Summary: ‚Charmed' ist nur eine Serie – oder? Als Julie eines Tages mitten in der magischen Welt aufwacht beginnt das Abenteuer ihres Lebens…

Disclaimer: Und falls hier jemand unter Wahnvorstellungen leidet: Schön wär's, aber nein, ‚Charmed' gehört nicht mir.

Note: Also euer Feedback geht wirklich runter wie Öl, muss ich mal so sagen! Danke! Das motiviert ungemein :-)

Note 1: Ich bin so schlecht... ich verwende schon wieder eine Idee, die nicht von mir stammt schäm - Weiter unten steht: ‚Chris grinste zurück – und durch den Kopf des Mädchens ging nur ein Gedanke: Oh! Mach das noch mal!' – Jemals von Lois McMaster Bujold gehört? Sie hat eine ähnliche Situation in einem ihrer Bücher... Aral und Cordelia... ach ja... ‚schwärm'

Note 2: Noch ein Stück weiter unten wird Petra erwähnt. Dazu einige Anmerkungen, die ich mir bei Wikipedia besorgt habe: ‚Bekannt ist Petra im Besonderen als Geburtsort des berühmten Missionars Fra Juniper Serra, dem Gründer von San Francisco (USA) und von anderen bekannten Orten wie San Diego (USA). Er wurde als Miguel Serra y Abram 1713 in Petra geboren. 1749 reiste er nach Mexico und war zwei Jahrzehnte als Missionar tätig. Er wurde 1988 durch Papst Johannes Paul II selig gesprochen. Seine Büste steht zusammen mit den Büsten der berühmten Männer der Vereinigten Staaten von Amerika im Kapitol in Washington D.C..'

Note 3: Ach ja, da gab es noch die Frage, wo Phoebe war... Anna, dazu nur soviel: Ja, sie war bei Cole. Aber es war wirklich nichts! – Was nicht heißt, dass da nichts werden könnte... wenn ihr das wollt!

Will das jemand? ‚in die Runde schaut'

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Zwischen den Welten

Kapitel 11

„Ihr geht weg?"

„Für 2 Tage", antwortete Chris.

Vicky sah ihn kurz nachdenklich an, dann lächelte sie Julie verschwörerisch zu. „Das war deine Idee!"

„Schuldig im Sinne der Anklage."

„Mit Cole habt ihr alles geklärt?"

Ihr Freund nickte. „Und Julie hat Jen etwas Proviant abgeschwatzt... wir werden also nicht verhungern."

War sein Tonfall etwas... komisch gewesen... Vicky konnte sich schon denken, dass ihn ihre mütterliche Art amüsierte...war ja auch egal! „Gut... dann, macht euch fort! Die Schwestern müssten gleich hier sein!"

„Danke für die Warnung", sagte Julie, bevor Chris darauf antworten konnte. Dann sprach sie kurz mit den Torwächtern und zeigte ihnen auf ihrer Karte ihr Wunschziel. Sie öffneten das Portal dorthin.

Der Wächter des Lichts sah Julie an. „Du willst mir immer noch nicht sagen, wohin es geht?"

Sie schüttelte den Kopf – und gemeinsam gingen sie hindurch.

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ZdW – Geschichtsstunde

Der Tag, an dem das Unglück der Familie Halliwell endgültig seinen Gang nahm war Christohers 14. Geburtstag.

Er war wahnsinnig aufgeregt – und stolz. Nicht nur, dass alle kommen würden, um seinen B-day mit ihm zu feiern, nein, es war auch der Tag, an dem sein Dad ihn mit ‚nach oben' nehmen würde. – Offiziell das 1.Mal für ihn. Wyatt war ebenfalls an seinem 14. oben eingeweiht worden und hatte seinen kleinen Bruder ein-/zweimal verbotenerweise mit raufgenommen. Insofern hielt sich die Besonderheit des bloßen Aufenthalts in Grenzen – aber er würde allein mit seinem Vater etwas unternehmen und von den Ältesten als ein Wächter des Lichts akzeptiert werden. Irgendwo in Chris gab es auch die unbewusste Hoffnung, dass sein Vater ihn ebenfalls akzeptieren würde. Unbewusst, wie gesagt... bewusst war die Freude, mit Leo Zeit zu verbringen. Das tat Chris nämlich nicht allzu oft.

