Summary: ‚Charmed' ist nur eine Serie – oder? Als Julie eines Tages mitten in der magischen Welt aufwacht beginnt das Abenteuer ihres Lebens…
Disclaimer: Und falls hier jemand unter Wahnvorstellungen leidet: Schön wär's, aber nein, ‚Charmed' gehört nicht mir.
Note 1: An meine treuen Reviewer: Danke für euer Feedback :-) Und immer schön weiter so!
Note 2: Ja... also, das letzte Kapitel war etwas traurig. Und wie es aussieht kann ich euch von der traurigen herzzerreißenden Schiene auch noch nicht weglassen.
Wie heißt es so treffend? Bevor es besser wird, muss es erst noch mal schlimmer werden.
(Ich erhöhe übrigens auch das Rating nochmal... nicht dass jemand am Ende meint, er wäre nicht gewarnt gewesen. Obwohl ich so explizit eigentlich auch nicht werde. Trotzdem: Vorsorge ist besser als Nachsorge!)
Kann ich nur sagen: Armer Chris! Und jetzt: Armer Mike!
Und ich hoffe, euch gefällt's trotzdem!
In diesem Sinne: On with the show!
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Zwischen den Welten
Kapitel 6
Doch Wyatt hatte wirklich vor, sich zu unterhalten – vorerst wenigstens.
Er hatte seine Gründe dafür und die brauchte Mike nicht zu wissen. Zwar hatte er eigentlich anderes zu tun – ein kleiner Aufstand im Osten des Landes, ein brüchiger Vertrag mit einem Dämonenclan... aber... er nahm sich jetzt Zeit für ein Gespräch mit diesem Menschen.
Oh ja, es würde interessant werden!
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Der Herr ist mein HirteMir wird nichts mangeln
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zu frischem Wasser
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
- Psalm23
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Inzwischen tat ihm alles weh. Kein Muskel, den er nicht spürte, kein Stück Haut, dass nicht schon durch eine Faust, einen Energieball oder eine Waffe getroffen worden war. Er wünschte nur noch, es würde aufhören!
Das tat es nicht. Wyatt hatte letztlich doch eine Frage gestellt, die er nicht beantworten konnte. Und als hätte er schon darauf gewartet und damit gerechnet, fing er sofort an, als Mike sagte, er wüsste es nicht. Woher auch? Woher sollte er verdammt noch mal wissen, was für Kräfte er hatte? Oder haben würde... denn wenn er sie jetzt schon hätte, würde er bestimmt nicht den Prügel-Zeitvertreib für Wyatt spielen. Ganz bestimmt nicht.
Flehen nützte nichts. Mike hatte natürlich mehr als einmal gesagt, Wyatt solle aufhören mit dem was er tat. Und irgendwann dann hatte er selbst es aufgegeben, seinen Folterer darum zu bitten. Er war zu beschäftigt mit den Reaktionen seines Körpers gewesen, um noch irgendwelche Worte zu artikulieren.
Ein weiteres Mal raste Schmerz durch sein Fleisch, hinterließ Spuren in seinem Geist. Er hatte es nicht mal mehr kommen sehen, hatte auch keine Ahnung, was ihn verursacht hatte. – Es war ihm auch egal. Wozu sollte er es wissen wollen?
Das nächste, was er wusste war, dass jemand seinen geschundenen Körper umdrehte und sich über ihn beugte. Mit großer Mühe öffnete er seine zusammengekniffenen Augen. Dann entrang sich seiner heiseren Kehle die Parodie eines Lachens. – Wyatt, wer sonst?
Noch vor einer Stunde hätte er versucht zurückzuweichen, die Arme zu heben oder sonst irgendwie Schutz zu suchen. Aber jetzt war er zu schwach. Und er wusste, dass es sinnlos war.
Wyatt sah ihn wieder an. Was am Erschreckendsten war, war, dass nichts Erschreckendes in seinem Blick war.
Da hatte dieser Mann ihn die letzten paar Stunden gefoltert ... und nichts. Sollte sich nicht irgendetwas davon in seinen Augen wiederspiegeln?
