Summary: ‚Charmed' ist nur eine Serie – oder? Als Julie eines Tages mitten in der magischen Welt aufwacht beginnt das Abenteuer ihres Lebens…

Disclaimer: Und falls hier jemand unter Wahnvorstellungen leidet: Schön wär's, aber nein, ‚Charmed' gehört nicht mir.

Note 1: Achja, habe ich ja wieder schöne Reviews bekommen, danke!

Allerdings kam die Frage auf, wie Mikes Kräfte funktionieren. Dazu... erst mal funktionieren sie noch gar nicht. Zumindest nicht so wie sie sollen. Was wir da gesehen haben war die gewaltsame Erweckung seiner Zauberkräfte. Wie wir ja alle wissen hängen diese mit den Gefühlen zusammen. Und als Joras diese spezielle Erinnerung in Mike erweckt hat, da ist sozusagen ‚der Knoten in ihm geplatzt' und ‚plopp' – da war die Magie. Auf jeden Fall gehört die Telekinese zu seinen Kräften, soviel hat Joras schon mal gespürt, als er zu Boden flog. Alles weitere wird noch zu entdecken sein. Und glaubt mir, Wyatt hat ein großes Interesse daran, Mike dabei zu ‚helfen'.

Fragt sich nur wieso... ‚schaut sich unschuldig um'... hat da jemand von euch schon eine Ahnung?

Note 2: Dieses Kapitel ist mal wieder eine Sammlung mehrer Szenen... um ein bisschen Zeit rumzubringen und die Geschichte voranzutreiben... bzw. um Geschichte zu klären...

Viel Spaß dabei!

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Zwischen den Welten

Kapitel 8

... Worauf ich hinauswollte: Chris hatte doch angedacht, dass du mit ihnen in die Vergangenheit gehst. Wie sieht es da aus? Wer begleitet dich noch?"

Doria wird mit mir gehen. Sie kennt sich in der Zeit gut aus. – Die Vorbereitungen sind soweit auch fertig. Soviel wir eben hier machen können. Viel hängt dann von den Bedingungen in der Vergangenheit ab."

„Auch richtig. Also, ich möchte, dass du morgen früh abmarschbereit bist und dich nach der Trauerfeier mit ihnen auf den Weg machst. Wird das gehen?"

Kein Problem, Boss."

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„Achtundzwanzig, Neunundzwanzig, Dreißig", zählte Julie, während sie die Namen auf ihrer Liste abhakte.

„Hier", sagte Piper und reichte Doria einen Brief. „Den könnt ihr Detective Darryl Morris geben, sollte es Schwierigkeiten geben... also anderes als magische, meine ich."

„Danke mein Kind", antwortete die ältere Hexe.

Connor trat zu ihnen. „Haben wir dann alles?"

Julie gab ihm den Durchschlag der Liste. „Die Unschuldigen sind alle da. Doria hat alles, was ihr sonst noch braucht eingepackt, als wir draußen waren und... ja, Chris! Er hat den Spruch."

„Richtig, ich hole ihn", meinte Doria.

„Was soll das heißen ‚als ihr draußen wart'?", fragte Piper, sobald Doria weg war.

Julie schaute Connor an. Er erwiderte ihren Blick und zuckte mit den Schultern. „Diesen Morgen gab es eine kleine Trauerfeier für Bianca."

„Oh..." Die Verwirrung stand Piper im Gesicht geschrieben. Wieso hatte sie davon nichts gewusst? Und wieso... „Wieso warst du eigentlich mit?" Es klang fast anklagend und Julie antwortete, als wäre es auch so gemeint, etwas schnippisch: „Wieso nicht?"

Bevor Piper sich für Diskussion erwärmen und zurückschießen konnte, erklärte Connor: „Es war ihre Idee, deshalb."

Pipers Mund klappte hörbar zu. „Achso."

„Was ist denn?", fragte Chris, der gerade mit Doria hinzukam und nur ihren verdutzen Gesichtsausdruck sah.

