Kapitel 6
Es war später Abend als Red John, natürlich ohne lange Kutte und Maske, bei Partridge ankam. „Lange gearbeitet?", fragte der Forensiker, als er seinen Boss und Liebhaber in seine Wohnung ließ.
„Überstunden. Du weißt ja, wie das ist", antwortete der andere Mann und küsste seinen Freund auf den Mund. „Ich bin ziemlich erschöpft, sollen wir direkt nach oben gehen?", fügte er verführerisch hinzu und seine Hände glitten um Bretts Hüfte.
„Ich dachte, ich wäre heute nicht der erste", erwiderte dieser erstaunt über die Lust seines Partners, als sie die Treppe hinaufstiegen.
„Aber nichts und niemand ist vergleichbar mit dir", flüsterte Red John beeinflussend und schubste Partridge auf das Doppelbett. Er setzte sich auf seine Bein und begann, ihm die Krawatte abzunehmen und das Hemd aufzuknöpfen. „Deine Haare sehen aus als hättest du in eine Steckdose gepackt", flüsterte er, als er das Hemd auf den Boden warf. „Ich mag es", fügte er hinzu und küsste Bretts Augen, Wange, Nase und den Mund. Langsam zog er Bretts Hose herunter und warf seine Unterwäsche achtlos davon.
„Ich habe ewig darauf gewartet", flüsterte Brett und rutschte weiter auf das Bett.
„Das waren vier Tage seit dem Quickie im Labor", flüsterte Red John und entledigte sich schnell seiner eigenen Sachen.
„Und viel zu lange her", erwiderte Brett und fuhr mit seiner Hand durch Red Johns blonde Haare. Dieser lachte und küsste Brett leidenschaftlich. Er krabbelte zum Nachttisch und nahm ein Kondom aus der Schublade. „Wofür?", beschwerte sich der Forensiker, nicht zum ersten Mal.
„Sicher ist sicher."
„Hast du Angst, schwanger von mir zu werden?" feixte er, als er sich bereits auf den Bauch drehte.
„Wir könnten auch mal was neues ausprobieren", flüsterte Jane ihm ins Ohr, als er ihn trotzdem bestieg.
Es war ungefähr drei Stunden später, dass ‚Red John' fast eingeschlafen war, als sein Handy klingelte. „Kannst du ihr nicht sagen, dass du nicht gestört werden willst?", fragte Partridge genervt, als er seinem Freund und Boss das Handy reichte. Dieser schaute sich verwirrt um und starrte Partridge an. „Was ist los?", fragte der Forensiker überrascht.
Red John benahm sich oft eigenartig, aber so perplex wie jetzt hatte er noch nie geschaut. Doch dann beruhigten sich seine Augen wieder und er erwiderte: „Nichts…gar nichts."
Red John stand auf und nahm den Anruf an. Partridge beobachtete ihn, wie er sich mit einem simplen ‚Ja' meldete und dann aus dem Zimmer verschwand.
„Ist Jane schon hier?", fragte Lisbon, als sie in der frühen Nacht aus dem Bett geklingelt worden war. Sie betrat den Tatort, wo sie von Rigsby empfangen wurde. „Nein. Wir haben ihn noch nicht angerufen."
„Dann tue ich das."
„Ist er noch im CBI?"
„Nein, er ist um neun Uhr gegangen. Eigentlich haben sie ihn rausgeworfen, als er versucht hat, an die Red John Akten zu kommen", erklärte Lisbon, als sie bereits Janes Nummer eintippte. „Jane?", fragte sie, als er nach endlosem Klingeln endlich antwortete.
„Ja", hörte sie seine Stimme.
„Wir haben einen neuen Fall. Ich schicke ihnen per SMS die Adresse."
„Fall?", fragte Jane, der verwirrt, oder vielleicht auch nur müde klang. Schließlich war er erst vor einigen Stunden nach Hause gegangen.
„Ja. Ein Doppelmord. Keine Zeugen, mal wieder was für sie. Wir haben kaum Hinweise", sagte sie ungeduldig. Sie blieb in neutralem Ton, überall um sie herum waren Polizisten und was sie und Jane am Laufen hatten, sollte schließlich nicht jeder wissen.
„Lisbon?", fragte Jane vorsichtig und sie versuchte, nicht auszurasten.
„Jane, ist alles okay?", fragte sie genervt. Wenn er nur wieder Spielchen spielte, würde sie ihn garantiert erwürgen.
„Jane? Ich…", sagte er und plötzlich war es ganz still am anderen Ende der Leitung.
