Der große Harry Potter
Es war spät abends, als der Zug am Bahnhof Hogsmeade eintraf.
Lily ließ ihre Sachen zurück, nahm jedoch Morgana mit hinaus. Die Kutschen, die von scheinbar nichts gezogen wurden, standen schon bereit und Lily stieg zusammen mit Hugo in eine ein. Noch hatten sie die Kutsche wie auch eben das Zugabteil ganz für sich allein und die beiden hofften, dass keiner mehr dazukam. Nach den Weihnachtsferien im Fuchsbau, wo sie wirklich keine Minute allein gewesen waren, wäre ihnen die Ruhe weiterhin ganz recht.
Diese währte jedoch nicht lange, denn schon bald öffnete sich die Tür und ein älterer Junge mit braunen Haaren und kalten schwarzen Augen steckte den Kopf hinein.
„Vergesst es Leute, ich setze mich doch nicht mit Potter und Wiesel hier hinein", rief er mit arroganter Stimme seinen Freunden zu.
„Ach, halt doch die Klappe, ich will hier nicht weiter in der Kälte herumstehen!", beschwerte sich ein anderer und schubste den ersten in die Kutsche.
„Richtig so, Wilkes", ertönte eine dritte Stimme hinter diesem und zwei weitere Jungen betraten die Kutsche.
Lily konnte an ihren Abzeichen erkennen, dass sie allesamt Slytherins waren. Der letzte kam Lily sogar bekannt vor und sie erinnerte sich an ihn. Zweimal war sie ihm bereits begegnet. Das erste Mal war nun zwei Jahre her. Damals standen sie am Bahnhof King's Cross und sein Vater hatte ihrem zugenickt. Sie erinnerte sich ebenfalls daran, was Onkel Ron zu Rose gesagt hatte, bevor sie in den Zug gestiegen war. Sie solle sich nicht zu sehr mit ihm anfreunden, waren seine Worte gewesen. Das zweite Mal, dass sie ihn gesehen hatte, war, wie er gegen Albus im Quidditch verlor.
Es war Scorpius Malfoy, aus Albus' und Rose' Jahrgang. Natürlich hatte sie zuvor von ihm gehört. Ihre Brüder hatten zunehmend Schlechtes über ihn berichtet, besonders James, der die Slytherins ja ohnehin überhaupt nicht mochte und auch Onkel Ron schien sich wie immer anzuschließen. Allerdings hegte dieser vielmehr eine Abneigung gegen die Familie Malfoy im Speziellen. Warum das so war, wusste Lily natürlich nicht genau, aber vermutlich, weil sie im Krieg Anhänger Voldemorts gewesen waren. Lily seufzte und warf Hugo einen verzweifelten Blick zu, weil ihnen nach den schönen Ferien so ein Pech widerfuhr.
Oder hatte Lily einfach zu viele Vorurteile nur durch das, was sie von ihren Familienmitgliedern über Scorpius Malfoy gehört hatte?
Der Junge, der zuerst in die Kutsche gespäht hatte, musterte sie mit einer Mischung aus Abscheu und Missbilligung.
„Ich kann es echt nicht fassen, dass ihr mich zwingt, mich mit so etwas abzugeben", fauchte er.
„Mann Goyle, jetzt halt endlich den Mund! Du musst sie ja nicht heiraten", antwortete Malfoy, warf Lily jedoch auch einen herablassenden Blick zu.
Hatte sie sich da gerade getäuscht oder galt der Blick vornehmlich ihr und nicht Hugo?
Stillschweigend sah sie hinab auf ihren Schoß, auf dem Morgana sich eingerollt hatte. Vielleicht waren manche Vorurteile ja doch nicht so schlecht, dachte sie.
„Wen nimmst du eigentlich mit zum Ball, Malfoy?", fragte einer der Jungen urplötzlich und Lily runzelte die Stirn.
Über was für einen Ball redeten sie?
„Pansy", grummelte Malfoy genervt.
Er schien nicht besonders glücklich darüber zu sein.
„Was hast du denn gegen sie?", fragte Wilkes und lächelte gehässig.
