4. Dumm gelaufen

Lucius legte die Maske um und bereitete sich zum Apparieren vor - Bald würde das Treffen beginnen. Er wollte schon ein wenig früher zum Treffpunkt, denn Voldemort hatte es gerne wenn er in den Kreis der Todesser apparierte, solange es ein angekündigtes Treffen war.

Vielleicht konnte er noch mit einigen Freunden ein paar Worte wechseln, ihm war irgendwie gerade nach einem „Stammtisch" zumute. Einfach mal wieder ein nettes kleines freundschaftliches Treffen, vielleicht ein wenig Karten spielen und Whiskey.

Bevor Bellatrix mit Rudolphus zusammen kam, waren er und Rudolphus oft gemeinsam los gezogen. Sie waren in teure Bars und Clubs gegangen, hatten manchmal Karten gespielt und die eine oder andere hübsche Hexe aufgerissen. Aber dies war nun vorbei, Rudolphus kam zwar manchmal noch mit, aber meist war Bellatrix mit dabei.

Es war schon irgendwie blöd, neben zwei Turteltäubchen sein Glas zu leeren…

Natürlich gab es unter den Todesser auch noch andere Männer die in Lucius Gunst standen, aber Rudolphus war intelligenter und er zählte auch zu seinen besten Freunden.

Der heutige Treffpunkt war ein altes Bauernhaus bei Cardiff. Es stand verlassen auf einer kleinen Anhöhe, umringt von weiten Graslandschaften.

Als Lucius ankam waren schon einige da, Rabastan und Rudolphus Lestrange – Rabastan war ein Jahr jünger als sein Bruder, aber vom Charakter her langweilig, dennoch verlässlich.

Antonin, er war einer von denen, die dem dunklen Lord am längsten dienten und kannten.

Er war nicht dumm, und stand in hoher Gunst. Lucius beneidete ihn darum ein wenig. Zwar wuchs Lucius Gunst von Auftrag zu Auftrag, aber es konnte natürlich immer mehr sein.

Rosier und Nott, Yaxley und Greyback winkten ihn zu sich, während er zu ihnen hinüber ging, war die Luft durch ein ploppen erfüllt, immer mehr Todesser apparierten. Im Vorbeigehen sah er wie Bellatrix, Alecto und Narzissa miteinander quatschten.

Alecto war eine junge Frau, nicht gerade schlank, aber ein liebes Gesicht. Lucius hatte aber nie viel mit ihr zutun gehabt.

Zum Bedauern stellte er fest, dass Narzissa sein Kommen nicht bemerkt hatte. Es hatte ihn diebisch gefreut, als er ihr diese Bemerkung im Laden noch entgegengeschleudert hatte, aber er hätte gerne gewusst wie sie im Nachhinein darauf reagierte. Er bestand immer noch auf seine Rache, allerdings wusste er nicht wie er sie am besten treffen konnte, mal sehen.

Allerdings hatte ihr das Kleid wirklich gut gestanden, auch so sah sie nicht schlecht aus.

Greyback riss ihn aus seinen Gedanken und erzählte stolz wessen Blut er als letztes vergossen hatte. Er beteiligte sich kurz an diesem Gespräch, ihm war schon klar, dass dieser abgerissene Greyback nicht gerade ein guter Umgang für ihn war, dennoch war es von Vorteil den Anführer der Werwölfe freundlich zu behandeln.

Kurz darauf kam der Lord - die Todesser waren bereits alle anwesend.

Zu dieser Zeit hatten die Todesser einen erheblichen Zulauf, die Zauberergemeinschaft las die Zeichen und viele wechselten die Seiten. Vielen die jetzt „einstiegen", wollten somit für ihre Sicherheit garantieren, aber es waren auch viele dabei, die bereit waren für den Dunklen Lord zu arbeiten, für ihn Aufträge auszuführen.

Der Dunkle Lord begann mit einer Ansprache:

„Todesser, es ist wieder an der Zeit, die heile Welt unseres Zaubereiministers ein wenig aufzumischen. Einige von euch werden weiter auf Spionage gehen!", er nannte einige Namen von neuen Mitglieder und Mitläufer, oder nicht besonders Intelligenten. Danach wurden sie weggeschickt.

Narzissa war sehr stolz auf sich, da sie zu denen gehörte die blieben. Das konnte nur bedeuten, dass der Lord, sie für fähig hielt.

