AN: Fressie ist eine Schnittblume. Ich habe Twilight nur auf englisch gelesen, und dort heißt es, Bella rieche nach "fresia". James bezeichnet ihren Duft als "floral", also nach Blüten.
1x01 "Strange Love" Pt 1 - Edwards POV (Rückschau)
Zu sagen, ich war erstaunt, wäre untertrieben gewesen. Ich war mehr als erstaunt. Ich war hingerissen, fasziniert, frustriert, aber vor allem war ich gefesselt. Gefesselt von dem Verhalten eines einfachen Menschen. Bella Swan.
Als sie sich von mir entfernte, um wieder zu ihrer Arbeitsstätte zu gelangen, war ich noch zu mitgenommen, um sie aufhalten zu können.
Dieses einfache menschliche Wesen hatte mich vor meiner Ausblutung bewahrt. In der größten Not, die ich je verspürt hatte, seit ich ein Vampir geworden war, kam sie wie ein rettender Engel daher und vertrieb mutig meine Feinde - ihresgleichen. Selbst als sie von ihnen bedroht wurde - wohlgemerkt, weil sie mich verteidigt hatte - stand sie mutig ihrer Sache und lies sich nicht beirren. Sie verteidigte sogar mein Blut, obwohl sie wahrscheinlich gar keine Ahnung hatte, was es mit mir anstellen würde, wenn andere Menschen davon tränken.
Als diese Menschen endlich verschwunden waren, und Bella mich von der Silberkette befreit hatte, roch ich es erneut. Freesie. Aber durch meinen Blutmangel war der Duft doppelt herausfordernd für mich. Es rief förmlich nach mir. Ich war in Ekstase! Geschwächt durch das Silberband war ich nicht stark genug, um mein Bedürfnis zu stillen. Zu viel Blut hatte ich verloren, zu wenig Zeit war seit dem für meine Regeneration vergangen. Eine Ironie, dass es mich stark genug machte, dem Durst zu widerstehen. Aber ich war mir sicher, wäre es nicht meiner jahrzehntelangen Abstinenz von Menschenblut - noch bevor TruBlood auf dem Markt kam - gewesen, ich wäre trotz meiner Schwäche nicht in der Lage gewesen mich zurückzuhalten. Doch hin- und hergerissen zwischen dem Drang ihr Blut zu kosten und der Dankbarkeit, die ich für sie verspürte gelang es mir, mich zurückzuhalten. Vielleicht war es aber auch nur die Ablenkung durch diese beiden anderen Menschen, die plötzlich in einem Auto auf uns zugerast kamen.
Nachdem wir in Sicherheit waren, allerdings, griff sie nach der Nadel in meinem Arm. Menschen hatten mir eben versucht mein Blut abzuzapfen. Ich war alarmiert. Ich konnte ihre Gedanken nicht hören und war noch zu schwach. Wenn es zu einem Kampf komme würde, wäre sie mir wahrscheinlich sogar überlegen gewesen.
War sie also auch nur hinter meinem Blut her? Defensiv zuckte ich weg und deutete ihr damit, dass sie mich nicht berühren soll. Sie verstand meine Bewegung und sprang schnippisch auf. Was dachte sie?
Das Mädchen vor mir - die junge Frau - beschuldigte mich, nicht erfreut darüber zu sein, von einer Frau gerettet worden zu sein.
