Kapitel III

Immer schneller rannte ich einen Weg entlang, die Bäume an den Seiten waren verschwommen und rasten an mir vorbei. Es schien als rannte ich vor etwas weg. Weglaufen. Soweit ist es also schon gekommen, dass ich mich nicht einmal meinen Problemen stellen kann? Meinen Ängsten? Was aber viel seltsamer war, war die Perspektive in der ich mich sah. Ja genau. Mich selbst sah. Mich sehend, wie ich einen steinigen Weg entlanglief ohne anzuhalten, erschöpft zu wirken oder mich umzuschauen. Ich konnte nicht sehen was mich verfolgte, wenn mich überhaupt etwas jagte. Ich konnte nicht einmal mich selbst steuern. Es war als säße ich vor einem Film, indem ich selbst eine Hauptrolle spielte. Wann würde ich endlich anhalten oder wann würde es irgendeine Reaktion geben?

Doch warum sah ich mich selbst überhaupt als Ganzes? Und nicht aus meiner Sicht? Aus meinen Augen? Der Gedanke, dass ich nur träume lag sehr nah, doch es war zu real. Es konnte kein Traum sein. Ebenso die Ansicht meines Körpers war nicht wie immer. Wieso fand ich meinen eigenen Körper, mein ganzes Auftreten auf einmal so, na ja wie soll man es sagen, schön? Nicht nur schön, sondern irgendwie anziehend, aber dennoch mit einer Spur von quälerischen Absichten. Ich wollte mich selbst leiden sehen. Ich wartete nur darauf mich selbst mit einem schmerzerfüllten Gesicht zu entdecken. Um Hilfe winselnd auf dem Boden zu kriechen und flehend, mich endlich von diesen Qualen zu erlösen. Ihn anflehend. Plötzlich geschah etwas, viel zu schnell und unerwartet. Etwas so anwiderndes, dass es mich schreiend aus dem Schlaf holte.

Ich saß schweißgebadet auf dem Sofa, der Fernseher flimmerte.

Mein letztes Bild vor Augen und der letzte Gedanke mit dem Gefühl von Angst, Ekel und Hass war in meinem Kopf. Das letzte was in meinem Traum geschah bevor es mich in die Realität verschlug, wobei diese nicht weit von diesem Traum entfernt war.

Plötzlich sah ich mich aus einer anderen Perspektive mit komplett anderen Gefühlen - meinen Gefühlen. Und ich sah meine vorherige Persönlichkeit. Ich sah ihn. Gabriel. Sylar. Wie er mich verfolgte. Ich war in seinem Körper oder viel mehr in seinem Geist. Als ich realisiert hatte, wer oder was mich da verfolgte, spürte ich all jene grauenhaften Sachen. Die Angst, den Hass und genauso den Ekel, wie er sich durch mein Fleisch fraß, welches zu zerfallen drohte. Mir wurde schlecht. Ich spürte wie die Galle langsam meine Kehle empor kroch. Doch plötzlich stand sie aus dem Nichts da. Ich lief in ihre Arme, welche sich schützend um mich legten. Meine Rettung. Sie drückte mich fest an sich. Es war warm, ich fühlte mich auf einmal so sicher und geborgen. Jedes noch so kleine Gefühl von Angst war verschwunden. Der Geschmack von Erbrochenem in meinem Rachen verschwand, als würde es ängstlich zurückweichen, dorthin wo es hingehörte. Und dies waren die letzten 5 Sekunden meines Traums. Ich atmete tief und schnell, versuchte die Illusion zu verarbeiten und das einzige was ich laut aussprach war ein Wort. Ein Name.

„Gretchen…"