„Da sind wir nun also, Zwilling. Unser letztes Jahr an dieser illustren Institution," sagte George mit einem Kopfschütteln, als sie sich vom Gryffindor-Tisch in der Großen Halle erhoben.
„Ich danke Gott für solch kleine Gefallen," sagte Fred. „Ich muss sagen, ich bin diese Schule allmählich richtig leid."
„Ich mag's gar nicht, wie die neue Dunkle Künste-Lehrerin aussieht," sagte Alicia Spinnet.
„Sieht aus wie eine fette Kröte," erwiderte Angelina, „und was soll all dieser Mumpitz von wegen ‚Veränderungen' und so?"
„Umbridge," sagte Fred nachdenklich. „Umbridge...wart mal gerade. Ich weiß, wer sie ist. Sie war früher im Ministerium. Dad hat sie erwähnt, erinnerst du dich, George?"
„Sie war bei Harrys Anhörung," sagte George, als er sich erinnerte. „Sie hat eng mit Fudge zusammen gearbeitet."
„Wenn sie Fudge nahe steht, wisst ihr ja, was das heißt," sagte Lee düster.
„Miss Johnson."
Angelina, Fred, Lee, Alicia, George und Katie drehten sich allesamt um. Professor McGonagall stand hinter ihnen und sah so gebieterisch und ernst wie immer aus.
„Ja, Professor?" sagte Angelina und tat einen Schritt nach vorne. Sie und McGonagall waren jetzt auf gleicher Höhe; wahrscheinlich die zwei größten Frauen in Hogwarts.
„Ich würde gerne mit Ihnen unter vier Augen sprechen," sagte sie, wobei ihre Stimme keinerlei Emotion verriet. „In meinem Büro."
Angelina schaute nervös zu Fred, der erst sie, dann Professor McGonagall angrinste.
„Was hat sie angestellt, Professor?" fragte er frech.
„Halt die Klappe, Fred," zischte Angelina, die versuchte, nicht zu lächeln.
„Sie werden alles, was Sie wissen müssen, früh genug herausfinden, Mr. Weasley," sagte McGonagall. „Miss Johnson?"
McGonagall drehte sich auf dem Absatz um und rauschte aus der Großen Halle. Angelina sah Fred an, der mit den Achseln zuckte, und sie folgte McGonagall verlegen hinaus in den Korridor.
„Was sollte das Ganze denn, frag ich mich?" sagte George.
„Keine Ahnung," entgegnete Fred. „Aber normalerweise heißt es nichts Gutes, wenn McGonagall dich unter vier Augen sprechen will."
Fred saß im Gemeinschaftsraum und spielte mit Lee Snape Explodiert, als er jemanden in den Gemeinschaftsraum hinein platzen hörte. Es war Angelina.
„Hey," sagte er und stand gerade in dem Moment auf, als einige Karten explodierten. „Was ist passiert?"
„Ich muss mit dir reden," sagte Angelina kurz, Lee ein schnelles Grinsen schenkend. Sie ging direkt zu Fred hin, packte sein Handgelenk und zog ihn zum Porträtloch.
„Hey, Johnson, Fred und ich WAREN mitten in einem Spiel, weißt du," sagte Lee.
Angelina warf Fred einen flehenden Blick zu, und er drehte sich zurück zu Lee.
„Dauert nicht lang, Mann," sagte er. „Spiel doch mit George."
„Der ist irgendwo und knutscht mit Alicia rum," entgegnete Lee. „Ist egal. Ich frag Ron."
Fred folgte Angelina aus dem Porträtloch hinaus.
„Wo gehen wir denn hin?" fragte er.
„McGonagalls Klassenzimmer," sagte sie, und sagte nichts weiter, bis sie tatsächlich das Verwandlungsklassenzimmer erreicht hatten. Angelina drückte die Tür auf und schob sich in den verdunkelten Raum, und Fred fragte sich, was sie wohl vorhatte, als er ihr folgte.
Sie schloss die Tür hinter sich und drehte sich, um ihn anzusehen.
„Was?" fragte er sie. „Was ist los? Hat McGonagall dir fünfzig Mal Nachsitzen aufgebrummt, oder was?"
„Nein," sagte Angelina. Ihr normalerweise sahnekaffeefarbenes Gesicht war aschfahl.
„Angie, was fehlt dir?" entgegnete Fred, mittlerweile bekümmert.
