Summary: ‚Charmed' ist nur eine Serie – oder? Als Julie eines Tages mitten in der magischen Welt aufwacht beginnt das Abenteuer ihres Lebens…

Disclaimer: Und falls hier jemand unter Wahnvorstellungen leidet: Schön wär's, aber nein, ‚Charmed' gehört nicht mir.

Note 1: Fünf Reviews... ach ja, mir geht's gut:-)

Wollen wir doch die treuen Seelen mal beim Namen nennen:

Phantasie

Phania

Misato

Persephone25

Und neu dabei, wenn mich nicht alles täuscht: Whitelightner78

Dann gab es da natürlich auch mal nettes Feedback von Nimriel, Amidala, Nessie und Andrea Lupin... Seid ihr noch da draußen?

Wie auch immer... Reviews, ich liebe Reviews! Und ihr alle gebt mir welche... immer wieder und wieder und wieder! Hach:-)

So, jetzt zum Fragenbeantworten: Misato, die Hexe in dem Schlachthaus von Ex-HQ habe ich wirklich nur mit reingenommen, um noch mal zu verdeutlichen, was dort passiert ist.

Tja, und wie unsere Helden Mark zuvorkommen wollen... kann ich ja wohl schlecht jetzt hier auf der Stelle verraten... also lassen wir das doch ;-)

Allerdings... zu der Frage wann die Schwestern endlich Chris' großes Geheimnis erfahren... puh... Hm, am Liebsten wäre es mir, es ihnen gar nicht zu sagen. Ich meine – der Schwerpunkt der Geschichte liegt eigentlich auf Julie und Chris und nicht auf Chris und seiner Beziehung zu den Mächtigen Drei. Aber hey... ‚g' ich hab' die Ahnung, dass ich wohl nicht darum herum kommen werde, oder?

So... weiter geht's!

ooo

Zwischen den Welten

Kapitel 14

Wie wäre es mit Wahrheit oder Wahrheit?"

Sie überlegte. Viel zu tun schien es nicht zu geben. Und solange... „Wir sprechen über nichts, was den Widerstand betrifft."

Einverstanden", sagte er sofort. Daran hatte er gar nicht gedacht. Er wollte gar nichts wissen vom Widerstand! Jetzt gerade war er zum 1.Mal seit Tagen wieder völlig frei von Joras – doch wenn er zurückkehrte... besser, er wusste nichts!

Okay... Was willst du wissen?"

o

Sie hatten geredet, noch eine ganze Weile. Und Julie hatte zu ihrem Erstaunen bemerkt, dass es ihr gefiel. Sie hatten sich über Nichtigkeiten unterhalten, hatten spaßige Episoden aus ihrer Vergangenheit ausgetauscht.

Fast wäre es genug gewesen sie beide vergessen zu lassen, wo sie waren.

Immerhin: Julie wusste nun, dass er wie sie aus der alternativen Vergangenheit war. Zumindest hatte er es gesagt. So ganz... sie mochte ihm glauben. Er war ihr sympathisch. Aber sie hatte ihn nun mal das 1.Mal getroffen, als er für Wyatt spioniert hatte. Was sollte man davon halten?

Einmal versuchte sie ihn zu fragen, was das war zwischen ihm und dem ältesten männlichen Halliwell. Doch er blockte ab. Alle Freude, die sich auf seinem Gesicht gezeigt hatte, als er eine Geschichte aus seiner Kindheit erzählt hatte, war wie weggewischt.

Einige Minuten herrschte seltsames Schweigen zwischen ihnen, dann erzählte sie aus dem Blauen heraus, wie sie beim Kinderfasching mitten auf die Bühne sprang und tanzte, obwohl da gerade eine Kindertanzgruppe etwas vorführte... nunja, gerade weil sie etwas vorführten und sie nicht mitbekommen hatte, dass es so war. Auf jeden Fall entlockte ihm diese peinliche Begebenheit ein Lächeln und die Spannung lockerte sich etwas.

Später hatte ein Warlock ihn abgeholt und die Maske war wieder auf sein Gesicht geglitten. Derselbe verschlossene Ausdruck, den er getragen hatte, als er Wyatt am Tag zuvor aus den Verliesen gefolgt war.

