Gryffindor gegen Hufflepuff

Irgendwo zog man sie in einen leeren Klassenraum. Lily wurde auf einen Stuhl gedrückt und eine warme Stimme sprach zu ihr.

„Lily?", fragte James unsicher und wedelte mit einer Hand vor ihrem Gesicht herum.

Sie hob den Kopf, um ihn anzusehen.

„Dad hat Voldemort besiegt?", fragte sie mit schwacher Stimme.

Noch immer war es für sie fast unbegreiflich, doch James nickte.

Ein drückendes Schweigen zog sich daraufhin durch den Raum. In Lilys Kopf schwirrten so viele Fragen herum, dass sie gar nicht wusste, welche sie zuerst stellen sollte.

„Woher weißt du das?", fragte Lily.

„Ich habe nachgeforscht", antwortete James, „Als ich hierherkam und von überall her dumm angeglotzt wurde, bin ich neugierig geworden und ich musste wissen warum. Ich hatte herausgefunden, dass Dad hier viele Auszeichnungen hat, mehrere für besondere Verdienste um das Wohl der Schule. Keiner wollte mir jedoch sagen, wofür Dad die bekommen hat. Sogar Hagrid hat nur herumgedruckst, als ich etwas aus ihm herausbekommen wollte, und war der Meinung, dass meine Eltern mir das lieber selbst sagen sollten. Nachdem Filch mich dann mal nachts aufgegabelt hat, habe ich sogar in seinem Büro die Akten durchsucht. Leider standen da nur Dads Vergehen drin, die er sich während seiner Schulzeit zu Schulden hat kommen lassen, und das waren nicht wenige! Wusstest du, dass er einmal mit einem Fliegenden Ford Anglia zur Schule gekommen ist? Ich dachte mir immer, dass ich das von ihm habe. Auf jeden Fall habe ich mich schon gewundert, dass er nicht direkt von der Schule verwiesen worden ist. Nachdem ich dann ewig lange gesucht hatte, war es Gracie, die mir ein paar Bücher über ihn empfohlen hat. Sie wusste fast mehr über Dad als ich und sie ist Muggelgeborene. Auf Bücher wäre ich wohl zuletzt gekommen. Du weißt ja, Lesen ist nicht so meins."

Er grinste dabei verschmitzt und wartete wohl auf eine Reaktion ihrerseits. Lily war jedoch zu erwartungsvoll, um irgendwas zu erwidern und schaute James so durchdringend an, dass er weitererzählte.

„Ich kann dir nicht versprechen, dass das, was in den Büchern steht wirklich der Wahrheit entspricht. Bestimmt ist Vieles dazu erfunden, um es auszuschmücken. Das erste, was ich herausgefunden habe, war, dass er beim Angriff auf unsere Großeltern als Baby den Todesfluch überlebt hat. Daher hat er auch diese Narbe und von da an, war er berühmt."

„Den Todesfluch", staunte Lily, „aber wie hat er das geschafft?"

„Das ist es ja, niemand weiß es, deshalb fanden es die Leute so interessant und, als Voldemort Dad nicht töten konnte, ist der Fluch auf ihn zurückgeprallt und er musste in einer Gespenstähnlichen Gestalt leben", antwortete James.

Lily blieb der Mund offenstehen. Das hatte sie nicht erwartet. Natürlich hatte sie von dem Krieg, bei dem ihr Onkel Fred gestorben war, gehört, aber dass ihr Vater der Bezwinger Voldemorts gewesen war, blieb für sie noch immer unbegreiflich.

„Das war natürlich noch nicht alles. Während Dads Schulzeit hat Voldemort mehrere Male versucht zurückzukommen, also mit einem richtigen Körper und Dad konnte das immer verhindern. Es heißt, er musste sogar mal gegen einen Basilisken kämpfen. In seinem vierten Jahr jedoch hat Voldemort es geschafft und der Krieg ist wieder ausgebrochen. Von da an ist nicht mehr allzu viel bekannt, nur dass Dad ihn in der Großen Halle in der Schlacht besiegt hat. Angeblich soll er vorher dem Todesfluch sogar nochmal entkommen sein."

James zuckte die Schultern.

„Jedenfalls sind wir deshalb berühmt und deshalb starren uns alle andauernd hinterher, oder fangen an zu tuscheln."

Lily blinzelte. Warum hatte ihr das nie jemand erzählt?

„Wieso hat Dad uns das verschwiegen?", fragte sie laut.

