Die vier Gründer

Lily, Colin und Eric staunten nicht schlecht. Hinter der Tür verbarg sich eine riesige Kammer, die in der Größe der Eingangshalle des Schlosses gleichkam.

„Wow", staunten alle drei gleichzeitig.

Sie war hoch, mit Runen faziert und fast gänzlich aus Stein. Die Decke wurde von acht großen Säulen gestützt und in der Mitte der Kammer lag ein riesiger Abgrund zwischen zwei Felsplateaus. Auf dem einen standen sie und vier bronzene Adlerstatuen. Das auf der gegenüber liegenden Seite war leer.

Die Tür fiel hinter ihnen ins Schloss und eine der Adlerstatuen erwachte zum Leben. Sie öffnete sowohl Augen als auch Schnabel und sang dann in einer schönen hohen weiblichen Stimme:

Drei Rätsel erhaltet ihr von mir,

löst ihr sie nicht, geht zurück durch die Tür.

Sollten eure Antworten jedoch richtig sein,

könnt ihr euch über meinen Ratschlag freuen.

Merkt ihn euch gut,

denn ihr müsst ihn nicht nur sprechen.

Eine Kammer mit genau vier Flächen

am Ende des Tunnels ruht.

Imitiert ihr ihn wie einen Tanz,

eine Figur, nichts und zweimal Aktion,

damit erlischt zum Schutz der Glanz,

so erzielt ihr den gewünschten Lohn."

„Bitte was?", fragte Colin und blinzelte die Adlerstatue an.

„Wir bekommen drei Rätsel und wir müssen uns den Ratschlag gut merken", erklärte Eric ihm, der es offenbar verstanden hatte.

„Und wir sollten die Tür wieder anlehnen, damit man uns besser folgen kann", sagte Lily plötzlich.

Es war ein Gedanke, der ihr gekommen war. Im Grunde war sie froh, dass wenigstens Eric verstanden hatte, was der Adler ihnen hatte sagen wollen.

„Seid ihr bereit?", fragte der Adler nun ein wenig ungeduldig, während Lily die Tür anlehnte.

„Ja", sagte Eric sicher und der zweite Adler begann mit derselben Stimme zu sprechen:

Ich habe zwar Beine zum Stehen,

doch trotzdem kann ich nicht weitergehen.

Vier Elemente brauch' ich zum Leben,

eins davon werd' ich euch wiedergeben.

Mein Atem ist dein täglich' Brot,

leb' ich nicht, bist du auch tot."

„Vielleicht ein Tisch?", fragte Colin.

„Ist das eure Antwort?", fragte der Adler.

„Nein", antwortete Eric schnell, „überleg doch mal, ein Tisch lebt doch überhaupt nicht! Können wir das Gedicht noch einmal hören?"

„Natürlich", seufzte der Adler und wiederholte das Gedicht.

„Vielleicht ein Tier oder ein Mensch?", flüsterte Colin an Eric gewandt, doch der schüttelte den Kopf.

„Ich glaube mit euch sind die Menschen gemeint", sagte Lily.

„Na klar!", rief Eric plötzlich und sah die anderen beiden begeistert an.

„Was gibt den Menschen seine Luft zum Leben?", fragte Eric sie.

„Ein Baum?", fragte Colin.

„Eine Pflanze?", fragte Lily.

„Ja!", antwortete Eric.

„Korrekt", sagte der Adler und, während Lily, Colin und Eric sich über ihren Erfolg freuten, öffnete schon der nächste Adler seinen Schnabel:

Hör mir zu, ich werd' nicht witzeln:

Ich bin ein großes Ungeheuer.

Meine Haut ist rau und schuppig,

Weckst du mich, dann werd' ich ruppig

dann nehm' ich, was dir lieb und teuer.

daher merke: Nie darfst du mich kitzeln."

Eric lachte und Colin und Lily sahen ihn nur verwirrt an.

„Das ist einfach", sagte er triumphierend.

„Ein Basilisk?", fragte Colin.

„Nein!", rief Eric aufgebracht.

„Ein Drache?", riet er weiter, „Viel mehr schuppige Ungeheuer kenne ich aber auch nicht."

„Genau!", antwortete Eric.

„Was hat denn das mit Kitzeln zu tun?", fragte Colin.

Eric klatschte sich die Hand vor die Stirn.

