Summary: ‚Charmed' ist nur eine Serie – oder? Als Julie eines Tages mitten in der magischen Welt aufwacht beginnt das Abenteuer ihres Lebens…

Disclaimer: Und falls hier jemand unter Wahnvorstellungen leidet: Schön wär's, aber nein, ‚Charmed' gehört nicht mir.

Note 1: Hallo :-) Nach diesem letzten Kapitel und den vielen Reviews (Ich liebe euch dafür!) hier nun ein neues! Ist etwas kürzer und wieder mehr ein Zwischenstück. Aber man kann ja auch nicht gleich von einem zum nächsten Höhepunkt gehen, nicht wahr?

Note 2: Zu euren Reviews. Also, ich scheine ja da auch einige Verwirrung gestiftet zu haben. Mal sehen, ob ich sie auch wieder zerstreuen kann.

‚räusper' Auf das erste Missverständnis hat Misato hingewiesen. Die Sache, von der Wyatt Chris und Pelagia nichts erzählt hat? Damit habe ich auf die Geschehnisse von Chris' 14. Geburtstag angespielt und was Wyatt darüber herausgefunden hatte. Dass also die Ältesten und die Cleaner daran Schuld sind, dass Piper gestorben ist.

Zwotens: Die ‚andere Geschichte' zwischen Wy und Chris.

Nun, die beiden haben einfach eine ganz andere Bezeihung als Wy und Pel. Chris mag jünger sein als Wyatt aber er ist ihm auch dem Alter nach nah genug, dass Wyatt ihn als fast gleichrangig zu sich selbst einstufen kann. Und Chris, der Bruder, den er liebt und achtet... der hat sich nicht nur gegen Wyatt gestellt. Nein, er hat auch noch aus eigener Entscheidung dabei geholfen, einen weltweiten Widerstand gegen ihn aufzubauen und hat bei jeder Gelegenheit etwas gegen Wyatt unternommen, hat sich aktiv beteiligt. Was das bedeutet... als welchen Verrat Wyatt das betrachten muss... Nun ja... ‚mit den Schultern zuckt'

Pel dagegen hat er immer als das kleine Kind gesehen, das sie war, als er böse wurde und wegging. Und auch wenn sie beim Widerstand aufgewachsen ist, so weiß er doch, dass das kaum ihre Entscheidung war und dass sie vielleicht noch zur ‚einzigen Wahrheit' bekehrt werden kann. Wyatt mag zwar ein machtgeiler Bastard sein... aber er ist ein machtgeiler Bastard mit Gefühlen. In Chris' Fall führen die dazu, dass er seinem geliebten Bruder auf Grund seines Verrats wehtun möchte. Pelagia dagegen möchte er als Mensch wieder kennen lernen. Er möchte sie lieben und beschützen. Okay?

Anna: Dass sich Wyatt und Jen kennen ist eigentlich unwichtig. Man könnte es entweder dahingehend ausbauen, dass sie sich schon kannten, als er noch gut war. Oder aber, dass er sie einfach in ihrer Rolle als Widerstandskämpferin kennen gelernt hat. Himmel, man könnte den beiden sogar eine Affäre andichten! ;-) Aber das habe ich nicht vor. Such dir einfach von diesen Hintergründen aus, was dir am besten gefällt!

So, nun zu diesem mysteriösen Satz: "Aber Pel... sie kannte Mum nicht so lange. Sie würde traurig und wütend sein... dann aber die richtigen Schlüsse ziehen. Dann wäre sie bei mir." Wie habe ich das gemeint? Es ging darum, was passieren würde, wenn er ihr vom Verrat der Ältesten erzählt. Pel kannte Wyatts Mum ja wirklich nicht besonders gut. Wie alt war sie als Piper starb? 3 oder 4? Was kann ihr ihr Tod objektiv betrachtet eigentlich bedeuten. Aber sie ist auch eine Halliwell. Ihr bedeutet Familie etwas. Schon allein deshalb wäre sie ‚traurig und wütend'. .. zumindest eine Weile. Wyatt hofft eben, dass dadurch, dass ihr Piper als Person wenig sagt, sie über den für Wyatt und Chris überwältigenden Umstand ihres Todes hinweg- und das größere Bild sehen kann. Er hofft, dass sie den Schluss ziehen würde, den er auch gezogen hat: Es kommt allein darauf an, wie viel Macht man hat. Und dann würde sie natürlich auf seiner Seite stehen, wieder bei ihm sein.

So... ist das jetzt klar? Oder habe ich die Verwirrung vergrößert?

