Kapitel Drei: Quidditch-Auswahlspiele

Es war ein perfekter Tag für Quidditch-Auswahlspiele. Warm, aber nicht heiß. Sonnig, aber nicht gleißend. Perfekt.

Fred Weasley richtete die Verschnürungen an seinen verschlissenen, alten Handgelenkschonern. Er fühlte sich heute sehr zuversichtlich. Es gab nicht viel auf der Welt, worin er so richtig gut war, aber Quidditch war definitiv eins davon. Er erhob sich. Dieses Jahr war er ein paar Zentimeter größer und dankenswerterweise hatte sich seine Stimme verändert. Nur ein paar qualvolle Wochen über den Sommer mit peinlichem Krächzen und Gequieke (worüber Charlie ihm und George eine Menge Kummer bereiteten). Fred's Größe und Stimme ließen ihn sich älter fühlen, aber sein Gesicht hatte immer noch diese nervigen Sommersprossen und seine Haare waren so leuchtend rot, dass er immer noch ziemlich jung AUSSAH.

„Bereit, ihnen in den Arsch zu treten, Zwilling?" sagte George und klopfte ihm stürmisch auf den Rücken.

Fred grinste. Er und George liebten es, fluchen zu können, ohne dass ihre Mum sie anschrie.

„Ich wurde bereit geboren, Georgie," sagte Fred, „du dummer Wichser." Und die zwei schlugen ein und fingen an, in ihrer typischen Manier zu ringen, wobei sie beide heiser lachten.

„Au!" schrie George, als Fred ihn in den Schwitzkasten nahm und an seinen Haaren riss. „Du Trottel!" George rächte sich, indem er Fred überwarf, sodass Fred auf der Seite auf der Erde aufkam, hart.

„AU!" sagte Fred. „George, du Vollidiot!" George ignorierte Fred und sprang auf ihn, und sie rangen weiter und lachten dabei.

„Hey, wieso haben Jungs so was überhaupt an sich?" sagte eine weibliche Stimme.

Fred schaute hoch und erblickte Angelina Johnson, schick gekleidet in ihren eigenen Quidditchsachen, die alle sehr neu aussahen. Sie trug einen schlanken, brandneuen Sauberwisch Zehn – das allerneuste Model – und ihr lockiges Haar war abgeschnitten worden, was ihr ein entschieden burschikoseres Aussehen verpasste als mit ihren Cornrows. Fred schluckte seine Verlegenheit herunter. Sie sah so...neu aus...in alldem. Währenddessen war er dazu verdammt, Charlies verschlissene, alte Ausrüstung zu tragen und einen antiken Sauberwisch Sieben rumzuschleppen. Fred hasste es, arm zu sein. Aber er setzte ein Lächeln auf und sprang vom Boden hoch und bürstete sich ab.

„Hey, Angie," sagte Fred und knuffte sie dabei spielerisch in den Arm. „Gekommen, um dir Brillanz in Aktion anzuschauen?"

„Das wäre gar nicht so einfach, mir selbst beim Quidditch spielen zuzusehen," sagte Angelina schelmisch. Fred und George lachten.

„Der war gut, Angie," sagte George.

„Nenn mich nicht Angie," sagte Angelina. „Ich hasse das."

„Du lässt Fred dich Angie nennen!" protestierte George.

„Weil ich der Besondere Zwilling bin," sagte Fred. „Wichser."

Fred liebte dieses Wort.

„Ja, ja," sagte George. „Trottel. Lasst uns raus gehen, oder?"

Er schleppte sich davon, einen verschlissenen, alten Komet 240 in seiner rechten Hand.

„Viel Glück, Fred," sagte Angelina. „Ich halte euch die Daumen."

„Ja," sagte Fred grinsend. „Ich halte dir auch die Daumen."

Sie zogen ab nach draußen in die Sonne und sahen den Gryffindor-Kapitän, Oliver Wood, dort stehen. Er war ein stämmiger, muskulöser Viertklässler und dieses war sein erstes Jahr als Kapitän.

„Schön," schrie er. „Lasst uns anfangen. Wir haben eine Menge Positionen zu besetzen. Zwei Jäger und zwei Treiber, also praktisch eine gesamte verdammte Mannschaft." Er entrollte ein langes Stück Pergament und begann, einige Namen runterzulesen.

„Sloper, Robert und Kirke, Paul, ihr werdet in der ersten Runde Treiber spielen. Nehmen wir...Johnson, Angelina und Spinnet, Alicia als Jägerinnen."

Fred verzog das Gesicht. Er hatte eher gehofft, selbst mit Angelina zu spielen. Sie schaute zu ihm rüber und schenkte ihm ein Grinsen; er hielt die Daumen hoch. George lächelte Alicia Spinnet an, die errötete. ‚Guter Gott,' dachte Fred. ‚Diese zwei.'