„Nichts gegen sie, aber ich habe keine Lust auf diesen blöden Ball", sagte Malfoy schlechtgelaunt.
„Gerade deine Familie sollte froh sein, dass Du-weißt-schon-wer gestürzt wurde", grinste Wilkes.
„Das hat doch nichts damit zu tun", erwiderte Malfoy, „aber ich habe einfach keine Lust, mit den ganzen Weasleys auf einem Fest zu tanzen und vor allen Dingen nicht mit Potter."
Das letzte Wort sprach er so abfällig wie möglich.
„Sie sehen genauso aus wie Ihr Vater in dem Alter", äffte er irgendeine Stimme nach, „Es ist fast so, als wären er und seine Verwandten die einzigen Schüler an der Schule. Potter hier, Potter da, oder Weasley, die ist noch schlimmer. Ich glaube sie würde am liebsten immer bis zum Lehrerpult hüpfen, wenn sie die richtige Antwort weiß. Die redet wie ein Lehrbuch, ich weiß gar nicht, wie Potter und Longbottom es mit ihr aushalten."
Malfoy warf Lily einen hasserfüllten Blick zu und Lily beschloss, besser nichts zu sagen. Sie merkte schon, wie Hugo neben ihr die Hände zu Fäusten geballt hatte, doch sie war der Meinung, diese Begegnung lieber nicht zu ernst zu nehmen. Malfoy war sicher nur neidisch auf Albus, weil er nicht so gut im Quidditch war wie er, und sicherlich war er auch neidisch auf Rose, weil sie ihn, wie Onkel Ron schon damals prophezeit hatte, in jeder Prüfung schlug. Vermutlich mochten ihn nicht einmal die Lehrer, weil sie wussten, dass seine Familie Anhänger Voldemorts gewesen waren.
„Und ich wette, du bist genauso ätzend wie deine dummen Brüder, nicht wahr Potter?"
Malfoy sprach nun direkt zu Lily, doch sie ignorierte ihn und sah aus dem Fenster. Sie musste sich nicht auf dieses Niveau hinabbegeben.
Eigentlich war Scorpius Malfoy nicht anders, als Lily es erwartet hatte. Er war ein typischer gemeiner Slytherin, aber Lily würde sich nicht von ihm provozieren lassen. Erstens waren die drei Slytherin-Jungen in der Überzahl und zweitens sowohl kräftiger, als auch besser ausgebildet im Zaubern. Hier sollte sie ausnahmsweise einmal klug sein und den Konflikt meiden. Sie waren nicht Nott und Flint.
„Was ist? Bist du zu stolz, mit dem gemeinen Volk zu reden? Wahrscheinlich haben sie dir gleich verboten, dich mit den bösen Slytherins abzugeben?", höhnte Malfoy und auf seinem Gesicht erschien ein schiefes Grinsen.
„Ich wäre vorsichtig, Malfoy", sagte Wilkes, „Ich habe gehört, sie hat Ruben Nott letztens einen Fluch auf den Hals gehetzt."
Er sagte es jedoch nicht so, als müsste Malfoy wirklich Angst vor Lily haben, sondern eher höhnisch und belustigt.
„Bei Merlin, Wilkes. Gut, dass du mich warnst", rief Malfoy gespielt und überschwänglich dankbar.
Die drei Jungen kicherten dämlich und Hugo und Lily tauschten einen Blick.
„Ist ja klar, dass ihr die Lehrer alles durchgehen lassen, nur weil sie mit Nachnamen Potter heißt."
Aus irgendeinem Grund reichte es Lily nun.
„Im Gegensatz zu dir haben Al und Rose einfach Talent", sagte Lily einfach, „Du bist doch bloß neidisch, weil du auf deinem Besen aussiehst wie eine Feuerkrabbe auf einer Eisscholle!"
Zuerst sah Malfoy sie erstaunt an, doch kurz darauf lachte er nur höhnisch.
„Wollen wir doch erst einmal sehen, wie du fliegst, Potter. Wahrscheinlich kommst du nächstes Jahr auch ins Team. Vorausgesetzt die haben überhaupt noch einen Platz frei bei den ganzen Verwandten, die du hast. Vielleicht werden sie dich ausmisten, weil deine Haare den falschen Rotton haben."