Allerdings... auch diesmal kam es nicht dazu.

Piper und Chris waren auf dem Weg zum Club. Eigentlich hatte Piper ihren Angestellten mit Rauswurf gedroht, sollten sie sie an diesem Tag stören, aber jemand hatte Piper doch angerufen und nun wollte sie nachsehen, was los war.

Piper und Chris scherzten. Für sie beide war klar gewesen, dass irgendetwas sie davon abhalten würde, rechtzeitig zur Party zu kommen. Chris hatte in dieser Hinsicht Pipers Glück geerbt. – Oder er war einfach nur durch Murphys Gesetz sehr begünstigt.

Später erinnerte sich Chris nicht mehr sehr genau an den eigentlichen Unfall. Aber er war sich immer sicher gewesen, dass es nicht ihre Schuld gewesen war. Obwohl alle das Gegenteil sagten, hatte Chris Recht: Der andere Autofahrer hatte ihnen die Vorfahrt geschnitten und so den Unfall verursacht.

Er wurde ohnmächtig durch den unerträglichen Schmerz in seinem Bein und erwachte erst durch die sich nähernden Sirenen. Sein unsteter Blick klärte sich, er bewegte den Kopf – und erstarrte.

Einen Moment lang sickerte das Bild vor ihm in seinen ungläubigen Geist, dann ignorierte er alle Schmerzen und versuchte hektisch, sich aus dem Berg verbogenen Metalls zu arbeiten. Keine Chance.

Er rief immer wieder nach seiner Mum, ging dann dazu über nach Wyatt und Leo zu rufen – doch umsonst. Piper lag bewegungslos, aus einer großen Wunde an ihrem Kopf tropfte Blut auf das neue Kleid, dass sie sich für diesen besonderen Tag gekauft hatte.

Sein Vater und sein Bruder zeigten sich nicht.

Er wurde hysterisch, als die Rettungskräfte sich mehr um ihn, als um seine Mutter kümmerten. Nur ein Sanitäter war bei ihr, suchte nach Lebenszeichen.

Als er keinen Puls fand, sah er an Chris vorbei seinen Kollegen an und schüttelte den Kopf.

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Als Paige verschwand, war Chris 16.

Zum 1.Mal seit dem Unfall kam die ganze Familie zusammen.

Chrsi war 2 Jahre zuvor bei Viktor eingezogen. Er hatte die Blicke seines Bruders und seines Vaters nicht länger ertragen können.

Während Leos Augen immer wieder zu fragen schienen ‚Warum hast du mich nicht gerufen? – Warum hast du mich sie nicht heilen lassen?' war es bei seinem Bruder anders.

Wyatt war finster geworden. Die Trauer schien ihn aufzufressen. Und zum 1.Mal in seinem Leben konnte er mit Chris nicht darüber reden, was ihn bewegte.

Es war aber wahrscheinlich auch besser so. Hätte Chris die Wahrheit herausgefunden, hätte er vermutlich in seinem noch verletzten Zustand allen Glauben an das Gute verloren und wäre für die sich gerade entwickelnde verdrehte Weltsicht seines Bruders eine leichte Beute gewesen.

Fakt war, dass Wyatt Chris glaubte, dass er ihn und Leo gerufen hatte, um ihre Mum zu retten. Und er hatte wissen wollen, warum sie ihn nicht gehört hatten.

Was er herausgefunden hatte... sprach etwas in ihm an, was er lange Zeit immer wieder unterdrückt hatte... von dem er manchmal sogar vergessen hatte, dass es da war... Aber die grausige Zeit seiner Entführung, als Gideon täglich stundenlang auf ihn eingeredet und ihm gedroht hatte, damit er seinen Schild senkte, hatte Spuren hinterlassen, die nicht zu tilgen waren.

Was er jetzt erfahren hatte? Die Ältesten hatten wieder in ihrem Leben herumgepfuscht. Mit dem Ergebnis, dass Piper Halliwell tot war.

Nachdem die Ältesten von einem ihrer Schützlinge mit seherischen Fähigkeiten erfahren hatten, was passieren würde, war es leicht für sie gewesen, die Cleaner davon zu überzeugen, ihnen diesen Gefallen zu tun. Nicht einmal die Ältesten konnten die Rufe eines Schützlings an seinen Wächter abfangen... aber die Cleaner konnten es. Und sie taten es, weil klar war, dass Wyatt und Leo natürlich auf den Ruf von Chris reagiert hätten. Sie wären zum Unfallort geeilt und hätten Piper vor den Augen der Welt geheilt. Sie hätten das Geheimnis der Magie preisgegeben.

