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Kapitel Vier: Der Bruder und der Sucher

„Ist es wahr?" fragte Lee Jordan. „Harry Potter ist wirklich im Zug?"

„Jep," sagte Fred. „George und ich haben ihm mit seinem Gepäck geholfen. Haben seine Narbe von Nahem gesehen."

„Verrückt," sagte Lee. „Wie ist er so?"

„Eigentlich ein bisschen schüchtern," sagte George, während er seinen Koffer verstaute. „Ich denke nicht, dass er schon weiß, wie berühmt er ist."

„Ja," sagte Fred. „Ich hab gehört, er ist auch noch bei Muggeln aufgewachsen. Seltsam."

„Er hängt ausgerechnet mit Ron rum," sagte George, die Augen rollend.

Die Abteiltür öffnete sich und Angelina Johnson trat ein. Sie grinste Fred an und er strahlte sofort.

„Hey, Angie," sagte er, stand auf und gab ihr eine schnelle Umarmung und einen Klaps auf die Schulter.

„Schön, dich zu sehen, Fred," sagte sie. Sie löste sich aus seiner Umarmung und drückte George schnell.

„Hiya, Angie," sagte Lee und grinste sie an.

„Hey," sagte Fred. „Nur ich darf sie Angie nennen. Stimmt's, Angie?"

"Stimmt, Freddie," sagte sie und zwinkerte ihm zu. Fred wurde rot und schlug George auf die Schulter, als George ihn auslachte.

„Schön," sagte Lee. „AngeLINA. Du siehst nett aus."

Angelina verdrehte ihre Augen. Sie hatte sich an Lees Koketterie gewöhnt; er war schon ewig in sie verliebt. Fred war erfreut, dass sie das nie zu erwidern schien.

„Danke," sagte Angelina, während sie sich neben Fred setzte. Fred konnte sie gut anschauen. Sie sah WIRKLICH nett aus. Sie war ein bisschen größer geworden und ihre Haare waren in, wie es schien, Tausende winziger Zöpfe geflochten, die ihr gerade bis ans Kinn reichten. Ihre Haut sah ein bisschen dunkler aus, mehr Kaffee als Sahne. In einem ihrer Briefe hatte sie erwähnt, dass sie für einen Teil des Sommers mit ihren Eltern auf die Westindischen Inseln fliegen würde. Wo auch immer das war. Irgendwo tropisch. Scheinbar hatte sie dort drüben Verwandte. Ihre Zähne waren so perfekt wie immer und Fred konnte nicht umhin, zu bemerken, dass sie in einigen anderen Bereichen auch gewachsen war. Sein Nacken fühlte sich heiß an und er schaute weg.

„So, Angelina, das ist Butch," sagte Lee währenddessen, und er öffnete den Käfig.

„Cool!" sagte sie. „Kann ich ihn halten?"

„Natürlich," sagte Lee zwinkernd. Angelina griff in den Käfig und holte die Spinne heraus, die die Größe eines Klatschers hatte. Sie war haarig und sah fürchterlich aus und hatte viele kleine runde Augen. Angelina setzte sie auf ihren Schoß und strich ihr mit dem Finger über den Rücken.

„Wow," sagte sie. „Hast du einen Vergrößerungszauber auf ihn angewendet?"

Fred konnte nicht umhin, von ihr beeindruckt zu sein. Die meisten Mädchen – und einige Jungs (Ron eingeschlossen) – würden bei so einer riesigen Spinne ausrasten. Fred konnte sich nicht allzu viele Leute vorstellen, die bereit wären, eine so große Spinne zu halten und sie zu streicheln. Aber Angelina war ziemlich furchtlos was Käfer und Spinnen und andere schaurige Krabbler anbetraf. Die einzige Aversion, die sie zu haben schien, war gegenüber Schnecken.

„Ja," sagte Lee, „aber ich muss ihn wieder schrumpfen, wenn wir in der Schule ankommen. McGonagall dreht durch, wenn sie ihn so groß sieht."

„Er ist auf jeden Fall beeindruckend," sagte Angelina, hob die Spinne sanft hoch und setzte sie in den Käfig zurück.