Phania: Ja, Mediator ist wirklich nicht schlecht. Trotzdem... ich denke, ich bleibe noch bei meiner Schlichterin ;-) Übrigens, was du übers Abi gesagt hast: Klar, das ist megastressig. Aber wenn du wirklich so hart daran arbeitest, dann glaube ich nicht, dass du Probleme damit haben wirst. Die fragen dich schließlich nichts, was du nicht auch mal gelernt hast... Ein Lehrer von mir hat mal gesagt, die würden im Kurssystem auch nur mit Wasser kochen... so wie jeder Normalsterbliche das tut. :-) Also Kopf hoch!

Note 3: Die Lyrics sind von James Blunts ‚No Bravery'. Das Zitat von dem klugen Mann, der unten erwähnt wird, entspricht dem Inhalt nach dem, was Kaiser Gregor immer sagt. :-) Und damit wären wir schon wieder bei Lois McMaster Bujold.

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Zwischen den Welten

Kapitel 13

There are children standing here,
Arms outstretched into the sky,
Tears drying on their face.
He has been here.
Brothers lie in shallow graves.
Fathers lost without a trace.
A nation blind to their disgrace,
Since he's been here.

Die Hexe wimmerte, als das zurückkehrende Bewusstsein auch die Schmerzen zurückbrachte. Mit einem Rück drehte sie sich auf den Bauch und berührte vorsichtig tastend die Wunde in ihrem Nacken. Ihr Atem ging stoßweise – als sie ihre Hand vor ihre Augen hielt und das Blut sah. Dann stützte sie sich mit dieser Hand auf dem Boden ab und kam etwas wackelig auf die Beine. Nachdem sie Halt an einer Wand bekommen hatte, blinzelte sie und schaute sich um.

In ihren Augen formten sich Tränen, als sie ihre Umgebung in sich aufnahm. Ihr dämonischer Gegner hatte sie im Kampf mit einem Energieball getroffen und sie dann für tot liegen lassen. Sie hatte keine Ahnung gehabt, was danach passiert war.

Nach einer Minute zwang sie sich, die Wand anzusehen und atmete tief durch. Sie durfte hier nicht länger bleiben. Sie musste versuchen rauszukommen...

Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen... stieg über Aschehaufen und alte Freunde, blieb immer wieder stehen um zu horchen. Doch nichts.

Es war totenstill...

Houses burnt beyond repair.
The smell of death is in the air.
A woman weeping in despair says,
He has been here.
Tracer lighting up the sky.
It's another families' turn to die.
A child afraid to even cry out says,
He has been here.

ooo

Sie schauten ihn erwartungsvoll an, als er zurückkehrte. Ein Tag war vergangen und Cole war draußen gewesen. Hinter ihm kamen ein paar Leute herein und verteilten sich. Cole winkte seinen Neffen, die Schwestern und Vicky zu sich heran.

Sein Gesicht war verschlossen, seine Haut irgendwie blass. Aber in seinen Augen lag das alte Funkeln. Phoebe, Vicky und Chris wussten den Ausdruck zu deuten. Ruhig aber unruhig – eigentlich sogar wütend mit einer Spur ironischem Humor.

Er setzte sich. „Es ist immer noch Chaos. Keiner weiß wie viele Tote im alten HQ sind, wie viele sich in der Stadt verstecken und Wyatt gefangen genommen hat."

Chris wunderte sich: „Keine Verlautbarung diesbezüglich von Wy? Sonst brüstet er sich doch immer damit!"

„Nichts. Irgendetwas ist da wohl im Busch… da ist allerdings noch eine andere Sache."

„Und die wäre?", fragte Phoebe.

Cole beantwortete zwar die Frage, sah dabei aber seinen Neffen an: „Erinnerst du dich noch, wie ich mir immer gewünscht habe diesen Job nicht machen zu müssen? – Tja, jemand war da der gleichen Meinung."

Bei dieser Aussage zog Chris die Augenbrauen zusammen. Misstrauisch fragte er: „Wie meinst du das?"

„Sie haben mich abgesetzt. Kannst du dir das vorstellen? Die Gruppenführer der Stadt haben es heute Morgen entschieden und die Rebellen der restlichen Welt hatten sie schon seit letzter Woche in der Tasche."

Während die Schwestern Cole anstarrten, weil er es so ruhig sagte und versuchten sich die Konsequenzen auszumalen, wandte Chris sich ab – und schlug nach einem Moment gegen die nächste Wand. Erschrocken fuhren die Charmed Ones zusammen.

Vicky nickte und sagte zu niemand Bestimmten: „Mark." - Cole machte eine zustimmende Handbewegung.

