Kapitel Sechs: Mistelzweige und andere Komplikationen

„Ich kann nicht glauben, dass du sie ihm tatsächlich gegeben hast," sagte Angelina mit vor Schock aufgerissenen Augen.

Sie und Fred wanderten gerade ziellos durch Hogsmeade und genossen ihren vorweihnachtlichen Besuch im Dorf vollkommen, trotz der Kälte.

„Ach, na ja, George und ich brauchten sie nicht mehr," sagte Fred lässig. „Ich meine, wir kennen das Ding auswendig. Und überhaupt, du und ich wissen beide, dass das arme Kind eine Pause braucht. Nach all dem Zeug mit den Dementoren..."

„Kein Witz," sagte Angelina. „Ich dachte, Wood würde sich nach dem ersten Spiel was antun. Aber Harry scheint ganz gut drüber weg zu kommen."

„Würde ich auch sagen," sagte Fred herzlich. „Ich denke, Wood hat Recht, Angie. Der Pokal IST dieses Jahr in der Tasche."

„Das wäre besser so," sagte Angelina, „oder Wood wird sich umbringen und Harry für sein Leben geprägt sein." Sie zitterte. „Ich friere. Lass uns was trinken gehen, ja?"

„Drei Besen?" sagte Fred

„Nee," sagte Angelina. „Ein Butterbier würde mich in diesem Zustand nur zum Schlafen bringen. Was ist mit einem Kaffe bei Madam Puddifoot's?"

„Ach, Angie, DA?" sagte Fred stöhnend. „Da ist es so...kitschig."

„Ich weiß," sagte Angelina und rollte mit den Augen. „Aber es ist der einzige Ort, um anständigen Kaffee zu kriegen. KOMM schon, Fred."

„Ich bin viel, viel zu gut für dich, Angie."

Die zwei zogen rüber zu Madam Puddifoot's.

Es war in der Tat ein kitschiger Ort. Schleifen und Fähnchen waren überall verteilt, um Stühle und Tische gewickelt. Über jedem kleinen Tisch (an denen jeweils nur zwei sitzen konnten) gab es einen dicken Cherubim, der eine Weihnachtsmannmütze trug und alles und jeden mit rotem und grünem Konfetti bewarf.

Der Ort war brechend voll mit Pärchen, die meisten ziemlich enthusiastisch knutschend über ihren Tischen hängend.

„Dafür schuldest du mir was," sagte Fred. „Dieser Ort ist grausig."

„Nicht wahr?" sagte Angelina grinsend. „Lass uns da drüben hin gehen. Puddifoot hat vergessen, einen Cherubim für diesen Tisch zu besorgen."

„Danke Gott für kleine Gefallen," sagte Fred trocken, und sie setzten sich in einer Ecke des Ladens hin. Es war warm und gemütlich, obwohl es wie in einem unheimlichen, grellen Lebkuchenhaus aussah. Eine kleine, dicke Hexe kam angewatschelt.

„Fröhliche Weihnachten, Schätzchen!" sagte sie und ihre rosa Wangen wackelten, als sie sprach. „Was darf's sein?"

„Einen Kaffe, eine heiße Schokolade und," sagte Angelina mit einem Grinsen an Fred, „zwei Stück Schokoladenkuchen."

„Ausgezeichnet," sagte Fred dankbar. „Du bist die beste, Ange."

„Sehr gut, Schätzchen," sagte die Hexe und watschelte davon.

„Also, Fred, was planst du dieses Jahr?" sagte Angelina. „Für Weihnachten."

„Wir bleiben wieder hier," sagte Fred. „Percy bringt Penelope über Weihnachten mit nach Hause, um Mum und Dad ‚in aller Form' zu treffen und ich glaube nicht, dass ich die Gesellschaft dieser zwei – also Percy und Penelope – länger als zwei Sekunden vertragen kann, bevor ich den überwältigen Drang verspüre, mich zu übergeben."

„Sie sind ein bisschen abscheulich," stimmte Angelina zu. „Denkst du, sie werden heiraten?"

„Machst du Scherze?" sagte Fred. „Schulsprecher und Schulsprecherin? Das steht praktisch in den Sternen. Und du weißt, was das bedeutet. Mehr Percys, um die Welt zu verschmutzen."