Schließlich packte er Mike an den Schultern und hievte ihn in eine sitzende Position, um sich dann hinter ihn zu knien. Mike spürte seinen heißen Atem in seinem Nacken. Es machte ihn schaudern. Er versuchte verwirrt den Kopf zu wenden, da fiel ihm am Rande seinen Blickfeldes etwas anderes auf... jemand anderes.
Ein Dämon hatte den Raum betreten. Beinahe gierig betrachtete er Mike. Der war plötzlich aus seinem geistigen Rückzug erwacht. Was gab es, was Wyatt selbst ihm nicht antun konnte? Wozu jemand anderen dazuholen?
Die Kreatur verbeugte sich vor Wyatt. „Soll ich anfangen?"
„Hätte ich dich sonst gerufen?" Der Griff um Mikes Arme wurde fester.
„Was-?" Mikes warf einen ängstlichen Blick in Richtung des Dämons. Dieser hob die Hände und murmelte etwas.
Plötzlich spürte Wyatt wie der Junge in seinen Armen unruhig wurde. Dann entrang sich Mikes Lippen ein Stöhnen. Sein Kopf zerbrach wieder und wieder in tausend Stücke. So zumindest fühlte es sich an. Und dann – einen Moment lang Nichts. Der Dämon dehnte den Augenblick aus. . . . . Mike – kurz von allem Schmerz befreit, seufzte überrascht auf. Auf dem Gesicht von Wyatts Gefolgsmann bildete sich bei dem Geräusch ein boshaftes Lächeln. Noch einmal zog es seine Augen zu seinem Herrn um sicherzugehen, dass er weitermachen sollte. Als er die Bestätigung hatte vollführten seine Finger einen weiteren komplizierten Tanz und der Horror begann von vorn.
War Mike vorher unruhig gewesen, so warf er sich jetzt hin und her, sodass Wyatt es schließlich aufgab, ihn festzuhalten und ihn stattdessen telekinetisch an den Boden nagelte.
Was gerade geschah? Der Dämon drang auf höchst unsanfte Weise in den Geist des jungen Mannes ein und riss dabei rücksichtslos alles ein, was er unbewusst im Laufe seines Lebens an Barrieren um sein Ich errichtet hatte. Und als er damit fertig war schälte er sein Bewusstsein wie eine Zwiebel – Schicht um Schicht. Und zu all dem, was er bereits durchgemacht hatte und gerade durchmachte, durfte Mike jetzt noch einmal die letzten Stunden durchleben – die Schläge, die Energiebälle, die Erniedrigung...
Wyatt stand jetzt in einiger Entfernung, die Hände hinter dem Rücken verschränkt und beobachtete den ‚Vorgang' höchst interessiert. Er kannte natürlich die Art, wie die Kräfte von Joras auf seinen Gerfangenen wirkten – aber selbst hatte er es nie erlebt. Damals, bevor Joras sich ihm ergeben hatte, hatte dieser natürlich versucht auch Wyatt geistig auseinanderzunehmen – und wenn Joras das mit einem tat und die Puzzlestücke hinterher nicht wieder zusammensetzte durfte man den Rest seiner Tage als sabbernder Idiot umherlaufen. Glücklicherweise jedoch hatte Wyatts Schild die Attacke abgewehrt. Es war das erste Mal, dass es auch bei einem mentalen Angriff funktioniert hatte.
Während Wyatt sich diese Gedanken machte hatte Mike Mühe überhaupt zu denken. Joras grub einfach immer weiter und wie nebenbei nahm er Mikes Persönlichkeit auseinander.
Immerhin tat er es so, dass er den Schaden später wieder reparieren konnte. Sein Meister hatte deutlich gemacht, dass er das wünschte. Aber was er eigentlich suchte waren Erinnerungen. Durch die letzten, die noch an der Oberfläche geschwommen hatten war er lange durch. In Ordnuing, sie waren delikat gewesen. Ohne Zweifel wusste Wyatt, was zu tun war, wenn er jemandem Schmerzen zufügen wollte. Doch Joras suchte nach den Dingen, die schon länger her waren, die Mike besser in seinem Gedächtnis vergraben hatte.
Und während er also durch die Gefühle und Erinnerungen des Menschen watete und sich an ihnen labte... da beging er einen Fehler.