„Das ist eine gute Frage", sagte James, „Ich weiß es nicht, aber vielleicht wollten sie, dass wir ein möglichst normales Leben haben und irgendwann haben sie wahrscheinlich den richtigen Zeitpunkt verpasst und es ganz gelassen. Ich bin ziemlich sicher, dass sie ohnehin wissen, dass ich es weiß."

Er grinste stolz.

„Und du wirst merken: Es hat auch seine Vorteile berühmt zu sein", fügte er hinzu und auf seinem Gesicht erschien ein breites Grinsen.

James boxte ihr mit der Faust freundschaftlich gegen den Oberarm.

„Du bist so ein Idiot", murmelte Lily ihm zu und erhob sich dabei von dem Stuhl, auf dem sie gesessen hatte.

James lachte leise.

„Komm, lass und hoch in den Gemeinschaftsraum gehen", schlug er vor, „bevor Filchs Katze uns noch erwischt. Ich frage mich überhaupt, warum die immer noch lebt. Angeblich soll sie schon hier gewesen sein, als unsere Großeltern noch nach Hogwarts gegangen sind. Normale Katzen können doch aber gar nicht so lange leben. Ich hoffe ja immer noch, dass ihr mal etwas Schlimmes zustößt. Fred hat letztens versucht, sie mit Feuerwerkskörpern zu füttern, aber statt sie zu fressen, hat sie uns bei Filch verpetzt."

Lily schmunzelte. Sie konnte sich denken, dass ihr Bruder schon öfter Bekanntschaft mit Mrs Norris hatte machen müssen und das, obwohl er seit seinem ersten Schuljahr den Tarnumhang seines Dads gestohlen und ihn vorletztes Weihnachten sogar endgültig von ihm geschenkt bekommen hatte. Die beiden verließen das Klassenzimmer und machten sich auf den Weg zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum.

„Schon wieder du", raunzte die Fette Dame James mit einem strengen und verachtenden Blick an, als Lily und er gerade vor dem Eingangsporträt angekommen waren.

Auch Violet, eine Freundin der Fetten Dame, war heute zu Besuch in deren Porträt und es sah ganz so aus, als ob die beiden wieder einmal etwas zusammen tranken.

„Ich habe es satt, dass du ständig nach der Sperrstunde ankommst und um Einlass bettelst. Es ist jedes Mal dasselbe mit dir, aber dieses Mal bleibst du draußen", erklärte sie spitz.

„Ich bettle nicht um Einlass", sagte James gelassen und setzte sein charmantestes Grinsen auf.

„Siehst du", wandte sich die Fette Dame nun an Violet, „Das geht jetzt schon seit Jahren so. Er denkt mit einem charmanten Lächeln ist alles vergeben und vergessen. Ich würde gern einmal wissen, was er die ganzen Nächte da draußen so treibt und das Seltsamste an ihm ist, dass er fast nie erwischt wird, obwohl er sich mit seinen Freunden jede Nacht rausschleicht."

„Bundimun", redete James ihr dazwischen, doch die Fette Dame erhob lediglich ihren Zeigefinger.

„Ich habe es dir gesagt. Ich lasse dich hier nicht herein!", nörgelte die Fette Dame, „Jetzt versuchst du auch noch deine kleine Schwester zu verderben. Also deine Eltern sollten wirklich... Du glaubst wohl, nur weil dein Vater Harry Potter ist, kannst du dir alles erlauben, aber da hast du dich geschnitten. Ab jetzt schläfst du hier draußen!"

„Aber Lily sollten Sie wenigstens einlassen", sagte James immer noch diplomatisch, „Sie können sie doch nicht mit bestrafen, nur weil sie einmal mit mir unterwegs war."

Die Fette Dame kniff ihre Lippen fest zusammen. Voller Widerwillen ließ sie das Porträt zur Seite schwingen und Lily kletterte schnellstmöglich hindurch, fühlte jedoch, dass ihr plötzlich jemand hinterhersprang und sie mit voller Wucht durch das Porträtloch riss. Unsanft landete sie auf dem Teppich im Gemeinschaftsraum, von dem sie dankbar sein konnte, dass er so weich war. Von draußen her ertönte ein schriller Schrei.

„James!", fluchte Lily, als sie sich wieder aufgerappelt hatte.

„Sorry Schwesterherz, aber ich wollte eigentlich nicht draußen schlafen, weißt du", erwiderte er mit einem Lächeln, mit dem er auch immer versuchte, einer Strafe seiner Mutter zu entgehen.

