Kapitel 7 (I'm not a hero – Hans Zimmer [Batman The Dark Knight])
„Ist ja schon gut", meckerte Tony, als die beiden Agenten in das Hinterzimmer geführt wurden. McGee hörte Carolyna die Rollladen herunterziehen und die Tür abschließen. Hier war es viel dunkler und es gab nur zwei kleine Oberlichter.
Auf den Tischen standen Nähmaschinen und überall hingen Klamotten. Die Näherin mit der Pistole, vermutlich die Chefin, machte ein paar Lichter aus. McGee wurde mulmig zumute, als die Näherinnen, insgesamt drei, aufhörten, zu arbeiten.
„Miguela, busca Javiera y Angela", sagte die Chefin, auf die alle zu hören schienen. Die Mexikanerin verschwand und tauchte ein paar Sekunden später mit zwei anderen Frauen auf.
„Ich schätze mal, da hinten strecken sie ihre Drogen", sagte Tony und zeigte auf die Tür, wo die drei herkamen.
„Calláte!", keifte die Mexikanerin.
„Okay, okay, so viel Spanisch versteh ich auch noch", antwortete Tony leise und schaute zu McGee hinüber. Ihre beiden Dienstwaffen lagen auf dem Tisch viel zu weit entfernt und zwei gegen sieben hatte keine guten Aussichtschancen.
„Woher wissen sie davon?", fragte die Chefin.
„Dass sie hier Geld waschen und Drogen verkaufen? Das weiß so gut wie jeder Informant hier in der Gegend", antwortete Tony angespannt.
Carolyna kam herein und legte den Schlüssel neben die beiden Pistolen. Sie setzte sich dann zu den anderen Näherinnen, aber sie schien die einzige zu sein, die nicht ursprünglich aus Südamerika kam, obwohl sie leicht als eine durchgehen würde.
„Wir verkaufen die Drogen nicht. Wir verteilen sie nur an die Dealer. Was wissen sie noch?", der Akzent war stärker als die eigentliche Sprache.
Tony zögerte, aber McGee wagte einen Bluff. „Dass sie nicht nur mit Drogen handeln." Tony schaute ihn böse von der Seite an, doch McGee hoffte, dass ihnen das etwas bringen sollte.
„Ihr wisst zu viel, ich sollte euch jetzt umbringen", keifte die Frau und entsicherte ihre Pistole.
„Warte!", rief jemand und McGee erkannte Carolyna von ihrem Platz aufspringen.
„Was?"
„Das sind Bundesagenten, die kannst du nicht einfach umbringen", sagte die junge Frau und legte die Hand auf die Pistole.
„Und ob ich das kann. Das ist mein Geschäft und ich mache, was ich für nötig halte. Ich wusste, dass es ein Fehler war, dich einzustellen. ¡Inglesa boluda!" (Blöde Engländerin)
„Hey, ich habe dich doch erst dem Handel vorgestellt", flüsterte sie leise.
„Und der FBI hat sofort Wind davon gekriegt!"
„NCIS", ertönte Tony.
„¡Calláte, he dicho!", (Halt's Maul, hab ich gesagt) schrie die Kolumbianerin erneut und zeigte mit der Waffe auf Tony. „Dann frag sie doch, woher sie von den Akten wissen", fügte sie zu Carolyna hinzu.
Die beiden drehten sich wieder zu den Agents.
„Du hast die Akten aus dem Lagerhaus gestohlen und die Marines umgebracht?", fragte McGee erstaunt, nicht in der Lage, zu glauben, dass ein hübsches Mädchen wie sie dazu imstande wäre.
„Was? Du hast die Marines umgebracht? Das waren doch unsere Schmuggler!", schrie die Chefin und wedelte bedrohlich mit ihrer Pistole.
Doch Carol blieb ganz ruhig und hob ihre Hand zur Abwehr. „Nein, ich habe die Navy Offiziere nicht umgebracht und ich habe auch keine Akten gestohlen", erklärte sie, was McGee und Tony jetzt offiziell verwirrte. Sie tauschten überraschte Blicke aus und sagten gleichzeitig: „Versteh ich nicht."
Die Chefin fluchte etwas und sagte dann: „Da ich euch sowieso töten werde, macht das keinen Unterschied."
„Fehler", murmelte Carolyna so leise, dass nur McGee und Tony es von ihren Lippen lesen konnten.
„Seit drei Jahren verteilen wir die Drogen, die aus Mexiko per Schiff ankommen. Carol ist seit einer Woche dabei, sie versteckt hier irgendwelche Akten, die uns nicht im Geringsten interessieren. Ich schätze, das ist es, wo ihr eigentlich her seid, oder?" Sie wandte sich wütend zu Carol. „Nur deswegen haben sie das mit den Drogen herausgefunden!"
