Author's Note: Die nächsten paar Kapitel finden während dem sechsten Schuljahr der Zwillinge statt.
Kapitel Acht: Roger Davies
Fred und George schlossen die Abteiltür, verriegelten sie und zogen die Vorhänge zu.
„Was soll das alles denn?" sagte Lee.
„Streng geheim," sagte George. „Wollen ja nicht, dass uns irgendwer dazwischenfunkt, oder?"
„Nein," sagte Lee, „aber die Mädels werden bald da sein—"
„Stimmt," sagte Fred, aber als unser Offizieller Bester Kumpel wirst du der erste Nicht-Weasley sein, der unsere Produkte ausprobiert."
„Eigentlich nicht," sagte George mit einem Blick zu Fred. „Der erste Nicht-Weasley, der unsere Produkte getestet hat, war dieses fette Muggelkind, Harrys Cousin. Erinnerst du dich?"
„Oh, ja," sagte Fred.
„Ich bin verletzt," sagte Lee. „Ihr lasst einen fetten Muggel euer Zeug vor mir ausprobieren?"
„Vertrau uns, Kumpel, du hättest NICHT das Versuchskaninchen für dieses besondere Produkt sein wollen," sagte George.
„Dann ist ja gut," sagte Lee. „Also...zeigt mir das Zeug endlich!"
„Ohne weitere Umschweife," sagte Fred dramatisch, „präsentieren George Weasley und Frederick Weasley ihnen—"
„Weasleys Zauberhafte Zauberscherze!" rief George. Die beiden entleerten ihre Beutel auf den Sitz neben Lee.
„Whoa," sagte Lee, und er fing sofort an, sich durch den Haufen zu wühlen. Er hob einen der Zauberstäbe hoch.
„Ein Zauberstab?" sagte er zweifelnd.
„Schwing ihn einfach," sagte George mit hochgezogenen Augenbrauen.
Lee tat es. De Zauberstab zerbarst und verwandelte sich augenblicklich in ein gackerndes Gummihuhn. Lee brach in Gelächter aus.
„Das ist brillant!" sagte er.
„Nicht schlecht, was?" sagte Fred stolz. „George hat die Scherzzauberstäbe gemacht. Die besten Tricks, die ich jemals gesehen hab. Die lassen Zonkos wie Amateurschund aussehen."
„Na, danke schön, Zwilling," sagte George und schlug Fred auf den Rücken.
„Allerdings," sagte Fred mit finster werdender Stimme, „hätten wir mehr Zeug gehabt, wenn Mum nicht die Hälfte davon in den Müll geschmissen hätte."
„Das erinnert mich," sagte Lee, während er ein Stück Kürbispastete in seinen Mund stopfte. „Wie hat eure Mum auf eure ZAG-Ergebnisse reagiert?"
Fred blickte finster. „Was denkst du, wie sie reagiert hat?"
„Sie ist natürlich durchgedreht," sagte George. „Na ja, ganz Unrecht hat sie ja nicht. Ich meine, wir HABEN nur jeweils drei gekriegt."
„Und in den drei sind wir auch nur knapp durchgekommen," sagte Fred.
„Aber sie ist so RICHTIG ausgeflippt, als wir ihr von den Plänen für den Scherzladen erzählt haben," sagte George, als er sich in den Sitz gegenüber von Lee fallen ließ.
„Ihr habt ihr davon schon erzählt?" sagte Lee
„Mussten," sagte Fred. „Sie wollte nicht aufhören, darüber zu reden, dass wir zwei zum Ministerium gehen wie Dad und Percy. Ich meine, versteh mich nicht falsch. Dad ist großartig, aber wer zum Teufel will wie Percy sein?"
„‚Sie werden diesen Kesseldicke-Bericht gleich morgen früh auf ihrem Schreibtisch vorfinden, Mr. Crouch!'" äffte George in einer sehr Percy-haften Stimme. „‚Möchten sie etwas Tee, Mr. Crouch?'"
„‚Ich hätte liebend gerne etwas Tee, Weatherby!'" sagte Fred in einer perfekten Imitation von Barty Crouchs Stimme.