Goyle und Wilkes lachten daraufhin schallend, während Lilys Gesicht die Farbe ihrer Haare annahm. Malfoy hatte ihren wunden Punkt getroffen.
„Selbst mit deinem Gesicht schaffst du es nicht, die richtige Farbe zu treffen!"
Malfoys Begleiter kicherten sich dumm und dämlich. Sie lachten wie zwei alberne Schulmädchen und nun konnte sich auch Hugo nicht mehr zurückhalten.
„Ist das das einzige, was du kannst, Malfoy? Entweder legst du dich mit Jüngeren an, oder fällst einem in den Rücken. Das ist einfach nur feige, aber was soll man von dir auch erwarten. Rose und Albus hätten es besser wissen sollen."
Malfoys Lachen verstummte und die Kutsche hielt plötzlich an.
Hugo stieß nur die Tür auf und hüpfte hinaus in den weißen Schnee. Lily folgte ihm und, bevor Malfoy oder seine Freunde irgendetwas sagen konnten, machten sie sich auf, sich hinter den anderen bereits angekommenen Schüler einzureihen.
Interessiert sah Lily zischen Hugo und den drei Slytherins hin und her, während sie Morgana noch immer auf dem Arm trug.
„Was meinst du mit Rose und Albus hätten es besser wissen sollen?", fragte Lily und runzelte die Stirn.
„Ach, lange Geschichte", winkte Hugo ab und Lily fragte nicht weiter, denn in der Sekunde erblickten sie Rose, Albus und Ascella, die darauf warteten, vom Hausmeister Argus Filch auf unerlaubte Scherzartikel durchsucht zu werden.
„Hi", sagten sie, als sie zu ihnen stießen.
„Hi", erwiderte Rose, „Hattet ihr eine gute Fahrt?"
„Kann man so sagen", antwortete Hugo nicht ganz wahrheitsgetreu.
„Stimmt es, dass es dieses Jahr einen Ball gibt?", wechselte Lily schnell das Thema.
„Meinst du den Ball zum Niedergang Voldemorts?", fragte Rose und Ascella erschauderte.
Lily wusste genau, dass sie auch eine von denen war, die jedes Mal, wenn der Name laut ausgesprochen wurde, erschauderten.
„Ich glaube schon", sagte Lily und zuckte die Schultern.
„Den Ball gibt es jedes Jahr am zweiten Mai", antwortete Rose, „Du kannst aber erst ab der dritten Klasse hingehen. Wieso fragst du?"
Lily hatte damit gerechnet, dass Rose nach dem Grund fragen würde.
„Ach, ich habe im Zug eben zwei Mädchen darüber reden hören. Sie haben darum gewettet, wer wohl mit Al gehen darf", log sie und zu ihrer Freude errötete ihr Bruder leicht.
Rose verdrehte daraufhin die Augen.
„Ich wette, das sind diese dummen Mädchen aus Ravenclaw. Amy Heaps und Miranda Pitcher sollen sich wohl schon halb die Augen ausgekratzt haben, weil sie sich gestritten haben, wen von beiden du wohl fragen wirst. Du hast doch mittlerweile eine Ballbegleitung, oder?", wandte Rose sich an Albus, der sie jedoch nur verlegen anstarrte.
„Weißt du, eigentlich...", druckste er herum.
„Eigentlich hast du noch niemanden", schloss Rose, „War ja wieder typisch! Ich hoffe, du lädst bald jemanden ein und zwar, bevor es Mord und Totschlag um dich gibt, oder noch eine auf die Idee kommt, dir einen Liebestrank unterzujubeln!"
Rose klang ziemlich aufgeregt und hektisch, doch Albus nahm das alles gelassen hin.
„Ach, komm schon Rose, als ob du schon eine Begleitung hast...", fing er an, doch Rose unterbrach ihn.
„Nur damit du es weiß, aber ich habe meine Begleitung schon seit Monaten. Ich gehe mit Rick Summers aus Ravenclaw!"
