How could you 2
By Siry
Author's note: Nach dem was ich so gelesen habe, glaube ich dass einige nach dem hier ziemlich enttäuscht sein werden... :/
Nichts destotrotz: Enjoy reading 3
Kapitel 6: - Loveless -
God doesn't want you to be happy,
He wants you to be strong.
Dass Ritsuka sofort in Tränen ausbrechen und sich an seiner Schulter ausweinen würde, hatte Soubi nicht erwartet. Aber doch hatte er zumindest auf ein kleines Entgegenkommen gehofft. Auf irgendetwas, dass ihn hoffen lassen könnte, Ritsuka würde auf irgend eine Weise anfangen, sich mit dem, was ihm widerfahren war, auseinander zu setzen. Dass er Ritsuka seine Hilfe angeboten und grob abgewiesen worden war, war nun bereits wieder Tag her und nichts, aber auch gar nichts, hatte sich an Ritsukas Verhalten geändert. Das einzige, was sich geändert hatte, war Soubis Haltung dazu, die mit jeder Stunde des Schweigens zwischen ihnen verzweifelter wurde.
Mittlerweile hätte Soubi nicht mehr sagen können, wer von ihnen beiden dem 'Null-Punkt' wohl näher war. Er war rastlos und aufgewühlt und die Dinge, die Ritsuka zu ihm gesagt hatte, kreisten unentwegt in seinem Geist herum, sodass Soubi sich schon ernsthaft begann zu fragen, ob der Junge recht haben könnte. Er wusste ja selbst, dass er die Perversen dieser Welt irgendwie magisch anzuziehen schien, und hätte er Ritsuka nicht mit in sein Leben gezogen, wäre er ihnen nicht begegnet. Er hätte Ritsuka vor Seimei und allem, was mit ihm zu tun hat, schützen sollen, anstatt ihm auch noch zu helfen, nach ihm zu suchen. Sieben Monde und Goura... er kannte diese ganze kranke Welt doch und trotzdem hat er Ritsuka nicht daraus gehalten.
Jemand wie ich, kann jemandem wie ihm nicht helfen...
Und genau das schien Ritsuka durchschaut zu haben. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, wartete er eigentlich nur noch darauf, dass Ritsuka ihre Verbindung trennen und ihn ganz von sich schicken würde. Doch solange er das noch nicht getan hatte, war dieser kleine seidene Faden alles, woran Soubi sich klammern konnte.
Soubi war gerade dabei zu kochen, als ein unerwartetes Ereignis seine immer trister werdende Gedankenspirale unterbrach.
*brrr* *brrr*
Fast wäre ihm der Kochlöffel aus der Hand gefallen, als es in seiner Hosentasche vibrierend zu brummen begann. Sein Handy? Aber wer sollte ihn anrufen? Er stellte die Herdflamme herunter und kramte genervt sein Handy aus der Tasche. Er stellte sich schon darauf ein den Anruf wieder wegzudrücken, sollte es schon wieder Kio sein, der ihm auf die Nerven gehen wollte.
*brrr* *brrr*
Doch es war nicht Kio. Ungläubig starrte Soubi auf das Display, als er Ritsus Nummer dort aufleuchten sah. Er sah sich nervös um, ob jemand mitbekommen hatte, dass er angerufen wurde. Doch die beiden Zero waren nicht da und Ritsuka schien auf der Couch eingeschlafen zu sein. Wenn er schon vom Gerede im Fernseher nicht wach wurde, schien er den Anruf auch zu überhören.
*brrr* *brrr*
Erschreckender Weise schlug ihm das Herz bis zum Hals, als er leise die Türe zum Wohnzimmer schloss, sodass Ritsuka ihn nicht hören würde. Ihm blieb keine Zeit darüber nachzudenken, warum er das eigentlich tat.
*brrr* *brrr*
Ritsu... Was will der denn? Denkt er etwa, er kann hier anrufen und ich gehe einfach so dran? Ich will seine widerwärtige Stimme nicht hören, ich-
*brrr* *brrr*
*klick*
„Was willst du?" fragte Soubi in gleichgültigem Tonfall. Er hatte seine Stimme unter Kontrolle, ganz so wie Ritsu es von ihm erwarten würde. Er hörte ein kurzes Rauchen und als nächstes Ritsus aalglatte Stimme. Die Stimme jenes Mannes, dem er sein Leben und sein Herz anvertraut hatte.