„Äh, nein. Eigentlich wussten wir nur von den Drogen hier und von den gestohlenen Akten in diesem Lagerhaus. Von der Verbindung wussten wir nichts", gab Tony lächelnd zu.
„Ich hab's doch gesagt", murmelte Carolyna, während die Chefin tobte.
„Okay, jetzt ist Schluss!", entschied sie und richtete die Waffe auf McGee. „Dígame Good-bye!"
McGee schloss die Augen und erwartete das Schlimmste. Doch er hörte nichts und schlug die Augen auf, als er ein Kreischen wahr nahm.
Carolyna hatte der Chefin die Pistole aus der Hand geschlagen und sie rückwärts auf den Tisch geworfen, wo sie nur noch hinab sackte und liegen blieb. „Good-bye", murmelte Carol und wandte sich wieder zu den Agents.
Die Beiden standen bereits auf, zögerten dann jedoch, als Carolyna die Waffe aufnahm. Keiner der Näherinnen im Hintergrund rührten sich.
„Warum hast du uns geholfen?", fragte Tony erstaunt.
„So schlecht ward ihr nun auch wieder nicht", antwortete diese, ging ein paar Schritte zurück und verschwand dann im Nebenraum.
„Hab ich was verpasst oder war ich einfach zu high?", fragte McGee, den dieser Satz sorgen machte, da er sich an Freitag ja überhaupt nicht mehr erinnern konnte.
Tony antwortete nicht, sondern lief nur Carol hinterher. Dabei schnappte er sich seine Dienstwaffe wieder, gefolgt von McGee.
„Stehen bleiben, Bundesagenten!", rief er, obwohl er sich gleichzeitig lächerlich dabei vorkam. Er sah noch, wie Carol ein paar Akten aus einem Regal nahm und durch ein Fenster klettern wollte.
McGee schubste den erstaunten Tony beiseite und bekam sie noch am Fußgelenk zu fassen, rutschte aber ab, als sie nach ihm trat und verfehlte und er hörte sie auf der anderen Seite des Fenster hinunterfallen.
Er rappelte sich auf und sprang hinterher, doch sie hatte einen beträchtlichen Vorsprung und stieg in ihr Auto, das ein paar Meter weit weg geparkt war.
„Ihr habt sie laufen lassen?", fragte Gibbs erstaunt.
„Es ging alles viel zu schnell", antwortete McGee und schaute hilfesuchend zu Tony. Die Näherinnen waren alle verhaftet worden, aber sie fanden nirgendwo einen Hinweis auf Carolyna, deren Nachnamen sie nicht einmal wussten, es gab keine Akten und sie bezweifelten, dass diese Frau wirklich unter dem Namen existierte.
„Na schön, was hat den Carolyna jetzt mit den Akten zu tun? Sie arbeitet offensichtlich weder für CIA noch NCIS noch FBI", meinte Ziva.
„Da muss irgendetwas schief gelaufen sein", murmelte Gibbs.
„Ich blick da nicht mehr durch", stellte Tony seufzend fest. „Uns werden geheime Akten gestohlen. Es gibt einen Maulwurf im NCIS und vier drogenschmuggelnde Marines wurden umgebracht. Wo besteht da ein Zusammenhang?"
„Eine der Vorfälle gehört auch nicht da rein", sagte Fornell, der sich soeben dazu gesellte. „Die Marines wurden nur getötet, weil sie den Einbrecher überrascht haben. Die Akten und der Maulwurf gehören zusammen."
„Okay, könnte das irgendwer vielleicht noch mal verständlich zusammenfassen?", fragte Ziva, die allmählich auch die Beherrschung verlor.
„Da vor zwei Monaten geheime Daten gestohlen wurde, zu denen nur ein NCIS-Mitarbeiter sich Zutritt verschaffen konnte, schlussfolgerte die CIA einen Spion in den eigenen Reihen, was auf Washington eingegrenzt wurde. Soweit ich durch Verbindungen herausgefunden habe, suchen sie derzeit nach dem Käufer der neuesten Geheimnisse."
„Aber die hat Carolyna doch gerade mitgenommen? Wie passt sie darein?"
„Entweder sie verkauft die Daten auf dem Schwarzmarkt, oder sie ist der Mittelsmann, die Daten entweder ins Ausland zu bringen oder hier weiterzugeben. Wenn letzteres eintrifft, dann ist der Plan gescheitert."
„Sie wollten schauen, wer die Daten abholt, wenn sie verkauft wurden. Das hätte den Spion im NCIS entlarvt", schlussfolgerte Tony.
„Genau. Aber leider weiß das nur die CIA", antwortete der FBI-Agent.
„McGee?", fragte Gibbs und zog eine Augenbraue hoch.
„Könnte schwierig werden, Boss…aber ich versuch's."
„Gut."
„Das ist eine CIA Ermittlung. Wenn sie sich da erwischen lassen…" murmelte Fornell, verstummte bei Gibbs' Blick aber.
