Vorurteile
Je mehr Lily, Colin und Eric über John Walkers Vorhaben redeten, desto mehr festigte sich bei ihnen die Theorie, dass er hinter den Magiecontinatoren der Gründer her war.
„Aber wo sollten die Magiecontiatoren dann sein?", fragte Colin, als sie am Mittwochmorgen in der dritten Stunde in Zauberkunst saßen und versuchen sollten, einen Bücherstapel hoch schweben zu lassen.
Lily zuckte die Schultern.
„Lasst uns nachher in die Bibliothek gehen und da einmal nachsehen. Vielleicht finden wir ja etwas darüber", schlug Eric vor.
Doch da tauchte Professor Baddock auch schon vor ihnen auf.
„Ihr drei glaubt wohl, ihr habt es nicht nötig, in meinem Unterricht zu arbeiten. 15 Punkte Abzug für Gryffindor, für jeden von euch und jetzt fangt gefälligst an!"
Lily hatte Lust den Bücherstapel über seinem Kopf herabfallen zu lassen, beherrschte sich jedoch, da sie nicht noch mehr Punkte verlieren wollte. Max Fry hatte sich den Spaß gemacht, andere Gegenstände im Klassenraum schweben zu lassen, sowie auch seinen Mitschüler Hayden Smith, was die Hufflepuff-Mädchen hinter ihm zwar sehr lustig fanden, wofür er sich jedoch 25 Punkte Abzug und einmal Nachsitzen einhandelte.
„Und ihr solltet euch lieber um eure eigenen Arbeiten kümmern!", schnauzte Professor Baddock die Hufflepuffs an und zog ihnen dafür 50 Punkte ab.
Anscheinend hatte er heute noch üblere Laune als sonst. Bis zum Ende der Stunde hatten es alle geschafft ihren Bücherstapel ein paar Meter über ihren Köpfen schweben zu lassen und schließlich machten sie sich auf in die Große Halle zum Mittagessen, wo Colin sich mal wieder eine ganze Ladung Hähnchenschenkel auf den Teller schaufelte.
„Zum Glück können wir gleich bei Cauldwell die Punkte von eben wieder reinholen", sagte er erleichtert zu den anderen Gryffindor-Erstklässlern und aß genüsslich.
Plötzlich jedoch flog eine Eule in die Große Halle. Sie steuerte direkt auf den Gryffindortisch und auf Lilys Platz zu und landete dann neben ihrem Trinkkelch.
Lily erkannte sie sofort und nahm ihr den Brief ab. Er war von Zuhause und sie fühlte einen Stich in der Brust.
Liebe Lily,
keine Sorge uns geht es gut. Wir (Dad und ich) machen uns bloß Sorgen um dich.
Du hast seit Ende der Ferien keinen einzigen Brief geschrieben und Al schrieb, du sähest blass aus.
Wenn irgendetwas passiert ist, du würdest es uns doch erzählen, nicht wahr?
Vielleicht bin ich aber auch einfach nur eine alte Mutter, die sich viel zu viele Sorgen macht, denn James ist der festen Überzeugung, du wärst wie immer.
Wir schicken dir auf jeden Fall demnächst ein paar Süßigkeiten. Dein Dad denkt, du könntest sie gut gebrauchen.
In Liebe, Mum
Lily fühlte ein schreckliches Gefühl in der Magengegend. Es stimmte. Sie hatte sich lange nicht mehr gemeldet und, auch wenn es ihr nicht lange vorgekommen war, nagte nun das schlechte Gewissen an ihr. Aber sie konnte ihren Eltern einfach nicht schreiben. Nächtelang lag sie wach, um nachzudenken, über ihren Dad, über Voldemort. Warum hatten sie es ihr nicht zumindest gesagt, bevor sie nach Hogwarts kam? War ihnen denn nicht klar gewesen, wie dumm Lily sich vorgekommen war, ohne eine Ahnung das Schloss betreten zu haben.
Lily stocherte missmutig in ihrem Essen herum, als plötzlich James neben ihr auftauchte.