„Nun, nichts", meinte sie. „Hast du den Spruch?"

Er hielt die Seite hoch. Pipers Augen wurden groß; ihre Hand schnappt das Papier. – Dann boxte sie Chris in den Oberarm. „Ist das aus dem Buch der Schatten?"

„Hey!" Der Wächter des Lichts rieb sich über die schmerzende Stelle. „Ja, ist es. Aber nicht aus eurem", fügte er hinzu.

„Wage es ja nicht, Seiten aus unserem Buch zu reißen, junger Mann!"

Chris hob ironisch eine Hand zur Schläfe. „Aye, Ma'am."

Immer noch ganz baff gab sie ihm die Seite zurück und verschränkte grummelnd die Arme vor der Brust.

„Wie du weißt geht der Spruch nur in die Vergangenheit – also werde ich ihn dir nicht mitgeben, Connor."

„Richtig, wir brauchen ihn ja sowieso nicht. – Ich hoffe nur, die MdE sind so gnädig uns nach getahener Arbeit wieder zurückzuschicken."

„Ansonsten werden wir einen Weg finden", versicherte Piper ihm. Chris nickte zustimmend. Er war ja auch davon ausgegangen, dass er für sich selbst einen Weg zurück in die Zukunft würde finden müssen.

„Danke."

„Gut. Also... wir werden alle 2 Tage eine Gruppe schicken... wenn möglich von dieser Größe."

Connor nickte, fühlte sich aber sichtlich unwohl. Es würde ein Akt werden für alle einen Schlafplatz und drei warme Mahlzeiten am Tag aufzutreiben. Ganz zu schweigen davon, dass sie auch noch die Grundlagen ihrer erwachenden Kräfte meistern mussten.

Glücklicherweise hatten die Charmed Ones ihr Haus zur Verfügung gestellt. Und Doria würde in der Vergangenheit sich selbst um Hilfe bitten. Trotzdem... so ganz... „Das wird schon", meinte Chris genau im richtigen Moment und klopfte Connor auf die Schulter.

„Ja, sicher." Das klang zwar keineswegs überzeugend aber Chris wusste, dass er sein Bestes geben würde und dass Connors Bestes meistens mehr als genug war.

Er drückte seinen Freund noch einmal zum Abschied. „Pass auf dich auf."

„Gleichfalls", erwiderte Connor. Dann sprach er zu seinen Schützlingen. „Okay, alle mal herhören! Wir können jetzt!"

Chris las den Spruch und das Portal, sonst wenn aktiviert ein goldenes Glühen, wurde jetzt ein wirbelndes Blau. Doria ging als erste hindurch. Die anderen folgten. Einige gingen zielgerichtet, einige zögerten, folgten aber schließlich doch der Masse. Als sie zur Hälfte durch waren, betraten Vicky und Paige den Raum. „Wie läuft's?", erkundigte sich die Letztgenannte.

„Ganz gut soweit", antwortete Piper.

„Prima, dann können wir ja bald los!"

Piper nickte. „Wie viele sind eigentlich noch in unserem Zielgebiet?"

Vicky zog die Karte aus ihrer Jackentasche und aktivierte sie. „Ähm... 17... Aber ein paar weitere bewegen sich in unsere Richtung."

„Sollen sie ruhig kommen", lächelte Paige.

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Als Chris das Tor öffnete, stand Julie neben ihm

Beeindruckend, dass Worte eine solche Macht haben. – Aber das wusstest du doch schon vorher., sagte die kleine Stimme in ihrem Kopf. – Auch wieder wahr.

„Wie geht's dir?", fragte sie, während sie die Prozession am Portal beobachteten.

‚Gut natürlich', wollte er zuerst sagen. Dann sah er kurz in ihre Richtung. Sie schaute weiter geradeaus auf das Portal. Er folgte ihrem Blick, zuckte mit den Schultern. „Wie geht's dir?", fragte er zurück.