„Mal ehrlich", entgegnete er, „Du weißt dein ganzes Leben lang von Hogwarts, aber du hast keine Ahnung, was das Schulmotto überhaupt bedeutet?"

„Schulmotto?", fragte Colin verwirrt.

„Draco dormiens nunquam titillandus", sagte Eric auf.

„Draco wer?", fragte Colin weiter.

„Das stand damals vorn auf dem Hogwartsbrief drauf", erinnerte Lily ihn.

„Eben!", erwiderte Eric, „Als ich angenommen wurde, wollten meine Eltern sofort alles über die Schule wissen und Draco dormiens nunquam titillandus bedeutet Du darfst niemals einen schlafenden Drachen kitzeln."

„Und was soll das für eine Sprache sein?", fragte Colin, „Koboldogack?"

„Latein", antwortete Eric, verdrehte die Augen und sagte dann laut: „Drache!"

„Korrekt", gab der dritte Adler zur Antwort, versteinerte wieder und der letzte Adler erwachte zum Leben und sprach:

Nur eine Frau, ein Kind, ein Mann,

jedoch kein Tier, so wie ich wette,

lange Nase, kurze Beine kriegen,

sind was mich beherrschen kann,

verstricken sich in einer Kette,

die schwer wieder gerade zu biegen."

Colin schwieg dieses Mal.

„Schwierig", gab Eric zu.

Lily dachte angestrengt nach, während Eric den letzten Adler wieder und wieder bat, sein Gedicht von vorn aufzusagen.

„Nur Menschen können es beherrschen", murmelte er nach dem dritten Durchgang, „Tiere nicht."

„Und sie verstricken sich dabei in einer Kette", half ihm Colin weiter, „vielleicht eine Menschenkette. Tiere sind vielleicht nicht schlau genug, um eine Kette zu bilden."

Eric verdrehte wieder einmal die Augen.

„Nicht die Menschen werden eine Kette, sondern das, was nur die Menschen beherrschen können."

„Und die Menschen, die es beherrschen, bekommen eine lange Nase und kurze Beine?", fragte Lily und so langsam ging ihr ein Licht auf.

„Ich glaube, ich weiß es", flüsterte sie und der eine Adler sah sie interessiert an.

„Eine Lüge", sagte Lily.

„Korrekt", sprach die letzte Adlerstatue.

Colin sah sie erstaunt an.

„Woher weißt du das?", fragte er.

„Mum sagt das ganz oft zu James, wenn er Albus einen Streich spielt und dann nicht zugeben will, dass er es war. Also, dass man vom Lügen eine lange Nase bekommt, oder kurze Beine", erklärte sie sich.

„Genial", sagte Colin zu Eric und Lily und dann beobachteten die drei, was nun passierte.

„Draco dormiens nunquam titillandus", sagte der erste Adler.

„Draco dormiens nunquam titillandus", sagte der zweite Adler.

„Draco dormiens nunquam titillandus", sagte der dritte Adler.

„Draco dormiens nunquam titillandus", sagte der vierte Adler.

Dann beugten sie sich alle ein wenig hinunter, sodass Lily, Colin und Eric problemlos auf je einen Rücken klettern konnten.

„Steigt auf!", sagten sie und kaum hatten sie das getan, flogen die vier Adler mit Lily, Colin und Eric auf dem Rücken hinüber über die riesige Schlucht.

„Nicht runter schauen!", riet Colin, „Eric, mach am besten die Augen zu und summ die Schulhymne!"

Bevor Eric etwas erwidern konnte, hatte er sie schon angestimmt und sang den ganzen Weg, während sie über die Schlucht flogen: „Hogwarts, Hogwarts, hoggy warty Hogwarts, teach us something, please."

Eric hatte die Augen zusammengekniffen und Lily wagte einen Blick hinunter in den Abgrund, wünschte sich jedoch gleich darauf, sie hätte es nicht getan. Es gab nur Tiefe. Sie sah kein Ende. Wenn man hier fiel, dann fiel man ins Unendliche.

Als Colin seine Hymne geendet hatte, zu der Eric auf halbem Wege eingestimmt war, setzten die vier Adler Lily, Colin und Eric auf der anderen Seite der Schlucht sicher ab.

Wieder standen sie vor einer Tür, die sie aber nun mühelos aufstoßen konnten und dadurch gelangten sie in eine weitere riesige Kammer.

Genau wie die vorherige war auch diese Kammer riesig, durch Säulen gestützt und hatte am anderen Ende eine Tür, die sie zur nächsten Kammer führen würde.