„Bitte sehr, Schätzchen," sagte die dicke Hexe, als sie ihre heißen Getränke und den warmen Schokoladenkuchen ausbreitete. „Guten Appetit."

Angelina gab der Hexe etwas Geld, bevor Fred auch nur in seinem Umhang nach etwas greifen konnte. Die Hexe nahm es und gab Fred einen kühl musternden Blick. Fred errötete bis unter die Haarspitzen, als die Hexe davon watschelte.

„Ähm," sagte er und fühlte sich sehr dumm, „Entschuldigung, ähm, ich zahl es dir zurück."

„Vergiss es," sagte Angelina mit erhobenen Händen. „Wir sind Kumpel, ja?"

„Ich weiß," sagte Fred verdrießlich. „Ich...hasse einfach...weißt du."

Angelina nickte und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. Fred saß bewegungslos da und fühlte sich dabei sehr albern. Er hasste es, arm zu sein!

„Ähm, Fred, deine heiße Schokolade wird kalt werden, wenn du sie nicht trinkst," sagte Angelina sanft.

Fred grinste schwach zu ihr hoch und nahm einen Schluck von dem Kakao.

„Gutes Zeug," sagte er mit einem gezwungenen Lächeln.

Angelina grinste und war im Begriff, einen weiteren Schluck Kaffee zu trinken.

„Verdammt!" sagte sie wütend, und sie schaute hoch.

„Was?" Fred schaute auch nach oben. Ein Cherubim schwebte über ihnen und schlenkerte einen fetten Mistelzweig herum.

„So viel zum Thema Kaffe," sagte Angelina sauer und fischte ein Stück von der Pflanze aus ihrem Getränk.

„Du kannst das doch immer noch trinken," sagte Fred.

„Nein," sagte Angelina verdrießlich. „Misteln sind giftig. Wer weiß, was aus diesem Blatt geflossen ist, als es meinen Kaffee traf. Anscheinend muss ich noch einen bestellen."

„Mach das nicht," sagte Fred. „Wir können teilen." Er schob seinen heißen Kakao zu ihr rüber. Sie lächelte.

„Danke," sagte sie. „Wie romantisch."

Fred verdrehte die Augen. „Was soll das denn heißen, meine Liebe?"

„Da sitze ich hier, teile mir heiße Schokolade mit einem gut aussehenden Jungen und wir sitzen unter einem Mistelzweig," sagte Angelina und mit einem dramatischen Augenaufschlag. „Ist es nicht einfach...ROMANTISCH?"

Fred wurde rot. „Du denkst, ich sehe gut aus?"

Angelina grinste. "Natürlich tust du das. Warum, denkst du nicht, ich bin hübsch?"

„Machst du Witze?" sagte Fred „Du bist umwerfend."

„Na, danke sehr," sagte Angelina in einem sehr bescheidenen Tonfall.

Fred nahm einen Schluck von der heißen Schokolade. Mittlerweile fühlte er sich sehr warm, was höchstwahrscheinlich wenig mit dem Getränk oder der Wärme des Teeladens zu tun hatte. Er und Angelina waren seit letztem Jahr, als sie während dieser entsetzlichen Odyssee mit Ginny für ihn da gewesen war, sehr enge Freunde geworden. Während des Sommers hatten sie einander häufig geschrieben – sehr zum Schock von allen Familienmitgliedern, da Fred niemals irgendetwas schrieb, außer er musste unbedingt. Aber jetzt, da sie in ihrem fünften Schuljahr waren, hatte Fred bemerkt, wie flirtend seine Freundschaft mit Angelina doch geworden war.

Fred würde sich nicht selbst belügen. Er fühlte sich zu Angelina hingezogen. Er konnte eigentlich nicht verstehen, wie sich irgendein Kerl NICHT zu ihr hingezogen fühlen konnte. Sie war in der Tat umwerfend. Klug. Tough. Witzig. Eine geniale Quidditchspielerin. Wer konnte ihr schon widerstehen?

