A/N: Diese Geschichte ist, wie vorher angekündigt, eine Fanfiktion. Das heißt, dass nicht im Laden oder sonst wo gekauft werden kann, weil ich kein Geld hiermit verdiene. Ich schreibe die Fortsetzung nur zum Spaß, damit andere Leser, die vielleicht auch wissen möchten, wie es mit Gwen und Gideon weitergeht, das eben hier lesen. Es gibt viele Versionen einer Fortsetzung, die auch oft "Bernsteingold" oder "Bernsteinbraun" heißen, aber ich kann euch versichern, dass ihr diese Fortsetzung weiterhin nur online und immer kostenlos lesen könnt. Wenn euch die Geschichte gefällt und ihr sie irgendwann vielleicht mal als Buch haben wollt, gibt es natürlich die Möglichkeit, euch die Bücher selbst drucken zu lassen. Sonst wird es diese FF nie im Handel geben, da die Charaktere eben alle Kerstin Gier gehören (Der ich meine Geschichte allerdings auch nicht schicken werde, da sie ausdrücklich gesagt hat, dass sie keinen weiteren Band der Edelsteintrilogie mehr verfassen wird ;-)).
Jetzt genug davon: Viel Spaß mit dem Kapitel!
Ich könnte bis heute nicht beschreiben, was für ein unglaubliches Gefühl es war, zum ersten Mal meinen Bruder im Arm zu halten.
Gideon hatte die Zeit am Chronographen zu weit vorgestellt, weshalb William schon fast zwei Monate alt war. Er war wach und sah mich aus kleinen, hellblauen Augen an. Auf seinem Kopf war ein verstrubbeltes Büschel von rotblonden Haaren.
»Die Augenfarbe wird sich noch ändern«, erklärte Lucy mir sanft und strich ihrem Sohn über die Wange. »Bei deiner Geburt hattest du eine ähnliche Augenfarbe wie Paul.«
»Und jetzt sieh dich an: Saphirblaue, wunderschöne Augen wie deine Mutter«, sagte mein Vater und legte mir stolz eine Hand auf die Schulter, während ich William sanft noch ein wenig fester an mich drückte. Seine Finger schlossen sich um meinen Daumen, aber sie waren so klein, dass seine Faust grade knapp meinen Finger umschloss.
Ich hatte Gideon völlig ausgeblendet und bemerkte ihn erst wieder, als er sich räusperte.
»Ich will euch ja nicht stören …«, begann er und zog damit Pauls Blick auf sich, der ihm ganz klar zu verstehen gab, dass er sehr wohl störte. »Aber ich habe die Zeit am Chronographen viel zu spät nach unserem letzten Besuch eingestellt, und deshalb wäre es wichtig zu wissen, ob wir euch davor noch einmal besucht haben«
Paul wandte den Blick von Gideon ab, nachdem seine Frau ihm einen Stoß in die Rippen verpasst hatte.
»Natürlich habt ihr das«, erwiderte Lucy vollkommen gelassen und nahm William, der auf meinem Schoß angefangen hatte zu quengeln. »Oh, da hat jemand Hunger … Paul, erzähl du es ihnen.«
Und mit dem Satz trug meine Mutter meinen Bruder aus dem Zimmer, um ihn zu stillen. Vielleicht hätte sie es auch einfach hier gemacht, aber ich hatte irgendwie das Gefühl, dass Paul Gideon dann wirklich umgebracht hätte. Und ich glaubte auch nicht, dass Gideon es so toll finden würde, meiner Mutter beim stillen zuzusehen. Ich schüttelte leicht den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben und sah zu Dad.
»Ihr habt uns kurz vor Williams Geburt besucht«, erzählte Paul und nannte uns das genaue Datum, was sich Gideon hoffentlich merkte, denn ich hatte es bei seinem nächsten Satz schon wieder vergessen.
»Gwen, wenn ihr uns in deiner Zukunft besucht, musst du daran denken, uns den Namen zu verraten.«
»Ich habe euch den Namen verraten?«, fragte ich überrascht.
Paul nickte. »Ja, du hast uns gesagt, dass du ihn in der Zukunft schon getroffen hast. «
»Okay … Gideon, du hast nicht zufällig was zum Schreiben dabei?«, wandte ich mich an meinen Freund, der den Kopf schüttelte.
