Ich hoffe euch gefällt das nächste Kapitel. Eins vorweg: ich bin nicht sehr gut darin Jürgen gut zu treffen...also bitte entschuldigt das. Ansonsten wünsch ich euch viel Spaß mit:

Kapitel 3

Also stürmte ich los zu Jürgen. Natürlich merkte er, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte, dass ich zu verwirrt war, zu unruhig. Ich schob es auf den ersten Unitag und die damit verbundenen neuen Eindrücke. Ich verschwieg ihm jedoch, dass sich diese Verwirrtheit erst in der S-Bahn eingestellt hatte, erst als ich IHN gesehen hatte. Doch innerlich zwang ich mich wieder dieses Gefühl auf die letzten Schmachtfetzen, die ich gelesen hatte zu schieben. Zum Glück glaubte mir Jürgen oder tat zu mindestens so, obwohl ich eigentlich eine wirklich miserable Lügnerin war.
Also zeigte ich ihm den Flyer, der die Semesterparty ankündigte, damit er meine Lüge nicht doch noch durchschaute...schließlich war er ziemlich nah dran meinen Schwindel aufzudecken. Er zeigte die erhoffte Reaktion und war erst einmal von meinem Gefühlschaos abgelenkt. „Liselotte, da musst du unbedingt hingehen!" meinte er euphorisch. „Warum, denn?" fragte ich ihn „Ich kenn' doch da niemanden." „Und es ist ja auch so schwer auf so einer Party jemanden kennenzulernen:" zog Jürgen mich auf. „Ja, genau. Vor allem für eine Lisa Plenske." erwiderte ich sarkastisch „Jürgen ich hab mich doch noch nicht mal auf unserem Abiball getraut Markus nochmal anzusprechen...und den ich nicht kannte schließlich schon." „Du studierst doch jetzt...erfinde dich doch einfach ganz neu! Lisa Plenske 2.0.". Versuchte mir mein bester Freund etwa einzureden, dass ich meinen Kommilitonen etwas vormachen sollte, damit sie mich mochten? Glaubt Jürgen wirklich, dass ich mich bis Freitag so verändern konnte, dass ich meinen Kommilitonen nicht mit hochrotem Kopf und stotternd gegenüberstehe? „Hast du vergessen, was damals mit Markus passiert ist? Außerdem vergisst du, dass ich mich freiwillig gemeldet hab, als die Fähigkeit in jeden Fettnapf zu treten vergeben wurde. Außerdem...". Tja und mir fehlten die Worte. Das kriegte bis dahin nur mein lieber Jürgen hin.
Ich weiß, die meisten verstehen meine fast schon krankhafte Schüchternheit nicht, aber nachdem ich Markus Schmidt in Brand gesteckt hatte versuchte ich es möglichst zu verhindern, dass so etwas noch einmal geschah, in welcher Weise auch immer.
Trotz meiner Bedenken schaffte es Jürgen mich mit den verschiedensten Argumenten zu überreden zu der Party zu gehen. Gut, er versprach mir auch mich zu begleiten und von allen Kerzen, Feuerzeugen usw. fernzuhalten. Ich kannte ihn jedoch inzwischen lange genug, um zu wissen, dass da noch mehr hinter steckte. Nicht ich war diejenige, die jemanden kennenlernen sollte, sondern er wollte eine von den hübschen Studentinnen erobern. Ich konnte ihn ja verstehen. Seit der Trennung von seiner letzten Freundin war schon einige Zeit vergangen und er meinte in letzter Zeit auch immer, dass es Zeit für eine neue zukünftige Frau Decker sei. Naja ich konnte ihn ja verstehen. Ich sehnte mich auch nach jemanden, der mich so liebte, wie ich war, das komplette Lisa-Plenske-Paket. Und wieder überkam mich dieses merkwürdige Gefühl und ich musste an den jungen Mann in der S-Bahn denken. Ich konnte ja nicht ahnen, dass die Erfüllung meines Wunsches zum Greifen nah war.
Natürlich rief Jürgen auch gleich Yvonne an, die er nicht so lange überreden brauchte wie mich, denn sie war, wie immer sofort Feuer und Flamme.