‚Ich kann,' dachte Fred. Und das hatte er. Das sollte nicht heißen, dass er nicht oft eingeschlafen war mit Bildern von ihrer wunderschönen Sahnekaffe-Haut und ihrem üppigen, vollen Mund, die in seinem Kopf herumtanzten. Dass sollte nicht heißen, dass er nicht bei Gelegenheit versucht war, diese scheinbar unsichtbare Linie der Freundschaft, die immer zwischen ihnen gewesen war, zu überqueren. Aber er hatte der Versuchung immer stand gehalten.

Sie war sein bester weiblicher Kumpel auf der Welt; er würde ihr nicht mal im Traum nachstellen. Das wäre der Untergang von dem Großartigen, was sie hatten. Angelina schien genauso zu fühlen. Sie flirteten sozusagen miteinander, um Dampf abzulassen, strebten aber aktiv die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts bei anderen Leuten.

Fred grinste Angelina verschmitzt an.

„Du willst es romantisch," sagte er, „warum rennst dann nicht mit Roger Davies rum?"

Angelina wurde rot und schaute weg. „Ehrlich, Fred."

„Komm schon, Angie, du hast mir nur schon so ungefähr hundert Mal von ihm vorgeschwärmt," sagte Fred und knuffte sie spielerisch in den Arm.

„Er hat mich kaum einmal angeschaut," sagte Angelina, während sie einen Schluck Kakao nahm.

„Dann ist er blind UND blöd," sagte Fred.

„Danke, denke ich," sagte Angelina. „Und was ist mit dir? Irgendwelchen Erfolg mit wie heißt sie doch gleich? Diese blonde Ravenclaw? Marina Edgecombe?"

„Marietta," sagte Fred, wobei er ihren Namen singsangmäßig in die Länge zog. „Die süße Marietta. Weißt du, ich denke nicht, dass Miss Edgecombe meinem Charme schon erlegen ist."

„Dann ist SIE blind und blöd," sagte Angelina grinsend.

„Wie kommt es, Angie, dass zwei so fabelhafte Menschen wie wir so...unbemerkt bleiben?"

„Ungeliebt," sagte Angelina, übernahm dabei das Thema und gab dem Ganzen einen dramatischen Klang, während sie sich mit einer schwungvollen Bewegung einen kleinen Bissen von dem Kuchen abschnitt.

„Unverstanden," sagte Fred mit einem Kopfschütteln und nahm sich auch ein Stück Kuchen. „Verdammt, der Kuchen ist gut."

„Mmm," sagte Angelina, während sie einen Bissen von dem Kuchen nahm und es genießerisch kaute. „Himmel."

„Jetzt reicht's aber, Angie," sagte Fred und schlug sie spielerisch. „Deinen Kuchen so zu essen."

„Macht dich das an?" sagte Angelina mit einem schelmischen Lächeln.

„Natürlich," sagte Fred.

„Schwein," sagte Angelina.

„Aufreißerin," sagte Fred.

In dem Moment schwebte noch ein Stück Mistelzweig sanft herunter und landete auf dem Tisch. Fred schaute verzweifelt auf.

„Verdammt," sagte er. „Dieser Cherubim ist IMMER NOCH hier? Hey, du! Fettes kleines Baby! Geh weg!"

Der Cherubim lächelte selig und schwenkte den Mistelzweig.

„Verschwinde schon!" sagte Angelina mit einer Hand wedelnd.

„Er wird nicht gehen, Schätzchen!" rief die fette Hexe. „Nicht bevor ihr euch küsst!"

„Was?" sagte Fred.

„Sie meinen—" fing Angelina an.

„Ich befürchte es, Schätzchen," sagte die Hexe lächelnd. „Es ist die Regel. Unter dem Mistelzweig und so."

„Zur Hölle," sagte Angelina flüsternd.

„Verdammt," sagte Fred.

„Vielleicht sollten wir einfach gehen," sagte Angelina.

„Auf keinen Fall," sagte Fred. „Ich will meinen Kuchen haben und ihn auch essen, danke sehr."

„Was dann?" sagte Angelina. „Wir küssen uns einfach und dieses dumme Kleinkind verschwindet?"

„Ich nehm's an," sagte Fred.

„Wäre das nicht seltsam, du und ich...küssen?"

