Flugstunde

Auch viele der anderen Erstklässler schienen sich sehr auf die Flugstunden gefreut zu haben, denn plötzlich wurde nur noch über das Fliegen, verschiedene Besen und natürlich Quidditch geredet. Colin allen voran hörte in den wenigen Tagen kaum auf zu reden und erzählte überall die Geschichten über seine Erlebnisse auf einem Besen herum. Meistens verzog Eric sich dann sofort und gab vor, er müsse in die Bibliothek, um seine Hausaufgaben zu erledigen, aber Lily wusste genau wusste, dass er die bereits zuvor erledigt hatte.

Natürlich war Lily selbst auch schon oft geflogen. Ihr eigener Besen, ein Nimbus 3001, war zwar inzwischen schon wieder alt, aber trotzdem noch recht gut. Seitdem James und Albus im Quidditchteam von Gryffindor spielten, hatten beide einen Feuerblitz 5 bekommen und davon träumte Lily nun auch schon längere Zeit. Leider ließen ihre Brüder sie nur ganz selten mit ihren fliegen.

Als Lily, Colin und Eric am letzten Septembermorgen vor ihrer ersten Flugstunde am Gryffindortisch saßen und die Eulen hereinflogen, setzte sich eine von ihnen mit einem Brief an den Krallen neben Lilys Teller und sah sie erwartungsvoll an. Sich wundernd, von wem der wohl sein konnte, nahm Lily der Eule den Brief ab und öffnete ihn. Er war in einer sehr krakeligen Handschrift geschrieben.

Liebe Lily,

ich würde mich freuen, wenn du und deine Freunde heute nach dem Unterricht zum Tee vorbeikämet. Bitte schick mir deine Antwort!

Alles Liebe, Hagrid

„Hagrid hat uns heute Nachmittag zum Tee eingeladen!", erzählte Lily Colin und Eric begeistert.

„Kann ja nicht schaden, wenn wir mal hingehen", murmelte Eric Schultern zuckend.

Er war ein wenig angespannt, wahrscheinlich wegen der kommenden Stunde, doch Lily kritzelte hastig ein „Wir kommen!" auf die Rückseite, rollte die Nachricht wieder ein und band sie um den Fuß der Eule.

Heute waren alle die Gryffindor-Erstklässler in Verteidigung gegen die Dunklen Künste besonders unruhig, weil alle so aufgeregt wegen ihrer ersten Flugstunde waren. Die Slytherins, die erst am Donnerstag dran waren, blickten neidisch drein.

Nach der Stunde machten sich die Gryffindors dann hinunter zum Quidditchfeld, wo sie auf die Fluglehrerin Madame Rivers warteten, die bald darauf auch eintraf. Sie war sehr hochgewachsen, ziemlich schmal, hatte kurze braune Haare und machte einen recht freundlichen Eindruck, doch heute hatte sich etwas verspätet und war in Eile. Zügig begrüßte Madame Rivers die Klasse und stellte sich vor, damit sie endlich beginnen konnten.

Zuallererst sollte sich jeder einen Besen nehmen und ihn neben sich aufs Gras legen. Dann erklärte Madame Rivers ihnen, dass sie nun die Hand darüber ausgestreckt halten und „auf" rufen sollten. Der Besen müsste dann direkt in ihre Hand fliegen.

In Wirklichkeit tat er das jedoch nur bei den Wenigsten.

Lily war die erste, der es gelang, aber sie hätte sich auch geschämt, wenn dem nicht so gewesen wäre. Colin neben ihr brauchte nur ein paar Versuche mehr und bei Eric wiederum klappte es gar nicht.

Als letztendlich alle die Besen in der Hand hielten (Eric hatte seinen zum Schluss einfach aufgehoben.), durften sie sie besteigen. Madame Rivers ging währenddessen herum und zeigte ihnen, wie man sie richtig hielt. Danach befahl sie ihnen, sich bei einem Pfiff aus ihrer Pfeife vom Boden abzustoßen.

Nicolas Martin war kaum abgehoben, als er auch schon vom Besen fiel. Eric stieß sich erst gar nicht vom Boden ab und kniff nur die Augen fest zusammen. Wieder schafften es nur die wenigsten nach oben.

Außer Lily und Colin flogen noch Davey Robins, Olivia Abbott, Max Fry und vier der Hufflepuffs in die Lüfte. Sie bildeten in etwa drei Yard Höhe einen Kreis und blickten auf die anderen hinab, denen Madame Rivers noch helfen musste.

„Diese Besen sind das allerletzte!", beschwerte sich Colin und Davey nickte zustimmend.