Nachdem er weg war wurde es langweilig. Der Raum mochte geräumig sein und komfortabel. Aber es gab einfach nicht viel zu tun. Sie ging in das kleine Bad und duschte, brachte die nächste Stunde damit zu aus dem Fenster zu schauen und saß letztlich wieder auf der Couch und starrte die Decke an. Sollte sie irgendwas tun? Fliehen? An ihren Fähigkeiten arbeiten?

Nun, das Fenster war aus mehr als einer Schicht Glas und ließ sich nicht öffnen. Die Lüftung des Raumes erfolgte durch die Klimaanlage. Mal davon abgesehen, dass sie sich in der oberen Hälfte eines sehr hohen Hochhauses befanden. Was würde sie tun, wenn sie das Fenster aufbekam? Davonschweben? Die Tür war, wie sie verdrießlich feststellte magisch versiegelt. Ihre linke Hand zitterte immer noch von dem Stromschlag. Fliehen war also nicht. Und ihre Kräfte... sie hatte bisher nur mit Chris geübt. Was er jetzt wohl gerade tut? Hat er den Kampf überstanden? – Natürlich hat er das! Denk nicht mal etwas anderes! – Und wenn... Dachte er vielleicht an sie?Sie seufzte. Das bringt doch nichts! Konzentrier dich auf etwas anderes! Wo war sie gewesen? Ach ja! Ihre Kräfte... Sie hatten seit sie von Mallorca wieder da waren gar nicht reagiert. Oder? Als Pelagia fast ausgerastet war... sie hatte ihren Arm berührt. Mehr aus Sorge... aber... nun, Pel war sofort nach der Berührung ruhiger geworden. Und sie hatte so ein Kribbeln gespürt... komisch. Sie sah ihre Hand an, studierte sie... und musste plötzlich über sich selbst lachen. Was hatte sie erwartet? Einen goldenen Schein? Einen Aufdruck à la Das ist deine neue Zauberkraft und so benutzt du sie: Punkt 1) ? Wohl eher nicht.

Später...

Sie schlief. Sie wusste, dass sie schlief. Aber sie wusste auch, dass sie durch das Labyrinth lief...

Es war dunkel, nur an einigen Stellen spendeten Fackeln spärliches Licht. Ihre Schritte und ihr Atem hallten in ihren Ohren wieder.

„Julie?"

Sie musste rennen, immer weiter, soviel war klar. Ihr Ziel war klar. Ihre Aufgabe.

Sie musste sich beeilen. Sie musste rennen.

„Julie?"

Sie lief durch ein Labyrinth.

„Julie!"

Plötzlich war sie wach – ein bisschen wenigstens. Ihr entschlüpfte ein desorientiertes „Hm?"

„Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe...", sagte eine ihr bekannte Stimme zögerlich – Michael! „Nur, du sahst nicht allzu gut aus... als hättest du einen... merkwürdigen Traum." Etwas in ihm widerstrebte es, es einen Albtraum zu nennen. Sie hatte nicht geredet oder geschrieen oder sich auf der Couch in und ihr geworfen... aber ihre Augen hatten sich hinter den Lidern mehr als nur ein wenig bewegt. Und ihr Gesicht hatte einen Ausdruck gehabt, der ihm irgendwie Angst gemacht hatte.

„Oh", sagte sie, blinzelte und zog sich hoch, so dass sie jetzt halb saß. „Seit wann bist du wieder da?"

„Noch nicht lange... Kann ich... kann ich mich hier hinsetzen?"

Sie schaute zu ihm auf. Vorhin – wie lange war das her? – hatte er besser ausgesehen; zumindest weniger tot und ausgelaugt als jetzt. Sie nickte und er setzte sich neben sie auf die Couch. Unwillkürlich hob sie die Decke an und legte sie ihm um die Schultern.

„Willst du reden?", fragte sie.

„Nein."

„In Ordnung. Dann... schlafen?"

Er nickte. Julie legte den Kopf an seine Schulter und horchte auf seinen Atem. Sie fragte sich, was er wohl gerade gesehen hatte. Er war nicht einer, der darüber sprach, wenn es ihm schlecht ging, soviel hatte sie schon mitbekommen. Und vielleicht wollte sie es auch gar nicht wissen... naja, eigentlich doch. Der Gedanke ließ sie schmunzeln. Wie war das? Curiosity kills the cat? Sowas in der Art.