„Ähm, na ja," sagte sie langsam, „ich glaube...McGonagall hat mir gerade gesagt, dass ich Quidditch-Kapitän bin."
Freds Kinnlade fiel herunter, und es entstand ein langer Moment des Schweigens.
„Ernsthaft?" fragte er. „Kapitän?"
Angelina öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, schien es aber nicht zu schaffen, und begnügte sich mit Nicken. Dann brach sie in eine sehr verlegene Art Grinsen aus.
„Angie, das ist wunderbar!" rief Fred, und er packte sie um die Taille, hob sie vom Boden hoch und wirbelte sie in eine ungestüme Umarmung. Sie lachte. Er war so froh für sie, dass er sie, bevor er wusste, dass er es tat, auf die Lippen küsste.
Angelina im keuchte Rachen, aber sie zog nicht sofort zurück.
Fassungsvermögen drang in sein Hirn ein und er ließ sie schnell los und unterbrach den Kuss, bevor er total ins Nicht-freundschaftliche entglitt. Aber als er wegzog, kribbelten seine Lippen.
„Sorry," sagte er schnell; sein Nacken wurde heiß.
„Ist in Ordnung," sagte sie und blickte auf den Boden.
Innerlich verfluchte Fred sich. Wie viele Male war das in den vergangenen paar Monaten schon vorgekommen? Seit ihrem betrunkenen Versuch, nach dem Weihnachtsball im letzten Jahr zu vögeln, schien ihr Verhältnis gespannt zu sein. Fred wandelte mit ihr auf einem immer schmaleren Grat, der am Rande bröckelte, zwischen „Nur Freunde" und „Ein bisschen mehr". Sich selbst sagte er, dass es letztendlich in einem Desaster enden würde, mit ihr das „Ein bisschen mehr" zu erkunden. Er wollte nicht riskieren, ihre Freundschaft zu verlieren. War das nicht der Grund, weshalb sie nie miteinander gegangen waren?
Und trotzdem befanden sie sich wieder einmal an diesem Punkt, wieder einmal erklärten sie einen „unabsichtlichen" Kuss weg, hinter dem Gefühle steckten, die über das Platonische hinausgingen. Das war in letzter Zeit mit zunehmender Häufigkeit passiert. Sie redeten, lachten, witzelten miteinander, flirteten, und durch irgendeinen Zufall berührten sich ihre Lippen unabsichtlich absichtlich. Fred konnte nie genau feststellen, wie es passierte oder wer es auslöste, aber es passierte ziemlich oft.
Sie und Fred hatten es immer geschafft, ihre Küsse als Ausdrücke freundschaftlicher Zuneigung zu ignorieren, und nach ein paar peinlichen Minuten war alles wieder beim Alten.
Abgesehen davon, dass nichts wieder beim Alten war, zumindest nicht für Fred. Langsam, schmerzlich wurde ihm bewusst, wie schwer es war, seinen stets vorhandenen Zug zu Angelina zu kontrollieren. Er hatte versucht, sich mit anderen Mädchen zu treffen, hatte ein paar gevögelt, aber die Erfahrungen und die Mädchen selbst waren zum Vergessen und gar zu bedauern. Fred stellte fest, dass, wie geil er auch sein möge, Sex mit einem Mädchen, für das er nicht viel übrig hatte, nicht viel Reiz in sich barg. Die anfängliche Aufregung wich nachher einer Art Rastlosigkeit, dem Gefühl, dass er keinen Spaß gehabt hatte, dass etwas fehlte.
Er wusste, dass Angelina auch ein paar Dates gehabt hatte. Sie hatte eine Sommerromanze mit Eddie Carmichael, einem Sechstklässler aus Ravenclaw, gehabt, aber das war im Sande verlaufen, und Fred vermutete, dass ihr nicht sonderlich viel daran gelegen hatte. Seit ihrem Liebeskummer Roger Davies wegen (den, zu Freds großer Freude, Fleur zu Gunsten seines älteren Bruders Bill abserviert hatte), war sie extrem vorsichtig gewesen, ihr Herz für jemanden zu öffnen. Ausgenommen Fred. Aber ihre Offenheit ihm gegenüber hatte ihre Grenzen. Platonische Grenzen. Fred vermutete, dass auch sie sich immer noch zu ihm hingezogen fühlte, dass sie aber niemals dem „Ein bisschen mehr" mit ihm nachgehen würde. Diese Tatsache beschäftigte ihn. Schmerzte ihn sogar ein wenig.
