Gryffindor gegen Slytherin

Nachdem alle drei Hagrid versprochen hatten, nicht hinter dem Slytherin Walker herzuschnüffeln, wurde es noch ein lustiger Nachmittag und Abend.

Nach einiger Zeit bemerkte Lily, dass sich unter Hagrids Bett etwas versteckte. Sie war sich zunächst nicht sicher, glaubte dann aber ein leises Winseln vernommen zu haben.

„Das is' Grinder", sagte Hagrid beiläufig, während er Tee in die vier Tassen gab, „Hab' dir sicher schon von ihm erzählt, Lily. Kann ihn leider nie zu euch mitbringen. Was das Reisen angeht, is' er furch'bar scheu und überhaupt ist er ein schlimmerer Angsthase als Fang."

Hagrid wirkte plötzlich traurig.

Fang war Hagrids Hund gewesen, der allerdings vor ein paar Jahren gestorben war.

„Und woher hast du Grinder?", fragte Colin und versuchte unter dem Bett nachzusehen, doch das Winseln wurde noch schlimmer.

„Ich habe ihn gefunden unten in Hogsmeade. Wahrscheinlich hat man ihn ausgesetzt."

„Das ist ja furchtbar!", sagte Eric entrüstet.

„Ja, vor allem isser so'n lieber Junge. Stimmt's Grinder? Mach ihm keine Angst, Colin!"

„Das kommt in der Muggelwelt auch häufig vor, dass Menschen ihre Tiere einfach aussetzen", erzählte Eric.

„Schrecklich", sagte Hagrid, „aber inzwischen geht's ihm gut. Sobald er sich an euch gewöhnt hat, könnt ihr ihn vielleicht mal streicheln. Dein Bruder James hat es letzte Woche schon geschafft. Er kommt ja dauernd her."

Lily wusste, dass James viel auf dem Gelände herumstrich, und das hatte sich sicher nicht gemindert, als er den Tarnumhang von ihrem Dad bekommen hatte. Der kleine Grinder blieb allerdings unter dem Bett sitzen und traute sich nur einmal kurz vor, als Colin ihn mit einem Hundekeks lockte.

Als es draußen dämmerte, beschlossen Lily, Colin und Eric, dass es Zeit war zu gehen, daher verabschiedeten sie sich von Hagrid mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen und schließlich machten sie sich hinauf zum Schloss.

„Du hast den Tee doch nicht ernsthaft getrunken?", fragte Colin Eric.

„Doch", entgegnete dieser.

„Sag nicht, er hat dir geschmeckt? Das war doch nur Wasser mit irgendetwas darin."

„Als ob Tee irgendetwas anderes wäre und nein, es hat mir nicht geschmeckt, ich wollte nur höflich sein."

„Hagrid hätte doch nichts gemerkt, wenn du es in den Blumentopf gekippt hättest."

„Jungs, hört auf!", ging Lily dazwischen und plötzlich hörten sie ein Rascheln.

Sie sahen sich um und ein paar Meter entfernt sahen sie eine größere Gestalt in einem schwarzen Umhang, die zum Schloss hinaufeilte. Alle drei blieben stehen bemüht keinen Ton von sich zu geben.

„Träume ich, oder war das schon wieder dieser komische Slytherin?", fragte Colin, als dieser außer Sichtweite war.

„Ja eindeutig, aber was hatte der hier schon wieder verloren?", fragte Eric, „Ich meine, war er die ganze Zeit hier, während wir bei Hagrid waren?"

„Sah aus, als kam er aus Richtung des unterirdischen Bahnhofes! Ihr wisst schon, den für die Boote", erklärte Lily und deutete hinüber zu dem Spalt in der Erde.

„Was sollte er dort getan haben?", fragte Colin verwundert.

„Keine Ahnung", antwortete sie ihm und zuckte die Schultern, „Ich würde gern nachsehen, aber wir müssen schon in zehn Minuten oben sein."

„So langsam kommt mir der Typ immer seltsamer vor. Ich glaube, der hat irgendein Geheimnis. Was zum Beispiel hat er mit seinem Zauberstab an der Wand gemacht? Warum redet er außerhalb der Unterrichtszeit mit den Meermenschen?"

Eric redete vor Aufregung unglaublich schnell.