„Des Weiteren sehe ich mich dazu veranlasst ein Team von Todessern aufzustellen, die dem Phönixorden ein wenig auf den Zahn fühlen.", er lies seinen Blick durch die Runde schweifen und stellte ein Team aus Todessern zusammen, „Rosier, Gibbon, Amycus, Yaxley, Rockwood, Rudolphus, Mr Lestrange (Rudolphus und Rabastans Vater), Nott, Avery und Travers, ihr werdet unter der Leitung von Antonin und Lucius gehen!"

In Lucius erwachte Stolz, er hatte hiermit den gleichen Rang wie Dolohow eingenommen.

Fantastisch!

„Ihr werdet in ein paar Stunden aufbrechen, es geht in die Nähe des Quidditch WM Stadionplatzes.", Voldemort erklärte wichtige Dinge und Strategien. Dieses kurzfristige Handeln war untypisch für ihn, aber er hatte diese wertvolle Information erst vor wenigen Stunden bekommen.

Die vorhandenen Frauen, Bellatrix, Narzissa, Alecto und Cathrin wies er an, auf die Todesser zu warten, einige würden bestimmt verletzt sein. Zum St. Mungo konnte man sie ja schlecht schicken. Zusätzlich sollte Rabastan die Frauen unterstützen, denn er absolvierte eine Ausbildung als Heiler. Fragte sich nur noch, wo sollten sie warten?

10 Minuten später standen Alecto, Bellatrix, Cathrin, Narzissa und Rabastan mit einem zähneknirschenden Lucius vor dessen Manor.

Es war einfach nicht abzustreiten das Lucius das größte Haus besaß, hier gab es genügend Betten um evt. Verletzte notdürftig zu behandeln. Außerdem viele Badezimmer – zum Wunden säubern, eine Bibliothek – um Gegenflüche nachzuschlagen und einige Hauselfen um rasch etwas zu Essen zu kochen.

Lucius gefiel der Gedanke, diese Leute in sein Haus zulassen, wenn er nicht dabei war, überhaupt nicht. Lucius war sich auch dessen bewusst, dass so ziemliche alle Todesser verletzt werden, mehr oder weniger schwer. Er hatte einfach keine Lust, dass auf seinen teuren Boden überall Blutflecke fielen.

Er wusste, dass Rabastan tun würde, was Lucius wollte und Bellatrix würde sich ebenfalls an seinen Befehl halten, auch wenn sie dies auch nur tat, weil Rudolphus und Lucius so gut miteinander waren. Bei Cathrin, war er sich nicht so sicher, er kannte sie nicht wirklich. Sie war nett und schmiss sich bei jeder Gelegenheit Wolf Carrow an den Hals.

Alecto war unheimlich neugierig und Malfoy Manor eine Geheimnishochburg. Viele Räume, Tradition und viele geheime Verstecke mit höchstgefährlichem Inhalt.

Aber Lucius wusste auch das Alecto, sehr sehr großen Respekt vor ihm hatte – Gefahr gebannt. Also war da nur noch Narzissa, er glaubt zwar, dass sie ihrer Schwester gehorchen würde, aber er war sich nicht sicher, ob sie ihn ernst nahm –ihm war jedoch gerade etwas Schönes für seine kleine Rache eingefallen…

Alle betraten die Eingangshalle. Lucius erteilte nun Anweisungen.

Kurz darauf eilte Bellatrix nach oben um die Hauselfen zu beaufsichtigen, die einige Gästebetten mit alten Laken bespannten, die blutig werden konnten.

Alecto und Cathrin sollten Heilungstränke herstellen, natürlich hatte das Haus einen speziellen Raum zum Brauen mit einer Zutatenkammer.

Rabastan wollte nach Büchern über Heilungszauber und Gegenflüche stöbern, er las gerne und viel.

Nun waren nur noch Narzissa und Lucius in der Halle.

Narzissa fühlte sich sehr unbehaglich und fragte was sie tun sollte.

Lucius grinste nur hämisch und bedeutete ihr zu folgen.

Narzissa fühlte sich überhaupt nicht wohl in ihrer Haut und dazu kam auch noch, dass er sie in den Keller dieses Hauses führte. Es war ein wunderschönes Gebäude und sehr stilvoll eingerichtet, wenn Lucius Malfoy dies wirklich selbst gemacht hatte, dann hatte er einen guten Geschmack.

Lucius hielt vor einer dunklen dicken Holztür an. Davor war ein kleiner Absatz, Narzissa hatte ihn nicht gesehen und stolperte, fing sich aber auch gleich wieder.

Lucius legte die Hand auf den Türknauf.