War schon seltsam. Erst war er ihr verdächtig erschienen, dann hatten sie ein einziges Gespräch geführt und schon dachte sie von Michael in der Kategorie ‚Freund'. War sie zu vertrauensselig? Nun ja, Chris hatte sie sich auch schnell verbunden gefühlt, nicht wahr? Und hatte er sie bis jetzt enttäuscht?

So wie Mikes Atem sich langsam beruhigte fielen auch Julie wieder die Augen zu und ihre eigenen Atemzüge brachten sie dem süßen Vergessen des Schlafes wieder näher... oder so dachte sie.

Er stand neben Wyatt am Fenster, als Tomaj sich zu ihnen schimmerte. „Mein Gebieter", sagte der Dämon und deutete eine Verbeugung an.

Wy nickte, ohne sich ihm zuzuwenden. Er schaute Mike an, als er fragte: „Wie lief es?"

Zufriedenstellend, Mylord. Wir haben sie getrennt und die schwachen Verletzten entfernt."

Er sah ihn immer noch an. „Gut. Du kannst gehen."

Tomaj wiedeholte die Verbeugung und verschwand.

Mike brach den Blickkontakt und schaute zu Boden. „Was meint er mit... entfernt?"

Sein Gegenüber betrachtete weiter sein Gesicht, dann hob er eine Hand und zwang Michael mit sanfter Gewalt ihn anzusehen. „Was denkst du?"

Du hast sie umbringen lassen", sagte er leise, ihm in die Augen schauend.

Wyatt nickt leicht. „Sie waren unnütz. Hätten die Ressourcen belastet und wären nach ihrer Genesung wahrscheinlich trotzdem als Widerstandskämpfer hingerichtet worden."

Ist es tatsächlich so einfach für dich?" Aber natürlich ist es das! Du weißt es doch wirklich besser, als dich das zu fragen, oder? Ohne auf eine Antwort von Wyatt zu warten, sagte er: „Übrigens... Julie ist... sie fragt sich, was sie bei mir soll..."

Und fragst du dich das auch?", fraget Wy amüsiert.

Ja", gestand Michael. „Aber ich bin nicht mehr so naiv, dass ich glaube, darauf eine Antwort zu bekommen... zumindest nicht, solange du nicht denkst, dass es die richtige Zeit dafür ist."

Auf diese Antwort hin konnte Wyatt sich ein Lachen nicht verkneifen und schlug Mike auf den Rücken. Obwohl er stehen blieb und nichts seinen inneren Aufruhr bei der Berührung verriet, konnte Julie, die mit ihm im Schlaf verbunden war, die Erinnerungen sehen, die sie hervorrief... die Stunden, die Wyatt damit zugebracht hatte, ihn zu brechen, wie er ihn Joras ausgeliefert und zugelassen hatte, dass der im Geist fortsetzte, was Wy an seinem Körper schon längst wieder geheilt hatte.

Julies Augen flogen auf und erschrocken holte sie ein paar Mal tief Luft. Sie setzte sich auf und schaute den jungen Mann an, der ihr im Schlaf in die Arme gerutscht war. Oh Gott, oh mein Gott! Das kann er doch nicht... das... ihr Götter! Nein! Wyatt, wie konnte er! Wie konnte er nur!

ooo

Sie hatten sich eingerichtet so gut es eben ging. Das Haus gab nicht viel her, aber es war in einer verlassenen Gegend und wurde weder viel von Drohnen noch Dämonen besucht. Trotzdem hatten sie ihr Versteck notdürftig magisch geschützt. Notdürftig – aber immerhin so gut, dass die Hexen, die sich ihnen noch anschließen wollten von ihnen auf der Straße aufgelesen werden mussten. Sie hatten das Haus nicht ausmachen können.

Cole und Chris befragten gerade die neusten Ankömmlinge. „Und das hat er getan?"

Die junge Hexe nickte. „Er hat uns alle nach unseren Loyalitäten befragt und diejenigen, die nicht mit vollem Herzen hinter ihm stehen weggeschickt.Überprüft hat er es durch einen Zauber."

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass noch viel übrig sind", sagte Chris. Es ging immerhin um Mark! Wer mochte den schon?

„Es sind immer noch genug, fürchte ich."

Cole nickte. Das hatte er befürchtet. „Auf jeden Fall ist es schön, dass ihr hier bei uns seid."

„Wir finden das auch gut", meinte die Hexe und man sehen, dass es ihr Ernst war.