„Ähm, weißt du, also Mum hat mir heute Morgen einen Brief geschrieben und mich gefragt, ob mir in letzter Zeit irgendetwas Seltsames an dir aufgefallen ist", sagte er und fuhr sich durch die Haare.
„Ich habe es gerade erfahren", antwortete Lily und hielt ihm den Brief hin.
James warf ein Auge darauf.
„Danke, dass du es nichts gesagt hast", sagte Lily schlicht.
„Ist schon gut. Ich schuldete dir ja noch etwas, du weißt schon, die Fette Dame."
Er zwinkerte ihr zu und Lily lächelte.
„Du siehst allerdings auch irgendwie seltsam aus", wechselte Lily das Thema.
Ihr waren die dunklen Ringe unter James' Augen nicht entgangen.
„Ich habe nur schlecht geschlafen", antwortete er ihr mit gesenkter Stimme.
„Und warum?", hackte sie neugierig nach.
„Ach nicht so wichtig", winkte er ab und seine Wangen färbten sich leicht rosa.
Lily zog die Brauen hoch, doch er zuckte daraufhin nur die Schultern.
„Ich muss dann los", sagte er auf einmal und stand auf.
Verwundert sah Lily ihm nach.
Bald darauf verließen jedoch auch die anderen das Mittagessen und liefen hinauf in den Turm, um ihre Sachen für Zaubertränke und Verwandlung zu holen.
Leider zog sich der Nachmittag nur langsam dahin und es war wohl das erste Mal, dass Colin es nicht abwarten konnte, in die Bibliothek zu kommen.
„Es könnte in Büchern über höhere Magie, Büchern über große Zauberer oder Büchern über Geschichte stehen", schloss er, als sie nach dem Abendessen endlich dazu gekommen waren, ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Dabei schritt er die Regale auf und ab, hier und da zog er einen dicken Wälzer heraus und durchsuchte dessen Inhalt.
„Es könnte auch in Büchern stehen", machte Eric sich über ihn lustig, folgte seinem Beispiel jedoch.
Auch wenn sie fast den gesamten Abend dafür aufopferten, ein passendes Buch zu finden, waren sie am Ende erfolglos und kehrten niedergeschlagen in ihren Gemeinschaftsraum zurück.
Am nächsten Tag stieg die Laune wenigstens bei Lily und Colin, da eine weitere Flugstunde auf dem Programm stand. Anfang Februar hatten sie ihre neuen Termine erhalten und heute hatten sie wieder zusammen mit den Hufflepuffs.
Madame Rivers erinnerte sie daran, dass es nur noch drei Stunden bis zu den Osterferien waren. Natürlich hatten es inzwischen alle geschafft, einen Besen zu fliegen, auch Eric, wenngleich dieser der ganzen Sache immer noch abgeneigt war. Mittlerweile ging es mehr darum bestimmte Flugmanöver richtig zu absolvieren oder für sie errichtete Hindernisparcours in der Luft zu durchfliegen.
Lily, Colin, Max, Olivia, Susanna und Davey machten sich dabei meist einen Spaß daraus Wettrennen zu veranstalten. Da heute auch die Hufflepuffs mit von der Partie waren, versuchte Hayden Smith sein Glück, scheiterte jedoch. Anschließend schwang er ihnen eine lange Rede darüber, dass er es mit seinem Feuerblitz 6, den er bei sich zuhause hatte, natürlich locker geschafft hätte. Die Bones Zwillinge verdrehten nur die Augen und äfften ihn hinter seinem Rücken nach. Ganz offensichtlich redete er häufiger in dieser Art und war den Hufflepuffs schon negativ aufgefallen.
Nach dem Mittagessen erledigten die Gryffindor-Erstklässler ihre Hausaufgaben für Kräuterkunde in der Bibliothek und gingen dann gemeinsam zu Verteidigung gegen die Dunklen Künste in den zweiten Stock, wo die Slytherins schon alle versammelt vor Professor Thomas' Klassenzimmer standen. Ein paar Minuten später kam dieser gut gelaunt und fröhlich pfeifend um die Ecke und geleitete sie alle hinein.
