Kapitel 6 (The Truth – Audiomachine)
Sie, McGee, Tony, Ziva, Gibbs, Abby, Ducky und Mr. Palmer, warteten alle schweigend im Keller.
Nach einer Ewigkeit kam ein FBI Agent hinunter und erklärte, dass sie nach dem Verhör am Fall der vier drogenschmuggelnden Marines weiterarbeiten dürften, aber nichts, was mit den verschwundenen Akten oder Direktor Vance' Tod zu tun hatte. Gibbs war der erste, der nach oben gebeten wurde, was ziemlich schnell ging, danach folgten ewig lange Momente, wo Ziva, Ducky und Tony verschwanden, bis nur noch Mr. Palmer, Abby und McGee übrig blieben.
Irgendwann wurde der Agent dann auch nach oben gebeten und er erinnerte sich, wie er damals Gibbs um Rat gefragt hatte, der meinte, er solle einfach nur die Wahrheit sagen. Und das würde McGee wieder tun.
Aber war es ein guter Augenblick, seine Paranoia zu offenbaren, das Gefühl, dass jemand bei ihm zu Hause gewesen war?
Er betrat den Verhörraum und ihm wurde direkt mulmig zumute. Er setzte sich und Fornell blickte von seinen Akten auf.
„Jeder im gesamten NCIS-Gebäude könnte der Spion sein, selbst die Putzfrau. Ich glaube nicht, dass es einer von ihnen ist, aber ich erledige hier nur meinen Job…sie haben beeindruckende Computerfähigkeiten."
„Ich glaube, ich erlebe hier ein Déjà vu", erklärte McGee unsicher.
Fornell lachte. „Ja…so fühle ich mich auch. Wann haben sie sich das letzte Mal in eine Website gehackt?"
„Äh…"
„Ich bin mal etwas genauer: Wann haben sie sich das letzte Mal in eine FBI Website gehackt?"
„Das ist…schon eine Weile her…", meinte McGee und versuchte sich um die Antwort zu drücken.
„Ist ihnen in letzter Zeit irgendetwas besonderes aufgefallen? Bei ihren Kollegen, bei den Fällen, bei irgendetwas?"
„Ähm…", McGee dachte nach. Er wollte etwas sagen, aber wusste nicht, ob es vielleicht lächerlich klingen würde.
„Na los, sagen sie schon. Das hier ist ein Fall größter Wichtigkeit und die CIA sitzt mir im Nacken. Mein Boss ruft stündlich an und will Fortschritte sehen und ich selbst habe nur eingeschränkten Zugriff zu den Informationen."
„Das heißt, es geht hier um weit mehr?", fragte McGee überrascht.
Fornell lehnte sich nach vorne. „Es geht um die Nuklearausrüstung von U-Booten. Es gab bisher streng geheime und illegale Unterwassertests. Wenn das dem nahen Osten in die Hände fällt…"
„Warum hat man die Akten dann in einer alten Lagerhalle versteckt?"
„Eigentlich sollen sie hier die Fragen beantworten, Special Agent McGee." Fornell seufzte. „Das war nur eine Übergangslösung gewesen. Nur wenige Leute hatten darüber Bescheid gewusst und man hätte sich schon sehr weit in die NCIS-Akten graben müssen, um diesen Lagerplatz zu finden. Die Daten hätten einen Tag später in ein Sicherheitslager in New York gebracht werden sollen."
„Ah, deswegen verdächtigen sie mich", wurde es McGee plötzlich klar. „Ich hätte mich in die Datenbank hacken können. Aber ich wusste noch nicht einmal von der Existenz dieser Akten, geschweige denn von den streng geheimen Tests der US Army. Tut mir Leid sie enttäuschen zu müssen, aber ich bin nicht ihr Spion." Er war selbst überrascht von sich, wie aussagekräftig er war.
„Sie haben viel von Gibbs gelernt", gab Agent Fornell beeindruckt zu. „Wissen sie, wer das denn noch hätte schaffen können?"
„Die Computerabteilung des NCIS, die Forensiker, keine Ahnung."
„Also auch Abby Sciuto?"
„Ja,…aber das bezweifele ich."