‚Allerdings,' dachte er, ‚werde ich sie so fliegen sehen können.' Er war neugierig, ein Mädchen fliegen zu sehen; es gab sehr wenige Mädchen, die professionell Quidditch spielten.

„Lasst uns zur Mitte des Feldes gehen," bellte Wood. Er zerrte den Koffer, der alle Quidditch-Bälle beinhaltete, hinter sich her und führte die Anwärter aus Gryffindor auf das Feld hinaus. Fred bemerkte, dass Angelina sehr nervös aussah, aber dass ihr Kiefer vor Entschlossenheit starr war. Der Gryffindor-Sucher, Gerald Prewitt, und der dritte Jäger, Michael Marchbanks, bildeten den Schluss.

‚Schnapp sie dir, Angie,' dachte er. Er konnte nicht hören, was Wood jetzt sagte, aber er sah die fünf Anwärter ihre Besen besteigen. Prewitt tat dasselbe. Wood ließ die zwei Klatscher, den Quaffel und den Schnatz frei, und die Auswahlspiele fingen an.

Fred hielt seine Augen auf Angelina konzentriert. Sie war gut. Wirklich gut. Sie schoss mehr als ein paar Tore, hatte ein sehr gutes Auge fürs Passen und Fangen und ging sicher mit ihrem Besen um. Ihrem sehr schnellen, schlanken Besen. Insbesondere sie und die andere Jägerin, Alicia Spinnet, schienen gut zusammen zu passen.

Fred wandte seine Aufmerksamkeit den zwei Treibern, Krike und Sloper, zu. Sie waren schrecklich. Zweimal traf Kirke Sloper fast mit einem Klatscher, und Fred konnte nicht sicher sein, aber es sah so aus, als ob Sloper sich tatsächlich SELBST mit seinem eigenen Schläger gehauen hatte. Erbärmlich!

Nach zwanzig Minuten endete das Auswahlspiel und jeder landete und ging zurück zum Spielfeldrand.

"Wow," sagte Fred und knuffte Angelina dabei wieder spielerisch in den Arm. „Bist ein verdammt guter Flieger, Angie."

„Ja? Wirklich?" sagte sie grinsend. „Ich war da oben so nervös!"

„Ruhig, ihr zwei," bellte Wood. „Okay, Johnson, du und Spinnet bleibt da. Danke an euch, Sloper und Kirke, ihr dürft gehen."

Die zwei Jungs nickten und sahen dabei ziemlich niedergeschlagen aus; sie sahen auch nicht, wie Wood seine Augen verdrehte.

„Nehmen wir Patil, Parminder und Hooper, Geoffrey als Jäger und Weasley, Fred und Weasley, George als Treiber."

Es war soweit. Fred schaute George an, der ihm zuzwinkerte, und die zwei folgten Wood und den anderen raus aufs Feld.

„Mach sie kalt, Fred," flüsterte Angelina und sie grinste ihn an. Fred fühlte sich auf einmal sehr gut.

Das Auswahlspiel begann von Neuem und Fred hob auf seinem Besen ab in die Luft. Das alte Ding war langsamer als es ihm lieb war, aber da konnte man nichts machen, und außerdem war Geschwindigkeit für einen Treiber nicht das Wichtigste, sondern Genauigkeit und Kraft. Fred fühlte Kraft durch seine Arme schießen als er Klatscher über Klatscher von den Jägern wegkatapultierte; auch ohne hinzuschauen konnte er sagen, dass George sich ebenso gut anstellte wie er.

Zwanzig Minuten vergingen im Flug. Fred vergaß alles außer dem, was er tat. So wurde er, wenn er Quidditch spielte, als ob sich die Welt um ihn herum auflösen würde. Bevor es ihm bewusst wurde, war das Auswahlspiel vorbei. Er kehrte zum Erdboden zurück, hüpfte von seinem Besen und er und George schlugen wieder ein.

„Vortrefflich geflogen, Zwilling!" sagte George glücklich und sie eilten vom Feld herunter.

Sie trafen Angelina und Alicia und warteten gespannt, als die Auswahlspiele weiter gingen. Wood ging das ganze Prozedere methodisch an und sonderte diejenigen, die offensichtlicher schlecht waren, sehr schnell aus. Wood ließ Angelina, Alicia, Fred und George auch zusammen fliegen, was Fred sehr genoss. Der Gedanke, Angelina und Alicia (die, wie Fred festgestellt hatte, auch recht hübsch war und die eine ganze Menge Aufmerksamkeit von George zu bekommen schien) zu verteidigen, gefiel Fred ziemlich gut.

Am Schluss wusste Fred, dass er und George gut waren, genauso wie Angelina und Alicia, aber er konnte nicht sagen, ob er im Team war oder nicht. Er wusste nur, dass er, wenn er drin wäre, hoffte, dass die anderen drei auch dabei wären. Es hatte riesigen Spaß gemacht, mit ihnen zu fliegen.