„Ja", antwortete Lily langgezogen, „und wisst ihr, was das Seltsame ist. Ich glaube, dass ich ihn vorher schon einmal gesehen habe, irgendwo. Er kommt mir total bekannt vor, aber ich kann mich nicht erinnern."

Colin und Eric starrten sie kurz an, doch dann entschieden sie sich, schnell hoch ins Schloss zurückzukehren, bevor sich mit der Sperrstunde das Tor schloss.

„Warum kennt dein Vater eigentlich so viele Lehrer so gut?", fragte Eric nach einer Weile.

„Ich weiß nicht", gab Lily zu, „Also mit N... Professor Longbottom und seiner Frau ist er zur Schule gegangen und Hagrid war damals auch schon hier. Ich denke, deshalb."

Lily bemerkte, wie Colin Eric einen Blick zuwarf, aber Lily wusste nicht, was der zu bedeuten hatte. Des Weiteren zog sie es auch vor, nicht zu fragen.

Die Geschichte über Lilys Flederwichtfluch hatte sich schnell herumgesprochen. Als Lily, Colin und Eric später den Gryffindor-Gemeinschaftsraum betraten, kamen James, Fred und ihr bester Freund Marius Proudfoot zu ihnen. Sie alle applaudierten ihr scherzhaft und Fred pfiff durch die Zähne.

„Crouch hat dir Nachsitzen aufgebrummt?", fragte Marius belustigt.

Lily kannte Marius schon lange. James, Fred und er waren seit ihrem ersten Hogwartsjahr unzertrennlich und natürlich hatte er James ein ums andere Mal bei ihnen zu Hause besucht. Bis vor kurzem hatte er allerdings eine Freundin aus Hufflepuff gehabt, weshalb Lily ihn in diesem Jahr seltener bei James und Fred gesehen hatte, als sie erwartet hätte.

„Ja", presste Lily hinter zusammengebissenen Zähnen hervor.

Sie ahnte schon, dass Fred und James nicht ihre letzten Verwandten waren, die sie darauf ansprechen würden.

„Was wird Mum nur dazu sagen?", grinste James.

Lily sah ihn wütend an und er wich zurück.

„Ist ja schon gut", beschwichtigte er sie, „Von mir erfährt sie nichts!"

„Das ist auch besser so, denn dann sage ich ihr, dass du und Fred Scherzartikel von Onkel George ins Schloss geschmuggelt habt!"

James zog die Brauen hoch und Marius lachte darüber.

„Woher weißt du das?", fragte er prüfend.

Doch Lily warf ihm nur einen Blick zu, der ihn nicht weiter fragen ließ und er, Fred und Marius zogen ab. Was für eine dumme Frage, dachte sich Lily. Wer wusste das nicht?

Solange Lily auch darüber nachdachte, ihr fiel nicht ein, woher sie John Walker kennen sollte. Seinen Namen jedenfalls hatte sie bei Hagrid zum ersten Mal gehört. Die ganzen nächsten Wochen überlegte sie, wo sie ihn schon einmal gesehen hatte, doch sie erinnerte sich nicht. Die Zeit in Hogwarts verstrich, ohne dass sie ihm noch einmal begegneten. Kaum hatte Lily sich versehen stand auch schon das erste Quidditchspiel der Saison vor der Tür: Gryffindor gegen Slytherin.

Lilys Brüder James und Albus waren beide seit geraumer Zeit im Gryffindor-Quidditchteam und James war sogar der Kapitän. Erstaunlicherweise war er das schon seit seinem dritten Schuljahr hier, denn er spielte als Jäger herausragend. Albus war im letzten Jahr als Sucher in die Mannschaft gekommen und schien wohl auch ganz passabel zu sein.

Es war der Samstag vor Halloween, als Lily, Colin und Eric am Morgen hinunter in die Große Halle stiefelten und der ganze Gryffindortisch Rot und Gold geschmückt war. Es herrschte eine aufgeregte Stimmung. Fast alle Schüler trugen Schals oder Hüte, um später ihre favorisierte Mannschaft anzufeuern.

Die Slytherins waren in Grün und Silber gekleidet, aber auch die Hufflepuffs und die Ravenclaws hatten sich aufgeteilt, um eines der beiden Häuser zu unterstützen. Andere wiederum waren unparteiisch.