Die Abteiltür öffnete sich abermals und Alicia Spinnet trat ein, gab aber einen kleinen Schrei von sich, als sie die Spinne in dem Käfig sah.

„Igitt!" kreischte sie.

„Willst ihn halten, Alicia?" sagte Lee und grinste dabei ein bisschen wahnsinnig.

„Eklig!" schrie sie. „George, das ist widerlich, wie kannst du dir DAMIT ein Abteil teilen?"

„Komm schon, Alicia, du verletzt Butchs Gefühle," sagte Lee schmollend.

„Kommst du rein oder nicht, 'Liss?" fragte George.

„Ich weiß nicht," sagte Alicia, während sie Butch vorsichtig beäugte.

„Komm schon," sagte George, die Augen rollend. „Rein oder raus."

„Rein," sagte sie zögernd. „Aber haltet dieses Tier von mir fern, okay? Und schließt diesen Käfig, wenn's recht ist?"

"Abgemacht," sagte Lee grinsend. Alicia kam rein, aber der Ausdruck auf ihrem Gesicht legte nahe, dass sie Lee keine Sekunde lang traute. Sie ließ sich neben George nieder und presste ihren Rücken gegen die Wand, um so viel Distanz wie möglich zwischen sich selbst und Butch zu bringen.

„Habt ihr's gehört?" sagte sie, während ihre Augen alle paar Sekunden zu Butch schossen. „Harry Potter ist im Zug."

„Da sind wir dir weit voraus, Alicia," sagte Fred. „Wir haben ihn gesehen. WIR haben ihm sogar mit seinem Gepäck geholfen."

„Wow," sagte Angelina. „Wie ist er denn so? Ich hab gehört, er lebt bei Muggeln."

„Er ist irgendwie ruhig," sagte George. „Scheint aber normal zu sein. Na ja, außer der Tatsache, dass er, als wir ihn zuletzt gesehen haben, mit Ron rumhing."

„Ja, das sagt nichts Gutes über seinen Menschengeschmack aus, oder?" stimmte Fred zu. „Aber zumindest hängt er nicht mit Percy rum."

„Kleiner Percy, der Vertrauensschüler," sagte George finster.

„Wir sollten dieses Jahr vorsichtig sein," sagte Lee. „Euer Bruder wird eurer Mum jeden zweiten Tag eine Eule über euch schicken."

„Vergiss es," sagte Fred. „Ich werde mir von Percy nicht meinen Spaß verderben lassen, recht herzlichen Dank auch. Außerdem hat er selbst ein paar Ablenkungen."

„Ach ja?" sagte Angelina mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Ja," sagte George grinsend. „Fred und ich sind nicht sicher, aber wir denken, er steht auf diese Vertrauensschülerin aus Ravenclaw."

„Penelope Clearwater," sagte Fred.

"Klingt wie ein Werk des Himmels," sagte Lee trocken. „Oops, Butch kriegt Hunger."

Lee stellte den geschlossenen Käfig ab und griff in seine Tasche, zog dann eine winzige, tote, graue Maus heraus. Er öffnete den Käfig und ließ die Maus darüber baumeln; Butch die Tarantel erhob sich auf seine vier Hinterbeine und schaute die Maus begierig mit seinen ungefähr zwei Dutzend Kulleraugen an.

„Oh, pfui!" kreischte Alicia. „Du wirst ihm doch nicht etwa DAS zu fressen geben."

„Klar werd ich," sagte Lee. „Das ist, was Butch isst." Er ließ die Maus in den Käfig fallen und Butch fiel über sie her. Übelkeit erregende, knirschende Geräusche ertönten einen Augenblick später.

„Eklig," sagte Alicia, ihr Gesicht mit ihren Händen bedeckend.

Angelina kicherte. „Das ist Natur in Aktion. Na ja, so was in der Art. Ich meine, Spinnen werden normalerweise nicht so groß, oder?"

Fred lachte schwach und ihm wurde ein bisschen übel, nicht dass er das zugeben würde, vor allem da Angelina von den widerlichen Geräuschen, die aus Butchs Käfig drangen, völlig ungerührt zu sein schien.

