Gegen den Mondschein ankämpfen
Überarbeitete Fassung
Seishirou stoppte sein Verschwinden und ein Wirbelsturm aus Kirschblüten wartete darauf, dass Subaru weitersprach. Ohne den Grund zu wissen, warum er bleiben sollte, würde er gehen. Wenn Subaru aber so mutig wäre, es ihm zu beichten, dann würde er ihm den Wunsch natürlich erfüllen.
„Ach, tatsächlich?", hallte es von den Blüten. „Ich soll also wieder bei dir bleiben?"
Subaru sah den rosa Wirbel verzweifelt an, nickte und meinte: „Ja, ich denke schon, dass ich das will."
Sein Blick wurde mit jedem Wort, das er sprach, fester. Das änderte allerdings nichts daran, dass sich Seishirou köstlich über ihn amüsierte.
Die Blüten verschwanden und Seishirou erschien wieder auf der Bildfläche, ein hinterhältiges, anzügliches Grinsen auf den schmalen Lippen.
Solltest du denken, dass du nicht fallen wirst
Dann warte einfach, bis dahin
Bis die Sonne untergeht
Unter dem Sternenlicht, Sternenlicht
Seishirou hatte zwar eigentlich erwartet, dass Subaru länger brauchen würde, um zu gestehen, war wegen der kurzen Zeitspanne auch überrascht gewesen, aber auf alle Fälle gefiel es ihm. Er hatte nie wirklich vorgehabt, Subaru in dieser Nacht allein zu lassen. Er musste doch überprüfen, ob das in der vorigen Nacht nicht nur ein schöner Albtraum gewesen war.
Subaru ging langsam auf Seishirou zu, streckte die Hand aus und fuhr über die Wange, der er vorhin einen Schlag verpasst hatte. Seishirous Gänsehaut blieb unbemerkt.
„Du solltest öfter so geständig sein, Subaru."
„Ist es dir nicht lieber, wenn du mich so durchschauen kannst? Kommst du dir da nicht besser vor, als wenn ich dir alles beichten würde?"
„Was würde es denn noch alles zu beichten geben?", hakte Seishirou interessiert nach. Subaru lächelte wissend.
Da ist so ein richtig magisches Gefühl
„So?"
Seishirous Hände lagen wieder, wo sie auch schon kurze Zeit zuvor gelegen hatten: auf der Hüfte Subarus. Dieses Mal wurden sie nicht fortgeschoben, sie durften bleiben, wo sie waren. Der Tastsinn Seishirous brachte ihn dazu, zu glauben, dass sein Gehirn einen elektrischen Schlag bekommen hätte.
„Was ist ‚so'?"
„Nicht weiter wichtig. Lass uns lieber mit den angenehmen Dingen weitermachen...", flüsterte Seishirou, ehe er mit einer seiner Hände unter das Hemd Subarus wanderte und dort über die weiche, kalte Haut strich. „Du solltest dich wärmer anziehen."
Subaru lehnte die Stirn an Seishirous Brust und lächelte. Den ernsten Ausdruck auf Seishirous Gesicht bekam er somit nicht mit.
Das dir heute Nacht dein Herz stehlen wird
„Du riechst gut", merkte Seishirou an, als Subaru weder um sich schlug, noch irgendetwas von sich gab.
„Ich hab heute das Shampoo benutzt, das du mir damals zu meinem Geburtstag geschenkt hast. Wie gut, dass solche Dinge nicht ablaufen..."
„Du hast es bis jetzt nie benutzt?"
„Ich fasse die Dinge nicht mehr an, die du angefasst hast."
„Wie wäschst du dich dann?" Seishirous Grinsen wurde breiter.
„Mein Körper ist kein Ding", gab Subaru stur von sich.
„Wie sicher bist du dir da, Subaru?"
Seishirou grinste nicht mehr. Zumindest nicht mehr überheblich – nein, er sah enttäuscht aus. Hätte es sich hier nicht um einen Serienkiller gehandelt, so hätte man sagen können, er sah traurig aus.
Subaru, derweil verständnislos dreinblickend, reckte sich und legte seine Lippen auf Seishirous.
