7. In der Falle
Die Person richtete ihren Zauberstab auf Alecto und
Rabastan, die nicht minder entsetzt dreinblickten als Narzissa und
Lucius, und beide fielen reglos zu Boden.
Dann trat er schnellen
Schrittes auf Narzissa und Lucius zu.
Je näher die Gestalt
kam, desto deutlicher wurde der Schnapsgeruch, den sie
ausstrahlte.
Im Lichtschein einer Kerze hob sich das Gesicht von Antonin Dolohow ab.
Narzissa keuchte auf und kroch instinktiv rückwärts, schräg hinter Lucius.
Dolohow
stand nun direkt vor den beiden, ein schiefes, widerliches Grinsen
lag auf seinem bleichen Gesicht.
„Hat die kleine Hexe Angst?
Aber ihr großer starker Beschützer ist doch bei ihr?"
Obwohl Dolohow erstaunlich viel Schnaps intus haben musste, sprach er
doch verständlich.
Lucius Gedanken rasten. Er hatte ihn
sofort erkannt. Noch heute Morgen war er wütend auf Dolohow
gewesen, schon allein wegen der Sache mit dem Haus – Lucius hatte
versucht, die Sache in einem Gespräch zu klären. Er wollte
keine offene Feindschaft mit Dolohow – nicht wenn Dolohow so gut
beim dunklen Lord stand. Lucius genoss einen großen Teil des
Vertrauens des dunklen Lords – aber er konnte alles durch Dolohow
verlieren.
Dolohow hatte sich äußerst uneinsichtig
gezeigt, und Lucius vorgeworfen, dass er Narzissa nur für sich
haben wollte.
Dass Dolohow nicht zur Party eingeladen war, war im
Großen und Ganzen Rudolphus zu verdanken. Er war noch nie
besonders von Dolohow angetan gewesen. Lucius wohl gesetzte
Bemerkungen hatten den Rest getan.
Lucius und Dolohow waren im
Streit auseinander gegangen, keiner der beiden hatte vorher schon
besonders große Sympathie für den anderen entwickelt. Aber
jetzt war es anscheinend in offene Feindschaft ausgeartet.
Nun
tobte Lucius innerlich, musste dieser Idiot von Dolohow denn
ausgerechnet hier reinplatzen, in diesem Moment?
Über die
Situation, vor Dolohows Auftreten, wollte und konnte Lucius jetzt gar
nicht nachdenken. Ihm war mehr als bewusst, dass er in einer extrem
miserablen Lage war. Sein Zauberstab lag irgendwo auf dem Tisch,
wegen des Spieles. Narzissas Zauberstab musste wohl auch dort
sein.
Dolohow schien in einer Verfassung zu sein, in der er alles
Mögliche fertig bringen konnte.
Das einzige, was Lucius, in
dieser Situation tun konnte, war Haltung bewahren und sich um keinen
Preis einschüchtern lassen.
Schon hatte dieser seinen
Zauberstab erhoben und deutete auf Lucius. Dolohow trat noch einen
Schritt näher.
„Du dreckiger Bastard, lass gefälligst
die Finger von meiner Braut!", Dolohows Gesicht wandte sich Lucius
zu.
„Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Narzissa dir
gegenüber jemals entgegenkommend war. Also sprich nicht so, als
wäre sie dein Eigentum.", in Lucius Stimme schwang kein Deut
Angst mit. Im Gegenteil, er hörte sich so an, als ob er einen
Zauberstab hatte und Dolohow keinen, dabei war es genau
umgekehrt.
Dolohow ließ seinen Stab merklich sinken.
Hinter Lucius atmete Narzissa innerlich erleichtert auf. Seine geistige Stärke schien ihr Kraft zu geben.
Dolohow sah die beiden
verständnislos an und gab ein bedrohliches Knurren von
sich.
Dann, ohne weitere Vorwarnung, hob er seinen Zauberstab und
richtete ihn erneut auf Lucius.
„Sectumsempra!", drang aus
Dolohows Mund und Lucius wurde zum zweiten Mal in diesem Jahr
aufgeschlitzt.
Diesmal war der Anblick aber noch schlimmer, da man
durch sein offenes Hemd die aufgerissene Haut sehen konnte. Er
keuchte und die Knie sackten ihm ein.
Narzissa, der die
Schreckensblässe im Gesicht stand, wollte ihn stützen, aber
sie konnte nur seinen Fall verlangsamen.
Durch einen Schlenker
von Dolohows Zauberstab wurde Narzissa von Lucius weggerissen und
krachte mit voller Wucht an die Wand.
Durch den Aufprall wurde ihr
leicht schwummerig, dieses Gefühl wurde aber sehr rasch
verdrängt.
Durch einen Schrei.
Einen markerschütteren
Schrei, voller Qual und Schmerz.
Doch es blieb nicht bei diesem
einen Schrei, es folgten weitere.
Sie kamen von Lucius, der sich
durch Dolohows Cruciatusfluch niedergestreckt, am Boden
wand.
Dolohows Auftreten hatte Narzissa schreckliche Angst
eingejagt, die Tatsache, dass weder sie noch Lucius einen Zauberstab
griffbereit hatten, minderte dies nicht.