„Du hast nicht vor, mir deine Zunge in den Hals zu stecken, oder, Johnson?" sagte Fred mit einem spitzbübischen Grinsen.

„Hättest du wohl gerne, Weasley," konterte Angelina.

Sie schauten einander einen Moment lang an, und noch ein Stück Mistelzweig schwebte herunter und landete auf Freds Haar.

„Zur Hölle," sagte Fred.

„Lass es uns über die Bühne bringen," sagte Angelina.

Fred nickte, und die zwei lehnten sich über den Tisch und küssten sich.

Es war binnen des Bruchteils einer Sekunde vorbei. Nur der flüchtigste Lippenkontakt. Ein Küsschen. Nichts dahinter als rein platonische Gefühle. Aber als Fred sich wieder hinsetzte, kribbelten seine Lippen. Wow. Er hatte so etwas noch zuvor nie gefühlt, wenn er ein Mädchen geküsst hatte. Und er hatte...einige geküsst.

„Na gut, also," sagte Angelina. Sie schauten hoch, nur um festzustellen, dass der dumme Cherubim immer noch da war.

„Hey, Idiot!" rief Fred dem Cherubim zu. „Wir haben uns geküsst. Du kannst jetzt gehen."

„Oh, DAVON wird er nicht gehen," sagte ein Mädchen an dem Tisch neben ihnen. Fred und Angelina drehten sich um und erblickten einen Jungen und ein Mädchen, die sehr dicht beisammen an ihrem Tisch saßen. Das Mädchen war unbekannt, aber der Junge war Cedric Diggory, ein Hufflepuff.

„Was meinst du?" sagte Angelina.

„Ihr müsst euch RICHTIG küssen," sagte Cedric grinsend. „So."

Und er lehnte sich hinüber und demonstrierte einen Richtigen Kuss. Fred schluckte. Das war definitiv mehre als ein freundschaftliche Art von Kuss.

„Lass uns einfach gehen," flüsterte er Angelina zu.

„Genau." Sie machten sich daran, aufzustehen, aber der Cherubim fing an, in Kreisen um sie herum zu fliegen, wobei er mehr von dem Mistelzweig verlor. Sie setzten sich wieder hin.

„Macht es besser," sagte Cedric. „Oder der kleine Quälgeist wird euch nie allein lassen."

„Zur Hölle," sagten Angelina und Fred zusammen.

„Sieh mal, es ist nur ein Kuss," sagte Angelina nach einem Moment.

„Genau," sagte Fred.

„Wir haben beide schon andere Leute geküsst, oder?" sagte Angelina. „Es ist also nicht so, als ob das unser erster Kuss überhaupt ist oder so was."

„Wen hast du geküsst?" sagte Fred.

Sie gab ihm Den Blick.

„Oh," sagte Fred. „Richtig. Du sagst es mir später."

„Also," sagte Angelina. „Willst du...du weißt schon."

„Ich geh davon aus," sagte Fred. „Ich meine, das heißt, wenn du nicht denkst, dass es...seltsam wäre."

„Ich denke, wir können damit umgehen," sagte Angelina. „Können wir doch?"

„Ja," sagte Fred, obwohl er es nicht gänzlich glaubte.

Fred und Angelina blickten einander an, dann zuckte Angelina irgendwie mit den Schultern. Fred gab das Schulterzucken zurück. Sie lehnten sich nah aneinander, und gerade bevor Fred sie küsste, leckte sich Angelina über die Lippen. Fred fühlte wie sich in seinen...niederen Regionen etwas rührte, aber bevor er das komplett verarbeiten konnte, waren Angelinas Lippen auf seinen.