„Was hast du denn daheim für einen?", fragte er.

„Einen Feuerblitz 3", antwortete Colin, „und du?"

„Meine Mum war so stolz, als ich in Hogwarts aufgenommen wurde, dass sie mir einen Feuerblitz 6 gekauft hat", erzählte Davey.

Die anderen staunten, alle außer Max. Lily wusste, dass er aus einer Muggelfamilie kam und keine Ahnung von Rennbesen hatte. Außerdem war er immer noch sichtlich verwundert darüber, dass er so einfach in der Luft schweben konnte.

„Sie hofft, dass ich es im nächsten Jahr ins Team schaffe, aber ich glaube nicht, dass ich spielen will", erklärte Davey weiter.

„Also ich werde mich auf jeden Fall im nächsten Jahr bewerben", redete der Hufflepuff Hayden Smith dazwischen, doch ihm hörte niemand mehr zu, denn in diesem Moment hoben alle anderen, die noch unten waren, vom Boden ab, um zu ihnen hinaufzusteigen.

Eric hatte einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Man sah ihm an, dass ihm die ganze Sache nicht geheuer war, denn er schien seinem Besen zu misstrauen und kam nur ganz langsam und in Schlangenlinien voran. Doch das war noch nichts gegen Nicolas Martin, der flog nämlich dauerhaft im Kreis, weil er nicht zu lenken wusste.

Fannie schaffte es auf der Stelle hoch in ihren Kreis. Es hatte wohl zuvor nur an ihrem Selbstvertrauen gehakt, denn nun schien sie ziemlich gut zu fliegen. Auch ein paar andere kamen noch hinzu und erfreuten sich an ihren neugewonnenen Fähigkeiten.

Plötzlich jedoch hörten sie von unten her ein dumpfes Geräusch und sofort blickten alle hinab. Gerade erkannten sie noch, wie Eric und Nicolas unsanft auf dem Boden aufschlugen und übereinander ins weiche Gras fielen. Nicolas versuchte sogar kurz darauf wieder aufzustehen, übergab sich jedoch und klappte auf der Stelle wieder zusammen.

„Komm, lass uns mal nachsehen, was mit ihnen ist!", wandte Lily sich an Colin und die beiden flogen hinab.

Auch Madame Rivers war bereits zur Stelle und beschwor für Nicolas eine Trage herauf. Eric schaffte es, allein wieder aufzustehen, und konnte sich noch gut auf den Beinen halten.

„Die Flugstunde ist für heute beendet!", rief Madame Rivers zu den anderen hinauf, „Bitte kommt auf der Stelle wieder herunter und geht in eure Gemeinschaftsräume! Wir sehen uns dann nächste Woche wieder hier."

„Mr Bedloe, ich schlage vor, Sie und Mr Martin kommen nun mit in den Krankenflügel", sagte sie danach an Eric gewandt.

Dieser nickte sofort.

„Dürfen wir auch mitkommen?", fragte Lily schnell.

Argwöhnisch beäugte Madame Rivers Lily und Colin, die beide ihren besten Hundeblick aufgesetzt hatten. Sie überlegte einen Moment, was Lily daran erkannte, dass sich auf ihrer Stirn eine Falte gebildet hatte.

„In Ordnung", gab sie schließlich geschlagen.

Also gingen Lily, Colin, Eric und Nicolas zusammen mit Madame Rivers in den Krankenflügel, wo Madame Longbottom, die Krankenschwester sich sofort um die beiden Patienten kümmerte.

Lily kannte Madame Longbottom natürlich auch. Sie war Nevilles Ehefrau Hannah.

„Jedes Jahr dasselbe", seufzte sie, während sie Eric und Nicolas untersuchte, „Einmal möchte ich erleben, dass die Flugstunden ohne Verletzungen überstanden werden."

Eric, der sich nur leicht einen Knöchel angeknackst hatte, war im Nu wieder geheilt, doch Nicolas wollte Madame Longbottom vorsichtshalber noch dabehalten. Ihm war wohl von dem vielen im Kreis herum fliegen schwindelig geworden, sodass er erst einmal ein wenig Ruhe bräuchte.

Lily, Colin und Eric versprachen, ihm nachher die Hausaufgaben vorbeizubringen, bevor sie sich schließlich auf zu einer Doppelstunde Kräuterkunde zusammen mit den Slytherins machten.

Eric schwieg den ganzen Weg über. Wahrscheinlich wollte er einfach nicht, dass Colin etwas sagte. Ihm schien die Sache mit dem Fliegen ganz schön peinlich zu sein.