»Ich bin sicher, dass ich mir das so merken kann«, erwiderte er. »Ich sage dir dann Bescheid.«
Die beiden Stunden, die wir mit Lucy, Paul und William verbrachten, gingen viel zu schnell rum. Ich hatte doch tatsächlich eine geschlagene Stunde damit verbracht, William dabei zuzusehen, wie er auf dem Boden lag und nach seinem Holzspielzeug griff, während er leise vor sich hin brabbelte. Als Lucy die Tür hinter uns schloss, wollte ich nichts lieber, als wieder zurück in das warme Wohnzimmer meiner Eltern zu laufen und meinen Bruder an mich zu drücken. Aber womöglich würde ich dann grade während der Umarmung zurück ins 21. Jahrhundert springen, und was dann mit William passieren würde, wollte ich mir gar nicht vorstellen.
Gideon musterte mich während der Kutschfahrt immer wieder von der Seite, bis ich mich zu ihm drehte und seinen Blick erwiderte.
»Was ist los? Habe ich Babysabber oder sowas im Gesicht?« Prüfend fasste ich mir an die Wange, die sich aber komplett normal anfühlte. Gideon lachte.
»Du strahlst so.«, erwiderte er lächelnd und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »So glücklich habe ich dich schon lange nicht mehr gesehen«
»Aber ich bin glücklich gewesen. Schon vorher«, protestierte ich und legte meine Hand auf seine, die an meiner Wange ruhte. »Außerdem machen Babys jeden glücklich«
Gideon lachte und lehnte sich zu mir rüber. Kurz bevor unsere Lippen sich berührten, stoppte die Kutsche plötzlich. Wir knallten mit den Rücken gegen die Sitze und aus dem Kuss, den ich eigentlich länger eingeplant hatte, wurde nur ein kurzer Schmatzer auf die Wange, denn Gideon sprang aus der Tür und hielt mir ganz Gentlemanlike die Hand hin.
Trotz seiner Hand kam ich mehr schlecht als recht aus der Kutsche (Ich musste Madam Rossini unbedingt bitten, meine Kleider zu kürzen!) und wartete, bis Gideon dem Kutscher ein paar Pfundnoten in die Hand gedrückt hatte.
Zusammen gingen wir in die Kirche zurück und setzten uns in den Beichtstuhl; Ich auf der einen Seite und Gideon auf der Anderen. Wir hatten noch etwa eine halbe Stunde, bis wir zurück sprangen.
Klappernd öffnete sich das Fenster neben mir und ein lächelnder Gideon tauchte in mein Blickfeld.
»Fast so wie früher, was?«
Ich grinste. »Heißt das, du willst wieder deinen Kopf und deine Arme da durch quetschen?«
Wir lachten beide und Gideon zwinkerte mir zu. »Ich hatte eigentlich gehofft, dass du mir diesmal ein bisschen entgegen kommst.«
Ich grinste, und beugte mich zu ihm. Kurz bevor sich unsere Lippen berührten, sprang ich auf, schlug den Vorhang beiseite und huschte mit in Gideons Kabine. Dort setzte ich mich einfach auf seinen Schoß und küsste ihn. Er wirkte etwas verwirrt, legte aber dennoch seine Arme um mich und erwiderte den Kuss.
Ich weiß nicht, wie lange wir hier saßen, aber schon nach kurzer Zeit wurde es mir in meinem Kleid viel zu heiß. Gideon schien meine Gedanken lesen zu können, denn er ließ seine Hände meinen Rücken hinauf wandern und öffnete die flink die Knöpfe, die er mir vor unserem Sprung auch schon zugemacht hatte. Ich küsste währenddessen seinen Hals, seine Wange, einfach alles, was mir in den Weg kam und fragte mich, woher ich sowas auf einmal konnte. Gideon schien es jedenfalls zu gefallen, er stöhnte leise und küsste mich wieder auf den Mund, während seine Hände meinen bloßen Rücken auf und ab strichen. Er stoppte am meinem BH-Verschluss und sah mich prüfend an, aber ich küsste ihn nur weiter, ohne eine Antwort zu geben, was er wohl als ja nahm. Grade, als ich merkte, dass er die Klammern gelöst hatte, spürte ich, wie ich auf einmal unsanft auf dem Boden des Beichtstuhls landete. Ohne Gideon.