„Solala", sagte sie. „Es macht mir immer alles noch wahnsinnige Angst. Aber... naja, der Gedanke, dass ich etwas tun kann, dass ich hier helfen kann.. das beruhigt ungemein."

„Du könntest dich ihnen auch anschließen – wenn du willst. Connor könnte in der Vergangenheit auch eine helfende Hand gebrauchen."

Jetzt sah sie ihn an. „Wie kommt es, dass du mich andauernd wegschicken willst?" Glücklicherweise minderte sie ihre Worte durch ein Lächeln – sonst hätte es geklungen wie bei ihrem letzten Gespräch bei dem er vorschlug, dass sie zurückgehen sollte.

„Ich will nur... dass du sicher bist."

Einen Moment lang war es still. Vor ihren Augen verschwand eine weitere Silhouette im blauen Licht.

„Danke."

Er nickte wortlos.

ooo

Phoebe und Pelagia saßen beim Frühstück. Viel gab es nicht. Ab dem heutigen Morgen wurde wieder alles rationiert.

„Wie lief es vorhin?"

Pelagia kaute erst aus, bevor sie antwortete. „Ich weiß nicht. Es war traurig..."

„Natürlich."

„... Hm... – Ähm, danke übrigens, dass du Tante Paige und Tante Piper nichts gesagt hast."

„Kein Problem, für eine familiäre Verschwörung bin ich immer zu haben. – Obwohl... eigentlich war es schon ein Problem." Phoebe machte ein leidendes Gesicht. „Immerhin musste ich ganz früh ins Bett gehen, damit ich den beiden auch ja nichts verrate."

Pelagia lächelte. „Ich bin stolz auf dich, Mutter!"

Die Mutter, die genaugenommen noch keine war, lächelte versonnen zurück. „Es ist toll, wenn du mich so nennst."

„Wie sollte ich dich auch sonst nennen?"

„Keine Ahnung... Ach, Pelagia... eine Sache hatte mich noch interessiert."

„Welche?", fragte das Mädchen misstrauisch. Sie mochte 12 sein – aber sie kannte den ‚Future-Consequences' - Vortrag auswendig – mit den Fachbegriffen der Zeitreisetheorien.

„Wo warst du? – Ich meine, als Cole dich zurückgebracht hat..."

Ein Schatten fiel über ihr Gesicht. „Oh, das!"

Wie aufs Sprichwort trat Cole in Erscheinung. „Lass nur Schatz, ich erzähle ihr die Geschichte." Pelagia nickte erleichtert.

Phoebe sah ihn erwartungsvoll an. Er setzte sich neben seine Tochter und legte die Hände auf den Tisch. „Pelagia war auf der Suche nach ihrer Cousine."

Bei dem Wort ‚Cousine' horchte Phoebe auf. „Eine Nichte! Wie süß! Wessen Tochter ist sie?"

„Prudence ist die Tochter von Paige."

„Pru... ha! – Wo ist sie?"

„Das ist der Punkt. Wir wissen es nicht. Ab und zu taucht sie hier auf, damit wir wissen, dass es ihr gut geht. Aber ansonsten..." Cole zuckte mit den Schultern. Die Vereinbarung hatte ihm noch nie gefallen. Er konnte sehen, dass sie auch Phoebe nicht gefiel. Aber Pru war erwachsen... und irgendjemand musste da draußen sein und tun, was sie tat. Wenn Pru es war, dann wusste er wenigstens, dass es richtig getan wurde.

„Das verstehe ich nicht. – Wieso... was macht sie da draußen... allein?"

„Sie sucht nach Tante Paige", sagte Pelagia. Cole nickte zustimmend und Phoebe beobachtete, wie er unbewusst die Hand seiner Tochter umfasste.

Ihr Mund fühlte sich seltsam trocken an, als sie fragte: „Was ist mit Paige?"

Cole hob seine freie Hand. In einem ‚Puff!' erschien eine Glaskugel. Phoebe schaute hinein. Ihre Hand fuhr zu ihrem Mund. „Oh mein Gott! – Ist sie das?"