Lily, Colin und Eric suchten sich einen Platz möglichst weit vorn, denn sie mochten Professor Thomas' Unterricht sehr und wollten auf keinen Fall etwas verpassen. Die drei holten wie auch alle anderen ihre Bücher und Federn mit Tinte heraus.
„Nein, lasst das Schreibzeug heute weg", unterbrach Professor Thomas sie, „Ihr braucht nur eure Zauberstäbe!"
Verwundert sahen sich die drei an. Auch wenn sie schon oft Praxis gemacht hatten, bis jetzt hatten sie mindestens einmal pro Stunde etwas aufgeschrieben. Man konnte hören, wie Ruben Nott ganz hinten in der Ecke des Raumes verächtlich schnaubte und Lily verdrehte die Augen. So ein aufgeblasener Trottel. Wahrscheinlich dachte er, dass er selbst besser unterrichten könnte.
„Wir probieren heute mal den Entwaffnungszauber aus", gab Professor Thomas gut gelaunt kund.
„Stellt euch bitte in zwei Reihen auf und schaut dann zur Mitte", wies er an.
Er wartete, bis alle so weit waren und begann zu erklären: Expelliarmus ist ein ziemlich einfacher Zauber, dessen Betonung nicht allzu wichtig ist. Die Bewegung für den Zauber ist ein kurzer Schlenker aus dem Handgelenk, ungefähr so!"
Professor Thomas zielte auf Penelope Roper, die gerade versucht hatte, ihren Stab an ihrem Umhang sauberzuputzen.
In hohem Bogen flog der Stab aus ihrer Hand über die Köpfe der Schüler hinweg und landete vor Professor Thomas' Füßen.
„Seht ihr? Ich möchte nun, dass jeder sich einen Partner nimmt und ihr dann versucht euch gegenseitig zu entwaffnen. Also los!"
Da Colin und Eric zusammenarbeiten wollten, musste Lily sich jemand anderen suchen. Sowohl die Slytherins als auch die Gryffindors blieben unter sich, weshalb Lily am Ende Nicolas Martin abbekam.
Nachdem sie einige Zeit geübt hatten, stellte sich heraus, dass Lily ziemlich gut im Entwaffnen war. Erst ein einziges Mal war es Nicolas gelungen, Lily ihren Zauberstab zu entreißen.
„Sehr gut", sagte Professor Thomas zu ihr, als er bei den beiden vorbeikam.
Bei anderen klappte es weniger gut als bei Lily und Nicolas. Eileen Zeller und Dorea Gamp aus Slytherin fuchtelten wie wild mit ihren Zauberstäben herum und riefen: „Expelliarmus!"
Doch nichts geschah, weshalb Professor Thomas bei ihnen nachhelfen musste und ihnen genau erklärte, wie der Zauberspruch ging. Danach schafften es Eileen und Dorea allerdings gerade einmal, silberne Funken aus ihren Zauberstäben auszusprühen.
„Miss Potter, Mr Martin, kommen sie einmal hierüber", rief Professor Thomas ihnen zu und winkte die beiden herbei.
Lily, die bisher nur schlechte Erfahrungen mit Slytherins gemacht hatte, schlurfte missmutig auf ihn zu.
„Miss Zeller und Miss Gamp haben den Zauber noch nicht verstanden. Deshalb bitte ich Sie beide, ihnen zu helfen. Miss Potter, Sie arbeiten mit Miss Zeller und Mr Martin, Sie mit Miss Gamp!"
Nicolas kniff die Lippen zusammen. Anscheinend war er genauso unzufrieden wie Lily. Wieso versuchten die Lehrer immer Gryffindor und Slytherin zusammenzubringen? Ruben Nott und Tiberius Madford waren ebenfalls fertig. Professor Thomas hätte genauso gut die beiden dazu bringen können, Eileen und Dorea zu helfen.