„Hat einer von euch mitbekommen, wann sie ihren Angriff starten wollen?"

Sie nickte. „Alexej sagte, er habe von einem Bekannten gehört, dass die Vorbereitungen schon laufen und dass es wohl morgen gegen Mittag losgeht. – Immerhin soll dann angeblich die Hälfte der Low-Level-Dämonen bei dem menschlichen Aufstand in Lissabon sein", fügte sie hinzu.

„Interessant. Das wussten wir noch nicht."

Währenddessen schwatzten die Schwestern in einem anderen Teil des Verstecks mit Vicky. „Ich versteh nur nicht, wieso wir nicht dabei sein dürfen? Hallo? Wir sind die Mächtigen Drei? Wir haben schon Schlachten geplant!" Paige sah beinahe so aus, als wolle sie schmollen; Piper und Phoebe, al ob sie ihr Recht geben würden.

Vicky lächelte. Sie mochten die Mächtigen Drei sein. Aber manchmal waren sie einfach nur süß! „Stimmt ja", sagte sie, als würde sie zu einem kleinen Kind sprechen. Piper, die den mütterlichen Tonfall erkannte, zog eine Augenbraue hoch. „Aber", fuhr Victoria fort. „Es geht ja gar nicht um die Planung. Noch nicht. Momentan wollen sie nur rauskriegen, was bei Mark & Co. vorgeht und wenn ihr dabei seid... naja, das würde doch etwas ablenken."

„Ablenken... na vielen Dank", sagte Phoebe.

„Ihr kennt diese Leute nicht Phoebe. Und ihr würdet Cole und Chris nicht in Ruhe mit ihnen reden lassen, oder? Ihr würdet selbst Fragen stellen. Und das, obwohl ihr die ganze Organisation gar nicht kennt."

„Wo sie Recht hat", kam es von Paige. Aber nur leise.

Vicky ging trotzdem darauf ein. „Habe ich Recht?", fragte sie die anderen beiden Schwestern.

Widerstrebend nickten sie.

„Na seht ihr! Deshalb würde ich euch vorschlagen... dass ihr, wenn es dann ums Planen geht... euch vielleicht zurückhaltet."

„Zurückhalten... inwiefern?"

„Nun, Piper... ihr sollt natürlich helfen und Vorschläge machen. Aber es wäre wahrscheinlich ganz gut, wenn ihr die anderen auch mal zu Wort kommen lasst."

Man musste den Schwestern zugute halten, dass sie darauf nichts sagten.

ooo

Am Vormittag des nächsten Tages...

Unten in der Eingangshalle des Skyscrapers, der den Regierungssitz des Weltherrschers darstellte, stand Chris und ließ sich einen Termin geben.

„Hallo", sagte er freundlich zu der weiblichen menschlichen Empfangsdame – die bei genauerem Überlegen wahrscheinlich weder weiblich noch menschlich war.

„Mr.Halliwell, welche Freude! Was kann ich für Sie tun?"

Bei so viel falscher Freundlichkeit zwang sich Chris ein Lächeln ab. Sie hatten ihn wahrscheinlich schon 200 Meter vor dem Gebäude gesehen, gescannt und seinem Bruder mitgeteilt, dass er auf dem Weg war. „Ich würde gerne meinen Bruder sprechen, wenn das möglich wäre."

„Lassen Sie mich nachschauen, ob er verfügbar ist." Sie schaute auf ihren Bildschirm und drückte einige Tasten.

„Natürlich. Nehmen Sie sich alle Zeit, die Sie brauchen."

„Ah... wie es aussieht, ist er gerade frei. Wenn Sie so freundlich wären, mit dem Fahrstuhl nach oben zu fahren? Ich sage ihm Bescheid, dass Sie kommen."

„Aber sicher doch", lächelte Chris noch einmal und wandte sich ab um zum Fahrstuhl zu gehen.

Dabei kam er an einer der weniger gut versteckten Kameras vorbei und zwinkerte dem Objektiv zu.

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„Alle Achtung kleiner Bruder. Immer in die Höhle des Löwen, was?" Wyatt schaute belustigt zu, wie er in den Fahrstuhl stieg.

Mike, der hinter ihm gestanden und beobachtet hatte, wie Chris der Kamera und so Wyatt zugezwinkert hatte, hatte bei der Sache ein komisches Gefühl im Magen. So sehr, dass er gar nicht bemerkt hatte, wie Wy den Wächter des Lichts eben genannt hatte.