Waren das ihre Gedanken? Zugegeben, als ein Vampir, der sein menschliches Dasein in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts verbracht hatte, könnte man leicht der Annahme gehen, dass dem so sei. Aber nicht nur, dass ich mich durchaus den heutigen Gegebenheiten angepasst hatte. In den Jahren bevor ich geboren wurde, fand die erste Welle der Frauenbewegung statt und mein Vater war ein sehr moderner Mann. Dementsprechend bin ich schon damals mit fortschrittlichem moralischem und sittlichem Gedankengut aufgewachsen. Von daher, nein, nicht im geringsten fand ich es abwertend, von ihr gerettet worden zu sein. Ich kam ihrer Bitte nach einer Danksagung gerne nach, allerdings war ich auch noch immer zu fasziniert von der Tatsache, ihre Gedanken nicht lesen zu können. Als sie sich wieder vor mir auf den Boden kniete und langsam näher kam, fesselten mich ihre Augen auf ein neues. Bisher mochte ich tiefbraune Augen nie, da sie so oberflächlich wirkten. Aber in ihren verlor ich mich aufs Neue. Sie hätte mich um die Welt bitten können und ich hätte sie ihr dankend zu Füßen gelegt. Irgendwo tief in meinem Unterbewusstsein registrierte ich, dass meine Faszination mit ihr mich meinen Blutdurst überkommen lassen hat. Dank sei meiner jahrelangen Selbstdisziplin.
Ich dachte nicht mehr nach, als ich ihr erzählte, dass ich sie nicht hören konnte. Das brachte sie zum Stutzen - und mich holte es zurück in die Realität.
Sie war ein Mensch und ich konnte ihre Gedanken nicht hören. Woher wollte ich wissen, dass ich ihr vertrauen kann? Ich hatte mich bisher immer auf meine telepathischen Fähigkeiten verlassen. Etwas, was ich hier nicht konnte.
Aber sie war nach wie vor hier, bei mir. Ich fragte sie, ob sie denn keine Angst hätte, mit einem hungrigen Vampir allein im Wald zu sein. Ich musste sie warnen. Ich mag vielleicht meinen Blutdurst überkommen haben, aber ich war dennoch ein Vampir.
Doch sie lies sich nicht beirren. Ihr Mut von vorher kam zurück. Ich fragte mich, ob es wirklich noch Mut ihrerseits war, oder ob es nicht viel mehr der fehlende Instinkt des Selbstschutzes war? Oder gar der Adrenalinrausch?
Wie dem auch sei. Sie schlang sich die Silberkette um den Hals, um mir zu demonstrieren, dass sich sich durchaus zu helfen wusste. Erneut entwich mir bei ihrem Anblick ein schiefes Lächeln. Sie war irgendwie liebenswert. Sie war ... nicht von dieser Welt.
Ich bot ihr geradeaus mein Blut an. Ich war ziemlich direkt, versuchte es auf verschiedenem Wege. Ich machte es ihr schmackhaft, erläuterte die Vorteile, die daraus für sie entstehen würden. Sicherlich könnte sie dann nicht widerstehen. Doch wenn ich eines in den letzten Minuten gelernt haben sollte, dann: Diese Frau benahm sich nicht wie ein normaler Mensch. Sie lehnte es vehement ab. Als ich ihr die Vorzüge für ihre Gesundheit und ihr Sexualleben erklärte, konterte sie mit der einfachen Tatsache, dass sie bereits gesund sei und kein großartiges Sexualleben habe.
Es viel mir schwer ihr das zu glauben. Aber die Röte die ihr ins Gesicht stieg, bewies die Wahrheit hinter ihren Worten. Sie war definitiv nicht hinter meinem Blut her.
Ich lächelte sie an. Sie zog mich wirklich in den Bann - wahrlich wie ein Engel.
Konnte es sein...? War sie überhaupt ein Mensch? Sie verhielt sich so anders, als andere Menschen. Andere wären mir - einem Vampir - nicht zu Hilfe gekommen. Und wenn doch, dann nur aus Eigennutz - dem Blut. Andere hätten vielleicht vollendet, was Denise und Nic angefangen hatten. Sie hätten mein Blut nicht abgelehnt, als ich es anbot; sie hätten jeden Vorteil daraus gezogen, den sie haben konnten. Andere hätten mir nicht so offen erklärt, dass sie kein erwähnenswertes Sexualleben hatten - andere HATTEN eines.