Widerwillig machte Lily sich daran, Eileen zu erklären, wie sie den Zauberstab richtig schwingen sollte. Es fiel sofort auf, dass Eileen nicht gerade ein geschicktes Händchen hatte, doch nach einiger Zeit hatte sie den Bogen heraus. Schließlich schaffte sie es sogar Colin, der am anderen Ende des Raumes war, zu entwaffnen. Dieser warf ihr einen vernichtenden Blick zu, woraufhin Eileen nur grinste.
„Slytherins", dachte Lily genervt und verdrehte die Augen.
Reichte man ihnen die Hand, stellten sie einem ein Bein. Doch dann tat Eileen etwas, was Lily sehr überraschte.
„Danke, Lily!"
Eileen Zeller stand vor ihr und hielt ihr ihre rechte Hand hin.
Zuerst starrte Lily nur entgeistert darauf. War das vielleicht ein Trick? Bei Slytherins musste man vorsichtig sein. Zögerlich nahm sie dann jedoch an und Eileen lächelte. In diesem Moment jedoch rief Professor Thomas sie alle wieder dazu auf, sich auf ihre Plätze zu setzen, um ihnen noch ein wenig Theorie beizubringen. Schließlich kündigte er ihnen noch die Hausaufgaben an: Jeder sollte bis zur nächsten Stunde den Expelliarmus gelernt haben und einen kleinen Aufsatz über dessen Verwendung schreiben. Danach entließ er sie und die Schüler drängelten sich zur Tür hinaus.
„Na Zeller, verbündest du dich jetzt schon mit Potter?", hörte Lily Ruben Notts Stimme etwas weiter vorn auf dem Gang widerhallen.
„Potter, ich bin ja so dankbar, dass du mir diesen schwierigen Zauber beigebracht hast, ohne deine Hilfe hätte ich das sicher nie geschafft", sprach er in einer hohen Stimme.
Die anderen Slytherins lachten höhnisch darüber und Lily tat Eileen leid.
„Hey, habt ihr nicht mal wieder Lust, Hagrid zu besuchen?", fragte Colin auf einmal.
Er und Eric waren an Lilys Seite aufgetaucht. Urplötzlich vergaß sie Nott und die restlichen Slytherins.
„Das ist eine gute Idee", antwortete Lily und auch Eric stimmte zu.
Nachdem sie ihre Sachen hoch in den Gryffindorturm gebracht hatten, machten sie sich auf zu Hagrids Hütte. Es war frisch draußen und auch der Wind wehte stark. Der Himmel war jedoch klar, ganz ohne Wolken.
„Ich hoffe, er bietet uns keinen Tee an", sagte Colin, als sie vor Hagrids Tür standen und er mit seinen Fäusten daran klopfte.
Kurz darauf öffnete sich die Tür und der Halbriese kam zum Vorschein.
„Was macht ihr denn hier?", fragte Hagrid und trat einen Schritt zur Seite, um sie alle hindurchzulassen.
„Nach was sieht es denn aus?", fragte Lily, „Wir wollten dich mal wieder besuchen!"
Grinder kam auf Colin zu und leckte seine Hand ab.
„Scheint so, als würde er sich freuen dich wieder zu sehen", lachte Hagrid und sah auf seinen Hund hinab.
„Setzt euch doch", fügte er hinzu und deutete auf die Sessel vor dem Kamin.
Die drei machten es sich bequem. Grinder setzte sich direkt neben Colins Sessel auf den Boden und starrte mit seinen großen schwarzen Hundeaugen zu ihm hinauf. Er wedelte mit dem Schwanz.
„Was findet er auf einmal an dir?", fragte Eric und blickte Colin fragend an, der zuckte jedoch die Schultern.
„Ich glaube, er mag dich einfach nur", antwortete Hagrid, „Wollt ihr drei einen Tee?"
„Nein, danke", schoss es aus Colin heraus.
Eric warf ihm einen warnenden Blick zu.
„Davon habe ich aber vorher noch nichts bemerkt", runzelte Colin die Stirn und warf Grinder einen verwunderten Blick zu.
„Ach, er war nur schüchtern", sagte Hagrid und reichte Lily einen Teller mit Keksen und Lily erkannte sie sofort.