Dabei verwuschelte er sich immer seine ohnehin schon unordentlichen Haare.

Lily stemmte die Hände in die Hüften.

„Du hattest Glück, dass ich dabei war! Sonst hätte sie dich da draußen übernachten lassen!"

„Ist mir bewusst", antwortete James nur und zuckte lässig die Schultern.

Der Gemeinschaftsraum war fast leer. Nur ganz hinten an einem der Tische saßen zwei Viertklässlerinnen, die auf Grund von Lilys und James' lautstarker Auseinandersetzung zu ihnen hinüberstarrten. Lily funkelte sie böse an und die beiden wandten sich eiligst wieder ihren Büchern zu.

„Ich gehe ins Bett", sagte sie zu James und stapfte zur rechten Wendeltreppe.

„Gute Nacht", rief James ihr hinterher, während sie die Stufen hinaufstieg.

„Gute Nacht", murmelte Lily nur vor sich hin.

Als sie die Tür zum Schlafsaal öffnete, fragte sie sich, ob die anderen vielleicht schon schliefen, doch eine Sekunde später wurde ihr klar, dass sie falsch gelegen hatte, denn gerade, als sie eintreten wollte, bekam sie ein Kissen direkt ins Gesicht geschleudert.

„Oh, entschuldige Lily", hörte sie Garnets Stimme sagen.

„Macht nichts", antwortete Lily ihr und lief hinüber zu ihrem Bett.

Die vier unterbrachen ihre Kissenschlacht.

„Wo warst du so lange?", fragte Penelope.

„Ich war noch mit James unterwegs", erklärte sie und zog sich ihren Schlafanzug an.

Wäre sie wach genug gewesen, hätte sie bemerkt, dass Penelope und Susanna einen leicht neidischen Blick aufgesetzt hatten.

Olivia gähnte herzhaft.

„Meint ihr nicht, wir sollten mal schlafen gehen?", fragte Garnet daraufhin und warf den anderen ihre Kissen zurück.

„Gute Idee", stimmte Susanna zu und löschte das Licht.

Lily schlief nicht gut in dieser Nacht. Lange noch lag sie wach und dachte darüber nach, was James ihr erzählt hatte. Warum hatten ihre Eltern nicht mit ihr geredet? Spätestens bevor sie nach Hogwarts gekommen war, wäre es an der Zeit gewesen, es ihr zu sagen. Doch es half nichts. Irgendwann fiel sie in einen unruhigen Schlaf.

Als sie am nächsten Morgen aufwachte und in ihrem Koffer nach einer sauberen Schuluniform kramte, fiel ihr wieder das Buch über Magiecontinatoren in die Hände und sie erinnerte sich daran, Colin und Eric von ihren neuen Erkenntnissen zu berichten. Also steckte Lily das Buch zusammen mit ihren Sachen für Geschichte der Zauberei in ihre Tasche und lief hinunter in den Gemeinschaftsraum, wo die beiden schon auf sie warteten.

„Ich muss euch nachher etwas erzählen", brachte sie als Morgengruß heraus und schritt den beiden voran zum Porträtloch.

„Und was bitte?", fragte Colin neugierig.

„Nicht jetzt", antwortete Lily ihm, „es ist geheim."

„Na dann", gab er genervt zurück.

„Tut uns übrigens leid, dass wir gestern nicht mehr auf dich gewartet haben", fing Eric an, „aber diese Vertrauensschülerin Gracie Connor wollte, dass wir ins Bett gehen."

„Ist schon in Ordnung", erklärte Lily und zusammen liefen sie hinunter zum Frühstück in die Große Halle.

Am Gryffindortisch setzten sie sich gegenüber von Albus, Rose und Ascella.

„Guten Morgen", sagte Albus.

„Guten Morgen", erwiderte Lily und tat sich eine riesige Portion Haferschleim auf ihren Teller.

Trotz letzter Nacht war sie bester Laune.

„Weißt du nun, wen du zum Ball einladen sollst?", fragte Rose und Albus schüttelte den Kopf, woraufhin sie genervt die Augen verdrehte.

„Wenn es unbedingt sein muss", sagte Albus genervt und funkelte sie an, „frage ich Kelly Winter."

Dabei machte er eine Kopfbewegung in Richtung einer Gryffindor-Drittklässlerin mit dunkelbraunen Locken, die von ihren Freundinnen umringt war.