Einer der Nachteile der modernen Gesellschaft war die moralische Verkommnung alter Werte, insbesondere was Intimitäten anging. Liebe und Sex war in der heutigen Gesellschaft nicht mehr zwingend voneinander abhängig. Es war schwer in der heutigen Zeit noch jemanden zu finden, der Intimitäten als das ansah, als was ich sie gelernt hatte: Ein Austausch zweier sich Liebender. Für viele war es mittlerweile ein rein körperlicher Akt geworden, bei dem es nicht mehr um die Erfahrung mit dem Anderen ging, sondern um den Akt an sich.
Ich ließ jeden Zweifel an sie fallen und war mit übermenschlicher Geschwindigkeit schneller bei ihr, als sie reagieren konnte. Ihr Herz allerdings überschlug sich augenblicklich.
"Was sind Sie?"
Ich versuchte meinen ganzen Charme einzusetzen, lächelte sie mit einem schiefen Lächeln an und versuchte sie mit meinen Augen zu blenden. Normalerweise zögerten die Menschen dann nicht, mir zu antworten.
Wenn auch stotternd, so zeigte sich doch langsam Wirkung, "Was ich bin? Ich bin ... Bella Swan. ... Ich bin Kellnerin. ... Und wie ist Ihr Name?"
Ich schaute sie verwirrt und verdutzt an. Sie hätte nicht in der Lage sein sollen einen eigenständigen Gedanken zu fassen, geschweige denn eine Gegenfrage. Interessant. Ich musterte sie erneut eindringlich. Wer war ich, ihr nicht die Antwort auf eine Frage zu geben, die sie eigentlich nicht hätte stellen dürfen? "Edward."
Ich war ein Vampir, Edward. Das war ich, das ich ihr hätte nicht die Antwort geben dürfen. Ich hatte wirklich mit jeder Reaktion gerechnet. Wut, Faszination, Hingerissenheit, Angst, Scheu, was auch immer. Aber definitiv hatte ich unter keinen Umständen damit gerechnet, dass dieser Engel vor meinen Augen anfangen würde lauthals zu lachen, „Edward? Ich hätte mit Bill oder Eric oder James gerechnet, aber … Edward? Welcher Vampir nennt sich denn Edward?"
Wenn ich hätte rot werden können, wäre ich es geworden. Dem Himmel sei Dank konnte ich es nicht. Aber diese Frau war einfach berauschend. So unvorhersehbar.
Ich schaute sie mit einem verschmitzten, schiefen Lächeln an, bevor ich spielerisch die Augen verdrehte. Aber so gern ich Humor aus der Situation nehmen wollte, trat ein bisschen Frustration hervor. Auf der anderen Seite konnte sich auch nur eine Frau über einen altmodischen Männernamen lustig machen. Vielleicht war es ja doch nicht so gut, dass mein Name inzwischen aus der Mode gekommen war.
"Silber, hu?", begann sie. "Ich dachte, das betrifft nur Werwölfe."
Werwölfe? Sie wusste von Werwölfen?
"Nicht, dass es Werwölfe gibt.", versuchte sie mich zu überzeugen. Dachte sie, ich halte sie für verrückt? Ich musste lachen. Wenn hier jemand verrückt war, dann war ich das. Schließlich konnte ich Stimmen hören.
Aber ich konnte sie nicht durch die Welt spazieren lassen, mit dem Wissen, was Silber mit uns anrichtet. „Ich würde es sehr schätzen, wenn Sie diese Information für sich behalten würden. Wir mögen es nicht, wenn unsere Schwächen allgemein bekannt werden."
Ihr Gesicht fiel. Hatte sie etwa vorgehabt, aus diesem Wissen Geld zu schlagen? Wollte sie zur nächsten Talkshow gehen und der ganzen Welt erzählen, was sie gesehen hatte? Ich sah einen frustrierten Ausdruck über ihr Gesicht huschen, der aber sehr schnell von einem gekränkten Ausdruck ersetzt wurde.