„Wir sollten uns wirklich auf die mehr oder weniger angenehmen Dinge konzentrieren", seufzte er und ließ Seishirou gewähren, ihm das Hemd über den Kopf zu ziehen.
Aber du weißt – aber du weißt
Dass du nicht gegen den Mondschein ankämpfen kannst
Ganz ohne Oberbekleidung fror er bitterlichst und hatte somit nichts dagegen, sich wieder in Seishirous Umarmung zu schmiegen. Er hörte, wie Seishirous Herz heftig gegen dessen Brust schlug. Still zählte er die Schläge mit, die Abstände wurden kürzer, das Pochen heftiger. Konnte es sein, dass Seishirou, Meister darin Illusionen zu erschaffen und ein gefühlloser Bastard noch dazu, aufgeregt war?
Subaru sammelte all seinen Mut und krächzte: „Sag mal, du wolltest mir gestern etwas sagen..."
„Fang doch nicht damit an."
„Sag es mir."
„Noch nicht... noch nicht, Subaru."
Subaru ballte die Hände zu Fäusten, sah aber davon ab, noch einmal auszuholen und Seishirou zu schlagen.
„Ich hasse dich."
„Oh, Subaru... das weiß ich doch. Das brauchst du mir nun wirklich nicht noch öfter zu sagen, als du es bis dato schon getan hast."
Du kannst versuchen, zu widerstehen
Meinem Kuss zu entkommen
Seishirou bemerkte erst nach einiger Zeit, während der seine Hände Subaru von dessen Hose befreit hatten, dass dieser die Luft anhielt.
„Atme, atme. Vergiss das Atmen nicht", beschwichtigte Seishirou ihn.
Tatsächlich entspannte Subaru sich wieder und atmete tief ein und aus. Seishirou wartete einen Moment, bis Subaru nickte, und ließ sich dann auf das Gras sinken. Subaru sah ihm interessiert nach, doch er verstand nicht, was Seishirou vorhatte. Als er jedoch spürte, wie der empfindlichste Teil seines Körpers von Seishirous Mund umschlossen wurde, wusste er es. Sein Teint färbte sich von blass über hellrosa zu tiefrot.
„Sei... Seishirou...?"
Dieser ließ sich nicht ablenken und Subaru musste sich nach kurzer Zeit an den Kirschbaum hinter ihm lehnen, um nicht zu Boden zu sacken. Er presste die Lippen fest aufeinander, um keinen Laut von sich geben zu müssen, aber er versagte kläglich. Es schien, als ob der Vollmond, der auf sie beide schien, ihn verhöhnen würde, mit seinem reinen weißen Licht.
Sobald eine leichte Brise
- Sobald eine leichte Brise -
Mit ihrem Zauber über dein Herz streicht
Seishirou hallte Subarus leiser Schrei noch eine Zeitlang in den Ohren nach. Als das anmutige Geräusch verschwunden war, stand er auf und sah Subaru an, der demonstrativ zur Seite sah.
Sie atmeten beide schwer, nur hob sich Seishirous Brust nicht jedes Mal zitternd. Subaru verkrampfte sich bei jedem Einatmen und lockerte sich erst wieder, als er ausatmete.
„Ganz ruhig, Subaru. Wir sind hier immerhin noch nicht ganz fertig."
Subaru sah Seishirou nun doch an. Sein Blick war leicht glasig und Seishirou musste schmunzeln. Ihm gefiel die Wirkung, die er auf Subaru hatte. Er konnte ihm jegliche Mimik und Gestik entlocken, wenn er nur wollte, und wie er seit kurzem wusste, auch jeden vorstellbaren Laut.
„Natürlich nicht...", nuschelte Subaru, dem nicht entgangen war, dass Seishirous Hände schon längst wieder über seinen Körper wanderten.
Und egal, was du denkst
Es wird nicht lange dauern
Bis du in meinen Armen liegst
„Du solltest dich auch etwas freimachen, wenn du das vorhast, was ich denke, dass du... ich meine...", räusperte er sich, „... wenn du mit mir..."
„Ja, da hast du wohl Recht. Aber da ich dir vorhin so nett geholfen habe, würdest du vielleicht...?"