Die Frau, die Phoebe sah war alt... nun ja, älter. Aber immerhin war das hier auch die Zukunft. Ihre Augen waren geschlossen, ihr Körper war regungslos. Allein das Heben und Senken ihres Brustkorbs zeigte, dass sie noch lebte. „Schläft sie?", flüsterte Phoebe ohne den Blick von ihrer jüngeren älteren Schwester zu nehmen.

„Ja und nein. – Sie schläft seit über 6 Jahren."

„Aber wie...?"

Cole ließ die Kugel wieder verschwinden, was Phoebe dazu brachte, ihn anzusehen.

„Damals, als Wyatt böse wurde, war sie die erste, die es gemerkt hat. Sie hat die Anzeichen gesehen, die Veränderungen..."

„Kommt mir irgendwie bekannt vor", murmelte Phoebe. - „Entschuldige."

Cole lächelte... tatsächlich! „Nein, du hast recht. Sie war schon immer gut darin, dass Böse in den Menschen zu erkennen."

„Was also ist passiert?"

„Sie hat uns immer wieder gesagt, dass da was nicht stimmt mit ihm. – Aber es war sowieso gerade eine schwierige Zeit für uns alle. Wir haben nicht geglaubt, dass er böse sein könnte. Immerhin... es ging ja um Wyatt. Dann jedoch begann er, sich mit Dämonen herumzutreiben und an ihren... ‚Aktivitäten' teilzunehmen. Bei einem seiner Streifzüge ist sie ihm gefolgt."

„Und dann... was, nahm er sie einfach gefangen?"

„Was genau vorgefallen ist haben wir nie erfahren. Aber als wir herausfanden, wer für Paiges Verschwinden verantwortlich war und was Wyatt sonst noch so getrieben hatte... Da waren wir natürlich in Panik. Du ganz besonders... Gerade du bist fast auf ihn losgegangen, wolltest wissen, was er mit ihr gemacht hat."

Den Teil konnte Phoebe verstehen. Wenn jemand ihrer Schwester etwas antat... ja, die Betonung von Coles Satz war stimmig: ‚Gerade du...'. Sie, die sie Wyatt immer vergöttert hatte.

„Damals war er noch nicht immun gegen das, was andere ihm sagten. Die Familie bedeutete ihm noch etwas. Also gab er uns die Kugel. Wir können sie zwar sehen... aber finden... Nunja, wir haben es natürlich versucht. Aber irgendwann..." Coles Stimme wurde leiser. Nach Phoebes Tod war es schwieriger gewesen. Andere Dinge waren wichtig. Überleben zum Beispiel. Menschen retten. Den Widerstand aufbauen.

„Als Pru dann alt genug war ist sie selbst auf die Suche gegangen. Einmal hatte sie Paige auch schon fast. Aber Wyatt bemerkte es und schaffte sie fort. Und jetzt steht sie wieder am Anfang..."

Phoebe war einen Moment lang ruhig. Die Geschichte musste sie erst mal verarbeiten. Ihre kleine Schwester war irgendwo da draußen und verschlief ihr Leben. Und ihre Tochter tat es ihr gleich, indem sie Paige nachjagte, ohne ihr näherzukommen. Und... jetzt, wo sie wusste, was mit Paige war, da fragte sie sich... was war mit ihr selbst? Und wo war Piper?

Warum sie nicht schon bei ihrer Ankunft in der Zukunft nach ihren älteren Ichs gefragt hatten war ihr ein Rätsel. Ja, manchmal hatten sie wirklich eine lange Leitung. Aber sich selbst gegenüberzustehen wäre auch zu schräg gewesen.

Wahrscheinlich waren sie tot. Beide... Denn wenn sie am Leben wären würden garantiert sie als übriggebliebene Charmed-Schwestern den Widerstand führen. – Und nicht Cole.

Wirklich eine verrückte Welt in der die Ex-Quelle die Hoffnung der Menschheit war und der Sohn einer Charmed One und eines Wächter des Lichts der böse Tyrann.