In diesem Moment verschluckte Ascella sich an ihrem Kürbissaft und Rose musste ihr auf den Rücken klopfen, während Albus sich erhob und hinüber zu Kelly Winter ging.

Da Kelly leider zu weit weg saß, bekamen sie nicht mit, was er zu ihr sagte, und sahen nur die ungläubigen Blicke ihrer beiden Freundinnen. Schließlich kam Albus mit triumphierendem Blick wieder zu ihnen zurück.

„Sie hat „Ja" gesagt", antwortete er ihren fragenden Gesichtern und nahm sich offenbar zufrieden noch eine Scheibe Toast.

Lilys gute Laune trübte sich auch nicht, als sie nach der ersten Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste nicht zum Quidditchfeld gingen, sondern in die Bibliothek, da die Flugstunden bis Ende Februar pausiert waren.

„Also es geht um diesen Slytherin", flüsterte Lily ihnen zu und suchte einen Tisch möglichst weit abseits.

„Wir haben ihn übrigens in den Ferien beschattet", erzählte Colin stolz, als sie sich in der Nähe der Verbotenen Abteilung niederließen.

„Meistens war er hier in der Bibliothek", erklärte Eric.

„Aber noch viel häufiger war er draußen auf den Ländereien", sagte Colin.

„Etwas wirklich Spannendes haben wir nicht gefunden", seufzte Eric.

„Außer dass er immer ein Remembrall mit sich herumträgt", erklärte Colin.

Lily runzelte die Stirn.

„Ein Remembrall?", fragte sie, „Walker kommt mir nicht so vor, als wäre er vergesslich."

Eric zuckte die Schultern.

„Ich wusste bis vor ein paar Wochen nicht einmal, was ein Remembrall überhaupt ist", sagte er.

„Beim Weihnachtsfest hat er sich die ganze Zeit mit Professor Wennell über den Ball unterhalten", erzählte Colin weiter.

„Das war richtig komisch", führte Eric fort.

Sie warfen sich untereinander rätselhafte Blicke zu, doch kamen nicht weiter.

„Passt auf", sagte Lily dann, als ihr wieder eingefallen war, warum sie überhaupt hier waren, „Ich habe nämlich auch herausgefunden, woher er mir bekannt vorkam."

„Und?", fragten Colin und Eric gleichzeitig.

„Ich habe ihn vor einem halben Jahr in der Winkelgasse getroffen, als er sich dieses Buch bei Flourish und Blotts gekauft hat."

Lily schob ihnen das Buch über Magiecontinatoren hin.

„Es sah ganz danach aus, als wollte er nicht damit gesehen werden, doch er hat mich angerempelt und ich habe mir den Titel gemerkt."

„Super, und was sind Magiecontinatoren jetzt?", redete Colin dazwischen und Lily schlug ihm die erste Seite auf.

„Lies selbst!", forderte sie und die beiden Jungen beugten sich über das Buch.

„Glaubst du, er hat vor, so etwas zu errichten?", fragte Colin, als er und Eric geendet hatten.

„Oder zu zerstören", korrigierte Eric.

„Vielleicht", antwortete Lily.

Sie hatte lange darüber nachgedacht und war zu keinem richtigen Entschluss gekommen.

„Hier steht, dass so etwas meist durch große Zauberer erschaffen wurde und ich dachte da an die Gründer von Hogwarts."

„Du meinst", fing Eric an, „dass Walker hinter den Magiecontinatoren der Gründer her ist?"

Zur Antwort zuckte sie die Schultern.

„Möglich", sagte sie, „Ich meine, warum schleicht er überall im Schloss herum und auch auf den Ländereien. Was hat er unten am Bahnhof für die Boote verloren, oder am Gryffindorturm?"

Plötzlich erklangen hinter ihnen Schritte und sie sahen, wie ein großer brünetter Slytherin mit einem Buch auf dem Arm aus der Verbotenen Abteilung kam und hinüber zu Madame Pince schritt.

„Seht ihr!", raunte Lily Colin und Eric zu, „Ich finde, wir sollten der Sache auf den Grund gehen!"

Auf dem Weg zum Mittagessen stritten Colin und Eric darüber, ob es klug war, in den Gemeinschaftsraum der Slytherins einzubrechen und das Buch, das Walker sich aus der Verbotenen Abteilung besorgt hatte, zu stehlen.

„Und wie willst du da hineinkommen?", fragte Eric, „Willst du vielleicht Ruben Nott fragen, ob er dir das Passwort gibt? Ich glaube, der wäre der erste."

