von denen er mit einem heftigen Beifallsturm empfangen wurde. James und Fred saßen sehr weit vorn am Tisch der Gryffindors, ganz in der Nähe von Olivia, Eric, Max und Colin und es schien als würden sie jeden neuen Erstklässler auf ihre Weise begrüßen.
Nach Ethan Portsman, der nach Ravenclaw kam, war endlich Lily an der Reihe.
„Potter, Lily", rief Professor Crouch. Lily ging nach vorn, sie nahm auf dem Stuhl Platz und setzte sich den Hut auf den Kopf, der ihr sofort bis über die Nase rutschte und sie in sein schwarzes Inneres blicken ließ.
„Ein schlaues Köpfchen hast du", ertönte eine piepsende Stimme aus dem Hut, „und natürlich besitzt du auch ein großes Talent. Ja, mit den richtigen Entscheidungen wirst du es weit bringen."
Lily wartete darauf, dass der Hut weitersprach.
„Aber wie ich sehe, willst auch du nach Gryffindor, hm?", piepste die Stimme.
Es war keine Frage, natürlich wollte Lily dorthin.
„Nun, du hast einen herausragenden Mut und auch die nötige Willensstärke. Tatsächlich wäre Gryffindor eine ausgezeichnete Wahl", stellte der Hut fest.
Erleichterung durchströmte Lilys Körper. Sie hatte es geschafft.
„Also dann, GRYFFINDOR!" verkündete der Hut.
Am Tisch der Gryffindors brach tosender Applaus los. Lily legte den Hut zurück auf den Stuhl und lief zu ihnen.
Ein berauschendes Glücksgefühl durchströmte ihren Körper: Sie war eine Gryffindor!
Als sie sich an den Tisch setzte, legte James scherzhaft einen Arm um sie.
„Gut gemacht, Lily", sagte er und auch Fred, ihr Cousin, der mit James in ein Jahr ging, klopfte ihr auf die Schulter.
Lily und Colin grinsten sich an.
Nun waren nur noch wenige Erstklässler übriggeblieben. Davey Robins und Penelope Roper waren ebenfalls nach Gryffindor gekommen.
Lorcan brauchte etwas länger mit dem Hut, doch schließlich wurde er ein Ravenclaw und auch bei Lysander ging es nicht gerade schnell. Nach einiger Zeit jedoch verkündete der Hut, er sei ein Hufflepuff und der Tisch am anderen Ende der Halle jubelte lautstark. Von denen, die mit Lily in einem Abteil gesessen hatten, waren nur noch Lucy und Fannie übrig. Hayden Smith wurde ein Hufflepuff, David Spinks ein Slytherin, Clementia Tiffin eine Ravenclaw und nach Garnet Trumble, die auch nach Gryffindor kam, war endlich Lucy an der Reihe.
Lily merkte, wie sie zögerte nach vorn zu gehen, doch allzu lange brauchte der Hut bei ihr nicht und schließlich kam sie nach Ravenclaw.
Fannie ging schnell nach vorn, nachdem sie aufgerufen wurde und der Hut berührte nur leicht ihren Kopf, als er auch schon „Hufflepuff" rief.
Nach ihr kam Paul Winter nach Ravenclaw und Robigus Zabini und Eileen Zeller wurden beide Slytherins.
Schließlich rollte Professor Crouch ihr Pergament zusammen und trug den Sprechenden Hut fort.
Kurz darauf trat der Schulleiter nach vorn.
„Willkommen, zu einem neuen Jahr in Hogwarts!", sagte Professor Wennell.
Lily sah sich in der Großen Halle um, alle Schüler hingen gebannt an seinen Lippen.
„Doch bevor ich nun noch viele Worte verliere", sprach er, „möchte ich lieber das Bankett eröffnen, denn ich weiß, ihr seid alle hungrig, von der langen Reise. Ich wünsche euch also einen guten Appetit!"
Just diesem Moment erschien vor ihnen das Essen. Es gab Roastbeef, Brathähnchen, Schweine- und Lammkoteletts, Würste, Schinken, Steaks, Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Pommes, Yorkshire-Pudding, Erbsen, Karotten, Ketchup und, aus irgendeinem merkwürdigen Grund auch Pfefferminzbonbons.
Lily nahm von jedem etwas. Das Essen schmeckte einfach zu köstlich, noch besser als das zu Hause von ihrer Mum und sogar ihre Großmutter hätte es nicht besser gekonnt.