Paige stemmte die Hände in die Hüften. „Was heißt das jetzt?"

Als Chris antwortete klang seine Stimme gepresst. Er schaute sie nicht an. „Dass dieses Schwein schon lange gegen uns intrigiert hat. Da jetzt wahrscheinlich über die Hälfte unserer Hauptanhänger tot sind war es für ihn an der Zeit sich aus seinem dreckigen Loch zu wagen und die Anführer der anderen Gruppen zu überzeugen…" Er gab einen angewiderten Laut von sich. „Es heißt auch, dass wir jetzt keinen Einfluss mehr darauf haben, was passiert."

Piper, Paige und Phoebe hatten Mark zwar nur ein einziges Mal getroffen – doch sie hatten nicht gerade den besten ersten Eindruck von ihm gehabt. Wenn er jetzt das Sagen hatte… Das versprach beunruhigend zu werden.

Vicky war schon einen Schritt weiter. „Was denkt ihr werden sie tun?"

Cole verschränkte die Arme vor der Brust. „Wir müssen gar nicht raten. Mark im vollen Rausch seines Triumphes über Chris und mich hat es mir gesagt. Sie werden den hirnrissigen Plan durchführen, mit dem er und einige andere mir schon seit Monaten in den Ohren liegen."

„Wir müssen ihnen zuvorkommen", sagte Chris entschlossen.

Cole konnte ihm nur zustimmen.

ooo

Es klopfte und etwas gedämpft kam eine Stimme durch die Tür: „Pel?"

Sie setzte sich auf und zog die Decke um sich. „Komm rein", sagte sie.

Die Tür öffnete sich und Wyatt betrat den Raum. Hinter ihm folgte sein ständiger Schatten. Er trat an ihm vorbei und stellte auf dem Tisch neben ihrem Bett ein Tablett ab. „Frühstück", murmelte er, als er sich zurückzog. Die Andeutung eines Lächelns huschte über ihr Gesicht. „Danke, Mike."

„Willst du reden?", fragte Wyatt von der Tür aus.

Pelagia schüttelte den Kopf.

Einen Moment sah er sie an, dann wandte er sich zackig ab.

„Komm mit, Michael."

o

Unten teilten Handlanger die Gruppe Gefangener auf. Auf der einen Seite des Raumes die Rebellen; auf der anderen die neu erwachten Hexen.

Jen wollte helfen und stützte eine Verletzte. Einige taten es ihr mit anderen Verwundeten nach. Doch diese Aktion gefiel ihren Wächtern nicht. Ihre antreibenden Bemerkungen wurden beißend und beleidigend. Dann wurde ihr die Frau, der sie half aus den Armen gerissen. „Was-! Hey! Nein! Lass sie los!"

Der Warlock neigte den Kopf, als würde er tatsächlich darüber nachdenken, dann nickte er seinem Partner zu, der die ganze Zeit mit einem Feuerball gespielt hatte.

Die Frau konnte nur erschrocken aufatmen – zum Schreien kam sie nicht mehr - als der Warlock sich mit ihr wegblinkte. Der Dämon mit dem Feuerball sah die restlichen Helfer an: „Bringt die Neuhexen auf ihre Seite. Die anderen: Tretet zurück!"

Sie sahen Jen an und nach einem Moment nickte sie stumm. So sehr sie es auch hasste: Sie hatten keine Wahl.

Sie wandte sich ab und hörte dann wie einige Hexen ihre Verletzten zu Boden gleiten ließen, als sie zurücktraten.

Von den unten liegenden war seltsamerweise nichts zu hören.

Vielleicht hatten sie zu viel Angst, um etwas zu sagen.

Vielleicht verstanden sie die Entscheidung auch.

Einer der Helfer sagte: „Nein, das können wir nicht tun! Das ist" Mitten im Satz hörte Jen, wie der Dämon seinen Feuerball losließ und den Sprecher und seinen Schützling traf. Sie schrieen beide auf, er hustete, dann sackten sie auch zusammen.

Um Jen herum starrten die Leute entsetzt zu, als andere Dämonen weitere Feuer- und Energiebälle auf die hilflosen Verletzten feuerten.

Einige Leute wollten vorstürzen, wurden von anderen zurückgehalten.

Sie konnten nichts tun.

Jeder, der einen Dämon angriff, würde dem nächsten zum Opfer fallen. Sie waren zahlenmäßig unterlegen. Und die einzige Chance zu überleben bestand darin, so lange wie möglich zu tun, was ihnen gesagt wurde.