Subaru starrte die Knöpfe des pechschwarzen Mantels an, dann begann er, sie einen nach dem anderen zu öffnen. Als er damit fertig war, strich er das schwarze Kleidungsstück von den breiten Schultern und ließ es, ebenso achtlos wie Seishirou es vor kurzer Zeit mit Subarus Hemd getan hatte, zu Boden fallen.
„So geht es aber noch nicht."
„Das weiß ich selbst", murrte Subaru und ließ die Hände über Seishirous Schritt gleiten. Er spürte, wie sich dort etwas regte, auch wenn Seishirou deutlich damit beschäftigt war, sich zurückzuhalten.
Subaru kräuselte die Lippen und öffnete den Reißverschluss, den Knopf und entblößte Seishirou nach und nach, bis sie beide, vollkommen nackt, im Mondlicht standen. Subarus Haut wirkte noch blasser, als sie es eigentlich war, und in Seishirous blindem Auge spiegelte sich die vom Mondlicht erhellte Umgebung, genauso wie Subarus Körper.
Und niemand sonst wird da sein
Solltest du denken, dass du nicht fallen wirst
Dann warte einfach, bis dahin
Bis die Sonne untergeht
Subaru ließ sich bereitwillig von Seishirou auf das taunasse Gras betten, mit dem zusammengefalteten Mantel, der noch immer die Wärme des Besitzers ausstrahlte, unter seinem Becken liegend.
Inzwischen raste Subarus Puls und das Atmen fiel ihm weitaus schwerer als noch vor wenigen Minuten. Es war ihm schon unangenehm gewesen, was Seishirou eben mit ihm getan hatte, doch was jetzt kommen musste, machte ihn nur noch unruhiger, denn er wusste, es würde nicht einfach nur beschämend werden, sondern auf eine körperlich schmerzhafte Weise unerfreulich. Er war sich sicher, dass Seishirou nicht ständig Gleitmittel bei sich trug. Obwohl, wenn das alles von ihm geplant worden war, dann war es schon möglich, dachte er, ehe ihm der Atem stockte.
„Nicht so schnell!", keuchte er, und Seishirou stoppte die Bewegungen seiner Finger, die sich schon tief in Subarus Körper befanden.
„Oh, tut mir Leid", entschuldigte sich Seishirou, doch sein süßlicher Ton verriet, dass er es eher amüsant fand, wie Subaru keuchend und verkrampft vor ihm lag und ihn anbettelte, noch zu warten. Freundlicherweise wartete er tatsächlich.
In der tiefsten Dunkelheit
Wirst du dein Herz ausliefern
Du kannst der Liebe nicht entkommen
Subaru, der die Arme um Seishirous Schultern gelegt hatte, zog diesen näher zu sich. Subarus Lippen strichen über die Schläfen Seishirous, jedes Mal, wenn er eine neue Silbe formte, die er ihm zuflüsterte.
„Wieso...?", kam es erstaunt von Seishirou.
Subaru schüttelte den Kopf.
„Es ist nicht wichtig. Mach einfach weiter."
Unter dem Sternenlicht – Sternenlicht
Da ist so ein richtig magisches Gefühl
Das dir heute Nacht dein Herz stehlen wird
Seishirou ließ sich den Befehl nicht ein weiteres Mal geben. Mit einem Fingerschnipsen erschien eine schwebende Tube.
„Was ist denn... oh... Telekinese?"
„Ich kann mit meiner Magie nicht nur Leute umbringen, weißt du?"
„Nein, du kannst auch Gleitmittel hervorzaubern." Subaru rollte genervt mit den Augen und seufzte.
„Ganz genau. Sei nicht so undankbar, oder möchtest du lieber, dass ich -..."
„Um Gottes Willen, nein!!!"
Seishirous Lachen, das auf den empörten Ausruf Subarus folgte, hörte sich ehrlich an. Subaru war sich aber nicht sicher, ob nicht auch „ehrliches Lachen" zu den Schauspielkünsten des Sakurazukamori gehörte.
„Keine Angst, ich will dich nicht verletzen."
Subarus Augenbrauen hoben sich skeptisch an. Dann jedoch wandte er sich von Seishirou ab. Er fühlte Hände an einem Ort, wo sie normalerweise nicht hingehörten, mit einer kalten öligen Flüssigkeit, die ihn zusammenzucken ließ.