Im Gegensatz zu der vorherigen jedoch standen sie auf fester Erde, denn die Kammer war über und über mit Gras bedeckt und in den Ecken stand jeweils eine kleine mickrige Pflanze.

Das Interessanteste jedoch war eine große marmorne Dachsstatue, die permanent durch den Raum eilte, ganz so, als hätte sie Lily, Colin und Eric noch gar nicht wahrgenommen. Sie eilte hin und her zwischen je einer Pflanze und der Mitte des Raumes, in der ein kleiner Springbrunnen lag. Immer wieder kehrte der Dachs zum Springbrunnen zurück, nahm Wasser mit seinem Maul auf und brachte es einer der Pflanzen.

„Können wir irgendwie helfen?", fragte Colin, was den Dachs für eine Sekunde lang innehalten ließ.

Er nickte und fuhr dann unbeirrt fort.

„Wir können aber schon hier rüber laufen, oder?", fragte Eric und testete jeden Schritt sorgfältig aus, weil er es wohl nicht riskieren wollte, in irgendeinen unvorhergesehenen Abgrund zu stürzen.

„Als er sich schließlich sicher war, dass es klappte, lief er geradewegs auf die Tür zu und versuchte an der Klinke zu ziehen.

Alohomora!", rief er schließlich und tippte mit seinem Zauberstab dagegen, doch nichts tat sich.

„Ich glaube, dass wir ihm zuerst helfen müssen", sagte Colin und zeigte auf den Dachs, der noch immer mit dem Mund voll Wasser zu den kleinen Pflanzen eilte.

„Wir sollten ihm beim Gießen helfen!", sagte Lily und lief zum Brunnen.

„Toll, dass noch keiner von uns gelernt hat, wie man eine Gießkanne beschwört", murrte Colin, folgte Lily jedoch.

„Wir haben nur eine Möglichkeit", sagte sie, steckte den Kopf in den Brunnen und nahm Wasser in den Mund.

Anschließend eilte sie so schnell wie möglich zur nächstgelegenen Pflanze und spuckte dieser das Wasser ins Beet. Vielleicht kam es ihr nur so vor, aber sie hatte den Eindruck, als sei die Pflanze dadurch ein Stück gewachsen.

Lily sah hinüber zum Dachs und dieser nickte ihr zu.

Sofort begangen auch Colin und Eric das Wasser des Brunnens zur Pflanze zu bringen. Jeder einzelne von ihnen kümmerte sich nun um genau eine Pflanze. Hin und her liefen sie und tatsächlich sah man bald, dass die Pflanzen wirklich größer wurden. Sie wuchsen, bekamen Blüten und wuchsen weiter.

Mit der Zeit jedoch wurde es anstrengend. Lily konnte nicht mehr und zu rennen und nur durch die Nase zu atmen, fiel ihr immer schwerer. Jedoch musste sie weiter machen. Sie musste es schaffen.

Immer langsamer wurde sie und ein Blick auf Colin und Eric verriet ihr, dass es ihnen genauso ging. Am Ende ging sie nur noch, wann immer sie das Wasser transportieren musste.

Wie viel Zeit sie das hier wohl kostete und wo Walker inzwischen schon war? War er schon bei den Magiecontinatoren angelangt?

Lily gab einen weiteren Mund voll Wasser auf ihre Pflanze, die inzwischen hochgewachsen war und sich zur Mitte des Raumes krümmte. Dort verwob sie sich mit den anderen drei Pflanzen. Sie umschlangen sich gegenseitig und bildeten ein kleines Netz, aus der langsam eine Blüte wuchs.

Der Marmordachs sah genau wie Lily, Colin und Eric zu, wie diese Blüte entstand, und warf ihnen einen zufriedenen Blick zu.

Dann eilte er zur Tür, öffnete diese mit seinen Dachspfoten und wies sie hindurch.

Selbstverständlich ließ sich keiner von ihnen zweimal bitten.

„Länger hätte ich das auch nicht durchgehalten", keuchte Eric erleichtert.

Lily schnaubte belustigt, glaubte allerdings etwas Seitenstechen zu haben.

„Was meint ihr, wie viele Kammern noch vor uns liegen?", fragte Colin.

„Vermutlich drei", antwortete Eric, „Die erste Kammer war eindeutig Ravenclaws, die zweite hier Hufflepuffs, dann kommen noch Gryffindors, Slytherins Kammer und am Ende hoffentlich die Magiecontinatoren."