Lee grinste, stellte Butchs Käfig auf den Boden und schob ihn unter die Sitze. Fred war dankbar; Butch war cool, aber Fred wollte die Überrest von toter Maus, die jetzt bestimmt im Käfig verstreut lagen, nicht unbedingt SEHEN.

In dem Moment kam der Essenswagen vorbei.

„Schönen Nachmittag, meine Lieben," sagte die freundliche Hexe, die den Wagen schob. „Irgendwas vom Wagen?"

Fred vergas die Unannehmlichkeit in Butchs Käfig sofort und spürte seinen Bauch grummeln. Er hielt einen frustrierten Seufzer zurück. Er hatte ein wenig Geld, aber er wusste, dass er es sich nicht leisten konnte, es für Süßigkeiten zu vergeuden. Nein, er musste sich mit Mutters Corned Beef Broten begnügen, die sie diesen Morgen eilig geschmiert hatte.

„Ja," sagte Angelina, und sie ging dazu über eine ziemliche Menge an Süßigkeiten, unter anderem verschiedene Kesselkuchen, Kürbispasteten, Schokofrösche und ein paar Päckchen Bertie Botts Bohnen in Allen Geschmacksrichtungen, zu kaufen.

„Das willst du alles essen?" sagte George beeindruckt.

„Nein," sagte Angelina. „Ich teil's mir mit Fred."

Freds Gesicht erhellte sich. „Cool! Danke, Angie."

"Hey!" sagte George empört. "Wie kommt's, dass ich nichts kriege? Und erzähl mir nicht diesen Mist, von wegen ‚du bist der Besondere Zwilling'."

„Ich will auch was!" sagte Lee und schmollte wieder.

„Kauf dir selbst, Lee," sagte Angelina scharf.

„Schön," sagte Lee, und er schritt dazu, so viele Süßigkeiten wie Angelina zu kaufen. „Und ich esse jede Einzelne!" Er grinste und stopfte sich begierig einen Kesselkuchen in den Mund.

Währenddessen erwarb Alicia eine reichliche, jedoch etwas kleinere Menge an Süßigkeiten.

„Ich teil mit dir, Georgie," sagte sie und lächelte süß. George lief knallrot an und Fred kicherte.

Alle bezahlten die Hexe und sie watschelte davon; einige Minuten lang hörte mein kein Gerede, nur das Auswickeln und Essen von Süßigkeiten. Alicia, George und Lee schienen sich alle zusammen über ihren Süßigkeiten zu sammeln, sodass Fred und Angelina übrig blieben.

Angelina öffnete eine Schachtel Bertie Botts Bohnen in Allen Geschmacksrichtungen und zog eine scheußliche, blassgraue Bohne heraus.

„Das sieht nicht vielversprechend aus," sagte sie und grinste Fred dann an. Sie biss ein winziges Stück von der Bohne ab.

„Pfui!" schrie sie. „ich denke, die hat Fusselgeschmack."

Fred griff sich eine Handvoll Bohnen und steckte schnell eine kotzgrüne in seinen Mund.

„Bäh!" sagte er sofort. „Erbsensuppe. Ich HASSE Erbsensuppe."

"Rosenkohl," sagte Angelina und verzog ihr Gesicht ob der zweiten Bohne, die sie gekostet hatte.

„Erdbeere," sagte Fred fröhlich. „Das ist schon besser. Aber die hier sieht ekelhaft aus. Hier, iss du sie." Er schmiss die Bohne nach ihr und sie sprang ihr auf die Nase. Sie fing sie in ihrer Hand, bevor sie zu Boden fiel.

„Die esse ich nicht," sagte sie. „Iss du sie." Und sie warf sie zurück zu ihm, wo sie ihn an der Stirn traf.

„Iss du sie!" sagte er lachend und warf sie zurück zu ihr, aber er zielte vorbei und die Bohne knallte gegen die Rückenlehne eines leeren Sitzes.

„Nein, du!" kreischte Angelina, die jetzt wie verrückt kicherte. Sie griff sich eine Handvoll Bohnen und schmiss sie nach Fred.