Aber langsam schwappte
diese Angst in grenzenlosen Hass um.
Dolohow hatte gerade einem
wunderschönen Moment ein viel zu schnelles Ende bereitet und nun
wandte er auch noch IHREN Zauberspruch an!
Nun gut, Severus Snape
hatte ihn erfunden, aber sie war diejenige gewesen, die ihn den
Todessern gezeigt hatte.
Aber das war jetzt Nebensache, sie musste
irgendwie Lucius helfen.
Nur wie?
Sie hatte keinen Zauberstab
und Dolohow um Gnade anflehen kam überhaupt nicht in Frage.
Ein
Geistesblitz durchschoss Narzissas Gedanken. Sie zog einen ihrer
hochhackigen Schuhe aus und schleuderte ihn Dolohow direkt ins
Gesicht.
Sie wusste nicht wie sie stark sie ihn getroffen hatte,
weder wo genau.
Aber es musste verdammt wehgetan haben, denn
Dolohow schrie auf und riss seine Hände vors Gesicht.
Dies
brachte die von Narzissa beabsichtigte Wirkung – als Dolohow den
Zauberstab von Lucius abwendete, verlor der Fluch seine
Wirkung.
Narzissa hastete zu Lucius hinüber und kniete sich
neben ihn.
„Ist…ist alles in Ordnung mit dir?", fragte sie
zaghaft, er atmete immer noch schwer und blutete weiterhin aus vielen
Wunden.
Als Dolohows Fluch von ihm fiel – Lucius hatte keine
Ahnung warum – klärten sich seine Sinne wieder.
Es war
nicht der erste Cruciatus, den Lucius abbekommen hatte, aber einer
der intensivsten, wahrscheinlich durch den voran gestellten
Sectumsemprafluch.
Narzissa musste die Urheberin dafür sein,
dass Dolohow die Hände auf sein Gesicht presste und
wimmerte.
Egal was sie getan hatte, er war ihr dankbar dafür.
Aber was sie gerade tat, dass war einfach nur dumm. Es war doch
jetzt völlig egal wie es ihm ging. Dolohow würde sich nicht
lange, davon abhalten lassen und ihn weiter traktieren.
„Was
machst du da? Sieh zu , dass du einen Zauberstab auftreibst, damit
ich diese Missgeburt von Dolohow zum Teufel jagen kann!", blaffte
er sie an.
Für einen Moment fragte er sich, was denn nun so
falsch an seinem Tonfall gewesen sein könnte.
Narzissa war
bei seinen harten Worten sichtlich zusammen gezuckt und ihre Miene
hatte sich ins Schmerzliche verzogen, dennoch lief sie geschwind zum
Tisch und holte die beiden Zauberstäbe.
Lucius heilte sich
selbst und schmetterte Dolohow, mit einem unausgesprochenen Fluch,
gegen die nächste Wand.
Dabei wurden ihm die Hände vom
Gesicht gerissen und man sah ein Blutrinnsal knapp über seinem
linken Auge.
Narzissa hätte ihm also fast mit ihrem Schuh
das Augenlicht genommen.
Bevor Lucius einen weiteren Zauber
ausführen konnte, flog die Tür auf und Rudolphus trat ins
Zimmer.
„Was ist hier los?", fragte er in drohendem Ton.
Sein
Blick fiel auf den blutverschmierten Lucius, die kreidebleiche
Narzissa, die Bewusstlosen und den an der Wand hängenden
Dolohow.
Rudolphus zählte eins und eins zusammen.
Auch
wenn er nicht wusste, warum Dolohow hier war, er spürte, dass
dieses Schlamassel auf dessen Kappe ging.
Er ging zu der Wand und
baute sich vor Dolohow auf.
Grade wollte er ihm die Meinung sagen,
als seine Verlobte dazwischen fuhr.
„Rudolphus, wo bleibst du
denn so …AAH!", Bella war in der Tür erschienen und mitten
im Satz griff sie sich panisch an den Linken Unterarm.
Auch die
anderen Todesser spürten das Brennen des Mals, doch schrien sie
nicht.
Es war Voldemort. Er rief sie, sie alle. Und er hatte anscheinend keine Lust zu warten, da das Mal besonders stark brannte. Selbst die Bewusstlosen riss es aus dem Schlaf.
Bella sah alle
Beteiligten ernst an, dann hob sie ihren Zauberstab und im Nu hatten
alle Todesserumhänge und Masken auf.
Rudolphus hatte Dolohow
per Zauberspruch gefesselt und packte ihn nun, um mit ihm Seite an
Seite zu apparieren.
Narzissa blickte sich ein wenig
verzweifelt um, in dieser Nacht folgten einfach zu viele Ereignisse
aufeinander, viel zu schnell um sie zu verarbeiten.
Narzissa
brauchte jemanden der sie mitnahm, da sie das Dunkle Mal nicht besaß,
konnte sie sich auch nicht auf die Aura des Lords konzentrieren und
an seine Seite apparieren.
Noch bevor sie den Mund aufmachen
konnte, wurde ihr Oberarm umfasst und der Zustand des Apparierens
setzte ein.