„Meint ihr, Walker ist schon angekommen?", fragte Colin.

„Sicher", antwortete Lily, „Wir können nur hoffen, dass die Lehrer Olivia schnell glauben. Was meint ihr, wie lange wir ihn aufhalten können?"

Darauf bekam sie jedoch keine Antwort, denn in diesem Moment fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss und sie standen in der nächsten Kammer.

Die dritte Kammer wurde wieder von den gleichen Säulen gestützt wie die Kammer zuvor. Sie hatte auch wieder dieselbe Größe wie zuvor, aber dieses Mal gab es genau zwei Statuen geformt aus purem Gold.

Auf der linken Seite lag ein schlafender Drache, der hin und wieder aus seinen Nüstern schnaubte, und auf der rechten Seite lag ein schlafender Löwe. Auch dieser pustete beim Schlafen hin und wieder einen kleinen Luftstoß aus.

„Okay, wir haben gelernt, schlafende Drachen soll man nicht kitzeln", sagte Colin, schritt durch den Raum, dessen Fußboden dieses Mal aus Sand bestand, und versuchte die Tür zu öffnen.

„Wir könnten den Löwen kitzeln", überlegte Lily und sah zwischen dem Drachen und dem Löwen hin und her.

„Ich habe das Gefühl, hier gibt es nur eine richtige Antwort", schloss Eric und dachte angestrengt nach.

„In der Ravenclaw Kammer ging es darum zu zeigen, dass wir schlau sind und Rätsel lösen können", fasste Colin zusammen, „Bei Hufflepuff waren wir dem Dachs gegenüber hilfsbereit. Also müssen wir in dieser Kammer, die sehr wahrscheinlich Gryffindors ist, unseren Mut beweisen."

„Und was ist schon mutiger, als Dinge zu tun, die man eigentlich nicht tun soll", schloss Lily.

„Also sollten wir den Drachen kitzeln?", fragte Colin und runzelte die Stirn.

Eric nickte.

„Passt auf! Denkt an die Rätsel aus der ersten Kammer!", rief er plötzlich, „Die Antworten sind genau das, was hier auf uns zukommt. Erst die Pflanze, jetzt der Drache und in der nächsten Kammer wird es um eine Lüge gehen."

„Klingt logisch. Wahrscheinlich würde Gryffindor testen wollen, wer dennoch mutig genug ist, einen Drachen zu kitzeln", vermutete Lily.

„Wir wissen trotzdem nicht sicher, ob das die richtige Lösung ist", sagte Colin nachdenklich, „Daher machen wir es so. Ihr beide versteckt euch hinter dem Löwen und ich kitzele den Drachen allein. Wenn die Antwort falsch ist, dann könnt ihr wenigstens noch den Löwen kitzeln."

„Was?", fragte Lily ihn.

„Nein!", rief Eric.

„Es ist unsere einzige Chance!", machte Colin ihnen klar, „Ohne Erics Scharfsinn haben wir keine Chance mehr weiterzukommen und du hast auch mehr Rätsel gelöst als ich, Lily. Aber wir müssen weiterkommen, sonst gewinnt Walker und zerstört die Schule, während alle in der Großen Halle feiern, oder reißt sich die Magie der Gründer unter den Nagel, was weiß ich. Uns läuft die Zeit davon. Ich kitzele jetzt den Drachen und ihr versteckt euch! Los!"

„Okay", sagte Lily und ging zusammen mit Eric in Deckung.

Ein paar Sekunden lang passierte nichts, dann ein Seufzen, dann ein kratzendes Geräusch, dann plötzlich ein lautes Fauchen. Lily konnte nicht umhin hinter dem riesigen Löwenkörper hervorzuspähen und sah, wie Colins Körper von dem Drachenschwanz getroffen wurde und daraufhin durch die Luft flog.

„Colin!", riefen Lily und Eric gleichzeitig und Lily rannte aus der Deckung hervor.

Der riesige goldene Drache drehte sich herum und spie plötzlich Feuer aus. Die Tür stand in Flammen und brannte lichterloh.

„Colin!", rief Lily.

Er lag vor ihr im Sand und bewegte sich nicht. War er nur ohnmächtig?

Sie versuchte zu hören, ob er noch atmete und augenblicklich fiel ihr ein Stein vom Herzen.