Die Woche verging ohne weitere Aufregungen. Ich lernte meine Profs in den verschiedenen Vorlesungen kennen und begann mich langsam in der Uni zurechtzufinden. Ich verstand mich sogar ganz gut mit einer meiner Kommilitonin. Sie hieß Florence und stammte aus Kanada.

Dann war der Freitag, der Tag der Party, gekommen.
Yvonne wartete mich schon bei Jürgen auf mich und schleppte mich gleich in ihre Wohnung, um an mir die neusten Stylingtipps aus ihrer Lieblingsmodezeitschrift auszuprobieren. Ich hatte gerade mal Zeit Jürgen „Hallo" und „Bis später" zu sagen.
Nachdem ich ganz passabel aussah, wie Yvonne meinte, gings los zum Club, in dem die Semesterparty stattfinden sollte.
Überraschenderweise amüsierte ich mich doch ganz gut. Die Musik gefiel mir und Jürgen hielt mich von allen Feuerstellen fern...ich konnte also niemanden in Brand stecken. Ich kam grad' von der Bar, wo ich Jürgen und mir den nächsten Drink geholt hatte...Yvonne war spurlos verschwunden...als ich mit jemandem zusammenstieß. Natürlich erwischte ich genau in dem Moment den Fettnapf, als ich Jürgens Bier und meinen Rotwein in der Hand hielt und das wo ich sonst keinen Wein trinke. So landete also der Inhalt der Drinks auf dem Hemd des Mannes gegen den ich gelaufen war. „Oh Gott, dass...also dass tut mir echt...also echt leid" stammelte ich vor mich hin und das ging 'ne ganze Weile so. Als mich endlich traute aufzublicken sah ich IHN mit einem spöttischem Grinsen im Gesicht. Ohnein,dasdarfdochnichtwahrsein, dachte ich. DieseStadthatüberdreiMillion enEinwohnerund ichschütteausgerechnetdiesem MannmeineDrinksü ,liebesSchicksal? Sofort stellte sich dieses seltsame Gefühl ein, welches mich an meinem ersten Unitag nicht losließ. Es hatte also doch mit diesem Mann zu tun, oder? NEIN, es sind die Kitschromane! Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich oberflächlich und eigentlich bin ich das nicht, aber er sah noch besser aus, als ich ihn in Erinnerung hatte. In seinen dunklen Augen lag noch immer etwas spöttisches, eine Neugier, die ich nicht definieren konnte.
Sogar ich sah mit meinem geringen Interesse an Mode und mit der momentanen geistigen Verwirrtheit, dass seine Klamotten viel zu bunt waren und weder Hose noch Hemd zueinander passten. Nach einiger Zeit des Stammelns und des Schweigens bekam ich dann irgendwoher Servietten und versuchte mit eben diesen die Flecken zu entfernen. Ich tupfte also wie wild auf seinem Hemd herum und sah aus dem Augenwinkel, dass sein Grinsen immer breiter wurde. „Ich glaub du kannst aufhören." sagte er plötzlich mit einem Lachen in der Stimme. „Aber...aber, die...also die Flecken. Rotwein geht doch so schwer raus...und das Bier..." stammelte ich, wie der letzte Idiot vor mich hin. Vorsichtig nahm er meine Hände, die sich noch immer mit seinem Hemd beschäftigten und versuchte mir in die Augen zu sehen, wobei ich vor Scham immer wieder wegsah. Warum tat sich einfach kein Loch auf, in dem ich hätte verschwinden können...das klappte doch auch für Rumpelstilzchen. „Guck doch mal", sagte er noch immer in diesem seltsamen amüsierten Tonfall „bei diesem wilden Muster fällt der Rotweinfleck doch gar nicht auf, vielleicht wird das ja die neue Mode. Hemden mit Rotweinflecken und dann gibt's Werbung, die nur dich zeigen...das Gesicht der Erfinderin. So, und wenn du mir noch bei dem Drink, den ich mir grad' holen wollte Gesellschaft leistest und mir deinen Namen verrätst, dann verzeih ich dir vielleicht, dass ich deinetwegen wie diese Spelunke um die Ecke stinke.