„Warte da drinnen auf mich, ich hole etwas, das ich dir zeigen will.", er öffnete die Tür und schubste Narzissa mit sanfter Gewalt hinein. Schloss sie wieder und lehnte sich im Korridor an die Wand.

In diesen Raum schickte er manchmal seine Hauselfen, zur Bestrafung. Nein, es war kein Folterkabinet. Dieser Raum, war eine Art Abstellkammer für alte Möbel oder Gemälde. Es gab dort einen alten Kleiderschrank, indem Lucius einen Irrwicht einquartiert hatte. Er hatte auf diesen Schrank einen Bann gelegt, sodass der Irrwicht immer von selbst heraus konnte, wenn Lucius jemanden absichtlich in diesen Raum schickte.

Er war zwar der Meinung, dass jeder mit einem Irrwicht fertig werden sollte, aber heutzutage gab es schon Zauberer und Hexen die keine Ahnung von einer Gegenwehr hatten. Klar die Irrwichte wurden immer weniger, aber dies war doch noch lange kein Grund den Riddikulszauber nicht zu lernen.

Narzissa würde mit dem Geschöpf schon fertig werden, aber einen Schreck würde sie schon bekommen. Lucius wartete und dann, ganz plötzlich hörte er einen erstickten Schrei.

Nein, das war doch nicht möglich – war Bellatrix Schwester echt zu dumm um einen Irrwicht zu erledigen?

Er wollte sich gerade langsam zum Eingreifen bequemen, als sein Blick auf den am Boden liegenden Zauberstab fiel. Er musste ihr aus der Tasche gefallen sein, als sie gestolpert war.

Nun war Lucius sehr schnell, er riss die Tür auf und ihm bot sich ein abscheuliches Bild.

Narzissa war schluchzend an einer Kommode herab gesunken. Vor ihr stand ein Medimagier vom Sankt-Mungo, dieser hielt ein Baby auf dem Arm, es hatte hellblondes Haar und blaue Augen, wie Narzissa, das musste ihr Kind sein. Aber seine Augen waren ganz leer, das Baby war tot.

„…ihr Kind ist tot, Miss Black. Ich habe ihnen doch gesagt, dass sie keine Kinder bekommen können. Sie dummes Mädchen! Warum mussten sie es trotzdem versuchen? Um das reine Zaubererblut zu bewahren? Wenn man erfährt, dass sie keine Kinder bekommen können wird man sie so oder so aus diesen Kreisen verstoßen.", der Medimagier schwenkte das tote Kind vor ihrem Kopf hin und her und Narzissa heulte gequält auf.

Sie war in diesen Raum getreten, es war ihr nicht geheuer gewesen, aber sie war reingegangen und kaum hatte sie den Raum betreten da kam auch schon dieser Medimagier mit dem Baby. Sie wusste, dass dies ein Irrwicht war. Sie sah ihn immer, seit sie 15 war – jedes Mal zeigte er ihr das tote Kind und jedes Mal sagte er dasselbe.

Sie wollte ihn wegzaubern, der Riddikulsfluch war einfach, aber sie konnte ihren Zauberstab nicht finden. Sie musste ihn verloren haben, als sie gestolpert war.

Sie vergrub das Gesicht in ihren Händen, so konnte sie nicht sehen, dass der Irrwicht sich an Lucius wandte und seine Gestalt wechselte.

„Riddikuls!", und weg war er.

Lucius hatte den Irrwicht spielerisch erledigt. Narzissas Irrwicht war abscheulich gewesen, gewiss waren seine Ängste ganz andere, aber wenn man sein eigenes Kind tot sieht, dass war grausam, auch Lucius war es beim Anblick des toten Säuglings kalt über den Rücken gelaufen.

„Hey…", sagte er leise zu Narzissa, welche immer noch am Boden weinte.

Er kniete neben ihr nieder und Strich ihr tröstend über den Rücken.

Lucius hatte ein richtig schlechtes Gewissen. Klar er wollte Rache, aber nicht so eine. Die Arme. Ob sie wirklich ein Kind verloren hatte?

Er wusste wie schrecklich unangenehm sie sich fühlte, wahrscheinlich würde sie es ihrer Schwester erzählen und die würde sein Haus in Schutt zerlegen.

Wahrendessen klammerte sich Narzissa an Lucius Arm, sie war zwar froh ein lebendes Wesen zusehen, welches die Erscheinung vertrieben hatte, aber musste es denn ausgerechnet dieser Lucius Malfoy sein?