„Percys Boss liebt ihn so sehr, dass er noch nicht mal seinen wirklichen Namen kennt," sagte George trocken.
„Genug von Percy," sagte Fred. „Scheinheiliger Schwachkopf. Wir wissen beide, dass wir für diesen Kram nicht geschaffen sind. Wir werden unseren Scherzladen haben, ob es Mum gefällt oder nicht. Wir werden nächsten April siebzehn, wir werden volljährig. Dann kann Mum nichts tun, um uns aufzuhalten."
„Amen dazu," sagte George. „Warte, iss das nicht!" fügte er hinzu und packte Lees Handgelenk, als Lee kurz davor war, ein Würgzungen-Toffee in seinen Mund zu stecken.
„Warum?" sagte Lee.
„Das war das Produkt, das wir an diesem fetten Muggel getestet haben," sagte Fred. „Und, ähm, wir haben noch nicht so wirklich das Gegenmittel dafür rausgefunden, also..."
„Alles klar," sagte Lee, während er eiligst das Würgzungen-Toffee zurück in dessen Verpackung steckte. Er drehte sich zu Fred und grinste.
„Nun, Fred," sagte er heiter. „Irgendein süßes junges Ding als Ersatz für Miss Edgecombe gefunden?"
Fred blickte wieder finster. „VERSUCHST du, mir die Laune zu verderben, Lee?"
„Hab mich nur gewundert," sagte Lee unschuldig.
„Nein," sagte Fred. „Lass uns einfach sagen, dass die Schande, Marietta gevögelt zu haben, mich einstweilen am Sex gehindert hat."
„Ach, komm schon," sagte Lee. „So schlimm kann es nicht gewesen sein."
„In dem Moment?" sagte Fred. „Nein. Ich wurde flachgelegt. Jetzt? Ich würde lieber den Riesenkraken ficken, danke."
„Wow," sagte George. „Sie muss sich ja wirklich FURCHTBAR aufgeführt haben?"
„Was auch immer," sagte Fred gereizt. „Können wir bitte über was anderes reden?"
„In Ordnung," sagte Lee schnell. „Hey, hast du irgendwas davon gehört, dass sich dieses Jahr in der Schule was ereignet?"
„Fred griff den Themawechsel auf. „Ja," sagte er. „Mum und Dad haben andauernd Andeutungen gemacht. Und Bill und Charlie. Und Percy natürlich."
„Percy war dabei sein gewohntes selbstgefälliges Ich," sagte George.
„Und worum GING es überhaupt?" fragte Fred sich. „Und warum all diese Heimlichtuerei?"
„Weiß nicht," sagte Lee. „Meine Eltern haben auch Anspielungen gemacht, aber sie wollten es mir nicht sagen. Anscheinend ist es eine große Überraschung."
„Na ja, was auch immer es ist, sollte es ja gut sein," sagte Fred.
„Vielleicht ist Filch gestorben," sagte George hoffnungsvoll.
„Oder Snape," sagte Lee.
Ein Klopfen an der Abteiltür unterbrach sie.
„Wer ist da?" rief Lee.
„Mach auf, Jordan!" sagte eine weibliche Stimme.
„Ah," sagte George und sah sehr erfreut aus, als er die Vorhänge zurückzog, die Tür aufschloss und sie öffnete.
Alicia Spinnet wollte gerade das Abteil betreten, aber George packte sie, wirbelte sie herum und warf sie über.
„George!" kreischte sie.
„Alicia, meine Liebste," sagte George mit einem schelmischen Grinsen. Fred und Lee prusteten.
„Lass mich hoch!" keuchte sie kichernd.
„Das werde ich, wenn du mich zuerst küsst," sagte George.
„George, guter Gott," sagte Alicia und verdrehte die Augen.
„Meinetwegen," sagte George. „Wenn du es magst, kopfüber zu sein—"
Sie seufzte und küsste ihn. Er küsste sie zurück. Fred und Lee machten würgende Geräusche. George unterbrach den Kuss und schwang Alicia zurück hoch. Die Lippen und Gesichter der beiden waren gerötet.