Phoebe seufzte und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Gespräch. „Wie findest du sie?"

Pelagia sah sie überrascht an. „Du meinst Pru? – Immer wenn wir uns verabschieden nennt sie mir den Punkt an dem ich den nächsten Hinweis über ihren Aufenthaltsort finde. – Und wenn mir danach ist, dann hole ich ihn mir."

„Scheint mir ein gutes System."

„Ist es... nur dass sie es wirklich nur Pel erzählt und ich immer im Dunklen tappe." Coles trockenem Tonfall war zu entnehmen, dass das ‚gute System' seiner Meinung nach verbesserungswürdig war.

ooo

2 Tage später... ähm... bzw. über 2 Jahrzehnte in der Vergangenheit

Connor lies die staunenden Leute sich erst einmal umsehen und entfaltete hastig den Brief.

Lieber Freund,

hiermit kommt die zweite Ladung. Ich hoffe, bei dir und Doria läuft soweit alles klar. Bei uns ist es... komplizierter geworden. Wie es aussieht, beteiligt sich Wyatt jetzt nicht mehr nur nebenbei an der Jagd nach diesen Unschuldigen. Regelmäßig werden sie uns vor der Nase weggeschnappt. Die Gruppen, die wir schicken, sind größer, denn auch die Dämonen sind wieder vermehrt unterwegs. Durch die größere Anzahl an Leuten sind die Gruppen natürlich nicht nur geschützter sondern auch auffälliger. Zusätzlich dazu liegt wieder ein Vorratsraubzug vor uns. Das heißt, sobald hier am Portal wieder etwas Ruhe eingekehrt ist, geht es los.

Bleib gesund,

Chris

Er steckte das Blatt Papier in seine Hosentasche und sah sich um. Diese Entwicklung war zu erwarten gewesen. Dennoch hatte Chris es geschafft, ihm wieder 30 Leute zu schicken.

„In Ordnung, kommt mal alle ein bisschen näher..."

ooo

Cole verabschiedete Chris und sein Team. „Vier Stunden, Christopher."

Sein Neffe nickte. „Das schaffen wir."

„Gut. – Viel Erfolg." Er umarmte Chris und trat dann zurück.

Julie lächelte. „Bring mir ein Eis mit."

„Aber sicher... Bis nachher!" Er drehte sich um und sprach noch kurz mit seinem Team. Dann wurde wie üblich das Portal geöffnet und sie verschwanden.

„Ist es nicht immer hart, ihn dort rauszuschicken?"

„Er ist ein Halliwell. Dämonen sind sein Geschäft. Er kann auf sich aufpassen..."

„Aber?"

„Er ist mein Neffe. Natürlich ist es hart. – Komm, lass uns gehen."

„Ja. Pelagia wollte mit mir üben!"

„Wie macht sie sich als Trainerin?"

„Oh, prima! Sie nimmt einen ganz schön ran. Unglaublich wie viel Energie in dem kleinen Körper steckt!"

„Ganz ihre Mutter..."

ooo

Phoebe war mit Piper, Paige und Vicky auf Dämonenjagd. Seit Wyatt sich in diese Sache mehr einmischte, hatte man die vier abgestellt um einen gewissen Ausgleich für die erhöhte Dämonenaktivität zu schaffen. Und ihrer Meinung nach waren sie auch ganz erfolgreich. Gut, sie hatten angesengte Haare, blaue Flecken und grüne Gedärme auf ihren Sachen... aber die anderen waren tot. So gesehen...

Jetzt gerade beobachteten sie einen Dämon, von dem Vicky meinte, dass er sie ganz bestimmt zu seinem Nest führen würde. Diese Viecher entfernten sich wohl nie weit davon.

„Wie heißen die noch mal?", flüsterte Phoebe.

„Bulldogs", flüsterte Vicky zurück.

Ah, also hieß das nicht Nest, sondern Rudel. Und es war anzunehmen, dass sie über hübsche Beißerchen verfügten.