Also hatten die Ältesten mit Hilfe der Cleaner verhindert, dass das geschah. Für das größere Ganze... und weil sie es konnten. Sie hatten schlicht und einfach die Macht dazu. Und darauf kam es in solchen Fragen an. Kann ich es tun? Oder bin ich nicht mächtig genug dazu?

It's all about power. It's as simple as that."

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Die Sorge um Paige trieb sie also zusammen… So zumindest dachte Chris.

Doch Phoebe und Cole hatten längst herausgefunden, wer der Schuldige war.

Wyatt leugnete nicht. Und zum 1.Mal sahen sie, was aus ihm geworden war, als er versuchte, sie zu überzeugen, ihm zu folgen.

Es nützte natürlich nichts. Und als es Wyatt inmitten seiner sich sorgenden ihn anschreienden Familie zu bunt wurde, orbte er sich zu ihrem Entsetzen nicht weg – er shimmerte.

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Im nächsten Jahr machte er alles wahr, was er seinen Verwandten angekündigt hatte.

Sein 1.Schlag galt den Cleanern.

Wie einst die Charmed Ones ließ er die San Franciso Bridge unsichtbar werden und zeigte es den Menschen im Fernsehen.

Die beiden Männer in Weiss erschienen mitten in seiner Rede an die Nation – doch die Unterbrechung war nur von kurzer Dauer.

Die allmächtigen Wächter der Magie gingen vor dem Zweifach Gesegneten in Flammen auf. Danach wandte dieser sich wieder der Kamera zu und zeigte mit blitzenden Zähnen sein charmantestes Lächeln.

Alles klar soweit?"

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Innerhalb weniger Monate waren die USA und die wichtigsten Staaten Südamerikas in seiner Hand. Den restlichen Halliwells wurde erst jetzt zur Gänze klar, wie sehr Paige mit ihren Verdächtigungen Recht gehabt und wie weit Wyatt in der komplizierten Hierarchie der Unterwelt nach oben gestiegen war. Die Dämonen arbeiteten auf seinen Befehl hin tatsächlich zusammen. Und nur so war das gigantische logistische Unternehmen Welteroberung zu schaffen.

Natürlich aber blieb die gute Seite nicht untätig. Dafür wurde sie mit etwas Extraaufmerksamkeit durch Wyatt belohnt. Er löschte in einem einzigen Überraschungsangriff die Ältesten aus – machte auch vor seinem Vater nicht halt. Und die verbliebenen Wächter des Lichts wurden zu Gejagten...

Doch bald gab es nichts mehr, wohin man hätte fliehen können. Ein Staat nach dem anderen ergab sich der Übermacht aus der Hölle. Bis auf ein paar: der Iran, Spanien, Finnland und China... diese vier Staaten wurden zerstört. Verwüstet, bis keine Ordnung mehr zu erkennen war... Das Schlimme war, dass die Flüchtlingsströme in den Nachbarländern keinen Einlass fanden. Sie wurden zurückgeschickt in ihr eigenes Land – und wurden fortan von Dämonen gejagt. Diese Staaten wurden auf allen Landkarten als „Verbotenes Land" gekennzeichnet und schwarz markiert. Das Erholungsparadies für ‚unsere Freunde aus Down Under' war geboren...

Doch wie immer: Ausnahmen bestätigen die Regel... Spanien... während sein Festland Brutstätte der Kreaturen der Finsternis wurde, waren die Inseln, die den spanischen Widerstand beherbergt hatten, von Wyatt zu Sperrgebiet erklärt worden. Alle Menschen waren verschifft worden, damit sich nie wieder jemand auf den Inseln gegen ihn erheben konnte.

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Blinzelnd sahen sie sich hellen Sonnenlicht um. Julie erkannte den Ort und nickte befriedigt.

Chris wandte sich zu ihr. „Also?"

„Mallorca", sagte und setzte sich schwungvoll ihr Basecap auf.

„Mallorca", wiederholte er.