James und Albus hatten ihr davon erzählt. Es waren die sogenannten Felsenkekse, die so hießen, da sie so hart wie Stein waren, Felsen eben. Aus Angst sie könnte einen Zahn verlieren, lehnte sie dankend ab und Hagrid gab den Teller herum.
„Nein danke, wir haben keinen Hunger, Hagrid", entschuldigte sich Eric und Colin nickte zustimmend.
„Macht nichts", sagte Hagrid nur und stellte den Teller mit den Felsenkeksen an die Seite.
„Da hast du Recht. James, Fred und Marius war'n gestern hier. Dein Bruder sah gar nich' gut aus", erzählte Hagrid, „Als sie wieder gegangen sin', wollten sie sich noch in den Verbotenen Wald schleichen. Zum Glück hab' ich nochma' nach den Thestralen gesehen. Weiß auch nich', was sie da drin' immer woll'n. Sie erinnern mich an die Weasley-Zwillinge damals und natürlich an James und Sirius. Immer nur Unsinn im Kopf."
„Meinst du, dass er müde wirkte?", fragte Lily.
„Ja genau, als würde er kaum noch schlaf'n", antwortete Hagrid, „Wenn ich's nicht besser wüsste, würde ich denken, er lernt so viel für die OWL."
„Ich habe ihn tatsächlich letztens öfter in der Bibliothek gesehen", bestätigte Eric.
Lily runzelte die Stirn. Wenn ihr Bruder plötzlich dazu übergegangen war zu lernen, dann grenzte das an ein Wunder.
Den restlichen Nachmittag verbrachten sie damit zu plaudern. Hagrid zeigte ihnen ein paar Tricks, die er Grinder beigebracht hatte und Lily war immer noch überrascht, dass dieser nun vor ihnen aufgetaut war. Es war, als hätten sie ihn jeden Tag besucht, seit sie das letzte Mal hier waren, so zutraulich war Grinder plötzlich.
„Er vertraut nur neuen Leuten nich'", erklärte Hagrid, während er Grinder kraulte.
„Aber jetzt kennt er euch ja", sagte er, „Außerdem taut er überhaupt auf. Als Dominique letzte Woche hier war, hat er sich gar nich' unterm Bett versteckt. Kann natürlich auch sein, dass sie ihn mit ihrem Veela-Zauber verhext hat."
Er lachte.
„Nein, Dominique hat schon ein Händchen für Tiere. Hat mir letztens erzählt, wie gern sie mal wieder bei Charlie vorbeischauen würde. Will wohl auch einen Drachen."
„Wir sollten uns bald auf den Rückweg machen", warf Colin plötzlich ein und deutete auf seine Armbanduhr.
„Ja, das stimmt, es is' spät. Ihr solltet wohl ma' geh'n", stimmte Hagrid zu und ging zur Tür.
Die drei verabschiedeten sich.
„Macht's gut", winkte Hagrid ihnen nach, als sie hinaustraten.
Grinder folgte ihnen.
„Nein, Kleiner", befahl Colin, „Du musst dableiben!"
Er hielt den Hund mit aller Mühe zurück, nach draußen zu treten.
„Lass nur, ich nehm' ihn", sagte Hagrid und hob Grinder hoch.
Schließlich machten die drei sich auf zum Schloss. Hinter ihnen hörten sie nur noch lautes Gebell von Grinder.
„Sieht ganz so aus, als hätte er sich verliebt", gluckste Eric, wofür er sich jedoch einen bösen Blick von Colin einfing.
Lily verdrehte die Augen, schmunzelte jedoch ein wenig und fiel in nächster Sekunde fast ins Gras.
Etwas Weiches war um ihre Beine gestrichen und Lily verlor das Gleichgewicht. Rücklings flog sie nach hinten, um nicht auf das weiche Etwas zu fallen und Eric fing sie auf.
„Danke", sagte Lily und sah genauer nach unten.
„Morgana", fluchte sie und hob die kleine Katze vom Boden auf.
Als Antwort bekam sie nur ein genießerisches Schnurren. Lily entschloss sich, Morgana mitzunehmen. Bestimmt hatte sie genug davon draußen herumzuschleichen, war aber zu faul, selbst zurückzulaufen.