Chris Halliwell... wow...Im Gegensatz zu Julie war er ein Charmed-Fan. Im Übrigen hatte er herzlich gelacht, als sie ihm sagte, dass sie die Serie eigentlich gar nicht mochte und dann direkt in Chris' Arme gefallen war. Jetzt jedoch würde er Chris auch kennen lernen. Ihn hatte es schon immer interessiert: Sagte er wirklich die Wahrheit? Wollte er Wyatt retten? Und vor was? Dann war „Chris-Crossed" gelaufen und er hatte gesehen, wovor... hatte es sogar selbst gespürt, als er Wyatts Gefangener wurde. „Was macht er hier?", fragte er jetzt Wy.

Die Schultern vor ihm zuckten und mit einem Knopfdruck verschwand der Bildschirm wieder in der Armlehne. „Wer weiß... Vielleicht... Wir werden sehen!"

Mike stellte sich wieder ordentlich hin und dann ging auch die Fahrstuhltür am anderen Ende des Raumes auf. Wyatt stand auf und ging seinem Bruder entgegen. "Hallo Chris."

Chris blieb auf der Hälfte des Weges stehen. Von seinem Gesicht war nichts zu lesen, seine Stimme klang allerdings nicht ganz so unnatürlich, wie in „Chriss-Crossed", als er antwortete: „Hallo Wyatt."

„Wie komme ich zu diesem unerwarteten Besuch? Soll ich dir einen Platz anbieten? Oder soll ich stehen bleiben für die unvermeidliche Konfrontation wenn dieses nette Gespräch vorüber ist?"

Chris lächelte schwach – aber ehrlich dieses Mal. Dann seufzte und zeigte auf die Sitzecke. „Setz dich, Wy... und lass ihn sich auch setzen, wer auch immer er ist", sagte und zeigte auf Michael. Es war ihm ziemlich egal, wer der Typ war. Für einen dämonischen Leibwächter war er nicht stämmig genug, für einen Liebhaber fehlten ihn doch ein paar weibliche Attribute und ansonsten... ein Ratgeber? Hm...

Wie auch immer, Wyatt folgte seinen Bruder und setzte sich und winkte auch Mike heran. „Darf ich vorstellen, Chris – Michael, Mike – Chris. Obwohl ich mir mal denke, dass Michael dich schon kennt, was?"

Mike, der sich auf einem Sessel niedergelassen hatte, nickte. „Naja, die Bekanntschaft ist etwas einseitig, wenn der eine den anderen einmal die Woche eine Stunde sieht... der andere aber nicht mal weiß, dass du existierst", sagte er.

„Einmal die Woche? Eine Stunde?" Chris' Augenbrauen wanderten in Richtung Haupthaar. „Du bist einer von ihnen?" Jetzt sah er interessiert aus. Was machte einer der Parallelweltler hier oben? Chris hatte angenommen, dass sie alle unten hübsch in ihren Zellen saßen.

„Ist er", bestätigte Wyatt für Michael. „Allerdings hoffe ich, dass er es vorziehen wird, hier zu bleiben. Damit ich weiter seine Gesellschaft schätzen kann." Er lächelte – und auch wenn Chris keine Ahnung hatte, wieso, brachte ihn das auf einen Gedanken. „Du bist doch nicht etwa verknallt?"

Michael sah bei dem Gedanken erschrocken aus; Wyatt lachte schallend. „Was, Chris? Sind wir jetzt homophob? Aber nein, ich bin nicht verknallt in Michael. – Gott, wie kommst du nur auf solche Ideen", fügte er an und grinste noch einmal, als wäre er nicht der böse Herrscher über Welt und Unterwelt.

„Na entschuldige mal", versuchte Chris sich zu verteidigen. „Wenn du sagst, du willst ihn hier behalten, bedeutet das ja wohl, dass du weißt, dass wir die anderen zurückschicken müssen. Und dann frage ich mich natürlich, was an ihm so besonderes sein soll! Irgendwie habe ich eben versucht, mir das zu erklären..."

„Süß", sagte Wyatt, dem es immer noch nicht gelungen war, das Grinsen aus seinem Gesicht zu wischen. Dann sah er Michael an. „Und... hast du dir auch diese bestimmte Frage schon gestellt?"