Ich hatte sie beleidigt. Und ich war voreilig zu dem falschen Schluss über ihre Intentionen gekommen.
Ehe ich sie zurückhalten konnte, sagte sie mir auf Wiedersehen und verschwand in der Bar.
Und hier stand ich nun, wenige Sekunden später, mich noch immer an alles erinnernd.
Ich machte mich schnell auf den Weg zurück in mein neues Zuhause. Die Nacht war noch jung, und ich wollte noch einiges in dem Haus schaffen. Es musste von Grund auf neu renoviert werden. Nicht, dass Esme - meine Mutter - keinen Spaß daran hätte, das Haus neu einzurichten. Aber sie konnte es nicht neu einrichten, ehe nicht grundlegende Sachen wie Strom, fließendes Wasser, und sichere Böden gegeben waren.
Dank meiner Fähigkeit wesentlich schnell arbeiten zu können, als Menschen war das allerdings auch kein Problem für mich. Das einzige Problem, was derzeit bestand, war die Tatsache, dass ich noch keinen Elektriker gefunden hatte, der bereit war in das Haus eines Vampirs zu kommen. Frustrierend. Wieso hatten die Menschen noch immer ein solch große Angst vor uns?
Natürlich gab es genug Vampire, die sich nach wie vor von Menschenblut ernährten, oder von Tierblut. TruBlood schmeckte für uns in etwa so, wie für Menschen Kaffee aus Plastikbechern schmecken musste. Es hatte so einen gewissen Nachgeschmack, der es abscheulich schmecken lies. Aber zugegebenermaßen, es erfüllte seinen Zweck. Meine Familie und ich würden diese Kleinigkeit gern in Kauf nehmen, wenn wir dafür keine Monster mehr sein müssten. Aber wir waren welche. Wir lebten von der Lebenskraft anderer Wesen.
Vielleicht sollte ich wirklich auf TruBlood umsteigen. Dann würde nie wieder ein Lebewesen wegen mir diesen Planeten verlassen müssen.
Außerdem interessierte mich, was das mit meinen Augen machen würde. Ich glaube, ich sollte es mal für ein paar Tage versuchen.
Während ich dabei war, die Außenwand neu zu verputzen, schweiften meine Gedanken zu den Gründen ab, warum ich überhaupt nach Forks gekommen war. Und natürlich zu meiner wunderschönen Bedienung im Black's.
Ich war nach Forks gekommen, um ein neues Haus für meine Familie zu finden. Forks war von einer ständigen Wolkendecke umgeben. Sie würde uns ermöglichen, auch am Tage den Schutz unseres Hauses zu verlassen. Wir Vampire hatten eine schwere Zeit am Tage. Prinzipiell machte uns Tageslicht nichts aus. Unsere Haut begann ein klein wenig zu glitzern, aber unter Forks' Wolkendecke sollte sich das in Grenzen halten. Allerdings hatten wir ein Problem, wenn wir direkter Sonnenstrahlung ausgesetzt waren. Es würde nicht lange dauern, und unser Körper würde verbrennen. Emmett hatte in einem Anfall von Langeweile einmal versucht herauszufinden, wie lang er in der Sonne aushalten würde. Ich musste wohl nicht zwei mal betonen, wie empört Rose war. Und kaum davon sprechen, wie Esmes außer sich vor Sorge um ihn war. Aber das war Emmett - voll voller verrückter Ideen.
Es stellte sich heraus, dass wir wesentlich länger in der Sonne aushielten, als gedacht. Sein Körper fing langsam an zu verschmoren und nach exakt 4 Minuten 32 Sekunden und 9 Zehntelsekunden war er so verkohlt, dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Ganz zu schweigen, von den Schmerzen. Rosalie eilte zu ihm und brachte ihn zurück in die Sicherheit unserer Residenz. Emmett sah fürchterlich aus. Aber ganz ehrlich? Es war nichts, was nicht nach ein paar Liter frischem Blut wieder heilen würde. Ehrlich, Emmett sah schon mal schlimmer aus.