„Wollen wir eigentlich nicht einmal nachsehen, was Walker dort hinten gemacht hat?", fragte Eric urplötzlich.
Schon vor Monaten hatten sie den Plan gehabt, dort hinunterzusteigen. Wie hatten sie es nur vergessen können, dass die Antwort auf all ihre Fragen vielleicht dort unten lauerte?
„Natürlich!", rief Colin aus und lief sofort vor in Richtung des Bahnhofs.
Darauf bedacht, dass sie niemand beobachtete, schlichen sich die drei die Treppen hinab durch den Felsvorsprung und kamen zu dem unterirdischen Bahnhof, an dem die vielen kleinen Boote ruhten, mit denen sie am ersten Schultag hergekommen waren.
„Und nun?", fragte Colin und sah die anderen beiden ratlos an.
„Wir könnten eins der Boote nehmen, um zu sehen, was es in der anderen Richtung noch gibt", sagte Lily und versuchte zu erspähen, wo der lange Tunnel hinführte.
Schon bevor sie zu Ende gesprochen hatte, waren Colin und Eric in eines der Boote gehüpft. Lily folgte ihnen und, als wüsste das Boot, dass sie nun vollzählig waren, setzte es sich von allein in Bewegung.
„Lasst uns unsere Zauberstäbe herausholen", schlug Eric kurz darauf vor, als der Gang immer dunkler wurde, und Lily zog ihren aus der Tasche.
„Lumos!", flüsterte sie und sofort begann die Spitze ihres Zauberstabes zu leuchten.
Auch Colin und Eric entzündeten ihre Zauberstäbe und die Sicht verbesserte sich augenblicklich. Doch etwas wirklich Interessantes gab es zunächst nicht zu entdecken. Die Wände waren aus schlichtem Fels und das Wasser war genauso dunkel wie das im See draußen. Mehrere Minuten vergingen, während sie immer weiter durch den langen, dunklen Tunnel fuhren. Keiner der drei sagte währenddessen ein Wort. Sie alle schwiegen, weil sie alle gespannt waren, was auf sie zukommen würde und in Lily machte sich eine seltsame Mischung aus Aufregung und Langeweile breit.
„Ach kommt, lasst uns zurückfahren", murrte Colin nach einiger Zeit, weil rein gar nichts passierte, doch plötzlich war vor ihnen ein Licht aufgetaucht.
Lily musste die Augen zusammenkneifen, weil es sie so stark blendete, aber als sie dem näherkam, merkte sie, dass vor ihnen ein weiterer Bahnhof lag, hinter dem eine riesige Tür aufragte.
Wie von selbst, hielt das Boot an dem kleinen Hafen und Lily, Colin und Eric stiegen aus.
„Hier sind wir nun", sagte Colin theatralisch und blickte auf die riesige Tür.
Genau wie das Schlossportal war sie ebenfalls aus Eichenholz angefertigt.
„Ich glaube, unser nächstes Problem ist dann, wie wir da hindurch kommen", sagte Eric und trat einen Schritt vor.
Er griff nach der Klinke und zog daran, doch die Tür war verschlossen.
„Alohomora!", rief er laut und deutlich, aber nichts tat sich.
„Klasse", murrte Colin, „Alles umsonst."
„Vielleicht", sagte Lily, „vielleicht aber auch nicht. Was meint ihr denn, liegt dahinter?"
Colin und Eric blickten sie an.
„Lasst uns wieder zurückfahren! Dass die Tür verschlossen ist, ist ein gutes Zeichen. Vielleicht hat Walker ja selbst keine Ahnung, wie er hier durchkommt."
Sie hüpfte zurück ins Boot und auch Colin und Eric kletterten zurück.
„Entweder das, oder er wartet auf den richtigen Zeitpunkt", überlegte Eric, als sich das Boot wieder in Bewegung setzte.
AN: Zu diesem Kapitel gibt es wieder ein Sidechapter, das euch mehr über James und Albus verrät: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/9/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Aufmunterung[/link]