„Nein", sagte Michael wahrheitsgemäß. „Ich dachte, es macht dir nur so Spaß mich zu quälen." Er nahm in dieser Sache inzwischen kein Blatt mehr vor den Mund. Zumindest hatte er nicht vor, es vor Chris zu tun, der wahrscheinlich genau wusste, wozu sein Bruder fähig war.

Chris jedenfalls fand es sehr aufschlussreich, das zu hören. Beunruhigend und beruhigend zu gleich. Beunruhigend, weil er hier offensichtlich einem weiteren von Wyatts Opfern gegenüberstand und er dabei nie ein leises Gefühl der Schuld unterdrücken konnte. Beruhigt, weil das wohl bedeutete, dass Wyatt nicht dabei war, die Parallelweltler einer Gehirnwäsche zu unterziehen, damit sie wie er dachten und dann ihre eigene Welt ins Chaos stürzen konnten.

„Nah, so stimmt es nun auch wieder nicht ganz", widersprach Wyatt. „Aber ich denke mal, du kriegst es schon irgendwann raus." Dann wandte er sich an Chris. „Also, was führt dich her?"

„Nun, genau genommen – und lach nicht, wenn du es hörst – will ich dich warnen."

Das war tatsächlich zum Lachen. Angesichts der Lage... aber Wy hatte Chris mal ein Versprechen gegeben. Damals als es absehbar wurde, dass Chris in die aktive Opposition zu ihm gehen würde. Er hatte Chris gesagt, dass draußen auf der Straße für ihn das gleiche Gesetz gelten würde wie für jeden Rebellen. Doch wenn er zu ihm kommen würde, in sein Haus, dann würde er wissen, dass es wichtig war und er würde ihm zuhören. Es war so eine Art Strohhalm, eine Rettungsleine – die Hoffnung, dass Chris eines Tages zu ihm kommen und mit ihm reden würde... wirklich reden. Nicht immer nur die gleichen Phrasen darüber zu wiederholen wie gut das Gute war. Also hörte er zu. „Sprich."

ooo

Als Cole zurückkam, fragte Piper ihn: „Er ist jetzt drin, nicht wahr?"

Cole nickte. Seine Späher hatten es ihm gerade bestätigt.

Ihm gefiel der Plan nicht. Aber es war nun mal Chris' Entscheidung, wenn er sein Leben riskieren wollte. Cole hatte schon lange aufgehört ihm in der Beziehung etwas vorschreiben zu wollen. Interessanterweise war Piper wohl seiner Meinung, denn als Nächstes sagte sie: „Das ist viel zu gefährlich."

Paige sah sie von der Seite an. „Seit wann bist du so besorgt um Chris?"

Die älteste Schwester warf die Hände in die Luft. „Was soll ich machen? Mein Sohn bringt gerade vielleicht den Mann um, der zu uns gekommen ist, um ihn zu retten! Das hat er nicht verdient!"

„Gehen wir jetzt hoch", fragte Phoebe.

Piper und Paige sahen einander an, nickten und schauten dann zu Cole. Er schaute auch auf seine Uhr, spielte dann in Gedanken kurz mit seinem Stift und sah sie schließlich an. „Ja. Gehen wir es an."

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„Was ist denn los?", wollte Julie wissen, als sie Pel und ihren Wächtern durch den Gang folgte.

Die Kleine zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Mir haben sie auch nicht mehr gesagt als dir." Wenn mich aber nicht alles täuscht, ist Chris da!, sagte sie stumm, in der Hoffnung, dass Julie wieder einen telepathischen Schub hatte.

Tatsächlich sah Julie sie erstaunt an. Ehrlich?

Pel sandte ihr das geistige Synonym zu einem Kopfnicken. Ich kann seine Anwesenheit spüren.

Muss praktisch sein, ein Telepath zu sein.

Ach, und was bist du?, fragte Pelagia zurück.

Tja, das ist die große Frage...

o

„Wieso sollte ich dir das glauben?", fragte Wyatt, als Chris fertig war. „Woher weiß ich, dass das hier nicht der Beginn eines Angriffs ist?"

„Ich schätze, du kannst es nicht wissen." Einen Moment zögerte er, bevor er weitersprach: „Die Frage, die ich mir stelle ist, was du tun würdest, wenn du mir glaubst... Sie sind dumm... aber sie folgen auch nur ihren Idealen, so wie du den deinen."