Kurze Zeit später schwebte der Fast Kopflose Nick am Tisch der Gryffindors entlang. Lilys Brüder und Eltern hatten ihr oft von Nick erzählt: Er war der Hausgeist von Gryffindor. Doch Nick stellte sich als Sir Nicholas de Mimsy-Porpington vor und beschwerte sich, dass er auch in diesem Jahr wieder nicht an der Jagd der Kopflosen teilnehmen konnte. Lily fragte sich, was das sein mochte, doch sie konnte auch gut auf eine Antwort verzichten. Wie ein nettes unterhaltsames Spiel klang es jedenfalls nicht.
Also sah sie am Gryffindortisch entlang, auf der Suche nach ihren Brüdern, Cousins und Cousinen. James und Fred saßen mit ein paar Freunden rechts neben ihr, davon gegenüber Molly mit vier anderen Mädchen. Molly sah ihrer Großmutter, nach der sie auch benannt war, sehr ähnlich. Sie hatte wie fast alle Weasleykinder außer Victoire und Dominique die flammendroten Haare geerbt. Im Gegensatz zu ihrer Schwester jedoch hatte sie braune Augen, so wie die von Grandma Molly.
Albus und Rose sah Lily ziemlich weit hinten. Sie redeten mit Ascella Longbottom, einer guten Freundin, die Lily kannte, da sie am Anfang der Ferien bei ihnen gewesen war. Obwohl Ascella denselben Nachnamen trug wie Neville, den Lily von nun an Professor Longbottom nennen würde, war sie nicht seine Tochter. Allerdings definitiv eine etwas entferntere Verwandte.
Hugo saß mit seinem besten Freund Andrew Coote neben Rose und Albus und schaufelte so viel von dem Essen in sich hinein, dass Lily dachte, er müsse bald platzen. Auch Dominiques silberblonden Haarschopf und Roxanne, die genau so aussah wie Fred nur, dass sie längere Haare hatte, sehr lange sogar, erkannte sie mit einigen ihrer Freunde in der Mitte des Tisches. Lilys Cousin Louis war bisher der einzige Weasley unter den Ravenclaws gewesen. Man brauchte nur einen Blick auf den Ravenclawtisch zu werfen, schon fiel einem sein ebenfalls flammendroter Haarschopf ins Auge. Er schien ganz in der Nähe von Lucy zu sitzen.
„Üsch freue müsch scho au' gen Nachküsch", sagte Colin schmatzend und riss Lily somit aus ihren Gedanken. Er hatte den ganzen Mund voll, doch als er sprach fiel ihm die Hälfte wieder auf den Teller.
Ein älteres Mädchen mit langen schwarzen gewellten Haaren, das wohl in James, Freds und Mollys Jahrgang sein musste, lächelte darüber, wandte sich aber dann wieder ihrem Essen zu. Anscheinend war sie Vertrauensschülerin, denn ein rot-goldenes Wappen mit einem „P" steckte an ihrer Brust.
„Das ist Gracie Connor", stellte James sie vor, als er merkte, dass Lily sie betrachtete.
Gracie sah auf.
„Gracie, das ist Lily, meine kleine Schwester", fügte er hinzu und die Vertrauensschülerin schenkte ihr ein Lächeln.
Schon bald erschien der Nachtisch: ganze Blöcke von Eiscreme in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen, Apfelkuchen, Zuckergusstorten, Schoko-Éclairs und mit Marmelade gefüllte Donuts, Biskuits, Erdbeeren, Wackelpudding, Reispudding… Ihre Teller waren wieder blitzblank und sie konnten sich neu auftun.
Lily staunte. So viel Essen hatte sie nicht einmal mehr an Weihnachten gesehen, wenn sich die ganze Familie im Fuchsbau versammelte.
Obwohl sie eigentlich schon satt war, schaufelte sie sich ihren Teller voll mit Eiscreme.
Nachdem das Essen und ihre Teller verschwunden waren, trat der Schulleiter wieder nach vorn.
„Nun, da der Hunger in euren Mägen gestillt sein dürfte, kommen wir zu den Mitteilungen am Schuljahresbeginn", fing Professor Wennell an, „Zuallererst möchte ich daran erinnern, dass der Wald auf unseren Ländereien verboten ist. Auch Scherzartikel, die bei Weasleys Zauberhafte Zauberscherze gekauft wurden, sind untersagt."
Fred und James grinsten breit und Lily sah wie Gracie genervt den Kopf schüttelte.