„Oh", sagte Al und wandte sich an Ascella.
„Du hast aber noch keine Begleitung, oder?", fragte er und etwas Hoffnung lag in seiner Stimme.
„Ich gehe mit Lucas Hitchens aus Hufflepuff.", antwortete Ascella und Albus sah ziemlich überrascht aus.
„Na schön", sagte er zerknirscht, „Ihr zwei geht also beide mit Quidditchspielern aus anderen Häusern, um genau zu sein mit den Suchern, meinen Erzrivalen! Tolle Freunde seid ihr, wirklich toll."
Albus fluchte und trat mit dem Fuß in den Staub.
Dass Lily gerade Bekanntschaft mit Rivale Nummer drei gemacht hatte, verschwieg sie wohl lieber umso mehr.
Schon bald waren sie an der Reihe durchsucht zu werden und Filch fuhr mit einem seltsam länglichen Stab über ihre Kleidung. Lily ließ es zwar über sich ergehen, fand es jedoch ziemlich lächerlich. Morgana fauchte, als der Stab ihr zu nah kam, und versuchte ihn mit ihren Pfoten zu fangen. Lily konnte sie verstehen. Sie selbst fühlte sich wie eine Schwerverbrecherin. Als ob irgendjemand schwarzmagische Artefakte in die Schule schummeln würde! Lohnte sich der ganze Aufwand wirklich für ein paar Scherzartikel?
Zusammen mit Albus, Ascella und Rose wanderte sie hinauf zum Schloss, das bereits hell erleuchtet war. Lily konnte die Lichter in der Großen Halle sehen und roch bereits das Essen. Ob Colin und Eric jetzt wohl da drinnen saßen? Das schwere Schlossportal war weit geöffnet und so konnten sie einfach hindurch die Eingangshalle betreten.
Der Geruch des Essens wurde stärker und Lily bemerkte plötzlich, wie hungrig sie eigentlich war.
„Ich gehe gleich etwas essen!", rief Lily den anderen zu und schlug den Gang in Richtung der Großen Halle ein.
Hugo folgte ihr, während Albus, Rose und Ascella die Marmortreppe hinaufstiegen.
Als Lily mit Hugo die Große Halle betrat, drehten sich sofort ein paar Köpfe zu ihnen herum und sie vernahm von überall her ein Tuscheln. Es war das übliche Tuscheln, mit dem sie hier auf Hogwarts immer hatte leben müssen. Vielleicht war es besser, wenn sie demnächst einmal James fragen würde, was denn so besonders an ihr war. Sie war sich noch immer sicher, dass es etwas damit zu tun haben musste, was er getan hatte. Wenn einer wusste, warum jeder hinter ihrem Rücken über sie redete, dann war es James.
Den Kopf gesenkt lief sie hinüber zu den Gryffindors und versuchte in der Menge ihre Freunde auszumachen. Hugo fand seinen Freund Andrew recht schnell und Lily machte ganz am Ende des Tisches schließlich einen blonden Haarschopf aus, der ihr zuwinkte. Sofort stürmte Lily zu ihm hinüber und fiel ihm um den Hals. Eric saß glücklich auf der anderen Seite des Tisches, sodass ihm eine Umarmung erspart blieb.
„Ihr glaubt gar nicht, was für einen Hunger ich habe", erklärte Lily fröhlich und tat sich gleich reichlich von den verschiedensten Sachen auf.
„Wie waren deine Ferien?", fragte Eric sie und Lily musste erst hinunterschlucken, um zu antworten.
„Einfach fantastisch. Bei Gelegenheit müsst ihr beiden auch einmal mit zu uns in den Fuchsbau kommen!"
„Übrigens, wie war es hier?", fügte Lily aus Höflichkeit hinzu.
„Ach, eigentlich ganz okay, außer, dass Eric fast das ganze Weihnachtsfest auf dem Klo verbracht hat", grinste Colin zu ihm hinüber.
Eric warf ihm einen bösen Blick zu.
„Ich habe irgendetwas Falsches gegessen", erklärte er an Lily gewandt, „und, dann kam es eben wieder hoch."