„Weißt du", fing Colin trotzdem vorsichtig an und durchbrach damit die Stille, „die Besen merken es, wenn du Angst hast, und dann tun sie gleich, was sie wollen."

„Ich hatte aber das Gefühl, mein Besen hätte einen Drall nach links", entgegnete Eric zerknirscht.

„Ja, das kann sein", gab Lily zu, „Die Dinger sind uralt, sogar meine Großeltern sind schon auf diesen Besen geflogen."

Eric wirkte daraufhin etwas glücklicher. So konnte er sich einreden, dass es nicht seine Schuld war, wenn er so miserabel flog. Auch die Sicht auf Kräuterkunde zusammen mit Professor Longbottom schien seine Laune zu bessern, denn es war nicht nur eines der Fächer, das Lily am liebsten mochte. Fast jeder Schüler schien dieses Fach zu lieben. Auch James und Albus hatten vorher nur Gutes über den Unterricht von Professor Longbottom erzählt und das wollte schon etwas heißen, da die beiden nicht gerade Musterschüler waren und man sie regelrecht zwingen musste ihre Nasen in ein Buch zu stecken. Albus konnte dabei von Glück reden, dass er Rose hatte, die sich zu allem Notizen machte, dachte Lily.

Sie selbst aber liebte es, in der Erde herumzuwühlen, und fand die Pflanzen, die sie bisher durchgenommen hatten, alle interessant. Auch bei sich zu Hause hatte sie sich schon um einige eigene Blumen in ihrem Zimmer gekümmert. Das war selbstverständlich nichts im Vergleich zu den Pflanzen, die sie hier im Unterricht durchnahmen.

In der Doppelstunde am Nachmittag ging es um einfache Kräuter, die zum Heilen verschiedenster Krankheiten benötigt wurden und Professor Longbottom teilte je zwei Gryffindors zusammen mit zwei Slytherins in eine Gruppe. Lily musste mit Vipera Flint und Ruben Nott zusammenarbeiten. Da Nicolas immer noch im Krankenflügel lag, war Lily allein aus Gryffindor, wie sie missmutig feststellte. Colin, der mit Garnet, Dorea Gamp und Gregory Goyle in einer Gruppe war, warf ihr einen mitleidigen Blick zu. Lily biss sich derweil auf die Lippe und ging zu Nott und Flint hinüber, die sie bereits fies angrinsten.

Ihre Aufgabe war es, Ableger der Kräuter in andere Töpfe zu setzten und diese zu beschriften, dabei mussten sie genau darauf achten, dass den Wurzeln der Pflanzen nichts passierte.

„Ich habe gehört Martin ist vom Besen gefallen?", spottete Nott und Flint lachte, sie lachte tief und dümmlich, wie ein Troll und zeigte dabei ihre gelb-schwarzen Zähne.

Lily hatte diese lieber nicht sehen wollen und ihr lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Sie fragte sich, wie die beiden davon erfahren hatten.

„Lasst uns anfangen", schlug Lily seufzend vor und versuchte dabei eine freundliche Miene aufzusetzen, während sie Notts Kommentar völlig überging.

„Bist du dir nicht viel zu schade, um in der Erde herum zu wühlen, Potter?", fragte Ruben Nott höhnisch und Flint lachte wieder, doch Lily runzelte die Stirn.

„Im Gegensatz zu dir lasse ich nicht jede schmutzige Arbeit von meinem Hauselfen erledigen", gab Lily zurück und stemmte die Hände in die Hüften, so wie es oft ihre Mutter und ihre Großmutter taten.

„Ihr habt ja auch die Weasleys, ich wette die kosten noch viel weniger und die wären um einen Schlafplatz in eurem Keller sicher dankbar!", höhnte Nott.

Prompt lief Lily puterrot an und zog sofort ihren Zauberstab aus ihrem Umhang. Das sollte dieser kleine Bastard noch einmal wagen zu sagen.

„Miss Potter, Miss Flint, Mr Nott, was ist bei Ihnen los? Sie sind die einzige Gruppe, die immer noch nicht angefangen hat!", schimpfte Professor Longbottom.

Dann sah er auf Lilys Zauberstab.

„Würden Sie so freundlich sein und den wieder einstecken?", bat er sie, während er darauf deutete.

Lily ließ es sich nicht zweimal sagen und steckte ihn auf der Stelle wieder zurück in die Tasche. Schnell nahm sie sich einen der Töpfe und löste vorsichtig die Kräuter daraus. Sie hatte keine Lust auf noch mehr Ärger. Immerhin kannte Professor Longbottom ihre Eltern und was war, wenn Gryffindor am Ende noch ihretwegen Punkte abgezogen bekam? Nott und Flint schauten ihr dabei zu, wie sie die Ableger von der Mutterpflanze trennte, selbst arbeiteten sie jedoch gar nicht. Professor Longbottom hingegen lächelte ihr aufmunternd zu und zwinkerte, was Lily etwas beruhigte und sie fühlte sich nun wesentlich besser.