Die Stille zwischen Fred und Angelina zog sich in die Länge, und er zwang sich, sie anzusehen. Ihn überkam der Drang, sie noch mal zu küssen. Sie richtig zu küssen. Er tat es nicht. Stattdessen räusperte er sich und biss sich durch den neuesten Vorfall in einer zunehmenden Anzahl an Vorfällen zwischen ihnen.
„Ich kann es nicht glauben," sagte er und blickte wieder auf den Boden. „Nein, warte, kann ich doch. Du bist ja bloß die beste Sucherin der Mannschaft."
Sie schien durch seine Worte erleichtert; sie gab einen Seufzer von sich und sprang zurück in den Nur-Freunde-Modus.
„Fred," sagte Angelina. „Scheiße. Ich bin so nervös! Ich sollte es niemandem vor morgen erzählen, aber...ich musste es dir erzählen."
„Ich bin geehrt," erwiderte Fred grinsend, während er versuchte, das ungenehme Pressen in seiner Brust zu ignorieren. „Wow. Kapitän. Das ist so cool."
„Wahrscheinlich schon," sagte sie und fing an, die Hände zu ringen. „Ich meine, ich muss in große Fußstapfen treten. Wood war ein großartiger Kapitän und wir haben damals den Pokal gewonnen und—"
„Angie," sagte Fred, als er ihre Schultern in die Hände nahm, „du wirst gut sein. Mehr als gut. Du wirst großartig sein."
„Ja?"
„Ja," entgegnete er und strich ihr sanft mit der Hand über die Wange. Die Geste sollte beruhigend sein, aber seine Hand kribbelte, und ihre Augen trafen seine, und wieder einmal brach der Drang, sie zu küssen, über ihn herein. Sie blinzelte und zog weg.
„Vorfliegen am Freitag," sagte sie. „Wir brauchen einen neuen Hüter."
Fred räusperte sich wieder und kämpfte sich zurück in die Nur-Freunde-Welt.
„Ich werde tausendprozentig da sein," sagte Fred. „Na ja, vielleicht nicht tausendprozentig."
„Verdammt," sagte Angelina wütend, während sie Runden durch Gryffindors Quidditchzelt drehte. Der Rest der Mannschaft schaute sie gespannt an. Alle außer Harry Potter, der seine Strafarbeit bei Professor Umbridge ableistete, und Katie Bell, die gerade draußen war und den Leuten dabei half, sich für das Vorfliegen einzutragen.
„Angie, nun komm schon," sagte Fred, der ihr Auf und ab gehen beobachtete. „So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Dann muss Harry eben Nachsitzen. Wir können es auch ohne ihn schaffen."
„Ich weiß," rief Angelina und warf die Hände in die Luft. „Nur...verdammt. Wir haben seit einem Jahr nicht mehr gespielt, Fred. Kein Quidditch letztes Jahr – ich meine, klar, das Trimagische und so, aber schau dir an, was DARAUS geworden ist. Cedric ist tot geblieben und die halbe Schule denkt, Harry und Dumbledore sind Spinner. Ich hab das Spielen vermisst, weißt du. Ich will einfach nur, dass die Mannschaft klasse ist. Es wird hart sein, Oliver zu ersetzen, das ist alles."
Katie erschien im Zelt.
„Wir sind bereit, Angelina," sagte diese. „Eine ziemlich guter Haufen Leute. Ballkoffer steht bereit."
„Also dann," sagte sie. „Lasst es uns angehen." Sie überprüfte, ob die Pfeife, die um ihren Hals hing, noch da war (sie hatte das schon ein Dutzend mal getan).
Sie nahm ihren Besen auf – einen Nimbus 2001 (sie hatten ihn im letzten Jahr bekommen) – und führte ihre Teamkameraden aufs Feld hinaus.
Fred blinzelte gegen das Sonnenlicht und blieb dann wie angewurzelt stehen; George lief geradewegs in ihn hinein.
„Heilige—" fing George an.
„—Scheiße," schloss Fred.
„RON?" sagte sie beide, schauten sich gegenseitig an, dann zurück zu ihrem jüngeren (wenn auch größeren) Bruder, der seinen neuen Sauberwisch fest mit der Hand umklammerte und aussah, als ob er im Begriff sei, sich zu übergeben.
„Hey" rief George. "Putzi-Ronnie! Was machst du denn hier?"
„George, lass es," sagte Alicia.