Das Kribbeln, das er von diesem ersten schnellen Küsschen in seinen Lippen gespürt hatte, war nichts verglichen mit dem Kribbeln, das er jetzt spürte, ein Kribbeln, das sich in seinen gesamten Körper ausbreitete. Für einen kurzen Moment bewegte sich keiner von beiden, aber dann schien es so, als ob sich Angelina ein bisschen mehr vorbeugte und ihren Kopf neigte, nur ein wenig, und Fred schien zu vergessen, dass er seinen besten weiblichen Kumpel überhaupt küsste und dass er sie nicht küssen sollte, und er küsste sie. Ihre Münder öffneten sich von selbst und Fred fühlte eine Spannung in seiner Hose, als ihre Zungen aneinander streiften. Ihre Lippen waren so weich wie...er wusste nicht was, aber sie waren verdammt weich. Ihr Mund schmeckte nach Schokolade. Plötzlich war er nicht länger in einem geschmacklosen Teeladen voll von Leuten. Er war Anderswo, allein mit Angelina, küssend. Wie er noch nie jemanden zuvor geküsst hatte.

Sie riss sich abrupt los.

„Das...scheint geklappt zu haben," sagte sie schnell. Ihr Gesicht war rot und ihre Lippen waren ein wenig rosa. Fred blinzelte und schaute hoch. Der Cherubim war weg. Freds Augen wanderten hinüber zum Nebentisch. Cedric Diggory grinste sie triumphierend an.

„Seht ihr, was ich meine?" sagte er.

„Ja," sagte Fred und fühlte, wie sein Gesicht heiß wurde. Seine Hose zwickte ihn ziemlich arg. „Genau."

Er stand auf, dankbar, dass sein Umhang gewisse Dinge kaschierte. Angelina schaute ihn nicht an, aber sagte, „Lass uns gehen, ja?" Und sie eilte aus dem Teeladen hinaus, wobei sie gegen mehr als ein paar Tische stieß.

Fred eilte ihr wie in einem leichten Taumel nach. Er war dankbar, raus zu kommen, zu fühlen, wie das Stechen der scharfen kalten Luft ihn wie eine Art wiederbelebenden Schlag traf. Sein Hirn drehte sich.

Er schaute auf und sah Angelina drüben bei einem Baum, das Gesicht abgewendet. Sie sah sehr angespannt aus.

„Ähm, Angie?" Er näherte sich ihr zögerlich an. „Geht's dir gut?"

Sie drehte sich zu ihm. „Bestens," sagte sie, aber ihre Stimme klang angespannt.

„Schau, ähm, wegen dem, was da drin passiert ist—"

„Es ist okay, Fred," sagte sie.

„Nein, ich hätte nicht—"

„Ich war auch dabei—"

„Wir sind Kumpel—"

„Beste Kumpel—"

„Ich bin nur ein bisschen hinreißen lassen—"

„Ich auch," sagte Angie.

„Ähm, tut das...ich meine, es wird doch jetzt nicht seltsam sein, oder?" sagte Fred. „Ich meine, mit dir und mir?"

Angelina schaute ihn an. „Ich...Ich weiß nicht. Ich will nicht, dass es seltsam wird."

„Ich auch nicht," sagte Fred inbrünstig. Er hasste sich in diesem Moment selbst. Er hatte sie wirklich, WIRKLICH gern geküsst. Aber nicht, wenn es ihn ihre Freundschaft kostete.

„Sieh mal, Fred," sagte Angelina langsam. „Du und ich sind beste Kumpel und, na ja, ich werde nicht lügen und sagen, dass ich nicht auch...anders über dich gedacht habe. Weißt du."

„Ja," sagte Fred. „Ich meine, ähm, ich habe darüber...über dich...auch nachgedacht. Anders."

„Nun ja, ich meine, wir werden erwachsen, stimmt's?" sagte Angelina. „Hormone und all das?" Sie lachte nervös.

„Scheiß auf diese blöden Hormone," sagte Fred und lachte auch – aber es war ebenso gezwungen.

„Ich will einfach nicht riskieren, dass unsere Freundschaft—"

„Verloren geht," sagte Fred. „Ich auch nicht."

„Okay," sagte Angelina. „Also, ähm, geht's uns gut?"

„Jep," sagte Fred. „Weißt du, ich denke...ich denke schon."

Abgesehen davon, dass es Fred nicht ganz so gut ging. Er fühlte sich, als ob man ihm den Boden seiner schieren Existenz unter den Füßen weggerissen hätte. Wie oft hatte er sich davor zurückgehalten, diese Grenze mit Angelina zu überschreiten? Hatte er nicht erst Minuten bevor dieser blöde Cherubim auftauchte genau darüber nachgedacht? Und dann hatte er es zugelassen, dass er sie küsste – sie RICHTIG küsste – wegen eben diesen blöden Cherubim?