Lily verzog das Gesicht.
„Jedenfalls sah es urkomisch aus, als Eric beim Festessen einfach hinausgerannt ist", lachte Colin.
„Irgendwann reicht es auch mal!", fuhr Eric ihn plötzlich an und Colin verstummte, während er ihm einen entschuldigenden Blick zu warf.
„Ich habe übrigens deinen Bruder im Zug getroffen", sagte Lily zu Colin, um das Thema zu wechseln, doch kurz darauf war sie sich schon nicht mehr so sicher, ob sie das wirklich hätte sagen sollen.
„Oliver?", fragte dieser, „Ach ja, der war über die Ferien wieder bei seinem Freund, Steven. Nicht einmal einen Brief hat er mir geschrieben. Soll er doch bleiben, wo der Pfeffer wächst."
Lily beschloss die Sache nicht mehr weiter zu vertiefen, da es Colin offensichtlich nicht gerade glücklich zu machen schien.
Stück für Stück füllte sich die Halle immer mehr und mehr mit Schülern.
Als schließlich alle anwesend waren und sogar der Nachtisch schon verschwand, schlug der Schulleiter dreimal mit seiner Gabel gegen seinen Kelch und erhob sich.
„Für alle, die ihre Ferien zu Hause verbracht haben: Willkommen zurück in Hogwarts! Bevor ihr schlafen geht, möchte ich euch noch an ein überaus wichtiges Fest erinnern, das wir auch in diesem Jahr wieder zu feiern haben. Die Feier zum Niedergang Lord Voldemorts!"
Sowohl Raunen als auch Schaudern ging in diesem Moment durch die Halle, doch Professor Wennell sprach unbeirrt weiter.
„Wie einige unter euch sicherlich wissen, wurde der mächtigste schwarze Magier vor nun genau 22 Jahren hier, in dieser Halle, besiegt, weshalb wir in diesem Jahr den bereits 22. Jahrestag der Schlacht von Hogwarts feiern können. Aber natürlich wollen wir zu diesem Anlass auch an all die Opfer denken, die im Krieg ihr Leben lassen mussten. Die gestorben sind, um für uns eine bessere Welt zu hinterlassen, eine Welt, in der wir in Frieden leben können und besonders ehren wollen wir an diesem Tag jedoch auch einen besonders mutigen Mann, dem wir all das zu verdanken haben. Ein Mann, der durch Lord Voldemort selbst viel verloren hat, schon als Baby seine beiden Eltern. Ein Mann, der mehr als nur einmal verhindert hat, dass Lord Voldemort zurückkommt. Ein Mann, der Lord Voldemort öfter gegenüberstand, als je ein anderer es getan hat und ein Mann, der uns letztendlich aus dieser schrecklichen Zeit befreit hat. Dieser Mann war Harry Potter, der Junge, der lebt, und ihm haben wir es zu verdanken, dass wir am zweiten Mai diesen Sieg feiern können."
Der letzte Satz wirkte für Lily, als hätte sie einen Klatscher ins Gesicht bekommen, und vor Erstaunen klappte ihr der Mund auf. Den Rest von Wennells Rede nahm sie nur noch verschwommen wahr. Hatte er gerade wirklich „Harry Potter" gesagt? Harry Potter? Ihr Vater sollte den allseits gefürchteten Lord Voldemort besiegt haben?
Kaum bekam Lily mit, wie Stühle zur Seite gerückt wurden und die anderen Schüler allmählich die Große Halle verließen. Sie saß weiterhin wortlos am Tisch und war vollkommen ratlos. Sie wusste nicht, was sie denken sollte. Hatte sie sich vielleicht verhört? Professor Wennell konnte doch unmöglich ihren Vater gemeint haben.
Plötzlich spürte sie, wie ihr eine feste Hand sanft auf die Schulter gelegt wurde.
„Komm mit, Lily", sagte eine vertraute Stimme ebenso sanft und kurze Zeit später wurde sie auf die Füße gezogen.
Stumm ließ sie sich mitschleifen unwissend, wohin man sie führen würde, doch es war ihr egal, denn sie fühlte sich leer.