Ich hatte trotzdem kein Bedürfnis dieses Erlebnis zu wiederholen.
Wir entschieden uns in Forks eine dauerhafte Residenz zu erbauen. Jetzt, wo wir uns als Vampire nicht mehr verstecken mussten, könnten wir hier bleiben - ohne ständig die Highschool neu durchlaufen zu müssen. Der Gedanke daran, hier einen dauerhaften Wohnsitz zu haben, erfüllte mich mit Glück. Rosalie mochte Forks schon allein wegen der Wolkendecke. Und Alice? Alice mochte Forks noch bevor wir wussten, dass es Forks überhaupt gibt. Ich schwöre noch nie so ein dummes Grinsen auf Alices Gesicht gesehen zu haben. Ich wusste genau, dass sie eine Vision hatte. Aber dummerweise hatte sie ihre Gedanken geblockt und ich hatte kein Interesse daran, mir die Serie "Sanctuary" in ihrem Kopf erneut in drei verschiedenen Sprachen anzuschauen. Ehrlich, was hatte sie mit dieser Serie? Zugegeben, Nikola Tesla als Vampir war eine lustige Idee, aber James Watson als das größte Genie aller Zeiten? Also bitte! Hätte man diese Ehre nicht Albert Einstein zukommen lassen sollen?
Ah, ich driftete in meinen Gedanken schon wieder ab.
Hier war ich also, auf einer Mission in Forks ein Haus zu finden. Aber es war nicht irgendein Haus, was ich im Auge hatte. Zu meinen Lebzeiten besaß mein Onkel eine Villa in Forks. Als die spanische Grippe meine gesamte Familie ausrottete, befand sich mein Onkel mit seiner gerade in Chicago. Es gab also keinen Erben für diese Villa. Nach dem hoffentlich bald verabschiedeten Gesetz für die Rechte der Vampire würde mir dann das Haus zufallen. Alice meinte, es wäre nur noch eine Frage der Zeit. Wenn Alice sagt, es passiert, dann wird es auch passieren.
Während ich kein Problem damit hatte, für mich zu leben, genoss mein "Vater" Carlisle es, sich in die menschliche Gesellschaft zu integrieren. Ich glaubte, diese Kleinstadt konnte sich glücklich schätzen, einen so fähigen Arzt zu bekommen. Doch für mich hieß das, ich muss mich mit den Leuten anfreunden.
Und das war meine Mission für heute Nacht.
So stand ich also vor dem Black's, dem zentralen Treffpunkt in Forks. Ich konnte die Menschen von draußen hören. In beiderlei Hinsicht. Meine Hörkraft und ein Einblick in ihre Gedanken zeigten mir, dass viele Menschen ausgelassen den Tag beendeten. Ein älterer Mann, der krampfhaft versuchte, sich selbst ein Bier zu verwehren. Eine Dame mittleren Alters, die über ihre Dienste ihrem Mann gegenüber nachdachte ... ich sprang schnell zu anderen Menschen über. Es gab einfach Dinge, die ich nicht hören wollte ... der Koch "Nein, die haben keine Angst vor dir, du scharfes Luder. Die haben Angst vor dem, was zwischen deinen Beinen ist." und eine Kellnerin, deren geschockte Antwort ich durch seine Gedanken hören konnte, „Tyler! Ich will dein versautes Gequatsche nicht hören." Ich musste grinsen. Sie hatte ja keine Ahnung, was in seinem Kopf vorging.