Ich nickte nur und hoffte er würde mir meine Verlegenheit nicht ansehen. Schließlich wurde ich schon bei der kleinsten Gelegenheit rot und in dieser Situation hatte meine Gesicht mit absoluter Sicherheit die Farbe eines gekochten Hummers angenommen.
Damit nicht genug, denn auf einmal lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, was sicherlich damit zu tun hatte, dass er immer noch meine Hand hielt.
Sollte ich ihm wirklich Gesellschaft leisten? Wollte er sich wirklich mit mir unterhalten? Mit mir, Lisa Plenske? Hatten die Kitschromane etwa doch Recht?...Nein Lisa! Keine Kitschromane und sie haben auch nicht recht...das sind nur Bücher!
Es konnte doch nur ein Traum sein, dass er sich mit mir unterhalten wollte. Zugegeben, wenn es ein Traum war hätte ich nie wieder daraus erwachen wollen, weil die Vorstellung einfach zu schön war. Doch es war kein Traum, ich war wach und stand wie zu einer Statue erstarrt vor ihm. Er schaute mir noch immer in die Augen und fragte leise, ob es mir gut ginge, als hätte er Angst mich zu erschrecken, würde er lauter sprechen.
Ich glaub ich hab ihm nie erzählt, dass er mich schon in diesem Moment ganz wuschig gemacht hatte, ein Fakt, der sich nie verändert hatte.
Er guckte mich noch immer an und ich sah auch, wie sich sein Mund bewegte, aber ich konnte ihn nicht hören. Meine Ohren waren wie verstopft. Als hätte mir jemand Ohropax in die Ohren gestopft. Jürgen hatte ich schon vollkommen vergessen. Ich konnte nur noch daran denken, dass er meine Hand, die immer noch kribbelte berührt hatte. Als dann Jürgen neben uns auftauchte erschrak ich richtig. Es war als wäre ich wieder in die Wirklichkeit zurück katapultiert worden auch wenn ich noch nicht wirklich wieder angekommen war. Natürlich begutachtete Jürgen meine neue Bekanntschaft von oben bis unten. Da räusperte sich Jürgen und meinte: "Ich bitte um Landeerlaubnis auf deinem kleinen Planeten, Lisa. Hallo Lisa!" Jürgen fuchtelte mir die ganze Zeit vor den Augen herum und trotzdem bekam ich nichts mit außer IHN.Verwirrt drehte ich mich zu Jürgen um. ER konterte nur mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck: "Ach dann kennst du sie wohl?" "Ja, tu ich. Willst du raten woher?". Ich hätte Jürgen erschießen können, denn langsam hörte ich zumindestens wieder etwas und hätte bei seiner Aussage wieder im Boden versinken können. Aber irgendwie schien Jürgen damit SEIN Komikzentrum getroffen zu haben, denn er beugte sich zu IHM und flüsterte IHM etwas ins Ohr. Bis heute will er mir nicht erzählen, was es war. Er meint dann immer, dass auch Männer ihre Geheimnisse bräuchten. Na ja, zu mindestens lächelte mich dieser junge Mann mit den dunkelbraunen Locken und diesen verwirrenden dunklen Augen an und sagte dann nur. "Ich bin Rokko." Ich weiß noch, dass ich mich damals über seinen Namen wunderte, aber das Warum ist vollkommen verschwunden, ich weiß es einfach nicht mehr.
Da ich noch immer nichts sagte sahen mich zwei Augenpaare erwartungsvoll an. Wieder wachte ich aus einer Art Traumzustand auf und stotterte nur vor mich hin. Oh Mann, dachte ich, der denkt doch bestimmt, dass ich nicht mehr als zwei Gehirnzellen besitze. "Ah, sie ist mit einiger Verspätung wieder auf der Erde gelandet." das kam von Rokko, natürlich von wem sonst. Noch so eine Sache, an die ich mich nie gewöhnt habe, sein Humor und ehrlich gesagt will ich mich auch gar nicht daran gewöhnen.