Bis zum Ende der Stunde schaffte sie es sogar achtundzwanzig Ableger in neue Töpfe zu setzen. Während alle ihre Sachen zusammen packten, rief Professor Longbottom Nott und Flint zu sich.

Lily wollte das Gespräch unbedingt mithören und tat deshalb so, als würde sie noch etwas in ihrer Tasche suchen. Vielleicht ein etwas zu alter Trick, doch Professor Longbottom ignorierte es.

„Sie beide haben in dieser Stunde nicht eine meiner Anweisungen befolgt", sagte Professor Longbottom streng zu Flint und Nott, die kleinlaut vor ihm standen, „Also werden Sie mir bis Morgen einen fünf Fuß langen Aufsatz über Auxiliumkräuter schreiben. Haben wir uns verstanden?"

Nott und Flint nickten in der Hoffnung, einer heftigeren Strafe zu entgehen.

„Außerdem ziehe ich Slytherin dafür 25 Punkte ab und sollte das noch einmal vorkommen, wird Mr Filch sich sicher freuen, Sie beim Nachsitzen wieder zu sehen!", fügte er noch hinzu.

Lily hatte gehört, was sie hören wollte und verließ mit hastigen Schritten und einem schadenfrohen Grinsen das Gewächshaus.

Colin und Eric hatten davor auf sie gewartet. Natürlich fragten sie sofort, was Professor Longbottom denn gesagt hätte und während sie hinauf zum Schloss liefen, erzählte Lily ihnen die ganze Geschichte.

„Geschieht ihnen nur recht", freute sich Colin, als sie geendet hatte.

Die drei standen nun in der Eingangshalle.

„Ist doch klar, dass Potter von Longbottom bevorzugt wird. Potter hier, Potter da! Das ist doch bei allen Lehrern dasselbe. Ich wette, die würden sich auch darum reißen, ihr den Arsch abzuwischen, nur weil ihr Vater der große Harry Potter ist", hörten Lily, Colin und Eric Notts spottende Stimme sagen.

„Hör nicht hin, Lily", riet Eric ihr und schob sie vorwärts, doch Lily blieb stehen.

„Was meint er mit der große Harry Potter?", fragte sie Stirn runzelnd an Colin gewandt.

Dieser sah sie überaus erstaunt an.

„Potter ist doch bloß ein weiterer Freund von Blutsverrätern und Schlammblütern", rief Nott, während er mit Flint in Richtung Große Halle ging und wieder zog Lily ihren Zauberstab. Dieses Mal hatte sie endgültig genug.

„Lily, das bringt doch nichts!", zischte Eric ihr warnend zu und versuchte sie am Arm festzuhalten.

„Lass es, Lily, das ist es nicht wert!", sagte auch Colin, aber Lily wusste genau, welchen Fluch sie brauchte und hatte ihn schon auf den Lippen, als sie direkt auf Nott zielte, und tatsächlich traf ihn der Strahl direkt im Rücken.

„Miss Potter, Sie wissen genau, dass es in der Eingangshalle verboten ist zu zaubern", ertönte Professor Crouchs Stimme hinter ihnen.

Lily zuckte zusammen und wollte schon herumwirbeln, doch genau in dieser Sekunde drehte Nott sich herum und Colin stieß beim Anblick seines Gesichts einen Pfiff aus.

„Der Flederwichtfluch", erklärte Lily stolz auf sich selbst.

Ihre Mutter hatte ihr mal von diesem Zauberspruch erzählt und er war gerade der erstbeste gewesen, der ihr in den Sinn gekommen war. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass sie ihn überhaupt hinbekam, aber Nott schien ihr ein geeignetes Versuchsobjekt zu sein.

Aus der herumstehenden Schülermenge war lautes Gelächter zu vernehmen.

„Nachsitzen!", bellte Professor Crouch wütend, aber Lily war es egal, denn das war es wert gewesen.

„Begeben Sie sich nun bitte zum Abendessen", versuchte Professor Crouch die Schaulustigen zu verscheuchen, „und Sie, Mr Nott, gehen Sie bitte in den Krankenflügel. Madame Longbottom wird sich um Sie kümmern!"

Als sie an Lily, Colin und Eric vorbeikam, warf sie ihnen einen strengen Blick zu.

„Nachsitzen", sagte Eric mitleidig, als sie die Große Halle betraten.