Er drang immer weiter in ein Gebiet vor, dem sich Mike bewusst niemals näherte. Er hatte es erlebt und weggeschlossen. Nicht darüber nachgedacht und es ganz bestimmt nicht verarbeitet. Nur getrauert... endlos...
Als Joras dann die Tür zu dieser speziellen Erinnerung aufstieß geschah etwas, was er nicht erwartet hatte – womit auch Mike nicht gerechnet hatte.
Einzig Wyatt war nicht überrascht.
Es war Nacht, ein Jahr zuvor. Eine kalte Nacht, mit klarem Himmel. Nur ein paar Schleierwolken begleiteten den Mond als wollten sie ihm Gesellschaft leisten.
Trotz der Kälte amüsierte Michael sich prächtig. Er hatte seine Freundin abgeholt, sie waren Essen gewesen, hatten ihr Zweijähriges gefeiert und sich dann im Kino noch eine Spätvorstellung angesehen. Ein Horrorschocker, wie Honnah ihn liebte – gruselig und eklig bis zum Schluss.
Woran es lag, dass sie sich auf dem Nachhauseweg eng an ihn schmiegte – ob sie müde war oder sie die Kälte spürte – das fragte er nicht. Wie schon in so vielen Nächten zuvor genoss er einfach ihre Nähe.
An der Kreuzung 2 Blocks vor ihrer Wohnung stellte sich die ewige Frage. Ein Blick in ihre meerblauen Auge beantwortete sie. Sie würden die Abkürzung nehmen.
Sie bogen also in die Seitenstraße ein... die eigentlich eher eine Seitengasse war – eng, dunkel, mit ein paar Mülltonnen. Ansonsten aber nicht weiter schlimm... dachten sie.
In diese Straße zu gehen, mitten in der Nacht und mit Hannah... das war der größte Fehler seines Lebens.
Sie waren zur Hälfte hindurch, als sich vor ihnen 2 Typen aufbauten. Zuerst dachte Mike, sie hätten sie nur nicht gesehen und bat sie aus dem Weg zu gehen. Aber das taten sie nicht. Mike und Hannah drehten sich um, um zurückzugehen... doch auch hinter ihnen war der Weg versperrt. Seine Freundin warf ihm einen unsicheren Blick zu und Mike schob sie hinter sich, so dass sie mit dem Rücken zu einer Hauswand stand. „Was wollt ihr?"
„Das... ist ein Überfall", sagte der Anführer der Meute mit einem Grinsen und zückte ein billiges Messer. „Her mit dem Geld."
Mike entschied, dass das wohl eher nicht der Zeitpunkt war um den Helden zu spielen und zückte ohne zu zögern seine Brieftasche. Einer der Männer riss sie ihm auf der Hand.
„Du auch, Schätzchen", forderte ein anderer Hannah auf. Mit zitternden Händen kramte sie aus ihrer Tasche ihr Portemonnaie und hielt es an Mike vorbei dem Typ hin. Der grabschte danach, packte sie dann jedoch am Handgelenk. „Was haben wir denn da?"
„Lass sie sofort los", entfuhr es Mikes unwillkürlich.
„Sonst was?" Der Mann zog an Hannahs Handgelenk; ein anderer schob Mike aus dem Weg. Seine Freundin landete in den Armen des Diebs. Sie atmete hörbar ein, blieb ansonsten aber ruhig.
„Und?" Er sah Mike mit hochgezogener Augenbraue an. Der hatte jetzt genug und wollte auf den anderen losgehen, als ihn von jemand grob packte.
Der Anführer der Bande trat an ihn heran und spielte wie nebenbei mit seinem Messer.
„Hört auf", sagte Hannah in dem Moment, streifte ihr Armband ab und öffnete ihren Mantel, um besser an ihre Kette zu kommen.
Pfiffe waren zu hören. Mike konnte sehen, wie sie errötete – doch sie fuhr fort und warf einem der Diebe ihren Schmuck zu.
„Boss?"
Mike zuckte zusammen Dieses ‚Boss?' hatte anders geklungen als alles, was sie bisher gesagt hatten. Es klang hungrig, gierig, heiser... Hannah schloss mit einem Ruck ihren Mantel.