„Komm schon, Albus, wenigstens ein Toast", redeten Rose und Ascella Longbottom auf Lilys Bruder ein, „Du musst doch etwas essen!"

Doch egal, was sie sagten, es half nichts. Albus war viel zu aufgeregt, ganz im Gegensatz zu James, der ein Toast nach dem anderen hinunterschlang, während Fred, Gracie und ein paar andere Fünftklässler ihm dabei zusahen, nicht sicher, ob sie angewidert sein, oder es lustig finden sollten.

„Musst du vorm Quidditch immer so viel essen?", fragte Gracie ihn.

James sah kurz von seinem Teller auf, nickte dann und aß weiter.

Marius Proudfoot grinste.

„Lass ihn doch, Gracie! Wenn er es braucht... Hauptsache wir gewinnen!"

Nach dem Frühstück gingen alle gemeinsam hinaus aufs Quidditchfeld. Lily, Colin und Eric setzten sich nebeneinander auf eine der Tribünen, von wo aus sie eine sehr gute Sicht hatten.

„Was denkst du wer gewinnt?", hörte Lily auf einmal eine ihr bekannte Mädchenstimme hinter sich fragen.

Sie drehte sich herum und erblickte fünf Mädchen, die sich gerade auf einer der Holzbänke niederließen, darunter auch Lucy und Fannie. Alle fünf trugen dabei einen Gryffindorhut mit einem großen Löwen darauf.

„Eindeutig Gryffindor", antwortete Lucy wichtigtuerisch, „Die Mannschaft besteht über die Hälfte nur aus meinen Verwandten. Slytherin hat keine Chance!"

„Hi, Lily!", setzte sie hinzu, als sie sie bemerkte.

„Also mein Cousin James ist Jäger und Kapitän, meine Cousine Roxanne ist auch Jägerin und ihr Bruder Fred Treiber und der Sucher ist auch mein Cousin. Er heißt Albus", erklärte Lucy stolz.

„Deshalb hast du uns gezwungen, die hier anzuziehen", beschwerte sich ein Mädchen mit orange-roten Locken, das Lily als Ruby Chambers kannte.

Sie war wie Lucy eine Ravenclaw.

„Also mich stören die nicht", erklärte ein anderes Mädchen mit langen braunen Haaren, die außerdem auch einen Schal hatte, „ich hätte ohnehin nicht gewusst, für wen ich sein sollte."

„Sei still, Polly, es fängt an!", ermahnte Ruby sie plötzlich und hielt ihr die Hand vor den Mund.

„Und da kommen die Mannschaften", ertönte Marius' Stimme laut aus einem magischen Megafon.

Lily überraschte das. Sie hatte nicht gewusst, dass James' Freund auch Stadionsprecher war.

„Beide Teams sollen in diesem Jahr in Topform sein", kündigte er an, „Nun gibt der Gryffindor-Kapitän James Potter dem Mannschaftskapitän von Slytherin Kevin Flint die Hand. Wollen wir sehen, ob Albus Potter seine Erfolge vom letzten Jahr erweitern kann. Mit ganzen drei Schnatzfängen eine wahre Bereicherung für das Gryffindor-Quidditchteam!"

Ein lautes Jubeln ging von allen Rängen her und Lily sah, dass Albus puterrot anlief.

Es dauerte einige Minuten, bis plötzlich ein Pfiff ertönte und alle Besen in die Höhe stiegen.

„Potter mit dem Quaffle, rüber zu Wesp, Wesp zu Weasley, nein Weasley verliert ihn an Flint, Flint gibt weiter an Bulstrode, doch Potter geht dazwischen. Gryffindor wieder in Quafflebesitz. Potter zurück zu Weasley, Weasley zu Wesp, doch da kommt Bulstrode, Wesp duckt sich, Wesp rüber zu Potter. Los James, knall Gibbon die Birne weg!"

„Proudfoot!", schrie Professor Crouch ihn an.

„Tut mir leid, Professor. Potter wirft und jaaaaaaaaaa, 10 zu 0 für Gryffindor!"

Die Menge jubelte. Lily hörte einige Mädchen kreischen.

„Noch so ein Ding Potter und deine Fans fallen in Ohnmacht", sagte Marius durch sein Megafon und Lily erkannte, dass James grinste.