Ich suchte einen freien Tisch und setzte mich hin. Mein Blick wanderte automatisch an die Bar - und ich roch den süßesten Duft von Blut, den ich je gerochen hatte. Freesie. Atemberaubend. Nicht, dass ich atmen hätte müssen. Und das tat ich auch nicht mehr. Die Wucht des Blutdurstes, der in mir aufstieg war unbeschreiblich. In meinen neunzig Vampirjahren hatte ich noch nie so einen Durst auf Blut verspürt. Doch ich wollte kein Monster werden. Meine Familie und ich, wir waren anders als andere Vampire. Noch bevor TruBlood - synthetisches Blut - auf den Markt kam und Vampire den Schutz der Nacht verließen, ernährten wir uns nicht von Menschenblut, sondern Tierblut. Witzigerweise nannten wir uns immer Vegetarier. Ich glaube mit der Erfindung von TruBlood bekam dieser Ausdruck aber eine neue Bedeutung. Wie auch immer, ich war mir sicher, wäre es nicht meiner jahrzehntelangen Abstinenz von eben jenem Menschenblut gewesen, wäre ich nicht in der Lage gewesen mich zurückzuhalten.
Der Mensch, zu dem dieser Duft gehörte war eine Kellnerin. Braune Haare, mit braunen Augen, der Durchschnitt eben. Ich erkannte sie allerdings wieder. Sie war das "scharfe Luder". Ich musste leicht grinsen.
Unsere Blicke trafen sich für einen kurzen Moment. Doch dieser Moment reichte aus, damit mich ein Schlag durchfuhr.
Was zur Hölle war denn das?
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ihr die Röte ins Gesicht stieg und sie sich voller Begeisterung umdrehte und den Kellner - wahrscheinlich ihr Boss - an ihrer Begeisterung über den wahrscheinlich ersten Vampir im Black's teilhaben lies.
Ich war also der erste Vampir, den diese Menschen von Angesicht zu Angesicht gesehen hatten. Gut zu wissen.
Natürlich kam die Kellnerin zu mir, um meine Bestellung aufzunehmen. Für einen kurzen Moment ergriff mich Panik. Was sollte ich bestellen? Ah, richtig, TruBlood.
Ich schaute sie mit einem schiefen Lächeln an, "Haben Sie etwas von dem TruBlood?"
Etwas verlegen antwortete sie mir, "Nein."
Und als sie mir erklärte, wieso nicht, war ich neugierig geworden, was in ihrem Kopf vorging. Sie schien plötzlich so nervös zu sein. Sicher hatte sie ähnliche Gedanken, wie all die anderen Frauen, wenn sie uns männliche Vampire sahen. Sie waren von uns hingerissen, verfielen uns mit nur einem Blick.
Doch dann geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.
Ich konnte sie nicht hören. Also, natürlich konnte ich sie hören, ihre Stimme. Aber nicht ihre Gedanken.
Seit ich ein Vampir geworden war, konnte ich die Gedanken anderer Menschen hören. Eine Gabe und ein Fluch zugleich. Es war sehr hilfreich, wenn es darum ging, mich oder meine Familie zu beschützen, vor allem, als die Menschen noch nicht von der Existenz von Vampiren wussten. Aber der Fluch war, selbst Gedanken zu hören, die ich nicht hören wollte. Manchmal wünschte ich mir so sehr, ich könnte mich mit jemandem unterhalten, ohne vorher zu wissen, in welche Richtung das Gespräch verlaufen würde. Es war belastend. Natürlich war es am Anfang auch sehr verwirrend. Wann immer jemand "Edward" dachte, drehte ich mich automatisch um. Sehr verwirrend. Dem Himmel sei Dank war mein Name mittlerweile aus der Mode gekommen.
Aber ich verlor mich in meinen Gedanken. Ich neigte dazu, jede noch so kleine Zehntelsekunde mit meinen eigenen Gedanken auszufüllen. Vielleicht hoffte ich so, den Gedanken anderer zu entkommen. Und die Tatsache, dass das Gehirn eines Vampirs viel mehr Informationen in einer viel kürzeren Zeitspanne verarbeiten konnte, als das eines Menschen, half nicht immer bei meiner Flucht.
Zurück in der Gegenwart, bestätigte sie mir erneut, dass ich der erste Vampir im Black's sei.