Mikes sagte: „Ihr habt, was ihr wolltet. – Jetzt lasst uns gehen!"
Das taten sie nicht. Diese Typen gehörten zu der schlimmsten Art von Dieben... die zugleich zu der schlimmsten Art Mensch gehört und die sich eine solche ‚Gelegenheit' nicht entgehen ließen.
Die nächsten Minuten war nicht mehr nur einer von ihnen nötig um Mike zurückzuhalten.
Doch egal wie sehr er sich auch wehrte, gelang es ihm nicht zu verhindern, was vor seinen Augen geschah...
Das noch einmal zu sehen, löste in ihm alle Emotionen aus, die er damals verspürt hatte: Angst, Entsetzen, Hilflosigkeit – und Wut!
Zusätzlich zu allem, was er die letzten Stunden durchgemacht hatte, waren diese Gefühle es, die tief in ihm drin, endlich etwas aufstießen, wachrüttelten – und aufweckten.
Als sein Ich die nackte Energie berührte, suchte sie sich ihren Weg aus Mike heraus und tat das mit der einzigen der vier Emotionen, die Handlungen zuließ, geradezu herausforderte: Wut.
Sie überrollte Michael, durchfuhr ihn, füllte ihn aus. Die Welle von Magie, die von ihm ausging, warf Joras von den Füßen und löste den telekinetischen Griff, mit dem Wyatt ihn am Boden gehalten hatte.
Alle körperlichen Schmerzen waren dadurch verschwunden und in blindem Zorn auf die Bande, die ihn und seine Freundin ein Jahr zuvor angegriffen hatte, ging er auf Joras los.
Der wusste gar nicht wie ihm geschah, lag immer noch auf dem Boden und bedeckte hilflos mit seinen Armen sein Gesicht. Seine geistigen Kräfte mochten phänomenal sein, aer kämpferisch hatte er nicht viel zu bieten. Als er merkte, dass der Mensch nicht aufhörte zu wüten rief er laut nach seinem Herrn.
Wyatt ignorierte die verzweifelten Schreie, griff erst ein, als Joras bewusstlos war und die Gefahr bestand, dass Mike eine seine Lieblingswaffen zerstören würde. Mit einer Handbewegung flog sein Gefangener zur Decke. Dort zappelte er noch einige Zeit wie verrückt mit Armen und Beinen.
Dann endlich hatte sich die aufgestaute Magiewelle erschöpft und wie bei einer Puppe, bei der die Fäden durchschnitten worden waren, wurde Mikes Körper schlaff, fiel in seinen früheren total erledigten Zustand zurück.
Wyatt ließ ihn vorsichtig nach unten und in seine Arme gleiten, um sich dann mit ihm in ein luxuriöses aber fensterloses und verschließbares Zimmer eine Etage tiefer zu shimmern. Dort legte er ihn auf dem Bett ab und zog die Decke über Mike.
Zufrieden betrachtete er ihn. Es hatte geklappt... wie er es sich vorgestellt hatte. Und er hatte den Beweis gesehen.
Er hatte sich einen Moment später schon abgewandt um zu gehen, als er Michael schwach hörte: „Wyatt?"
Er drehte sich wieder um. „Ja?"
„Ich... verstehe es... immer... noch... nicht." Die Worte kamen abgehackt aus seinem Mund und die Stimme war vom vielen Schreien nicht mehr die seine.
Wyatt kniete sich neben das Bett. In einer fast zärtliche anmutenden Geste strich er dem Jungen das Haar aus der Stirn. „Ich weiß."
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Und als sich... zuerst unbemerkt von beiden, dann nicht mehr zu übersehen, langsam ein goldenes Glühen unter seinen Händen ausbreitete, da weiteten sich erstaunt Wyatts Augen und der Herrscher über die Unterwelt und die Welt der Menschen... lächelte.
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Note 3: Schreibt mir, schreibt mir, schreibt mir! Unterstützt meine Sucht! Oder ignoriert einfach mein Gerede... obwohl ein paar Reviews schon nicht schlecht wären ;-)
Bis zum nächsten Kapitel!
June