„Listen hängen morgen aus," sagte Wood munter und beendete somit die Auswahlspiele. Fred, George, Alicia und Angelina saßen auf einer Bank neben den Tribünen und fingen an, ihre Quidditch-Polster abzulegen.

„Na ja, ich fühl mich ganz gut," sagte Alicia nervös. „Ich denke, wir müssen einfach abwarten und Tee trinken."

„Ja," sagte Angelina nervös. Wenigstens sind heute einige echte Totalversager gekommen, das hat meinem Selbstvertrauen gut getan." Sie kicherte.

"Kein Witz," sagte Fred. „Habt ihr diesen Typ Sloper gesehen? Ich schöre, er hat sich selbst mit seinem Schläger gehauen."

„Dieser Jäger Parminder Patil war ziemlich gut," sagte Angelina vorsichtig. „Eigentlich sehr gut."

„Ja, aber Hooper war ein Jammerlappen, oder?" sagte Alicia.

Angeregt plauderten die vier den ganzen Weg zurück zum Schloss und in die Große Halle. Fred nahm nur vage wahr, dass George mit Alicia vorgegangen war und er mit Angelina zurückhing.

„Du warst heute hervorragend," sagte Angelina. „Wirklich. Ich hoffe, du schaffst es ins Team." Sie klatschte ihm in dieser ihr eigenen spielerischen Art auf den Arm. So gingen sie immer miteinander um – ein bisschen grob. Angie war in dieser Hinsicht ein bisschen wie ein Junge. Grob und patschig, überhaupt nicht besessen von Lipgloss und Jungs. Fred mochte das an ihr. Sie war ein echter Kumpel. Er musste jedoch zugeben, dass er ihre Cornrows vermisste. Es hatte ihm gefallen, wie sie Perlen an den Enden gehabt hatten und wie sie klickten und um ihren Kopf herum schwangen, wenn sie sich drehte.

„Danke," sagte Fred. „Ich hoffe auch, dass du ins Team kommst. Wir haben heute alle wirklich gut zusammen gearbeitet, oder?"

„Ja," sagte Angelina. „Haben wir."

Sie grinste Fred mit ihren glänzend weißen Zähnen an und es machte ihr gar nichts aus, den Arm um ihn zu legen. Er war in einer sehr guten Stimmung, die anhielt, bis er in dieser Nacht einschlief. Er träumt von Kaffe mit Sahne darin, und dunklen, samtig braunen Augen.


„Hör auf zu drängeln, George," grunzte Fred, als die Gryffindors sich zu den Listen der Auswahlspiele der Quidditch-Mannschaften vorkämpften.

„Ich bin drin!" kreischte Angelina und sie fing an, wild zu kichern, „Freddie, ich hab's geschafft!" Sie packte ihn und umarmte ihn und begann, wild durch den Raum zu wirbeln.

DAS war vielleicht mädchenhaft, dachte Fred. Aber es war gar nicht so schlecht.

„Freddie?" murmelte George.

„Halt die Klappe," sagte Fred.

„Ich hab's!" Alicia Spinnet war die nächste Person, die einen Schrei ausstieß, und sie flitzte zu George herüber und warf ihre Arme um seinen Hals. „Georgie! Ich hab's geschafft!" Sie rannte zu Angelina und die zwei Mädchen umarmten sich und tanzten in Kreisen und umarmten sich abermals.

„Georgie," sagte Fred in einer Singsangstimme.

„Halt's Maul," sagte George.

„Verdammt," sagte eine Stimme neben ihnen und Robert Sloper stapfte mürrisch davon.

Freds Augen fanden endlich das Stück Pergament, das am Schwarzen Brett angeschlagen war. Seine Augen überflogen es und blieben an zwei Namen unter der Überschrift „Treiber" hängen.

Er fühlte, wie ihm das Herz in die Hose rutschte und sich en Grinsen über sein Gesicht ausbreitete.

„Wir sind drin!" sagte er triumphierend.

„Ja!" sagte George.

„Jep!" schrie Fred, und er und George umarmten sich, trennten sich dann schnell und fingen an zu ringen (weil es nicht cool war, wenn sich zwei Jungs umarmten). Alicia und Angelina schlossen sich an, und die vier rangen scherzhaft und lachten vor Fröhlichkeit, während die anderen Schüler sie betrachteten. Fred war glücklich. Er hatte es ins Team geschafft. Sein Bruder hatte es ins Team geschafft. Und sein bester Kumpel Angelina hatte es ins Team geschafft. Das Leben war schön.


Translator's Note: Tut mir leid, dass es so lang mit dem posten gedauert hat, aber ich war auf Schifreizeit mit der Schule. Im Allgemeinen kann ich keine Voraussagen machen, wie schnell ich updaten werde, da ich in acht Wochen mein Abi schreibe. Ich hoffe aber, dass ich die gesamte Story (24 Kapitel) noch bis Juli fertig bekomme, weil ich dann wahrscheinlich für ein Jahr mit Rucksack nach Neuseeland gehen werde.