„Jane, was ist los?", fragte Lisbon, als sie einen Schrei hörte und dann die Verbindung abbrach. „Grace, können sie den letzten Anruf lokalisieren?", wandte sie sich an Van Pelt.
„Könnte etwas schwierig werden", sagte sie, bemerkte dann aber, dass es Janes Handy war. „Jane hat sein GPS Signal normalerweise immer online. Damit dürfte es einfacher gehen", erwähnte sie. Es dauerte ihr trotzdem viel zu lange und sie bekam fast einen Herzinfarkt, als sie schließlich die Adresse erkannte. Es war Partridges Wohnung, dessen Adresse sie nur per Zufall von den Akten kannte.
„Na schön, ich werde alleine da hin", erklärte sie schließlich ihrem Team.
„Sicher, Boss?", fragte Rigsby und machte klar, dass er Partridge genauso hasste wie jeder andere hier auch.
„Ja…", dann entschloss sich aber Lisbon, etwas mehr zu erzählen und kehrte zu den dreien zurück. „Hören sie mir zu. Partridge ist einer von sieben Verdächtigen im Red John Fall. Es kann sein, dass Jane irgendetwas dort tun wollte, um seinen Verdacht zu erhärten."
„Sieben Verdächtige?", fragte Cho erstaunt und Lisbon nickte nur. Es war klar für die Agents, dass Jane natürlich seine Entdeckung niemanden anvertraut hatte.
Trotzdem mit einem schlechten Gewissen ließen sie Lisbon fahren. Sie brauchte ungefähr zwanzig Minuten bis sie bei dem Hochhaus ankam. Sie überlegte zunächst zu klingeln, entschied sich dann jedoch dafür beim untersten Mieter zu klingeln und erklärte ihm kurz wer sie war, sodass er sie rein ließ. Mit der Waffe in der Hand lief sie nach oben, hörte aber nichts aus der Wohnung.
Sie klingelte, doch niemand öffnete. Sie verfluchte sich selbst und hoffte, im Recht zu sein, als sie die Tür eintrat. Und sofort wusste sie, dass etwas nicht stimmte. Das erste was sie wahrnahm, war ein Schluchzen. Jemand weinte. Sie huschte hinüber zur Küche, wo jemand auf dem Boden saß und gegen die Wand lehnte. Sie kam näher und erkannte, dass es Jane war, der seine Hände in seinem Gesicht vergraben hatte.
„Jane? Jane?", fragte sie erstaunt und hockte sich neben ihn. „Was ist denn passiert?"
„Ich…Ich war es…", schluchzte er kaum verständlich.
„Du warst was?", fragte sie, nicht verstehend, was er denn damit sagen wollte. Sie schlang ihre Arme um seine Schultern und Kopf und drückte ihn fest an sich. Doch sein Weinen wurde dadurch nur stärker.
„Lass mich!", rief er, was sich direkt wieder in einen Keuchen nach Luft verwandelte. „Ich bin ein Monster!"
Lisbon lachte kurz. Jane, ein Monster? Was sollte das denn jetzt bedeuten? Er war der liebenswürdigste Mensch den sie kannte, natürlich hatte er auch viele Fehler und ihm riss auch der Geduldsfaden ab und zu, aber was zur Hölle wollte er ihr klarmachen?
„Teresa!", rief er plötzlich und riss sich aus ihren Armen los. Er schaute ihr direkt in die Augen und sie erschrak bei dem Anblick seinen schmerzverzerrten Gesichtes, dass von Tränen überlaufen war. „Ich bin Red John!", rief er laut.
Lisbon wusste nicht was sie antworten sollte. War das wieder eines seiner Spielchen? Nein, dafür schien er zu ernst. Aber was sollte es dann heißen? Er konnte nicht Red John sein, er war auf der Suche nach ihm für schon fast 7 Jahre. Ihr Mund blieb offen stehen und sie starrte ihn nur an.
„Ich bin es. Ich war es die ganze Zeit!"
„Jane, das ist nicht wahr…"
„Schauen sie ins Schlafzimmer. So habe ich mich wiedergefunden, als sie mich angerufen haben…naja, nicht ganz so", erklärte er und verfiel wieder in ein leises Schluchzen.
Sie strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wischte ihm eine Träne von der Wange. Wie sollte er dafür verantwortlich sein, was so vielen Frauen und Männern wiederfahren ist in den letzten paar Jahren. Sie stand schließlich auf und ging hinüber zum Schlafzimmer und stieß sachte die Tür auf. Was sie sah, brachte einen Würgereiz in ihr hervor.