„Hey!" Er schmiss seine Handvoll Bohnen nach ihr.

„ESSENSSCHLACHT!" kreischte Lee Jordan, und binnen Sekunden war das Abteil ein einziges Chaos mit Süßigkeiten, die in alle Richtungen flogen.

Alicia wurde mit einem Kesselkuchen an der Stirn getroffen; es tat ihr überhaupt nicht weh, aber er hinterließ einen großen Klecks Zuckerguss, der sich in ihren Haaren verschmierte. Schokofrösche begannen, aus ihren Boxen zu hüpfen; einer ließ sich in Freds Haaren nieder. Angelina wurde von einer Kürbispastete an der Schulter erwischt; sie landete nass auf ihrem Umhang und hinterließ dort einen klebrigen Fleck. Und über allem tönten Schreie und Gekreische und Gekicher. Butch die Tarantel war in Aufruhr und schnappte nach herunterfallenden Stücken der Süßigkeiten mit seinen haarigen Zangen, als diese direkt vor seinem Drahtkäfig landeten.

„WAS IST HIER LOS?"

Der Klang einer neuen Stimme ließ die Essensschlacht genauso abrupt enden wie sie begonnen hatte.

Fred, der jetzt bedeckt war mit Süßigkeiten, schaute auf zu Percy, der in der Tür stand, mit Penelope Clearwater. Penelope hatte einen überraschten Ausdruck auf ihrem Gesicht, aber Percy sah vollkommen angewidert aus.

Fred blickte zu George und beide grinsten.

„Hiya, Percy," sagte Fred munter. „Lust auf ein paar Süßigkeiten?"

"Ich hab hier gerade eine Kürbispastete," sagte George. „Oder zumindest ein Stück davon." Er schälte ein Stück Kürbispastete von seinem Gesicht und hielt es vor.

„Noch nicht mal in der Schule und ihr zwei verhaltet euch schon wie—wie IDIOTEN," sagte Percy böse.

„Ach, KOMM schon, Percy, das ist nur ein bisschen Spaß," sagte Fred genervt.

„Euer bisschen Spaß hat eine Schweinerei verursacht," schnauzte Percy. „Ich werde euch beiden eine Strafarbeit geben."

„WAS!" brüllten Fred und George und standen beide zornig auf.

„Das kannst du nicht machen!" protestierte Fred.

„Ich hab's gerade macht," sagte Percy hitzig.

„Das ist total unfair!" sagte George.

„Schön, Strafarbeit für JEDEN!" brüllte Percy. „Jetzt zufrieden, Fred, George? Aber da ich mich heute großzügig fühle, werde ich Mum deswegen keine Eule schicken. Räumt in der Zwischenzeit dieses Durcheinander auf. Und Lee, schrumpf diese Spinne zurück auf ihre normale Größe."

„Du kannst uns nicht rumkommandieren—" fing George an.

„Pass auf," sagte Percy. „Oder soll ich Mum doch schreiben, damit sie euch zehn Heuler schickt, bevor das Schuljahr überhaupt anfängt?"

Fred öffnete seinen Mund, um etwas zu sagen, doch stoppte. Es war schon sein und Georges Fehler, dass Lee, Alicia und Angelina Strafarbeiten hatten. Er wollte sie – vor allem Angelina – nicht in noch mehr Schwierigkeiten bringen.

„Schön," sagte Fred stattdessen durch zusammengebissene Zähne. „Könntest du jetzt bitte GEHEN, damit wir aufräumen können?"

Percy starrte erst Fred, dann George an.

„Ich warne euch beide," sagte Percy. „Keine krummen Sachen dieses Jahr. Mum und Dad haben genug Probleme, ohne dass ihr zwei noch welche verursacht." Er drehte sich zu dem Mädchen an seiner Seite. „Lass uns gehen, Penny."

Penelope – die kein Wort gesagt hatte – nickte bloß und folgte Percy durch den Waggon.

„Depp," sagte Fred und schlug die Abteiltür zu.

„War er schon immer so?" sagte Angelina.