„Er lebt!", sagte Lily erleichtert zu Eric.

„Colin, Colin, kannst du mich hören?", fragte Eric und ließ sich neben ihnen im Sand nieder.

Er griff zuerst nach Colins Arm und zog diesen etwas weiter von seinem Körper weg, danach legte er den anderen Arm quer über seinen Körper und winkelte Colins Bein an.

„Was machst du da?", fragte Lily.

„Stabile Seitenlage", erklärte Eric.

„Colin!", rief er.

Plötzlich hustete Colin.

„Warum willst du, dass ich stabil auf der Seite liege?", fragte Colin Eric mit schwacher Stimme.

„Das macht man so bei einem Muggelunfall", erklärte Eric.

Colin rang sich ein Lächeln ab.

„Wie geht es dir?", fragte Lily, „Hast du irgendwo Schmerzen?"

„Mein Bein tut weh", krächzte Colin, „Ich glaube, es ist gebrochen."

„Mist!", fluchte Lily.

„Ihr müsst weitergehen!", sagte Colin eindringlich, „Wir haben es fast geschafft. Lasst mich einfach hier!"

„Vergiss es!", sagte Eric, „Wir nehmen dich mit. Meinst du, du kannst aufstehen?"

„Ja", sagte Colin und wandte sich aus der Lage hinaus, in die Eric ihn gebracht hatte.

Er rollte sich auf den Rücken und drückte sich dann mit den Armen nach oben.

Lily griff ihm rechts und Eric links unter den Arm und zusammen zogen sie ihn auf die Beine.

Die Tür war inzwischen vollständig niedergebrannt und das Feuer war im Sand erloschen.

„Schnell!", sagte Eric und die drei beeilten sich, durch die Tür zu kommen.

Kaum hatten sie dies geschafft, stellte sich die Tür von selbst wieder her und Lily, Colin und Eric standen endlich in der letzten Kammer. Ebenso groß wie alle Kammern zuvor kennzeichnete sich diese spezifisch durch einen großen Teich aus, in dessen Wasser mehrere riesige Seerosenblätter auf der Oberfläche lagen.

„Ich hoffe wir müssen nicht gegen einen Basilisken kämpfen", sagte Colin scherzhaft, doch die beiden anderen lachten nicht, womöglich hatten sie den Scherz auch gar nicht verstanden.

„Denkt an die Lüge", flüsterte Eric plötzlich und erinnerte Colin und Lily somit an das Rätsel.

Plötzlich fing es von der anderen Seite her an zu zischen.

„Willkommen", zischte eine große silberne Schlangenstatue, „Wie ich sehe, habt ihr es bis hierhin geschafft."

Lily, Colin und Eric antworteten nicht.

„Wahrscheinlich wollt ihr nun wissen, wie ihr über den See kommt, oder?", zischte die Schlange weiter.

Wieder antwortete keiner, doch die Schlange ließ sich nicht beirren und wartete ihre Antwort ab.

„Nein", entgegnete Eric schließlich, „Aber sag es uns trotzdem!"

Colin und Lily sahen ihn zuerst verwirrt an, doch dann erinnerten sie sich. Es ging hier ums Lügen und entweder wurden sie belogen oder sie selbst mussten lügen.

Plötzlich verwandelte sich eins der großen Seerosenblätter in einen festen Stein.

„Ihr müsst über die Seerosenblätter zu mir hinüberspringen", zischte die Schlange, „nicht die Steine, die können euch nicht tragen. Nach jedem Sprung stelle ich euch eine Frage, die ihr beantworten müsst. Verstanden?"

„Nein", sagte Eric, „und wir werden nicht auf die Steine hüpfen."

Eine weitere Seerose im Teich vor ihnen verwandelte sich in einen Stein.

„Leute, ich kann mit meinem Bein auf jeden Fall hüpfen", sagte Colin plötzlich an Eric und Lily gewandt.

„Wir helfen dir nicht", antwortete Lily sicher.

Allzu weit lagen die Steine nicht vom Ufer und auch nicht voneinander entfernt. Sie würden Colin schon über das Wasser befördern. Solange er mit einem Bein sprang und ihn ein anderer auffing, sollte es glatt gehen. Es war nur wichtig, dass sie alle weiterhin logen.

Eric sprang zuerst und Colin folgte ihm, sprang ihm somit in die Arme, Lily folgte.

„Wie heißt ihr denn?", fragte die Schlange.