Ich war in der Zeit zurück gesprungen, und da Gideon mir vor drei Stunden ziemlich schnell gefolgt war, würde er gleich an der gleichen Stelle wie ich landen. Flink stand ich auf und hastete aus dem Beichtstuhl. Wenigstens das bekam mein Gehirn noch hin, obwohl es noch ziemlich in Erinnerungen an das Gideon-Wunderland schwelgte. Gott, hatten wir das wirklich getan? Ich wurde allein bei dem Gedanken rot und schüttelte den Kopf, als auch schon Gideon aus dem Beichtstuhl stolperte und, kaum dass er mich sah, anfing wie ein Idiot zu grinsen.
»Hey« Er fuhr sich durch die Haare und versuchte wohl, die Röte auf seinen Wangen zu überspielen. Ich sah ihn auffordernd an und er runzelte die Stirn. »Was?«
Dass ich dastand und mit meinen Händen mein Kleid und meine Unterwäsche dort festhielt, wo sie hingehörte, bemerkte er anscheinend gar nicht. »Würdest du …?«, fragte ich und nickte mit meinem Kopf nach hinten. Ich konnte fast sehen, wie es in seinen Kopf klickte.
Peinlich berührt fuhr er sich erneut durch die Haare und meinte: »Klar«, bevor er schnell sowohl meinen BH als auch mein Kleid schloss. Ich nickte ihm dankbar zu und wusste dann nicht, was ich sagen sollte, bis er vorschlug, den Chronographen einzupacken und nach Hause zu fahren.
Die restliche Fahrt verbrachten wir schweigend. Zwar verabschiedete er sich mit einem Kuss von mir, aber er drückte mir recht schnell den mit Decken verhüllten Chronographen in die Hand und verschwand dann. Und das brachte mich zum Nachdenken. Abends in meinem Zimmer dachte ich darüber nach, was wir wohl getan hätten, wenn der Zeitsprung uns nicht unterbrochen hätte.
Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass es in diesem Beichtstuhl nicht zu Sex gekommen wäre, aber ich hatte ihn auch nicht daran gehindert, meinen BH zu öffnen, als es an der Zeit war, den Schlussstrich zu ziehen.
Ich überlegte, ob ich Lesley anrufen sollte, aber als ich ihre Nummer gewählt hatte, meldete sich nur die Mailbox. Ach ja, sie hatte sich ja heute mit Raphael treffen wollen. Wenn ich ihr jetzt eine SMS schrieb, würde Raphael bestimmt etwas mitkriegen und ich wollte nicht, dass Gideon erfuhr, was für Gedanken ich mir darüber machte.
Ich wusste nicht, ob Gideon vor mir schon Freundinnen gehabt hatte, aber so toll wie er aussah und so gut wie er küsste (!) hatte er bestimmt schon ein paar vor mir gehabt. Ob er wohl je mit einer von ihnen geschlafen hatte? Ehrlich gesagt hatte ich Angst vor diesem Schritt. Ich hatte vor Gideon nicht einmal einen Jungen geküsst und da wir nun schon ein paar Monate zusammen waren, wäre das ja der nächste Schritt. Nur … woher sollte ich wissen, was ich tun sollte? Und …
»Gwendolyn, alles in Ordnung?«
Meine Mum, also Grace, stand im Türrahmen und sah mich besorgt an. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich frustriert in mein Kissen geschrien hatte.
»Nein«, gab ich zu.
»Was ist los, Schatz?«, fragte sie fürsorglich und setzte sich neben mich. »Hast du dich mit Gideon gestritten?«
»Nein«, grummelte ich als Antwort und ließ es zu, dass sie mir beruhigend über den Arm strich.
»Was ist es dann?«, fragte sie und sah mich aufmerksam an. Ich holte tief Luft und sah sie ernst an. Was konnte es schon schaden, wenn ich es ihr erzählte? Immerhin war sie meine Mutter und würde es sowieso irgendwann erfahren.
»Ich muss mit dir reden, Mum«, sagte ich dann zögernd. »Über … Sex.«