„Ihr zwei seid widerwärtig," sagte Fred.
„Du bist bloß eifersüchtig, Fred," sagte Alicia.
„Fred hat die vollkommene Freude der wahren Liebe noch nicht entdeckt, meine Süße," sagte George und zwickte Alicia spielerisch in den Hintern.
„GEORGE!" kreischte sie und schlug seine Hand weg.
„Lasst das!" sagte Lee. „Es sind Kinder anwesend."
„Kinder?" sagte eine andere weibliche Stimme. „Dann muss ich im richtigen Wagen sein."
„Angie!" sagte Lee. „Willkommen in unserem Sündenpfuhl!"
„Zum letzten Mal, Lee, nenn mich NICHT Angie," sagte Angelina, als sie das Abteil betrat.
„Ja," sagte Fred, „das ist MEIN Vorrecht." Er grinste sie an und zog sie in eine enge Umarmung.
„Hey, du," sagte er in ihr Ohr, erfreut, sie zu sehen. „Hab dich vermisst."
„Hab dich auch vermisst, du Trottel," sagte sie grinsend, als sie sich aus der Umarmung löste.
„Sie siehst zum Anbeißen gut aus," sagte Fred zwinkernd. Das tat sie. Sie trug ihr Haar in langen Zöpfen, ihre Haut war sehr Kaffee (sie hatte wieder einen Teil des Sommers auf den Westindischen Inseln verbracht), und ihre Kleider schmiegten sich an genau den richtigen Stellen an sie an. Freds Augen huschten über ihre üppigen Brüste.
„Danke," sagte Angelina. „Würdest du jetzt bitte aufhören, mir in den Ausschnitt zu starren?"
„Verdammt," sagte Fred. „Schon wieder erwischt."
„Du stellst dich auch nicht gerade geschickt an," sagte Angelina. „Was in aller Welt ist dieses ganze Zeug?" Sie hatte sich umgedreht, um sich das Wirrwarr an Artikeln auf dem Sitz neben Lee anzusehen.
„Kann ich's ihr erzählen?" sagte Lee.
„Also gut," sagte Fred, als er die Abteiltür abermals zumachte.
„DAS," sagte Lee dramatisch, „ist Weasleys Zauberhafte Zauberscherze."
„Das Zeug?" sagte Angelina. „Für euren Scherzladen? Cool!" Sie fing an zu stöbern und hob einen weiteren Zauberstab hoch.
„Ein Zauberstab?" sagte sie. „Lasst mich raten." Sie schwenkte ihn.
Es gab ein lautes, knallendes Geräusch und der Zauberstab verwandelte sich in eine riesige Schnecke.
„IGITT!" schrie Angelina, und sie ließ die Schnecke fallen. Diese landete mit einem nassen Platschen auf dem Boden. „Verdammt noch mal! Ich hasse Schnecken!"
„Der war gut, George!" sagte Fred und hielt sich den Bauch vor Lachen.
„Halt die Klappe, Fred!" sagte Angelina hitzig, und mit einem langen Schritt kam sie zu ihm herüber. „Hier, nimm ein bisschen Schneckenschleim." Sehr stürmisch wischte sie ihre Hand durch sein Haar.
„Hey!" sagte er. „Dafür wirst du bezahlen." Er fuhr mit seinen Finge über einen Kesselkuchen, sammelte dabei eine gesunde Portion Zuckerguss auf und schmierte ihn in ihre Haare. „Da!"
„Du bist SO geliefert, Weasley," sagte Angelina, und sie hob eine Schachtel Bertie Botts Bohnen in Jeder Geschmacksrichtung auf.
„ESSENSSCHLACHT!" brüllte Lee.