„Warum?"
„Naja, ich kenne Abby gut. Sie würde so etwas niemals tun."
Agent Fornell nickte wieder und sah sich seine Akten an. „Abby hat die Patronenhülse untersucht, die sie gefunden haben. Keine Fingerabdrücke. Wir waren bei der Frage stehen geblieben, ob ihnen in letzter Zeit etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist", wechselte Fornell das Thema von einem zum anderen.
McGee zögerte leicht. „Ich…hatte gestern Abend das Gefühl, dass jemand meine Wohnung durchsucht hat", gab er schließlich zu.
„Wieso das?", gab sich der Agent zunächst neutral
„Meine Bücher standen in einer anderen Reihenfolge, mein Computer war heruntergefahren und einige Sachen lagen an Orten, wo ich sie nicht zurückgelassen habe", seufzte McGee und versuchte überzeugend zu wirken.
„Vielleicht hat jemand Hinweise gesucht, dass sie der Maulwurf sind."
„Bin ich aber nicht."
„Ich glaube ihnen. Aber das würde heißen, dass entweder die CIA jemanden geschickt hat, oder das eine dritte Partei mitspielt", erklärte Fornell. Es herrschte bedrückende Stille für einen Moment.
„Ist ihnen sonst irgendetwas Erwähnenswertes aufgefallen?"
McGee schüttelte den Kopf. Er glaubte nicht, dass sein letztens nächtliches Drogenerlebnis und die beiden hübschen Frauen, die ihn und Tony verführt hatten, irgendetwas mit dem hier zu tun hatte.
„Dann dürfen sie gehen. Die anderen Agents arbeiten bereits an dem Fall der vier Marines. Wir müssen herausfinden, woher sie ihre Drogen bekommen haben und wohin sie sie gebracht haben."
McGee nickte, stand auf und verließ endlich den Raum. Er fühlte sich müde und schwer, vielleicht lag es daran, dass er in letzter Zeit so wenig geschlafen hat.
Wenn dieser Fall vorbei war, das schwor er sich, sollte er mal eine Nacht durchschlafen und nicht die letzten Kapitel von Arkham Asylum zu Ende spielen.
Er ging nach unten zum Büro und entdeckte Tony und Ziva an seinem Schreibtisch sitzen. „Hey, was gibt's Neues?", fragte er, als er bemerkte, dass sie die das Überwachungsvideo aus dem Verhörraum anschauten.
„Erzählt mir was?", hörten die drei plötzlich eine Stimme von hinten. Es war Gibbs mit einem neuen Kaffeebecher in der Hand. Sofort verschwand die live-Aufnahme und sie versammelten sich vor dem Plasmafernseher.
„Das Sanchez-Kartell aus Südmexiko belieferte unsere vier Marines. Sie sind in den letzten sieben Monaten vier Mal vor Anker dort gegangen. Anschließend versteckten sie die Drogen hier in Washington.
Wir haben mit ein paar Informanten gesprochen und offensichtlich ist die Änderungsschneiderei an der Columbus-Street nicht nur ein Geldwäschegeschäft, sondern sie verticken und strecken auch die Drogen", erklärte Tony und zeigte alles auf dem Bildschirm.
„Gut", antwortete der Boss. „Du und McGee, ihr fahrt da hin. Ziva, wir schauen uns an, was Ducky zu den Leichnamen noch zu sagen hat."
Sie nickten und verschwanden in die verschiedenen Richtungen.

„Ich habe hier vor zwei Jahren einmal einen Anzug von mir ändern lassen", erwähnte Tony, als sie aus dem Auto stiegen und sich die Änderungsschneiderei Bamarren anschauten. (Hintergrund-Info: Elim Garak, einer meiner Lieblings-Charaktere aus der Fernsehserie Deep Space Nine war auf jener Raumstation der Schneider, früher jedoch Spion eines Geheimdienstes gewesen und in sehr undurchsichtige Angelegenheiten verwickelt. Er absolvierte drei Jahre auf dem Bamarren-Institut – „Star Trek – DS9" und „Ein Stich zur rechten Zeit" – geniales Buch von jenem Schauspieler Andrew J. Robinson.) :P
Es war ein kleiner unauffälliger Laden in Washingtons Innenstadt und sie traten ein. Es war leer und sie konnten durch die halboffene Tür hinter der Theke ein paar Arbeiterinnen sehen.