„Wenigstens hat es sich gelohnt", erwiderte Colin und rieb sich die Hände.

Lily sah es genauso wie Colin. Ihr war es egal, ob sie einmal nachsitzen musste. James tat es jede zweite Woche. Sogar Albus hatte schon mehrmals nachsitzen müssen und ihre Eltern waren da sicher keine Ausnahme gewesen. Nott hatte seine Abreibung schlichtweg verdient, doch plötzlich fiel Lily wieder ein, was er gesagt hatte.

Der große Harry Potter."

Was hatte er nur damit gemeint?

Nach dem Abendessen brachten Lily, Colin und Eric ihre Sachen in den Gemeinschaftsraum und eilten dann hinunter zu Hagrids Hütte.

Angelangt auf den Ländereien trafen sie plötzlich wieder auf den Slytherin, den sie bereits Samstagnacht nach Astronomie vor ihrem Gemeinschaftsraum angetroffen hatten. Er stand am Großen See und schien sich mit einem der Meermenschen zu unterhalten.

Lily, Colin und Eric jedoch versuchten möglichst unbemerkt an ihm vorbeizukommen. Wahrscheinlich würde er noch denken, dass sie ihm hinterherspionierten.

Soweit Lily wusste, hatte bisher keiner der Erstklässler gemeldet, was sie vergangenes Wochenende erlebt hatten und so war es keine gute Idee, sich gleich wieder neuen und für Lily sogar weiteren Ärger einzuhandeln.

Hagrid freute sich sehr die drei zu sehen.

„Ich hab' mich schon gefragt, wann ihr mich endlich mal besuchen kommt", begrüßte er sie.

Lily wollte gerade erklären, dass sie in den ersten Wochen so viel erlebt hatten, dass sie schlichtweg vergessen hatte, bei ihm vorbeizuschauen, doch entschied sich dann dagegen.

„Du kennst doch sicherlich die meisten Schüler hier, Hagrid", fragte sie also und Hagrid blickte plötzlich misstrauisch drein.

„Ja, natürlich. Ich sammel' jedes Jahr die Erstklässler vom Bahnhof ein und bring' sie zur Auswahlzeremonie und manche kommen zwei Jahre später dann in mein' Unterricht."

„Könntest du uns dann sagen, wie dieser Schüler dahinten heißt?", fragte Lily und deutete aus Hagrids Fenster, von wo aus man den Schwarzen See sehen konnte.

Hagrid späte durch das kleine Fenster hinaus und kniff die Augen zusammen.

„Er ist ein Slytherin und Schulsprecher", fügte Lily hinzu.

„Ja, den kenne ich. Der war auch bei mir im Unterricht. Hat ein Händchen für Tiere. Kann Meerisch fließend. John Walker heißt er. Aber sagt mal, warum wollt ihr das wissen?"

Hagrid musterte sie durchdringend, aber Lily ließ sich nicht beirren.

„Als wir Samstagnacht von Astronomie zurückgekommen sind, hat er vor unserem Porträtloch herumgeschnüffelt", erklärte Colin, „und mir dann Punkte abgezogen, weil ich gefragt habe, was er da macht."

Hagrid setzte sich und stellte jedem von ihnen eine Tasse hin.

„Ach, der hat nur die Gänge kontrolliert. Manchmal müssen die Schulsprecher das tun und wahrscheinlich wollte er zuerst ein paar Gryffindors fassen. Die mag er nicht sonderlich."

„Aber er war wirklich seltsam", erklärte Lily nun eindringlicher.

„Er hatte seinen Zauberstab erhoben und irgendetwas gegen die Wand gemurmelt", kam Eric ihr nun zu Hilfe.

Hagrid wirkte nun sehr interessiert, schüttelte jedoch gleich darauf den Kopf.

„Nun macht euch mal darum keine Gedanken! Hört ihr? Dein Vater und dein Onkel Ron und deine Tante Hermione, die ham auch immer überall ihre Nase reingesteckt. Du machst das nicht, Lily! Walker ist Schulsprecher, der wird schon wissen, was er tut", sagte Hagrid und hatte nun den Zeigefinger erhoben, „Schnüffelt nicht herum, verstanden!"

Lily sah wie Colin drauf und dran war etwas zu sagen, doch Eric ihn mit einem Tritt ans Bein zurückhielt.

„Verstanden", sagte er schnell und nach einiger Zeit gab auch Lily sich geschlagen.

„Verstanden", seufzte sie.

AN: Zu diesem Kapitel gibt es wieder ein Sidechapter, das euch mehr über James und Albus verrät: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/2/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Schachmatt[/link]