Nur wie lange würde es möglich sein? Wo lag die Grenze?

o

Julie fragte sich, was sie hier sollte. Warum sie nicht wieder runter ins Verlies bringen lassen? Nein, Wyatt hatte Anweisung gegeben, sie in Mikes Zimmer zu stecken. Was sollte das? Dachte er... eww... Da konnte es einen ja schütteln! Gar nicht daran denken. Immerhin, als sie gestern Abend auf der Couch eingeschlafen war, war Mike noch nicht da gewesen und als sie heute Morgen erwacht war... da war er schon weg. Vielleicht würde es so weitergehen. Gerade als sie das dachte wurde die Tür aufgeschlossen. Sie sah auf und der eigentliche Bewohner dieses Zimmers kam herein. Sobald die Tür wieder zu war, schien er sich irgendwie zu entspannen, als er dann jedoch sie bemerkte, kehrte ein Teil davon zurück. Er deutete mit einer Hand ein Winken an.

Julie nickte zurück. Und nun? Ihr wurde klar, dass sie nichts von dem Kerl wusste. Nada, niente. Er hatte da unten in der Zelle gesessen und sich als Spion oder sonst was rausgestellt... hatte dann selbstverständlich seinen Platz neben Wyatt eingenommen... hm...

Sie schreckte hoch, als er plötzlich vor ihr stand und ihr wortlos einen Apfel hinhielt. Wie... symbolisch. Nun ja, irgendetwas musste sie schließlich essen. Mit einem gemurmelten „Danke" nahm sie die Frucht entgegen.

Sie aß schweigend während er auf seinem Bett saß und etwas verloren in der Gegend herumschaute.

Als sie fertig war, stand sie auf um den Krebs zu entsorgen... fand dann aber den blöden Papierkorb nicht. Hatte sie nicht vorhin einen gesehen?

„Da drüben."

Sie wandte sich um. „Da drüben", wiederholte er und zeigte in eine Ecke.

„Ah", machte sie und warf den Apfelkrebs in den Papierkorb. Anschließend ließ sie sich im Schneidersitz wieder auf dem Sofa nieder.

„Was mache ich hier?"

Mike, der nicht erwartet hatte, dass sie mit ihm sprechen würde, zuckte mit den Schultern. „Da fragst du mich zuviel."

„Aber ich frage dich." In diesem Satz lag mehr als die 4 Wörter. Es entsprach mehr: Es ist mir egal ob du es weißt oder nicht! Ich möchte es wissen und wenn du keine Ahnung hast, dann rate verdammt noch mal!

Ihr gegenüber zog die Beine unter sich, so dass er jetzt auch im Schneidersitz saß. „Wahrscheinlich ist es ein weiterer Test. Ein Experiment."

Sie runzelte die Stirn. „Ein Experiment? Um was zu erfahren?"

„Das ist der Teil, den du wohl nur Wyatt erfahren kannst."

„Hm. Dann fragen wir ihn doch."

„Du kannst es ja versuchen", antwortete er und zuckte erneut mit den Schultern.

„Das werde ich. Verlass dich drauf." Warum auch immer, Julie hatte irgendwie schlechte Laune bekommen.

Mike rollte mit den Augen. „Lass uns ein Spiel spielen."

Damit hatte er ihre Aufmerksamkeit. „Ein Spiel? Sag mal geht's noch?"

Er ging nicht auf ihre Worte ein. „Kennst du Wahrheit oder Pflicht?" Als sie nickte fuhr er fort: „Wie wäre es mit Wahrheit oder Wahrheit?"

Sie überlegte. Viel zu tun schien es nicht zu geben. Und solange... „Wir sprechen über nichts, was den Widerstand betrifft."

„Einverstanden", sagte er sofort. Daran hatte er gar nicht gedacht. Er wollte gar nichts wissen vom Widerstand! Jetzt gerade war er zum 1.Mal seit Tagen wieder völlig frei von Joras – doch wenn er zurückkehrte... besser, er wusste nichts!

„Okay... Was willst du wissen?"

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Wyatt saß gedankenverloren auf seinem Thron. Um ihn herum standen einige Dämonen. Einer trug gerade einen Fall von Insubordination vor. Doch Wy hörte nicht ganz zu. Schließlich seufzte er und hielt eine Hand hoch. Der Redefluss des Dämons stoppte sofort. „Lasst mich allein."