Lily wusste, dass es sehr wohl Möglichkeiten gab, und sie dachte an den Tarnumhang ihres Bruders. Doch irgendwie war sie nicht der Meinung, dass es wirklich nötig wäre, dieses Buch zu stehlen, und ließ den Umhang daher unerwähnt.

Der Unterricht schien immer anspruchsvoller zu werden und die Lehrer erinnerten ständig an die bevorstehenden Prüfungen am Ende des Jahres. Während sie in Kräuterkunde nun mehr auf die Theorie zugriffen, war in Verwandlung nun mehr die Praxis mit schwierigen Zaubern gefragt. Die Lehrer gaben Unmengen an Hausaufgaben auf, sodass Lily gar nicht wusste, wie sie all das schaffen sollte und sich wieder die Ferien herbeiwünschte. Ende Februar gewann Ravenclaw 210 zu 110 gegen Slytherin und Anfang März war endlich das lang ersehnte Spiel Gryffindor gegen Hufflepuff.

Wie immer war die Große Halle am Morgen in den Farben der gegeneinander spielenden Häuser geschmückt.

Es war ein ziemlich kalter Tag und, als Lily mit Colin und Eric hinaus zum Quidditchfeld lief, begann es ein wenig zu regnen.

„Na toll", maulte Colin, während sie die Treppen zu den Zuschauerrängen hinaufstiegen und sich noch freie Plätze suchten.

Schließlich fanden sie welche in der Nähe von Hugo und seinem Freund Andrew Coote. Außerdem erkannte Lily noch einen anderen Jungen bei ihnen.

„Oliver?", fragte Colin, als die drei sich neben sie setzten.

„Bruderherz", entgegnete Oliver scherzhaft und lächelte Colin an.

„Oh hey, Lily", fügte er hinzu, als er sie sah.

„Hallo", brachte Lily hervor und wandte sich ganz schnell dem Geschehen auf dem Quidditchfeld zu.

Eric ignorierte er vollkommen.

„Und hier die Mannschaften", ertönte Marius' Stimme bald darauf aus den Lautsprechern, „die Gryffindors mit Stevens, Weasley, Middleton, Potter, Weasley, Wesp und Potter und die Hufflepuffs mit McLeaks, Greaf, Malone, Derricks, Clifford, Jones und Hitchens. Wenn Gryffindor dieses Spiel gewinnt, haben wir gute Chancen auch dieses Jahr wieder den Quidditchpokal zu ergattern. Die beiden Treiber der Hufflepuffs, Greaf und Malone haben seit kurzem neue Besen, was auch mal Zeit wurde. Aber die beiden fliegen zwei originale Silberpfeile!"

„So einen hätte ich auch gern", raunte Hugo ihr zu.

„In dem Buch, das du mir gegeben hast, stand, dass die Silberpfeile aus dem Verkauf genommen wurden", setzte Eric vorwurfsvoll an.

„Schon", antwortete Colin, „aber das Buch ist auch schon etwas älter gewesen. Vor vier Jahren haben die Feuerblitz-Herrsteller die Rechte für den Silberpfeil aufgekauft, ihn verbessert und neu herausgebracht. Angeblich lässt er sich genauso gut fliegen, wie der alte, nur dass er schneller und leichter ist."

„Welches Buch?", fragte Lily interessiert.

„Quidditch im W...", wollte Colin ihr antworten, doch das laute Pfeifen von Madame Rivers' Trillerpfeife übertönte seine Stimme.

Das Spiel hatte begonnen und schon jagten die Spieler über das Feld.

„Gryffindor in Quafflebesitz. Wesp jagt über das Spielfeld, duckt sich vorbei an Jones, doch da kommt Clifford, Quaffle hinüber zu Weasley und - oh, das war ein Klatscher von Greaf - Derricks mit dem Quaffle, doch er wird abgefangen von Potter. Potter trickst McLeaks aus und er trifft! 10 zu 0 für Gryffindor!

Für Lily war es schon jetzt offensichtlich, dass Gryffindor gewinnen würde. Die Hufflepuffs hatten keine Chance und besonders deren Jäger waren nicht gerade die besten. Sie sah sich nach Albus um, der noch immer ganz oben in der Luft schwebte und erfolglos nach dem Schnatz Ausschau hielt,

Lucas Hitchens flog dicht bei ihm und, während Lily die beiden beobachtete, fielen unten drei weitere Treffer für Gryffindor. Zwei davon waren von James.