„Bist du sicher?" sagte Angelina besorgt, seinen unsicheren Gesichtsausdruck klar lesend.

„Ich bin sicher," sagte Fred fest und zwang sich selbst, es zu glauben. Irgendwie tat er es.

„Also, ähm, dann nichts mehr mit küssen?" sagte Angelina. „Ich meine, zwischen dir und mir."

„Genau," sagte Fred. „Aber was Raumknutschen mit anderen Leuten betrifft, das geht."

„Absolut," sagte Angelina.

„Großartig," sagte Fred und fühlte sich dabei ein bisschen mehr im Reinen. Okay, er hatte diese unerwartete Hürde überwunden. Sie hatten sich geküsst – ein ECHTER Kuss – und er und ihre Freundschaft hatten es überlebt. Sie konnten damit umgehen.

Wie um es sich selbst zu beweisen, kehrte Fred zu seiner alten Koketterie zurück.

„Also, war ich denn gut?" fragte er grinsend, und ohne es zu merken machten sie sich auf den Weg zurück Richtung Ortmitte.

„Gut?" sagte Angelina abwesend. „Wobei? Küssen?"

„Nein, Zaubertränke," sagte Fred. „Ja, küssen."

„Nicht schlecht," sagte Angelina. Eigentlich ziemlich gut."

Fred grinste.

„Und?" sagte Angelina. „Was ist mit mir?"

„Ach, richtig," sagte Fred mit einem noch breiteren Grinsen. Angelina schlug ihn auf den Hinterkopf.

Er lachte. „Du bist großartig," sagte Fred. "Ehrlich. Davies wird nicht wissen, wo ihm der Kopf steht."

„Danke," sagte Angelina. „Wenn jetzt doch bloß Roger Davies den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen und merken würde, wie wunderbar ich bin."

„Und wenn Marietta doch bloß merken würde, wie fantastisch ich bin," sagte Fred sehnsüchtig.

Sie gingen einen Moment in geselliger Stille weiter, als sich Fred an etwas erinnerte.

„Hey," sagte er. „Du hast mir gesagt, du hättest schon mal jemanden geküsst. Wen?"

Angelina errötete. „Oh," sagte sie. „Na ja, es war, ähm...Lee Jordon. Um ehrlich zu sein."

Fred blieb wie angewurzelt stehen. Ihre Worte trafen ihn wie ein harter Schlag in die Magengrube.

„Du...hast mit Lee geknutscht?"

Angelina schaute weg. Sie wurde rot und sah entsetzlich verlegen aus.

„Ein Mal," sagte Angelina. „Nach, ähm, nach diesem ersten Quidditchspiel. Mit Hufflepuff. Das, das wir verloren haben."

„Ich will keine Details, Angie!" sagte Fred, der plötzlich wütend war, ohne zu verstehen, warum.

„Na ja, du hast gefragt!" sagte Angelina verteidigend.

„Ich hatte nicht erwartet, dass deine Antwort mein bester Kumpel wäre!" sagte Fred und fühlte sich bei dem bloßen Gedanken schon krank. Sie konnte jeden Kerl in der Schule küssen. Außer Lee. Fred wusste nicht, warum ihn das so aufregte. Er wusste nur, dass es es tat.

„Was hast du denn?" sagte Angelina hitzig.

„Er ist mein bester Kumpel!" wiederholte Fred.

„Ich bin auch dein bester Kumpel!" sagte Angelina.

„Das ist was anderes!" sagte Fred.

„Ach, VERDAMMT noch mal, Fred, es hat nichts bedeutet, okay?" sagte Angelina, in eine ihrer charakteristischen Flüche verfallend, die sie bekam, wenn sie die Geduld verlor.

„Und warum hast du's dann gemacht?"

„Weil's mir nach diesem Spiel verdammt mies ging, okay?" sagte Angelina wütend. „Wenn ich mich recht erinnere, warst du selbst auch beschäftigt."

„Was meinst du?"