„James", antwortete Lily sofort.

Er war der erste, der ihr einfiel, denn dem hätte dieses Spiel hier besonders Spaß gemacht. Sie ärgerte sich ein wenig, dass sie ihn nicht auf dieses Abenteuer mitgenommen hatte, denn sie wusste, das würde er ihr noch ewig vorhalten, sofern sie hier lebend wieder herauskamen.

„Und weiter?", fragte die Schlange.

„Weasley", antwortete Lily wieder, „Ich bin eindeutig ein Junge. Sieht man doch!"

Colin und Eric kicherten.

„Und ihr?", fuhr die Schlange die beiden Jungen an.

„Olivia Abbott", log Colin.

„Vipera Flint", antwortete Eric und Lily prustete los.

„Ich bin in Slytherin", sagte Eric und vor ihnen erschienen drei weitere Steinplatten, über die sie alle drüber hüpften.

Lily und Eric wechselten sich damit ab, wer zuerst hüpfen durfte. Colin kam immer als zweiter und wurde von einem von ihnen aufgefangen.

„Schöne Namen habt ihr da, aber kommen wir nun einmal zu euren Blutsstatus", zischte die Schlange gefährlich.

„Muggelgeboren", sagte Lily sofort.

Es war von dem was sie wirklich war am weitesten entfernt, denn außer dem Vetter ihres Vaters hatte sie gar keine Muggel in der Familie.

„Muggelgeboren", sagte auch Colin, „und unsere Vipera hier...", er legte einen Arm um Eric, „ist natürlich Reinblüter. Den Stammbaum können Sie auf Jahrhunderte zurückverfolgen."

Die Schlange nickte nur und weitere drei Steine erschienen vor ihnen. Bisher hatten sie acht Felder freigespielt.

„Was wollt ihr denn hier unten überhaupt?", fragte die Schlange weiter.

„Nur mal sehen, was es hier so gibt", sagte Lily, die inzwischen wirklich Gefallen an dem Spiel gefunden hatte.

Inzwischen waren sie fast schon über die Mitte des Teiches gehüpft.

„Habt ihr Geschwister?", fragte die Schlange weiter.

„Nein", sagten Colin und Lily gleichzeitig, während Eric nickte.

„Viele", antwortete er und drei weitere Platten erschienen.

„Woher kommt ihr?", fragte die Schlange weiter.

„Albanien", antwortete Colin und Lily warf ihm einen entgeisterten Blick zu.

Wie kam er auf Albanien?

„Ja, ich... ich auch", sagte Lily.

„Ja, wir wohnen alle drei zusammen in einer Höhle in Albanien", sagte Eric.

„Da ihr nun über die Mitte des Sees gekommen seid", zischelte die Schlange, „Wollt ihr nicht wissen, was unter euch lauert?"

„Das wissen wir schon", erklärte Eric zuversichtlich, „Süße Babyelefanten."

Lily war sich sicher, dass Eric sich diese Babyelefanten wirklich vorstellte. Es wäre auch etwas, das sie sich selbst gern vorgestellt hätte, denn was wirklich unter ihnen im Wasser war, wollte sie jetzt nicht wissen.

„Nun da wir uns bis jetzt alle ein bisschen besser kennengelernt haben und schon fast Freunde geworden sind, können wir die Fragen etwas persönlicher gestalten, oder?"

„Sie sind natürlich unser bester Freund Frau Schlange", erklärte Lily.

„Sehr gut", zischelte die Schlange, die eigentlich in einer Männerstimme sprach und sicher keine Frau war.

Die Adler waren Weibchen gewesen und mit Sicherheit auch der Dachs, nicht aber die Schlange oder der Löwe.

„Gut, ab jetzt plaudere ich ein Geheimnis von euch aus und ihr müsst der Wahrheit gemäß sagen, ob es stimmt, oder nicht, fangen wir mit dir an, James Weasley."

Lily schluckte.

„Du hast seit ein paar Monaten Angst, dass deine Freunde dich nur mögen, weil du Lily Potter bist", zischelte die Schlange.

Lily überlegte einen Moment. Vielleicht hatte sie wirklich einmal darüber nachgedacht, aber den Gedanken schnell wieder verworfen. Eigentlich glaubte sie nicht, dass Colin und Eric sie nur mochten, weil sie berühmt war.

„Ich bin James Weasley und ich bin nicht berühmt, aber ja, davor habe ich Angst", sagte Lily und überlegte, ob das wirklich noch Sinn ergab.