Ich konnte mir nicht verkneifen zu fragen, ob man mir das denn so offensichtlich ansehen würde. Menschen fühlten sich zu uns hingezogen, fanden uns anziehend. Aber normalerweise fiel es ihnen etwas schwerer festzustellen, dass wir Vampire waren. Sie hingegen hatte mich gerade mal paar Sekunden gesehen. Erneut musste ich lächeln.
Sie fing eine unverfängliche Unterhaltung mit mir an und auch wenn sie ein Mensch war, ich genoss es. Sie war so unvorhersehbar! So ... unlesbar!
Der Mann hinter der Theke hieß offensichtlich Jake. Als sich unsere Blicke trafen grüßte er mir freundlich und nett zu. Doch in seinen Gedanken konnte ich etwas anderes entdecken: Eifersucht. Ah, er mochte meine Bedienung. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Ich mochte sie auch.
Bella wurde erneut rot, als ein kurzes Schweigen zwischen uns auftrat. Ich mochte diese Worte noch nie bei einer Frau angewandt haben, aber bei Bella tat ich es zurecht, wenn ich sagte, ihre Errötung war niedlich. Natürlich verursachte dass erneut einen Blutrausch in mir. Aber ich war ein Meister der Selbstdisziplin, richtig? Wen versuchte ich eigentlich zu überzeugen? Sie, oder mich? Ein selbstzynisches Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich mir eingestand, dass ich mehr oder minder mich versuchte zu überzeugen.
Sie holte mich aus meinen Gedanken erneut zurück, als sie mich fragte, ob ich denn auch etwas anderes Trinken würde. Wusste sie von meinem Durst auf ihr Blut? Wie absurd. Aber manchmal ist die Situationskomik zu ironisch. Doch wenn ich jetzt Nein sagen würde, was für einen Grund hätte ich dann noch hier zu sein?
Ich schaute sie interessiert und intensiv an, "Ganz offen gesagt, Nein. Aber Sie können mir gern ein Glas Rotwein bringen, damit ich einen Grund habe, hier zu sein."
Uhm, wie lahm hörte sich das denn an? Als sei ich ein gesellschaftsgeiler Vampir gewesen. Toller erster Eindruck, den ich da vermittelt hatte.
Doch zeigte sie mir, was genau es hieß, ihre Gedanken nicht zu kennen: "Also, egal aus welchem Grund. Ich freue mich jedenfalls, dass Sie hier sind."
Sie freute sich? Nun, ich freute mich auch, dass ich mich offensichtlich nicht ganz zum Idioten gemacht hatte. Aber das war eine Antwort, mit der ich nun doch nicht gerechnet hatte.
Ich wollte mich gerade offiziell vorstellen, als mir zwei andere Menschen das Wort abschnitten. "Hören Sie nicht auf Bella, sie erzählt manchmal zu viel. Ist ein bisschen durchgeknallt, wissen Sie?"
Nein, wusste ich nicht. Ich verdrehte meine Augen - zu schnell um für einen Menschen wahrgenommen zu werden. Ich wusste allerdings, dass ich mit diesen beiden Menschen nichts zu tun haben möchte. Und ich wusste, dass ich bereits ziemlich sauer auf sie war. Wer waren sie so über ein solch faszinierendes Wesen zu herzuziehen?
Als ich wieder zu meiner Bedienung - offensichtlich war ihr Name Bella - schaute, war ich geschockt erste Ansätze von Tränen in ihren Augen zu sehen. Mit den Worten, "Ich hol Ihnen mal den Wein.", rannte sie wieder zurück zur Theke.
Die Gefühle, die durch meinen Körper rannten, waren mit Worten nicht zu beschreiben. Zu meinem Entsetzen gesellten sich diese beiden Menschen zu mir.
Ich hörte wie Jake Bella tröstete, sie solle sich nichts aus Denise und Nic machen. So waren also ihre Namen.