„Soubi...? Alles in Ordnung? Wie geht es dir?"
Dafür ruft er an? Um mich das zu fragen?
„Was geht es dich an?"
„Die zwei Zero Knaben waren hier. Sie haben uns erzählt, was passiert ist, aber ich konnte ihnen nicht helfen." Wer hätte das gedacht... „Wie geht es dem Aoyagi Jungen?"
„Was glaubst du wohl?"
„Ich will dir bloß helfen, Soubi."
Warum solltest du das tun... Er presste die Lippen aufeinander, als er darum kämpfte, seine Gefühle nicht durchscheinen zu lassen.
„Ich brauche deine Hilfe nicht. Ciao."
„Doch, brauchst du. Ruf mich an, wenn du dich wieder daran erinnerst."
„Werde ich nicht."
*klick*
Mit Herzklopfen und einem merkwürdig kalten Gefühl auf der Haut, starrte Soubi hinab auf das Handy, das er in seinen leicht zitterndes Händen hielt. Hatte Ritsu ihn gerade wirklich angerufen?
Dass ich mich immer noch so fühle, wenn es um ihn geht...
… nach all den Jahren.
*brrr* *brrr*
Ein Kribbeln durchfuhr ihn und zuerst dachte Soubi, Ritsu würde wieder versuchen ihn anzurufen, doch diesmal war es eine SMS. Dennoch von ihm.
'Hol dem Jungen ein Hündchen.'
Ritsu Minami... Ich hasse dich, du verdammter Bastard!
Soubi Agatsuma versuchte den Gedanken, was zur Hölle er da gerade tat, mit aller Kraft zu unterdrücken, als er mit dem fiependen und strampelnden Fellknäuel in seiner Hand durch die Haustür trat. 4 Tage hatte es gedauert, dann hatte Ritsukas vehementes Schweigen ihn letztendlich doch dazu gebracht, auf Ritsu zu hören. Ob das Ganze eine gute Idee war, oder nicht wusste er nicht. Gerade hoffte er einfach nur, dass dieses kleine Etwas ihn nicht anpinkeln würde...
Den ersten Effekt nahm er bereits war, bevor Ritsuka den Welpen überhaupt gesehen hatten. Als er ins Wohnzimmer kam, wo Ritsuka mit dem Rücken zu ihm saß, setzte sich dieser sofort kerzengerade auf und Soubi war sich sicher, er hätte mit den Öhrchen gezuckt, wenn er noch welche gehabt hätte. Oh, wie sehr er diese Ohren vermisste. Ritsuka ohne zu sehen, war einfach falsch..
„Soubi?" Ritsuka schaute sich sofort zu ihm um, etwas dass er sonst nie getan hatte. Als sein Blick auf Soubi traf, weiteten sich seine Augen. „Was ist das?!"
„Ein kleiner Hund." sagte Soubi unschuldig.
„Ich sehe was es ist, Soubi! Aber was macht der hier?!"
„Ich habe ihn gekauft."
„Du hast was?! Warum?"
Ja... Warum eigentlich? „Ich dachte du könntest jemanden gebrauchen, der für dich da ist und nach dazu so süß ist, dass du ihn nicht abweisen kannst."
Um seine Worte zu unterstreichen, kam er näher und hielt Ritsuka das Hündchen direkt unter die Nase. Wie automatisch streckte Ritsuka ihm die Hände entgegen und hatte das Tierchen im nächsten Moment schon auf dem Schoß sitzen.
Erschreckender Weise läuft das gerade garnichtmal so schlecht... „Natürlich musst du auch für ihn da sein. Mit ihm rausgehen, und sowas. Traust du dir das zu?"