„Proudfoot, Sie sollen das Spiel kommentieren!", erinnerte ihn Professor Crouch mit wütender Stimme.

Sie war fast so laut wie Marius mit seinem Megafon.

„'Tschuldigung, Professor!"

„Und jetzt wieder Flint, Flint zu Bulstrode, Bulstrode wieder zurück zu Flint. Das war ein Klatscher von Weasley, Flint sackt ab mit seinem Besen, ich habe mich immer schon gefragt, ob der nicht sowieso zu schwer ist."

„Proudfoot, ich warne Sie, noch ein Wort!"

„Schon gut, Professor!"

„Weasley zu Wesp, Wesp zu Weasley, Klatscher von Devin, doch sie duckt sich, rüber zu Wesp und Flint fliegt direkt in ihn hinein."

Buhrufe kamen aus der Menge.

„Rivers entscheidet Strafstoß für Gryffindor. Auch in diesem Jahr muss Slytherin aus mangelndem Talent wieder zu solchen Mitteln greifen, wirklich schade."

Diesmal sagte Professor Crouch nichts.

Das Spiel ging noch eine Weile hin und her. Schließlich stand es 80 zu 60 für Gryffindor.

„Potter hat den Schnatz gesichtet und jagt ihm hinterher, Malfoy ist ihm dicht auf den Fersen, aber er hat wohl keine Chance, Potter bleibt hartnäckig. Richtig so Al!"

Lily sah, wie Albus immer höher in die Lüfte stieg. Schon bald war er nur noch als schmaler Punkt zu erkennen. Aufgeregt sahen die Zuschauer gen Himmel, wo jedoch nichts wirklich Interessantes zu erkennen war.

Plötzlich aber schoss etwas von oben direkt aufs Spielfeld zu. Es war Albus im Sturzflug, dem der Schnatz nur noch Zentimeter von den Händen entfernt war. Er war wahnsinnig schnell und einige Zeit lang sah es so aus, als würde er im Gras aufprallen, doch dann sah Lily, wie sich Albus Hand um den goldenen Ball schloss und er die Spitze des Besenstiels wieder nach oben zog, wodurch er elegant in der Luft abbremste.

Die Gryffindors johlten.

„Potter fängt den Schnatz, 150 Punkte für Gryffindor! Gryffindor gewinnt 230 zu 60!"

Der Lärm im Stadion durch den Jubel aller Gryffindors war wieder einmal ohrenbetäubend, doch Lily hatte sich natürlich angeschlossen und feierte begeistert mit.

„Siehst du, es hat sich gelohnt, den Hut zu tragen", sagte Polly zu Ruby.

Polly wirkte sichtlich zufrieden, während Ruby darüber nur die Augen verdrehte.

Am Abend feierten die Gryffindors im Gemeinschaftsraum ihren Sieg über Slytherin. James, Marius und Fred hatten Essen und Getränke aus der Küche organisiert und sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Das schienen sie wohl jedes Mal zu tun, wenn es etwas zu feiern gab, denn auf Lily wirkte es, als hätten einige Schüler bereits darauf gewartet. Es war ein großartiger Abend und Lily, Colin und Eric gingen erst sehr spät zu Bett.

AN: Zu diesem Kapitel gibt es wieder ein Sidechapter, das euch mehr über James und Albus verrät: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/3/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Wachsam[/link]

Am Schluss noch einmal die Auflistung der Quidditch-Mannschaften:

Gryffindor:

Hüter: Cody Stevens

Treiber: Fred Weasley, Leslie Middleton

Jäger: James Potter, Roxanne Weasley, Brian Wesp

Sucher: Albus Potter

Hufflepuff:

Hüter: Daniel McLeaks

Treiber: Owen Greaf, Mandy Malone

Jäger: Steve Derricks, Sally Clifford, Trisha Jones

Sucher: Lucas Hitchens

Ravenclaw:

Hüter: Robert Keyley

Treiber: Oona Quirke, Nora Utley

Jäger: Maurice Corner, Adrian Parker, Melinda Clarks

Sucher: Rick Summers

Slytherin:

Hüter: Glenn Gibbon

Treiber: Daisy Devin, Tilly Higgs

Jäger: Kevin Flint, Melinda Bulstrode, Mary-Sue Montague

Sucher: Scorpius Malfoy