Die beiden versuchten ein Gespräch mit mir anzufangen. Die Frau - Denise versuchte mit mir zu flirten. Ich versuchte gar nicht erst ihre Gedanken zu lesen. Bei der Vorstellung welche Fantasien über mich haben könnte, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Ziemlich schwer für einen eh schon kalten Vampir.
"Darf ich Ihnen sonst noch was bringen?", fragte uns eine Stimme, die wie Musik in meinen Ohren klang. Bella. Aber sie klang anders ... nervös!? Ich hörte sie keuchen. Was war los mit ihr? Oh, Denise hing an meinem Arm. Ich würde dafür Sorge tragen, dass die beiden das Lokal verlassen, sobald Bella wieder hinter der Theke sein würde. War Denises Mann denn gar kein bisschen eifersüchtig? War sein Blick eben noch mörderisch auf mich gerichtet, schaute er jetzt breit grinsend Bella an. Ich kannte dieses Grinsen. Ich musste kein Gedankenleser sein, lediglich ein erfahrener Jäger nach Straftätern. Aber das würde ich nicht zulassen. Bella würde er nicht kriegen.
Es war ihr aber offensichtlich unangenehm, denn ihr Herz schlug abrupt immer schneller. Aufgeregt teilte sie uns mit, dass das nächste Bier aufs Haus ginge.
Hatte ich schon erwähnt wie frustrierend es war, ihre Gedanken nicht zu kennen? Ich konnte machen was ich wollte, ich fand ihre mentale Stimme nicht. Sie war einfach nicht existent. Es war nicht so, dass sie geblockt wäre, nein, ich konnte sie gar nicht erst wahrnehmen! Frustrierend.
Ich schaute sie fragend an. War es wirklich Nervosität, was sich da in ihren Augen widerspiegelte, was ihren Herzschlag so schnell schlagen lies? Ich war geschockt, als sie mich für einen kurzen Moment flehend anschaute und verlangte, dass ich auf keinen Fall weggehen solle.
Ich würde nicht von hier weggehen. Aber ich musste dafür Sorge tragen, dass diese beiden Menschen uns nicht länger belästigen würden. Ich wollte weder die Fantasien der Frau über mich, noch die des Mannes über Bella hören.
Also schlug ich vor, nach draußen zu gehen. Sicherlich würde ich dort irgendwas in ihren Gedanken finden, um sie von hier fortzujagen - wenigstens für diese Nacht.
Aber ich war dumm. Ich war dumm, überheblich und arrogant. Und dafür würde ich jetzt mit meiner Existenz bezahlen. Ob Alice das kommen gesehen hat?
Die beiden Menschen waren cleverer und intelligenter, als ich ihnen zugetraut hatte. Vor allem waren sie fokussierter, als ich dachte. Und wenn ich nur mal kurz in ihre Gedanken geschaut hätte, dann wäre das nie passiert. Dann würde ich jetzt nicht auf dem Boden, von einer Silberkette gefesselt, liegen und auf meinen Tot warten.
Einen Tot, der niemals kommen würde - weil Bella mich gerettet hatte. Ob Alice auch das gesehen hatte? Wieso kümmerte es mich überhaupt, ob Alice sah, was hier vor sich ging? Sie würde noch früh genug Chaos mit ihren Visionen verbreiten.
Zurück in der Gegenwart musste ich grinsen. Bella hatte mich in ihren Bann gezogen, so viel stand fest. Aber wer war sie? Ich musste sie wiedersehen. Unbedingt.
Doch leider machte mir der anbrechende Tag einen Strich durch die Rechnung. Von all den Tagen, in denen in Forks die Sonne schien, musste sie ausgerechnet heute scheinen!
AN: Es stellt sich heraus, dass ich aus Bellas POV ein bisschen die Storyline erkläre, wie sie in True Blood ist, und mit Edwards POV schlage ich dann wieder den Bogen zu Twilight. Interessante Entwicklung :o)