„R-raus?" fragte Ritsuka unsicher und Soubi konnte fast sehen, wie es in seinem Kopf arbeitete und er hin und hergerissen war, zwischen dem Wunsch, sich wahrscheinlich bis zum Ende seines Lebens auf dieser Couch und unter dieser Decke zu verkriechen, während auf der anderen Seite dieses flauschig kleine Etwas saß. Als Soubi sah, wie Ritsukas kleine Hände unentwegt das Fell des Kleinen streichelten, wusste er, dass die Antwort eigentlich schon klar war. „Mh... Ja, ich denke schon."
Soubi beschloss, dass es wohl erstmal besser war, nichts mehr zu sagen und diese Situation auf sich und Ritsuka wirken zu lassen. Er setzte sich auf auf die Couch neben sein Sacrifice und sah den beiden eine Weile beim Kuscheln zu.
Wenn er diese Nähe zulassen kann, dann irgendwann vielleicht auch meine wieder... War das Ritsus Absicht gewesen?
Es war diesmal Ritsuka, der die Stille zwischen ihnen als erster brach. „Wie zur Hölle bist du bitte auf diese Idee gekommen?" Wie Soubi feststellt, war diese Bitterkeit aus Ritsukas Stimme fast verflogen und seine Frage hörte sich kaum mehr nach einem Vorwurf an.
„Die Idee kam von jemandem, der mal besser selbst darauf gekommen wäre."
Anstatt sich mir immer wieder aufzuzwingen, bis das alles war, was ich hatte...
„Jedenfalls..." sagte Ritsuka langsam und lehnte seinen Kopf an Soubis Schulter an. „...war es eine gute Idee. Danke, Soubi." Ritsukas letzte Worte waren nicht mehr als ein Flüstern und doch machten sie Soubi glücklich. Er hatte das richtige getan.
„Nein, Ritsuka... Ich danke dir." Ritsuka schien zu merken, dass sein Sentouki noch etwas sagen wollte und so stupste er ihn aufmunternd an.
„Sag es ruhig..." flüsterte Ritsuka und sah Soubi das erste mal wieder direkt in die Augen. Es kostete ihn einiges an Überwindung, die Worte, die er sich vorher so genau zurecht gelegt hatte, nun wirklich zu sagen.
„Den Großteil meines Lebens habe ich mich alleine gefühlt. Selbst als ich mit Ritsu, oder später mit Seimei verbunden war. Wir waren zusammen, aber ich war trotzdem allein. Das war, bevor ich dich getroffen haben, Ritsuka." Soubi nahm die Hand des Jungen und war froh, dass dieser weder zurück zuckte, noch seinem Blick auswich.
„In der Zeit seit... seit Nisei dir das angetan hat, habe ich mich wieder so gefühlt und das will ich nicht mehr. Wir können das schaffen, Ritsuka-kun. Aber nur zusammen..."
Soubi lehnte sich vor und vergrub sein Gesicht an Ritsukas Halsbeuge. Es kostete ihn alles an Selbstdisziplin, die Tränen zu unterdrücken, als er spürte, wie Ritsuka sanft über seinen Kopf streichelte. Ganz so, als ob er derjenige wäre, der Trost bräuchte.
„Soubi..." und dann sagte Ritsuka die Worte, die Soubi die Welt bedeuteten. „Ist dir jemals in den Sinn gekommen, dass Ritsu und Seimei sich genauso alleine gefühlt hatten?" Er hob den Kopf und sah Ritsuka in die Augen, der mit einem Mal um so vieles erwachsener wirkte. „Es spielt keine Rolle mehr, was dir oder mir passiert ist. Es hat uns zu dem gemacht, was wir sind: Loveless."
Soubi hätte schwören können, noch nie etwas trauriges und zugleich schöneres gehört zu haben. Er legte Ritsuka beide Hände in den Nacken und zog ihn in einen Kuss, woraufhin dieser sich an Soubis Shirt festkrallte, als ob er zu ertrinken drohte. Nach all der Zeit, in der er Ritsukas so vertraute Nähe vermisst hatte, war die Intensität dieses Kuss überwältigend für ihn.
Als Ritsuka sich schwer atmend und mit geröteten Wangen von ihm löste, sah Soubi, dass ihm die Tränen in den Augen standen. Erst da fiel ihm auf, dass auch seine eigenen Wangen feucht waren.
„Letzten Endes sind wir dem Universum egal, Soubi."
The End
Mai, 2014