„Kann ich ihnen helfen?", fragte die junge Frau hinter der Theke, die von ihrem Buch aufblickte. „Hey, kenne ich euch beide nicht?", fügte sie dann überrascht hinzu.
„Carolyna!", rief Tony erstaunt und sie traten näher. „Hey, Freitagnacht, erinnerst du dich?"
„Klar tut sie das. Schließlich hat sie mir was ins Getränk getan", murmelte McGee sarkastisch.
„Och, Timothy. Du musstest echt lockerer werden", antwortete die hübsche Frau lächelnd.
„Dafür könnte ich dich verhaften!"
„Darum seid ihr aber nicht gekommen. Aber ihr seid dennoch im Dienst, also, womit kann ich behilflich sein?"
Ähm, hast du schon mal einen dieser Männer gesehen?" Tony zeigte ihr, dunkle Haare und Haut, aber wunderschöne dunkelblaue Augen, die Fotos.
„Nein. Die kenne ich nicht. Warum?"
„Sicher? Nach unseren Informationen sind sie US-Marines, die sich des Drogenschmuggels schuldig gemacht haben", fragte McGee missmutig
Die Frau nickte und runzelte die Stirn. „Tut mir leid, aber davon weiß ich nichts."
„Wirklich nicht?", hakte der Very Special Agent nach. „Wie kommt es dann, dass du offensichtlich so leichten Umgang mit Drogen hast, wie wir an McSuchti ja sehen konnten? Denn nach unseren Informationen dient dieses Geschäft hier nicht nur als Geldwäschepunkt, sondern auch für die Präparation und Verteilung der neuesten Waren aus Südmexiko."
„Ist ja interessant. Trotzdem, die paar Tropfen für Timmy bekommt man mittlerweile in jedem Kurzwarengeschäft", antwortete die Frau überrascht. Ob das gespielt war oder nicht, konnten die Agents noch nicht entscheiden.
„Legen sie bitte beide Hände auf die Theke", sagte McGee genervt, obwohl er sie wirklich attraktiv fand und wandte sich dann an Tony. „Schaffst du das da drinnen alleine?"
Dieser nickte und ging in den Hinterraum. Die Tür fiel zu und McGee und die Frau waren alleine.
„Überlegen sie schon, wie lange sie einsitzen werden?", fragte McGee.
Er war selbst über seinen Galgenhumor überrascht, aber diese Frau hatte ihm eine Horrornacht und ein Aufwachen im Krankenhaus beschert.
Überraschenderweise blieb sie ganz ruhig und lächelte nur charmant. „Ich überlege, wer von uns beiden schneller wäre?"
„Ich würde es nicht herausfinden wollen", drohte McGee und prüfte, ob seine Pistole noch griffbereit im Halfter war, was sein gegenüber nur müde lächeln ließ. „Machen sie das eigentlich gerne? Männern Drogen in die Drinks tun?"
„Sie müssen echt lockerer werden. Nein, ich gehe auch normalerweise nicht in solche Diskos, ich habe mich von meiner Freundin überreden lassen. Das war außerdem ihre Idee", gab sie zu. „Tony hat sie auch überredet, oder?"
McGee nickte nervös. Warum brauchte DiNozzo so lange? Und warum fühlte er sich immer noch so schwer.
„Nachwirkungen?", fragte sie.
„Woher wissen sie das?"
„Wenn man nicht daran gewöhnt ist, kann man sich ein, zwei Tage noch schwerer und müde fühlen. Keine schlimmen Konsequenzen."
Er lachte kurz auf, aber beide schauten sich überrascht an, als sie ein lautes, undefinierbares Geräusch aus dem Hinterzimmer hörten.
„Tony, alles okay bei dir?", fragte McGee, als schon eine der Näherinnen herauskam und eine Pistole auf ihn richtete.
„Schließ die Tür ab, Carolyna. Wir haben jetzt geschlossen", sagte diese nur mit stark kolumbianischem Akzent.