„So ziemlich," sagte Fred bitter. „Nur ist er jetzt schlimmer. Jetzt, wo er VERTRAUENSSCHÜLER ist."

George gab einen Würgelaut von sich. „Verdammter unausstehlicher Wichser," sagte er wütend.

„Scheiße," sagte Fred. „Tut uns leid. Jetzt habt ihr drei auch Strafarbeiten."

„Ach, ist mir egal, Kumpel," sagte Lee. „Strafarbeit ist doch nie allzu schlimm."

„Mir ist es auch egal," sagte Angelina.

George drehte sich zu Alicia.

„Na ja," sagte sie langsam. „Ich bin nicht begeistert darüber, aber ich HABE mitgemacht, also kann ich mich nicht wirklich beschweren, oder?"

George grinste. „Das ist die Einstellung, 'Liss. Du hattest vorher noch nie Strafarbeit, stimmt's?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Na dann, Willkommen im Klub," sagte Fred grinsend. „Jeder hatte zumindest EINE Strafarbeit in seiner Zeit in Hogwarts."

„Außer Percy," sagte George. „Und schau dir an, was aus ihm geworden ist."


Die Schule fing für Fred ganz gut an. Er leistete seine Strafarbeit, und noch eine zweite (dafür, dass er Lee geholfen hatte, Butch im Zug auf ein paar Slytherins loszulassen). Er war auch nicht begeistert über seinen Stundenplan. Snape war so fürchterlich wie immer. McGonagall war nicht minder streng (obwohl Fred wusste, dass sie insgeheim ziemlich stolz auf ihn und George war, zeigte sie ihnen nie ihre Vorliebe oder ließ sie mit irgendetwas davonkommen). Der Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste war eher ein Scherz. Er war neu – es schien, als ob niemand auf diesem Posten mehr als ein Jahr lang durchhalten konnte – und sein Name war Professor Quirrell. Er stotterte ziemlich arg, sah immer so aus, als ob er aus Furcht aus dem Raum flüchten wollte und er trug einen seltsamen purpurnen Turban, der leicht nach Knoblauch roch. Es ging das Gerücht um, dass Quirrell irgendwo einem Vampir begegnet sei und ihn das in den Wahnsinn getrieben habe. Auf jeden Fall war er als Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste nicht viel Wert.

Das größte Problem in diesem Schuljahr, soweit es Fred anging, war die Quidditch-Mannschaft. Gerald Prewitt und Michael Marchbanks hatte beide letztes Jahr die Schule abgeschlossen. Es war relativ einfach, Marchbanks zu ersetzen; sie fanden eine fähige Jägerin bei den Auswahlspielen, eine Zweitklässlerin namens Katie Bell. Aber einen Sucher zu finden stellte sich als unmöglich heraus. Niemand besaß die richtige Kombination von Geschwindigkeit, Behändigkeit und Reaktionsvermögen (das Auge nicht zu vergessen), um den Schnatz zu fangen. Es fuchste Fred ohne Ende, dass die Gryffindors den Quidditchpokal nicht mehr gewonnen hatten, seit Charlie gegangen war. Aber wer könnte schon so ein guter Sucher wie Charlie sein?

Aber wenn Fred schon verdrossen war wegen Gryffindors Quidditch-Problemen, war Oliver Wood sowohl wütend als auch besessen. Er hatte seit seinem zweiten Jahr – dem Jahr, in dem Charlie gegangen war – Hüter für das Team gespielt und Gryffindor hatte seitdem den Pokal nicht mehr gewonnen. Es war Woods fixe Idee, den Quidditchpokal zu gewinnen, bevor er die Schule verließ. Jetzt, wo er in seinem fünften Jahr war, fing er an, deswegen panisch zu werden.

Das Sucherproblem wurde jedoch unter den aller undenkbarsten Umständen gelöst. Fred hörte die Details erst später, aber eines Abends, als er und George zum Quidditch-Training kamen (zu spät, weil sie eine Strafarbeit abgeleistet hatten, weil sie die Klobrillen im Jungenklo so verhext hatten, dass diese angefangen hatten zu singen), erlitt Fred den Schock seines Lebens.