Dann sah sie seinen Gesichtsausdruck, es war zwar alles Verschwommen durch den Tränenschleier, aber zweifellos machte er eine besorgte Miene in der eine Spur Mitleid lag.

Immer noch flossen Tränen aus ihren Augen, ohne zu wissen was er tat, nahm Lucius Malfoy Narzissa fest in den Arm und drückte sie an sich.

Narzissa beruhigte sich wieder, und sie nahm die Welt um sich wieder klarer wahr. Sie brauchte zwei Momente um eindeutig zu realisieren in wessen Armen sie da lag.

Langsam löste sie sich aus seiner Umarmung, er zog ein Taschentuch um ihre Tränen abzuwischen. Narzissa schaute zu Boden und murmelte etwas Unverständliches, jedoch konnte er heraushören, dass sie sagte, wie schrecklich peinlich ihr das wäre.

Lucius Inneres entspannte sich langsam, wenn sie ihm die Schuld an dieser Misere geben würde, dann hätte sie das längst getan. „Sorry aber es braucht dir nicht peinlich zu sein, immerhin ist das mein Haus, ich hätte es besser wissen müssen und dich nicht in diesen Raum schicken sollen, ich war da seit Ewigkeiten nicht mehr drin.", als er merkte, dass sie ihm diese Lüge abkaufte, wurde er deutlich lockerer.

Auch Narzissa beruhigte sich.

„Was wollten Sie mir eigentlich zeigen?", sie blickte Lucius an. Der fühlte sich immer noch unwohl in seiner Haut und dachte nach was er ihr zeigen könnte.

„Was wolltest du mir eigentlich zeigen, Lucius?", flüsterte er und lächelte leicht. Er fand dies sei angebracht.

Narzissa lief leicht rosa an. Irgendwie war das alles immer noch furchtbar peinlich.

Auch in Lucius Gesicht zeichnete sich Unbehagen ab. Hoffentlich bildete sie sich nicht zu viel auf das Duzen ein. Dann hatte Lucius eine gute Idee was er ihr zeigen konnte, er half ihr hoch, doch bevor er sie mitziehen konnte bat sie um etwas.

„Ähm, könnten Sie…könntest du mir einen Gefallen tun Lucius? Bitte erzähle Bella nichts von dem Irrwicht… sie findet solche Gedanken ziemlich albern….", in Narzissas Stimme schwang ein Hauch von Angst mit.

„Ich werde ihr nichts davon erzählen und wenn sie über solche Gedanken lacht, dann ist sie ziemlich grausam.", dies meinte er sogar ehrlich. Er würde es bestimmt sehr schmerzlich finden, wenn sein eigenes Kind sterben sollte, oder er keine Kinder zeugen könnte.

Er zwang sich zu anderen Gedanken und führte Narzissa in eine Art Trockenstube.

Er zuckte innerlich zusammen, der Raum, in den sie gerade eingetreten waren, war ein Raum zum Wäsche trocknen. Nichts Schlimmes, wenn nur nicht sämtliche Kleidungsstücke Lucius an den Leinen hängen würden. Ouh diese verdammten Elfen.

Narzissa fragte sich in Gedanken ob er wollte, dass sie Kleidung für ihn flickt. Vor ihr hing eine Parade Socken, daneben zwei schwarze Boxershorts, Umhänge, ein Sakko und vieles mehr. Stilvoll, sehr stilvoll und wahrscheinlich sündhaft teuer.

„Miau", machte es und beiden blicken zu Boden.

In der Nähe des Kamins, stand ein Katzenkörbchen, darin lag eine blaugraue Katze und drei kleine blaugraue Kätzchen.

„Oh sind die süß!", Narzissa war ganz hin und hergerissen, die waren wirklich total putzig.

„Wenn du willst kannst du eines haben, ich suche Leute die die kleinen nehmen, eine Katze reicht mir in meinem Haus.", er sprach zu Narzissas Rücken, die die Welpen streichelte.

„Sie müssten bald entwöhnt werden, kannst du sie mit nach oben nehmen und die anderen fragen, ob sie auch ein Kätzchen haben möchten? Es ist Sominas erster Wurf.", zwei Probleme so gut wie gelöst. Lucius grinste in sich hinein.

„Oh ja mach ich gerne.", Narzissa nahm alle auf den Arm und beide verließen den Raum.

Sie gingen in das Zimmer, in dem Bella, Alecto und Cathrin waren. Rabastan war wahrscheinlich irgendwo in der Bibliothek.

Lucius verabschiedete sich und disappariete zu den anderen Todessern.