„Ist es das? Du willst bei mir um ihr Leben bitten? Das sieht dir gar nicht ähnlich."

„Nunja, irgendetwas muss ich ja tun." Chris rutschte auf dem Sofa herum, als wäre es ihm tatsächlich unangenehm. Was ihn eigentlich störte war aber, dass er das hier tat und damit die Chance kaputtmachte, jemals wieder mit Wy so reden zu können. Er hatte gewusst, dass das hier sicher war – entgegen aller düsterer Vorraussagen seines Onkels. Aber er würde Wyatts Vertrauen erneut verraten. Und es würde das letzte Mal sein, dass er ihm die Möglichkeit dazu gab. Keine sicheren Treffen mehr... es war ein neuer Schlussstrich. Ein neuer Bruch mit dem er sich einmal mehr von seinem Bruder entfernte... wie er es hasste.

Wyatt lehnte sich zurück und betrachtete ihn nachdenklich. „Es gefällt mir irgendwie nicht... dass du an ihnen zweifelst."

„So darfst du das nicht sehen. Wenn ich für möglich hielte, was sie versuchen, hätte ich es schon vor Jahren versucht. Sie sind noch nicht soweit. Und nur weil einer von ihnen es denkt, könnten viele ihr Leben verlieren. Das ist unnötig." Womit er wieder nicht die ganze Wahrheit sagte. Selbst wenn es den Angriff auf das HQ nicht gegeben hätte und sie in 3 Jahren ihre Zahlen noch einmal vergrößert hätten... sie wären nie bereit gewesen. Nicht in seinen Augen. Kein Plan der mit dem Tod seines Bruders endete war ein guter Plan. Nicht für Chris. Egal, was dieser Bruder auch getan hatte.

„Interessant", sagte eine neue Stimme. Chris, Wyatt und Mike sahen sich um. Pelagia, Julie und die Wächter standen hinter ihnen. Einen Augenblick musterte er Pel und Julie und als er sah, dass es ihnen gut zu schienen ging, meinte er: „Es ist nun mal so."

„Wie du meinst." Vor Wyatt trauten sie sich nicht in Gedankensprache zu verfallen. Möglich, dass die alte familiäre Bindung ihrer Geister noch bestand.

„Was machen sie hier?", fragte Chris seinen Bruder.

Wy hob in gespielter Enttäuschung die Hände. „Und ich dachte, du freust dich, sie zu sehen."

„Hm. Schön. Ich kann verstehen, warum du denkst, ich würde Pel gern sehen. – Aber was ist mit ihr?" Er deutete zu Julie.

„Er weiß, dass wir uns kennen, deshalb denkt er so", warf Julie ein, bevor Wyatt auf Chris' Worte eingehen konnte. Dann trat sie an die Gruppe heran und setzte sich wie selbstverständlich neben Chris.

„Schön. Hat jemand hier doch mal verstanden was es bringt, mich anzulügen."

Julie sagte darauf nichts, starrte Wyatt nur an. Sie hatte noch nicht verarbeitet, was sie in Mikes Erinnerungen gesehen hatte. Was sie Wyatt hatte tun sehen. Und obwohl sie vorher schon gewusst hatte, dass er böse war – war das jetzt noch einmal etwas anderes.

Wy hob auf ihren kalten Blick hin die Augenbrauen. Dann wandte er sich wieder Chris zu. „Hast du noch genauere Informationen für mich?"

Er überlegte. Hatte er? Nun ja, theoretisch schon. Aber würde er ihm die geben? „Was ist mit meiner… ‚Bitte'?", stellte er die Gegenfrage, um Zeit zu schinden. Es wäre einfacher gewesen, wenn Wyatt und Chris allein oder nur mit Leibwächtern in einem Raum gewesen wären. Jetzt waren Pel und zwei Unschuldige dabei.

Prima… Wie war das?

‚Kein Plan überlebt die erste Begegnung mit dem Feind.'?

ooo

Note 2: Ich weiß, es ist blöd an der Stelle aufzuhören. Und ich hatte auch schon weitergeschrieben... aber das war... hm, jetzt wollte ich schreiben: Das war Müll. Das wäre vielleicht doch etwas hart. Auf jeden Fall hat's mir nicht gefallen und der Teil kommt mit ins nächste Chapter.

Also bis zum nächsten Kapitel,

June22