„Genau. Eine Insel im Mittelmeer. – Ehemals zugehörig zu Spanien", fügte sie zaghaft hinzu.

„Tatsächlich", sagte er jedoch nur und sah sich erneut um. „Dann sind wir vermutlich die einzigen hier. Trotzdem... achte auf..." – „Drohnen... ja, ich weiß. Jen hat übrigens für uns nachgeschaut: Der letzte großflächige Scan der Insel liegt eine Woche zurück. Das sollte uns etwas Sicherheit geben."

„Gut. Dann hat sie dir also nicht nur mit dem Essen geholfen."

„Noch besser!" Julie grinste. „Sie hat uns Sonnencreme besorgt!"

Chris grinste zurück – und durch den Kopf des Mädchens ging nur ein Gedanke: Oh! Mach das noch mal!

„Prima. Also, wo genau sind wir?"

Julie riss sich zusammen: „Der Berg heisst BonAny. Der Ort da unten ist Petra. Ich dachte, es wäre passend, wenn wir unseren kleinen Urlaub hier beginnen."

„Passen? Inwiefern?"

„Ja, BonAny bedeutet ‚Gutes Jahr'. Laut Legende hat in einer Trockenperiode ein Hirtenjunge hier oben um Hilfe gebeten. Und tatsächlich stieg die Heilige Jungfrau aus dem Himmel herab und ließ es regnen, rund um den Berg. So wurde es ein ‚Gutes Jahr'."

„Ah. Ein Ort der Hoffnung also", meinte Chris und erkannte damit ihre Wahl des Ausgangspunktes an.

„Ja. Die Kirche ist von innen übrigens auch sehr schön – allerdings würde ich mal annehmen, dass sie jetzt geschlossen ist." Sie warf den Kirchentüren einen zweifelnden Blick zu.

„Und das sollte und aufhalten, weil...?" Chris trat an ihr vorbei und eine selbstsichere Handbewegung später war die Kirche nicht mehr ganz so geschlossen.

Julie schüttelte den Kopf und folgte ihm ins Innere. Einen Moment lang sie ihn sich umschauen und in die Stille des Bauwerks eintauchen. Dann machte sie auf die Krippe zu ihrer Linken aufmerksam.

„Eine Höhle", bemerkte er und hob die Augenbrauen.

„Ja." Im Flüsterton erklärte sie: "Die Mallorquiner wurden von den Römern christianisiert. Als jedoch im 10. Jahrhundert die Araber die Insel einnahmen wurde das Christentum eine verbotene Religion. Sie wurde nur noch im Verborgenen ausgeübt; Gottesdienste wurden in Höhlen abgehalten. Jede Krippe auf Mallorca – so wenigstens wurde es mir erzählt – ähnelt dieser: Jesus, Maria und Josef in einer Höhle. – Komm!" Sie führte ihn bis vor den Altar und bedeutete ihm nach oben zu blicken. Eine Kuppel mit farbigen Fenstern tauchte die Decke in ein sanftes Rosé. „Schön, nicht?"

Er nickte nur.

Ihre letzte Station in der Kirche war hinter dem Altar. Eine kleine Treppe führte sie zu einer aufwendig gestalteten Wand. Julie ging ohne zu zögern darauf zu und legte die Hände auf zwei hervorstehende Engelsköpfe. Nach einem Augenblick nahm sie sie wieder herunter. „Willst du es auch versuchen?"

„Was genau denn?"

„Man sagt, dass die Engel einen Wunsch erfüllen, wenn man sie berührt."

Er zuckte mit den Schultern. „Schaden wird es wohl nicht." Also berührte sie die Engel – und wünschte sich etwas.

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„Ah, ich würde zu gern wissen, was es war", sagte sie auf dem Weg nach draußen. „Aber dann würde es natürlich nicht in Erfüllung gehen."

„Wie kommt es, dass du so viel über diesen Ort weißt?"

„Ich habe zwei Mal den Sommer auf Mallorca verbracht, zusammen mit meiner Familie. Wir haben bei unserer Großmutter gewohnt. Sie war so eine Art Aussteigerin, stand total auf Europa und insbesondere Deutschland", erzählte sie und lächelte in Erinnerung. „Anstatt aber nach Deutschland zu ziehen, machte sie es wie die Deutschen und zog im Alter nach Mallorca. Wir haben uns so ziemlich alles hier angesehen... und es gibt wirklich eine Menge Sehenswürdigkeiten."

