Hermine lag auf der Couch im Wohnzimmer der Weasleys und hörte dem regelmäßigen Klopfen des Regens an den Fensterscheiben zu. Es beruhigte sie, es war ihr vertraut, es war wie in ihrer Welt. Die Nacht war schon vor Stunden eingebrochen und doch konnte sie nicht schlafen.
Morgen fand Bills und Fleurs Hochzeit statt und der zukünftige Ehemann und seine Freunde waren noch immer nicht von der Junggesellenfeier zurückgekehrt. Hermine hoffte inständig, dass sich Ron mit dem Trinken zurückgehalten hatte, er vertrug nicht viel. Doch sie ahnte bereits, dass er wieder über die Stränge geschlagen hatte und morgen wohl allerschlechtester Laune sein würde.
Sie drehte sich zum Feuer und atmete tief durch. Es würde schon alles gut gehen, so seltsam eine Hochzeit in ihrer Lage auch zu sein schien. Vielleicht würde Ron dann endlich den nächsten Schritt wagen, sie endlich berühren, sie küssen - oder auch nur ihre Hand halten.
Als sie ein Knarzen vor der Tür hörte, setzte sie sich auf und blickte zum Eingang. Die Tür wurde polternd geöffnet und ein völlig durchnässter Ron betrat torkelnd das Haus. Hermine sprang sofort auf und lief auf ihn zu.
„Leise Ronald, die anderen schlafen schon längst; wo warst du nur so lange?" Er stütze sich an ihr ab, sein Atem roch stark nach Feuerwhiskey und in seinen Augen lag ein rebellischer Glanz.
Hermine schloss leise die Tür, während sie ihr Bestes gab, selbst nicht hinzufallen, während sie Rons Gleichgewicht hielt.
„Du solltest schleunigst ins Bett, morgen heiratet dein Bruder! Wo ist der überhaupt?"
Ron grinste. „Noch nicht wieder da, kommt schon noch." Hermine verstand sein Genuschel kaum, hielt es aber für überflüssig, nochmals nachzufragen und zog Ron stattdessen die nasse Jacke aus.
Vorsichtig und mit voller Geduld hielt sie ihn fest, während sie seine Arme aus der viel zu großen Jacke befreite und diese schließlich aufhängte.
Auf einmal spürte sie, wie Ron sie von hinten umarmte und an sich drückte. Kurz lächelte sie, doch dann begriff Hermine, dass der Mut wohl auf den Alkohol zurückzuführen war - und diese Art von Begehren wollte sie nicht.
Ohne Widerwehr konnte sie sich aus der Umarmung lösen und lächelte ihn an.
„Ron, du solltest wirklich nach oben gehen. Es ist spät."
Auf einmal griff er nach ihrem Gesicht und küsste sie. Es war weder leidenschaftlich noch voller Liebe, er presste seine Zunge durch ihre Zähne und drückte sie an sich heran.
„Nein! Ron, lass das; du tust mir weh!" Doch ihr bester Freund schien sich nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Als Hermine sich mit aller Kraft aus seiner Umklammerung löste, funkelte er sie an und sein Mund wurde zum schmalen Strich.
Ihr Herz raste als sie ein paar Schritte zurückstolperte und angsterfüllt wimmerte.
„Bitte Ron, geh jetzt einfach. Du bist nicht ganz bei dir und morgen werden wir darüber reden. Aber lass mich allein, du machst mir Angst."
Er lachte laut auf und Hermine bekam eine Gänsehaut; sein Gelächter war nicht mehr länger ausgelassen und freundlich und sie bemerkte, dass er nicht mehr der Junge zu sein schien, in den sie sich einst verliebt hat.
Er kam auf sie zu, mit dunklen Schatten um den Augen und schnellen Schritten. Hermine bekam es kaum mit, dass er sie schubste, sodass sie auf das Sofa fiel. Auch nicht, wie schnell er ihr trotz seines Zustandes die Hose hinunterziehen konnte.
Erst als sie ihn in sich spürte, rauschte das Adrenalin durch ihre Adern und sie versuchte, ihn hinunter zu schubsen. Sie bäumte sich auf, drückte ihn von sich weg, bis ihr die Tränen die Wangen hinunterliefen, doch er hielt sie mit seinem ganzen Gewicht auf dem Sofa.
Als Hermine schreien wollte, wegen den ungeheuerlichen Schmerzen aber auch wegen ihres gebrochenen Herzens, hielt er ihr den Mund zu und beugte sich zu ihrem Ohr.
„Wage es nicht, Hermine. Du bist so wunderschön, genieße es.", säuselte er und stieß erneut zu, sodass sie ein Wimmern nicht unterdrücken konnte.
Der Geruch von Alkohol und Schweiß stieg ihr zu Kopf und sie drehte ihn zur Seite, während sich Ron an ihr verging. Mit größter Mühe versuchte sie, sich von ihrem Körper zu entfernen, nicht mehr eins mit ihm zu sein, doch der ungeheure Schmerz drang immer wieder zu ihr durch.
Das ist nicht Ron. Er will das nicht. Er ist nicht er selbst.
Sie wiederholte die Worte immer und immer wieder in Gedanken und als er schließlich fertig war, setzte er sich auf und machte sich die Hose zu. Mit einem Lächeln auf den Lippen küsste er Hermine, die noch immer ins Leere starrte, auf die Stirn und ging schließlich mit wankenden Schritten nach oben.
Erst als sie hörte, dass er die Tür geschlossen hatte, zog sie ihre Beine an und schlang ihre Arme um sie. In dieser Embryo Stellung konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten und sie schluchzte laut auf.
Sie fühlte sich beschmutzt, missbraucht, leer, dreckig.
Der Regen fiel noch immer und mit letzter Kraft stand auch Hermine auf, machte sich mit zitternden Fingern die Hose zu, zog sich mit abwesender Miene die Schuhe an, griff nach ihrem Zauberstab und ging nach draußen.
Sie hätte den Impervius-Zauber auf ihre Kleider anwenden können, doch sie wollte nass und kalt werden. Nichts mehr spüren, außer diese unnachgiebige Kälte.
Nachdem sie ein paar Schritte gegangen war, drehte sie sich nochmals zum Fuchsbau um. Sie würde nie wieder hier hin zurückkehren. Ein Band zwischen ihnen war gebrochen. Sie würden nie wieder ein Trio sein.
Mit einem lauten Knall, das die Nacht durchbrach, verschwand Hermine, ohne zu wissen, wo sie wieder auftauchen wollte.