„Ich glaube übrigens wie sind gleich da. Riecht ihr das?"

Die Charmed Ones hoben die Nasen und nickten dann. Dieser süßliche Geruch war nicht zu über... riechen.

Tatsächlich verflüchtigte sich der Dämon in die Ruine eines Gebäudes. Die Charmed Ones und Vicky folgten ihm. Synchron rümpften sie die Nase. „Warum können die nie nach Chanel duften?", wollte Paige erregt wissen. Bevor ihr jemand antworten konnte, kamen sie in Sichtweite des Rudels und Phoebe entschlüpfte ein: „Ew, die sind aber hässlich!"

Die Dämonen drehten sich zu ihnen um. Phoebe machte lautlos ‚Oops!'

„Wo du Recht hast, Phoebe! Da hast du Recht!" Mit den letzten Worten sprengte Piper ein paar von ihnen in die Luft. Einer der anderen bellte etwas, worauf sich die übrigen auf die Angreifer stürzten. Phoebe reflektierte einen Feuerball, Paige vermöbelte ihren Dämon auf die altmodische Art und Vicky schickte ihren in Richtung Piper, die mit Freuden den Rest erledigte. Offenbar hatte sie vorhin genau die richtige Anzahl gesprengt, denn nach dieser ‚Handarbeit' war keiner weiter übrig...

„Na, war das nicht nett?"

ooo

Noch einmal zwei Tage später...

Chris saß in seinem Zimmer und ruhte sich aus. Ein seltener Anblick – aber Cole hatte darauf bestanden, dass er sich eine Pause gönnte. Dabei tat er das schon ab und zu. In den letzten Tagen hatte er es sich zum Beispiel zur Angewohnheit gemacht, in einer dunklen Ecke in einem verlassenen Korridor zu hocken und zu grübeln. Brachte das etwas keine Erholung?

Julie hatte ihn schließlich am Abend zuvor dort gefunden und ihm eine ordentliche Standpauke gehalten. Das Mädchen hatte Feuer, soviel war sicher... Danach hatte sie sich zu ihm gesetzt und ihm aus der Nase gezogen, warum er seinen Kummer nicht in seinem Zimmer nachhing. Es war einfach zu belebt. Andauernd schneite jemand rein und wollte etwas von ihm. Wie kam er da dazu nachzudenken? Wie sollte er Biancas Tod verarbeiten?

Das hatte Julie verstanden. Nur hatte sie darauf bestanden, dass er von da ab mindestens eine Stunde am Tag mit seiner Familie verbrachte und es dabei nicht um Arbeit gehen sollte. Er hatte zugestimmt. Warum auch nicht? – Aber es tat gut, dass er es ihr versprochen hatte. Denn manchmal... da wollte er zwar – doch seine Stimmung ließ es nicht zu. War er unter anderen war er stark, allzeit bereit... selbst bei Cole und Pelagia. Ihm war klar, dass sowohl sein Onkel als auch seine Cousine ihn durchschauten und wussten, wann er nicht gut drauf war. Aber es war trotzdem anstrengend sie dann um sich zu haben. Wenn er aber nur arbeitete und schlief oder einsam grübelte würde er aus dieser Stimmung nie herauskommen. Julie hatte das erkannt...

Es klopfte. „Hmpf", grummelte er laut. Es klopfte noch einmal. „Ja?"

„Ich bin's, Julie."

Wenn man vom Teufel spricht... oder an ihn denkt. „Komm rein!"

Sie stieß die Tür mit dem Fuß auf und offenbarte ein vollgepacktes Tablett. „Oh, warte!" Chris sprang auf und nahm es ihr ab. „Uff, danke!" Während er es auf seinem Bett abstellte schloss sie die Tür.

„Hunger?", fragte sie.

„Warst du nicht diejenige, die meinte, ich solle mehr Zeit mit meiner Familie verbringen? Wäre es da nicht besser, wenn ich im Speisesaal esse?"