Am liebsten hätte sie sich umgedreht und wär aus dem Haus gerannt. Einfach nur gerannt, weg von hier, alles vergessen. Aber sie fasste sich und setzte einen weiteren Schritt in das Zimmer. Sie erkannte alles. Überall hangen Bilder von Tatorten, von Opfern Red Johns, einige Bilder schienen aber gemacht worden zu sein, bevor die Polizei eintraf.
Es gab Zeitungsausschnitte über die Morde, über die Opfer, es lagen Akten verstreut herum, mit Jahreszahlen, vermutlich alles über die armen Frauen gesammelt. Über dem Doppelbett prangte ein großer Red John Smiley und es lagen auf dem Schreibtisch und in dem halbgeöffneten Kleiderschrank alle Arten von Messern, Seilen, Handschellen, Folterwerkzeuge, die sie nicht einmal benennen konnte.
Und dann entdeckte sie den Schatten, der auf dem Bett lag. Es widerte sie an, weiter zu gehen, aber sie trat näher, um sicher zu sein, dass es das war, was sie glaubte. Es war Partridge, er lag nackt auf dem Bett, eine aufgerissene Kondompackung lag auf dem Nachttisch. Doch er selbst sah totenblass aus, und sein gesamte Körper schien getränkt in Blut.
Das Bettzeug hatte sich vollgesogen von der Flüssigkeit und die verschiedenen Rottöne vermischten sich. Sein Körper war aufgeschlitzt worden, mit dem langen Messer was neben ihm lag. Seine Beine und Arme zierten Verletzungen, aus allen war Blut herausgequollen. Seine Augen waren ausgestochen worden und die weiße Flüssigkeit seine Wangen heruntergelaufen. Sein Gesicht war ebenfalls Blutverschmiert und er war kaum noch wiederzuerkennen.
Lisbon musste sich an der Kommode festhalten, doch schließlich beugte sie sich vor und konnte ihrem Brechreiz nicht mehr standhalten. Angewidert stolperte sie rückwärts und lehnte sich gegen die Wand. Es dauerte eine Weile bis sie merkte, dass ihr Handy klingelte.
„Ja?", antwortete sie stöhnend.
„Boss? Alles okay?", fragte Rigsby, der sich, wie der Rest des Teams, Sorgen machte.
„Nein…", antwortete Lisbon, ließ aber vor Schreck das Handy fallen, als Jane plötzlich neben ihr stand. „Jane…hast du das getan?", fragte sie erstaunt.
Dieser nickte nur langsam.
„Warum?"
„Ich habe für einen Moment mich selbst entdeckt", antwortete er mit ruhigem Ton. Er weinte nicht mehr, sein Gesicht zeigte keine Furcht mehr, nur Hass und Wut. „Ich habe all diese Menschen getötet. Das bin ich. Aber Jane ist schwach. Ich bin Red John", erklärte er und kam Lisbon näher. „Und ich hatte mich wirklich in dich verliebt", fügte er voller Abschaum in seiner Stimme hinzu.
„Jane", flüsterte sie leise, sie verstand nicht, was vor sich ging. Eine gespaltene Persönlichkeit? All diese Zeit, unentdeckt? Unmöglich. Doch hier stand er vor ihr, presste sie regelrecht an die Wand und seine Augen musterten sie. Kein Fünkchen mehr darin zu erkennen, Jane schien verschwunden. Doch war es nun für immer?
„Jane, lassen sie mich gehen", flehte sie und eine Träne lief ihre Wange hinunter.
„Du hast zu viel gesehen, meine Liebe", flüsterte er und seine Hände glitten über ihr Gesicht. „Jane wird es so leidtun, aber ich habe schon seit Ewigkeiten auf diesen Moment gewartet", sagte er und seine Hände fassten um ihren Hals.
Er beugte sich zu ihre vor und küsste sie, wie er sie noch nie geküsst hatte. Es war romantisch und sehnsüchtig und für einen winzigen Augenblick, vergas sie ihre Angst. Doch dann packten seine Hände fester zu. Sie wollte schreien, sogar betteln, doch sie bekam keinen Laut mehr aus ihrem Mund. Ihre Augen weiteten sich, ihr Kopf wurde rot und sie bekam Panik.
Doch in Seelenruhe schaute er sie mit seinen kalten, dunklen Augen an, bis sie sich nicht mehr wehrte und ruhig auf den Boden sackte. Er fühlte ihren Puls ein letztes Mal und ohne auf einen seiner Liebhaber zurückzublicken, wandte er sich und ging aus dem Haus.
Zum letzten Mal schaute er sich in Sacramento um, bevor er die Stadt für immer verließ…