„Fein", zischelte die Schlange.

„Und du, Olivia Abbott, bist du nicht stolz darauf, dass dein Bruder Oliver McKinnon ein bisschen neidisch ist, dass du mit Lily Potter befreundet bist, weil er so zum ersten Mal zu dir aufsieht und nicht andersherum", zischte die Schlange weiter.

„Ich habe keinen Bruder und nein", sagte Colin.

Lily sah ihn an und Colin blickte entschuldigend zurück.

„Bleibst du bei deiner Aussage, James Weasley?", fragte die Schlange.

„Ja", sagte Lily plötzlich, denn auf einmal wusste sie nicht mehr genau, ob sie sich so sicher sein konnte.

„Und Vipera Flint, bist du nicht besorgt nach Hogwarts gekommen und warst dann erleichtert wenigstens so beliebte Freunde zu haben?"

„Ja", sagte Eric.

Lily atmete erleichtert auf und vor ihnen erschienen drei weitere Steine.

„Olivia, deine größte Angst ist, dass dein Bruder sich bald ganz von dir abwendet und dass deine Freunde auch nichts mehr von dir wissen wollen", sagte die Schlange.

„Nein", sagte Colin.

„Vipera, hättest du dich mit Colin angefreundet, wenn er auch ein weiterer Muggelgeborener gewesen wäre wie du?", fragte die Schlange.

„Nein", sagte Eric schlicht, „Und ich bin Reinblüter."

„Und James, hast du nicht einmal überlegt, dass Colins Bruder Oliver viel cooler ist als Colin?", fragte die Schlange.

„Natürlich, jeden Tag", schnaubte Lily, „Ich kann ihn richtig gut leiden und finde ihn total toll."

Eric konnte ein belustigtes Schnauben nicht unterdrücken, doch Colin sah sie überrascht an.

Drei weitere Steine tauchten vor ihnen auf. Sie hatten es fast geschafft nur noch eine letzte Fragerunde und sie waren durch.

„Und Vipera, ist deine größte Angst nicht, dass man dich wieder aus der Zaubererwelt hinauswerfen könnte, weil du schlichtweg untalentiert bist und sie sich bei dir nur geirrt haben, was dein magisches Talent betrifft?", fragte er, „Ich meine, du kannst ja nicht einmal fliegen."

„Nein", gab Eric zu.

Lily seufzte. Sie kannte diese Angst nur zu gut. Irgendwie hatte sie immer Angst gehabt, dass sie als letztes Kind in der Familie keinen Hogwarts-Brief bekommen würde und das, obwohl sich bei ihr immer gezeigt hatte, dass sie sicher eine Hexe war.

„James und Olivia, habt ihr nicht mindestens einmal gedacht, dass Eric schlecht fliegt und untalentiert ist?"

„Er fliegt super", sagte Lily und sah Eric entschuldigend an.

„Aber untalentiert ist er auf jeden Fall!", erklärte Colin schlussendlich und die letzten drei Steine erschienen vor ihnen.

Zusammen hüpften sie hinüber.

„Schade, gerade als es anfing, interessant zu werden", sagte Eric sarkastisch, nachdem sie das andere Ufer erreicht hatten.

Doch plötzlich verwandelten sich alle Steine zurück in Seerosenblätter und aus dem Wasser sprang etwas auf, das zuerst wie ein Fisch aussah.

Es sprang auf und, noch bevor irgendeiner etwas sagen oder tun konnte, hatte es Eric ins Bein gebissen und er schrie laut auf.

„Wir dürfen auf keinen Fall schnell durch die nächste Tür gehen", sagte Lily hastig, griff sowohl Colin als auch Eric unter die Arme und schleppte sie vorwärts.

Während die drei gemeinsam zur letzten Tür traten, fragte Lily sich, was jetzt wohl noch kommen würde, oder ob sie es nun endlich geschafft hatten. Würden sie jetzt auf Walker treffen?

Als sie die Tür erreichten, hielten sie einen Moment lang inne. Dann griff Lily entschlossen nach der Klinke, drückte diese hinunter und schob die Tür auf. Sie betraten eine weitere Kammer.

AN: Zu diesem Kapitel gibt es wieder zwei Sidechapter, die euch mehr über James und Albus verraten: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/11/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Tanzen[/link]; [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/12/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Präsentieren[/link]