Schließlich konnte Hufflepuff auch einen Treffer landen.

„Die ersten zehn Punkte für Hufflepuff durch Trisha Jones", rief Marius durch sein Megafon.

Plötzlich sah Lily Lucas Hitchens steil nach unten rasen. Sie stand auf, um besser sehen zu können und tatsächlich der Schnatz schwirrte unten einen knappen Meter über dem Erdboden auf und ab. Albus jagte ihm so schnell er konnte hinterher, doch er hatte keine Chance. Wenn Hitchens den Schnatz nun fangen würde, dann hatte Gryffindor verloren. Die Huflepuffs auf ihren Rängen tobten, bis plötzlich ein Klatscher direkt auf Hitchens zuflog.

„Guter Schlag, Fred", war das einzige, was Marius sagte, und tatsächlich erzielte der Klatscher seine Wirkung.

Hitchens machte eine halbe Drehung und stieß volle Wucht mit Albus zusammen.

Als die beiden sich wieder aufgerappelt hatten, war der Schnatz verschwunden.

„Pass besser auf!", brüllte James Albus über das Quidditchfeld an.

„Tu ich!", rief Albus nur wütend zurück.

„Gutes Auge von Hitchens und noch vor einem Monat wollte Derricks ihn aus der Mannschaft werfen, weil Hitchens seine Trainingsmethoden nicht gepasst haben. Ich würde sagen verständlich, so wie die Hufflepuffs hier spielen."

„Proudfoot, muss ich Sie an unser Gespräch erinnern, das wir letztens hatten?", ertönte Professor Crouchs schrille Stimme durch das Stadion.

„Natürlich nicht, Professor."

Das Spiel ging weiter wie zuvor. Als es 90 zu 30 für Gryffindor stand, holte Greaf aus Wut stark mit seinem Schlagholz aus und traf dabei einen Klatscher, der in James' Richtung flog, ihn jedoch um Haaresbreite verfehlte. Da James nicht in Quafflebesitz war, gab es einen Strafstoß für Gryffindor, den James in einen Treffer verwandelte.

„Sonderlich spannend ist das Spiel ja nicht", stellte Colin fest, nachdem erst Roxanne und dann Wesp je einen Treffer für Gryffindor landeten und es schließlich 130 zu 50 stand.

„Wenn das so weiter geht, braucht Albus den Schnatz gar nicht mehr zu fangen", murmelte Hugo, während er jedoch gebannt das Spiel verfolgte.

Doch genau in diesem Moment tauchte der Schnatz an einem der Torpfosten der Hufflepuffs auf.

Albus erblickte ihn sofort und flitzte auf ihn zu. Lucas Hitchens, der sich auf der anderen Seite des Stadions befand, konnte gar nicht so schnell gucken, da hielt Albus den Schnatz auch schon in den Händen.

Beifall barst von den Rängen her. Lily und die anderen waren aufgesprungen, um Albus zu bejubeln und es war ein ohrenbetäubender Lärm, der sich durch das ganze Stadion zog.

Wieder oben im Gemeinschaftsraum wurde der Sieg über Hufflepuff erst einmal gehörig gefeiert und Fred und Marius versuchten Lily ein Glas Butterbier anzudrehen, das sie allerdings dankend ablehnte, woraufhin sie sich andere Erstklässler als Opfer herbeizogen. Das ging so lange, bis Gracie Connor dem Ganzen ein Ende setzte und alles beschlagnahmte.

„Ach komm schon, Gracie", warf James daraufhin ein, „Lass ihnen doch den Spaß. Selbst schuld, wenn sie etwas nehmen."

„Du bist so ein verantwortungsloser Idiot", schrie Gracie ihn daraufhin an und prompt darauf rauschte sie aus dem Porträtloch davon.

Lily wusste nicht mehr genau, wie sie es noch hoch in ihr Bett schaffte. Jedenfalls schlief sie sofort ein, nachdem sie in ihre Kissen gefallen war, und träumte davon, wie sie zusammen mit Fred und Marius in einem Meer aus Butterbier schwamm, bis schließlich Gracie kam und einen Stöpsel zog, der alles abfließen ließ.

AN: Zu diesem Kapitel gibt es ganze drei Sidechapter, die euch mehr über James und Albus verraten: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/6/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Ballbegleitung[/link]; [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/7/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Streit[/link]; [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/8/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Ausgesperrt[/link]