„Exakt. Nur dass Cole und Pelagia heute mit Phoebe essen. Das heißt, dir bleibt nur die Spanische Inquisition als Gesellschaft."

Chris lächelte bei der Anspielung auf Piper und Paige. „Okay, dann danke für's Mitdenken! Hast du dir auch was mitgebracht?"

Julie errötete und nickte. Offenbar war sie sich nicht ganz sicher gewesen ob es ihm etwas ausmachte, wenn sie hier mit ihm aß.

„Gut. Also ich würde dir ja gern einen Stuhl anbieten – aber ich habe keinen. Wie wäre es mit einem Picknick auf dem Bett?"

„In Ordnung." Sie setzten sich.

„Wie viele haben wir heute reinbekommen?"

Julie musste nicht lange nachdenken. „Zwanzig insgesamt, hier bei uns sind es fünf." Sie führte die Listen, nahm die Berichte der anderen Teams entgegen. Mochte ungewöhnlich sein, da sie ja eigentlich auch nur eine Unschuldige aus der Vergangenheit/einer anderen Dimension war. Aber wie sie Chris schon mal gesagt hatte... es war ihr Beitrag. Und er musste ihr zugestehen, dass sie es gut machte. Ein richtiges kleines Organisationstalent.

„Wie kommst du mit ihnen klar?"

„Oh, ganz gut. – Habe ich dir eigentlich erzählt, warum mich die erste Gruppe damals nicht leiden konnte? Jake hat doch mit ihnen geübt und ihm fiel ein Mädchen auf, dass scheinbar über psychische Fähigkeiten verfügt. Sie hatte etwas gegen mich und hat dadurch unbewusst die ganze Gruppe beeinflusst."

„Wow. Wenn sie das mal im Griff hat, ist sie eine mächtige Hexe."

„Ja. - Die, die jetzt kommen, sind meist unproblematisch. Sie haben sich lange genug draußen aufgehalten um froh zu sein, dass sie hier sind."

Darauf gab es erst mal nichts zu sagen. Sie aßen.

Später dann fragte er zögernd: „Hast du schon... an dir etwas... bemerkt?"

Ihre Hände schlossen sich fester um ihren Becher. Sie schüttelten den Kopf. „Nein, habe ich nicht." Ihre Augen suchten seine, forschten nach etwas, schienen es zu finden. Sie lächelte. „Wer weiß, vielleicht haben sie mich aus Versehen..."

„Die Mächte der Ewigkeit machen bestimmt keine Fehler", unterbrach er sie. „Und selbst wenn... – Ich finde es schön, dass du hier bist."

Sie legte den Kopf schief. Ihn das sagen zu hören löste ein gutes Gefühl in ihr aus. „Vielleicht ist das auch der Grund. Damit es dir etwas besser geht." Sie lächelte.

Er lächelte zurück.

Dann tat sie etwas sehr Einfaches, was aber die Stimmung vom einen auf den anderen Moment zerstörte: Sie warf auf eine bestimmte Art ihre Haare zurück.

Beinahe sofort war ihr klar, dass etwas nicht stimmte – Chris zuckte zusammen und stand abrupt auf. Er sah sie nicht an, als er sagte: „Könntest du... vielleicht wieder gehen?"

„Natürlich", antwortete sie leise.

Bevor sie die Tür schloss, sah sie sich noch einmal um. Chris hatte ihr den Rücken zugewandt.

Als er sicher war, dass sie den Raum verlassen hatte, flog die Spannung aus seinem Körper und er seufzte. Warum musste er sich so aufführen?... Es war prima gelaufen, bis sie... bis sie das getan hatte, was er an Bianca immer so anziehend gefunden hatte. Und in dem Moment war ihm aufgefallen, dass es wirklich angenehm war, sie um sich zu haben... zu angenehm...

ooo

Note 3: Jaaaa, ich weiß, das Ende ist ein bisschen enttäuschend. Aber wir dürfen dem Jungen auch nicht gleich zuviel zumuten...

Bis zum nächsten Kapitel!

June