How could you 2
By Siry
Author's note: Soo, büddeschön! ^_^
Kapitel 5: - Nearless -
If you don't understand my silence
you will never understand my words.
'Den Scherbenhaufen wieder aufzukehren', wie Soubi seine bevorstehende Aufgabe bezeichnet gehabt hätte, hatte bisher wenig, um nicht zu sagen, so gut wie keinen Erfolg gehabt. Nachdem er Ritsuka auf die Couch gebracht und ihn dort in eine weiche Decke eingewickelt hatte, hatte dieser sich dort quasi nicht mehr fort bewegt. Auf die Toilette schlicht er sich, wenn er sich unbeobachtet fühlte und Soubi hatte die Vermutung, dass er wohl auch nicht Essen würde, wenn er ihn nicht immer wieder dazu drängen würde. Selbst Schlafen tat Ritsuka auf der Couch und lehnte vehement ab, dass Soubi, Yoji oder Natsuo sich nachts zu ihm legten, was vorher kein Problem gewesen wäre.
- Vorher – Immer wieder dieses 'vorher'... Das Schlimmste für Soubi war, nicht zu wissen, was genau Nisei Ritsuka angetan hatte. Er konnte es sich bloß vorstellen und da er von einem Perversen aufgezogen wurde, konnte er sich eine Menge vorstellen. Wenn auch nur die Hälfte davon wirklich passiert war, konnte er nur zu gut nachvollziehen, warum Ritsuka sich so völlig zurück zog, trotzdem war es für ihn unerträglich, dass er nicht mal mit ihm reden wollte.
Die Tatsache, dass Yoji und Natsuo gestern wiedergekommen waren, schien die erste wirkliche Gefühlsregung bei Ritsuka ausgelöst zu haben, zumindest kam es Soubi so vor, als ob er erleichtert gewirkt hatte. Doch als sie berichteten, dass sie Nisei nirgends orten konnten und auch ihr Nachfragen bei Sieben Monde erfolglos war, verfiel Ritsuka schnell wieder in seine Apathie, ohne dass Soubi es hätte verhindern können. Sie nahmen an, dass Nisei schon das Land verlassen hatten und sie ihn deswegen nicht mehr spüren konnten und das machte Soubi innerlich rasend vor Wut. Die Vorstellung, dass er Ritsuka das angetan hatte und jetzt ungestraft davon zu kommen schien, war eine abscheuliche Ungerechtigkeit, die er nicht hinnehmen konnte. Andererseits hätte er es nicht fertig gebracht, Ritsuka auch nur eine Sekunde nochmals aus den Augen zu lassen; ein absolutes Dilemma also.
Nach nun fast einer Woche des Schweigens zwischen ihm und Ritsuka, in der der Junge kein Wort mehr als nötig gesprochen hatte und auch jede Berührung von Soubi abgelehnt hatte, war bei diesem der Leidensdruck nun so groß geworden, dass er beschlossen hatte, nun irgendwas tun zu müssen. Soubi wusste nur zu gut, dass der schwierigste Schritt für sein Sacrifice sein wird, das Erlebte in Worte zu fassen und sich zu überwinden, sich an seine Gefühle wieder erinnern zu können.
Soubi beobachtete Ritsuka von der Küche aus, wie dieser wieder teilnahmslos auf den Fernseher starrte, so wie eigentlich den ganzen Tag. Er hatte ihn nun lange genug nachgrübeln lassen. Es war an der Zeit ihm seine Hilfe anzubieten. Nur anbieten, nicht mehr. Ihm lediglich zeigen, dass er sich ihm öffnen kann, wenn er es möchte. Soubi stellte sich bereits auf eine Abfuhr ein, als er ruhig auf ihn zu ging.
„Ritsuka-kun..." sagte Soubi leise, als er sich ihm nährte. Ritsuka saß mit dem Rücken zu ihm und er hatte sich schnell angewöhnt, ihn leise anzusprechen, bevor er sich neben ihn setzte. Zu oft war der Junge erschrocken zusammengezuckt, als er ihn nicht kommen gesehen hatte.
Soubi glaubte zwar, dass Ritsuka ihn nun gehört hatte, reagiert hatte er trotzdem nicht. Teilnahmslos starrte er immer noch auf die Flimmerkiste. Doch zumindest tat er das weiterhin, als Soubi sich jetzt neben ihn setzte. Irgendwann musste er ihn ansprechen und dieser Moment schien Soubi nicht weniger oder mehr mehr falsch, als jeder andere auch.