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Julie und Chris auf dem Weg nach unten... Sie entdeckten eine wilde Bergziege und mussten rennen, um das anhängliche Tier abzuhängen.

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Chris und Julie in Petra, wo Julie Chris erklärt, warum ihm der Name des Ortes so bekannt vorkam.

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Ein entwendetes Auto und eine halbe Stunde später: Chris kostet in Manacor von einer vermeintlichen Orange – Julie kann ihn nicht mehr rechtzeitig warnen, dass die ‚Orangenbäume' in den Städten... Pomeranzen hervorbringen... Sauer macht lustig... oder so – Julie jedenfalls konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

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An ihrem Zielort, einer abgelegenen Bucht im Osten Mallorcas. Chris steht am Strand, spürt den Sand zwischen den nackten Zehen. Der Wind zaust ihm durchs Haar und in der Nase kitzelt der salzige Meeresgeruch...

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Die Sonne hatte in einem atemberaubenden Schauspiel den Himmel verlassen.

Hungrige Flammen züngelten knackend über die Holzscheite ihres Lagerfeuers. Julie summte eine Melodie vor sich hin: „Joho... joho... und eine Buttle voll Rum... joho, ihr Piraten, joho..."

Dann grinste sie plötzlich, stellet ihre Colabüchse in den Sand und stand auf. Während sie einen eleganten Knicks machte, fragte sie höflich: „Darf ich bitten?"

Chris zeigte sich durch ihr merkwürdiges Verhalten nicht überrascht. Einzig ein schiefes Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Er nahm die ihm gebotene Hand, stand ohne größere Eile ebenfalls auf und neigte den Kopf: „Es wäre mir ein Vergnügen, Mylady."

Sie lächelte. Er zog sie näher zu sich und legte die recht Hand unter ihr Schulterblatt; die linke hielt ihre rechte umfasst.

Einen Moment lang sahen sie einander an, erkundeten in Gedanken, was dieser Blick... was der jeweils andere... für sie bedeuten könnte. Dann trat er noch einen Schritt auf sie zu und Julie legte ihren Kopf an seine Schulter. Sie schloss die Augen; er sog den Duft ihres Haars ein.

Dann bewegten sie sich.

Erst war das Rauschen des Meeres ihre Melodie, dann tanzten sie zu einem Lied, das nur sie hören konnten...

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Sie lief durch ein Labyrinth.

Es war dunkel, nur an einigen Stellen spendeten Fackeln spärliches Licht. Ihre Schritte und ihr Atem hallten in ihren Ohren wieder.

Sie musste rennen, immer weiter, soviel war klar. Ihr Ziel war klar. Ihre Aufgabe.

Sie musste sich beeilen. Sie musste rennen.

Sie lief durch ein Labyrinth.

Mitten in der Nacht... oh Wunder, Julie wachte auf, im Kopf noch die Nachwehen des Traums. Ihr Herz klopfte, ihre Atmung war angestrengt.

Sie fuhr sich mit der Hand übers Gesicht – und hielt inne.

Ähm... diese Hand... war sehr... behaart... und männlich – ganz sicher nicht ihre!

Sie schloss die Augen, holte tief Luft und schaute dann noch einmal hin. Nein, es war keine Illusion gewesen.

Sie hob auch die andere Hand, befühlte ihre auf einmal sehr kurzen und sehr braunen Haare und sah dann an sich herunter.

„Oh, oh..."

Oh, oh? Du siehst da neben dir... dich selbst liegen, steckst im Körper eines Mannes, des Mannes, den du mehr als nur ein bisschen magst und alles, was du sagst... ist ‚oh, oh'?

„Chris? Chris, könnest du die Güte haben aufzuwachen?" Oder vielleicht auch lieber doch nicht? Da kriegt er doch den Schock seines Lebens und ich werde nie meine Chance bei ihm bekomme! – Ähm, seit wann will ich doch gleich eine Chance bei ihm?

Chris... das heißt, Chris in Julies Körper regte sich. Er öffnete die Augen, sah zu ihr hoch – und schloss die Augen wieder. Dann sagte er mit Julies Stimme: „Sag mir dass das nicht wahr ist und ich, wenn ich die Augen wieder aufmache... in meinem eigenen Körper stecken werde."