Im Quidditchzelt saß, gekleidet in Ausrüstung und einen beeindruckenden Nimbus 2000 Besen tragend, kein anderer als Harry Potter.

Es kam nicht oft vor, dass irgendetwas Fred (oder George) sprachlos machte, aber Harry Potter – den berühmten Harry Potter, und dazu noch nur ein Erstklässler – dort im Gryffindor-Quidditchumhang sitzen und den neusten Nimbus (den besten Besen der Welt) halten zu sehen, war eins dieser Dinge.

„Hey," sagte Wood munter. "Das ist unser neuer Sucher. Ich denke, ihr kennt ihn mittlerweile."

„H-hallo," sagte Harry. Er sah sehr nervös aus, und sehr klein und dürr. Fred fragte sich, wie genau dieses Kind vor hatte, überhaupt auf seinem Besen zu bleiben – er konnte nicht mehr als 40 kg wiegen. Aber Fred lächelte Harry trotzdem an und setzte sich, als Wood weiter über Strategie schwallte.

Nach nur zwei Minuten davon stellte Fred auf Durchzug. Er schenkte Woods schmerzhaft langen Strategiesitzungen nie viel Aufmerksamkeit. Wofür sollte er denn aufpassen? Er war ein Treiber; seine Aufgabe war es, sicherzustellen, dass Klatscher sein Team nicht von ihren Besen hauten. Strategie war für die Jäger.

Freds Augen wanderten zu Angelina. Sie sah gelangweilt aus, aber sie schien zu versuchen, aufzunehmen, was Wood sagte. Sie drehte sich um, schaute Fred an und lächelte. Er lächelte zurück. Er ließ seine Augen auf ihr ruhen, als Wood weiterlaberte über Faultierrollen. Fred schaute Angelina gerne an.

„Na gut, los geht's," sagte Wood scharf. Seine Stimme brachte Fred aus seinem Tagtraum und er und George folgten dem Rest der Mannschaft aus dem Zelt hinaus und auf das Feld. Angelina kam an Freds Seite.

„Kannst du das glauben?" flüsterte sie. „Harry Potter, ein Sucher?"

„Ja, wie ist das überhaupt passiert?" flüsterte Fred zurück.

„McGonagall," sagte Angelina. „Scheinbar sah sie ihn während seines Erstklässler-Flugunterrichts fliegen. Sagt, er wäre ein Naturtalent. Sogar besser als Charlie."

„Niemand ist besser als Charlie," sagte Fred verteidigend.

„Ich sage nur, was SIE gesagt hat," sagte Angelina. „Ich weiß, Charlie ist der Beste."

Sie grinste Fred an und er grinste zurück. Angelina war ein loyaler Freund.

Aber sobald Fred in der Luft war und Harry fliegen sah, stellte er fest, dass McGonagall recht hatte. Harry flog erstaunlich gut; er hatte eine natürliche Affinität mit seinem Besen, er hatte keine Angst, gewagte Bewegungen auszuprobieren und er hatte fantastische Reflexe.

Allerdings war Harrys Besen auch weitaus besser als Charlies, also konnte er schneller fliegen. Dann war da die Tatsache, dass Harry klein war; das verschaffte ihm einen Vorteil bezüglich Reaktionsvermögen, Behändigkeit und dabei, scharfe und schwierige Kurven zu machen. Charlie hatte seine eigene eher große Statur und seinen alten Besen überwunden und war an der Schule zu so etwas wie einer Legende geworden.

Trotzdem konnte Fred sagen, dass Harry in der Tat ein Naturtalent war. Noch mehr so, wenn man bedachte, dass das Kind noch nicht mal geflogen war, bis es nach Hogwarts kam (das wusste Fred von Ron).

Das Training endete drei Stunden später; sie waren alle verschwitzt und erschöpft, aber Fred musste zugeben, dass er beeindruckt war, nicht nur von Harrys Fliegen, sondern von dem Zusammenhang des Teams als Gesamtes. Dieses Jahr könnten sie endlich den verdammten Pokal gewinnen.


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