„Ich glaube, du weißt das bereits, aber... du kannst immer mit mir reden, Ritsuka-kun. Immer, egal wann du es möchtest." Da Ritsuka, wie Soubi schon erwartet hatte, weder zu ihm sah, nach antwortete, versuchte er es auf einem anderen Weg. „Weißt du, als ich ungefähr so alt war, wie du, habe ich das selbe durchgemacht und vielleicht-"
„WAS?!" Mit einem Mal war Ritsuka plötzlich hellwach und setzte sich ruckartig auf. Soubi wusste zuerst nicht, was er falsches gesagt haben könnte, als sein Sacrifice ihn mit einer Mischung aus Entsetzen und Wut an funkelte. „Du willst mir erzählen, dass du das selbe durchgemacht hast? Willst du mich eigentlich verarschen, Soubi?!"
Es passierte nicht oft, dass Soubi, der eigentlich immer bereits mehrere Schritte im Voraus plante, von etwas wirklich sprachlos war. Doch jetzt konnte er nicht anders, als Ritsuka mit offenem Mund anzustarren, als dieser jetzt sogar aufsprang und sich vor ihn stellte, ja, sogar fast aufbäumte. Selbst Soubis Gedanken kamen so schnell nicht hinterher und waren völlig leer.
„Denkst du, das war sowas wie dein 'Daddy-Ritsu-hat-mich-gefickt-und-mir-hat's-gefallen"-Scheiß?! War es nämlich nicht! Das war total anders!"
Stumm formten Soubis Lippen die Frage 'Was hast du da gerade gesagt...?', als Ritsuka aufgebracht und schwer atmend vor ihm stand. Soubi glaubte für einen Moment gesehen zu haben, wie Ritsukas Augen glasig wurden, doch bevor auch nur eine Träne seine Gefühle hätte verraten können, blinzelte er sie weg, nur um noch mehr Verbitterung in seine Stimme zu packen.
„Wenn du irgendwelche alten Snuff-Storys erzählen willst, dann tu's bei jemandem, den das interessiert!"
Eine Welle von Traurigkeit überkam Soubi, als er Ritsuka, seinen Ritsuka, jetzt so sah. Was war bloß aus ihm geworden? Er stand so nah bei ihm, dass Soubi ihn hätte berühren können, doch als er die Hand nach ihm ausstreckte, wich Ritsuka einen Schritt zurück.
„Nein, nicht! Warum gehst du nicht zu Yoji und Natsuo und erzählst das Ganze bei denen? 'Ein kleiner Junge verliebt sich in seinen Lehrer, der mit großer Wahrscheinlichkeit sogar sein Vater ist'? Ihre Herzen werden aufspringen, wenn sie sowas hören!"
„Ritsuka... es tut mir so Leid, was dir passiert ist." Versuchte es Soubi jetzt und hätte sich am liebsten selbst geschlagen, für die Hilflosigkeit, die er aus seiner eigenen Stimme heraus hörte. „Ich wünschte, ich könnte-"
„Aber du kannst es nicht! Und ich will nicht länger Teil von deinem - ganzen – kranken – Scheiß – sein, Soubi!" Die letzten Worte schrie Ritsuka ihm förmlich entgegen, bevor eine tiefen Luftzug ein und wieder ausatmete und dann leise hinzufügte: „Davon habe ich nämlich selbst genug..." Ritsuka blickte zu Boden und schlang die Arme um seinen Körper und Soubi konnte ihn wieder als das sehen, was Ritsuka so lautstark zu überspielen versuchte; ein traumatisierter Junge, der einfach nicht mehr wusste, wem er noch vertrauen konnte. Verloren und ohrenlos stand Ritsuka da und Soubi brach es das Herz.
„Ich werde ihn töten... Ich schwöre es dir, ich werde Nisei finden und dann wird er bezahlen für das, was er dir angetan hat." Sagte Soubi, als er schon längst nichts mehr zu sagen wusste. Doch Ritsuka sah ihm in die Augen und schüttelte entschlossen den Kopf.
„Nein, Soubi. Ich dachte, ich würde dadrin sterben." Ritsuka blickte zu ihrem Schlafzimmers und nickte kurz in diese Richtung, bevor er Soubi wieder ansah. „Ich hab's mir sogar gewünscht. Aber es gibt schlimmere Dinge, als zu sterben. Und bei Nisei bin ich mir sicher, dass es das Leben ist."
Für eine einen Moment fragte Soubi sich, von wem Ritsuka diese Art zu reden wohl hatte. Von dir, hätte er seine innere Stimme flüstern hören, wenn er nur zugehört hätte.
„Geh jetzt, ich kann es nicht ertragen, dein Gesicht noch länger sehen zu müssen."
Gehorsam, wie er war und weil er einfach nicht anders konnte, ging Soubi. Nicht ganz, natürlich, nur bis auf die Terrasse. Er lehnte sich über das Geländer und machte sich eine Zigarette an, ein Laster, dass er sich eigentlich schon längst abgewöhnt hatte. Doch jetzt brauchte er einfach etwas, um den Kopf wieder frei und seine Gedanken ordnen zu können.
