Vorschau 1x02 "Blut geleckt" - Edwards POV

Zwei Minuten und fünfundvierzig Sekunden und zwei Zehntelsekunden nach Alices Anruf roch ich das schreckliche Ausmaß. Bellas Blut. So Potent wie es nur sein konnte. Aber meine Wut und mein Ärger über diese beiden Menschen war so alleseinnehmend, dass ich kaum einen Gedanken an Bellas Blut verschenkte. Unwillkürlich entwich mir vor Wut ein tiefes und lautes Grollen und ich schaltete auf Instinkt. Diese Menschen hatten meiner Bella weh getan - dafür würden sie bezahlen müssen!

Bella hatte ihre Hand um Nics Bein geschlungen, um ihn von dem Hund abzulenken, der Nic beschützerisch anknurrte. War das ihr Hund?

Zwei Minuten und fünfundvierzig Sekunden und sieben Zehntelsekunden nach Alices Anruf schleuderte ich Nic mit der Kraft all meiner angestauten Wut gegen den nächsten Baum. Ich bezweifelte, dass er das überleben würde. Und falls doch, dann nur mit einer Ganzkörperlähmung.

Denise war geschockt und verängstigt zugleich.

„Zeig dich, du Feigling!", forderte sie mit mehr Mut heraus, als sie eigentlich hatte.

Zwei Minuten und sechsundvierzig Sekunden und fünf Zehntelsekunden nach Alices Vision packte ich auch sie und schleuderte sie mit aller Gewalt so weit weg ich nur konnte. Auch bei ihr bezweifelte ich, dass sie das überleben würde.

Ich verspürte keine Reue. Sie wollten meiner Bella schaden! Ja, meiner Bella. Nach unserem Zusammentreffen gestern Abend entwickelte sich bereits mein Beschützerinstinkt für sie. Den ganzen Tag wartete ich darauf sie endlich wiedersehen zu können. In meinen mehr als hundert Jahren Existenz hatte ich noch nie ein solches Gefühl gegenüber einem anderen Wesen – ob Mensch oder Vampir – gehabt. Dieses Gefühl war mir aus meinem eigenen Erfahrungsschatz unbekannt. Aber dennoch kannte ich es – durch die Augen meiner Familie. Es nennt sich Liebe. Ich war ehrlich genug, es mir einzugestehen. Zugegeben, ich hatte Angst, verdammt große Angst. Nicht vor ihr, aber vor ihrer Reaktion, davor, sie in Gefahr zu bringen. Nicht alle Vampire waren so friedlebend wie wir. Nur weil wir nun öffentlich geworden waren, hieß das nicht, dass wir keine Gefahr für Menschen darstellten.

Doch als mich Bella heute Abend nicht zurückgewiesen hatte, sondern sogar selbst ein Treffen initiierte – egal aus welchen Gründen – rief das in mir ein Glücksgefühl hervor, welches ich glaubte nicht mehr toppen zu können. Sie war zumindest an mir interessiert. Ich widerte sie nicht komplett an. Sie wollte mich um einen Gefallen bitten und ich wusste noch nicht, um was sie mich bitten würde. Aber was auch immer sie von mir verlangen würde, sie konnte es bereits als erledigt betrachten. Aber gleichermaßen war das der Moment in dem ich sie das erste mal als meine Bella betrachtete.

Und hier lag sie nun, verletzt – wegen mir. Was für ein toller Beschützer ich war.

Ich beugte mich langsam zu ihr nieder und schaute sie flehend an. Sie musste einfach überleben. Mein jahrelanges Medizinstudium war ausreichend genug, um zu wissen, dass ihre Verletzungen ernsthaft waren.

Doch als wolle sie mir ins Gesicht lachend zeigen, dass ich zu spät war, verlor sie das Bewusstsein.

Bella!

Sanft hob ich sie in meinen Armen. Sie musste hier weg, ich musste hier weg. Ich wollte sie auf keinen Fall länger an diesem tragischen Ort lassen, als unbedingt notwendig.

Aber wo wollte ich sie hinbringen? In ein Krankenhaus? Nein, Carlisle und ich könnten sie besser pflegen als ein Krankenhaus es jemals konnte. Zu mir? Ob sie es begrüßen würde, mit einem Vampir allein in einem fremden Haus zu sein?

Doch ich war schon längst in die Richtung meines Hauses unterwegs. Ich lief langsamer als gewohnt, aus Angst sie noch mehr zu verletzten, als sie eh schon war.

Bella rührte sich in meinen Armen. Für einen kurzen Moment war sie bei Bewusstsein und schaute mich durch ihre braunen Augen an.
„Sh, Bella, es ist alles okay.", log ich. Ich wusste, dass nicht alles okay war.

Am Waldrand zu meinem Haus lies ich uns nieder. Ich wagte es nicht, sie zu verschrecken indem ich sie in mein Haus brachte. Was, wenn sie schreiend davon rennen würde, sobald sie aufwachte? Ich hätte es nicht ertragen können, sie vor Angst aus meinem Haus rennen zu sehen.

Ihre Verletzungen waren enorm. Selbst menschliche Medizin hätte Probleme gehabt, sie wieder zu heilen.

Das war's. Ob sie nun wollte oder nicht, sie würde mein Blut trinken! Es würde sie heilen. Natürlich waren mir die Konsequenzen klar. Nicht umsonst wäre sie der erste Mensch, der jemals von meinem Blut trinken würde. Unwillkürlich wären wir miteinander verbunden. Ich würde sie spüren können, wann immer sie in Gefahr war. Ich würde spüren, ob sie glücklich oder traurig war. Sie würde sich am anderen Ende der Welt befinden können, ich würde sie immer noch spüren. Für sie wären die Folgen nicht so gravierend. Ihre Sinne würden für eine Weile gestärkt sein und sie würde verstärkt Lust verspüren. Aber sie würde mich nicht so spüren können, wie ich sie. Wenn sie sich dazu entscheiden würde, mich aus ihren Leben zu verbannen, gäbe es nichts, was sie davon abhalten würde. Aber ich war ihr schon viel zu sehr verfallen, um zu bezweifeln, dass ich sie für immer in meinem Leben haben wollen würde.

AN: Also, was sagt ihr? Fortsetzung oder keine Fortsetzung?