„Mr Filch hat mich gebeten, euch in Erinnerung zu rufen, dass auf den Gängen nicht gezaubert werden darf", fuhr der Schulleiter seine Rede fort und ein sehr weit außen rechts am Lehrertisch sitzender scheinbar gebrechlicher alter Mann lächelte fies, wobei er ein grauenhaftes Gebiss preisgab, bei dem bereits mehr als nur ein Zahn fehlte.
Unter dem Tisch saß eine Katze mit großen gelben Augen, die Lily zu durchleuchten schienen. Verwirrt wandte sie ihren Blick ab. Der Schulleiter war nun am Ende seiner Rede angekommen.
„Und nun möchte ich, dass ihr zu Bett geht und euch ausschlaft. Die Vertrauensschüler mögen bitte die Erstklässler in ihre Gemeinschaftsräume führen!"
Sofort herrschte ein riesiges Gedränge.
„Erstklässler zu mir!", rief Gracie und winkte sie mit einer Hand zu sich.
Alle Erstklässler folgten Gracie aus der großen Halle hinaus.
Lily ging neben Colin und Eric, hinter ihnen waren Olivia Abbott und Garnet Trumble.
Gemeinsam stiegen sie die Marmortreppe hinauf und es war, genau wie Lily erwartet hatte, sehr anstrengend. Sie war schon jetzt todmüde und schleppte sich nur langsam vorwärts. Eine Ewigkeit dauerte es, bis sie alle Treppen hochgestiegen waren und endlich vor einem Porträt mit einer fetten Dame standen.
„Gloria Audacis", sagte Gracie und das Porträt schwang zur Seite.
Sie betraten einen gemütlichen runden Raum mit einem Kamin, um den weiche Sofas und Sessel herumstanden. Es gab außerdem viele Tische und Stühle. Die Wände waren mit Teppichen behangen und weit hinten führten zwei Wendeltreppen weiter hinauf. Lily wusste, dass dort die Schlafsäle waren.
Gracie zeigte den Jungen den Weg zu den ihren und Colin und Eric stiegen mit den drei anderen die linke Treppe hinauf, während die Mädchen die rechte hochkletterten.
Sie kamen auf einem kleinen Gang zu einer schweren Tür mit der Aufschrift: „Erstklässlerinnen".
Nachdem sie die Tür aufgeschoben hatten, betraten sie den Raum, in dem fünf Himmelbetten mit rot-goldenen Vorhängen im Kreis aufgestellt waren. Ihr Gepäck war schon hochgebracht worden und stand direkt davor. Auch Morgana lag zusammengerollt auf einem der Betten, auf das Lily geradewegs zuging. Es stand am weitesten hinten im Raum.
Gähnend kramte Lily noch ihren Schlafanzug aus ihrem Koffer und zog ihn über, während Susanna Lewis im Bett links von ihrem einfach angezogen unter ihre Decke schlüpfte und einschlief. Auch Lily schlief schnell ein. Sie träumte, sie säße wieder zu Hause bei ihren Eltern und alles wäre wie sonst. Doch auf einmal pickte wieder eine Eule an ihr Esszimmerfenster und Professor Crouch schrieb in einem Brief, sie könne leider nicht in Hogwarts aufgenommen werden. Lilys Eltern sahen sie enttäuscht an und versicherten ihr, dass es nicht so schlimm sei, ihre Großcousins würden schließlich auch auf eine Muggelschule gehen. Wenn sie wollte, könnten sie Lily dort sofort anmelden.
AN: Ja, das Gedicht vom Sprechenden Hut habe ich selbst gereimt.
Zu diesem Kapitel gibt es ein Sidechapter, das euch mehr über James und Albus verrät: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/1/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Zurück[/link]
Hier noch einmal Lilys Jahrgangsliste:
Gryffindor
Olivia Abbott
Susanna Lewis
Lily Potter
Garnet Trumble
Penelope Roper
Eric Bedloe
Max Fry
Nicolas Martin
Colin McKinnon
Davey Robins
Hufflepuff
Macie Bones
Moyra Bones
Helena Branstone
Melania MacMillan
Fannie White
Simon Derricks
John Jones
Tim Perks
Lysander Scamander
Hayden Smith
Ravenclaw
Ruby Chambers
Polly Grey
Sandra McKain
Clementia Tiffin
Lucy Weasley
Marcus Corner
Dennis Fawcett
Ethan Portsman
Lorcan Scamander
Paul Winter
Slytherin
Amanda Bolt
Vipera Flint
Dorea Gamp
Valerie Harper
Eileen Zeller
Gregory Goyle
Tiberius Madford
Ruben Nott
David Spinks
Robigus Zabini