'… der mit großer Wahrscheinlichkeit sogar sein Vater ist.' Zum Teufel mit dir, Nisei, du verdammter... Doch gab es keine Worte, die seine ganze Abscheu für diese Person ausgedrückt hätten.
Soubi schloss die Augen, als er den ersten, tiefen Zug nahm und für einen kurzen Moment, war das warme und kratzige Gefühl in seinen Lungen das einzige, was er spürte. Das, was an diesem Gefühl unangenehm war, verschwand als er den Rauch raus blies und zurück blieb eine kleine Form von Entspannung.
Komm schon, Soubi. Reiß dich zusammen! Ist das etwa die erste verzweifelte Situation, in der du steckst?
Nein, das war sie mit Sicherheit nicht. Doch so sehr er es auch versuchte, er konnte sich nicht damit trösten, dass er schon in aussichtsloseren Lagen gesteckt hatte und die Dinge sich trotzdem wieder zum Guten gewandt hatten.
Anders... Gut, aber anders.
Das erste mal, dass Soubi dachte, die Welt würde sich aufhören zu drehen, war wohl, als seine Eltern gestorben waren. Ab dann lebte er bei Ritsu. Das war anders, aber gut.
Das zweite mal war, als Ritsu ihn an Seimei weiter gab und dies das Ende seiner Hoffnung war, jemals Ritus Sentouki zu sein. Das war der Tag, an dem sein Herz zersprang.
Das dritte mal, daran konnte er sich auch noch erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Die Nachricht von Seimeis Tod. Soubi hätte aus heutiger Sicht nicht mehr sagen können, was er mehr geschmerzt hatte, die Nachricht seines Todes, oder als er heraus gefunden hat, dass sie eine Lüge gewesen war. Egal was es war, dies war der Tag, an dem ihm bewusst wurde, dass er selbst keinen Wert besitzt. Für niemanden, außer...
Ritsuka. Und ihn hatte er im Gegensatz zu seinen Eltern, Ritsu oder Seimei noch nicht verloren. Wie um sich selbst an diese Tatsache zu erinnern, strich er mit den Fingern durch sein Shirt über die Stelle, an der Loveless eingraviert war.
Soubi wurde aus seinen Gedanken gerissen und horchte auf, als er die Terrassentür hinter sich aufgehen hörte. Er musste sich nicht mal umdrehen, um zu wissen, dass er Yoji und Natsuo waren. Er erkannte die beiden am Gang. Hätte er die Augen geschlossen und sie würden vor ihm stehen, könnte er sie sogar am Geruch erkennen, so vertraut waren sie ihm. Sie kam näher und lehnten sich rechts und links neben ihm ebenfalls ans Geländer.
„Keinen Erfolg gehabt?"
„Bei was?" antwortete Soubi in unfreundlichem Tonfall auf Yojis Frage.
„Naja, eure 'Unterhaltung' gerade eben, war wohl kaum zu überhören gewesen."
„Mh..." gab Soubi bloß zurück, er hatte auch weder Lust noch Energie, jetzt darüber zu diskutieren, ob die beiden Gelauscht hatten, oder nicht. Und selbst wenn, sie wohnen schließlich auch hier. Danach herrschte für einige Zeit Stille, in der Soubi rauchte und die Zero schwiegen.
Diese Situation, in der zwei Plappertanten, wie sie einfach nur schweigend neben ihm standen, war Soubi irgendwie unangenehm.
„Ich weiß nicht, wie ich zu ihm durch kommen soll." sagte Soubi schließlich, um die Stille zu durchbrechen und schnippte den Filter seiner Zigarette achtlos über die Zaun.
„Er ist am Nullpunkt, Soubi." war alles, was Yoji dazu sagte.
Null-Punkt? Ist das wieder irgend so ein Zero Ausdruck, mit dem nur die beiden was anfangen können?
„Und was meint ihr damit?"
„Es geht darum, alles zu haben. Und immer noch nichts zu haben." sagte Natsuo und Soubi konnte heraus hören, wieviel Mühe er sich gab, es nicht auswendig gelernt klingen zu lassen.
„Gehört das zu den Floskeln, die Nagisa euch beigebracht hat?"
Natsuo fühlte sich wohl ertappt und wandte sich beleidigt ab.
„Genau genommen war es Ritsu-sensei!" protestierte Yoji und stemmte die Hände in die Hüften. Soubi gab ein verächtliches Schnauben von sich.
„Klingt nach ihm."
„Du musst es ja wissen..." grummelte Yoji. „Und was willst du jetzt tun?"
„Ich weiß es nicht, Yoji. Ich weiß es nicht..."
To be continued...
April, 2014
Lera83: Danke. : )) Und war das so schnell genug? ^_^