Es wird nicht lange dauern
Bis du in meinen Armen liegst
Du kannst versuchen zu widerstehen
Meinem Kuss zu entkommen
Aber du weißt – aber du weißtDass du nicht gegen den Mondschein ankämpfen kannst
Oh nein, du kannst nicht gegen ihn ankämpfen
„Atmest du auch brav?"
„Ich... versuche es..."
Subarus Atem stockte ab und an, und bei jedem Mal stoppte Seishirou seine vordrängende Bewegung. Nicht lange, aber dennoch konnte sich Subaru in dieser Zeit genug entspannen, um ihn weiter in sich gleiten zu lassen, bis er ihn beinah ganz in sich spürte. Nicht das angenehmste aller Gefühle, wie er für sich feststellte, aber es war auch nicht so schlimm. Nicht so schlimm, wie beispielsweise in der Nacht zuvor.
„Du machst das gar nicht schlecht, Subaru, das muss man dir lassen."
„Ich tue ja auch gar nichts." Er biss sich die Unterlippe auf, als Seishirou das erste Mal in ihn stieß. Es tat wirklich nicht gar so sehr weh, wie in der vorigen Nacht. Aber angenehm konnte man es unter keinen Umständen nennen.
„Das muss man auch manchmal können", hauchte Seishirou gegen den Hals Subarus, der immer wieder heftig schluckte. Seishirou bewegte sich nicht weiter. „Entspann dich endlich, Subaru. Entspann dich einfach..."
Es wird dein Herz erreichen
Unter dem Sternenlicht, Sternenlicht
Er konnte dem Befehl nicht sofort folgen, doch als einige Zeit vergangen war, entkrampften sich seine Muskeln. Seishirou fasste ihn an den Handgelenken, zog Subarus rechten Arm nach oben und küsste die Innenseite des Oberarmes, strich mit den Lippen darüber und, ganz langsam nur, begann er, sich wieder in Subaru zu bewegen.
Mit geschlossenen Augen, von Tau benetzt, in einem ruhigen Takt und höchstens von Glühwürmchen beobachtet, schliefen sie miteinander. Keiner von ihnen dachte mehr daran, was eigentlich zwischen ihnen stand.
Wir werden uns gänzlich im Rhythmus verlieren
Das Licht des Mondes wird heute Nacht dein Herz stehlen
In der tiefsten Dunkelheit
Wirst du dein Herz ausliefern
Denn du weißt – oh, du weißt
Dass du nicht gegen den Mondschein ankämpfen kannst
Subaru war froh, dass sie sich küssten, als er kam. Es war wohl niemand im Park, aber so fühlte er sich doch sicherer, dass niemand sein Stöhnen gehört hatte. Ausgenommen Seishirou natürlich, den er auch jetzt noch meinte in sich spüren konnte, obwohl er sich schon wieder aufgerichtet hatte und dabei war, sich anzuziehen.
Subaru hielt die Augen geschlossen, um nicht mit ansehen zu müssen, dass er nun doch wieder allein gelassen wurde, und dass sein Bitten Seishirou nichts bedeutet hatte. Er errötete bei dem Gedanken, dass er Seishirou angefleht hatte zu bleiben. Dass das naiv gewesen war, war ihm klar, doch er hatte sich nicht beherrschen können. Um sich selbst zu schützen, gab er auch daran Seishirou Schuld.
Solltest du denken, dass du nicht fallen wirst
Dann warte einfach, bis dahin
Bis die Sonne untergeht
Vollkommen unerwartet warf Seishirou Subaru dessen Kleidung zu.
„Komm mit – aber zieh dich vorher an, sonst verkühlst du dich noch."
Subaru setzte sich auf und sah verwirrt zu Seishirou, der nur mit den Schultern zuckte: „Ich kann dich doch nicht so hier liegen lassen."
„Aber wohin soll ich mitkommen?!"
„Mit zu mir."
Unter dem Sternenlicht – Sternenlicht
Da ist so ein richtig magisches Gefühl
Das dir heute Nacht dein Herz stehlen wird
„In Ordnung."
Es wird dein Herz erreichen