Seine Untergebenen verneigten sich und schimmerten, flammten oder blinkten sich weg. Sobald er allein war sank er gegen die Rückenlehne und schaute aus dem Panoramafenster auf die Stadt. Das Profil von San Francisco hatte sich verändert seit seiner Kindheit. Es standen aber nicht mehr allzu viele bewohnbare Hochhäuser, von denen man einen so guten Blick hatte, wie Wyatt jetzt. Es gab viel Zerstörung in der Stadt. Er hatte das nie so gewollt. Er hatte ein schönes San Francisco gewollt. Aber bitte. Wenn die Bürger sich gegen ihn stellten und kämpften, mussten sie auch mit und in den Konsequenzen leben. Und das hieß, dass er nichts wieder aufbaute. Es gab einige Viertel, die noch schön waren. Und dort wohnten jetzt die, die sich nicht gegen Wyatt versündigt hatten. Wer ein guter Untertan war, durfte auch in einer gepflegten Gegend wohnen. Wyatt kam das gerecht vor. Und da versuchte er immer noch, das Wort ‚Recht' aus seinem Sprachschatz zu streichen. Nun ja, es dauerte eben doch etwas länger.

Zurzeit war es sowieso seltsam. Die Leute aus der Parallelwelt hatten eine ganz andere Sache für Wyatt wieder relevant werden lassen: Die Familie. Während er sich in den letzten Jahren hauptsächlich ums Geschäft gekümmert hatte, hatte er sich nur wenig Gedanken um seine verbliebenen Verwandten gemacht. Zumindest war es bei diesen Gedanken häufig genug auch nur um den Krieg gegangen.

Doch der strategische Schachzug gegen das Hauptquartier des Widerstandes hatte ihm Pelagia wiedergebracht und Mike hatte ihn hoffen lassen, dass Chris für ihn noch nicht ganz verloren war. Und dann war da immer noch Tante Paige... Und die Mächtigen Drei aus der Vergangenheit... vielleicht würde er sogar noch einmal einen Blick auf seine Mutter werfen können.

Jetzt hatte er Mike und Julie zusammensperren lassen. Er war gespannt, was passieren würde. Ob etwas passieren würde. Wie ein kluger Mann mal gesagt hatte: „Schauen wir mal, was geschieht."

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Jen saß jetzt in einer Einzelzelle. Nach dem Gemetzel hatte sie sich auf dem Weg hierher zweimal übergeben müssen und ein Dämon war tatsächlich darauf ausgerutscht. Das war fast lustig gewesen. Aber nur fast. Wahrscheinlich hatte sie noch Glück gehabt. Anstatt sie wegen dieser Demütigung einfach zu töten, hatte sie eine schöne halbe Stunde mit besagtem Dämon zubringen müssen. Allein, in einem abgeschiedenen Raum... nun ja... auch Glück war relativ. Der Dämon hatte keinen Gefallen an ihr als Frau gezeigt. Darüber war sie froh. Doch trotzdem... als einfallslos konnte man ihn sicherlich nicht bezeichnen.

Sie fühlte sich dreckig und schrecklich allein...

o

There are children standing here,
Arms outstretched into the sky,
But no one asks the question why,
He has been here.

Die Hexe war inzwischen an so vielen entstellten Leichen vorbeigekommen, dass sie nicht mehr versuchte herauszufinden, wer sie waren. Durch die Gänge und Korridore war sie nun fast am Ausgang angelangt... als... Das zweite Wimmern, seit sie wieder wach war, entfuhr ihr und sie ging auf die Knie. Mit weit aufgerissenen Augen drehte sie den vor ihr liegenden Körper um.

Gelocktes braunes Haar fiel aus einem blassen Kindergesicht.

Mit zitternder Hand versuchte die Hexe einen Fleck von der Haut des Mädchens zu reiben. „Nein, mein Schatz, nein..." Als sie die Hand des Kindes umfassen wollte, merkte sie, dass es schon jemanden umklammert hielt und ihr Blick auf die Leiche des Mannes, die neben ihrer Tochter lag.

Sie hatten beide fliehen sollen, noch bevor der Kampf überhaupt richtig losgegangen war. Sie selbst hatte mehr Kräfte als ihr Mann und ihre Tochter... sie gehabt hatten. Doch sie hatten es nicht geschafft... waren tot... irgendeinem Ungeheuer zum Opfer gefallen...

Die Hexe war so in sich gekehrt bei der Betrachtung ihrer Familie, dass sie es nicht mal bemerkte, als eine Drohne um die Ecke kam und sie scannte. Sie sah erst auf, als ein Dämon erschien. In seiner Hand flammte ein Feuerball auf und mit dem Namen ihrer Tochter auf den Lippen schloss die Hexe die Augen.

Dann wurde ihre Welt schwarz und still.

Old men kneel to accept their fate.
Wives and daughters cut and raped.
A generation drenched in hate.
Says, he has been here.

And I see no bravery,
No bravery in your eyes anymore.
Only sadness.