Er nimmt es wirklich gut auf. „Ähm... okay: Es ist nicht wahr und wenn du die Augen wieder aufmachst wirst in deinem Körper sein."

Er kniff ein Auge zusammen und öffnete das andere. Dann setzte er sich auf und seufzte. „Immer diese leeren Versprechungen."

Sie sah ihn von der Seite an. „Findest du das lustig?"

„Irgendwie schon, ja. Kennst du den Film ‚Manche mögen's heiß'?"

Sie nickte, wartete auf eine Erklärung... und da fiel es ihr ein „'Ich bin ein Mädchen, ich bin ein Mädchen, ich bin ein Mädchen'", zitierte sie und lächelte.

Er fiel in das Zitat ein und dann lachten sie beide aus vollem Halse. Als sie sich wieder beruhigt hatten, fragte Julie: „Also nicht, dass ich es nicht toll finde, dass du nicht ausrastest und nicht, dass ich deinen Körper nicht toll finde... okay, das kam falsch rüber: Ich meinte, dass ich..."

„Schon gut", unterbrach Chris sie, bevor sie sich noch mehr hineinredete. „Du willst wissen, wie du meinen Körper loswerden und deinen wiederbekommen kannst? Nicke einmal für ja!" Sie rollte mit den Augen, tat aber wie geheißen. „Gute Frage, nächste Frage..."

Das brachte sie um ihre Fassung. „Heißt das, du weißt nicht..."

„Moment, Moment, ja? – Ich sage nur, dass das keine meiner Fähigkeiten ist. Allerdings... da zeichnet sich langsam ein interessantes Bild ab, was dich betrifft. Telepathie, Körpertausch..."

Ich war das?"

„Siehst du hier sonst jemanden? – Hm... Hast du noch irgendetwas bemerkt?"

„An mir? Nein, ich... obwohl... bedeuten Träume etwas?"

„Kommt drauf an. Was ist es für ein Traum?"

„Ich renne... durch ein Labyrinth. Sieht ziemlich mittelalterlich aus, mit Fackeln usw..."

„Ist das alles?"

„Naja, ich schmeiße keine Feuerbälle, falls du das meinst. Der Traum kommt nur immer wieder und manchmal... das heißt, ziemlich oft fühle ich mich abends und morgens... komisch... schwach... irgendwie..."

„Hmmm..." Chris sah aus, als würde er überlegen. Möglich, dass es einfach nur Träume waren und das Schwächegefühl durch den Stress kam. Möglich aber auch, dass die Träume prophetischer Natur waren und er selbst war in letzter Zeit nur in einem mittelalterlich anmutenden Labyrinth gewesen. Die Aussicht, dass Julie vielleicht bald dort sein würde, gefiel ihm gar nicht, machte ihm Sorgen und Angst. Gestern vor dem Einschlafen, als sie getanzt hatten... da war ein Moment, in dem sie sich fast geküsst hätten. Dieses Mädchen aus einer anderen Welt hatte es geschafft zu ihm durchzudringen. Und nicht dadurch, dass sie ihn Bianca vergessen ließ; er wusste, das würde sie nie von ihm verlangen... aber er hatte sie gern... mehr als gern...

Trotzdem hatte er sie nicht geküsst. Und auch sie hatte es auch nicht getan. Nichts, was passierte, würde ändern, dass sie aus unterschiedlichen Zeiten stammten... mal ganz abgesehen von den unterschiedlichen Dimensionen... Sie mochten etwas füreinander empfinden – und er war sicher, dass es ihr genauso wie ihm ging – aber sie würden nie mehr daraus werden lassen können. Nie.

„In Ordnung. Darum müssen wir uns später kümmern. Erstmal würde auch ich gerne wieder ganz ich sein."

„Und wie stellen wir das an?"

„Nun... du hast es vermutlich unbewusst im Schlaf gemacht. Also würde ich denken, dass es ein leichter Auslöser ist."

Auslöser... Hm... Sie konnte sich denken, was es gewesen war. Sie hatte vor dem Alptraum noch einen anderen gehabt. Sie hatte von Chris geträumt... davon, wie der Abend hätte enden können, wenn sie es zugelassen hätten. Der Auslöser für diese Fähigkeit schien also der innige Wunsch nach Nähe zu sein. Ja, sie glaubte, das würde sie noch mal hinbekommen.