Und wieder einmal war das Abteil voll von fliegendem Essen, nur dieses Mal war es begleitet von verschiedenen Artikeln von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze. Angelina gab noch einen angewiderten Schrei von sich, als sie auf die riesige Schnecke trat, diese platzte und überall Schleim verspritzte. Die Mädchen kreischten und kicherten und die Jungs lachten schallend. Plötzlich fand Fred sich spielerisch ringend mit Angelina wieder; sie keuchte und lachte, genauso wie er. Und wieder spürte er, wie sehr er sie vermisste, sogar als sie es schaffte, ihn in den Schwitzkasten zu nehmen.
„Ähm, hallo?"
Über den Lärm war die Stimme kaum hörbar, aber laut genug, die fünf dazu zu veranlassen, mit dem, was sie taten, aufzuhören und wie angefroren stehen zu bleiben. Fred hatte es geschafft, aus Angelinas Griff freizukommen und hatte sie jetzt im Schwitzkasten. George und Alicia und Lee waren alle auf dem Boden, bedeckt von Süßigkeiten und Schleim der verschiedensten Art.
„Roger!" sagte Angelina, und Fred ließ sie augenblicklich los, als sie schnell aufstand. „Hi!"
„Angelina," sagte Roger Davies langsam, „was...ist los?"
„Oh," sagte Angelina, und ihre braunen Wangen wurden rosa, „na ja, ähm, nur eine kleine Essensschlacht. Du weißt schon."
„Ja," sagte Fred. „Ich und Angie haben uns nur...ausgetauscht."
„Stimmt," sagte Angelina.
„Das ist...nett," sagte Roger angespannt. Seine Augen musterten Angelina von oben bis unten; sie war von Kopf bis Fuß mit Zuckerguss, Schneckenschleim, Bertie Botts und Stückchen der Kübispastete bedeckt. „Hör zu, Angelina, ich hab dich...da drüben vermisst."
„Oh," sagte Angelina schnell. „Tut mir leid. Ich wurde hier aufgehalten."
„Richtig," sagte Roger. Fred fühlte, wie sich sein Rücken anspannte. Warum in aller Welt starrte Roger Davies ihn so böse an?
„Also," sagte Roger. „Wollen wir zurück in mein Abteil?" Sein Augen blitzten und er warf einen besitzergreifenden Blick in Freds Richtung. ‚Verschwinde,' sagte der Blick. ‚Sie ist mein Mädchen.' Fred biss die Zähne zusammen und ballte die Fäuste, verblüfft, dass Davies eifersüchtig sein würde. Guter Gott, sie hatten nur ein bisschen Spaß gehabt, Fred und Angelina. Das hatte nichts zu BEDEUTEN.
„Angelina," sagte Roger ein bisschen scharf.
„Sicher," sagte Angelina nervös. „Ähm, ich werde mich erst noch sauber machen." Sie zog ihren Zauberstab aus der Jeanstasche, richtete ihn auf sich selbst und sagte „Ratzeputz". Sogleich war jede Spur von Essen und Schleim verschwunden. Sie sah sauber und frisch und hübsch aus. Fred konnte nicht anders als sie anzuschauen. Seine Augen wanderten zu Roger Davies, der jetzt fast rasend aussah.
„Lass uns gehen," sagte er knapp, nahm Angelina am Ellbogen und zog sie aus dem Abteil heraus.
„Tschüs, Fred," sagte Angelina mit einem verlegenen Grinsen an ihn.
„Bis später," sagte Fred. „Nach dem Fest, ja?"
„Ähm, vielleicht," sagte Angelina, während ihre Augen von Roger zu Fred und zurück zu Roger wanderten. Wieder grinste sie schwach und bewegte sich den Gang hinunter, als Roger einen Arm um ihr Schulter schlang. Fred fuhr mit einer Hand durch seine klebrigen Haare und rückte nah an die Abteiltür. Er blickte flüchtig den Gang hinunter und sah Roger Angelina an sich ziehen und sie auf den Mund küssen. Es war ein sehr leidenschaftlicher Kuss. Angelina lehnte sich gegen ihn und legte ihr Arme um ihn.
Fred schaute weg. Das freudige Gefühl, das er gehabt hatte, als er sie nach so langer Zeit wiedersah, war verpufft.