„H-hi," antwortete Ron, die Augen auf seine Schuhe gerichtet. „Ich, ähm, dachte bloß, ich versuch das hier mal."
George prustete; Alicia haute ihm auf den Arm. „Ich find, das ist großartig, Ron," sagte sie eifrig und schenkte George einen scheelen Blick.
„Sei einfach nur vorsichtig da oben, Putzi-Vertrauensschüler," meinte Fred, ihm zuzwinkernd. „Fall nicht vom Besen oder so."
„Halt die Klappe," rief Ron, der blutrot anlief. Fred und George klopften ihm beide auf den Rücken. Ron sah durch und durchelend aus. Fred fühlte sich ein wenig schuldig. Es war nicht wirklich cool, Ron am Tag eines Quidditch-Vorfliegens aufzuziehen. Und außerdem war Ron eh kein so lausiger Hüter.
„Kinderspiel, Ron," sagte Fred schnell mit einem Klaps auf seinen Rücken.
„Nur nicht ins Schwitzen kommen, Ronnie," meinte George.
„Okay," rief Angelina in einer klaren Stimme. „Lasst uns einfach diese Liste abarbeiten. Wir fangen mit Frobisher, Vicky an."
Ein Mädchen mit goldbraunem Haar bis zum Kinn kam vor, und sie folgte Angelina und den anderen Spielern aufs Feld hinaus.
„Lasst uns hoch gehen, ja?" sagte Angelina. „Vicky, geh auf deine Position im Tor."
Vicky Frobisher bestieg ihren Besen, stieß sich vom Boden ab und flog geschickt und problemlos zu den Torringen. Eine lässige, soveräne Art zu fliegen war ihr eigen.
Angelina gab ihrer Mannschaft ein Signal und sie schlossen alle in die Luft; Angelina hatte den Quaffel unter dem Arm.
„Ich werde den Quaffel frei lassen," brüllte Angelina. „Bereit, Vicky?"
Vicky war eine starke Bewerberin, das sah Fred. Sie hielt die meisten Tore ab und wich den Klatschern, die er und George in ihre Richtung schickten, sauber aus. Nach ungefähr zwanzig Minuten blies Angelina in ihre Pfeife, und Vicky Frobishers Vorfliegen war beendet.
Sie sechs flogen zum Boden; Vicky trottete zurück zu den Bänken, wo die anderen Quidditch-Anwärter saßen.
„Nächster ist," rief Angelina ganz geschäftlich, „Hooper, Geoffrey."
Fred erkannte Geoffrey Hooper von seinem Vorfliegen vor all den Jahren wieder. Fred erinnerte sich, dass Alicia ihn als „Jammerlappen" bezeichnet hatte.
Alicias Einschätzung war korrekt; Hooper beschwerte sich über alles. Fred war beeindruckt, dass Hooper die Konzentration besaß, so viele Tore zu verhindern, wie er es tat (wahrscheinlich ungefähr 80 davon). Er war ein fähiger Flieger, aber am Ende der zwanzig Minuten, hatten Fred und George eigentlich mehr Versuche gemacht, ihn mit den Klatschern aus dem Sitz zu hauen als bei Vicky Frobisher.
Sie landeten wieder, und Hooper begab sich zu den Bänken. Noch einige Anwärter kamen an dran, einschließlich Colin Creevey (der furchtbar war) und Seamus Finnigan (der gut flog, aber nicht schnell genug war, genügend Tore zu verhindern) und sogar Parvati Patil (die besser war, als Fred jemals gedacht hätte, was das Fliegen betraf, aber nicht so sehr, was das Hüten anging).
Schließlich war Ron an der Reihe. Ron schluckte und Fred fragte sich ernsthaft, ob sein kleiner Bruder tatsächlich kotzen würde, bevor er überhaupt in der Luft war, aber Ron schluckte einfach nochmals, bestieg seinen Sauberwisch und nahm die Position vor den Toren ein.
Angelina blies noch einmal in die Pfeife, und das Vorfliegen nahm seinen Lauf. Fred sah zu, wie Ron viele der Tore verhinderte. Er war nicht so gut wie Frobisher oder Hooper, aber er strengte sich sehr an, und er schaffte es, fast jedem Klatscher auszuweichen (einer kratzte seine Schulter und warf ihn aus seiner Position, was einen Quaffel durch einen Ring gehen ließ). Es war klar, dass Ron geübt hatte; er hatte ein gutes Gefühl für seinen Besen und meistens hatte er seine Gedanken bei dem, was er tat. Rons Größe un d lange Gliedmaßen verschafften ihm zudem einen Vorteil – er hatte eine größere Reichweite als irgendwer sonst, von denen, die heute oben gewesen waren. Er würde ein passabler Hüter sein, mit ein bisschen Arbeit.