„Was?"

Sie sah auf. „Hm?"

„Du hast gelächelt."

„Soll vorkommen", stimmte sie ihm zu. „Los, gib mir deine Hände. Ich probiere etwas." Sie streckte ihre aus und er reichte ihr sein... oder ihre, was auch immer... Auf jeden Fall lagen ihre Hände dann ineinander und Julie schloss erneut die Augen. Sie versuchte sich zu beruhigen und sich zu erinnern, was sie geträumt hatte...

... tanzten sie zu einem Lied, was nur sie hören konnten.

Chris' Hand ging auf ihrem Rücken auf Wanderschaft und sie führte ihre gefassten Hände an seine Brust, legte dann ihre rechte in seinen Nacken.

Julie", flüsterte er.

Sie drehte den Kopf und sah ihn sah an, versank wieder in seinen unendlich grünen Augen, die sie liebevoll anblickten...

... oder auch nicht, wie sie feststellte, als sein Blick sich auf etwas unterhalb ihrer Augen fixierte.

Sie tat dasselbe, fand sich plötzlich dabei, wie sie seine Lippen anschaute, sich wünschte, sie mit ihren zu berühren...

„Julie?"

„Hm?"

„Was immer du tust, du kannst aufhören... es hat geklappt." Tatsächlich, das war seine eigene Stimme, die das sagte.

Julie öffnete etwas enttäuscht die Augen.

Musste es ausgerechnet so früh klappen? Der Rest des Traums war auch gut...

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Einen Tag später. Julie und Chris hatten noch viel Spaß gehabt und nebenbei etwas an ihren seltsamen Fähigkeiten gearbeitet. Nicht, dass Telepathie eine seltsame Zauberkraft war. Nur in Verbindung mit Körpertausch... Das war eine Sache für sich. Sie hatten festgestellt, dass dabei nur die Persönlichkeit getauscht wurde. Zauberkräfte blieben an den Körper gebunden.

Chris hatte auch das Gefühl, irgendetwas zu übersehen. Wenn sie zurück waren, würde er mit Cole über dieses seltene Zusammenspiel von Fähigkeiten sprechen müssen.

Chris jedenfalls war gerade dabei das Portal zum Hauptquartier zu öffnen, als Julie ihn am Arm packte. Alarmiert drehte er sich um, doch sie stand nur mit einem sehr irritierten Gesichtsausdruck vor ihm und starrte zu Boden. „Was ist?"

„Ich weiß nicht. Mir ist komisch. Als... Man, noch eine Fähigkeit brauche ich wirklich nicht."

„Noch eine?"

„Mir ist nicht direkt jetzt schlecht, verstehst du? Es ist eher das Gefühl, dass es irgendwann in der Zukunft so sein wird. Klingt das verrückt?"

Er lachte. „Nicht verrückter, als irgendetwas anderes in dieser verrückten Welt. Mach dir keine Sorgen. Vielleicht haben wir uns einfach etwas zuviel ‚ausgetauscht'."

Sie lächelte bei dem letzten Wort, das er für ihr Training im Körpertausch benutzte und beruhigte sich etwas. Was sie nicht wusste, war, dass Chris selbst nicht im Geringsten ruhig war. Er fand, dass ihr Gefühl sehr gut zu ihrem Traum passte und war nun noch mehr davon überzeugt, dass sie prophetischer Art waren.

Wirklich kein Wunder, dass sich so lange bei ihr in Sachen Zauberkräfte nichts getan hatte. Wahrscheinlich hatten sie sich gegenseitig blockiert.

„Schade, dass wir schon gehen müssen", meinte Julie und wechselte das Thema.

„Hm-hm, stimmt. Aber was soll's? Ich kann mich nicht ewig hier verstecken, nicht wahr?"

„Nein, schon klar. Es war nur... nett. Das wollte ich sagen."

Er beendete die Vorbereitungen, drehte sich zu ihr um und hielt ihr eine Hand hin. „Das fand ich auch."

Und wieder einmal kehrten sie zurück. Zurück in das Hauptquartier des Widerstands... oder in das, was davon übrig war.

ooo

Note 4: War das nicht schön lang? – Also mir hat's gefallen :-)

Bis zum nächsten Kapitel!

June22