„Denkst du, ich hätte dich nicht mit Priscilla Parkinson unter die Tribünen verschwinden sehen?" sagte Angelina vorwurfsvoll. „Einer verdammten SLYTHERIN, Fred. Was sagst du jetzt?"

„Hey!" sagte Fred. „Priscilla ist ein absolut nettes Mädchen!"

„Für eine Slytherin," sagte Angelina.

„Zumindest ist sie nicht deine beste Freundin," sagte Fred.

„Warum sollte es mich stören, wenn du mit meiner besten Freundin rumknutschst?" sagte Angelina. „Besser Alicia als eine SLYTHERIN."

„George würde abdrehen, wenn ich mit Alicia knutschen würde und das weißt du," sagte Fred. „Und...und...warte eine Minute! Wir reden über dich, nicht mich! Warum hast du's getan, Angie? Warum Lee?"

„Warum nicht?" sagte Angelina. „Ich hab dir gesagt, es hat nichts BEDEUTET! Mein Gott, Fred. Wir hatten gerade das blöde Spiel verloren und Harry war total hinüber und ich fühlte mich fürchterlich und Lee war einfach...da. Okay? Es ist einfach passiert. Es ist nicht so, als ob ich in ihn verknallt wäre und es ist nicht so, als ob wir zusammen wären. Ich denke, ich könnte sogar sein Herz gebrochen haben, in Ordnung? Es ist nicht so, als ob ich mich gut fühlen würde, weil ich ihn geküsst hab."

Fred öffnete den Mund, um noch etwas weiter zu streiten, gab dann aber auf. Es war lächerlich, das wusste er, sie deswegen anzuschreien. Lee war seit ewigen Zeiten in Angelina verknallt gewesen. Und nun fühlte sich Angelina schuldig, weil sie Lees Zuneigungen nicht erwiderte.

Fred fühlte sich plötzlich sehr dumm.

„Du hast recht," sagte er. Tut mir leid, Angie. Ich weiß nicht, warum ich mich deshalb so aufgeregt hab. Es war einfach...seltsam. Von dir und Lee zu hören. So wie es seltsam wäre, wenn du meinen Bruder küssen würdest."

„Also, DAS wäre seltsam," sagte Angelina grinsend.

„Verzeihst du mir?" sagte Fred.

„Dir sei verziehen," sagte Angelina. „Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich sollte. Du und Parkinson. Igitt!"

„Hey, du musst wissen, dass Priscilla Parkinson eine verdammt gute Küsserin ist," sagte Fred. „Auch wenn sie eine Slytherin ist."

„Ich kann nicht glauben, dass deine Lippen eine Slytherin berührt haben," sagte Angelina. „Und dann – iiih! – hast du mich geküsst! Ich werde mir eine Woche lang den Mund auswaschen müssen!"

„Vielen Dank," sagte Fred. „Du bist ein echter Freund, Angie."

Angelina lachte. „Nur Spaß!"

Und wieder war zwischen ihnen alles okay. Fred war erleichtert. Der ganze Tag war ziemlich bizarr und beunruhigend gewesen. Sie hatten eine Grenze überschritten, zweimal. Zuerst mit diesem Kuss und dann mit Freds...Eifersucht. Aber sie schienen diese Dinge überwunden zu haben und waren wieder zurück im Normalzustand.

Fred und Angelina gingen weiter durch die Stadt in Richtung Schule, als Fred klar wurde, dass er nicht widerstehen konnte, ihr eine letzte neckische Frage zu stellen.

„Und, küsst Lee genauso gut wie ich?"

Angelinas Antwort war ein Schlag auf seinen Hinterkopf.


Translator's Note: Was soll ich sagen... Mir ist ja klar, dass es einem nicht mehr Leser verschafft, wenn man eine so lange Zeit nicht updated, aber schließlich hab ich in der Zwischenzeit mein Abitur gemacht; ich denke, das ist eine adäquate Entschuldigung. Jetzt hab ich also wieder ein bisschen mehr Zeit (obwohl auch noch eine Abizeitung darauf wartet, gelayoutet zu werden, aber nun gut) und werde versuchen, eine treure Übersetzerin zu sein. Alles Liebe soweit von mir.