Angelina blies ein letztes Mal in ihre Pfeife, und die sechs Spieler kamen herunter, mit Ron als Schlusslicht.
Sobald sie am Boden waren, führte Angelina sie zurück zu der Reihe von Hüteranwärtern und verkündete hurtig, dass die Ergebnisse morgen Abend am Schwarzen Brett des Gemeinschaftsraumes ausgehängt werden würden.
Fred und George zeigten Ron die hochgestreckten Daumen, als er zurück zum Schloss lief. Er sah immer noch etwas kränklich aus und zitterte.
„Lasst uns ins Zelt gehen, ja?" sagte Angelina und trieb ihre Mannschaftskameraden zum Gryffindorzelt.
Fred nahm neben George auf der Bank im Zelt Platz, während Angelina vor ihnen stand.
„Es wäre einfacher gewesen, das hier mit Harry zu machen, aber da er nicht anwesend ist, muss er wohl einfach mit unserer Entscheidung leben," sagte Angelina. „Und ich will, dass es unser aller Entscheidung ist, nicht nur meine."
Darauf gab es anerkennendes Nicken und Gemurmel.
„Schön," fuhr Angelina fort. „Nur ein paar Gute dabei. Vicky Frobisher war heute die beste Fliegerin, denke ich. Einverstanden?"
Zustimmendes Nicken.
„Problem ist," sagte Angelina, „sie hat schon in allen möglichen Klubs aktiv, und sie hat mir geradeheraus gesagt, dass ihr Zauberkunstklub Priorität vor allem hat, inklusive Quidditch."
„Also, DAS geht gar nicht," sagte George.
„Nein, stimmt," meinte Angelina. „Das ist mein letztes und mein einziges Jahr als Kapitän und vielleicht bin ich egoistisch, aber ich will einen Teamkameraden, der das Team an erste Stelle setzt."
„Hört, hört," sagte Fred fest. Angelina grinste ihn an.
„Also ist das ein Nein für Frobisher," stellte Angelina fest, und es gab zustimmendes Nicken.
„Das bringt uns zum nächsten möglichen Kandidaten, Hooper," fuhr sie fort. Der Klang seines Namens entlockte jedem ein Stöhnen.
„Es würde nichts bringen, einen Mannschaftskameraden zu haben, den wir die ganze Zeit umbringen wollen," sagte Fred trocken.
„Hooper ist so eine Heulsuse, oder?" sagte Alicia. „Hat sich kein bisschen verändert seit dem zweiten Schuljahr."
„Nein für Hooper also," entgegnete Angelina. „Ich kann die Kopfschmerzen nicht gebrauchen, soviel sei sicher."
Es gab eine Pause und alle nickten.
„Die einzige andere Person, die heute überhaupt ein Talent gezeigt hat, war Ron Weasley," sagte Angelina. „Er ist nicht hervorragend, er wird uns einiges an Arbeit kosten, aber es ist offensichtlich, dass er ins Team will, es ist offensichtlich, dass er hart arbeiten wird. Mit etwas Training wird er, denke ich, gut werden. Seine Größe hilft ihm, er hat einen guten Besen. Er kommt aus einer Familie von exzellenten Quidditchspielern."
„Na danke, Angelina," sagte George feierlich.
Angelina verdrehte die Augen und lächelte. „Wenn es keine Einsprüche gibt, hätte ich Ron gerne in der Mannschaft."
„Hier keine Einwände," sagte Fred boshaft grinsend.
„Und wir sind mehr als ENTZÜCKT, für Putzi-Ronnies Training verantwortlich zu sein," sagte George zwinkernd.
„Nein," erwiderte Angelina fest, aber sie versuchte, nicht zu lächeln. „Das ist Harrys Aufgabe, danke. Ihr beide werdet ihn bloß aufziehen. Außerdem schuldet uns Harry war dafür, dass er sich Nachsitzen eingehandelt hat, obwohl er wusste, dass er hier sein sollte."
„Verdammt," sagte Fred. „Na gut, dann wir können es uns für Partys aufheben."
„So," sagte Angelina, „ich denke, mit Ron als Hüter haben wir unser Team."
„Aaaalso, mit dem Vorverkäufen der Nasch-und-Schwänz-Leckereien, zwölf Vorbestellungen für's Fieberfondant, sieben Vorverkäufen von Kollapskekse, zwei Dutzend Bestellungen für Kanarienkrem..."
Fred tauchte seinen Federkiel wieder in das Tintenfass und berechnete die Zahlen auf einem sehr abgewetzten Stück Pergament.
„Wie viel macht's?" fragte George, als er und Lee über Freds Schulter schielten.
„Exzellent," sagte Fred grinsend. „Das sind zweiundvierzig Galleonen Bargeld und noch mal zwölf Galleonen und zwanzig Sickel in Vorbestellungen."
„Cool?" sagte Lee.
„Sehr cool," meinte George. „Zwilling, wir sind Genies."
„Natürlich," erwiderte Fred. „Das einzige, was wir jetzt noch machen müssen, ist, das kleine Problem mit dem Fieberfondant zu lösen, bevor es auf den Markt kommt..."
„Ich dachte, das hättet ihr beide schon geschafft," sagte Lee, kehrte zu seinem Bett zurück und schaute achtlos auf seine Kräuterkunde-Hausaufgaben.
„Nein, das waren die Kotzpastillen für die Nasch-und-Schwänz-Leckereien," entgegnete George.
„Sagen wir einfach, das Fieberfondant hat eine sehr unangenehme Nebenwirkung, die es schmerzhaft macht, sich hinzusetzen," sagte Fred und verzog das Gesicht im Gedanken an die fürchterlichen Furunkel, an denen er und George erkrankt waren, während sie dieses spezielle Produkt testeten.
„Unsere Produkte zu testen, wäre ein ganzes Stück einfacher, wenn Hermine uns bloß ein paar Testkandidaten anheuern lassen würde," sagte George. „Mein Arsch ist immer noch wund von dem Fieberfondant-Erlebnis."
„Hermine Granger und Regeln brechen?" meinte Lee mit verdrehten Augen.
„Sie bricht andauernd Regeln," spottete Fred. „Wie oft ist sie schon losgezogen, um sich mit Harry und unserem Bruder rumzutreiben?"
„Wär nett, wenn sie Ron dazu verzaubern könnte, ein guter Hüter zu sein," brummelte George.
„Erinnere mich bloß nicht daran," sagte Fred. „Ehrlich, was ist überhaupt sein Problem?"
„Er ist gar nicht so schlecht," sagte Lee.
„Nein, er ist WIRKLICH so schlecht," erwiderte George. „Ich mein, er kann es, wenn niemand aufpasst. Aber dann wird er total nervös und versaut alles."
„Es hilf nichts, dass die Slytherins ihn jede zweite Minute verarschen," sagte Fred.
„Du verarscht ihn andauernd!" rief Lee. „Was ist der Unterschied?"
„Der Unterschied ist, dass er unser kleiner Bruder ist," sagte George, „also dürfen wir. Die Slytherins sind ein Haufen rotznäsiger Hornochsen, was bedeutet, dass sie's nicht dürfen."
„Macht Sinn, denk ich," meinte Lee.
„Malfoy ist dieses Jahr besonders abscheulich," sagte Fred. „Liegt wohl daran, dass sein Dad das halbe Ministerium für sich kauft."
„Weißt du, abgesehen davon, dass diese Umbridge-Kuh uns keine Verteidigung beibringt und Quidditch echt scheiße läuft und allem anderen, fange ich an, mich zu fragen, warum wir überhaupt bleiben," sagte George.
Lee und Fred sagten nichts. Das war nicht das erste Mal, dass George diese Empfindung äußerte, und es war fast das erste Mal, dass Fred nicht selbst so gefühlt hatte. Das Jahr war soweit nicht besonders gut gelaufen. Für wahr, ihr Scherzartikel-Unternehmen machte ausgezeichneten Erfolg, und mit dem Trimagischen Gewinn, den Harry ihnen gegeben hatte, waren sie in der Lage, Räumlichkeiten zu mieten, sich sogar ein solches in der Winkelgasse zu leisten, wo die Mieten hoch waren. Von dem Moment an, als Harry Fred und George mitgeteilt hatte, er würde ihnen seinen Gewinn geben, hatte Fred bedeutende Ideen eines siebten und letzten Jahres in Hogwarts in Betracht gezogen, das alle anderen hinsichtlich Unheil anrichtens und schlichter Freude an dem Wissen, dass er beinahe frei von den Zwängen der Schule war, übertreffen würde.
Das hatte nicht ganz so geklappt. Die Ankunft von Umbridge, das Leugnen von Du-weißt-schon-wessen Rückkehr seitens des Ministeriums, und Umbridges ständig verschärfte Kontrolle über die Schule hatten dieses Jahr weitaus unlustiger werden lassen, als Fred es sich hätte vorstellen können. Die einzig übrigen echten Erheiterungen waren Quidditch – obwohl die Reize des Spiels ihre Faszination verloren, wenn man bedachte, wie mies Ron sich anstellte – und neue Produkte für den Laden zu produzieren.
Fred rollte das Pergament mit den Berechnungen zusammen und fing mit seinen Zaubertränke-Hausaufgaben an, aber seine Gedanken fingen beinah augenblicklich an, abzudriften. Nein, es gab nicht mehr allzu viele Dinge, die Fred an Hogwarts noch mochte. Er wusste, dass er bloß aus Rücksicht auf seine Mutter an der Schule blieb. Seit Percy sie in der Welt größten Trottel verwandelt hatte, konnte es Fred nicht ertragen, seine Mutter zu verärgern. Na ja, nicht zu sehr. Sie würde den Scherzartikelladen niemals gutheißen, aber vielleicht würde sie ihn akzeptieren, wenn Fred und George die Schule beendeten, ohne ein allzu großes Chaos anzurichten
Abgesehen davon, dass es für Fred jeden Tag schwieriger und schwieriger wurde, in der Schule bleiben zu WOLLEN. Noch nicht mal Angelinas Gesellschaft besserte Freds Laune großartig. Wenn überhaupt wurde sie schlechter. Oberflächlich war ihre Beziehung so wie immer. Aber darunter war sie verkrampft geworden.
Fred wusste, warum, zumindest größtenteils. Seinerseits waren es seine eigenen verdammten Gefühle für sie. Er wollte es sich selbst nicht eingestehen, weil es sich jedes Mal, wenn er es tat, anfühlte, als ob er sein eigenes Herz aus der Brust reißen würde, aber er verliebte sich in sie. Oder vielleicht war er schon immer in sie verliebt gewesen, begriff es aber erst jetzt.
Was auch immer die Antwort war, es war fast schon zur Qual geworden, in ihrer Nähe zu sein; Fred suchte nach Entschuldigungen, um weniger Zeit mit ihr zu verbringen. Allerdings schaffte es auch keine Abhilfe, NICHT in ihrer Nähe zu sein. Wenn er nicht in ihrer Nähe war, vermisste er sie schrecklich. Er fühlte sich gefangen in einer Situation, die langsam unhaltbar wurde.
Angelina war für ihren Teil aufbrausend und reizbar/gereizte geworden. Fred machte sich nicht vor, das habe irgend etwas mit ihren Gefühlen für ihn zu tun. Nein, es lag an dem Druck, Kapitän der Mannschaft zu sein, dem Druck, für die UTZe zu lernen, dem Druck, sich auf die Berufswelt vorzubereiten, obwohl sie sich immer noch nicht sicher war, welchen Beruf genau sie wollte.
Fred blinzelte und bemerkte, dass er die selbe Zeile in seinem Zaubertränkebuch zum achten Mal gelesen hatte. Es hatte keinen Zweck. Er konnte sich nicht konzentrieren.
„Ich geh in die Bibliothek," verkündete er. „Ähm, Marktforschung und so."
Lee und George winkten ihm beide zu; mittlerweile waren sie daran gewöhnt, dass Fred in der Bibliothek untertauchte. Ironischerweise wurde der eine Ort, den Fred so lange wie die Pest gemieden hatte, zu dem Ort wurde, der ihm ein bisschen Trost spendete. Zumindest konnte er sich in der Bibliothek in eine Ecke verkriechen und Bücher lesen, die ihn interessierten und seine Gedanken von den Strapazen des siebten Schuljahrs ablenkten.
Nur leider war alles, woran Fred denken konnte, als er sich an seinen Lieblingstisch in der Bibliothek setzte und „Die 101 Berühmtesten Zauberscherzgeschenke" aufklappte, die Sanftheit von Angelinas Lippen, als er sie geküsst hatte, an dem Abend in McGonagalls Klassenzimmer.
